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ltr.44 Dritter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Freitag, 21 Februar 1936

Lehrausflug der Gießener Biologen.

hiermit letztmalig dazu aufgefordert. Ausge­nommen sind die Mitglieder der früheren Deutschen Angestelltenschaft.

Staatsjugendtag und Schulunterricht.

Wie die Landesregierung Abteilung II mit« teilt, müssen alle Jungen und Mädchen, die zur HI. und zu dem BDM. gehören, am Samstag den Schulunterricht besuchen, wenn sie an diesem Tag nicht zum Junkoolkdienst usw antreten. Die Meldung eines Jungvolkführers oder einer Jungmädelführe­rin über das Nichterscheinen von Jugendlichen zum Dienst am Staatsjugendtag ist daher weiter zu verfolgen und gegebenenfalls eine Bestrafung we­gen Schulversäumnis vorzunehmen.

Wiederholung der Reifeprüfung.

Der Reichserziehungsminister hat verfügt: Die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht und die Einführung der Arbeitsdienstpflicht lassen es erforderlich erscheinen, die Wiederholung der Reife­prüfung in kürzeren Zeitabständen als bisher zu gestatten. § 26 der Reifeprllfungsordnung wird da­her wie folgt geändert:Eine Wiederholung der Reifeprüfung kann bei einem Schüler erst nach dem Verlaufe eines Halbjahres erfolgen." Danach können ab Ostern 1936 an allen Schulen zum Oster- und Herbsttermin Reifeprüfungen abgehalten werden.

Kein Arbeitsbuch - keine Arbeit.

Altrhein-Ufer.

Gruppen, die weit über die Grenzen Hessens hin­aus bekannt und beispiel­gebend geworden sind. Unter bewußtem Verzicht auf die Wiedergabe er­starrter Augenblicksbilder von Einzeltieren sind hier zusammengedrängt An­sichten der Lebewelt auf den verschiedenen Konti­nenten, im deutschen Ur­wald, im Mittel- und Hochgebirge, an den Fluß- und Seeküsten, in jahr­zehntelanger Arbeit ge­schaffen worden ein unvergleichliches Lehrmit­tel für Schüler und Stu­denten.

Don Darmstadt aus er­reichte die Exkursion in der Frühe des nächsten Morgens die Naturschutz­insel K ü h k o p f zwischen

In den Kopfweidensümpfen. (Aufnahmen [3]: Ankel, Gießen.)

Rhein und Altrhein. Der in der Nacht erfolgte Wetterumschlag hatte die Landschaft in Nebel gehüllt und dadurch die Eigenart ihres Gepräges nur noch ge­steigert. Auf den überschwemmten Kopfweiden­sümpfen sanken unter der plötzlichen Wärme die weiten Eisflächen knirschend und krachend zusam­men; Entenschwärme, Reiher und Krähen belebten den Himmel, im Urwalde hatte die erste Frühlings­luft die Kleinvögel ermuntert, und auf den aus­gedehnten, mit hohen Pappeln bestandenen Wiesen­flächen stand Rehwild in ganzen Rudeln. Arn ein­drucksvollsten aber war die Beobachtung der Was­

servögel, die am Rande des Eises und auf den fließenden Teilen des Altrheines sich zu Tausen­den versammelt hatten und beim Ruhen, Schwim­men, Hin- und Wiederfliegen ein fesselndes Bild boten. Außer verschiedenen heimischen und nordi­schen Entenarten konnten Säger, Taucher und Möven beobachtet werden.

Der Lehrausflug fand seinen Abschluß in Op­penheim, wo gegen Abend unter der Führung eines dort beheimateten Teilnehmers noch der be­rühmte Dom eingehend besichtigt werden konnte. A.

Blick auf das Röhricht.

Die Gießener Ortsgruppe des Deutschen Biologenverbandes und die O b e r h e f - fische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde veranstalteten in der vergangenen Woche gemeinsam einen Lehrausflug nach Darm­stadt und auf die Rheininsel K ü h k o p f.

