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In der unterirdischen Weihehalle imMarine-EhrenmalzuLaboe liegt aus einem Sockel ein Buch, in dem die Namen der 34 836 gefallenen Marinesoldaten des Weltkrieges emgezeichnet sind. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Begegnungen mit Galla-Leuten

Von unserem Dr. Ko.-Äerichterstaüer

heimlichen Gäste. Er rät dem Hauptmann, sosorr das Feuer zu eröffnen, ehe es zu spät sei. Der aber läßt sich nicht aus seiner Ruhe bringen. Er kennt Land und Leute und ahnt, was die dunklen Ge­stalten herführt. Ein Wink mit der Hand: der weiß­bärtige Krieger steigt vom Roß, kommt näher und eröffnet nach einigen Verbeugungen das Gespräch: Du bist der Gott des Krieges, Herr. In deiner Hand ruht das Schicksal der Schoa (Negusdynastie). Wir wollen mir dir unsere Feinde bekämpfen, die unsere Herden rauben, unsere Frauen schänden, un­sere Kinder in die Sklaverei verkaufen. Befiehl, Herr, und wir marschieren." Jeder Satz des Anfüh­rers wird von seinen Leuten mit Beifallsgemurmel ausgenommen. Der Hauptmann erwidert:Nicht ich bin der Kriegsgott, sondern ein hoher Krieger, der weit hinten die Zelte aufgeschlagen hat. Ich will euch zu ihm führen. Er soll entscheiden, ob ihr unter seiner Führung eure Feinde, die unsere Feinde sind, zunichte machen werdet."

den Metallstücken versehen werden, der Kolben mög­lichst Ornamente tragen. So bestürmen sie uns um metallene Knöpfe, Nägel usw. Sie bieten ihre alten Waffen, Schwerter, Messer und Lanzen, für einige der von ihnen heiß begehrten Gegenstände an, und gar mancher von uns Presseleuten hat auf diese Weise den Grundstock zu einer Waffensammlung gelegt, um die ihn manch einer drüben in Europa beneiden wird.

Zwei Stunden lang wandern wir durchs Lager, die Schießerei hört schließlich auf; ein eintöniger Gesang hebt an, von allen Lagerfeuern ausgenom­men. Der Lagerkommandant, jener Hauptmann, von dem oben die Rede war, kündigt an, daß wir einer Fantasia" beiwohnen würden, die die Asbo- galla uns zu Ehren veranstalten wollen.

Der wilde Kriegstanz beginnt: zunächst ein gleich­mäßiges Hin und Her der sehnigen Körper, dann ein Ausstamvfen der nackten Füße beim Ansteigen der einförmigen Melodie, schließlich ein gellendes Rufen, dessen Echo von den Felsenwänden schauer­lich widerhallt. Mit jeder Minute steigert sich die Erregung. Um uns schließt sich ein Kreis, der sich weit auseinanderzieht und dann wieder verengert, als ob wir von der immer größer werdenden wo­genden Maste erdrückt werden sollten. Die ersten Gewehrschüsse, wild in die Gegend geführt, ertönen. Immer wilder wird der Gesang, immer wütender das Stampfen der Füße, immer ungezügelter das Gewehrfeuer. Das Weihe in den Augen der beim flackernden Feuer unheimlich anmutenden Schwar­zen scheint in ein Unheil verkündendes Blutrot uberzugehen, vor dem Munde vieler Tänzer sam­melt sich schon der Schaum.

Unser Hauvtmann, sonst so phlegmatisch, wird unruhig. Er scheint zu erraten, was in den wilden Kriegern vorgeht.Es sind Bestien!" murmelt er uns zu,besser. Sie machen sich davon, sonst gibt es womöglich ein Unglück!" Wir folgen dem Rat, ziehen uns, während das Getümmel im Talkessel sich bis zum Höllenlärm steiaert, langsam Zurück und atmen auf, als wir wohlbehalten in

'leren Wagen sitzen, lieber der Talmulde lagert wie eine blutige Rauchwolke: die Asbogalla : toben sich mit ihren Feuerwaffen bis zur Erschöp-

(Nachdruck. auch mit Quellenangabe, verboten.) Asmara, Mai 1936.

