Nr. M Dritter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch, 20. Mai 1956
Das Dankopfer der Nation.
Aufruf des SA.-Sruppenführers Beckerle.
Aus Oer Provinzialhauptstadt.
Himmelfahrt.
Don Liz. £)r. Hans Hartmann.
Von jeher haben sich zur Zeit des Himmelfahrtstages in der Seele des deutschen Menschen zwei Gefühle miteinander vermählt: ein diesseitiges, das unmittelbar auf das Nahe gerichtet ist und der überall ins Licht und zur Höhe strebenden Frühlingsnatur gilt, und ein jenseitiges, das in eine un- dekannte, sehnsüchtig erstrebte Ferne gerichtet ist und den Dingen „zwischen Himmel und Erde" gilt.
Beiden Gefühlsrichtungen gilt heute unsere Aufmerksamkeit; denn wir glauben, daß sie nur beide, in innere Harmonie zueinander gebracht, den Sinn der Tage um Himmelfahrt erschließen können. Droht nicht die Gefahr, daß man eine dieser Empfindungen auf Kosten des anderen vernachlässigt? Es scheint so zu sein, daß viele Menschen nur an den Himmelfährtsausslug denken und die Dinge zwischen Himmel und Erde vergessen. Ebenso aber wäre es des Reichtums der deutschen Seele nicht würdig, wenn man am Himmelfahrtstag nur die ewigen Dinge bedenken würde und keinen Blick auf das Wachsen und Werden im Frühling richtete, kein Gefühl mehr für das Jubeln und Jauchzen der Kreatur aufbrächte.
Dieses Jauchzen ist für uns, die wir in langen Wintermonaten auf die ersten Zeichen des Lichtes und des Neuwerdens warteten, von einer bezwingenden Kraft. Dem einen ist es mehr traumhaft schön, er wandelt durch die Gärten, in denen er wohl mit eigener Hand pflanzte, er besieht, was da heraussprießt und ans Licht will, was da so geheimnisvoll immer den Weg durch die dunkle Nacht der Erde ans Licht des Tages findet, und dies wird ihm ein Gleichnis für das Geheimnis der Erfüllung und Erlösung aus tiefer Nacht zum Licht.
Er wandelt durch die Wälder, die sich mit dem jungen Grün bekleiden; in den Laubwäldern ist es von jener unendlich zarten grünen Farbe, die keines Menschen Wort und keines Malers Pinsel zu schildern vermöchte. In den dunkleren Nadelwäldern aber setzen die Zweige die grünen Spitzen an, die das Entzücken aller sind, die sie sehen.
Es gibt aber auch Menschen, die das Gefühl ih- den Tagen um Himmelfahrt weniger traumhaft schön erleben, sondern eher als einen Rausch der Seele und des Herzens: sie empfinden die Allgewalt der aber tausend Knospen, die sich entfalten, und es klingt ihnen die Symphonie des Lebens, das millionenfältig den Tod besiegt. Sie lassen ihren Blick der Lerche folgen, die sich hinaufschwingt in die Luft und dort zu entschwinden scheint. Aber sie lebt und jauchzt dort oben, sie weiß um die Seligkeit der Höhe, und dem gläubigen Gemüt kann solches ein Gleichnis werden für die Himmelfahrt Christ!, der den Blicken der Jünger entschwand, aber einging in die Fülle Gottes.
Das wollen wir alle am Himmelfahrtsfeste nicht vergessen, daß es uns etwas sagen kann über die Dinge „zwischen Himmel und Erde". Rührend ist es, wenn wir hören, daß ehedem in Dorfkirchen am Himmelfahrtstage eine Christusfigur an einem Seile hochgezogen wurde und in einer Oeffnung der Decke entschwand! Dieser Brauch soll und kann ja auch nicht mehr tun als an die Schwelle des Wunders heranführen, das im Gleichnis uns offenbar wird. Auch der schlichte Glaube weiß heute, daß es sich nicht darum handeln kann, daß der Messias von der Erde „unten" in den Himmel „oben" entschwebte. Solche Vorstellung entspricht dem magisch-orientalischen Weltgefühl, dem — nach dem Worte eines geistvollen Kulturphilosophen — die „Welt als Höhle" erschien. Jeder Gläubige gibt heute, wie der Ungläubige, zu, daß er der Wahrheit die Ehre geben müsse und daß die Wissenschaft kein Oben und kein Unten kennt.
Aber zwischen Zeit und Ewigkeit, zwischen Himmel und Erde, zwischen dem Begrenzten und dem Unendlichen vollziehen sich die großen und entscheidenden Dinge unseres Seins. Nur wenn wir am Himmelfahrtstage den großen Bogen spannen
EA.-Iiihrer und SA.-Manner der Gruppe Hessen!
