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Ur. 21 vierter Blatt

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

5amrtag, 25. Zanuar (936

Gießener Kommunalbilanz.

Oberbürgermeister Ritter hat vor einigen Tagen bei einem Appell der Gießener SA.-Reseroe einen Rückblick und Ausblick auf die Gieße­ner Kommunalwirtschaft gegeben. DerGie­ßener Anzeiger" hat in seiner Ausgabe vom vorigen Samstag über diese Rede eingehend berichtet. Bei der Bevölkerung haben die Darlegungen des Ober­bürgermeisters stärkstes Interesse gefunden, da sie über einen Zeitabschnitt berichten, der auch für un­sere Stadt eine grundlegende Wendung gebracht hat, und da sie einen Arbeitsplan entwickeln, der für die nächsten Jahre eine Großzügigkeit des kom­munalen Schaffens verheißt, wie wir es uns bes­ser nicht wünschen können.

Bei der überragenden Bedeutung der Bau­tätigkeit, einem der wichtigsten 'Schlüsselpunkte der öffentlichen Wirtschaft überhaupt, war es nur natürlich, daß dieser Abschnitt vom Oberbürger­meister an die Spitze seiner Uebersicht gestellt wurde. Was er hier an Ergebnissen zu berichten hatte, legte Zeugnis dafür ab, wie außerordentlich lebendig und fruchtbar sowohl für das Wohnungs­wesen, wie auch für die Wiederankurbelung der Wirtschaft in diesem Teilgebiet der städtischen Tätig­keit gearbeitet worden ist. Besonders erfreulich ist es, dabei feststellen zu können, daß durch die groß­zügige Inangriffnahme des Wohnungsbaues die feit Jahren außerordentlich gespannte Lage auf dem Wohnuugsmarkt eine fühlbare Erleichterung er­fahren hat, wenn man sich auch auf allen Seiten darüber im klaren sein muß, daß auf diesem Gebiete noch vieles zu tun übrig bleibt, bis das Angebot in Wohnungen einen Umfang erreicht hat, der einen gesunden Ausgleich mit der Nachfrage er­möglicht. Aber die außerordentliche Energie und die weitsichtige Planung, die auf dem Gebiete der Wohnungsbeschaffung in den beiden verflossenen Jahren in gedeihlicher Weise wirksam gewesen sind, bieten im Zusammenhang mit den Erklärungen des Oberbürgermeisters die Gewähr dafür, daß auch für die nächsten Jahre in dieser Arbeit kein Locker­lassen eintreten wird, die Verwaltung es vielmehr als eine ihrer vornehmsten Aufgaben ansieht, hier weiter in der produktivsten Weise als Förderin der Baulvstigen tätig zu sein.

In dankenswerter Weise bleibt unsere Stadtver­waltung aber nicht beim Wohnungsbau stehen. Weit darüber hinausareifend mobilisiert und orga­nisiert sie Kräfte und Aufgaben auch auf zahlreichen anderen Gebieten, von denen die heimische Wirt­schaft eine weitere fühlbare Besserung erwarten darf. Wenn auch die vordringlichen staatlichen Bau­aufgaben mittlerweile in der Hauptsache zum Ab­schluß gekommen sind, so hat der Oberbürgermeister doch schon beizeiten durch umfassende Planungen Vorsorge dafür getroffen, daß die schaffensfrohen Hande der Arbeiter der Stirn und der Faust nicht zu ruhen brauchen. Man mache sich nur einmal klar, was es für die heimische Wirtschaft in ihrer Gesamtheit und für Tausende von Volksgenossen als Einzelpersonen bedeutet, wenn die Stadtverwaltung die vom Oberbürgermeister für dieses Jahr ange­kündigten städtischen Bauprojekte in An­griff nehmen läßt. Da stehen wiederum Arbeits­möglichkeiten in vielfältigster Weise bereit, um dem Willen des Führers und Reichskanzlers, jedem deutschen Volksgenossen seinen Arbeitsplatz zu ver­schaffen, im Rahmen der kommunalwirtschaftlichen Möglichkeiten unserer Stadt gerecht zu werden. Durch diese Bereitstellung von Arbeitsstätten wird vielen Familien auch für dieses Jahr wieder ein wirtschaftliches Fundament geboten, auf dem sie ihr Leben aufbauen und als schaffende, zufriedene Men­schen eine Keimzelle bilden können, die für das glückliche Gedeihen des Dolksganzen von höchstem Wert ist. Was der Oberbürgermeister an Einzel­heiten über diese Arbeitsmöglichkeiten ankündigte, ist für die Gesamtheit der Gießener Einwohnerschaft von größtem Interesse und verdient allgemeine An­erkennung und Zustimmung.

