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HM96 Zweites Blatt

Siehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, 22.August 1936

Junge deutsche Nation.

Minuten später liegt tiefe Ruhe über dem Lager. Aus dem italienischen Zelt summt es noch leise: fiametta bajonetta. Herbert Schierer.

Mittaasstunde.

Fast alle schlafen. Manche haben sich in ihre Zelte zurückgezogen, andere wieder liegen an einem schattigen Fleckchen im hohen Gras. Vor unserem Zelt flechten ein paar Mädel lange Zöpfe aus Bin­sen, die sie vorhin am Bach gepflückt haben; Trag­bahren für unsere Hebungen inErster Hilfe" wol­len sie daraus machen. Irmgard und Gisela trock­nen Geschirr ab. Inge sitzt an die dicke Eiche ge­lehnt und spielt ganz leise auf ihrer Blockflöte.

Mittagsstunde! Wie still es im Zeltlager ist. Ich stehe auf. Langsam gehe ich über die Zeltwiese, dann am Waldrand entlang, bis dorthin, wo die Felder anfangen. Es ist sehr heiß. Der Hammel ist dunkelblau. Wie stark die Tannen duften, wenn die Sonne darauf brennt! Jetzt fängt das Roggenfeld an; die Halme stehen hoch, schwer und gelb sind sie schon. Bald kann die Erntezeit beginnen. Ich fasse in die Halme und lasse sie durch die Finger gleiten. Hier ist es schön. Ich setze mich auf den schönsten, grünen Rain, Links von mir ist das Kornfeld, wächst der dunkle Wald. Die Zelte kann ich schon gar nicht mehr sehen. Es ist ganz still. Ich schaue in die Baumkronen über mir. Kein Luft­hauch bewegt die Aeste, nicht einmal die Blätter bewegen sich. Wie die Sonne durch das Gezweig blitzt! Sie läßt die Blätter samten und hellgrün schimmern. Schwarz und scharf heben sich dagegen die Aeste ab.

Dann zieht mein Blick mit der weißen Wolke mit, die dahinten langsam über dem Wald empor­kommt. Wie gut tut es, so ganz still nur zu liegen und einmal an nichts denken zu müssen! Schreib- masichne, Stenoblock, Telephon habe ich hinter mir gelassen. Vierzehn Tage bin ich schon im Zeltlager, bin einmal so ganz frei geworden.

Hebermorgen geht es wieder heim an die Schreibmaschine, hinein in den Alltag und ich gehe gern. Ich werde wieder tüchtig arbeiten kön­nen, mit frischer Kraft, die ich hier draußen schöpfte. Jetzt höre ich wieder Inges Flöte, Mädelstimmen mischen sich hinein. Wieder die Flöte ganz laut ... Rein das ist keine Flöte, das ist Ruths Signalpfeife: Alle auf den Zeltplatz kommen.

Die stille Mittagstunde ist zu Ende. Eine Korn­blume stecke ich mir in den Knoten am Dreiecktuch und laufe schnell zu den Zelten. L. D.

andern will er gerade ... da ganz langsam

A. U.

Kerl der Fex.

Sie VbKHausWmlgsschulen

dem Kanadierzelt hing, gewissermaßen als Tür- daraufhin reichlich eingedeckt, und nun säße er da

2jem rjaue niun \ ' r.x

in Berlin gäbe es kein Fleisch, und er hatte sich

senkt sich der schlanke Mast zur Seeseite. Hnd obendran.Abspringen!" brüllt Uli noch hoch, geht so schnell; Fex springt seitlich ab, als Mast noch ungefähr fünf Meter vom Wasser Pudelnaß ist Fex geworden, sonst nichts. So

traut volle

So Hans alles

Fex Es der ist. ein

zur nächtlichen Beunruhigung wachhabender Pimpfe in die Dünen gesetzt.

