Eden über die Reform des Völkerbundes.
Das Rohftoffproblem und die Abrüstungsfrage sotten geprüft werden.
Genf, 25. Sept. (DNB.) Die Dölkerbundsver- sammlung hat die Beschlüsse des Präsidiums gebilligt, wonach die Frage der Reform des Völkerbundspaktes bis zum Abschluß der allgemeinen Aussprache zurückgestellt wird.
Als erster Redner der allgemeinen Aussprache erhielt hierauf der englische Außenminister Eden das Wort. Eden begann mit einer Schilderung der gegenwärtigen düsteren Weltlage, die durch die allgemeine Schwächung des Vertrauens und die steigenden Rüstungsausgaben zum Schaden von Wirtschaft und Lebenshaltung gekennzeichnet sei. Trotzdem seien keine zwangsläufigen Krisenursachen vorhanden, wenn jede Regierung unbeschadet ihrer eigenen Ideale Duldsamkeit und Zurückhaltung gegenüber anderen übe. Für England bekannte sich Eden zu den Idealen der Freiheit, der Individualität und des Friedens; man glaube in England an die Demokratie, wenn man diesen Glauben auch nicht allzu laut betone. Eine Aufspaltung der Nationen nach ihrem Regierungssystem in verschiedene Lager wäre verhängnisvoll. Die englische Politik werde sich weiter auf den Völkerbund gründen.
Eden entwickelte dann ein ausführliches R e - form- und A k t i o n s p r o g r a m m , dessen Grundgedanken Erweiterung des Mitgliederkreises und Herstellung vertrauensvoller Loyalität der Mitglieder sind. Um den Völkerbund zu einem wirksamen Mittel der Friedenserhaltung zu machen, müsse man zwei Bedenken der abseits Stehenden überwinden, die den Eindruck hätten, daß der Völkerbund 1. sie auf allgemeine Verpflichtungen, die sie nicht übernehmen wollten, festlege, und 2. für eine Ordnung der Dinge eintrete, mit der sie nicht zufrieden seien. Daher müsse den einzelnen Ländern die Möglichkeit gegeben wenden, ihre Verpflichtungen genau zu umschreiben. Die englische Regierung erwarte große Vorteil von Regionalpakten. England sei bereit, über einen Pakt für Westeuropa zu verhandeln. Der Status quo werde herangezogen werden, wenn die Länder wüßten, daß es friedliche Mittel gebe, durch die gerechte Aende- rungen herbeigeführt wenden könnten. Artikel 19 biete eine Grundlage zu einer freien Aussprache und Prüfung, durch die zum mindesten ein moralischer Druck zur Abstellung von Ungerechtigkeiten ausgeübt wenden könne. Schließlich müsse auch Vorsorge für ein wirksames E i n g r e i - f e n des Völkerbundes im Frühstadium eines internationalen Konfliktes getroffen werden. Artikel 11, Absatz 1 biete hierzu Möglichkeiten. England würde seine Verantwortung voll übernehmen.
Neben dieser Verbesserung der Völkerbundsmaschinerie strebe England aber auch nach einer Verbesserung der allgemeinen politischen Beziehungen. Auch für diese Ziele sei die Mitarbeit aller erforderlich. Man werde
diese Mitarbeit aber nur gewinnen, wenn die Außenstehenden überzeugt seien, daß sie im Völkerbund Gerechtigkeit erlangen könnten, und daß es deshalb in ihrem Interesse sei, ihm anzu- gehören.
Eden sprach sich schließlich für die Trennung der Völkerbundssatzung von denFrie- densverträgen aus. Reif zur Erörterung durch die gegenwärtige Versammlung sei die Frage des Zuganges zu den Roh st offen. Eine unparteiische Sachoerständigenuntersuchung werde von England unterstützt werden.
