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Wandern und Reisen.

Galerie der Reisegefährten.

XSon Zulius Kreis.

Reisen in Gesellschaft, wenn auch nur eines Ge­ehrten, macht immer ein bißchen kribbelig. Man lt in der Fremde um eine Spur reizbarer als aheim, die Fülle neuer Eindrücke laßt die Nerven empfindlicher werden, man spürt am Gegenüber Nuancen, die sonst in der gewohnten Umgebung ar nicht Beachtung finden, ja manchmal ist es rfjon Dorgefommen, daß sich sonst gute Bekannte Zusagenauseinandergereist" haben. Natürlich ist mmer derandere" daran schuld. Und weil wir Llbst für den andern auch der andere sind, drum mögen wir bei den nachfolgenden Porträts selbst iin bißchen an die Brust klopfen, wenn wir da und ort die Züge unserer Reisegefährten wiederfinden. Jnö nun die kleine Galerie der Reisegenossen.

Da ist der Begleiter, der alles ver - essen hat. Nein, nicht aus schnöder Gewinn- ucht, aus Eigennutz, Nassauerei oder Schnorrerei. Lolche Reisegenossen haben wir gar nicht. Er hat Ilies aus Schlamperei, aus Leichtsinn vergessen. Mas geht beim Taschenmesser an. Ach bitte, leihen Sie mir doch mal Ihres. Ich muß meines am gahnhof verloren haben. Dann: Haben Sie Feuer? ,ch hab' natürlich wieder vergessen... Hören, Sie, Kirf ich mal eine Zigarre bei Ihnen schnorren-, nein Kistchen liegt unten im Koffer. Haben Sie üelleicht zufällig eine alte Zeitung einstecken? Eine I Sicherheitsnadel hätten Sie wohl nicht dabei? Kön- en Sie mal die paar Groschen für den Träger mslegen, ich habe nur diesen großen Schein.

Frühmorgens: Entschuldigen Sie, lieber Freund, jarf ich mal Ihre Seife benützen? Ich weiß nicht, no sich die meinige, dieses Aas, herumtreibt. Don- lerroetter ist diese Rasierklinge stumpf. Hätten Sie ächt eine übrige, die Sie entbehren können?

Da haben wir die Bescherung! Abgerissen! Na- Urlich keine Schuhlitze! Es wäre reizend, wenn Sie nir aushelfen könnten! Eine Aspirintablette haben wie wohl nicht dabei? Schreckliches Kopfweh! So - danke! Ich habe das oft am Morgen. Aspirin ülft immer!

Menn Sie vielleicht einen übrigen Kofferriemen iiätten...?

Nicht wahr, ich darf ein bißchen was von Ihrer »onnenbranbfalbe nehmen

Jetzt wäre eine Zigarette ein Labsal, oh, vielen .Dank!

Und so durch hundert Stationen hindurch. Er ist onft reizend, unser Reisegefährte, großzügig, gar licht eng. Aber wir sind die ganze Reise über, sein Kammerdiener, sein Reservefonds. Wir haben oft ine leise Wut auf unfern HerrnHätten Sie vielleicht..."

Dann gibt's einen Reisegefährten, den Herrn: Wei uns zu Hause ..." Ob wir mit ihm auf inem Gletscher stehen oder am Meeresstrand, ob inir ein Wienerschnitzel essen ober eine Mittelrneer- nschsuppe, vor dem Kolosseum in Rom und im .Krater in Wien, im Tiroler Bauernwirtshaus und m Hamburger Hotel, vor der Mona Lisa im jouore und im Luna-Park in Berlin immer ist -in erstes Wort: Bei uns zu Hause. Er nimmt es :oie einen Klapp-Maßstab aus der Tasche und mißt /des Ob» und Subjekt damit ab.

Verwandt mit ihm ist der HerrSehr mäßig", /äs Essen auf jeder Redeflation sehr mäßig, der Dein ist sehr mäßig, die Frauen hier sind sehr iäßig, die Landschaft, das Wetter, die Aussicht, lie Bahnverbindungen, die Betten, alles ist sehr mäßig.