Rach einem Blick auf die Hhr zum wievielten Male? ruft mich ein merkwürdiges Geräusch zum Zelt. Es keucht wie das Stöhnen eines Er­trinkenden und wirkt noch grausiger durch knarren­des Sägen, so daß ich mich darüber wundere, wie die ganze Blase bei diesem Lärm schlafen kann. Vorsichtig gehe ich um das Zelt und o ihr heiligen Götter, warum ließet ihr das zu ein wahrhaft nervenerschütternder Anblick bietet sich meinen erschrockenen Augen. Bimbo, unser guter, dicker Bimbo, kein Affe, Schimpanse oder Orang- Utan oder sonst ein Glied der weitverzweigten Affensamilie, sondern unser Bimbo, der Pimpf­genosse, ist die Ursache des ruhestörenden Kraches. Der Himmel weiß, wovon er gerade träumt, etwas Schönes ist es bestimmt nicht. Ich denke mir, er träumt, er befände sich in einem tiefen, finsteren Kerker ohne Licht und Luft. Die Decke sinkt frei nach Edgar Allan Poe langsam auf ihn herab. Keine Rettung mehr, nur noch Sekunden, und der

Als das Soziale Amt der Reichsjugendführung im April 1936 die ersten BdM. - Haushaltungs­schulen eröffnete, waren diese in kurzer Zeit voll­kommen besetzt. Das war Beweis genug, daß mH dieser Art der Haushaltungsschulen dem Wesen des heutigen Mädels und dem Wunsch der Eltern nach einer nationalsozialistischen Erziehung vollauf Rech­nung getragen worden ist.

Der Erfolg dieses neuen Arbeitsgebietes des BdM. war vorauszusehen. Denn genau so wie der BdM. in Zusammenarbeit mit den verschiede­nen Aemtern und Organisationen das Berufsleben des werktätigen Mädels gestaltet, genau so liegt es im Rahmen seiner Erziehungsarbeit, das Mädel auf die Familie vorzubereiten. Darum haben es die Mädel und Eltern dankbar begrüßt, daß gerade der BdM. die Haushaltungsschulen eröffnet hat.

In einer Haushaltungsschule des BdM. gilt es, die Mädel an alle Fragen des Lebens heranzufüh­ren und ihnen Aufgaben zuzuweisen, die sie mitten ins Leben stellen. So steht auch der Lehrplan der BdM.-Haushaltungsschulen, der vom Sozialen Amt der Reichsjugendführung herausgegeben ist, auf praktischer Grundlage und die Auswahl der prak­tischen und theoretischen Lehrfächer bürgt dafür, daß alles, was an die Mädel herangetragen wird, praktischen Lebenswert für sie hat.

Der Lehrplan umfaßt insgesamt vier Arbeits­gebiete, die sich auf folgende Lehrfächer verteilen: praktisch: Kochen, Hausarbeit, Gartenarbeit, Nadelarbeit;

theoretisch: Nahrungsmittellehre, Kochlehre, Haushaltungspflege, Gartenkultur, Volkskunde, Rassenkunde, Wirtschaftskunde, Deutschkunde, Familienpflege.

Außerdem erhalten die Mädel noch Unterricht m Musik, Spiel und Sport. Die Musik wird nicht als direktes Lehrfach geführt, sondern vermittelt u. a. Kenntnisse in Instrumentalmusik (Blockflöte usw.) und im Volkstanz. Der Sport hat zum Ziel das BdM.-Leistungsabzeichen und bildet mit dem Spiel (Laienspiele, Puppen-, Schattenspiele) den selbst­verständlichen Rahmen der BdM. - Haushaltungs­schulen, wie überhaupt das Gemeinschaftsleben des BdM. auch hier in den Schulen feine Auswirkung findet. Selbst ein sozialer Hilfstag, der in den mei­sten Fällen auf den Samstag fällt, ist eingerichtet. Die Mädel machen an diesen Tagen Außendienst in der NSV., in den Familien, den Kindergärten, im Krankenhaus oder in der Jungmädelarbeit. So gibt der Aufbau und die Auswirkung des Lehr­planes in den Arbeitsgemeinschaften die Gewähr, daß die Mädel in den BdM.-Haushaltungsschulen zu Frauen erzogen werden, wie sie der Staat heute

mit seinen guten zwölf Dosen Büchsenfleisch.

