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Fr. 196 vierter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Samstag, 2?. August (936

Lahnregulierung bei Marburg.

ßin neuer Kulturbauabschnitt zur Beseitigung der Hochwasserschäden.

Blick auf ein Teilstück des neuen Lahn-Durchstichs.

übrig, als den Flußlauf zu kanalisieren, um dem Wasser rascheren Abfluß zu verschaffen und damit eine Gefahr zu beseitigen, die jährlich zu bestimmten Zeiten aufzutreten pflegt. Der Kreis Marburg hat zur Begegnung der Hoch­wassergefahr schon sehr viel getan. Seit demJahre 1926 sind immer wieder in größeren oder kleine­ren zeitlichen Abständen Kanalisierungsarbeiten durchgesührt worden. Der bedeutendste Arbeitsab­schnitt der bisherigen Lahnregulierung gab vor etlichen Jahren schon der Landschaft oberhalb von Fronhausen ein er­heblich anderes Gesicht. An Stelle des vielfach gewun­denen Flußbettes wurde ein gradliniger Ablauf für das Wasser geschaffen,

trblich schlängelt sich die Lahn zwischen i ßen und Marburg in vielen Windungen tun ein fruchtbares Tal. Ursprünglich fließen die er dahin, in einem Bett, das sich der Fluß fl-lb geschaffen hat, das er aber auch, seinen eige­ner Gesetzen folgend, immer wieder verändert, jtnr geschehen diese Veränderungen des Flußbet­tes nicht mehr in der großen Linie, wie es zu

zu beiden Seiten die erforderlichen festen Dämme hergerichtet und auch ein neuer, den veränderten Flußveryältnissen ent­sprechender Brückenbau dem großen Gesamtwert eingegliedert. Das erfreuliche Ergebnis dieser Ar­beiten zeigte sich bereits von der nächsten Hochwasser- welle ab und seitdem alljährlich immer wieder: Die vom Oberlauf der Lahn herbeiströmenden Wasser- mengen konnten in dem neuen Flußbett schnell

wurde ein weiterer Abschnitt der Kanalisierungs- arbeit in Angriff genommen. Etwa 180 Arbeiter wurden eingesetzt, die in zwei Schichten am Werk sind. Aus der Stadt Marburg und aus der nähe­ren Umgebung wurden sie zu dieser Arbeit als Notstandsarbeiter herangezogen und schaffen hier an einem großen gemeinnützigen Werk.

Unweit von Gisselberg macht die Lahn eine starke Biegung nach links auf die Lahnberge zu. Diese starke Krümmung hemmte den Ablauf des Wassers in der dortigen Gegend besonders stark. Man mußte sich deshalb entschließen, mit einem Durchstich dem Uebel abzuhelfen. Diese Arbeit wurde mit aller Kraft in Angriff genommen. Die Krüm­mung wird durch den Durchstich völlig ausgeschaltet. Der Kanal selbst hat eine Länge von etwa 380 m. Die Sohle weist eine Breite von 24 m auf, in der Uferlinie beträgt die Breite etwa 40 m. Selbstver­ständlich sind für dieses Vorhaben umfangreiche Erd­bewegungen notwendig. Ununterbrochen fahren die Lorenzüge hin und her, gezogen von starken Benzol­lokomotiven. Das aus dem Aushub gewonnene Erd­reich wurde bereits zu einem Teil zur Schaffung eines Dammes verwandt, der ebenfalls auf dem rechten Lahnufer verläuft und eine zusätzliche Hoch- wasserschutzmaßnahme darstellt. Er riegelt das Tal auf einer Länge von etwa 3 km gegen Hochwasser ab und erhebt sich etwa 1,60 m hoch über das Ge­lände. Der Damm hat eine Basis von 10 m und eine obere Breite von etwa 2 m. Soweit das an­fallende Erdmaterial sandiger Lehm nicht für die Aufschüttung des Dammes notwendig wurde, wird es jetzt dazu verwandt, den bisherigen natür­lichen Lahnlauf, hauptsächlich in der Krümmung, zu­zuschütten. Ob es allerdings vollständig möglich ist, steht noch nicht fest.

Die Erdarbekten gingen bisher verhältnismäßig rasch oonftatten, da sich das Erdreich leicht ausheben ließ. Wenn die Arbeiter auf Kies treffen wie zu erwarten steht wird die Arbeit doch wohl etwas schwerer werden.

