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Ur. W Drittes Blatt

Metzen« Anzeiger (Gemral-Anzelg« für (Sbertzetzen)

Zreitag, 26. Ziini 1956

Aus Oer prouinzialhauptstaO«.

Das Gommerlied.

Veranstaltung des Singkreifes Gießen.

Der Landschaftsbund Volkstum und Heimat hatte für Mittwoch zu einer Veranstal­tung des Singkreises Gießen, im Arbeitskreis für Hausmusik, eingeladen.

Herr Otto Siegler, der Leiter des Singkreises, begrüßte die Anwesenden und unter ihnen vor allem Herrn Händchen, den Gaufachschaftsleiter des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat. Die Musik sei ihnen zum Lebensbedürfnis gewor­den, so etwa führte Herr Siegler aus, eine reine Sing- und Musizierfreude führe sie zusammen; sie seien im eigentlichen Sinne des WortesDilet­tanten"

Gegen Ende der Darbietungen hielt dann noch der Herr Gaufachschaftsleiter Händchen eine programmatische Rede, die einmal Grundsätzliches über die Beziehungen zwischen Musik und Volk und überhaupt zwischen Musik und Mensch zum Ausdruck brachte. Musik sei eine lebensgestal­tende Macht, aber nur dann, wenn wir selbst musi­zieren, oder uns in eine Gemeinschaft zum gemein­samen Musizieren hineinstellen. Um diese Freude und dieses Mitschwingen in der Musik zu erleben, sei es notwendig, ein Material zu haben, das diese Grundvoraussetzungen gewährleiste: dazu sei vor allem die alte Musik geeignet. Man werfe den Singkreisen oder überhaupt der Hausmusikbewe­gung zu Unrecht Altertümelei vor, denn es gehe nicht darum, alte Musik zu treiben, sondern darum, eine Musik zu finden, die im Bereich der Möglich­keiten eines Laien liegt, gleichzeitig aber auch musi­kalisch wertvoll ist, und die die Distanz zwischen Hörern und Musizierenden überbrückt. Diese Di­stanz besteht ohne Zweifel, sie ist das Erbe einer übersteigerten Technik auf Kosten der Musikalität, die dann zu jener Podiumskunst führte, bei der der Hörer nur zum ästhetischen Genießen verdammt war. So verlor der Mensch des 19. Jahrhunderts ein unmittelbares Verhältnis zur Musik. Musik durch Radio und Grammophonplatte ist die logische und notwendige Folge dieser Entwicklung.

Gehen wir aber in der Geschichte der Musik zurück, betrachten wir unser klingendes Erbe, so entdecken wir ungeahnte Möglichkeiten: eine Über­reiche Fülle biete sich uns aus einer Zeit, wo noch lebendige Beziehung zwischen Musik und Volk be­stand, wo jeder einzelne wirklich teil hatte an dem alten Liedgut, und wo die Instrumentalmusik durch Einfachheit und Schlichtheit für jeden ernsthaften Laien ausführbar war.

Das ist der Weg, der zur alten Musik führt, weil das Volk zur Musik vor allem zum Singen zurück- gewonnen werden soll. Wenn uns wieder Musik zu einer Lebensnotwendigkeit geworden ist, dann kann sie zu echter Gemeinschaft führen und unser ganzes Leben bereichern und verinnerlichen, und auch dann kann sie erst wieder Früchte zeitigen, die von längerem Bestand sein werden.

Wer so die Hausmusik versteht, dem wird klar, daß hier keine Konkurrenz für den Fachmusiker entsteht oder überhaupt entstehen kann; im Gegen­teil: wenn der Mensch erst wieder eine solche leben­dige Beziehung zur Musik zurückgewonnen hat, wird er erst ganz die Leistung derGroßen" wür­digen können.