Dann ist au nennen der Herr:Dortgewesen oe i n". Er schenkt seinem Reisehandbuch gar nichts, r muß alles sehen, überalldort gewesen sein". [I iiein noch so obskures Denkmal, kein Stadtmuseum, 'eine Burg, keine Kapelle, kein Kloster und kein '.lussichtsturm, den er nichtmitnimmt". Er schleppt Ms auf steile Hügel und in tiefe Schächte, durch Sonnenbrand und Museumsstaub und legt sich erst »friedigt schlafen, wenn er alles in feinem Reise- aibrer alserledigt durchgestrichen hat.

Sein Verwandter ist der HerrHören Sie -n a l" undS i e m ü s s e n w i s s e n". Er geht als sandelndes Lexikon neben uns, und an jedem Tag !$r Reise ist uns wie in der Schulstube zumute, neo wir Namen, Daten, Jahreszahlen lernen. Wir hnb abends heilfroh, wenn er uns nach dem Essen - 'cht ins Examen nimmt und wir davor bewahrt t leiden, das Pensum bis zum nächsten Morgen fünfmal abschreiben zu müssen.

Der HerrE i n g e f p a r t" ist selig über ein Stückchen Zucker, das er morgens erübrigt, über In3 Zimmer, das nach der Brandmauer zu liegt, Infür aber eine Mark weniger kostet, über das i (ütnckchen Rostbraten, das er sich vom Mittagsmahl j.ir ein Vesper aufheben kann und über das ein» c?fparte Zehner! auf 00.

Dann ist noch der Enthusiastische, der nur in Superlativen schwelgt, jeden Bach wunder- frir, jeden Hügel unvergleichlich, alles was da keucht md fleucht entzückend, herzig, goldig, süß, bezau- t-rnb, ideal findet. Dieser Reisegefährte ift meist üblichen Geschlechts und mit ihm sei die Galerie t ir Reisegefährten geschlossen: denn hier beim blben Gegenüber fingen erst die eigentlichen Schwierigkeiten an.

(Solf als Rurübunfl.

RDD. DerGroße Golfpreis der Nationen", der uiter starker internationaler Beteiligung vom 26. k-s 27. August in Baden-Baden ausgetragen riirb, lenkt die Aufmerksamkeit auf ein schönes Ibafenfpiel, das in deutschen Heilbädern vielfach richt nur als Sport, sondern auch als regelrechte Surübung betrieben wird. B a d E m s an der Lahn führte z.B. 1935 das Golfspiel als ausgesprochene fii urübung für Asthmatiker ein Sem Qulfplatj mit 280 Morgen Fläche, der größte des europäischen Festlandes, liegt 370 Meter hoch in­mitten eines vielgestaltigen Waldparkgeländes auf bm Höhen des Westerwaldes. DasSpiel im torün" und das Heilklima von Bad Ems haben r«ch Ansicht maßgeblicher Aerzte über die Bade-, -link- und Inhalationskuren hinaus große Wir- kumg auf alle in Ems zur Heilung gelangenden Blankheiten. Ueberöies dient der 18-Löcherplatz, der ! Ateisterschaftsplatz Deutschlands, vielen Ausländer^ k;e nicht zur Kur kommen, als täglicher Tummel- ^cltz. Bad Wildungen, das Weltbad für Sllafe und Niere führte in diesem Jahre Golf als Trübung ein; ebenfalls unter ärztlicher Kontrolle vnb nach ärztlicher Verordnung. Die Nierensteine lAen durch das Golfspiel in ähnlicher Weise zum klaffen der Niere angeregt werden, wie dies 1 b:im (bisher als Kurübung gebräuchlichen) Reiten wer dem Herabhüpfen vom steilen, weglosen Hang b.;5 Homberges geschieht. Wie in Wildungen, so fielen auch in Bad Salzbrunn in Schlesien litt langem viele Ausländer auf dem landschaftlich

reizvoll liegenden Golfplatz. Weitere deutsche Heil­bäder, in denen Golf eine Rolle spielt, sind Bad Homburg, Wiesbaden und Baden- Baden. Der kleine Homburger Golfplatz hat die berühmten Homburger Goldpokale als Preise; sie stammen aus jener Zeit, als dieser älteste Golf­platz Deutschlands (1891 angelegt) einem Golfklub offenftanö, der 3000 Mitglieder zählte. Präsidenten dieses Klubs waren englische Herzöge.