Galla! das Wort wirkt auf jeden Abessinier wie ein Peitschenschlag. Die abessinische Geschickte ist mit Blut getränkt, und die Gallastämme spielen dabei eine mehr oder weniger große Rolle. Die große Familie der Galla spaltet sich in zahlreiche Einheiten, die der Natur des Bodens entsprechend Ackerbau ober Viehzucht treiben. Ihnen allen ge­meinsam aber ist der Haß geaen den Abes­sinier, bedingt nicht nur durch die andersartige Rasse, nicht nur durch die andersartige Religion (fast sämtliche Galla huldigen dem heidnischen Kult), sondern vor allem durch die jahrhundertelange Unterdrückung und Ausbeutung eines freiheit­liebenden Volkes durch die herrschende Dynastie und ihre Handlanger, die verschiedenen Ras und kleinen von Addis Abeba bestallten Häuptlinge. Man braucht nur ein Buch über das Reich desLöwen von Juda" aufzuschlagen, um fast aus jeder Seite lange Abhandlungen über die feindselige Haltung der Galla zu finden. Ueberaü dort, wo es galt, Addis Abeba Schwierigkeiten zu bereiten, haben Gallaleute eine Rolle gespielt. Der Haß auf beiden Seiten geht so weit, daß beide Teile in der un­barmherzigen Ausrottung des Gegners ihren Lebenszweck erblicken.

Unter diesen Umständen braucht es nicht zu ver­wundern, daß die Galla bei der Vernichtung der kaiserlichen Heere tätig mitgewirkt, daß sie tue Ver­folgung des flüchtenden Negus ausgenommen und nur wie durch ein Wunder dem verhaßten Erbfeind nicht ihre Speere in den Leib zu senden vermochten.

Es war vor der großen Schlacht von En­de r t a, in deren Mittelpunkt das riesige Fels- plateau des Amba Aradam südlich von Makalle stand, auf dem der abessinische Kriegsminister Ras Mulugeta gegen 80000 Mann zusammenge­zogen hatte. Die gegen den Amba Aradam vorge­schobenen italienischen Posten waren mit der lieber- wachung der verschiedenen Maultierkarawanen be­schäftigt, die vom Hinterland Lebensmittel und Munition brachten.

Neun Uhr abends!--Die Nacht ift bereits

hereingebrochen. Auf fall verlorenem Posten ein Hauptmann, der fünfzehn Jahre in der Kolonie zugebracht hat, mit wenigen Askari. Plötzlich Rufe des Entsetzens:Herr, die Galla!" Phleg­matisch schaut der Hauptmann auf: tatsächlich, man weiß nicht wie und woher, einige Meter entfernt hält hoch zu Roß eine weißbärtige Gestalt, um­geben von lanzentragenden Kriegern, deren Klei- . düng in nichts anderem besteht, als einem Schurz­fell oder Lendentuch. Herrliche, hochgewachsene Ge- , fiatten, über deren nacktem Oberkörper das Krumm- schwert hängt. . ..... .,

Der eingeborene Unteroffizier überzahlt schnell die Zahl der eigenen Gewehre und die Schar der un-

Plötzlich tauchen aus dem Dunkel immer mehr Gestalten auf: einhundert, zweihundert, dreihundert schließlich sind es fast dreitausend, die auf ein Wort des Häuptlings einen wilden Freudentanz beginnen. Die Askari scharen sich um ihren Haupt­mann; ihnen wird immer unheimlicher zu Mute. Sie sind entschlossen, das Leben ihres Vorgesetzten und ihr eigenes bis zum Aeußersten zu verteidigen. Der Hauptmann lächelt gerührt über die Anhäng­lichkeit seiner Leute. Er weiß, daß er mit diesen dreitausend unheimlichen Gestalten die besten Spür­hunde in der Hand hat. Er weiß, daß die Asbo­galla die schlimm st en Feinde des Negus sind und als Kundschafter und Verfolger vorzügliche Dienste leisten werden So kommen dreitausend Galla in das Hauptquartier des Kommandierenden Generals Santini und werden in einem Tal­kessel in der Nähe von Makalle untergebracht.