Die Singkreise und Überhaupt alle Bestrebungen, die fast durchweg im Arbeitskreis für Hausmusik, K^üel, zusammenlaufen, zeigen den Willen zu ernst­hafter Arbeit auf diesem Gebiet und sind somit ein verheißungsvoller Anfang. Er freue sich, so etwa schloß Herr Händchen, daß es Herrn Siegler wie­der einmal gelungen ist, seiner stetig wachsenden Gemeinde" eine Abendmusik in diesem Sinne zu bieten.

Es kann darum nicht Aufgabe dieser Zeilen sein, zu beurteilen, ob eine Leistung schlechter oder besser als die andere war: das wäre ein gründliches Mißverstehen der Veranstaltung. Denn nicht die Leistung, sondern der Einsatz ist das Entscheidende. Und dieser Einsatz war ohne Zweifel bei allen Mitwirkenden, in ihrer ganzen Haltung und Musi­zierfreude spürbar. Aber auch die Hörerschaft bewies, daß sie den Geist der Veranstaltung begrif­fen hatte, als sie gebeten wurde, gemeinsam den alten, englischen KanonSommer ist ins Land gekommen" (1240) zu singen.

Die Reihenfolge der Darbietungen verstand es, einen geschickten Wechsel zwischen Jnstrumentalstücken und Sommerliedern (a cappella) durchzuführen. Nach 2 Tanzsätzen von Valentin Hausmann, kamen drei frische und mitreißende Sommerlieder von Thomas Morley, GeorL Haß und Lorenz Lemlin. An Jnstrumentalstücken kamen 2 flüssige Sonaten für 2 Querflöten von Georg Phil. Telemann (eine in D-dur und eine in A-dur) und zwei weitere Tanzsätze von Melchior Franck. Dazwischen lagen der Kanon für alle und noch drei klangvolle Som­merlieder von Melchior Franck, Michael Praetorius und Hans Leo Haßler.

Den krönenden Abschluß bildete dieSerenata im Walde zu fingen" von I. A. Peter Schulz für Einzelstimme, Chor und kleines Orchester. Musik und Text (Math. Claudius) brachten in launischer Weise ein Loblied für den unverfälschten deutschen Wald zum Ausdruck.

Die dargebotene Musik im einzelnen hier mit Worten wiederzugeben, bringt sie dem Leser um keinen Schritt näyer, wer ihren Schwung miterle­ben will, tue mit, oder komme zur nächsten Ver­anstaltung. Rcht.

Lornoiizen.

Tageskalender für Freilag:

Gloria-Palast, Seltersweg:Die Puppenfee". Oberhessischer Kunstoerein, 16 bis 19 Uhr, Aus­stellungFrauenbildnis mit Schmuck im Foyer des Stadttheaters.

Volkshallenverein Gießen.

Der Volkshallenverein Gießen veranstaltet am Mittwoch, 1. Juli, 12 Uhr, im Stadthaus Bergstraße, seine ordentliche Mitgliederversammlung. Auf die heutige Bekanntmachung sei hingewiesen.

Vorsicht

bei der Verwendung von Beitrags­marken zur Invalidenversicherung.

Nach der Bekanntmachung des Herrn Reichsstatt­halters in Hessen Landesregierung vom 21. März 1936 ist allen mit der Ausstellung und dem Umtausch der Quittungskarten betrauten Per­sonen unter agt, Gelder zum Ankauf und zur Ver­wendung von Beitragsmarken entgegenzunehmen. Die für die ordnungsmäßige Beitragsleistung ver­antwortlichen Arbeitgeber sowohl als auch Oie»

Die neue katholische Kirche in Gießen.

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Die vollendete neue katholische Kirche an der Liebigstraße.