Von dem weitsichtigen Arbeitsprogramm möchten wir hier nur einige Punkte von besonderer Be­deutung hervorheben, die eindrucksvoll beweisen, daß hier Kühnheit des Schaffens und weitooraus- schauende Vorbereitung der Verhältnisse und Dinge, aber auch sorgsamste Berücksichtigung der finan­ziellen Leistungsmöglichkeiten die Triebfedern alles Handelns find. Es wird eine der größten Taten der Stadtverwaltung sein, wenn sie in der seit Jahren schon außerordentlich dringlichen Frage des neuen Gaswerks nun die Lösung herbeiführt, die seit einem Jahrzehnt immer erstrebt, aber nie gefunden wurde. Mit besonderer Genugtuung ver­merken wir hier, daß der starke Wille einer selbst­verantwortlichen Führung die Dinge mit aller Energie vorantreibt, damit endlich einem Zustand innerhalb unseres Stadtgebietes ein Ende bereitet wird, der schon seit Jahren als völlig unhaltbar angesehen wurde. Mit der gleichen erfreulichen Energie will man in diesem Jahre auch einen Ausbau unseres S t r a ß e n b a h n n e tz e s vornehmen. Die Bevölkerung und vor allem auch die Soldaten begrüßen es, daß der Oberbürger­meister die Schaffung eines Straßenbahn-Pendel­verkehrs von der Licher Straße bis zur Waldkaserne und den Anschluß des Südviertels an das Straßen­bahnnetz als vordringliche Aufgaben auf dem Ge­biete des Verkehrs angekündigt hat, ferner die Ver­längerung der Straßenbahnlinie vom Schützenhaus bis zum sogenannten Professoreneck jetzt unmittel­bar bevorsteht. Der Oberbürgermeister kann die Gewißheit haben, daß er die Gesamtheit der Be­völkerung hinter sich weiß, wenn er wegen der Ueberwindung des Bahn-Hindernisses mit den maß­gebenden Stellen der Reichsbahn Verhandlungen führt. In diesem Zusammenhangs sei nur daran erinnert, daß die Straßenbahnverbindung von Gie­ßen nach Klein-Linden einem schon seit langen Jahren gehegten Wunsche der Bevölkerung beider Orte entspricht; ein Wunsch, der, wenn eine end­gültige Lösung der Aufgabe zur Zeit nicht erreich­bar ist, ebenfalls durch die Einrichtung einer Pendel- Strecke verwirklicht werden könnte.

Wenn wir uns wieder mit Straßenbahnfragen beschäftigen und dabei der Hoffnung Ausdruck geben daß es dem Oberbürgermeister gelingen möchte, recht bald die jetzigen Projekte verwirklichen zu können, so denken wir erneut mit Bedauern daran, daß im Oktober 1927 durch eine Verfügung der damaligen hessischen Regierung der S t raße n - bahnausbau nach Westen hin als Ersatz für die Biebertalbahn unmöglich gemacht, ja geradezu sabotiert worden ist. Wir erinnern uns, daß damals die hessische Regierung durch eine Be­kanntmachung im Hessischen Regierungsblatt Nr. 11 vom 30. Juni 1927, Seite 130, gegen den Willen des Kreisamtes Gießen und der Stadt Gießen, ja sogar ohne deren Vorwissen, die Biebertalbahnkonzession auf die Vereinigte Kleinbahnen-Aktiengesellschaften

Gießen ehrt seinen Kapitän Gchmehl.