Wieder ist es Abend. Einige Presseleute haben sich aufgemacht, dem Lager dieser Asbogalla einen Be­such abzustatten. Schon von fern hört man wütendes Gewehrfeuer. Wir kommen näher. Ueberaü flackern in der Talmulde Reisigfeuer, um die schwarze halb­nackte Gestalten geschart sind, beschästiat mit der Her­stellung von Brotsladen, während andere in langer Reihe am Boden hocken und unter der Anleitung einiger Unteroffiziere wie wild auf die gegenüber­liegende Felswand losfeuern. Man hat den Leuten Gewehre und Patronen in die Hand gegeben. Sie werden eingeschossen. Die meisten dieser No­madenkrieger halten zum erstenmal eine Feuerwaffe in der Hand. Sie sind wie Kinder, eilen herbei, suchen uns mit Gesten und uns unverständlichen Worten klarzumachen, daß sie jetzt über den Gott des Feuers verfügen. Aber ach, nicht ganz sind diese Kinder der Natur zufrieden: der Drana, ihre Waffen zu schmücken, kommt zum Durchbruch. Der Leder­riemen, an dem das Gewehr hängt, soll mit blitzen-

Südlich vom Amba Aradam: Wir besichtigen das Schlachtfeld. Die Gegend ist von Galla bewohnt, nicht den Asbogalla, sondern den R a j a g a l l a, die friedlicher eingestellt sind und in der Hauptsache Ackerbau treiben. Aber auch in ihnen steckt der Haß gegen Addis Abeba. Sie erzählen von dem An­marsch der Armee Ras Malugetas und ihrer über­stürzten Flucht. Fast biblisch mutet die Erklärung eines Dorfältesten an:Sie waren wie ein wogen­des Kornfeld, als sie tarnen, und wie vier zusam­mengepreßte Strohbündel, als sie gingen." Die Genugtuung über die Vernichtung Ras Mulu» getas sprach aus den Erzählungen aller.

Defsie: ein anderer Gallastamm, die Wollo« g a l l a. Bezeichnend folgende Szene, der wir Presse­leute beiwohnen konnten: ein zerlumpter Krieger der kaiserlichen Garde, der nach der Niederlage wie viele seinesgleichen sich durchzubetteln versuchte, taucht vor der Hütte einer Gallafamilie auf, um eine milde Gabe bittend. Die ©aüafrau wird wü­tend, ihre Worte überstürzen sich:Fort von hier, du Hund, jetzt ist es aus mit euch; lange genug haben wir euch durchfüttern müssen. Fort, sage ich, fort, sonst hole ich die Karabineri!" Galla und Abessinier: Todfeinde!

Wetterbericht

des Reichswelterdienstes. Kusqabeorf Frankfurt

Während östlich der Elbe im Bereich einer feuch­ten Mischluft sich noch reckt unfreundliches Wetter gehalten hat, setzt sich in West- und Süddeutschland bei absteigender Luftbewegung die heitere Witte­rung fort. Da sich über dem europäischen Festland bereits eine recht gleichförmige Luftdruckverteilung eingestellt hat und mit einer weiteren Wärmezu­nahme Luftdruckfall einsetzt, muß mit der Aus­bildung flacher Wärmetiefe gerechnet werden.

Aussichten für Mittwoch: Noch viel­fach heiter und tagsüber recht warm, aufkvmmende Neigung zu örtlicher Gewitterbildung, veränderliche Üßinbe.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwort­lich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D A. IV. 36: 10 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch-und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.

Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten^5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.

das rein örtliche Interesse an diesen Wahlen und z eine überaus scharfe, durch Rundfunk und Presse- zensur begünstigte Agitation der litau» < ,schen Parteien gegen die Geschlossenheit des Memeldeutschtums außerordentlich vermehrt wurde. Dies gilt vor allem für die Stadt Memel, wo sich der Zuwachs der Bevölkerung in den letzten Jahren durch die Errichtung verschiedener litauischer Betriebe und durch eine stän­dige Förderung der Zuwanderung von Großlitauern zugunsten der litauischen Wäh­lerschaft erheblich erhöht hat. Die Zahl der Wahl­berechtigten z. B. ist seit der letzten Wahl von 1935 von rund 20 000 auf rund 27 000 gestiegen.