London, 26. Sept. (DNB. Funkspruch.) „Daily I Telegraph" befaßt sich mit den praktischen । Auswirkungen der Rede Edens vor der Völ-1 kerbundsoersammlung. Es scheine sicher zu sein, daß * England d i e Ernennung eines Ausschus-! s e s zur Prüfung der Frage des Zugangs zu! den Rohstoffen vorschlagen werde. Ferner sei damit zu rechnen, daß die gegenwärtige Versammlung einen Sonderausschuß zur Prüfung der Völkerbundsreform einsetzen werde. England werde jedoch feststellen wollen, ob eine Fünfmächte-Konferenz einberufen werden könne. Die Völkerbundssatzung vom Versailler Vertrag zu trennen und als unabhängiges Abkommen auszuarbeiten, werde keine großen Schwierigkeiten mit sich bringen. Die Trennung würde den Eindruck beseitigen, daß der Völkerbund das Vollzugswerk zur Inkraftsetzung des Versailler Friedensdiktats sei. Aus dem Wortlaut der Satzung würde jede Anspielung auf die „alliierten und assoziierten Mächte" beseitigt werden. Frankreich frage sich bereits, wieweit England jetzt bereit sei, eine Neuverteilung der Kolonialmandate zu erwägen. Es sei sicher, daß die Regierung Blum nicht abgeneigt sei, einen Beitrag zu einer Neuregelung auf diesem Gebiete zu erörtern.
Die „Times" schreibt, Eden habe darauf hingewiesen, daß eine demokratische Nation nicht nur Rechte, sondern a u ch P f l i ch t e n habe. Der Friede Europas werde gefährdet, wenn die Demokratien fortgesetzt fremde Regierungsformen schmähen. Die öffentliche Meinung Englands sei mit Eden darin, einig, daß zunächst Mittel zur Erzielung einer europäischen Regelung zu suchen und nicht eine „Front" zu errichten sei. In England werde man die erneute Versicherung Edens begrüßen, daß die Regierung entschlossen sei, einen Regional- p a k t für Westeuropa auszuhandeln. Ebenso begrüßenswert sei die Mitteilung, daß der Völkerbund nicht auf allen Seiten den Status quo aufrecht-
Die englische A u f r ü st u n g sei eine nativ- nale Pflicht, die fortgesetzt werden müsse, bis ein internationales Abkommen über die Begrenzung und Herabsetzung der Rüstungen zustande- komme. Eine wirkliche Abrüstung hätte sich aber auch auf das geistige Gebiet zu erstrecken. Einen etwaigen Rüstungsstillstand, der nur das U e berge ro i t einzelner Hochgerüsteter festigen würde, könne England nicht mitmachen. Ein leicht zu erreichendes Ziel sei die O f f e n l e - gung der Rüstungsausgaben, worüber bereits ein Abkommensentwurf bestehe.
erhalten könne. Wenn der Völkerbund wieder belebt werden und irgendeine Hoffnung auf Zurückgewinnung der ausgeschiedenen Nationen bestehen solle, müsse der Revisionsartikel 19 ebenso stark berücksichtigt werden, wie der Sanktions- a r t i k e l 16. Diese Aufgabe könne nur erfüllt werden, wenn der Völkerbund stark sei.
pariser Vesürchtungen.
Paris, 26. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Frühblätter stehen völlig im Zeichen der Frankenabwertung, wodurch die Genfer Völkerbundstagung fürs erste fast ganz in den Hintergrund getreten ist.
„Echo de Paris" meint, um einen Westpakt mit Deutschland zu ermöglichen, habe die englische Regierung den Revisionismus ermutigt; eine Tendenz, sich den internationalen auf England lastenden Verpflichtungen zu entziehen, sei zu bemerken. Die von England vorgeschlagenen Methoden würden nicht zur allgemeinen Beruhigung beitragen. Kein Staat werde sich auf eine größere Amputierung seines Hoheitsgebietes einlassen — hier gebe es nur die Gewalt. England werde selber ein Beispiel in bezug auf sein Mandatsgebiet geben.