In D a r m st a d t wurde am Samstag die Zoolo­gische Abteilung des Landesmuseums besichtigt und damit, nach Frankfurt und Mainz, die dritte der naturwissenschaftlichen Sammlungen in der nähe­ren Nachbarschaft Gießens in diesem Winter- Semester aufgesucht. Unter Führung des lang­jährigen Leiters der Zoologischen Abteilung, Prof. List, erhielten die Gießener einen Eindruck von der Eigenart und Bedeutung des hier Geschaffenen. Seit vor jetzt gerade dreißig Jahren Messel den stolzen Bau des Landesmuseums errichtete, ist hier eine Schaustellung zoologischer Präparate aufge­stellt worden, die jedem Volksgenossen verständlich sein will und mit Hilfe sorgfältiger Bezeichnungen und Erklärungen unmittelbar zu ihm spricht. Die Besucherzahlen haben bewiesen, daß damit der rich­tige Weg beschritten wurde. Nicht nur in der Art der Aufstellung und Beschriftung allein aber liegt die Eigenart dieser Sammlung, sondern auch in der bei' fast jedem Stück spürbaren persönlichen Ar­beit ihres Leiters und seiner Präparatoren. Wenn hier, um nur ein Beispiel zu nennen, neben dem Skelett des Elephanten auch die lebenswahren Ab­güsse seiner Muskulatur stehen, so sind das Zeu­gen eines Zeitabschnittes deutscher Zoologie, der immer die Bewunderung der Nachfahren heraus­fordern wird: Welch ein Unterschied zwischen den eleganten Laboratorien von heutzutage und der Hütte, in der der gestorbene Zirkuselephant unter unendlichen Mühen (und Gefahren!) einen eis­kalten Winter hindurch präpariert und abgeformt wurde.' Ganz besondere Beachtung und eingehende Besprechung fanden schließlich die tiergeographischen

Das Arbeitsamt Gießen teilt uns mit: Es wird immer wieder festgestellt, daß noch nicht alle Volks­genossen die Ausstellung eines Arbeitsbuches be­antragt haben, die den nachfolgenden Betriebsgrup­pen angehören. Arbeiter und Angestellte, die nach § 1 der Ersten Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Einführung eines Arbeitsbuches vom 16. Mai 1935 ein Arbeitsbuch erhalten, dürfen vom 1. März 1936 an nur beschäftigt werden, wenn sie im Besitze eines ordnungsmäßig ausgestellten Arbeitsbuches sind:

1. Industrie der Steine und Erden.

2. Eisen- und Stahlgewinnung.

3. Metallhütten- und Metallhalbzeugwerke.

4. Herstellung von Eisen-, Stahl- und Metall­waren.

5. Maschinen-, Apparate- und Fahrzeugbau (auch mit Gießerei).

6. Elektrotechnische Industrie.

7. Optische und feinmechanische Industrie.

8. Chemische Industrie.

9. Papierindustrie.

10. Leder- und Linoleumindustrie.

11. Kautschuk- und Asbestindustrie.

12. Baugewerbe und Baunebengewerbe.

13. Großhandel.

14. Einzelhandel.

15. Verlagsgewerbe, Handelsvermittlung und son­stige Hilfsgewerbe des Handels.

16. Geld-, Bank-, Börsen- und Versicherungswesen.

Wer entgegen dieser Vorschrift einen Arbeiter oder Angestellten beschäftigt, oder sich als Arbeiter oder Angestellten beschäftigen läßt, macht sich nach § 4 Abs. 1 des Gesetzes über die Einführung eines Arbeitsbuches strafbar.

Die Säumigen werden hiermit nochmals auf­gefordert, bei ihrem zuständigen Arbeitsamt die Ausstellung des Arbeitsbuches unverzüglich zu beantragen.

Polizeiaufklärungswoche mitTag der Polizei-'.

Aus der Provinzialhaupifladt.

zu Ihrer AeußerungVerfressenes Vieh" sagen. Ihre Ansicht, daß Hundekuchen die beste und gesün­

Ein Hund schreibt an seinen Herrn.

Mein Herr!

Ich war durch Zufall heute morgen Zeuge, mit welch häßlichen Ausdrücken Sie über mich sprachen, nachdem der Beamte des Finanzamtes die lange für mich fällige Steuer abgeholt hatte.

Ihre Aeußerungen sind ebenso lächerlich wie un­richtig.

Ich glaube, sagen zu dürfen, daß mein Stamm­baum als Langhaar-Terrier wohl über jeden Zwei­fel erhaben ist, was schon die zahlreichen Ehren­preise meiner Eltern und Großeltern beweisen.

Ihre Ausdrücke:Scherenschleifer" undDreckige Töle" können mich mithin nicht treffen.

lieber meine Schönheit brauche ich mich mit 3tjnen nicht zu unterhalten. Ich bin ein hübscher, schlanker, netter Kerl, was man von Ihnen, selbst wenn man Ihnen mit dem größten Wohlwollen gegenüber steht, nicht behaupten kann. Uebrigens müßte auch ein Blick in den Spiegel Sie von die­ser Tatsache überzeugen.

Sie unterschätzen überhaupt vielfach meine Be­deutung.