Der Mann, dem am gestrigen Freitagabend in der Neuen Aula der Universität eine überaus herz­liche Ehrung bereitet wurde, ist für viele Gießener Volksgenossen kein Fremder. Den Kapitän und Oberregierungsrat a. D. Karl Schmehl, einen geborenen Gießener, kennen viele ältere Einwoh­ner unserer Stadt aus der gemeinsamen Jugend­zeit, viele weitere Volksgenossen haben ihn bei seinen wiederholten Besuchen im Gießener Marine- Verein, der jetzigen Marinekameradfchaft, als präch­tigen deutschen Mann und treuen Sohn seiner Va­terstadt kennen und schätzen gelernt. Obwohl ihn sein Lebensweg schon seit vielen Jahren weit hin- ausaeführt hat in alle Teile der Welt und an die Wasserkante des deutschen Meeres, später nach Ber­lin, ist er in seiner Gesinnung und in seinem Her-

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Oberbürgermeister Ritter begrüßt den Ehren­bürger unserer Stadt, Kapitän S ch m e h l, mit herzlichem Händedruck.

zen immer eng verbunden geblieben mit seiner oberhessischen Vaterstadt Gießen. Unsere Stadt hat allen Grund, auf diesen Mann und treuen Sohn der Heimat in hohem Maße stolz zu sein. Denn Kapitän S ch m e h l hat durch feine glän­zende Lebensbahn als deutscher Seeoffizier und durch feine heldenhafte Haltung bei dem bekann­ten großen Brand des deutschen DampfersOcken­fels" im Jahre 1903 im Hafen von Bombay, bei dem er durch feine selbstlose und mutige Tat un­übersehbares Unglück verhütete, wie auch durch feine Beteiligung an der die ganze Welt bewegen­den Kriegsfahrt des HilfskreuzersWolf" im Kriege nicht nur feiner Person hohen Rühm er­worben, sondern auch den Namen seiner Vaterstadt Gießen weithin bekannt gemacht. Es war nur na­türlich und von ganzem Herzen zu begrüßen, daß Oberbürgermeister Ritter diesem Sohne der Stadt Gießen aus Anlaß der 50. Wiederkehr des Tages des Eintritts Schmehls in den Seedienst als äußeres Zeichen der dankbaren Anerkennung seiner Vaterstadt die Ehrenplakette der Stadt Gießen verlieh, die nur für besondere Leistun­gen im Dienste der Allgemeinheit gegeben wird.

Um seinen Dank für diese Ehrung durch die Heimatstadt zu bekunden, weilte Kapitän Schmehl am gestrigen Freitag zu einem Vortragsabend in Gießen, der sich zu einem unvergeßlichen Erlebnis für alle Teilnehmer gestaltete. Schon lange vor Be­ginn der Veranstaltung konnte man einen Massen­zustrom nach der Universität sehen, und schließlich war die Neue Aula bis zum allerletzten Plätzchen besetzt, ja sogar überfüllt. Erfreulich war es, daß sich unter den Besuchern auch viel Jugend befand,

die in der Marine-HI., dem Jungvolk, einer Ab­ordnung der SS., in der Kameradschaft der NS.- Studenten, im BDM. und natürlich auch in allen Jahrgängen der Marine-SA. zahlreich erschienen war; zum Teil hatten sich die Jungs die Fenster­nischen als Sitzplätze annektiert, um bei der gewal­tigen Besucherfülle überhaupt zu einem einiger­maßen annehmbaren Sitzplatz zu kommen. Der umsichtigen Leitung des Abends durch den Goethe- Bund (Vortragsvereinigung und Kaufmännischer Verein) gelang es aber, alle Besucher in befriedi­gender Weife unterzubringen, so daß überall eine ungetrübte Stimmung für den Empfang des Kapi­täns bestand.

Als Kapitän Schmehl in Begleitung von Ober­bürgermeister Ritter und von Oberregierungsrat Dr. S ch o e n h a l s , den Vertreter des Goethe- Bundes, den Vortragssaal betrat, brauste ihm ge­waltiger Beifall als Zeichen der dankbaren Gesin­nung und des herzlichen Grußes der Vaterstadt ent­gegen. Mit glücklichem Gesicht nahm Kapitän Schmehl diesen herzlichen Willkommensgruß in Empfang, über den er sich offensichtlich von ganzem Herzen freute. Dann fang die Kameradschaft der NS.-Studenten ein packendes Lied vom nieder­sächsischen Volkstum, dem sich ein glühendes Be­kenntnis zum deutschen Vaterlande durch einen Sprecher und den Sprechchor der Studenten an­schloß. Hierauf brachte