Die katholische Gemeinde unserer Stadt kann in diesen Tagen die seltene Feier einer Kirchenweihe begehen. Ein solches Er­eignis ist nicht alltäglich, wenn man bedenkt, daß die erste, in der Neuzeit in Gießen errichtete Kirche, Ecke Frankfurter und Lie­bigstraße, (das jetzige .Katholische Vereinshaus^) im September des Jahres 1840 ihrer Bestimmung übergeben wurde. Dieses Gotteshaus war für eine Gemeinde von 400 bis 500 Seelen gedacht und erwies sich bereits zu Aus- gang des vorigen Jahr­hunderts als zu klein. Man mußte sich mit dem Gedanken einer Erweite­rung oder mit der Er­richtung einer neuen Kirche vertraut machen. Die Ver­größerung der ersten Kirche erschien aus räum­lichen Gründen nicht mög­lich. So wurde im Jahre 1898 ein neuer Bauplatz erworben. Für den Neu­bau der katholischen Kirche in Gießen wurde bereits im Jahre 1902 ein Ent­wurf angefertigt, der eine dreifchiffige Kirche mit zwei Türmen in einer Gesamtlänge von 58 Meter und in einer Breite von 22,60 Meter vorsah. Nach diesem Plan wurde vorerst ein Joch des Lang­schiffes, sowie das Quer­schiff mit Chor und Sa­kristei gebaut. Der ur­sprüngliche Gedanke, den vollständigen Ausbau der Kirche bald auszuführen, ließ sich nicht verwirk­lichen.

Erft im Jahre 1934, und nachdem das weitere Anwachsen der Gemeinde die Forderung der Ver­größerung des Kirchenraumes immer dringender machte, entschloß sich der Kirchenvorstand dem Aus­bau näherzutreten. Allerdings mußte man sich da­bei zu einer Umarbeitung der Pläne entschließen, da das in den Jahren 1928 bis 1929 errichtete neue Pfarrhaus berücksichtigt werden mußte. Aus prak­tischen und geldlichen Gründen wurde auf den zweiten Turm und auf ein Joch des Langschiffes verzichtet.

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In triefen Tagen wurde nunmehr die Kirche bis auf den äußeren Putz vollendet, der Bau repräsen­tiert sich in den Formen der Spätgotik. 70 Meter hoch erhebt sich der Turm über die Straße, ein zweiter kleinerer Turm flankiert das nordwestliche Seitenschiff. Ein zweistöckiger Bau mit Durchfahrt verbindet in ansprechender Weise Kirche und Pfarr­haus. Von der Liebigstraße aus führt eine zwei­armige Freitreppe empor und zwar zunächst auf einen großen Vorplatz, von dem aus eine weitere

Treppe zum Haupteingang der Kirche führt. Das Innere der Kirche bietet einen schönen Anblick. Kräftige Sandsteinpfeiler und Säulen tragen das 16 bis 18 Meter hohe Gewölbe. Das Gesamtbild wird harmonisch durch den Chor mit seinem Ster­nengewölbe und feinen bunten Fenstern abge­schlossen. Angenehm wirkt das schöne Rot der Architekturglieder, die die durch grünes Fensterglas gedämpften weißen Putzflächen umrahmen. In die Seitenschiffe bietet sich mancher abwechslungsreiche Durchblick. Der Turmraum ist durch zwei Oeffnun- gen in den Erdgeschoßmauern mit dem Kirchenraum verbunden. Die Beichtstühle werden in die zwischen die Strebepfeiler der Seitenschiffe angeordneten Nischen eingesetzt. Am westlichen Seitenschiff ist eine Gruft mit kleiner Kapelle angebaut. Die Kirche enthält zwei Emporen, von denen die größere für die Orgel und den Kirchenchor bestimmt ist. Der Verbindungsbau von der Kirche zum Pfarrhaus birgt im Erdgeschoß einen Bibliotheksraum, im ersten Obergeschoß einen kleinen Saal und darüber eine Wohnung. Das obere Stockwerk des Turmes enthält die Glockenstube.

