„Max Schmelings Sieg - ein deutscher Sieg."
Gloria-Palast: Boxkampf Schmeling-Louis im Mm.
Unzählige haben in der Nacht zum 20. Juni am Rundfunk gesessen und aus Neuyork den Hörbericht über den sensationellen Kampf zwischen dem deut- chen Exweltmeister Max Schmeling und dem gefürchteten jungen amerikanischen Neger Joe L o u i s miterlebt. Die klare und einwandfreie Entscheidung, die Schmeling zum zweiten Male den Weg zum Weltmeisterschaftskampf (mit Braddock) frei machte, hat die Welt in Erstaunen versetzt und in Deutschland einen Sturm der Begeisterung entfesselt: mit vollem Recht ist der Sieg, der das im Svort so eltene und immer bezweifelte coming back eines großen Sportsmannes verwirklichte, als ein deut- cher Sieg begrüßt und gefeiert worden. Der technisch ausgezeichnete Film, der während des Kampes ausgenommen wurde und den Kampf durch die zwölf Runden hindurch mit wünschenswerter Deutlichkeit in allen Einzelheiten festhält, läuft nun durch ganz Deutschland und gibt abermals ungezählten (nicht nur sportlich interessierten) Volksgenossen Gelegenheit, diese höchst denkwürdige Begegnung noch einmal oder überhaupt zum ersten Male und sozu- agen aus allernächster Nähe mitzuerleben.
Der Film (Syndicat), der gestern in Gießen an- lief und auch bei uns ein außergewöhnlich zahlreiches Publikum angelockt hatte, beginnt mit Aufnahmen aus den Trainingslagern der beiden Gegner und gibt Gelegenheit, beide schon während ihrer Vorbereitungen zu der entscheidenden Auseinander- etzung zu beobachten und sie in ihrem sehr unter» chiedlichen Tmperament, ihrem Kampfstil und ihrer portlichen Gesamterscheinung zu beobachten und miteinander zu vergleichen.' Der Rundfunksprecher Arno Hellrnis, der seinerzeit den Kampfverlauf übertrug, gibt dazu eine knappe und klare Würdigung des großen Treffens. Er kennzeichnet Schmelings Sieg mit gutem Grunde als einen deutschen Sieg, als einen Sieg der weißen Rasse, als einen Sieg der Willenskraft und des unerschütterlichen Selbstvertrauens. Für Schmeling stand ja bei der Begegnung ungleich mehr auf dem Spiel als für Louis. Er hatte eigentlich alles gegen sich: die Sportpresse, die Stimmung und Meinung fast der gesamten Öffentlichkeit. Außer ihm selber glaubten nur wenige an seinen Sieg. Der Neger, eine boxerische Naturbegabung, war ein wahrhaft unheimlicher Gegner, der, um viele Jahre jünger als der Deutsche, in seinem „Rekord" eine ununterbrochene Reihe von k. o.-Siegen (meist in den ersten Runden) über die bekanntesten Gegner aufzuweisen hat.
Dies alles ist zu berücksichtigen, wenn man den Bildbericht auf sich wirken läßt, der den eigentlichen Höhepunkt des Films ausmacht; erst von hier aus wird man den Kampfverlauf im einzelnen und Schmelings Sieg in feiner vollen Bedeutung würdigen. Man sieht die üblichen Vorbereitungen im Ring, — dann beginnt der „Kampf des 20. Jahrhunderts" mit der ersten Runde. Noch geschieht nicht
viel, beide Gegner sind ungemein vorsichtig und tasten sich ab; in der zweiten und dritten aoer sieht es genau so aus, als ob die öffentliche Meinung recht behalten sollte: es steht nicht gut für Schmeling, Louis greift dauernd an, Max muh erheblich einstecken, und man glaubt dem Ansager aufs Wort, daß zu Beginn kaum hundert Leute in der Riesenarena ernstlich auf ein für den Deutschen glückliches Ende gehofft haben. Aber dann kommt die denkwürdige vierte Runde und die sensationelle Wendung: Schmeling geht plötzlich aus sich heraus und bringt den „braunen Bomber" unter dem Toben von hunderttausend Menschen zum ersten Male auf die Bretter. Die Zeitlupenaufnahmen dieser und der folgenden Runde halten die entscheidenden Momente noch einmal in allen Einzelheiten fest. ~ .