Katholische Kirche gegen 7lSB. in Holland.

Amsterdam, 25. Mai. (DNB.) Am Sonntag wurde in allen römisch-katholischen Kirchen Hollands ein,Schreiben des Erzbischofs verlesen, das Katho­liken, die die N SB. (M us s er t-B e w e g u n g) Hollands wesentlich unterstützen, zu den Heiligen Sakramenten in Zukunft nicht mehr zuläßt. Diese Maßnahme gegen eine Bewegung, in deren Pro­gramm die Grundsätze positiven Christentums ver­treten werden, läßt sich nur durch die ständige Aus­breitung der NSB. erklären, in der die Römisch- kathsckische Staatspartei eine Gefährdung ihres Weiterbestehens erblickt. Es muß abgewartet wer­den, ob der Gewissensdruck, der durch diesen Hirten­brief auf die katholischen Anhänger der NSB. aus­geübt wird, ein wirksames Mittel gegen die NSB. darstellen wird. In dem Kampf der NSB. handelt es sich nicht um religiöse Dinge, sondern um welt­anschaulich-politische Fragen. Die NSB. sieht in dem Parteistaat mit allen seinen Begleiterscheinun­gen eine schwere Gefahr für den Bestand des Staa­tes und strebt daher eine staatliche Erneue­rung an.

Politik und Offizierkorps in oponien.

Madrid, 26. Mai. (DNB. Funkspruch.) In einem Kriegsgerichtsprozeß gegen die aufständischen , Reiteroffiziere der Kavallerie-Regimenter , Nr. 1 und 2, die sich kürzlich in Alcala de Henares ; weigerten, einem Befehl des Kriegsmini- fters Folge zu leisten, lautet der Strafantrag für ' einen Reiteroberft auf Todesstrafe, für einen Oberstleutnant, für drei Majore und einen Haupt­mann auf lebenslängliches Zuchthaus. Die Offiziere hatten die betreffende Anordnung des Kriegs- Ministers als Strafaktion aufgefaht, die durch marxistische Herausforderungen aus- gelöst worden war.

Kunst und Wissenschaft.

Kunstschaffen in Hessen-Nassau"

Die Große Leistungsschau der bildenden Künst­ler und Kunsthandwerker unseres Gaues,K u n ft- schaffen in Hessen-Nassa u", veranstaltet von der NS.-Kulturgemeinde, Abteilung Bildende Kunst, wird in Gegenwart von Reichsamtsleiter Dr. Stang am Mittwoch, 27. Mai, 16 Uhr, in der Karmeliter-Kirche in Frankfurt a. M. eröffnet. Zur Teilnahme an dieser Schau von Malerei, Graphik, Bildhauerei und Kunstgewerbe, die als Ausdruck nationalsozialistischer Kulturpolitik eines 3jährigen Zeitraums zu bewerten ift, find alle Volksgenos­sen herzlich eingeladen.

Schlechte Aussichten für die TNount Lverest-Lxpedition

In Kalkutta befürchtet man, daß der außerordent­lich frühe Beginn des Monsums die Aussichten der Expedition auf Erreichung ihres Zieles beeinträch­tigen wird, die unter Leitung Dr. Ru11leges zur Zeit den Versuch unternimmt, den Mount Everest zu besteigen. Die letzten Wetterberichte wußten über heftige Schneefälle am Mount Everest zu berichten, die es unwahrscheinlich erschei­nen lassen, daß die Expedition ihr Ziel erreicht.

Neue Postwertzeichen.

Wie der Reichsbund der Philatelisten E. D., Ber- lin-Friedenau, mitteilt, erscheint Anfang 3uni eine neue G e d e n k m a r k e n s e r i e Der Wen Reichspost mit den Werten au 3, 5, 12 und 25 Pfen­nigen anläßlich des deutschen Gemeindekongresses. Ferner ist zum 42. deutschen Philatelistentag em Satz von vier verschiedenen Festserien erschienen, bei denen je eine Karte eine einaebrudte Luftpost­marke zeigt. Die Auslieferung dieser Serien hat der Reichsbund der Philatelisten Berlin-Friedenau und dessen Landesgeschästsstellen.________________