Gpekulationsskandal in London.
Spekulationsgewinne aus der Zoll- und Gteuererhöhung in England.
London, 25. April. (DNB.) Die geplante E r» Höhung des Teezolles und der E i n k o m - men ft euer ist kurz vor ihrer Bekanntgabe durch den Schatzkanzler an der Börse ruchbar geworden, so daß einige Spekulanten auf Grund ihrer Kenntnis beträchliche Gewinne einstreichen konnten. In politischen Kreisen hat dies erhebliches Aufsehen erregt. Der Führer der Arbeiteropposition, A t t l e e, hat bereits am Mittwoch einen Versuch unternommen, wegen dieser Angelegenheit eine amtliche Erklärung zu erhalten. Da dies vergeblich geblieben sein soll, wird die Arbeiterpartei nunmehr am Mvn- tag den Schatzkanzler noch einmal amtlich im Unter h a u s fragen, ob er nicht beabsichtige, die Sache zu untersuchen. Angesichts des unliebsamen Aufsehens, das die Sache errege, haben inzwischen sowohl das Schatzamt, wie auch die Börsen- l e i t u n g sich bemüht, klarzustellen, wie diese I n • diskretion zustande gekommen ist. Ein Ergebnis ist noch nicht zu verzeichnen. Schon jetzt scheint aber die Opposition entschlossen, die Angelegenheit zu einem Angriff gegen die Regierung zu benutzen.
Der Spekulationsskandal erregt nicht nur in der Londoner City, sondern in der ganzen englischen Oeffentlichkeit beträchtliches Aufsehen. Die völlige Geheimhaltung des Haushalts bis zu seiner Bekanntgabe im Unterhaus wird in England als eine der am sorgfältigsten gepflegten Ueberliefe- rungen betrachtet. Um so größer ist daher die Erregung darüber, daß einige Spekulanten infolge des vorzeitigen Durchsickerns der erwähnten Haushaltsmaßnahmen in der Lage waren, große Gewinne zu erzielen. Der Ausschuß der Versicherungsgesellschaft Lloyd hat den bisher noch nie vorgekommenen Schritt unternommen, durch seine Agenten die Namen der Kunden feststellen zu lassen, die sich in letzter Stunde gegen eine Erhöhung der Einkommensteuer und des Teezolles versichern ließen. Die auszuzahlende Versicherungssumme beläuft sich auf mindestens 2 Millionen Mark, was mehr als das zehnfache der normalen Summe ist.
Araber, Luden und Engländer.
Ein Araberführer über die Lage. — Klagen über unerträglichen jüdischen Druck.
Paris, 24. April. (DNB.) Der Leiter der arabischen Bewegung und Vorsitzende des muselmanischen Ausschusses, Fakhri Bey, hat dem Sonderberichterstatter der Havasagentur in Jaffa eine Erklärung zu der gespannten Lage in Palästina gegeben.
Die Ursache der schlechten Beziehungen zwischen Arabern und Juden sieht Fakhri Bey vor allem in dem jüdischen Landerwerb der jüdi- schenZuwanderer. Nach einer Zusicherung der englischen Regierung aus dem Jahre 1930 sollte jede arabische Familie Anspruch auf 130 Acres Landbesitz haben. Seit 1933 hätten die Juden 1 250 000 Acres gekauft, und der durchschnittliche Grundbesitz der arabischen Familie sei aus 60 Acres zurückgegangen.
Fakhri Bey erklärte dann: Die Araber haben viele Gründe zu der Annahme, daß die Mandatsregierung unter jüdischem Druck stehe. Sie befürchten, daß ihnen früher oder später nichts mehr von ihrem Lande bleibe und sie jeder Billigkeit zuwider zur Auswanderung gezwungen würden. Man macht uns unsere Taten zum Vorwurf. Wie konnten wir aber anders handeln?
Die jetzigen Unruhen sind eine ganz natürliche Folge einer langen Politik der Verdrängung und des Unverständnisses. Die Araber werden jetzt den Kampf fortsehen bis zur Anerkennung und Verwirklichung ihrer Forderungen. Sie werden mit allen verfügbaren Mitteln kämpfen, mit berechtigten und unberechtigten, gesetzlich zulässigen oder unzulässigen.