Wenn der Wind um die Ecke pfeift und der

im Wasser, . , , ,

zuges, Gerd und Erwin, kraulten gleich hinüber zum Felsen, und was lag näher, als daß sie nun der Versuchung erlagen, ihren paddelnden und zu­schauenden Kameraden ein Schauspiel zu bieten: Gerd zog sich behende an der felsigen Wand em­por. Alles blickte lachend und rufend hinüber. Er­win war inzwischen höher hinaufgekommen. Aber er stand sehr unsicher und langsam wurde es den unten Sitzenden und Schwimmenden klar, daß er sich rettungslos verstiegen haben müßte. Er wagte

Arbeit das ist.

hätte man im Jungzug nicht weiter über gesprochen, wenn nicht ja wenn er nicht so widerspruchslos über sich ergehen ließ.

braucht: Klar, selbstbewußt und wirklichkeitsnah im Denken und Handeln.

Am 1. Oktober 1936 werden die ersten Halb­jahreskurse der BdM. - Haushaltungsschulen abge­schlossen. Für neue Kurse werden noch Anmeldun­gen entgegengenommen und zwar in den Schulen: Neuzelle bei Frankfurt a. O.; Schloß Vahrenholz (Westf.); Neuffen (Wttbg.); Hoya a. d. Weser (Nie­dersachsen); Bad Orb (Hessen-Nassau); Jugenheim (Bergstraße).

Die Anmeldungen gehen in jedem Falle an die Reichsjugendführung, Berlin NW. 40, Kronprinzen­ufer 10. Zu dem Besuch der Haushaltungsschulen des BdM. fei noch erwähnt, daß der Besuch eines Jah­reskurses als Grundlage für die verschiedenen Be­rufe hauswirtschaftlicher und gewerblicher Art die­nen kann, wie z. B. bei der Kinderpflegerin, Kin­dergärtnerin, Hortnerin, Haushaltpflegerin, Säug­lingsschwester, Krankenschwester, Diätschwester u. ä.

In nächster Zeit werden wiederum mehrere neue BdM. - Haushaltungsschulen eröffnet, da die Be­schaffung der Haushaltungsschulen durch die rege Anteilnahme der Eltern und Mädel zu einer Kern­frage der BdM.-Arbeit überhaupt gemacht worden ist. Das gemeinsame Ziel aller BdM.-Haushaltungs­schulen aber wird sein, den Mädeln innerhalb einer nationalsozialistischen Gemeinschaft alle Kenntnisse der Hausarbeit zu vermitteln. Es ist eine Selbstver­ständlichkeit, daß jedes Mädel auch die notwendigen Umgangsformen erlernt. Aber die äußere Haltung muß einer klaren, sauberen und zielbewußten inne­ren Haltung entspringen, die allerdings nicht erlernt sein will, sondern erlebt werden muß. Das Beherr­schen der praktischen Arbeit und diese Haltung wird das Mädel zu der Frau machen, die heute gefordert wird. H- Ki.

Er mußte im Lager die großen Eimer und den Hör- dentopf nach jeder Mahlzeit reinigen, und wer einigermaßen mit den Gebräuchen des Lagers Der- ist, weiß, eine welch harte und entfagungs-

Fex.

Die Schnur am Fahnenmast reißt ganz plötzlich und unerwartet, wenn man allzu stürmisch dran­zieht. Wer kriegt nun den Apparat wieder oben durch die Rolle? Frangend stehen die Pimpfe rund­herum und bestaunen das Wunder.

Tritt Fex vor und spuckt sich in die Hände. Werden wir gleich haben!" Dann klettert er ruck- zuck am glatten Stamm hinauf, im Mund hat er das eine Ende von der Schnur. Es fehlen noch drei Meter bis zur Rolle. Der Fahnenmast schwankt be­denklich hin und her!