Auch „Petit Parisien" sagt, Eden habe sich glattweg als Reoisionist gezeigt. Die Worte Edens brächten die Gefahr mit sich, dem Versailler Vertrag, dessen wesentliche Teile bereits „verletzt", dessen Gebietsklauseln aber immer noch in Kraft seien, den Gnadenstoß zu geben. Würden die Völkerbundssatzungen von dem Vertragstext getrennt, dann würde es sehr schwierig sein, die Gebietsklauseln, die doch die Grundlage des Nachkriegseuropas bedeuteten, uneingeschränkt aufrechtzuerhalten. Auch der „Figaro" nennt dies eine höchst gefährliche Politik, denn sie erwecke in den Revisionisten nicht zu verwirklichende Hoffnungen. Kein Volk würde sich im Frieden Teile seines Gebietes wegnehmen lassen.
Die praktischen Auswirkungen der Eden-Rede.
meer nötigenfalls auch mit Waffengewalt zu verteidigen.
Aus dieser neugewonnenen klaren Grundstellung heraus hat England die französischen Bemühungen um eine Rückführung Italiens m die europäische Zusammenarbeit gebilligt, und es ist anzunehmen, daß die Enttäuschung echt ist, die man in London über das Scheitern schon des ersten Schrittes zu einem Ausgleich mit Italien empfindet. Es konnte natürlich von vornherein keine Rede mehr davon sein, den Italienern den Besitz Abessiniens irgendwie streitig zu machen, es kam lediglich darauf an, ein Arrangement zu finden, um Italien die Rückkehr in den Völkerbund zu ermöglichen, ohne bei den in Prestigefragen erwiesenermaßen besonders empfindlichen kleineren Mitgliedsstaaten das Gefühl einer moralischen Niederlage des Völkerbundes und einer Düpierung durch die Großmächte aufkommen zu lassen. Das ist nun trotz aller Erfahrungen, die man in Genf in solchen diplomatischen Kniffen hat, diesmal schmählich vorbeigelungen. Der Generalsekretär des Völkerbundes, der Franzose A v e n o l, war von seinen vorsichtigen Landsleuten mit Billigung Englands vorher schon nach Rom in Marsch gesetzt worden, um die Wünsche Mussolinis zu sondieren. lieber das Ergebnis ist zwar nichts bekanntgeworden, aber es scheint, als ob Italien sich damit begnügt hätte, wenn man die Abessinier von Genf ferngehalten und im übrigen den Fall stillschweigend ad acta gelegt hätte. Aber nicht einmal das sollte der Regie Frankreichs und Englands gelingen. In Genf erschien prompt eine abessinische Delegation und nun verhedderte sich der Ausschuß der Völkerbundsoersammlung zur Prüfung der Vollmachten schnell so unrettbar in einem Knäuel formaljuristischer Spitzfindigkeiten und wirklichkeitsfremder Betrachtungen, daß Vertreter einer „Regierung" zugelassen wurden, deren Land tatsächlich seit Monaten Kolonialbesitz einer europäischen Großmacht ist.
Diese jedem politischen Wirklichkeitssinn hohn- sprechende Groteske ist bezeichnend für die ganze Genfer Atmosphäre, in deren Nebel die Völkerbundsdelegierten anscheinend jeden kritischen Abstand von den tatsächlichen politischen Gegebenheiten verlieren. Statt von ihnen ausgehend einen ehrlichen Ausgleich zwischen den nationalen Interessen der Völker zu suchen, lassen sich diese hilflosen Weltbeglücker, in ihren politischen Doktrinen befangen und ohne die Hintergründe des Spiels zu durchschauen, von skrupellosen internationalen Drahtziehern vor ihren Wagen spannen und für ihre machtpolitischen Zwecke mißbrauchen. Im Fall Abessiniens hat der Wortführer des Welt- bolschewismus im Genfer Völkerbund, der sowjetrussische Außenkommissar Litwinow-Fin- k elfte in, diese Rolle des Drahtziehers ge-fpielt. Ihm ist es gelungen, eine Reihe kleinerer Mitgliedsstaaten bei ihrer Grundsatztreue zur Völkerbundssatzung zu packen und damit zu erreichen, daß diese in völliger Verkennung der wahren Beweggründe der bolschewistischen Taktik diesem Herrn Litwinow zu einem großartigen Erfolg seiner skrupellos auf das politische Chaos und die Unterminierung jeder ehrlichen politischen Zusammenarbeit gerichteten Politik verhalfen. Dieser Genfer Schildbürgerstreich ist geradezu eine Gefahr für den Weltfrieden, denn er hält den Intriganten den Steigbügel, die keine ehrliche Zusammenarbeit der Völker wollen. Deutschland jedenfalls sieht wieder einmal, wie berechtigt es war, dieser Atmosphäre unwirklicher Phantastereien und gefährlicher Intrigen den Rücken zu kehren.