Der starke Aufschwung, den der Golfsport in den letzten Jahren genommen hat, ließ die Zahl der Golfplätze in Deutschland auf 53 steigen. Elf davon befinden sich in bekannten deutschen Heilbädern: außer den genannten noch in Nauheim, Aachen, Eilsen, Kissingen und Weißer Hirsch bei Dresden. Weitere elf Golfplätze gehören zu deutschen Kur­orten und Seebädern: m Freudenstadt (Schwarz­wald), in Oberhof (Thüringen), Garmisch-Parten­kirchen, in Heiligendamm, auf Norderney und Föhss u. a. findet man sie.

Wanderfahrten.

Gießen Fernewald Oppenrod Grohen-Buseck Gießen.

Bei der Universitätsbibliothek beginnen die blauen Punkte, die vorerst unser Führungszeichen bilden. Wir gehen den Schreiberweg und dasNiz^a" ent­lang durch den Stadtwald auf dem Alten Steinbacher Weg bis zum Ausgang des Waldes. Hier wenden wir uns links, überschreiten bald darauf die Land­straße nach Lich und gelangen in den Fernewald, ein durch seine geruhsame und friedliche Stille sich auszeichnender Walddistrikt. Nach geraumer Zeit genußreichen Wanderns weist uns eine Tafel nach rechts. Wir verlassen den Wald und auch die Zeichen und gehen zur Rast nach Oppenrod. Von hier schlagen wir den Weg nach Grohen-Buseck ein, überschreiten in der Nähe der Leppermühle die Grünberger Straße und erreichen bald darauf das stattliche Dorf. Wenn wir nicht vorziehen, von hier aus die Bahn zur Heimfahrt zu benutzen, wandern wir die Straße über Rödgen und am Flughafengelände vorüber zur Stadt zurück. Dauer der Wanderung 4% Stunden.

SchottenRudingshainhorsthoherodskopf herchenhainer höheharlmannshain.

Zu dieser Wanderung lösen wir zweckmäßig Sonn» tagskarte SchottenGedern zurück. Von Schotten benutzen wir rote Kreuze, die uns das Niddatal auf­wärts nach Rudingshain bringen. Der stattlichen Schule gegenüber führt uns ein kurzer, aber kräftiger Anstieg hinauf zur Ruine Horst, einer gewaltigen Basaltsteingruppe mit Resten ehemaliger Befestigung. Teils durch den prächtigen Oberwald, teils über blu­mige Triften, unterwegs öfters Ausblicke in die Täler und nach den umliegenden Bergen: Gackerstein, Bil­stein, Hoherodskopf mit den Klubhäusern genießend, führt uns das Zeichen am Hüttenborn, später am Landgrafenborn vorbei über die, durch ihre seltene Flora bekannte Breungeshainer Heide zum Hohe- rodskopf. (Im Klubhaus gute Einkehr.) Don hier benutzen wir das rot-weiße Band, das uns zunächst zum Taufstein, von dessen Bismarckturm man eine weite Rundschau hat, sodann abwechselnd durch Wald und über Wiesen, an der Lauterbacher Hütte vorüber, hinauf zum Gefallenendenkmal auf der Her- chenhainer Höhe bringt. Auf unserem Abstieg zum Vater-Bender-Heim, wo Erfrischungen zu haben sind, bietet sich uns eine überraschend schöne Fernsicht. In kurzer Zeit erreichen wir über Herchenhain unser Endziel Hartmannshain. Von hier bis Gedern nach­lösen. Wanderzeit SVa Stunden.

Aus aller Wett.

Erfolg eines deutschen Films in Venedig

Auf der Internationalen Filmkunstschau in Vene­dig errang der deutsche UfafilmVerräte r", der unter der Spielleitung von Karl Ritter, dem Re­gisseur desHitlerjungen Quex", entstanden ist, einen starken Erfolg. Mit diesem Film, dessen Handlung aus der Welt der Spionage eine ununterbrochene Reihe von spannenden Geschehnissen darstellt, hat die deutsche Lichtspielkunst ein bemerkenswertes Werk geschaffen. Die Handlung erreicht durch den Einsatz ungewöhnlicher technischer Mittel Höhepunkte, die der Tonfilm bis jetzt kaum zu bieten imstande war. Die Aufnahmen von Flugzeugen neuester Bauart, von Panzerwagenabteilungen im Manöver, von Ma­schinenanlagen in vollem Betrieb sind von bezwin- aenber Großartigkeit. Spielleitung und Photographie haben die vielseitigen Möglichkeiten meisterhaft aus­zuwerten verstanden. Die Darsteller erfüllten mit größtem Geschick ihre Aufgabe. Bis in die kleinen Einzeltypen war alles prachtvoll durchgezeichnet.

