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Don unserem Sonderberichterstatter Dr Surefd?
Berlin, im Juni.
Ein Jahr ist es her, seit in Deutschland alles aufhorchte: eine neue technische Pioniertat war vollbracht, die Fernsprechverbindung mit Tokio war hergestellt.
Wenn man heute neben Fräulein Elvira sitzt, die am Klappenschrank waltet wie ihre übrigen rund 1500 Kolleginnen im Fernamt Berlin, dann erscheint auch dies Wunder der Technik schon wieder ganz selbstverständlich. Während sie sich mit uns unterhält, liegt der fiörer zwischen den Knöpfen und Hebeln, Löchern und Kontakten und Drehgriffen, deren Bedienung für den Laien ein schier unerlernbares Geheimnis bedeutet. Für Fräulein Elvira — so heiht die junge Arbeitskameradin am Klappenschrank in der internationalen, internen Verkehrssprache — hat dieser riesige Schrank keine Schrecken mehr.
„Solange es Ueberseeverbindungen gibt, habe ich sie schon bedient", erzählt sie bereitwillig auf unsere Fragen — „als 1928 die deutsche Kurzwellen- telephonie nach Buenos Aires eröffnet wurde, habe ich diesen ersten Sender betreut und konnte dort meine Erfahrungen sammeln. Deshalb war die Eröffnung des Tokiosenders für mich kein Anlaß für Lampenfieber, wie bei meinen kleinen japanischen Kolleginnen, Miß Ando, Miß Esashika oder Miß Ito, die natürlich im Anfang mit mancher Verwirrung zu kämpfen hatten."
„Wir können kaum annehmen, daß Sie japanisch sprechen, wie verständigen Sie sich denn mit den japanischen Damen?"
„Die Japanerinnen sprechen alle tadellos englisch, das ich auch beherrsche, einige verstehen sogar deutsch. Sie sind übrigens begeisterte Bewunderin- nen der deutschen Musik, interessieren sich überhaupt sehr für die deutschen Verhältnisse."
„Wie kommt den nun solch ein Gespräch über die halbe Erde zustande? Dauert die Herstellung der Verbindung sehr lange?"
„Durchaus nicht. Es gibt bestimmte Betriebszeiten für die Gespräche nach Tokio. Wir stellen über den Sender Nauen sofort die Verbindung her, die meistens schon in weniger als einer Stunde sprechbereit ist. Gerade gestern hatten wir eine besonders rasche Verbindung: um 10.54 Uhr kam eine Anmeldung aus Tokio für einen Teilnehmer in Budapest. Um 11 Uhr sprach Budapest bereits! Selbstverständlich werden alle Gespräche nur mit Voranmeldung vermittelt."
„Sie erwähnten eben Budapest. Dann vermitteln Sie also nicht nur Gespräche zwischen Tokio und Deutschland, sondern auch für andere Länder des europäischen Kontinents?"
„Ihr Gespräch nach Tokio, hiite!" Wunder des Kurzwellengesprächs über 7000 Kilometer. - Fräulein Elvira und ihre japanischen Kolleginnen.
d^Sehen^ Sie da ruft Tokio, das versucht, mit Paris direkt Verbindung zu bekommen.
„Wie har man sich nun den Lauf eines Wortes von hier bis nach Hem Fernen Osten oorzustellen
„Don Tokio bis zu unserem Empfänger in Beelitz geht solch ein Gespräch per Kurzwelle. Auf dem Sender wird es auf Kabel umyelegt, automah^ natürlich, und wir stellen dann hier die Kabelverbindung auf dem europäischen Netz her. Ihre Stimme geht also, wenn Sie sprechen, zum Teil unterirdisch durch Kabel, auf Kurzwelle durch den Aether." . .. .
,Kaum glaublich! Ueber Meere und Kontinente hinweg, weither durch den Aether erklingt eine Stimme und soll zu verstehen sein, wie wenn jemand aus dem Nebenzimmer spricht. Ist denn die Verständigung klar und ohne Störung?"
„Ganz klar, selbstverständlich! Dazu gehört allerdings, daß man jeden Morgen wieder die Betriebsbedingungen überprüft und die Welle ausprobiert. Das ist dann unsere kleine Gelegenheit, uns nach dem gegenseitigen Wohlergehen zu erkundigen und Grüße auszutauschen. Aber da jedes Wort sozusagen auf der Goldwaage liegt, müssen wir uns natürlich auf das Notwendigste bei unseren Gesprächen beschränken."
„Was kostet denn ein normales Drei - Minu - ten-Gespräch mit Tokio?"
„Drei Sprech-Minuten mit Tokio k o st e n 8 2 Mark. Das will sagen, daß wir nur d - Minuten berechnen, in denen tatsächlich gesprochen w^d zwischen den Teilnehmern, also nicht die Zeit, die durch die Heranholung an den Apparat verstreicht, wie das bei gewöhnlichen Ferngesprächen der Fall ist."