Nun wird das Bild von Runde zu Runde dramatischer, spannender und aufregender; der Film läßt sehr klar erkennen, was für ein (vor allem durch seine Reichweite, seine Härte im Nehmen und durch mehrere üble Tiefschläge) gefährlicher Gegner Louis ist und eigentlich bis zur entscheidenden 12. Runde bleibt. Man erlebt die außerordentliche Schwere des Kampfes, aber was das Wichtigste ist: man erlebt von Runde zu Runde deutlicher, wie verdient, wie überzeugend und unbezweifelbar Schmelings Sieg ist. Hier hat wirklich der bessere Mann gewonnen. Schmeling bleibt bis zuletzt der überlegene Boxer; seine Kälte, seine Erfahrung, seine Technik und sein taktischer Ueberblick haben den Kampf entschieden. Seine Hutung (obwohl er gleich zu Anfang durch die Schließung eines Auges schwer beeinträchtigt wird) bleibt völlig einwandfrei; er schlägt stets korrekt und reklamiert nicht einen einzigen Tiefschlag, während Louis mehrfach sehr unrein boxt und häufig klammert. Schmelings Ueberlegenheit wird nach her gefährlichen siebten Runde immer deutlicher; man sieht, wie er das Tempo angibt und dem Neger seinen Kampfstil aufzwingt; man sieht auch, wie Louis, der sich mit dem Mut und der Kraft der Verzweiflung wehrt, in den letzten Runden immer unsicherer wird und taumelnd in seine Ecke geht — während Schmeling bis zuletzt einen erstaunlich frischen Eindruck macht. In der zwölften Runde kommt das sensationelle Ende, Louis muß, von Schmelings Treffern völlig zerschlagen, zum zweiten Male zu Boden und 'wird ausgezählt. — In den tobenden Jubel um den Ring mischte sich das Beifallklatschen der begeisterten Filmbesucher.*
Im Beiprogramm sieht man einen wirklich hübschen (auch aktuellen) Kulturfilm „Kleine Weltreise durch Berlin" mit bemerkenswert guten Aufnahmen und die interessante, hier übrigens schon einmal gezeigte Serie alter Wochenberichte unter dem Titel „Die Jahre vergehen."
häufig das Ziel für Steinwürfe der Schuljugend auf dem Wege zur Schule, zu den Spiel- und Sportplätzen. Nach den Feststellungen der leie» araphenbau-Dienststellen sind allein im Bereich des Telegraphenbauamtes Darmstadt im laufenden Rechnungsjahr rund 2700 Doppelglocken durch Steinwürfe zertrümmert worden.
Durch diese Beschädigungen wird nicht nur die Reichspostkasse empfindlich geschädigt, sondern auch der öffentliche Verkehr gefährdet oder g e ft ö r t. Besonders hervorzuheben ist, daß durch diesen Unfug der eingerichtete Unfallmeldedienst (Herbeiholung von Hilfe bei Feuersbrünsten, Unglücksfällen und dergleichen) und dadurch die öffentliche Sicherheit erheblich beeinträchtigt werden.
Die Schulleiter in Stadt und Land werden daher in einem Rundschreiben beauftragt, die Jugend auf die ernsten Folgen der mutwilligen Beschädigungen hinzuweisen. Außerdem sind für derartige Vergehen gegen die öffentliche Sicherheit auch empfindliche Strafen zu erwarten.
Die öeutfdiß Arbeitsfront
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? U.S.=Gemeinf(haft „Graft durch frcuöc
Sommerfest in Kloster Arnsburg.
Am Sonntag, 26. Juli, finbet wieder, wie alljährlich, im Kloster Arnsburg das große Sommer- fest mit viel Kinderbelustigungen, Kasperletheater usw. statt. Nachmittags und Abends ist für Musik, Unterhaltung und Tanz gesorgt.
Omnibusfahrt nach dem Mrburgring.
Die gemeldeten Teilnehmer, die bis Freitag 12 Uhr die Fahrt nicht bezahlt haben, verlieren den Anspruch auf die Fahrkarten. Wir sind gezwungen, die Fahrkarten dann an weitere Interessenten abzugeben. Die Abfahrt erfolgt am Sonntag früh 4 Uhr vor der Hauptpost, Bahnhofstraße.
Rheinfahrt.