England muß die Sympathie des arabischen Volkes gewinnen, sonst werden die Araber nicht mehr auf der Seite Englands sein und auch po
litisch bei der nächsten Gelegenheit England als ihren hauptfeind ansehen."
In den Außenbezirken der Städte Jaffa und Tel Aviv ist am Freitagabend der Ausnahmezustand vorläufig aufgehoben worden; für die Zentren dieser Städte ist er jedoch beibeljalten worden. Anderseits wird der arabische Generalstreik am Samstag eine Verstärkung erfahren. Die arabischen Autobesitzer und Chauffeure haben beschlossen, ab Samstag ebenfalls zu streiken. Die Sympathiestreiks in Amman und anderen transjordanischen Orten dauern an.
Nach Pressemeldungen sind in Jaffa und Tel Aviv am Donnerstag abermals vierzehn Kommuni st en verhaftet worden. Viele Brand- st i f t u n g e n setzt man hier auf das Konto der Kommunisten.
Nunmehr sind auch die ersten Gerichtsurteile gegen Unruhestifter ergangen. Wegen Aufruhr und Zusammenrottung sind Strafen bis zu 18 Monaten Gefängnis verhängt worden.
Zusammenstöße in Indien.
London, 24. April. (DNB.) In Puna in Indien kam es am Freitag zu schweren Zusammen st äßen zwischen Hindus und M o - hammedanern. 78 Personen wurden verletzt, davon 12 schwer. Die Menge brannte zwei mohammedanische Moscheen und vier Hindutempel nieder. Truppen stellten die Ordnung wieder her. Um weitere Unruhen zu verhüten, ist die Stadt in eine Art Belagerungszustand versetzt worden. Ein britisches Infanterie-Bataillon hat die Bewachung der Straßen und wichtigsten Punkte übernommen.
Oer italienische Vormarsch seht weiter.
Rom, 24. April. (DNB.) Marschall B a d o g - I i o 5 Heeresbericht Nr. 194 lautet:
An der N o r d f r o n t besetzte eine Abteilung der Erythräa-Truppen, die ihren Ausgang von Dessie genommen hatte, den Ort 11 o r r a i I u, ohne Widerstand zu finden. An der Somali-Front dauert unser Vormarsch in allen Abschnitten an. Im Tal des Fasan besetzten wir Godadde und Ga- b r e t) o r. Unsere Flieger bombardierten feindliche Verteidigungsstellungen auf der Linie Sassabaneh— Dagamodo.
Auf dem Weg nach Addis Abeba
Asmara, 24. April. (Vom Kriegsberichterstatter des DNB.) Am Donnerstag besetzte eine Kolonne Askaris, ohne irgendwelchen feindlichen Widerstand zu finden, die Ortschaft W o r r a i I u , die 70 Kilometer südlich von Dessie am Wege nach Addis Abeba gelegen ist. Diese Ortschaft ist der Mittelpunkt der volkreichen Gegend von Legagora. Die Truppen fanden gefüllte Lebensmittellager und zahlreiche guterhaltene Kraftwagen vor, die von den Abessiniern zurückgelassen worden waren. Der Ne- gus hatte hier eine Zentrale zur Versorgung der Nordarmee eingerichtet. Die Bevölkerung und die Geistlichkeit bereiteten den einziehenden Askaris eine freundliche Aufnahme. Meldungen, nach denen dieser Tage in der Gegend zwischen Dessie und Addis
Abeba heftige Kämpfe stattgefunden hätten, entsprechen, wie weiter gemeldet wird, nicht den Tatsachen.
„Die Lage verzweifelt."
Der englische Bölkerbundsverband fordert Schließung des Suezkanals.
London, 25. April. (DNB. Funkspruch.) Der Vollzugsausschuß des englischen Völkerbundsverbandes hat beschlossen, die englische Regierung aufzufordern, auf der nächsten Völkerbundsratstagung in Genf die Trennung sämtlicher Verbindungen zwischen Italien und der italienischen Armee in Ostafrika zu beantragen, d. h. den Suezkanal zu schließen.