Der gesamte Bau wurde in IVsiähriger ununter­brochener Tätigkeit vollendet. Er stellte einen erheb­lichen Beitrag zur Arbeitsbeschaffung dar. 100 Per­sonen hatten während dieser Zeit Beschäftigung und Verdienst. Der Turmbau erforderte besonderen Aufwand an Material und Arbeitskraft. Im Keller­stock des Turmes mußten allein etwa 50 000 Stück Klinker vermauert werden. Das errechnete Gewicht dieses Bauteils an der Fundamentsohle beträgt rund 2700 Tonnen.

Selbst während der Bauzeit konnte der Gottes« dienst ohne Beeinträchtigung abgehalten werden. Da der in den Jahren 1902 bis 1905 errichtete Bauteil nach der Liebigstraße zu durch eine hohe Giebelmauer abgeschlossen war, diese aber fallen mußte, so hatte man für die Bauzeit eine feste Bretterwand geschaffen, die jetzt auch entfernt wurde.

Die Entwurfsbearbeitung erfolgte durch die Ar­chitektenfirma Professor Becker in Mainz, die auch die Detailbearbeitung übernommen hatte. Die Ober- und örtliche Bauleitung lag in Händen des dem hiesigen Kirchenoorstand seit 27 Jahren an­gehörenden Baumeister P. G r o d e unter zeit­weiliger Mitarbeit von Dipl.-Jng. L. F. Schmitt, Dessau.

Alle Beteiligten (Bauleitung, Meister, Gehilfett und Angestellten) setzten ihr ganzes Können ein und arbeiteten in bester Weise zusammen. Für die umfangreichen Arbeiten wurden in erster Linie heimische Handwerker herangezogen. Die Arbeit war von Segen begleitet. Es kam nicht ein einziger Unfall vor. Die katholische Gemeinde erwartet nun den hohen Festtag mit großer Freude. Zur Ein- weihungsfeier kann Bischof Dr. Stohr zum erstenmal inmitten der Gießener Gemeinde begrüßt werden, um die Weihe des Gotteshauses zu vollziehen. Für den Domkapitular I. Bayer, der feit 44 Jahren Seel­sorger der Gemeinde ist, bedeutet es eine große Freude, die Weihe des vollendeten Gotteshauses mitzuerleben.

Blick in das Innere der neuen Kirche. (Aufnahmen |2j: Pfaff, Gießen.)

jenigen Volksgenossen, die sich selbst versichern, oder eine frühere Pflichtversicherung freiwillig fort­setzen, werden deshalb ersucht, den mit der Aus­stellung und dem Umtausch der Quittungskarten be­trauten Personen Gelder zum Ankauf und zur Ver­wendung von Beitragsmarken nicht mehr auszuhän- bigen, sondern die Beitragsmarken bei der Post- anstalt ihres Wohn- bzw. Betriebsortes selbst zu kaufen, in die Quittungskarten einzukleben und mit dem Datum des auf die Beschäftigungswoche folgen­den Sonntags deutlich lesbar zu entwerten.

lO=3ol)re0feier

Reichsparteitag Weimar 1926/36.

Dom 3. bis 5. Juli 1936.

NSG. Das Gauorganisationsamt teilt mit:

Sämtliche Teilnehmer an der 10-Jahresfeier haben den Sonderzug zu benutzen, für den folgender Fahr­plan festgelegt ist:

Abfahrtam 2.Juli 1936:

Bensheim ab 23.28 Uhr

Darmstadt (Hptbf.) 23.48 Frankfurt a. M. (Hptbf.) 0.31

Offenbach a. M. (Hptbf.) 0,47

Hanau a. M. (Hptbf.) 1.04

Rückfahrt am 5. Juli 1936, um 24.00 Uhr ab Weimar.

Hanau a. M. (Hptbf.) an 4.31 Uhr

Offenbach a.M. (Hptbf.) 4.47

Frankfurt a. M. (Hptbf.) 5.02

Darmstadt (Hptbf.) 5.35

Bensheim 5.57

Fahrkarten, Teilnehmerausweis und Derpflegungs- karten find den Teilnehmern inzwischen zugegangen.