Interessant war die Aufführung eines indi­schen Films der Prabhat- Filmproduktion mit dem TitelU n st e r b 1 i ch e Flamme", weil er einen wertvollen Aufschluß über den völlig anders gearteten Geschmack gab, auf den der überseeische Film zugeschnitten ist. Der Film mit einer aben­teuerlichen Handlung greift oft zu einem großen Aufwand an Mitteln, fällt aber stellenweise in äußerst primitive Formen, die an die Frühzeit des stummen Films gemahnen. Mit großem Beifall wurde auch der in Deutschland unter dem TitelDie klugen Frauen" bereits bekannte französische FilmHeroische Kirmes" ausgenom­men, ein launiges, satirisches Spiel in einem flä­mischen Milieu, reich an Einfällen, hübschen Moti­ven und geistvollen komischen Szenen.

Kleines Kind erstickt.

In Trier legte eine Frau ihr neun Monate altes Kind abends schlafen. Als sie etwas später nach dem Kinde sehen wollte, fand sie es tot vor. Es hatte in der Zwischenzeit mit seinem kleinen Händchen die Decke über sein Gesicht gezogen und so den Erstickungstod erlitten.

Lebenslängliches Zuchthaus.

Gegen den 36jährigen Erwin Röder, der am 2. Mai 1920 seinen Vater, den 47 Jahre alten Zigarrenhändler Pkax Röder, in Mahlsdorf um­geb r a ch t hat, wurde folgendes Urteil verkündet: Der Angeklagte ist des Totschlages an fei­nem Vater schuldig und wird deshalb z u lebenslänglichem Zuchthaus und dauern­dem Verlust der Ehrenrechte verurteilt.

Zwei deutsche Bergsteiger auf dem Eiger vermißt.

Am 15. August wurden zwei deutsche Bergsteiger beim Aufstieg über den stark zerrissenen Eiger- gletscher beobachtet. Diese Strecke wird sehr sel­ten begangen. Jrn Einvernehmen mit der Deutschen Gesandtschaft in Bern ist eine Such­mannschaft über das Obere Mönchjoch bis zum nördlichen Eigerjoch gestiegen. Sie konnte die Spu­ren der Vermißten über den Eigergletscher hinaus bis zum Großen Gendarmen verfolgen. Beim Uebergang von dem einen Gendarmen zum ande­ren Gendarmen sind die Touristen wahrscheinlich

Zuchthausstrafe für ehemaligen Franziskanerbruder.

Koblenz, 21. Aug. (DNB.) In her Reihe der angeklagten Franziskanerbrüder von Waldbreitbach tand als 3 5. Angeklagter der 1908 in Bonn am Rhein geborene Joseph Werner, der frühere Franziskanerbruder Gratian vor der Großen Strafkammer in Koblenz. Der Angeklagte wurde beschuldigt, in den Jahren 1932 und 1933 mit dem Bruder Alexander widernatürliche Unzucht ge­trieben und in mehreren Fällen mit einem minder- übrigen Anstaltszögling unzüchtige Handlungen vorgenommen zu haben.

Nach seinem Vorleben befragt, erklärte der Angeklagte, daß er erst mit 19 Jahren, nachdem er arbeitslos geworden war, auf Wunsch feiner Mut­ter ins Kloster gegangen sei. Als völlig unschuldiger Mensch sei er in die Genossenschaft der Franziskaner eingetreten. Der Bruder Novizenmeister habe die jugendlichen Klosterinsassen wohl in gewissen Dingen aufgeklärt und auf geschlechtliche Verirrungen auf­merksam gemacht, doch hätten die Brüder nach der Unterrichtsstunde zweideutige Witze darüber gemacht und schließlich habe er auck gemerkt, was eigentlich los war. Damals habe er sich kei­ner Verfehlungen schuldig gemacht.