Nur wenige Tage trennen uns noch von dem Abschluß der Einzeichnung für das Geburtstagsgeschenk für den Führer. Es drängt mich deshalb, nochmals auf die Bedeutung unseres Einsatzes in dieser Richtung hinzuweisen. Es handelt sich nicht um ein Dankopfer der SA. und ihrer Anhänger. Es handelt sich vielmehr bekanntlich um ein Dankopfer der Nation, um ein Dankopfer des gesamten deutschen Volkes, das feine Dankbarkeit, feine Liebe und feine Anhänglichkeit in dem Geburtstagsgeschenk an den Führer erneut zum Ausdruck bringt.
Es kommt deshalb auch nicht in erster Linie darauf an, möglichst große Summen zusammenzubringen. Wir find ein armes Volk, das immer und immer wieder für die Zwecke der Volksgemeinschaft Opfer bringen muh. Wichtig ist es für uns vielmehr, möglichst das ganze deutsche Volk und wenigstens den größten Teil desselben im Dankopfer der Nation zu erfassen.
Wie immer, wenn es gilt, für den Führer einzu-
zwischen Zeit und Ewigkeit, zwischen dem Idealen und seiner Verwirklichung, dann geht uns sein weiter und tiefer Sinn auf. Eines solchen Gefühls braucht sich keiner, welchen Glaubens er auch sei, zu schämen.
Dornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
NSG. „Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.45 Uhr, Allgemeine Körperschule, Frauen und Männer, Lyzeum, Dammstraße 26. — Stadttheater: 19.30 bis 22 Uhr, „In Luv und Lee die Liebe". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Kurier des Zaren". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Lockenköpfchen". V. f. B.-Reichsbahn, 20 Uhr, Generalversammlung im Vereinsheim.
Tageskalender für Donnerstag.
NSG.„Kraft durchFreude": 20—21 und 21—22Uhr fröhliche Gymnastik und Spiele, Frauen, Lyzeum, Dammstraße 26; 18.30 bis 20 Uhr, Leichtathletik und Waldlauf für Frauen und Männer. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Kurier des Zaren". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Engel mit kleinen Fehlern". — TV. 1846 und MTV., 7 Uhr Himmelfahrtswanderung ab Lahnbrücke. — Landschaftsbund Volkstum und Heimat, 8.03 Uhr Abfahrt nach Wetzlar.
Stadttheater Gießen.
Heute, von 19.30 bis 22 Uhr das Matrosenstück „In Luv und Lee die Liebe", Lustspiel von Friedrich Lindemann. Die Spielleitung hat Kurt Lüpke. 31. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement.
Gießener Hochschulgesellschaft.
In unserem heutigen Anzeigenteil wird zu der Festsitzung am kommenden Samstag eingeladen. (Näheres in der Anzeige.)
Bund heimattreuer Schlesier (Deutscher Ostbund).
Zu der ostdeutschen Kundgebung am Sonntag, 24. Mai, sind alle Volksgenossen, besonders die Saardeutschen und die Heimatvereine, eingeladen. 10.30 Uhr Großer Hörsaal der Universität: Ostdeutsche Feierstunde unter Mitwirkung des Gesangvereins „Heiterkeit". Es sprechen Kreisleiter der NSDAP. Dr. Hildebrandt und Bundesgebietsleiter S ch ö l z e l (Darmstadt). Anschließend Ueberreichung der Abstimmungserinnerungszeichen durch Oberbürgermeister Kreisleiter z. b. V. Ritter. 16 Uhr:
treten, hat sich die SA. zum Träger dieses Treuebekenntnisses gemacht. Wir können und wollen niemanden zwingen, große Beträge zu stiften, sondern wir freuen uns vor allen Dingen dann, wenn sich die ganze Bevölkerung in unsere Listen eingetragen hat. Selbst jeder Erwerbslose ist im Stande, für ein Geburtstagsgeschenk an den Führer R2N. —.10 beizutragen, und er kann seine Frau und sich ebenso mit je RW. —,05 eintragen. Ich habe deshalb verfügt, daß jeder S A. - M a n n sich bis zum 15. Wai 1936 in die Opferlifte einzutragen hat. Damit ist nun die Möglichkeit gegeben, daß während der übrigen Tage sich die Angehörigen und Bekannten und die restlichen Volksgenossen eintragen können.