Wenn Sie mich morgens in der Frühe auf mei­nem Spaziergang begleiten, so bin ich doch die Hauptperson und nicht Sie. Wegen Ihrer gehen wir beiden ja nicht auf die Straße. Ich nehme Sie mit, weil Sie schon früher angezogen sind, als Ihre Frau Gemahlin, mit der ich weit lieber gehen würde, als mit Ihnen. Nicht nur, weil ich einen guten Geschmack habe, sondern weil sie sich mit mir auch eingehender und liebenswürdiger be­schäftigt.

Auch das können Sie sich merken.

Wenn ich mit Ihnen gelegentlich dann nachmit­tags in den Anlagen spazieren gegangen bin, hörte ich sehr oft den Ausruf bewundernder Damen:

Schau mal, was für ein reizender Kerl!"

Sie werden wohl nicht sagen wollen, daß Ihnen das galt.

Aber wenn Sie das doch für sich in Anspruch nehmen wollen, was bei Ihrem stark entwickelten Selbstbewußtsein möglich wäre, so werden Sie mir aber doch zugeben müssen, daß viele Damen mich schon gestreichelt und an den Ohren gekrault haben.

Mich, nicht Sie!

Ihre Ohren sind nach meinem Rasseempfinden auch zu groß und haben eine häßliche rote Farbe. Auch können Sie diese Ohren ja nicht einmal in lauschender Spannung nach vorne stellen!

Ich könnte es nicht verstehen, daß jemand auf den Gedanken kommen könnte, Sie an solchen Ohren zu kraulen.

Auch über Ihre sonstige Erscheinung gäbe es allerhand zu bellen.

Aber da Sie der Mann meines Frauchens sind, will ich diese Dinge mit einem eleganten Satz über­springen.

Ich will nur noch kurz, weil wir als Hund zu Mann Abrechnung halten, einen kleinen Hals voll

deste Nährweise darstelle, kann ich nicht teilen.

Ich erinnere mich, daß in meiner Jugend Ihre Pantoffel z. B. mir ausgezeichnet schmeckten und auch gut bekamen. Auch zwei Ihrer Hüte habe ich, wenn auch nur teilweise, verzehrt. Der Rest war für Sie angeblich unbrauchbar. Als Nachtisch nahm ich damals allerdings, wie üblich, ein Stück Kohle und einmal ein Notizbuch mit allerhand darin ver­merkten Adressen und Fernsprechnummern. Das muß Ihnen wohl besonders nahe gegangen sein, denn Sie konnten sich tage- und wochenlang darüber nicht beruhigen

Auch nahm ich Ihnen einmal einen Schlips fort. Die Farbe war zu scheußlich. Wie Sie überhaupt in selbstgekauften Schlipsen einen schlechten Ge­schmack entwickeln. Sie suchten lange danach und konnten sich auch hier nicht beruhigen.

Ich gebe Ihnen die Versicherung daß ich ihn nicht verzehrt, sondern nur leicht ausgefranst habe. Ich habe ihn dann im Garten, links neben dem kleinen Fliederbaum, vergraben.

Auf Wunsch bin ich gerne bereit, ihn wieder zu holen, falls Sie ihn tragen wollen. Sie würden mit ihm in seinem jetzigen Zustand nicht viel schlechter aussehen, als vorher.

Ein kurzes Wort noch über Ihr ewiges Ge- raunze hinsichtlich meines ständigen Aufenthaltes auf dem Kiffen Ihres Schreibtischstuhls.

Wenn ich es an sich schon unmännlich finde, daß der Schreibtischstuhl des Hausherrn mit einem wei­chen Kissen belegt ist, so mache ich daraus entschie­den eine bessere Figur, als Sie.

Ich liege still, in harmonischer Rundung, räkele mich nicht hin und her. schaukele nicht mit dem Stuhl, daß er fast umfällt, kratze mich nicht auf dem Kopf, beschmutze den Schreibtisch nicht mit Tintenflecken und Zigarrenasche und versuche auch nicht, mir aus Langeweile mit der Papierschere die Fingernägel zu schneiden.

Das alles hat Ihnen Ihre Frau Gemahlin ja schon so oft gesagt, daß ich es mir eigentlich erspa­ren könnte. Ich wollte Sie nur wegen des Aus­drucks:Dreckiges Mistvieh" ergebend daran erin­nert haben.

Eines aber sage ich Ihnen noch: In wirklicher Selbstüberwindung hatte ich es in den letzten zwei wahren unterlassen, pflichtgemäß zu bellen, wenn Sie spät in der Nacht nach Hause kamen. Nicht Ihre Tritte und Schimpfworte bei den ersten Malen hiel­ten mich später zurück, sondern lediglich das kame­radschaftliche Gefühl, daß ein Hund seinem Herrn zu helfen habe.

Ja, selbst dann, wenn Sie wie ein Dieb herein­schlichen, verschiedene Male sogar schon mit den Stiefeln in der Hand, beherrschte ich mich, war still und dachte mir mein Teil.