1932 befand sich der Angeklagte in einer Kloster­niederlassung in Duisburg und nun folgte ein ebenso trauriger wie abstoßender Lebensabschnitt. Der Angeklagte kam nach Waldbreitbach, um dort zehn Tage lang Exerzitien mit» machen. Gleich am nächsten Tage näherte sich ihm der Bruder Alexander und verführte ihn. Fast während der ganzen Exerzitienzeit hat er sich mit dem Verführer eingelassen und Unzucht getrieben. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er sich denn gar keine Gedanken gemacht habe, erklärte er, in der Zwischenzeit hätten sie doch religiöse Pflichtübungen machen müssen. Der Ange­klagte muß sich sagen lassen, daß er die denkbar schlechteste Auffassung von seinem Beruf gehabt habe.

Im Jahre 1933 war der Angeklagte in Linz. Hier hatte er als stellvertretender Abteilungsleiter einen Saal mit etwa 25 Anstaltszög- l i n g e n zu beaufsichtigen. Er verführte einen 16jährigen Zögling, der sein Zimmer zu reinigen hatte, auf die gemeinste Weise. Als einzige Erklä­rung für sein schmutziges Verhalten hat er die Ant- wort:Ich bin mir damals der Tragweite meiner Handlungen nicht bewußt gewesen." Bei seiner wei­teren Vernehmung gibt der Angeklagte an, daß er

im September 1933 aus der Genossenschaft aus­getreten fei. Er bekam eine Zivilanstellung als Krankenpfleger und suchte sich auch sonst als Sanitäter zu beschäftigen, bis er am 13. De­zember 1935 verhaftet wurde.

Der Staatsanwalt hielt den Angeklagten, der im übrigen auch geständig ist, für voll über­führt, bejahte die Erziehereigenschaft des Ange­klagten und beantragte als gerechte Strafe Awei Jahre Zuchthaus und zwei Jahre Ehrverlust. Von besonderem Interesse ist noch folgende Einstellung des Angeklagten nach seinem Austritt aus dem Kloster. Der Staatsanwalt gab einen Brief be­kannt, in dem sich der Angeklagte um einen Poften in der deutschen Jugend bewarb, da er durch fein Vorleben besonders geeignet sei, als I u - genderzieher zu gelten. Dabei wies der Schrei­ber auch noch auf feinen letzten Poften im Kloster zu Linz hin, wo er als Jugenderzieher tätig ge- wesen sei. Der Staatsanwalt bemerkte dazu, daß es, milde gesagt, eine bodenlose Unverschämtheit ge­wesen sei, einen derartigen Brief zu schreiben, be­sonders, wo der Angeklagte wußte, daß er nicht Jugenderzieher, sondern Jugendverführer im allerfchlechtesten Sinne war. Dieser Tatbestand zeigte, wie undeutsch und gemein der An­geklagte gedacht haben muß, als er die unerhörte und traurige Kühnheit besaß, einen derartigen Brief zu schreiben, nachdem er selbst innerlich ver­dorben war und einen jugendlichen Anstaltszögling unglücklich gemacht hatte.

Der Verteidiger konnte in seinem Plädoyer keine Argumente finden, die für den Angeklagten sprachen. Er bat um eine gerechte Strafe. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen fort­gesetzten Verbrechens gegen § 174, 1 und wegen fortgesetzter widernatürlicher Unzucht zu einer G e - samtstrafe von einem Jahr und neun Monaten Zuchthaus und zwei Jahren Ehr­verlust. Auf Grund seines Geständnisses wurden sieben Monate Untersuchungshaft auf die Strafe angerechnet. Das Gericht betonte, daß das Entschei­dende bei der Strafzumessung die einwand­freie Feststellung der Erziehereigen­schaft des Angeklagten gewesen sei. Ein Erzieher, der sich auf solche Weise an seinen Pflegebefohlenen vergehe, wie es der Angeklagte getan habe, müsse mit der ganzen Strenge des Gesetzes verfolgt wer­den. Die Zubilligung mildernder Umstände hab? deshalb auch versagt werden müssen.

auf die zwischen den Gendarmen etwa 15 Meter hinausragende Wachte getreten, die unter ihrem Gewicht nachgegeben hat, so daß die Bergsteiger etwa 500 Meter tief die Ostwand des Eigers hin­unter auf den Grundelwalder Viescherfirn stürzten, Die Suchmannschaft wird sich auf den Grindelwal- der Viescherfirn zu weiteren Nachforschungen be­geben.