Dieser Beschluß der englischen Dölkerbundsorga- nisation wurde am Freitag von Lord Lytton, dem Führer der seinerzeit nach der Mandschurei entsandten Völkerbundskommission, in einer öffentlichen Versammlung in Edinburgh bekanntgegeben. Der Verband sei, so sagte Lord Lytton, zu dem Schluß gekommen, daß die Lage verzweifelt sei, und daher verzweifelte Metho- den erfordere. Um seinen Standpunkt zu unterstreichen, habe der Völkerbundsoerband beschlossen, am 8. Mai drei Tage vor der nächsten Ratssitzung eine Massenversammlung in der Londoner Albert Hall zu veranstalten.
Gondak.
Von unserem Or. Ho.-Kriegsberichierstatier aus italienischer Seite.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Gondar, Mitte April 1936.
Gondar, das die Italiener zu Beginn des Monats besetzt haben, ist die Hauptstadt von Wv- ghera, eines zur großen Provinz Amhara gehörenden Gebietes. Die Stadt entstand zur Zeit des abessinischen Kaisers Susenios, der in der altabessinischen Geschichte bekannter ist unter dem Namen „Sultan Segad" (1609—1632). Susenios gab den Einflüssen der portugiesischen Jesuiten, die sich im Lande breit zu machen begannen, nach und bat den Papst in Rom um die Entsendung eines katholischen Patriarchen. Susenios' Sohn und Nachfolger Fasilidas (1632—1665) jedoch verjagte die Jesuiten und mit ihnen den Patriarchen Mendez. Er stellte die alte Tradition wieder her und erhob Gondar zur Hauptstadt des Reiches.
Der Name soll nach einer Überlieferung herzuleiten sein von den Sprachelementen „gon“ und „dar“, was in der Sprache der die Gegend bewohnenden judenstämmigen Felascha Allste" bzw. „Regierung" bedeutet. Diese Felascha, die in unvordenklichen Zeiten aus Palästina eingewandert sind und sich in gewissen Teilen des Semienplateaus noch heute rein erhalten, haben sich in der Gegend von Gondar stark mit der übrigen Bevölkerung vermischt, jedoch die jüdische Religion beibehalten. Sie hatten im Lauf der Jahrhunderte blutige Kämpfe mit den Kopten und Muselmanen zu bestehen.
Wer von Norden kommend sich Gondar nähert, erblickt von den ösllichen Ausläufen des 2783 Meter
hohen Gadfchberges auf einer bewaldeten, bis zu 2270 Meter ansteigenden, von zwei kleinen Flußläufen umgebenen Anhöhe ein wirres Durcheinander von Türmen, Minaretts, mittelalterlichen Bauten, ein Durcheinander, das einer gewissen Ordnung jedoch nicht entbehrt. Am Fuß der Anhöhe liegt der Stadtteil der Felascha, weiter oben der der Muselmanen, auf der Kuppe das Viertel der Christen mit dem Sitz des koptischen Bischofs und den alten kaiserlichen Schlössern. Diese Schlösser haben trotz vielfacher Brände und menschlicher Zerstörungswut die Harmonie ihrer Linien bewahrt. Sie sind unter Kaiser Fasilidas von abessinischen Arbeitern unter Anleitung portugiesischer Baumeister erstellt worden und tragen unverkennbar sizilisch-normannischen Charakter. In den Höfen, Säulengängen und Festräumen blicken Fresken und Skulpturen auf den Besucher hernieder, die den „Löwen von Juda" verherrlichen. Am grandiosesten wirkt zweifellos der Palast des Fasilidas, dessen Hauptteil von vier gewaltigen runden Türmen gestützt wird, die eine gewaltige Kuppel tragen. Es würde zu weit führen, eine eingehende Beschreibung der wie mittelalterliche Festungen anmutenden Bauten, ihrer Geschichte und der sie umrankenden Sagen zu geben, obwohl es. wert wäre, sich mit den unermeßlichen Schätzen dieser Stadt näher zu befassen.
Von Gondar aus schaut man weit in die Lande. 35 Kilometer südwestlich kann man die spiegelnde Fläche des Tanasees deutlich wahrnehmen. In den Zeiten des Glanzes, wo sich Kaufherren und
Abenteurer aus aller Herren Länder, namentlich aus Portugal, hier ein Stelldichein gaben, zählte Gondar fast 40 000 Einwohner. Heute leben in der Stadt nur noch 3000 Menschen, die sich in der Hauptsache mit der Holzbe- und -Verarbeitung beschäftigen.