Ihre Aeußerung heute morgen aber:Wenn er wenigstens noch wachsam wäre", wird mir Anlaß geben, Sie beim nächsten späten Nachhauskommen

pflichtgemäß und vernehmlich anzumelden.

Ich werde einen Lärm vollführen, der Sie von meiner Wachsamkeit durchaus überzeugen wird.

Das merken Sie sich von ihrem sehr verärgerten, aber dennoch getreuen Trim.

P. K.

Vornotizen.

Tageskalender für Freitag.

NSG.Kraft durch Freude": Ab 20.30 Uhr all­gemeine Körperschule im Lyzeum; 20.30 bis 21.30 Uhr und 21.30 bis 22.15 Uhr Schwimmen im Volks­bad; 20 bis 21 Uhr Reiten, 21 bis. 22 Uhr Ski- Trockenkursus, Reitschule Schömbs. Stadttheater: 20 bis 22.30 UhrKrach im Hinterhaus". Gloria- Palast, Seltersweg:Lady Windermeres Fächer". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Friesennot". Oberhessischer Kunstoerein (Turmhaus am Brand­platz): 16 bis 17 Uhr Ausstellung von Gemälden von Josef Sterb (Berlin).

Stadttheater Gießen.

Heute von 20 Uhr bis 22.30 Uhr das Lustspiel Krach im Hinterhaus" von M. Böttcher. Spiel­leitung Heinrich Hub. 19. Vorstellung im Freitag- Abonnement.

Deutsche Arbeitsfront

Verwaltungsstelle 19 Gießen.

Achtung, DAF.-rNitglieder!

Wir weisen hierdurch nochmals darauf hin, daß wir ab 1. März 1936 nur solche Anträge auf Kranken-, Erwerbslosen- und sonstige Unterstützun­gen annehmen können, denen das neue umge­schriebene Mitgliedsbuch beiliegt. An­träge, denen das alte Mitgliedsbuch beigefügt ist, müssen zurückgewiesen werden.

Wer bis heute sein Mitgliedsbuch bzw. -karte noch nicht zur Umschreibung abgegeben hat, wird

Sn der Zeit vom 15. bis 20. März findet im ganzen Reich eine Polizei-Aufklärungswoche mit an­schließendemTag der deutschen Polizei" statt. In der Aufklärungswoche soll in allen Teilen des deut­schen Volkes für die verantwortungsvolle Arbeit der Polizei aller Dienstzweige Verständnis und der Wille zur zweckentsprechenden Mitarbeit geweckt werden. Die Bevölkerung soll mit modernen Mitteln der Propaganda von der Polizei belehrt und dadurch veranlaßt werden, von sich aus vorbeugend zur Be­kämpfung von Rechtsbrechern, Verkehrssündern usw. beizutragen.

Fahnenjunker

im Sanitäts- und Veterinärkorps.

Im Zusammenhang mit dem Neuaufbau der Wehrmacht ist auch die Zahl der Stellen für Sani- täts- und Veterinäroffiziere im Heer vermehrt worden. Der Wunsch von jungen Leuten, als Fahnenjunker in das Sanitäts- oder Veterinär­korps eingestellt zu werden, kann daher heute leich­ter Erfüllung finden, als im 100 000-Mann-Heer. Ebenso sind die Beförderungsoerhältnisse wesentlich günstiger. Voraussetzung für die Annahme als Fahnenjunker im Sanitäts- oder Veterinärkorps ist allerdings nach wie vor, daß der Bewerber den Anforderungen, die in charakterlicher, geistiger und körperlicher Hinsicht an einen künftigen Sanitäts» ober Veterinäroffizier gestellt werden müssen, in jeder Beziehung entspricht.

Die Laufbahn im Sanitäts- oder Veterinärkorps eignet sich vor allem für Abiturienten, die neben innerer Neigung zum Soldatenberuf besonderes wissenschaftliches Interesse haben. In der Verbin- düng von praktischem Truppendienst und einem vielseitigen Studium liegt ein besonderer Anreiz.

Da die Annahme als Fahnenjunker im Sanitäts« oder Veterinärkorps nur in der Zeit vom 1. Januar bis 31. März des Jahres erfolgt, das der Ein«

Von den Eisschieß- meisterschasten bei Mittenwald.

Der Lauter see bei Mitten­wald, aufdemdieDeutschen Eisschießmeisterschaften ausgetragen wurden, an denen sich auch der Gie­ßener Eisverein beteiligte. Das Bild zeigt einige Gie- ßenerEisschützenimKreise der favorisierten bayeri­schen Wettbewerber.

(Aufnahme: Mohr, Gießen.)