Litwinows geschickter Taktik war es gelungen, auch Frankreich und England wider ihre bessere Ueberzeugung und entgegen ihren ursprünglichen politischen Absichten zu zwingen, dem jeder politischen Vernunft hohnsprechenden Beschluß des Prüfungsausschusses der Dölkerbundsversammlung zu- zustimmen. Aus dem Dilemma, das ihnen der Vorstoß Litwinows zugunsten der abessinischen Delegation eingebrockt hatte, wußten die Außenminister Frankreichs und Englands anscheinend keinen anderen Ausweg, als den von ihnen geforderten Beweis der Treue zur Völkerbundssatzung anzutreten, auch wenn er, wie in diesem Falle, nicht nur der eigenen politischen Linie zuwiderläuft, sondern auch für die Zukunft noch nicht abzusehende verhängnisvolle Folgen haben muß. Aber auf diese Folgen kam es ja Herrn Litwinow-Finkelstein an. Er wollte mit der Brüskierung Italiens durch den mit den Stimmen Frankreichs und Englands gefaßten Völkerbundsbeschluß einen neuen Keil zwischen die drei Westmächte treiben, die alle drei bemüht waren, die diplomatischen Wunden aus dem Abessi- nienkonslikt zu heilen. Er wollte eine weitere Zusammenarbeit im Hinblick auf das Zustandekommen der Fünfmächtekonserenz und den hier zur Verhandlung stehenden neuen Westpakt verhindern und damit den französischen Bundesgenossen, der nach einer Verständigung mit Deutschland und einer Erneuerung der englisch-italienischen Garantie vielleicht an dem bolschewistischen Gängelband den Geschmack verlieren könnte, bet der Stange halten.
Das Echo der Pariser Presse zeigt, wie peinlich man in Frankreich die Genfer Tragikomödie und ihre Folgen für die französische Außenpolitik empfindet. Man hat in Paris sehr wohl erkannt, wem man diese Schlappe zu verdanken hat. „Litwinow hat den Völkerbund torpediert", schreibt z. B. das „Journal" und sagt, der Sendbote Stalins habe durch die Beleidigung Roms Italien von jeder europäischen Zusammenarbeit ausgeschaltet und damit erreicht, die bevor- stehende Zusammenkunft der Westmächte zum Scheitern zu bringen. Auch in Paris sicht man die Gefahr, wenn nun die Mechanik des Genfer Apparats, die bislang von den Westmächten für ihre eigensüchtigen politischen Zwecke in Betrieb gehalten wurde, nun von dem Vertreter des Weltbolschewismus gehandhabt wird, gegebenenfalls wie der Fall Abessinien bewiesen hat, auch gegen diejenigen, die diesen Apparat einst erfunden haben. Dabei sind es einst die Franzosen selber gewesen, die dem Bolschewismus in Genf die Tür geöffnet haben. Jetzt sind sie erschrocken über die Folgen einer Politik, die der Minterarbeit des Bolschewismus in Europa den Boden bereiten half und die Zerstörung aller Grundlagen vertrauensvoller Zusammenarbeit der Völker förderte. Die Haltung Englands und Frankreichs in Genf ist nicht bis zum letzten klar. In einigen französischen Blättern findet sich die Andeutung, daß nun, wo Italien für eine Fünfmächtekonferenz und eine Beteiligung an einem neuen Westpakt nicht zu haben sein werde, man England an den Briefwechsel erinnern müsse, in dem sich Frankreich, England und Belgien den gegenseitigen Beistand für den Fall zusicherten, daß kein neuer Westpakt mit Deutschland zustande kommen sollte. Ob man sich in London zu einer solchen einseitigen Festlegung, die England länger als ein Jahrzehnt hindurch allen französischen Liebeswerbungen zum Trotz strikt abgelehnt hat, heute bereitfinden wird, dürfte äußerst fraglich ßein. Wir werden es jedenfalls in aller Ruhe abwarten können. Weit bedenklicher erscheint uns die Hilflosigkeit der beiden Westmächte gegenüber dem bolschewistischen Torpedo, dessen Zweck klar auf der Hand