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In unmittelbarer Nähe von Marburg wird der Lahn ein neues Bett gegraben, um die scharfe Flußkuroe bei Gisselberg (in der sich bei Hochwassergefahr stets viel Wasser staute) auszuschalten. Die Skizze zeigt die Stelle des Durchstichs. (Aufnahmen 17) und Skizze: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Schadens durch ein plötzliches Anschwellen des Fluß- laufes vorzubeugen. Für die Ueberleitung der Lahn in den Durchstich sind naturgemäß ebenfalls alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen.

Die Arbeiterschaft, die an diesem Kulturbauwerk beschäftigt ist, setzt sich wie es bei einer solchen Notstandsarbeit ja meist der Fall sein wird aus Männern zusammen, die aus den verschiedensten Berufen kommen. Trotzdem manchem der dort Be­schäftigten die Hacke und die Schaufel ein unge­wohntes Werkzeug sind, wird doch gute und rasche Arbeit geleistet. In kurzen zeitlichen Abständen rollt ein Lorenzug nach dem andern ab. Die Führer der Lokomotiven, die mit großer Geschicklichkeit auf den schwanken, nur aufgelegten Gleisen ihre Züge hin- unb herlavieren, machen sich über die Anzahl der gefahrenen Züge ihre Anmerkungen, nach denen dann die Arbeitsleistung eines Tages errechnet wer­den kann. Jede Lore saßt etwa 1 cbm Erde. Die Arbeit an dieser Strecke wird einige Monate in An­spruch nehmen. Die Ausführung der Arbeiten wurde der Bauunternehmung Hoß & Kape11er aus Sichertshausen übertraaen, die schon mehrere Ab­schnitte der Lahnkanalisierung durchgeführt hatte. Die Leitung der gesamten Arbeiten und deren Planung liegt bei der Außenstelle Marburg des Kulturbau­amtes Kassel.

Neben der Herstellung des Durchstichs unweit von Gisselberg wird etwas weiter flußabwärts, und zwar zwischen Rohnhausen und der Nehemühle, ebenfalls an einer Regulierung des Flusses gearbei­tet. Dabei handelt es sich vor allem um Uferkorrek-

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Links oben: Viele Hände sind am Werk, das neue Flußbett auszuheben. Rechtsoben: Das bisherige Bett der Lahn wird ausgefüllt. Links unten: An Biegungen des Lahnlaufes werden Uferteile abgehoben. Rechtsunten: Der Fluß wird an seichten Stellen ausgebaggert.

immer wieder der Wunsch der Landbevölkerung in den Vordergrund, diese Kulturbauarbeiten in brei­tem Ausmaß fortgesetzt zu sehen.

Neuerdings (vor nunmehr etwa vier Wochen)

Der, größte Teil aller Arbeit wird als Handarbeit geleistet. Dadurch ist es möglich, vielen Volks­genossen Erwerbsmöglichkeit oder zusätzlichen Ver­dienst zu geben. Im Bewußtsein dessen, werte­schaffende gemeinnützige Arbeit zu leisten, ist jeder­mann gerne bei dieser Sache. Es herrscht gute Laune unter den Arbeitskameraden. Die schöne landschaftliche Umgebung und die Beschäftigung in der frischen Luft läßt die Arbeit leichter werden.

abströmen, das wertvolle Acker- und Wiesenland blieb seitdem frei von Überschwemmungen, die Feldkulturen und die Wiesengräser wurden in ihrer Qualität nicht beeinträchtigt, dem schwer ringenden Bauersmann droht nun nicht mehr die Gefahr, daß ihm durch die zerstörende Gewalt des Hochwas­sers ein erheblicher Teil der Früchte seines Fleißes und seiner aufgewandten Geldmittel zerstört wird.

beitsstelle bd Gisselberg bietet, ist das einer wert­vollen volkswirtschaftlichen Maßnahme. Zwar wird mancher Naturfreund bedauern, daß die natürliche Schönheit und das natürliche Bild der Landschaft verändert und dadurch vielleicht auch um etwas nüchterner gestaltet wird der wirtschaftlichen Not­wendigkeit dieser Maßnahme wird sich aber kaum jemand verschließen. Die bäuerliche Bevölkerung

turen; Uferränder werden ausgeglichen, gerade­gelegt, Buchten in den Ufern werden ausgefüllt, und an seichten Stellen wird Erdreich ausgehoben, so daß sich der Abfluß des Wassers auch hier rascher voll­ziehen kann.