Oberbürgermeister Ritter

dem Kapitän Schmehl den offiziellen Gruß seiner Vaterstadt mit einer eindrucksvollen An­sprache dar. Er erinnerte zunächst an die Vor­kriegsdienstzeit Schmehls in der deutschen Marine, sodann wies er auf dessen Leistungen im Kriege hin und betonte dabei, daß Kapitän Schmehl im Dienst für das deutsche Volk immer mit in der vorder st en Linie gestanden habe und auf ein Leben voll glänzender Tatkraft und höch­stem Mannesmut zurückblicken könne, in dessen Verlauf er den Gei st besten deutschen We­sens hinaustrug in alle Länder. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß nunmehr auch in Deutschland die heldenhaften Leistungen deutscher Männer wieder in gebührender Weise zur Geltung gekommen sind und die wohlverdiente öf­fentliche Würdigung und Anerkennung erfahren, nachdem das deutsche Volk aus den Jahren des Niederbruches sich wieder zu sich selbst zurückge­funden hat. Mit Stolz und Dankbarkeit rief der Oberbürgermeister die Erinnerung wach an die un­zählbaren Helden und deren Taten im Ringen des großen Krieges und im Kampfe für Deutschlands Schutz und Freiheit. Er betonte mit Nachdruck, daß .es unser aller Pflicht sei, diesen Männern für immer herzlich zu danken und ihnen dadurch zu zeigen, wie sehr das deutsche Volk sich mit ihnen in Dankbarkeit verbunden weiß. Einer dieser Män­ner, dem unsere Stadt ganz besonderen Dank schulde, sei Kapitän Schmehl, dem die Stadt als sicht­baren Ausdruck ihrer Dankbarkeit vor kurzer Zeit die Ehrenplakette überreicht habe, dem persönlich zu danken und ihn zu begrüßen für ihn (dem Ober­bürgermeister) eine besondere Freude sei. Mit herz­lichem Handschlag brachte der Oberbürgermeister dem Kapitän zum Ausdruck, wie sehr er von un­serer Bevölkerung geschätzt und wie gern er hier be­grüßt wird.

Kapitän Schmehl

sprach hierauf in etwa zweistündigem Vortrage über seine Erlebnisse auf der Fahrt mit dem Hilfs­kreuzerW o l f". In humorvoller Weise leitete er seinen Vortrag mit den militärischen Komman­dos:Stillgestanden! Richt euch! Augen gerade aus! Rührt euch!" ein und er hatte dadurch sofort eine famose Stimmung der Zuhörer geschaffen. Dann lotste er einen in der Zuhörermenge sitzenden frü­heren Angehörigen der Besatzung des HilfskreuzersWolf" zu sich heran, den er alsW olf" - Mann (Volk- Hörnsheim) kame­radschaftlich den Zuhörern vorstellte.

Nunmehr begann er zu erzählen. Er teilte ein­leitend mit, daß der HilfskreuzerWolf", der im November 1916 von Kiel mit 325 Mann Besatzung und einer riesigen Last von Kriegsmaterial aller Art auslief und erst nach gut 15 Monaten wieder im Heimathafen Kiel eintraf, auf dieser Fahrt rund

Kapitän Schmehl stellt denWolf"-Mann Volk von Hörnsheim vor. (Aufnahmen [2j: Neuner, Gießener Anzeiger.)

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67 000 Seemeilen zurückgelegt hat, ohne einen ein­zigen bewohnten Hafen anlaufen zu können, da ja die ganze Welt mit uns im Kriege stand. Die Ma­schinen des Schiffes mußten in dieser Zeit mehr als 22,5 Millionen Umdrehungen machen, ohne im Dock gewesen zu sein. Dazu kamen die schwierigsten kli­matischen Verhältnise für die Besatzung, furchtbare Kämpfe mit der Gewalt des Meeres, zum Teil Mangel an Proviant und Trinkwaffer, Lecks, Feuer im Schiff, Verwundete und Tote, die Mitführung einer großen Zahl von Gefangenen und Kriegs­beute aus versenkten feindlichen Schiffen usw., kurzum: bei diesemHimmelfahrts-Kommando" (bei dieser Fahrt waren 99 Prozent der Chance fürAbsaufen" und nur 1 Prozent für glückliche Heimkehr) vollbrachte die Besatzung desWolf" eine Seemannstat, die einzigartig in der Kriegs­geschichte dasteht.