liegt, in einem uneinigen, von Kriegsfurcht und Eifersucht zerrissenen Europa der Weltrevolution das Tor 3u öffnen. Das hat man nur in Genf nicht durchschaut, wo der Nebel wirklichkeitsfremder Doktrinen die Illusionisten unfähig macht, die tatsächlichen Zusammenhänge zu erkennen. F. W. L.
Nationalistische Flugzeuge bombardieren Bilbao.
Die Roten erschießen 90 Geiseln!
St. Jean de L u z, 26. Sept. (DNB.) Nachdem die Aufforderung der Nationalisten an die Bevölkerung der Stadt Bilbao, sich zu ergeben, am Freitag früh um ein Uhr abgelaufen war, hat ein sehr heftiger Bombenabwurf auf die Stadt begonnen. Fünf dreimotorige Bombenflugzeuge und drei Jagdflugzeuge warfen 100 bis 150 Bomben ab. Der Nordbahnhof steht in Flammen, zahlreiche Wohnhäuser sind zerstört, das Regierungsgebäude und das Provinziallandtagsgebäude sind von den Bomben getroffen worden. Man spricht von 100 Toten und 300 Verwundeten. Die Bevölkerung befindet sich in höchster Erregung. Don linksgerichteten Kreise der Bevölkerung ist die Forderung gestellt worden, daß 4 0 00 Geiseln, die sich in Bilbao in Händen der Roten befinden, sofort hingerichtet würden (!!!). Sofort nach dem Bombardement sind von jedem der drei Geiselschiffe je zehn und aus den sechs Gefängnissen weitere je zehn Geiseln als „Vergeltungsmaßnahme" (!) erschossen worden. Es heißt, daß die baskischen Separatisten, die bisher das Uebergewicht hatten, dieses verloren und daß die Anarchisten die volle Macht an sich gerissen hätten.
Marquis Merry del Val, der langjährige Botschafter in London, der sich in Biarritz aufhält, hat dem Evening Standard eine Schilderung des Schicksals vieler in den Händen der Roten befindlichen Gefangenen in Spanien gegeben. In dem Bericht heißt es, daß vor allem viele Mitglieder der Aristokratie auf Schiffen gefangen gehalten werden, deren Boden mit Dynamit gefüllt ist. Gelingt es den Nationalisten, Santander oder Bilbao zu nehmen, sollen die Schiffe in die Luft gesprengt werden. Auf den Schiffen müssen die Gefangenen schwerste Arbeit verrichten und teilweise auf Deck schlafen. Unter den Gefangenen befinden sich auch Frauen, darunter eine Rote-Kreuz- Schwester, die sich im marokkanischen Kriege so ausgezeichnet hat, daß sie einen Orden verliehen bekam. Ein Engländer berichtet, daß in Ronda über 800 wohlhabende Bürger innerhalb von zwei Wochen von den Regierungsanhängern htngerichtet worden sind. Ronda, das etwa 35 000 Einwohner habe, liege völlig verlassen ba. Die Bevölkerung habe sich aufs Land zurückgezogen. Diele Kinder seien vor Erschöpfung, Hunger und Durst gestorben. In den Straßen der Stadt sehe man zahlreiche verstümmelte Leichen. Die Kirchen seien völlig ausgeplündrt.