Fex verpustet sich einen Augenblick. Dann klet­tert er weiter. Der Fahnenmast schwankt toll, ein­fach toll. Fex klebt wie ein Affe daran. Jetzt ist er oben. Mit einer Hand hält er sich fest, mit der

Regen auf die Zeltwände klatscht, dann ist es im Innern des Gemeinschaftszeltes, wo die Fahnen der verschiedenen Nationen und die zum Trocknen aufgehängtennassen Brocken" den Wandschmuck bilden, noch einmal so gemütlich. Hier haben sich die Jungen zu einem bunten Lagerabend versam­melt. Wer zählt die Völker, nennt die Namen, und vor allem: wer versteht dieses Sprachengewirr? Aber wozu braucht man an einem bunten Lager­abend Sprachkenntnisse. Daß dieRa-Ra"° und dieHeio-hei"- und die Bravorufe und das Hände­klatschen Beifall bedeuten, würde jedes Kind mer­ken, wenn es die Vorführungen auf der aus Bret­tern zusammengebauten Bühne miterlebt hätte. Jedes Land brachte an Liedern und Volkstänzen das, was für fein Volk am typischsten ist: Grie­chische Bauernjungen tanzten, Finnen zeigten rhyth­mische Gymnastik, Ungarn tanzten in Heimattracht Csardas, die Polen einekomische Polka". Die Nordländer fangen schwermütige Weisen, die Hol­länder Lieder aus ihren Kolonien. Die Balitta- Jungen ein schwungvolles Lied, in dem immer wie­der der Reimfiametta-'bajonetta" wiederkehrte, der von allen Seiten mitgesungen wurde. Der Führer der polnischen Pfadfinder mimt den Con­ferencier und mixt seine deutsche Ansage mit Brocken reinsten berlinischen Jargons. Dor der Vorführung der deutschen Jungen bemerkte der Ansager, daß es sich nicht um einenbodenständigen deutschen Volkstanz" handele, wie jeder gleich merken wurde. Und dann stürzten die deutschen Jungen als men- schenfressende Kannibalen auf die Bühne und sin­gen den traurigen und erschröcklichen Song von dem babyfressenden Krokodil. Drei Ungarn zeigen halsbrecherische Clownerien, schwedischeStraßen- mufiFanten" dudeln ein Lied, das das schwedische Gegenstück zurWaldesluuust" sein könnte.

Der späte Abend sieht die Jungen noch einmal alle am gemeinsamen Lagerfeuer; Jungen der ver­schiedenen Nationen, die miteinander Freundschaft geschlossen haben, springen gemeinsam über das Feuer; es werden Lieder gesungen, die das Gemein­gut des Lagers geworden sind, und Lieder, aus denen ein bißchen Wehmut über die bevorstehende Trennung spricht. Und während das verglimmende Feuer feinen letzten Schein auf die Gesichter der Jungen wirft, bilden sie noch einmal einen Kreis, reichen sich die Hände zur Kette und rufen cmandcr über das Feuer eineGute Nacht" zu. Ein paar

26 Sprachen - und ein Lager.

Während der Dauer der Olympischen Spiele waren 26 Jugendgruppen der verschiedenen Na ho­nen als Gäste des Deutschen Reiches im mternatu)= nalen Zeltlager an der Heerstraße. Wir bringen im folgenden einen Bericht über den Betrieb m diesem Lager, das in diesen Tagen abgebrochen wird.

Wenn auf dem dürren märkischen Sandboden Regenpfützen stehenbleiben, dann will das schon etwas heißen. Es bedeutet zumindest einen Land­regen, der höchstens ein paarmal von kleinen 2Hoi= kenbrüchen unterbrochen war. Heber einem solchen Platz, ein ehemaliges Roggenfeld, mußte man stapfen und knöcheltief im Matsch versinken, wenn man zu den Zelten gelangen wollte, in denen Die Jungengruppen von 26 Nationen während Der Olympischen Spiele untergebracht waren. Regen und Matsch daran hatte einzig und allein Der Wettergott schuld, aber die wasserdichten Zelte, auf denen der Regen ruhig wochenlang hatte herumtrommeln können, und die immer qualmende und von Essensdünsten lieblich duftende massiv ge­baute Küche, die Sanitätsbaracken, kurz, der ganze Komfort", waren das Verdienst der Wehrmacht, die das Lager in Bausch und Bogen von einer Pionier-Kompanie hatte hinstellen lassen. ueon» gens, es war eigentlich kein Lager, wie wir es uns gemeinhin vorftellen; dazu war es zu konst - tabel: mit elektrischem Licht und Telephon in allen Zelten, mit zweistöckigen Betten, G^derobeschran- ken Malch^elt fffuelt kurz, mit allen Schikanen, »« es faft ein bequemes Hotel, mit ßagerroman- tik als angenehmer Zugabe.