Gondar hat manche Stürme über sich ergehen lassen müssen. Es sei lediglich erwähnt, daß die Mahdisten es 1800 überfielen und 25 Kirchen in Schutt und Asche legten. Im vorigen Jahrhundert hat Negus Theooor gegen die einstige Reichs- Hauptstadt gewütet. Zweimal zog er gegen sie zu Felde, wobei, wie man behauptet, 6000 Bewohner kurzerhand niedergemacht, und der größte Teil der Kirchenschätze geraubt worden sind.
Besprechungen in Hom.
Rom, 24. April. (DNB.) Der englische Botschafter Sir Eric Drummond und der französische Botschafter Graf Chambrun sind am Freitagnachmittag nacheinander von Staatssekretär Suoich empfangen worden. — Von zuständiger italienischer Seite wird erklärt, die Unterredungen seien eine normale Entwicklung der zwischen den drei Regierungen vorhandenen Fühlungnahme; eine besondere Bedeutung oder Wichtigkeit komme ihnen nicht zu.
Moskau revolutioniert Westeuropa und Gens.
Ein Warnruf des päpsttichen Organs.
Rom, 25. April. (DNB.) In einem Leitaufsatz weist der „Osseroatore Romano" auf den Einfluß Moskaus auf die Entwicklung der Politik in Westeuropa und auf die Krise des Völkerbundes hin.
„Es gibt", so betont das vatikanamtliche Blatt, „Tatsachen, die in ihrem unmittelbaren Druck auf die politischen Ereignisse nicht genügend beachtet werden. Hierzu gehört die Tatsache der kommunistischen Durchdringung der westeuropäischen Politik.
Es handelt sich heute nicht mehr um ein heimliches, illegales Vorgehen, sondern um eine klareingestandene Revolutionstaktik, die in Spanien und Frankreich die Wähterorganisa- tion der Volksfronten beeinflußt und in Genf die Krise der Völkerbundsorganisation erheblich verstärkt.
Bei der Erörterung der Ursachen der Völkerbunds- frife kann man die Erwägung nicht außer Acht lassen, daß durch die Ausnahme <5*o wjet- ruß l a n d s in den Völkerbund Störungen und Gleichgewichtsoerschiebungen heroor- gerufen worden sind."
Hierzu zitiert das Blatt einen Aufsatz des „Journal de Geneve", um dann hinzuzufügen: „Man muß sich vor Augen halten, was das moralische Prestige für eine Einrichtung, die keine militärische Macht hat, um ihren Willen durchzusetzen, bedeutet, wenn man die Gründe der Genfer Krise werten will. Nicht so sehr auf die Einzelbeschlüsse, als vielmehr gerade auf das nun heute erschütterte moralische Prestige hat die Zulassung des Kommunismus in Genf einen verwirrenden und störenden Einfluß ausgeübt."
Das Blatt geht dann auf die fowjetrufsifche Taktik und Propaganda in Spanien ein und stellt hierbei drei Zeitabschnitte fest: 1. den Abschnitt der Mäßigung vor den Wahlen, um auch die Stimmen der Bürgerlichen zu erhalten; 2. den Abschnitt der Ueberlassung der Macht an die bürgerlichen Gruppen, um den Linksgemäßigten so die Verantwortung für die Maßnahmen zuzuschieben, die das soziale Gefühl erschüttern; 3. den Abschnitt der Verwirklichung der revolutionären Ziele.
Das Blatt sieht den Augenblick der dritten Phase bereits gekommen, da
der „spanische Lenin" Largo E a b a H e r o die kommende Diktatur des Proletariats, die sich auf die Gewalt begründet, schon angekündigt habe.
Der „Osservatore Romano" weist dann darauf hin, daß französische Linksblätter die spanischen Ereignisse in ihrer Bedeutung zu mindern versuchten, um die französischen Wähler zu beeinflussen. Abschließend teilt der „Osseroatore Romano" die Besorgnisse des „Temps" bezüglich des Einflusses, den der binnen kurzem zu wählende Staatspräsident auf die Ereignisse in Spanien noch haben könne. Die Extremisten beherrschten die spanischen Linksparteien vollkommen und seien nicht bereit, auf revolutionäre Mittel zu verzichten, von denen sie eine neue sozialistische Ordnung in Spanien erwarteten. Dies sei das ernste Problem des dritten revolutionären Abschnitts, wie er von den Technikern der Komintern durchaus vorgesehen sei.