Die schriftlichen Anweisungen der Organisations- [eitunq sind genaue st ensdurchzulesen und , u befolgen. Insbesondere wird darauf hmge- wiesen, daß die Fahrkarten vom Heimatbahnhof zum Zusteiqebahnhof (Hanau, Offenbach Frankfurt a M Darmstadt oder Bensheim) auf der Hinreise nicht ab­gegeben werden dürfen.

_ Die öcurfche Arbeitsfront

® / n.9.=0emelnf(haftfiraft Durch freute''

Omnibusfcchrl nach Schotten am 19. Juli 1936.

Zu dem RennenRund um Schotten" am 19. Juli fährt von Gießen aus ein Omnibus. Der Fahrpreis beträgt 2,70 Mark. Anmeldungen muffen wegen der geringen Anzahl der vorhandenen Platze umgehend auf der Kreisdienststelle, Gießen, Schan­zenstraße 18, erfolgen. Die genaue Abfahrzelt wirb "«Än'finb folflenbe UrlaubsfaDrten

ab sofort gesperrt.

U. F. 31/36 vom 4. bis 12. Juli Jnntal; U. F. 33/36 vom 4. bis 12. Juli Salzachtal; U. F. 35/36 vom 6. bis 14. Juli Chiemgau; U. F. 37/36 vom 13. bis 21. Juli Borkum; U. F. 41/36 vom 22. bis 30. Juli Allgäu; S. F. 206/36 vom 22. bis 30. Juli Norwegen; U. F. 43/36 vom 24. Juli bis 31. Juli Schwarzwalb.

Am Samstag, 4. Juli, findet im großen Hörsaal der Universität ein Liederabend statt. Der beliebte Bariton Gustav Bley singtDie schöne M ü l l e r i n". Liederzyklus von Franz Schubert. Die Begleitung am Flügel hat Frau Cläre S ch l e- sier-Ältmann übernommen.

NSLB., Kreis Gießen.

heimalbiologischer Ausflug.

Samstag, 27. Juni. Gang durch das Biebertal mit pflanzensoziologischen Aufnahmen. Führung Professor Funk. Abfahrt am Biebertalbahnhof 15.30 Uhr, Rückkehr 20.40 Uhr. Fahrtkosten 80 Pf.

Berechtigte Arbeitsablehnung

NSG. In der Arbeitslosenversicherung ist die Verhängung einer Unter st ützungssperre zulässig, wenn sich der Versicherte ohne berechtig­ten Grund weigert, eine Arbeit anzli- ir e h m e n.

Hierzu ist jetzt eine grundsätzliche Ent­scheidung gefällt worden:

Einem Arbeiter war vom Arbeitsamt Arbeit zu- gewiesen worden, die Firma wollte ihn aber unter­tariflich bezahlen. Der Arbeiter nahm daraufhin die Arbeit nicht an. Nunmehr verhängte das Arbeits­amt über ihn eine Sperrfrist, die vom Spruchaus- fchutz bestätigt wurde. Der Spruchausschuß brachte in seiner Begründung u. a. zum Ausdruck, daß der Arbeiter sich wenigstens anfänglich mit dem unter­tariflichen Lohn hatte zufrieden geben müssen, um dann auf arbeitsgerichtlichem Wege seinen Anspruch durchzusetzen.

Mit dieser Entscheidung gab sich der Arbeiter nicht zufrieden, sondern rief das Oberversicherungs- amt an. Dieses hob die Sperrfrist auf mit der Be­gründung, daß der Arbeiter zur Ablehnung der untertariflichen Entlohnung der Arbeit berechtigt aeroefen sei und in einem solchen Falle eine Sperrfrist nicht hätte verhängt wer­den dürfen. Die Entscheidungsgründe des Ur­teils weisen darauf hin, daß durch das AOG. der Grundsatz der tariflichen Entlohnung in besonderer Weise gefestigt worden fei.