Furchtbares Unglück bei einer Prozession.

Am Sonntag ereignete sich in dem polnischen Wallfahrtsort Kalwarya im Kreise Biala ein furchtbares Unglück. Anläßlich des Ablaß-Festes waren Tausende von Wallfahrern nach Kalwarya gekommen. Als die Wallfahrer dem religiösen Brauch entsprechend die Anhöhe zur Kirche kniend hinaufrutschten, entstand ein großes Gedränge. Im Mittelflügel des Kircheneinganges wurden die Betenden derart zusammengedrängt, daß zahlreiche Wallfahrer zu Boden stürzte n und sich nicht mehr erheben konnten. Die nachströmenden Men­schenmassen waren nicht mehr aufzuhalten und be­wegten sich, ohne es verhindern zu können, über d i e Unglücklichen hinweg. Sieben Menschen wurden von der Menge buchstäblich zertreten. Ein Mädchen erlitt so schwere Ver­letzungen, daß es in hoffnungslosem Zustande ins Krankenhaus geschafft werden mußte.

Explosionsunglück in Garmisch-Partenkirchen.

In Garmisch-Partenkirchen ereignete sich in dem für die Olympischen Winterspiele erbauten Eis­stadion ein schweres Unglück, dem zwei Menschen­leben zum Opfer fielen. In der letzten Zeit war festgestellt worden, daß im Aufbewahrungsraum der zur künstlichen Eisbereitung notwendigen che­mischen Lösungen ein Soleschwund erfolgte. Auf Grund von Untersuchungen kam man zu dem Ergebnis, daß die Sole wahrscheinlich die Eifen­betonwände angefressen habe. Der Sole­raum wurde daraufhin ausgepumpt. Bei den weiteren Arbeiten, die von dem 29 Jahre alten Albert Eifen und dem 27 Jahre alten Bernhard Kasper ausgeführt wurden, explodierte ein großer Ammoniakkessel, der sich über dem Soleraum befand. Durch die ausströmenden ätzenden Gase wurden die beiden Arbeiter sofort getötet. Ein dritter, der kurz zuvor den Arbeits­raum verlassen hatte, kam mit leichteren Schäden der Atmungsorgane davon.

Ein Datermorb nach 16 Fahren vor Gericht.

Vor dem Berliner Schwurgericht hat sick der 38- jährige Erwin Röder zu verantworten, der unter dem dringenden Verdacht steht, am 1. Mai 1920 seinen Vater, den Zigarrenhändler M. Rödcr, ermordet zu haben. Max Röder wurde damals in seiner Laube von seinem Grundstücksnachbarn mit zertrümmertem Schädel, schweren Halsschnitt- wunden und einem Kopfsteckschuß aufgefunden. Im Verlaufe der Ermittlungen waren die Ehefrau des Toten und ihr zu dieser Zeit 20jähriger Sohn Erwin, der jetzige Angeklagte, unter dringendem Tatverdacht fe ft genommen worden. Beide wurden aber wieder auf freien Fuß gesetzt, da die Verdachtsmerkmale nicht ausreichten. 1934 geriet der Angeklagte erneut in den Verdacht. Gelegent­lich einer Unterhaltung mit einer Frau, deren Mann einige Zeit vorher verstorben war, hatte Röder die Witwe gefragt:Hat Ihr Mann auch so ge­röchelt wie mein Vater?" Diese Aeußerung mar der Polizei zu Ohren gekommen und in aller Stille wurden nun die Ermittlungen gegen den Angeklag­ten wieder ausgenommen. Röder wurde am 17. April d. I. überraschend festgenommen. Nach hartnäckigem Leugnen gestand er schließlich ein, feinen Vater getötet zu haben. Die Behauvtung des Angeklagten, er habe das Verbrechen im Affekt begangen, scheint wenig glaubhaft. Es sind keine Anhaltspunkte dafür vorhanden, daß ein Streit zwischen Vater und Sohn stattgefunden hatte. Nach den bisherigen Feststel­lungen war das Verhältnis des Angeklagten zu sei­nem Vater, der dem Sohn gegenüber streng auf­trat, nicht günstig. Das überspitze Selbstgefühl des damals 20jährigen lehnte sich gegen diese väterliche Gewalt auf. Es ift möglich, daß auch dieses Mo­ment in ursächlichem Zusammenhang mit der schreck­lichen Tat steht.