OReidyettagung
der deutschen Lichttechniker in Frankfurt
In Frankfurt a. M. wurde die Reichs- tagung der deutschen Lichttechnik er eröffnet. Nach der Begrüßung wies der Reichsvorsitzende der Deutschen Lichttechnischen Gesellschaft, Prof. Dr. Ing. R. G. W e i g e l-Karlsruhe, auf die Bedeutung der Lichttechnik in kultureller und volkswirtschaftlicher Beziehung hin.
„Kulturgut und Licht" war das Thema, mit dem Prof. Dr. Ing. K. Quasebart H-Berlin die Reihe der Festoorträge eröffnete. Licht ist der Anfang aller Schöpfung, der göttlichen wie der menschlichen, so führte der Redner aus. Als Lebensträger und Kulturschöpfer steht das Licht am Anfang und Ende aller Dinge.
Professor Dr. meb. W. Meisne r-Köln, nahm bas Wort zu bem bedeutsamen Fragengebiet „L i ch t u n d A u g e", in bem er bte Richtlinien aufmies, nach denen vom Standpunkt des Augenarztes aus das natürliche und künstliche Licht Anwendung finden sollte.
Dipl.-Jng. E. von der T r a p p e n-Berlin berichtete über „d i e lichttechnischen Ausgaben der neuzeitlichen Feiergestal- t u n g". Er zeigte, wie von jeher das Licht willkommene Gestalterin von Feierstunden war. In der Gegenwart hat die Lichttechnik bei der Festausgestaltung eine hervorraaende Beteiligung gefunden. Baurat Phil. Schmidt (Nürnberg) sprach über die Lichttechnik auf dem Reichsparteitag.
Qunft und Wissenschaft
Erster Deutscher Volksbüchereitag in Würzburg.
Unter zahlreicher Beteiligung der Bibliothekare aus allen Teilen des Reiches wurde in Würzburg der erste Deutsche Volksbüchereitag eröffnet. In einer öffentlichen Kundgebung begrüßte
der Leiter des Verbandes, Bibliotheksdirektor Dr. Schuster (Berlin) Tagungsteilnehmer und Ehrengäste. Seit der Danziger Tagung des Verbandes, so führte er u. a. aus, fei es dank der zielbewußten Aufbauarbeit des Reichserziehungsministers möglich geworden, den organisatorischen Aufbau des Volksbüchereiwesens so weit zum Abschluß zu bringen, daß nunmehr auch der langersehnte Zusammenschluß der Bibliothekare habe durchgeführt werden können. Die Voraussetzungen hierfür habe der Führer geschaffen, der die Standesunterschiede über- brückte und dafür gesorgt habe, daß Bildung nicht mehr als Vorrecht einer bestimmten Klasse gelte. Dadurch seien auch die öffentlichen Büchereien wieder zu einer neuen Würde gelangt. Der Führer habe sie zu Büchereien des Volkes gemacht. Professor Dr. Daehnhardt (Berlin) übermittelte die Grüße des Reichserziehungsministers, gab einen Rechenschaftsbericht über die diesjährige Arbeit des Verbandes und sprach über das Ziel des Volksbüchereiwesens. Die Tagung wird mit einer Reihe von fachlichen Vorträgen fortgesetzt.
„Simplizlssimus" in neuen Händen.
Der „S i rn p l i z i s s i rn u s", die bekannte satirische Wochenschrift, erscheint ab 1. Oktober im Verlag Knorr & Hirth G. m. b. H., München. Die Künstler Karl Arnold, Olaf Gulbransson, Erich Schilling, Wilhelm Schulz, Eduard Thony werden wie bisher am Blatte Mitarbeiten.
Ideelle und praktische Ausgaben der deutschen Reisebüros.