Bimbo wird von einer Butterstulle genau zu wenig zu unterscheiden sein wie der tatsächliche Bimbo von einem Pfannkuchen. All seine Muskeln ziehen sich zusammen, er ringt verzweifelt gegen eine un­sichtbare Macht, die ihn bezwingt und ihm, ohne daß er sich irgendwie wehren kann, die Gurgel ab­schnürt. Schrecklich, schrecklich ein letzter ent­scheidender Ruck und Bimbo erwacht. Hnd guckt höchlichst erstaunt in mein grinsendes Antlitz. In meins? Jawohl, Bimbos armer Kopf hat sich näm­lich auf unerfindliche Weife zwischen Erdboden und straff gespannter Zeltbahn hindurchgeschoben, ver­gleichbar einer nach Luft schnappenden Kaulquappe, und liegt nun im Freien, während sich sein um­fangreicher Körper noch im Zelt befindet. Beim letzten Ruck hat er noch einen Hering ausgeriffen. Vielleicht hat er so geträumt, wie ich es mir aus­gemalt habe. Ich kann ihn leider nicht fragen, denn mit einem bitterbösen Blick und einer unmißver­ständlichen Bemerkung hat er sich bereits in sein Gehäuse zurückgezogen.

Die Mutprobe.

Hans war von einem anderen Fähnlein her­übergekommen, und als er sich bei feinem neuen Jungzug vorstellte, da hatte er schlecht abaeschnit» ten.Mann, ist das überhaupt ein Pimpf?" fragte Helmut, der Jungenschaftsfuhrer der als der Rauheste und Härteste im Jungzug bekannt war, und er nahm sich vor, den Neuen ganz gründlich dranzunehmen. Hans war schweigsam und das legte man ihm gleich als Schüchternheit aus, und Schüchternheit ist etwas, was Pimpfe nie vertra­gen können. Hans hatte also kein Wort gesagt, er verstand es nicht, mit einer einzigen Geste und mit einem schnellen, leichten Wort die Brücke zu finden. Als Helmut ihn dann anschnauzte und ihm sagte, er müsse zunächst einmal lernen, gerade zu stehen, da fand er auch da nicht die Sicherheit, sondern sah nur erstaunt und errötend auf seinen zukünftigen Jungenschaftsführer.

Also führte Hans nun im Jungzug ein recht unglückliches Dasein, denn so mit dem Makel eines schlechten Rufes behaftet, fielen ihm die vielen klei­nen Arbeiten zu, die immer der Letzte zu tun hat:

ternehmungen.

Die Jungen vom Junazug waren wie der Blitz i Wasser, die beiden Leichtsinnigsten des Jung-

Mit selbstverständlicher Gebärde und unerschütter­licher Geduld übernahm er jede Arbeit und nie konnte man ihm auch nur die geringste Nachlässig­keit vorwerfen. So sah man mit Staunen auf ihn, der sich um seine Kameraden nicht zu kümmern schien und mit stets gleichbleibendem Gesicht ein­herging.

Man wollte ihm dieses hochmütige Gesicht austrei- ben, man wollte ihn einmal schwach sehen, und so gaben sie ihm die härtesten Arbeiten, ließen ihn den strengsten Dienst machen. Aber ohne Wider­spruch und selbstverständlich erledigte er* jede Auf­gabe.Es bleibt uns fast nichts anderes übrig", jagte Helmut eines Tages knurrig und staunend, wir müssen ihn bewundern. Aber er muß aus sei­ner Reserve heraus"; so beschlossen sie, am nächsten Tage hinunter zum Fluß zu gehen, um ihn dort auf die Probe zu stellen. Hnd es kam doch ganz anders, als sie es sich gedacht hatten.