54 Kellereinbrüche und Fahrraddiebstähle.

LPD. Frankfurt a. M., 21. Aug. Am Mon­tag wurde in Frankfurt der Kellereinbrecher Wall­kamm fe ft genommen. Bei der anschließenden tagelangen Vernehmung hat Wallkamm insgesamt 54 Kellereinbrüche und Fahrraddieb- st ä h l e zugegeben. Der Einbrecher hat hierbei einige tausend eingelegte Eier, eine Menge Wein, Kognak und andere Spirituosen, Konserven, ein­gemachte Früchte sowie über 50 Fahrräder ge­stohlen. Im Laufe dieser Ermittlungen konnten weitere fünf Personen, darunter ein Fahr­radhändler, wegen Hehlerei festgenommen und dem Amtsgericht zugesührt werden. Den Einbruch in der Fichardstraße, bei dem der gestörte Täter in der Nacht zum 10. August auf feine Verfolger geschossen und einen Volksgenossen durch Bauch­schuß erheblich verletzt hat, bestreitet Wallkamm bisher noch. Die Arbeitsweise, die Oertlichkeit, das Stehlaut und die Beschreibung von Zeugen sprechen aber Dafür, daß Wallkamm Der Täter fein dürfte.

Blitz lötete 10 Schafe.

Westerburg, 21. Aug. (LPD.) In der kleinen Gemeinde Berod suchte dieser Tage die Schaf­herde vor einem schweren Gewitter Schutz im Tannenwald. Durch einen dort einschlagenden Blitz wurden zehn Tiere getroffen und auf der Stelle getötet. Ein weiteres Schaf wurde vom Blitz schwer verletzt, so daß es nvtgeschlachtet wer­den mußte. Dem Schäfer, der sich in der Nähe auf­hielt, geschah nichts.

Feuerwehrmann als Brandstifter.

M a i n z, 21. Aug. (LPD.) Der 29jährige Johann Gleich aus Biblis war Steiger bei der Freiwilligen Feuerwehr und widmete sich mit solchemFeuereifer" der Sache, daß er es nicht erwarten konnte, bis ein Brand ausbrach. Um einmal zu sehen, ob er es im Ernstfall auch richtig kann, zündete er kurz hinterein­ander zwei Scheunen an. Die Erste Große Strafkammer in Mainz verurteilte ihn unter Be­rücksichtigung seiner Jugend wegen Brandstiftung zu einer Gefängnis st rafe von 3 Jahren abzüglich 3 Monate Untersuchungshaft.

Untreuer Gemeinderechner.

Mainz, 21. Aug. (LPD.) Der 47jährige Jakob Barth aus Appenheim unterschlug als Ge­meinderechner in der Zeit von 1927 bis 1936 über 1 7 0 0 0 Mark amtliche Gelder. Zur Ver­schleierung seines Vergehens machte er in den Büchern falsche Angaben und fälschte fortgesetzt Urkunden. Die Zweite Große Strafkammer in Mainz verurteilte ihn wegen Amtsunterfchlagung und Urkundenfälschung zu einer Gefängnis­strafe von 1 Jahr Und 10 Monaten.

Buntes Allerlei.

NoS Grabmal Botticellis entdeckt.

Bei Studien im Archiv der Kirche £>gnifantl (Allerheiligen) in Floren z entdeckte der Pater Giuseppe Calamandrei ein Aktenstück, mit dessen Hilfe es nunmehr gelungen ist, das bisher unbe­kannte Grabmal des berühmten Malers Sandro Botticelli einwandfrei zu lokalisieren. Der be­rühmte Künstler ist in der Gruft der Patrizier­familie F i l i p e p i zur letzten Ruhe beigesetzt worden, von der er abstammte. Den Namen Bot­ticelli hatte er von einem Goldschmied angenom­men, bei dem er in der Lehre gewesen war. Auf Grund dieser Entdeckung hat man das Filipepi- kreuz, das Werk eines unbekannten Bildhauers des sechzehnten Jahrhunderts, in diese Kirche ge­schafft und dort über dem Grabmal der Familie die auch die sterblichen Reste Botticellis deckt, neu errichtet.