Am Sonntag, 16. August, soll nunmehr die Rheinfahrt vom Kreis Wetterau durchgeführt werden. Die Fahrt geht, wie bereits einmal bekannt- gegeben, mit der Bahn nach Braubach, von dort mit dem Dampfer nach Rübesheim, wo ein mehrstündiger Aufenthalt vorgesehen ist. Gegen Abend erfolgt die Rückfahrt nach Braubach wieder mit dem Dampfer, von wo die Heimfahrt mit dem Sonderzug die Teilnehmer nach Gießen und Friedberg zurückbringt. Der Fahrpreis beträgt ab Gießen 4,30 Mark. Von Friedberg nach Gießen und zurück kostet die Zufahrt etwa 0,70 Mark.
Urlaubsfahrt 46/36 Harz vom 1. bis 8. August.
Diesen Zug muhten wir diesmal wegen zu geringer Beteiligung leider ausfallen lassen. Die gemeldeten Teilnehmer können sich sofort für die zur selben Zeit angesetzte Urlaubsfahrt nach dem Bayerischen Wald — Zwiesel — ummelden.
Ein hanebüchener Streich.
Eine zweimalige Fahrrad- und eine einmalige Lastauto-Entführung innerhalb von fünf Stunden leistete sich in der Nacht zum Donnerstag ein 26 Jahre alter Mann aus Watzenborn-Steinberg, der aushilfsweise in einem hiesigen Geschäft mit Lastautobetrieb tätig war. Don seiner Arbeitsstelle begab er sich am Mittwoch gegen 17 Uhr, nach Schluß seiner Arbeitszeit, in eine hiesige Gastwirtschaft. Gegen 20 Uhr kam ihm der Gedanke, daß er nun doch nach Watzenborn heimkehren müsse. Zum Laufen hatte er keine Neigung, und den Abendzug hatte er versäumt. Daher begab er sich zu seiner Arbeitsstätte, stieg dort über das Spalier und holte sich ein Fahrrad heraus, mit dem er losfuhr. Die Frage der Heimkehr hatte er sich mittlerweile aber anders überlegt, denn er lenkte das Stahlroß nicht in Richtung Watzenborn-Steinberg, sondern trudelte auf ihm noch einmal nach der Gastwirtschaft zurück. Nachdem hier noch etliche Schoppen „geblasen" worden waren, sollte es nun auf die Heimfahrt gehen. Jedoch hatte das Fahrrad mittlerweile die Luft aus dem Schlauch verloren, so daß an Fahren natürlich nicht zu denken war. Der gute Mann nahm also das blessierte Fahrrad beim Wickel und zog noch einmal zu seiner Arbeitsstelle zurück, wo er mitsamt dem Fahrrad wieder über den Zaun stieg. Was wollte er nun aber wieder dort? Er hatte mittlerweile einen ganz kühnen Entschluß gefaßt: er wollte mit dem Auto heimsahren! Zu diesem Zwecke holte er von dem ihm bekannten Verwahrplatze die Torschlüssel, schloß zwei Tore auf, setzte sich dann — obwohl er überhaupt kein Chauffeur ist, auch keinen Führerschein besitzt — ans Steuer des Lastwagens und kam auch mit wunderbarem Geschick aus dem Lagerplatz durch die beiden Tore heraus auf die Straße. Er fuhr durch eine Anzahl Straßen, u. a. auch durch den Aulweg, wo es ihm glücklicherweise gelang, die sehr scharfe Kurve nach dem Schifsenberger Weg zu glatt zu nehmen und ebenso in den Schifsenberger Weg einzubiegen. Nunmehr lag die „freie Strecke" vor ihm, und mit Vollgas brauste er j^tzt seinem Ziele zu. Aber seine Fahrkunst war diesem Tempo schließlich doch nicht gewachsen, denn schon bald, gegenüber dem Lagerplatz der Baufirma Abermann, rasselte er in forschem Tempo gegen einen Baum — und damit war die Fahrt aus. Das große Lastauto ging vollständig zu Bruch, der Motor zersplitterte, der Aufbau wurde zertrümmert, und der Ladekasten flog über die ganze Straßenbreite