Sie waren bei der Fahrt bald darauf an den Fluß gekommen. Sie zogen oft hierhin, weil der Fluß ruhig und tief war und zum Baden wie zum Flohen reichlich Gelegenheit war. Außerdem gingen die Kalksteinfelfen dieses Gebirgsgürtels bis an die Flußufer und mancher steile Felsen ragte mit glat­ter Wand in das Wasser. So war dieses Gebiet ein Eldorado für Geländespiel und abenteuerliche Un-

schild, die Landesfahne, drinnen wurde man mit : lautem Hallo empfangen. Man hätte ebensogut zu den Italienern gehen können, zu den Bcstitta- Jungen, die wegen ihres strammen Auftretens im­mer umlagert waren, ober zur portugiesischen Staatsjugend, ober zu den Griechen, die in ihren weißen Faltenröckchen vor dem Zelt standen, und die auf ihren Schuhspitzen solche luftigen bunten Bommeln trugen, die die Finnen sich als An­denken gegen ein echt handgeschmiedetes Finnen­messer eintauschen wollten. Es wurde überhaupt viel gehandelt. Nichts gegen bares Geld, sondern nurJouDenieres" gegen Andenken: Kokarden gegen Briefmarken, Abzeichen gegen Münzen, Messer gegen Füllfederhalter, Koppelschlösser gegen Lieder­bücher. Nur ausgesprochene Gebrauchsgegenstände, also Seife, Rasierklingen, Schnürsenkel und Zahn­kreme wurden nicht gehandelt sie wurden ver­schenkt. Die Jungen waren vorbildliche Kameraden.

Hebrigens schien es, als ob es in keinem außer- deutschen Land Zahnärzte gibt. Der jungeZahn­klempner" des Lagers hatte alle Hände voll damit zu tun, dem Jacques aus Brüssel, dem Sven aus Stockholm, dem Jimmy aus Manchester und dem Guiseppe aus Pisa ihre Beißerchen in Ordnung zu bringen. Es hatte sich herumgesprochen, daß er ebenso gut wie gratis behandelt. Seine Patienten aber ließen sich nicht lumpen, sie zahlten zwar nicht in barer Münze, sondern mit landesüblichen Andenken. Der gute Lagerzahnarzt wird wohl eine ganze Kommode davon vollgekriegt haben.

Hnd bann bas Essen; das ist jedesmal em Fest­essen. Der Kohldampf der Jungen ist wahrschein­lich das Internationalste am ganzen Lager. Da wird alles restlos weggefuttert, bis auch nicht mehr eine einzige Erbse auf dem Boden der els Koch­kessel zu entdecken ist. Hebrigens erzählte ba einer von den Jungen - ich glaubens war ein^ Schwy­zer eine nette kleine Geschichte: Gewisse Leute in feiner Heimat hätten ihm erzählt, day es in Deutschland nichts zu essen gäbe, er solle sich man nur den Koffer voll Konserven mitnehmen. Gr hätte es aber nicht getan, da er sowieso schon ge­nug Klamotten zu schleppen hatte, und oußerdcm hätte es sich ja als überflüssig erwiesen. Aber er würde höchstvoraussichtlich seinen Kotier voll Kon­serven wieder mit in feine Heimat bringen voller prima französischer Konserven,poule au pot u w., französischer Journalist verehren wollt. ' 1 .. < , en--.:- Xnr.i.fhc rrmnl.

Nachtwache.

Gin Pimpf berichtet.

Es bauert ziemlich lange, bis wir enblich nach langem Suchen den vorgeschriebenen Lagerplatz in ben Dünen finben. Leiber wird es beim Zeltbau immer dunkler. Dauernd tritt man beim Knöpfen der Zeltbahnen (unbedingt notwendig zu diesem Vorhaben sind Knopfe) liebenswerten Kameraden auf die Hände, die es dann meist vorziehen, sie überhaupt in die Hosentaschen zu stecken und noch weniger als nichts, nämlich gar nichts zu tun. Andere helfen ihnen bei dieser gesunden Beschäfti­gung und vier bleiben übrig zum Aufbau des Zeltes. Was mit Schwierigkeiten verbunden ist, wenn im Dunkeln z. B. keine Heringe aufzufinden sind. Der eine wird eingeschlagen, aber mit soviel Ehrgeiz, daß die Schnur wieder abspringt. Sicher ist es auch schmerzloser, mit dem Spaten den Hering statt den Daumen zu treffen und zweifelsohne ist es ärgerlich, einen Hering furchtbar tief in den Boden zu prügeln, um dann feststellen zu müssen, es war umsonst, denn das Tuch der Zeltbahn ist so straff, daß die Zeltöffnung überhaupt nicht zu schließen ist. Aerger über Merger gibt es noch, bis das Zelt notdürftig auf feinem Zeltpfahl ruht. Ein prüfender Blick zu den rasenden Wolken, Windrichtung mittels angeseiichtetem Finger feftgestellt und sorgfältig wird das Zelt verdichtet.