Für diese Maßnahmen ist ein großer Bagger ein­gesetzt worden, der zunächst und vor allem an seich­ten Stellen auszuheben hat. Mit den am endlosen Band laufenden Eimern wird die Erde vom Fluß- grunb ausgehoben und auf ein langes Förderband geschüttet, mit dessen Hilfe die Erde an das Ufer ge­bracht und in Loren geschüttet wird. Mit dem aus den seichten Flußstellen gewonnenen Erdreich werden Löcher im Ufer und in den Buchten ausgefüllt, so daß man auch hier im Schlußergebnis glatte Ufer erzielen wird. Selbstverständlich wird auch hier für die notwendige Befestigung gesorgt.

So flechten zum Beispiel einige Mann aus dem Gestrüpp (das am Flußrand abgeholzt wurde), mit Hilfe von festem Draht kräftige Bänder, die dann in der regulären Wasserhöhe in die schrägen Ufer­flächen eingebaut werden. Darüber hinaus werden die korrigierten Ufer mit Rasenstücken belegt, so daß auch hier das Wasser festen Widerstand findet.

Soweit es möglich ist, werden starke Biegungen des Flusses an den Ufern abgeflacht. An solchen Stellen wird zunächst durch Handarbeit von höheren Stellen des Ufers die Erde bis etwa auf die Höhe des Wasserspiegels abgetragen und dann der Bag­ger eingesetzt. Die Arbeit ist dabei auch für die kraftvolle Maschine nicht immer leicht, denn manch­mal liegen uralte Baumwurzeln im Erdreich des Ufers fest und hemmen die Arbeit.

28lr;iiten der Fall gewesen fein mochte, vielmehr nirbies nur auf kleinerem Raum abgewandelt. Ge« mdnd) fließt das Wasser in den wenigen Geraden brnji1^ rascher und reißender in scharfen Kurven, an niaVQen Stellen rauscht und plätschert es ordent- li Linier und da gibt es hinter kurzen Kurven 3 Eitel ganz, wie es die Natur ergibt. An man« dfa stellen trägt das Wasser Schlamm und Sand x lilmtiefen auf, während an anderen Teilen des Ulfa: Löcher gerissen werden. So bietet der Fluß- hlnfisin abwechselungsreiches Bild. Auf den Sand- u m) Schlammbänken baute sich Schilf an, das aller« liü ri'ildem Wassergeflügel zur Heimat wurde; m ff Le Buchten wuchsen üppige Wasserpflanzen, die bin: Uferbild bereichern. Für den Wanderer ist es miirliü, an solchen Teilen des Flusses entlang zu g;tk:tf für den Paddler ist die Lahn in ihrem na« tinfiegen Lauf ein Dorado, eine Quelle der feinen um) ftiUen Freude ...

Ihr! Aber! Es ist hier so, wie überall: Was bih -inen die Eule, ist dem andern die Nachtigall!

ißauer in der Nähe des Flusses zum Beispiel h|a tber die Art, in der sich das Wasser unbe- k innert durch das Tal bewegt, seine eigenen und cirk.en Gedanken, als der Wanderer und der Wiler. Die Lahn macht ihm fast Jahr für Jahr eiriun Kummer. Der stark gewundene Lauf der »Ni, insbesondere unterhalb von Marburg, ist £1* Ursache von Hochwässern, die oft das ganze i;u einem riesigen See machen. Selbstoerständ- ! ndet das Ackerland drunter. Der Ablauf des SKite-rs wird das ist leicht verständlich durch d» leien Windungen des Flusses stark behindert, s a^ Hochwasser' die unausbleibliche Folge sein m3

i:r mußte der Mensch korrigierend eingreifen, b» :an so vielen anderen Stellen, wo die natür- Iifcn Verhältnisse in der Landschaft den Jnter- e ifli !der Menschen entgegenstehen, ihn benachteili­ge!-: mb er gar kme Eristenz gefährden So blieb bitenaud) im T a l der Lahn zwischen M a r- blsUjz und Gießen nichts anderes, au tun

regulierungsabschnittes im Kreise Marburg trat wird die Schaffung dieses Durchstiches sehr begrüßen.

Für die Uferbefestigungen sowie für die Befestigung des Dammes mußte viel Rasen abaestochen werden. Zum großen Teil ist der Rasen schon am Damm allen Möglichkeiten eines