hinweg auf die andere Seite der Straße. Während das arme Auto solchermaßen vollständig „die Kränke kriegte", blieb der „kühne Fahrer" wunderbarerweise mopsfidel und — abgesehen von einigen winzigen Schrammen, die er noch nicht einmal verband — auch völlig unversehrt. Er arbeitete sich aus dem Trümmerhaufen heraus und pirschte kurzerhand wieder nach dem — Arbeitsplatz seiner Firma zurück. Hier gings erneut über das Spalier hinweg, hinein auf den Lagerplatz. Nunmehr mußte das Fahrrad des Firmeninhabers selbst den Weg in die Weite über das Spalier mit antreten. Draußen auf der Straße wurde aufgefeffen, und jetzt ginge wieder durch den Schifsenberger Weg, an dem Autotrümmerhaufen vorbei, gen Watzenborn-Steinberg. Hier kam der unverwüstliche Heimkehrer gegen 2 Uhr morgens glücklich an. Er stellte das Fahrrad ab und legte sich seelenruhig zu Bett, um von den Strapazen seiner aufregenden Nachtfahrten gehörig auszu- ruhen. Aber die Herrlichkeit der Ruhe dauerte nicht lang. Mittlerweile war nämlich der Autotrümmerhaufen im Schifsenberger Weg bemerkt und der Polizei Meldung erstattet worden. Die sofort ein» geleiteten Nachforschungen führten unmittelbar zur Klarstellung über die Herkunft des Lastautos, und dann war der Weg bis zu dem „Nachtchauffeur" auch nicht mehr weit. GegenA Uhr am Donnerstag früh wurde der Mann von der Gießener Kriminalpolizei aus dem Bette geholt, und als man ihm den Streich auf den Kopf zufagte, bemerkte er gleichmütig, wenn die Polizei es schon wisse, bann
könne er es ja auch zugeben. Nach diesem Eingeständnis blieb ihm nur noch der Weg nach Gießen gemeinsam mit der Kriminalpolizei übrig, die ihn hier in Haft fetzte, damit er sich doch einmal in aller Ruhe seine Abenteuer überlegen kann. Der Schaden ist, da das Lastauto noch in sehr gutem Zustande war, natürlich groß.
EchnelleBeförderungvon Speisepilzen
ZdR. Im vergangenen Jahre sind der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft mehrfach darüber Klagen zugegangen, daß selbst als Expreßgut aufgelieferte frische Speisepilze verspätet die Empfangsstation erreicht haben. Da frische Speisepilze sehr schnell verderben, sind durch die verspätete Ankunft den Empfängern beziehungsweise Versendern beträchtliche Schäden entstanden. Um in diesem Jahre derartige Unzuträglichkeiten von vornherein auszuschließen, hat die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft ihre Dienststellen darauf hingewiesen, daß frische Pilze wegen ihrer leichten Verderblichkeit schnell zu befördern sind und daß daher bei den Versandstationen alle Maßnahmen für eine pünktliche und reibungslose Beförderung frischer Speisepilze zu treffen sind. Die Bestimmungsbahnhöfe sind angewiesen, für rasche Auslieferung der eingehenden frischen Speisepilze Sorge zu tragen. In diesem Zusammenhang muß noch darauf hingewiesen werden, daß frische Speisepilze ebenso wie frische Beeren, frisches Obst, frisches Gemüse aller Art (auch Zwiebeln, Radieschen, Tomaten, Petersilienwurzeln und Rettiche) zur halben Expreßgutfracht befördert werden, sofern es sich um einheimische Erzeugnisse handelt. Das einzelne Frachtstück darf jedoch nicht mehr als 50 Kilogramm wiegen, die Mindestfracht beträgt 40 Reichspfennig.
Eine Tradibon lebt wieder auf.