Wir können an dieser Stelle natürlich nicht auf Einzelheiten des überaus interessanten Vortrages eingehen, sondern müssen uns mit einer Gesamt- schau in ganz großen Zügen begnügen. DerWolf" fuhr im November 1916 los bis hinauf zum Eis­meer, wo er in Schnee und Eis die sechsfache eng­lische Blockade durchbrach. Dann ging es im offenen Atlantischen Ozean vom Eismeer mit 28 Grad Kälte immer weiter hinunter gen Süden, wo der heimische Winter von prächtigem Sommer und großer Hitze abgelöst wurde. Der Auftrag des Hilfskreuzers bestand darin, wichtige feindliche Häfen im schwarzen Erdteil und in den indischen und asiatischen Gewässern durch Versenken von Minen für die feindliche Schiffahrt zu blockieren, außerdem noch dem Feinde nach Möglichkeit Scha­den zuzufügen. Diese Aufgabe wurde denn auch von dem Schiff in vollkommener Weise gelöst. Der Vortragende erzählte hierüber von der Minen-Ar- beit vor Kapstadt und anderen südafrikanischen Hafenplätzen, weiter vor den Häfen der Insel Ceylon, dann in den Gewässern der Südsee, Austra­liens, Japans, Chinas wiederum Indiens usw. Da­bei erfuhr man auch, daß der HilfskreuzerWolf" das FlugzeugWölfchen" mit sich führte, das bei vielen Unternehmungen dem Hilfskreuzer in präch­tiger Weise behilflich war.

Man erlebte die vielerlei Geschehnisse an Bord und bei dem Zusammentreffen mit feindlichen Schiffen in anschaulicher Weise mit und war im Geiste, zum Teil auch durch die Lichtbilder, Zeuge, wie derWolf" im Handelskrieg feindliche Schiffe versenkte und dadurch insgesamt rund 300 000 Ton­nen feindlichen Schiffsraum auf den Meeresboden

Köln a. Rh. übertrug und damit diese Konzession bis zum Jahre 1996 feststellte. Durch jenen Regierungs­akt wurden außerordentlich wichtige Interessen der Stadt Gießen und ihres Hinterlandes im Biebertal schwer verletzt. ImGießener Anzeiger" Nr. 239 vom 12. Oktober 1927 und Nr. 242 vom 15. Oktober 1927 haben wir gegen jene unerhörte Entscheidung mit allem Nachdruck Stellung genommen, aber dieser öffentliche Einspruch hat damals ebensowenig Erfolg gehabt, wie die Abwehr der Gießener amtlichen Stellen. Heute möchten wir die Frage aufwerfen, ob denn jene unverständliche und für unsere engere Heimat schädliche Entscheidung nicht revidiert werden könnte.

Mit besonderem Interesse hat man in der Bevölke­rung auch die Darlegungen des Oberbürgermeisters über unser Marktwesen vernommen. Sein Standpunkt in der Viehmarkt-Frage gibt den Volksgenossen in Stadt und Land eine klare Antwort auf manche Fragen, die der einzelne bisher unbeantwortet mit sich herumgetragen hat. Man kann nur hoffen und wünschen, daß die von dem Oberbürgermeister für den Viehmarkt ausgespro­chenen Voraussetzungen zu einer Reform an Haupt und Gliedern möglichst bald erfüllt fein werden, damit dann in unserem Diehmarkt-Wesen eine Grundlinie anzutreffen ist, die im Einklang steht mit dem Empfinden und Denken aller deutschen Volksgenossen. Daß trotz der jetzigen Verhältnisse auf dem Viehmarkt der Plan eines weiteren Aus­baues unserer Viehmarkt-Einrichtungen nicht zu­rückgestellt wurde, sondern eine zeitgemäße Erwei­terung und Verbesserung noch in diesem Jahre durch die Errichtung einer Vieh-Auktions­halle stattfinden soll, ist nicht nur im Interesse der Menschen, die bei Wind und Wetter auf dem Diehmarkt tätig sind, sondern auch im Hinblick auf die Tiere nur zu begrüßen. Der berechtigten Forderung eines verantwortungsbewußten Tier­schutzes wird durch diese Maßnahme Genüge gelei­stet werden. Erfreulich ist ferner, daß auch die übrigen Einrichtungen unserer Gießener Märkte der weiteren Förderung durch die Stadtverwaltung teilhaftig werden und damit mancherlei Mängeln der bisherigen Verhältnisse abgeholfen werden wird.