„Inzwischen", so schließt das Vatikanblatt, „grüßt Moskau die spanischen und mongolischen Brüder: Die Gewalt steht auf der Tagesordnung für die gesamte Zivilisation und für alle Breitengrade."
Moskaus Agenten sind da.
Madrid, 25. April. (DNB.) 121 spanische 5D1 ar giften, die nach der Oktober-Revolution nach Sowjetrußland geflüchtet waren, find am Freitagabend in Madrid eingetroffen. Am Bahnhof, wo sich auch Vertreter der Stadt und der marxistischen Organisation eingefunden hatten, bildete sich ein Kundgebungszug, der vor dem Rathaus von Bürgermeister Petro Nico begrüßt wurde.
In rechtsgerichteten Kreisen vermutet man, daß ein großer Teil der heimgekehrten Marxisten in Moskau Revolutionsunterricht erhalten habe und sich nun in Spanien als kommunistische Agenten betätigen werde.
Schwedischer Millionenkredit an Sowjetrußland?
Stockholm, 24. April. (DNB.) Die schwedische Presse bringt am Freitagabend eine Nachricht, wonach von schwedischer Seite an Sowjetrußland ein Millionenkredit gewährt worden sei. Diese Nachricht, die bereits am Vortage von einigen Zeitungen gebracht worden war, ist bisher von amtlicher Seite nicht dementiert worden.
„Aftonbladet" weiß in diesem Zusammenhang über große englische Bestellungen bei der größten schwedischen Waffenfabrik in Dofors zu melden. Es soll sich danach um einen Lieferungsauftrag in einer Gesamthöhe von etwa 10 0 Millionen schwedisch en Kronen für Luftabwehrgeschütze und Maschinengewehre für Flugzeuge handeln. Trotz wiederholter Dementis der Dofors-Werke glaubt das Blatt an dieser Meldung festhalten zu können und weist u. a. auf die erneut steigende Tendenz der Defors-Aktien an den Börsen hin.
Französische Wünsche in London.
Paris, 24. April. (DNB.) Der französische Botschafter in London, (Torbin, hat, wie nunmehr bekannt wird, dieser Tage den Ständigen Unterftaatssekretär im Foreign Office, Danfit- t a r t, aufgesucht und diesem b e st i m m t e Wünsche der französischen Regierung bezüglich der an D e u t s ch l a n d zu richtenden Fragen übermittelt. In unterrichteten Kreisen wird
betont, daß der französische Botschafter nicht etwa eine Note überreicht fyabe, daß aber eine ein* aehende Besprechung der gesamten Frage erfolgt fei. Eden werde die französischen Wünsche eingehend prüfen.
Stoßtrupp Hitler 1923 in Stettin
Stettin, 24. April. (DNB.) Am Freitagvormittag trafen die Angehörigen des „S t o ß t r u p p s Hitler 1 923" in Stettin ein, wo sie für mehrere Tage eine kameradschaftlicheZusammen- f u n f t vereinen wird. Im Braunhemd, mit der feldgrauen Kappe der ersten Kampfzeit und der SS- Kampfbünde, dem Blutvrden an der Brust, neben den anderen Auszeichnungen, so entstiegen sie dem Zuge. Zu ihrem Empfang hatten sich neben den Stettiner Stvßtruppmännern, Pg. F v b k e, Pg. Dr. Krug und Hauptmann Herrsche!, mehrere Ehrenstürme und Tausende von Volksgenossen eingefunden.
Vor dem Hauptbahnhof hielt Dr. Krug eine kurze Ansprache, in der er darauf hinwies, daß sich auch heute noch der Führer immer auf seine alten Stoßtruppleute verlassen könne. Um 12 Uhr fuhren die alten Stoßtruppleute nach Burg Crös- s i n f e e weiter, um an den Einweihungsfeierlichkeiten teilzunehmen.
Abends trafen sie wieder in Stettin ein, wo sie im Rathaus der Stadt von Vertretern der Behörden, der Wehrmacht und der Partei im Rahmen eines feierlichen Empfanges begrübt wurden.