Von der Reichsarbeitsdienstabteilung 5/222 „Justus von Liebig" in Gießen wird uns geschrieben:
Früher war es Brauch, daß der Gießenex seine Feste im Sammer immer in den herrlichen Waldungen abhielt, die Gießen wie einen Kranz umgeben. Besonderer Beliebtheit erfreute sich der Vhi- losophenwald bei allen Gießenern, denn im Schatten seiner mächtigen Bäume fand man Erholung und Erguickung. Viele lenkten ihre Schritte an solchen Sommertagen immer wieder zu der Stelle, wo die Wirtschaft' „Zum Philosophenwald" die durstigen Gäste einlud, im Waldesschatten einige Zeit zu verweilen. Besonders den Kindern wird diese Stätte noch gut in Erinnerung sein, denn hier durften sie so manches schöne Kinderfest verleben. Seit aber dieses Gasthaus nicht mehr besteht, ist diese frühere Stätte der Freude eine Stätte der Arbeit aewor- den, denn feit Frühjahr 1934 ist hier die Reichs- arbeitsdienstabt"ilung 5/222 „Justus von Liebig" untergebracht. Von morgens bis abends erfüllen hier die braunen Arbeitsfoldaten ihre Pflicht. Aber nach der Arbeit muß es auch wieder Stunden der Erholung geben, und so hat die Abteilung beschlossen, ihr diesjähriges Sommerfest gerade an der Stelle abzuhalten, die früher der beliebteste Ausflugsort der Gießener Bevölkerung war. Am kommenden Sonntag wird dort ein fröhliches unb- luftiges Treiben fein. Die Vorbereitungen sind schon im vollen Gange, und man kann jetzt schon sehen, daß es „ganz groß" werden muß. Hier wird ein Tanzboden aufgeschlagen, dort der Platz für die Musik hergerichtet, wieder wo anders entstehen die Zelte für den Schießstand und die Ballwurfbude. Da jeder gerne mitarbeitet, ist für den Sonntag ein schönes und abwechselungsreiches Programm aufgestellt worden. Morgens von 10.30 Uhr bis 11.30 Uhr findet schon ein Frühkonzert durch den Musikzug der Reichsarbeitsbienstgruppe 222 statt. Nachmittags beginnt das Fest mit einer Kinber- belustigung. Bei Wurst- und Brezelschnappen, Sackhüpfen usw. werden sich die Kleinen vergnü
gen. Außerdem werden eine Anzahl großer Luftballons verteilt. Für die Erwachsenen stehen zwei Tanzflächen zur Verfügung, wo man sich nach Herzenslust austoben kann. Wer gerne schießt, kenn seine Kunst am Schießstand versuchen. Wieder andere können bei der Ballwurfbude wunderbare Preise herauswerfen. Außerdem wird die Glücksgöttin Fortuna mit einer großen Tombola erscheinen. Eine Original-Grinzinger-Weinstube lädt zum Besuche ein. Aber der Höhepunkt der gesamten Veranstaltung ist das Groß-Variets, denn wenn Gregor Oiofsky mit seinen Donkosaken tanzt und singt, Leo Ludwig seinen wunderbaren Balance-Akt vorführt und Bill Teddy Beweise seiner unfehlbaren Schießkunst zeigt, werden alle restlos begeistert sein. Dann werden weiterhin „Professor Historikus" und die kleinsten Arbeitsmänner der Welt mit ihren Spatengriffen und Achtungsmärschen die Zuschauer zu wahren Lachstürmen hinreißen. Außerdem wird der frühere Weltmeister Camera gegen den Meister der Liliputaner boxen. Der musikalische Teil wird von dem Rennfahrer auf dem Klavier, dem Pianisten Ziehme und dem bekannten Akordeonvirtuosen Fritz von Omlett ausgeführt. Als Ansager ist der Humorist Klaus Jrwing vom Staatstheater Leihgestern gewonnen worden. Alles in allem kann man nur sagen, daß an alles gedacht wurde und daß wohl jeder Besucher auf seine Kosten kommen wird, besonders deshalb muß für Gießen und Umgebung am kommenden Sonntag hie Varole lauten: „Aus zum Sommerfest des Reichsarbeitsdienstes im Philosophenwald!, da fein Eintritts- bzw. Tanzgeld erhoben wird.
Sie Verbraucherböckstpreise für Eier.
Der Eierwirtschaftsverband Hessen-Nassau gibt bekannt: Auf Grund der von dem Vorsitzenden der Hauptvereinigung der deutschen Eierwirtschaft mit Zustimmung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft erlassenen und am 23. Juli 1936 in Kraft tretenden Anordnungen Nr. 8/36 und 9/36, betr. Preiserhöhung, gelten nunmehr folgende Ver - braucherhöch st preise in Reichspfennigen je Stück:
Ungekennzeichnete Eier: 10 Rpf., gleich welcher Größe.
Deutsche Handelsklasseneier 01, voll- irisch: Größe S 14, A 13. B 12, C 11V2, D IOV2, Aussortierte (abfallende Ware) 11 Rpf.
Ausländische Frischeier: Größe S 13%, A 12%, B 11%, C 10%, D 9%; für Bulgaren, Ungarn, Jugoslawen, Argentinier, Türken % Rpf. niedriger, Bulgaren Original 10% Rpf.