Für den Fall aller Fälle, für die unangenehmste Heberraschung einer Zeltnacht, wird vorgebeugt: Ein Wassergraben wird sauber ausgesteckt und der Sand von einem Greenhorn auf die untere Kante der Zeltbahn geworfen. Das hat zur Folge, daß dieses Greenhorn und das war ich dieHunde­wache" zu schieben hat.

Während die anderen sich nun eine halbe Stunde damit beschäftigen, auszuknobeln, wie die letzten drei Pimpfe in die Heringstonne, zu der inzwischen das Zwölferzelt geworden ist, hineinpassen, ohne auf den Bäuchen der bereits nach Lust Schnappen­den liegen zu müssen, habe ich mir martialisch meinen Schlafsack um die Schulter geschlungen und den Speer mit der rechten Hand ergriffen. Am Koppel hängt ein mörderisches Instrument, ein Lichtdolch, garantiert wirksam gegen jeden heim­tückischen Heberfall.

Allmählich wird es im Zelt ruhiger und Schnarch­töne in Moll und Dur, in Pianisfimo und Fortissimo sind bald die einzige Unterbrechung der sonst so ruhigen Nacht.

Ich sehe zum erstenmal nach der Hhr. Zwei Stunden sind schon eine unangenehm lange Zeit. Was anfangen. Und müde bin ich auch, hunds­müde sogar. Ich werde ein kleines Feuer anmachen. Wenn das so einfach wäre! Als endlich ein Flämm- chen sich schamhaft zu zeigen beginnt, liegt um den gewaltigen Holzstoß, den ich aufgebaut habe ich dachte mir, dicke Kloben halten länger vor, ein ganzes Arsenal von abgebrannten Zündhölzern. Voller Wut zertrete ich mit rauhem Sinn das un­schuldige Feuerchen, das sowieso schon am Ver­loschen war. Unheimlich sind die vielen Geräusche, die man sich nicht erklären kann. Hinter mir ein Knacken, wie von einem niedergetretenen Zweig. Ich fahre herum. Mit zitternden Händen es war ja sooo kalt leuchte ich die Gegend ab. Dort ein verkrüppelter Baum, der verfluchte Ähnlichkeit mit einem Menschen hat, und da das ist doch ganz bestimmt ein Lebewesen. Die Trillerpfeife habe ich schon im Mund, die Hand schon an der Zeltöffnung

als mir etwas einfällt. Und zwar fällt mir em, daß es besser ist, Gewißheit zu haben, als infolge falschen Alarms Senge zu beziehen, wie sie viel­leicht nicht einmal dem Neger Louis von Max Schmeling zuteil wurde. Denn: Gefährlich ist s, den Leu zu wecken!

Al o tritt der Lichtdolch in Tätigkeit, um das Schreckgespenst als harmlosen Kiefernstrunk zu entlarven. Ich glaube, die Krüppelkiefern sind extra

Gut zwei Wochen lang hausten hier die jungen d. h. wenn sie gerade einmal da waren meistens waren sie jedochunterwegs , und sie habenl dabei wohl mehr vom olympischen Berlin erlebt als die Eingeborenen selbst. Wenn die Jungen aber mal komplett" waren, wie an jenem besagten verreg­neten Tag, dann war im Lager "vch Hochbetrieb. Zuerst wurden einmal Besuche abgeftatet. Nicht etwa so formelle Besuche, als wenn ^ntzchen zu Tante Amalie geht, weil er sich doch sooo lange da nicht hat s-hen (affen. Es waren mehr ausge- ÄKMÄtt i * k. »mgygR ST< lang auf dem Atlantik zu kreuzen. Man brauchte Dem hatte man naml.ch m^ar.s °a nur Halbrechts über den Lagerplatz zu steuern, vor i..