Oberbürgermeister Faber wies in seiner Begrüßungsansprache darauf hin, daß wir heute den Männern zu ganz besonderem Dank verpflichtet seien, die sich als die ersten politischen Soldaten dem Führer zur Verfügung gestellt haben. Er betonte, daß der Stoßtrupp Hitler 1923 am 8. und 9. November 1923 eine entscheidende Rolle gespielt habe, daß es ohne dessen Treue und Einsatzbereitschaft dem Führer damals nicht möglich gewesen wäre, das deutsche Volk aus seiner Verzweiflung und seiner Lethargie herauszureißen. Der Stoßtrupp habe damals die Aufgabe, die der Führer ihm gestellt habe, restlos erfüllt. Darum fei es unsere Pflicht, dieser Männer auch heute noch in Dankbarkeit zu gedenken. Der Oberbürgermeister schloß mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Stoßtrupp.
Als Sprecher des Stoßtrupps dankte Hans Kallenbach, einer der Zugführer des früheren Stoßtrupps, dem Oberbürgermeister und der Stadt Stettin dafür, daß sie dem Stoßtrupp die Feier des 12. Jahrestages feiner Verurteilung in München ermöglicht habe und daß es die Stadt den Stoß- tvupp-Männern weiter ermöglicht habe, auf Burg Cröffinfee dem Führer gegenüberzustehen. Wir sind gerührt, fast hingerissen, so sagte er, von dem überaus herzlichen Empfang, der uns in Stettin zuteil wurde. Wir, die wir aus dem Süden kommen und zum ersten Male in Pommern sind, haben damit ein Erlebnis, an das wir immer denken werden. Er schloß seine Ansprache mit einem Treuegelöbnis auf den Führer.
Als Vertreter des Befehlshabers im Wehrkreis II, Generalleutnant Blaskowitz, überbrachte Generalleutnant Gehrke die Grüße des Befehlshabers. Darauf marschierten die Stoßtruppmänner in geschlossenem Zuge unter Vorantritt einer Musikkapelle zum Konzerthaus, wo ein kameradschaftliches Zusammensein stattfand.
Kunst und Wissenschast.
Reichslagung des kulluramles der HF.
Das Kulturamt der Reichsjugendführung hat vom 24. bis 27. April in Heidelberg seine diesjährige Reichstagung einberufen. Die Tagung wird den Auftakt zum großen Heidelberger Arbeitslager im Juli dieses Jahres bilden. Außer dem Reichsjugendführer und dem Stabsführer werden namhafte Dichter, Schriftsteller, Musiker, Filmschaffende sowie Vertreter der Formationen der Bewegung teilnehmen.
Wetterbericht
des Reichswetterdienskes. Ausgabeort Frankfurt.
Die Umgestaltung der Großwetterlage hat weitere Fortschritte gemacht. Durch den Aufbau eines Hochdruckgebietes über Frankreich werden die vom Atlanttk ankommenden Wirbel auf immer nördlichere Bahnen gedrängt. Wenn sich auch zur Zeit in Nord- und Mitteldeutschland unter Schneefällen noch eingedrungene Kaltluft auswirkt, so sind doch neue Kaltlufteinbrüche vorerst ausgeschlossen. Die in der Höhe noch immer vorhandene Westströmung läßt zwar noch keine volle Beständigkeit aufkommen, doch wird sich der Witterungscharakter wesentlich freundlicher als seither gestalten.
Aussichten für Sonntag: Häufig aufheiternd und weiter ansteigende Tagestemperaturen, doch besonders nach Norden hin noch nicht ganz regensicher, zunächst westliche Winde.
Lufttemperaturen am 24. April: mittags 9,1 Grad Celsius, abends 6,2 Grad; am 25. Mai: morgens 7,3 Grad. Maximum 10,2 Grad, Minimum heute nacht 4,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 24. April: abends 7,6 Grad; am 25. April: morgens 6,3 Grad. — Sonnenscheindauer 1,5 Stunden.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellverttetender Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder in Vertretung: Ernst Blumschein; für Feuilleton Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Emst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D.A. III. 36: 10270. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts- Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.
Mvnatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.
Zur Zett ist Preisliste Nr. 3 vom L Juni 1935 gültig.