Wenn sich beim Kleinverkauf Bruchteile von Pfennigbeträgen ergeben, so ist Aufrundung des gesamten Rechnungsbetrages (nicht des Preises für das einzelne Ei) auf volle Pfennigbeträge dann zulässig, wenn der überschießende Bruchteil mindestens % Rpf. beträgt.
Es besteht Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß Zuwiderhandlungen gegen diese gültigen Preisfestsetzungen unnachsichtlich bestraft werden. Die Landespreisüberwachungsstellen sind überdies bezüglich der Verbraucherhöchstpreise durch Verordnung vom 4. September 1935 ermächtigt worden, Ordnungsstrafen bei Zuwiderhandlungen zu verhängen.
Oie preise für deutsche Frühkartoffeln.
Für die Anlieferungszeit vom 24. Juli bis 30. Juli 1936 hat der Vorsitzende der Hauptvereinigung der deutschen Kartoffelwirtschaft unterm 20. Juli die Erzeugerpreise für deutsche Speisefrühkartoffeln festgesetzt. Für weiße, rote und blaue Sorten gilt für den 24. Juli 1936 ein Mindestpreis von 3,45 RM. und ein Höchstpreis von 3,95 RM. Für runde gelbe Sorten ist ein Mindestpreis von 3,85 RM. und ein Höchstpreis von 4,35 RM. festgesetzt, für
lange gelbe Sorten ein Mindestpreis von 4,25 und ein Höchstpreis von 4,75 RM. Sämtliche Preise allen täglich um 0,05 RM.
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** EinSiebzigjähriger. Der Werkmeister i.R. Andreas Schröder, Bruchstraße 22, tarnt am morgigen Samstag seinen 70. Geburtstag feiern. Der betagte Mann ist seit dem Jahre 1900 treuer Leser des Gießener Anzeigers.
Kleine Strafkammer Gießen.
Von dem Amtsgericht in Grünberg wurden die Angeklagten PH., D. und R. aus Lehnheim wegen schwerer Körperverletzung zu 3 Monaten bzw. 2 Monaten und 2 Wochen Gefängnis verurteilt. Die Angeklagten schlugen einen Zeugen, mit dem sie vorher in einer Wirtschaft zusammensaßen, wiederholt zu Boden, wodurch dieser schwere Verletzungen davontrug. In der gestrigen Berufungsverhandlung erhöhte das Gericht die Strafen auf 6 bzw. 5 und 4 Monate Gefängnis.
Oberheffen.
Ein Mädel des BdM.
berichtet über Lager-Erlebnisse.
* Kloster Arnsburg, 19. Juli. Am verfloß fenen Samstag ging wieder eine Lagerwoche in Arnsburg zu Ende. Viele Mädel und Jungmädel konnten am 12. Juli von der Lagerleitung aufgenommen werden. Als die letzten Mädel angekommen und in die Listen eingetragen waren, traten wir in Hufeisenform um die Fahne an. Unsere Lagerleiterin machte uns mit dem Tageslauf der beginnenden Lagerwoche bekannt, und dann bekamen wir unsere Betten angewiesen. Nach dem Abendessen, das allen vortrefflich mundete, ging es in die Betten. Sehr ruhig waren wir in dieser Nacht gerade nicht. Morgens um sieben Uhr wurden wir geweckt. Dann wurde der Körper und Geist erfrischende Frühsport getrieben, der allen sehr gut bekam und großen Appetit anregte. Die Fahne wurde gehißt und dann der Kaffee eingenommen. Anschließend wurden wir mit unserer Arbeit bekannt gemacht. Der Tageslauf brachte das Reinigen des Lagers und des Hofes, Mithelfen in der Küche, kleine Arbeiten im Garten, Stählung des Körpers im Turnen und Wandern und Heimabende. Um 12 Uhr wurde das sehr gute und reichliche Mittagessen eingenommen und dann zwei Stunden geruht.
Im Lager wurde der Kameradschaftsgeist gestärkt, der Körper durch tägliche Gymnastik gestählt. Wir wurden mit frischem Mut erfüllt und nebenbei auch zur Ordnungsliebe und Selbständigkeit erzogen; manche Arbeit, die wir zu Hause nur ungern verrichten, ging hier unter Lachen und Scherzen sehr rasch vonstatten.