Das Urteil des Oberbürgermeisters über die Bezie­

hungen zwischen der Stadt und der Univer­sität und der Garnison entspricht in jeder Hinsicht dem Empfinden der Bürgergesamtheit und auch den wirtschaftlichen Notwendigkeiten unseres Gemeinwesens. Seit unzählbaren Jahren haben zum Gießener Bürger der Student und der Soldat so untrennbar gehört, wie das leibliche Kind zu seinen Eltern. Und alle Teile sind bei dieser Innig­keit des Verhältnisses stets gut gefahren. Daher ist es auch verständlich, daß unsere Gießener Bevöl­kerung allen Angelegenheiten der Universität und der Garnison immer das lebhafteste Interesse ent­gegenbringt und die Meinung vertritt, daß der Stu­dent und der Soldat auch für alle Zukunft ihren Platz in der Stadt Gießen als jahrhundertalte Uni- versitäts- und Garnisonstadt behalten müssen. Da­zu kommt noch, daß unser Gemeinwesen in vollem Ausmaß der Anforderung gerecht wird, die Oberbürgermeister Ritter in seiner großen Rede dergestalt zum Ausdruck brachte:Daß es eine alte nationalsozialistische Forderung sei, die Jugend aus dem Bereich der Großstadt herauszubringen und möglichst eng mit den kleineren Städten und dem Lande zu verbinden. Diese Forderung gelte auch für die Universität."

Als wirkungsvolle Krönung feines Berichts gab der Oberbürgermeister einen Einblick in die Lage des städtischen Haushalts. Was er hier­über mitteilte, verdient die besondere Beachtung der Einwohnerschaft und zeigt eindrucksvoll, wie außer­ordentlich sorgsam und produktiv die Finanzen un­serer Stadt in den beiden verflossenen Jahren be­handelt wurden. Der Oberbürgermeister als Leiter der Stadtverwaltung hat allen Grund, stolz darauf zu sein, daß ihm nicht nur der Ausgleich des Vor­anschlags möglich war, sondern daß er auch noch Fehlbeträge der letzten Jahre decken und mit der Schuldentilgung beginnen konnte. Wie außerordent­lich erfreulich das Bild der städtischen Finanzen sich gegenüber früheren Jahren gewandelt hat, konnte er auch noch mit dem Hinweis daraus erläutern, daß noch vor zwei Jahren bei sämtlichen Banken erheblich überzogene Konten der Stadt mit Zins­belastungen bestanden, dagegen der Ausweis der Stadtkasse von Ende 1935 ein erfreuliches Guthaben bei allen Banken mit Zinsgutschriften zeigt. An

Hand von einigen Hinweisen auf Haushalts-Einzel- posten, wie z. B. erhebliche Senkung der Wohlfahrts- lasten und beachtliche Steigerung von Steuer­erträgen, konnte der Oberbürgermeister das in einer großen Gesamtlinie skizzierte Bild der erfreulichen Entwicklung der städtischen Finanzwirtschaft noch wirkungsvoll in Teilstrichen erweitern. Mit Recht wies er zur Begründung dieses Wandels darauf hin, daß diese erfreulichen Gesundheitsmerkmale in unserem städtischen Haushalt ebenfalls nur auf die Maßnahmen der Reichsregierung zurückzuführen find.

Wenn wir heute den gesamten Aufgabenbereich unserer Gießener Kommunalwirtschaft im Verlaufe der verflossenen zwei Jahre an Hand des rück» schauenden und für die weitere Entwicklung weg­weisenden Berichts des Oberbürgermeisters über­blicken, so müssen wir mit Befriedigung feststellen, daß auch unsere Stadt Gießen unter der national­sozialistischen Führung eine sehr erfreuliche Auf­wärtsentwicklung erlebt hat. Und wir müssen ferner bekennen, daß es auch um die Weiterentwicklung unseres Gemeinwesens unter seiner jetzigen tat- frohen, weitblickenden und wagemutigen Führung gut bestellt sein wird, wenn die Einwohnerschaft dem Leiter der Stadtverwaltung in der gleichen Weise wie bisher voll Vertrauen, Geschlossenheit und Disziplin Gefolgschaft leistet. Daß dieses Vertrauen durch ein glückliches, produktives Schaffen bisher verdient wurde und auch für die Folgezeit in vollem Maße am Platze ist, ergibt sich von selbst aus der sehr befriedigenden Kommunal-Bilanz, die Ober­bürgermeister Ritter unter dem starken Beifall seiner Zuhörer entwickelt hat.

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