Reichsverkehrsminister Frhr. von Elh-Rübenach auf dem 1. Deutschen Reisebürotag in Frankfurt.
Frankfurt a. M. steht in diesen Tagen im Zeichen des Er st en Deutschen Reisebürotages, zu dem aus dem In- und Ausland weit über 1000 Teilnehmer erschienen sind. Nach einer Begrüßung der Presse durch den Leiter der Reichsverkehrsgruppe Hilfsgewerbe des Verkehrs, Direktor Kipfmül- l e r, fand die Eröffnungssitzung statt, an der u. a. Reichs- und Preußischer Verkeyrsminister Frhr. v. Eltz-Rübenach, Staatsminister a. D. Hermann Esser, der geschäftsführende Präsident des Reichsausschusses für Fremdenverkehr und der Präsident des Werberats der Deutschen Wirtschaft Ministerialrat Reichard teilnahmen.. Zu Beginn der Kundgebung begrüßte Direktor Kipfmüller die Versammlung. Anschließend ergriff der
Reichs-undpreußischeLerkehrsminister Frhr. v. Eltz-Rübenach
das Wort. Nach Darlegung der Gründe, die für die Schaffung der Reichsverkehrsgruppe im organisatorischen Aufbau der deutschen Wirtschaft maßgebend gewesen seien, hob der Minister anerkennend hervor, daß es trotz des kurzen Bestehens der Reichsverkehrsgruppe möglich gewesen sei, durch grundlegende Anordnungen die Verhältnisse des Reisebürowesens auf einen festen Boden ZU stellen. Die Tätigkeit der Reiseunternehmer sei fest umschrieben, fest umgrenzt die des Reisemittlers, klargestellt der Begriff des Reisebüros. Nirgends in der Welt sei die Reisemittlertätigkeit so eindeutig umrissen worden.
Der Minister behandelte in diesem Zusammen- bang auch die Frage des Reisebürogesetzes, dessen Derabschiedung er für die nächste Zeit glaubte
in Aussicht stellen zu können. Das Gesetz werde die Handhabe bieten, die Bestrebungen der Reichsverkehrsgruppe auf Reinhaltung des Gewerbes von Schädlingen zu unterstützen. Sehr eingehend sprach der Minister über die hohen ideellen Aufgaben, die das Reisebürogewerbe zu erfüllen habe. Nur durch ständiges Suchen und Finden neuer Wege und Möglichkeiten könne das Gewerbe auf der Höhe bleiben, deshalb dürfe durch Schaffung eines Numerus clausus nicht der Zugang zu einem Gewerbe verwehrt werden, das Ausschau in die weite Welt ermögliche. Lediglich materielle Gesichtspunkte dürften für den wahren Reisemittler nicht ausschlaggebend sein, wenn er seine Aufgabe, Träger und Mittler des Verkehrs zu sein, richtig erfüllen wolle. Richtige Beratung der Oef- fentlichkeit sei Aufgabe der Reisebüros, und hierzu gehöre die Kunst der Einfühlung in die Wünsche des Reisenden und Menschenkenntnis.
Der Minister ging auch auf die Frage des Auslandsreisens ein und bezeichnete es als fremdenverkehrspolitisch verfehlt, wenn ein Land aus Grundsatz den Reiseverkehr ins Ausland sperren würde. Wenn allerdings ein Land aus Selbst- erhaltungsgründen gezwungen wäre, die Mitnahme von Geldbeträgen ins Ausland zu verweigern, so könne dies nicht dahin gebeutet werden, als wolle es den Reiseverkehr ins Ausland unterbinden, dagegen aber selbst alle Vorteile des Reisestroms aus dem Ausland genießen. Die von Deutschland abgeschlossenen Reiseverkehrsab kommen bewiesen deutlich, daß Deutschland sich nicht gegen Auslandsreisen sperre.
Der Minister begrüßte den Plan der Reichsver» kehrsgruppe durch Gründung einer Reisebüro«