Uns allen hat das Lager sehr gut gefallen. Wir waren oft luftig und froh, aber wir konnten auch ernst sein wie am letzten Abend, als wir im Kapitelsaal des altehrwürdigen Klosters unter ernsten Worten der Lagerleitung unseren Lagerausweis überreicht bekamen. Wir alle sind gestärkt heimgekommen. Es fällt uns nicht schwer, für das Lager zu werben, um mitzuhelfen, alle jene mit neuem Geist zu erfüllen, die lau geworden sind. Wenn wir mit echter Begeisterung für die Sache unseres Führers werben, können wir einen kleinen Teil der Dankesschuld gegen ihn abtragen.
Darum erlaubt es, Eltern und Arbeitgeber, daß die Mädel in bas BDM- und JM.-Sommerlager dürfen. Ein BDM.-Mädel R. R.
Keller-Einbrüche in Lauterbach.
§ Lauterbach, 23 Juli. Seit einigen Tagen wird Lauterbach von einem ober einigen Einbrechern heimgesucht. Nachdem vor einigen Tagen in der Bahnhofstraße in den Keller einer Beamtenfamilie eingebrochen und allerlei Eingemachtes ent- wendet wurde, ereignete sich in der Nacht zum 22. Juli ein gleichartiger Einbruch in der Goethe- straße, wo der oder die Täter gleichfalls durchs Fenster in den Keller eines Beamten eindrangen. Hier wurde neben Speisevorräten auch Wein gestohlen. Man hat dabei sogar die Frechheit besessen, die besten Sachen auszusuchen. Die Gendarmerie hat einige Spuren sichergestellt; es steht jedoch noch nicht fest, ob ein ober mehrere Täter in Frage kommen. Die Nachforschungen sind noch im Gange. Es handelt sich offenbar um einheimische Spitzbuben.
Kreis Büdingen.
tt. Mittleres Niddatal, 23. Juli. Bedauerlicherweise haben die schweren Regenfälle in der letzten Zeit durch Erdabschwemmungen namentlich an abschüssigen Fluren erheblichen Schaden angerichtet. Sämtliche Feldarbeiten wurden verzögert. Alle Getreidearten haben sich vorzüglich entwickelt, doch hat sich, abgesehen von wenigen Ausnahmen, durch die öfteren Schlagregen allenthalben Lagerfrucht gebildet. Nun beginnt man allgemein mit dem Schnitt von Roggen und Gerste. Fast alle Arbeiten müssen mit der Sense ober ber Sichel ausgeführt werben. Des leichteren Austrocknens halber binbet man dünne Garben. Eine natürliche Folge des seitherigen verhältnismäßig zu feuchten Wetters ist das sehr starke Wachstum von Futtergewächsen, namentlich des Klees, ber zur späteren Verwendung vielfach auf Hvlzgerüsten getrocknet wird. Die Hackfrüchte haben sich vorzüglich entwickelt. Die Süßkirfchenernte war sehr mäßig, einen vollen Ertrag lieferten die Sauerkirschen. Die Aussichten hinsichtlich ber Aepfelernte finb, im ganzen genommen, kaum als mittelmäßig zu bezeichnen. Die Birnenernte verspricht besser auszufallen. Demgegenüber bringen Pflaumen, Zwetschen unb Mirabellen eine reichliche Ernte. Von ben Gartensträuchern brachten Stachelbeeren einen vollen Ertrag, etwas vermindert die Johannisbeeren. Aber eine Riesenernte lieferte die Erdbeere, annähernd auch die Himbeere. Die Brombeere wird mengenmäßig nicht nachstehen.
<3ro6feuer
auf einem Gutshof bei Darmstadt.
LPD. Darmstadt, 23. Juli. Auf dem ber Stadt Darmstadt gehörigen Gehaborner Hof entstand, offenbar durch Selbstentzündung von Heu, ein Brand, der den Einsatz von zwei Löschzügen ber Berufsfeuerwehr notwendig machte. Bei Eintreffen der Wehr stand eine etwa hundert Meter lange Scheune bereits in hellen Flammen. Die Arbeit der Feuerwehr, die mit sieben Schlauchleitungen den Brand bekämpfte, war dadurch erschwert, daß nur ein Hydrant zur Verfügung stand unb ein Teil des Löschwassers aus dem Darmbach herbeigeschafft werden mußte. Trotz der Bemühungen der Wehren sind etwa 600 Zentner ungedroschene Gerste unb 1000 Zentner Heu den Flammen zum Opfer gefallen. Es ist also ein hoher Verlust am Volksvermögen zu beklagen.