Mit dieser Entscheidung ist erneut der Wille der nationalsozialistischen Staatsführung zum Ausdruck gebracht, dem deutschen Arbeiter unter allen Umständen Öen i h m zu stehen- den Tarif zu sichern, und dieser Grundsatz ist nunmehr auch für das Gebiet der Sozialversiche­rung als bindend anerkannt worden.

** Gefchäftsjubiläum. Der Inhaber der Photographischen Kunstanstalt Zimmer, Herr Chri­stian Zimmer, kann am 28.Juni auf ein 40- jähriges Bestehen seiner Firma zurückblicken. Der Jubilar ist seit dieser Zeit treuer Leser des Gieße­ner Anzeigers.

** Straßensperrung. Die Polizeidirekticm Gießen teilt mit: Die Steinstraße wird zwischen Weser- und Marburger Straße in der Zeit vom 24. Juni bis 10. Juli 1936 wegen Neubefestigung für den gesamten Fahrzeugverkehr gesperrt.

** Siebenschläfertag. Alte Überlieferung nennt den 27. Juni denSiebenschläfertag". Nach der Legende hatten sieben christliche Jünglinge sich in eine Höhle bei Ephesus geflüchtet, um ihren heidnischen Verfolgern zu entgehen. 200 Jahre spä­ter sollen sie durch einen Zufall befreit und von ihrem todähnlichen Schlaf wieder erwacht fein. Die Sage von den sieben Heiligen ist weitverbreitet. Das Landvolk sagt vom Siebenschläfertag: Regnet es am Siebenschläfertag, sieben Wochen lang es regnen mag." Eine weitere Bauernregel lautet: Regen an Siebenschläfer ist von Unsegen". Da nach langem Regen das Getreide gerne fällt, heißt es in einem anderen Bauernsprüchlein:.Sind die Siebenschläfer regnerische Brüder, werfen sie das Getreide nieder." Ein schöner Siebenschläfertag wird als gutes Erntevorzeichen gedeutet:Sieben­schläfer im Sonnenschein verspricht viel Korn, viel Obst und Wein."

** Das vvllelektrische Hau s". Der NS.-Bund Deutscher Technik veranstaltete am Mitt­wochabend im Kunstwissenschaftlichen Institut einen Dortrag, der ein sehr zeitgemäßes ThemaDas vollelektrische Haus" behandelte. Der stellvertretende Kreisamtsleiter des Amts für Technik Scholl- Friedberg hieß die Teilnehmer willkommen. Redner des Abends war Dr.-Jng. G a e b e r t von der AEG. Berlin, der in kurzer Zusammenfassung über die vielerlei Möglichkeiten der Verwendung der Elektrizität im Haushalt sprach. Er schilderte die mannigfaltigen Vorteile, die in erster Linie der Hausfrau durch die Elektrizität gegeben werden. Er umriß die Vorzüge des elektrischen Herdes, des Heißwasserspeichers, der automatischen Treppen­hausbeleuchtung, der Hausnummernbeleuchtung, des Kühlschrankes usw. Im Hinblick auf die Bau­wirtschaft gab er Anregungen für eine zweckmäßige und möglichst unsichtbare Unterbringung der Zulei­tungen und Schaltanlagen. Anschließend sprach Baurat Wagner über das Siedlungswesen im Kreise Gießen und wies darauf hin, daß es bisher bei der Schaffung von Kleinsiedlungen aus finan­ziellen Gründen nicht möglich gewesen sei, der Elek­trizität soviel Raum zu geben, wie es zweckmäßig wäre. Der Redner sprach von vorgesehenen Sied­lungen für Lollar und Großen-Buseck und von dem Plan, eventuell auch in Gießen eine Kleinsiedlung entstehen zu lassen. Bei diesem Vorhaben werde man zweifellos den hinsichtlich der Elektrifizierung gegebenen Anregungen folgen. Ein anschließend ge-