„Das ist immerhin ein ansehnlicher Betraa. Gibt es denn überhaupt genug Menschen, die ihn für ein Ueberseegespräch anwenden?"
„Aber gewiß! Wir wundern uns sogar manchmal, w i e häufig diese Summe für reine Privatgespräche ausgegeben wird. Um die Weihnachtszeit besonders machen die Privatgespräche bis zu 50 v. H. unserer Vermittlungen nach Tokio aus."
„Noch eine Laienfrage: wie verhindert man nun, daß jeder beliebige Rundfunkhörer sich in die Gespräche einschalten und sie mithören kann?"
Tor- der Stadt H-rsseld d-m İchm-ijt-r^d°r Pankgrafen von Bürgermeister 9 ö Grafen wurde Der Abend vereinte Burger uno i "der Kulturhalle, wo bei einem bunten Festpro gramm die Zeit schnell verging.
Luftschiff „Hindenburg" zur Rückfahrt ges ar .
sahrt ge ftart-t. Das SufiWff >getobt seiner Rückfahrt um 5.15 Uhr (Jicuö-J u Neuyork.
Ja natürlich, wir versorgen die angrenzenden Staaten im Osten, die auf dem Balkan und meist auch die nordischen Staaten, soweit sie nicht über England sprechen. Außerdem Frankreich, Italien, die'Schweiz und andere mehr. ,
Ein aus dem Tisch liegender Kopfhörergibt P °tz- lich ein knarrendes Geräusch vonfufy■
nen wir verstehen: „Hallo, hallo, Pans. H ,
- _ fphr einfach Wir können nämlich jedes „Das ist sehr einsau). chiffrier en und
Gesprächs o 3 u s a g e in Hebels." Fräu-
zwar durch Umlegen v I Hebel, knipst dann lein Elmra weist a f nut.forccher aus dem so- irgendwo, stöpselt eine Lau spch ertönt: „Ich ZtzZßU-XM
7u°kdem Lautsprecher ertönt ein h°°rstr°ubendes Kauderwe^ch. ^°mtin - Teilnehmer überhaupt etwas davon Ln Die er Sprachwender ist am Sender und wo das Gespräch vom Kabel auf die Kurzwelle übergeht, wird die Sprachverwirrung angencht s:«;™ Moment des Rückgangs von der Welle auf Kabel drüben durch die gleiche Vorrichtung wieder entwirrt wird. Auch bei Gesprächen mit Schiffen mpnben wir dieses Mittel an.
Uns wird Fräulein Elvira mit ihrer kühlen Sach- lickkeit fast etwas unheimlich angesichts solcher Zaubereien. Hätten wir es nicht mit eigenen Ohren nernommen dann wären wir versucht gewesen, 7as st- Ün's da erzählt, für eine Ausgeburt ihrer Dbantasie zu hallen. So gehen wir, etwas benommen, wieder an unser Tagewerk zuruck und es wird niemand wundernehmen, daß uns dies letzt säst mittelalterlich rückständig anmuten will gegenüber den Zauberkünsten, die Frau ein Ekira im Dienste der R-tchspost tagtäglich an ihrem Klappen- schrank oollsührt.
Wetterbericht
des R-ichswelt-rdi-nstes. Ausaabeort Frankfurt.
Auch gestern setzte sich zunächst di- Zufuhr sub- tropischer Warmluft fort, so daß es nachmittags zum Austreten örtlicher Wärmegewitter kam. Das Eindringen srischer Meeresluft van N°rdw°sten her gab gegen Abend aus breiter Front Anlaß zu Ge- witteitatigkeit, die vereinzelt wolkenbruchartige Niederschläge lieferte. Der Ausbau eines Hochdruck- qebi-tes im Westen bedingt auch weiterhin die Zu- fuhr frischer Meeresluft, so daß es bei an und für sich freundlichem Wetter und angenehmer Temperatur immer wieder zu einzelnen meist gewittrigen Schauern kommen wird. m .. .
Aussichten für Donnerstag: Verander- lich mit häufiger Aufheiterung und nur vereinzelt teilweise gewittrige Schauer, etwas frischer.
Aussichten für Freitag: Fortdauer der im ganzen freundlichen und angenehm warmen Witterung mit nur vereinzelten Schauern.
Lufttemperaturen am 23. Juni: mittags 26,6 Grad Celsius, abends 18,6 Grad; am 24. Juni: morgens 18,5 Grad. Maximum 27,2 Grad, Minimum heute nacht 16,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 23. Juni: abends 25,1 Grad; am 24. Juni: mor- gens 21,3 Grad. — Sonnenscheindauer 6,8 Stunden.
Hauptfchristleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange.
Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil i. 23.: H L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. V. 36: 9760. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch-und Steindruckerei R.Lange,K.-G., sämtlich in Gießen.
Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.
Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.
landen. Der Flugzeugführer und die Zehn Fluggäste sind wohlbehalten. Die Maschine befand sich aus dem Fluge zwischen Antofagasta und Jquique.
Pankgrafensturm auf das 1200jährige Hersfeld.
Unter Teilnahme der ganzen Bevölkerung und zahlreicher Gäste fand im 1 2 0 0jährigen Hersfeld der historische P a n k g r a f e n st u r m auf den Ort statt. Unter Kanonendonner und Gewehrgeknatter, Säbelklirren und Fanfarenstotzen erfolgte die „Eroberung" der Stadt, worauf dann bei den Friedensoerhandlungen der Schlüssel der
bauen und denselben Namen tragen, kommt wohl häufiger vor, viel weniger häufig bei Handwerkern und Pfarrern, Lehrern und Gelehrten, aber in der Welt der Technik, die sich allerdings aus dem Handwerke entwickelt hat, wie bei diesen Papiermachern, ist dergleichen sicherlich selten.
heftiges Unwetter über Paris.
Der „Baum des Friedens" wurde dieser Tage bei einem ungewöhnlich schweren Gewitter in einem Pariser Park vom Blitz getroffen. Mit gewaltigem Krachen stürzte der Baum auf einen Musikpavillon, in dem viele Frauen und Kinder vor dem Regen Schutz gesucht hatten. Der Pavillon brach zusammen. Unter den Trümmern wurden etwa 50 Frauen und Kinder verletzt. Sie wurden von der Feuerwehr in Krankenhäuser gebracht, aus denen sie jedoch größtenteils nach Anlegung von Notoerbänden wieder entlassen werden konnten.
Das Unwetter hat auch sonst beträchtliche Schäden verursacht. Hunderte von Kellern wurden überschwemmt. Große Wassermengen drangen in Untergrundbahnschächte ein, wodurch der Verkehr streckenweise lahmgelegt wurde. Verschiedentlich mußte die Feuerwehr gerufen werden, um die Fahrgäste aus den überschwemmten Untergrundbahnhöfen herauszuholen. Zahlreiche Bäume wurden durch die Gewalt des Sturmes geknickt. In manchen Straßen von Paris stand das Wasser bis zu einem Meter hoch. Straßendammlockerungen und Wasserrohrbrüche wurden in mehreren Stadtteilen verzeichnet. Bei einem Bruch der Straßenbahnoberleitung erlitten drei Personen durch die Kurzschlußstichflamme leichtere Brandwunden.
Schweres Eisenbahnunglück in Spanien.
Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich in der Nähe von Bembribre in der spanischen Provinz Leon. Der von Madrid kommende Schnellzug stieß innerhalb eines Tunnels mit einem Gült erzug zusammen. Einer noch nicht bestätigten Nachricht zufolge sollen mehrere Waggons in Brand geraten fein. Bei dem Unglück sind 18 Personen ums Leben gekommen und 36 zum Teil schwer verletzt worden. Ein Wagen dritter Klasse sowie der Gepäckwagen des Schnellzuges und auch die Lokomotiven der beiden Züge wurden zertrümmert. Die ^Bergungsarbeiten stießen auf große Schwierigkeiten. Unter den Toten befinden sich der Lokomotivführer des Schnellzuges sowie der Lokomotivheizer des Güterzuges. Das Unglück wird auf Fahrlässigkeit des Dienstpersonals zurückgeführt, da offenbar das Haltesignal überfahren oder gar nicht gezeigt wurde.
Schwere Slreikausfchreilungen in Ohio.
In Portswuth (Ohio) kam es zu einem schweren Zusammen st oß zwischen Streikposten und Fabrikwächtern von der seit Ende Mai infolge Ausstands geschlossenen Anlage der Wheeling Steel- Corporation. Bei der etwa zehn Minuten dauernden Schießerei wurde ein Wächter getötet und mehrere Personen schwer verletzt. Durch die Schießerei wurden zahlreiche Passanten gefährdet. Sie begann, als eine Fabriklokomotive mit einem mit Nahrungsmitteln beladenen Wagen sich einer gegenüber der Hauptanlage gelegenen Drahtfabrik näherte. Die Nahrungsmittel waren für die dort seit Wochen von Streikposten belagerten Fabrikangestellten bestimmt.
Das verschollene chilenische Flugzeug aufgefunden.
Das verschollene chilenische Verkehrsflugzeug der Nationalen Luftfahrtgesellschaft wurde wieder auf» gefunden. Es mußte wegen Motorschadens not»
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