Ich bin gewiß, daß die SA. der Gruppe Hessen am 22. Mai 1936 mit Stolz Listen abliefern kann, in denen nicht nur ansehnliche Beträge zur Verfügung gestellt wurden, sondern in die vielmehr der größte Teil der Bevölkerung unseres Gebietes sich eingezeichnet hat.
• Der Führer der Gruppe Hessen: Beckerle, Gruppenführer.
Landsmannschaftlicher Nachmittag. (Siehe heutige Anzeige.)
Akademische Ehrung.
Don der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:
Am 15. Mai waren es 50 Jahre her, daß Herr Geheimer Reg.-Rat Prof. Dr. Reinhold S ch m a l tz in Altlandsberg zum Doktor der Veterinärmedizin von der Universität Gießen ernannt wurde. Die veterinärmedizinische Fakultät erneuerte nach altem Brauch in dankbarer Anerkennung das Doktordiplom von Dr. Schmaltz, „der seine wissenschaftliche Laufbahn mit einer anatomischen Dissertation begann und der Veterinär-Anatomie als Lebensaufgabe getreu geblieben ist als begeisternder Lehrer und erfolgreicher Forscher, der der Schöpfer des einzigartigen „Atlas der Anatomie des Pferdes" und vieler anderer wertvoller anatomischer Werke und Abhandlungen ist, der als Vorkämpfer für den tierärztlichen Beruf und Stand entscheidenden Anteil an der Einführung der Hochschulreife, des Promotionsrechtes der Tierärztlichen Hochschulen, an der Errichtung des deutschen Veterinär-Offizierkorps, am Ausbau der Veterinär-Verwaltung hat, in feinem Handeln stets vom Geiste des tapferen Frontoffiziers beseelt ist.
NSLB., FackMaft Höhere Schule.
Deulschkundliche Fachschaft.
Unsere nächste Sitzung findet am Freitag, 22. Mai, in der Oberrealschule zusammen mit der neu- sprachlichen Fachgruppe statt. Sie beginnt wie immer um 16 Uhr.
Fachschaft ,.Geschichte".
Nächste Sitzung am Freitag, 22. Mai, 16 Uhr, in der Oberrealschule. Vortrag Professor Dr. F i s ch e r : „Die germanisch-nordischen Grundlagen der englischen Kultur".
Achtung Sungretter?
Die Meldestelle für Jungreiter zum NSRK. im Bereiche des Reitersturms 6/147, Gießen, befindet sich bei Truppführer S ch ö m b s, Gießen, Brandplatz 5.
Sammlung für den Reichsmütterdienst.
Am 23. und 24. Mai findet die alljährliche Sammlung für den Reichsmütterdienft statt. SA. und SS.
haben sich zur Verfügung gestellt und werden die Plaketten verkaufen. Das Vergißmeinnicht ist in diesem Jahr die Blume, die aus allen Plaketten wiederkehrt. Am Muttertag gedachten wir der Mütter unseres Volkes. Bei der kommenden Sammlung bringt jeder Volksgenosse ein kleines Opfer, um die Arbeit des Reichsmütterdienftes zu erleichtern, der uns gesunde, starke und gute Mütter heranbildet.
Schuh dem Bootsteich an derSchlageterallee!
Von der Gießener Stadtverwaltung wird uns mitgeteilt:
Seit einigen Wochen hat die Stadtverwaltung auf der neugeschaffenen Wasserfläche entlang der Schla- geterallee einige Schwäne eingesetzt. Jeder Spaziergänger, der diesen Anfang einer neuen Erholungsstätte für unsere Bevölkerung berührt, kann sich an dem schönen Anblick dieser stolzen Tiere erfreuen.
Es erscheint dem Freunde eines solchen Bildes fast unverständlich, daß es dennoch möglich ist, daß dieses Idyll durch unbeaufsichtigte Hunde gestört wird. Schon öfter ist es der Fall gewesen, daß Spaziergänger ihre Hunde in der Umgebung des Teiches frei laufen lassen, und diese dann die Schwäne sogar auf der Wasserfläche schwimmend jagten. Die Stadtverwaltung bittet alle Volksgenossen, hier mitzuhelfen, daß solche Mißstände abgestellt werden, und ersucht die Besitzer von Hunden, ihre Tiere in der Nähe des Bootsteiches an der Leine zu führen, damit derartige Vorkommnisse in Zukunft unterbleiben. Es wird weiter darauf hingewiesen, daß das Feld- schutzpersonal angewiesen ist, in jedem derartigen Falle streng durchzugreifen, insbesondere aber, wenn es sich um herrenlos herumlaufende Hunde handelt.
Die Bemühungen der Stadtverwaltung um Schaffung von Erholungsstätten und deren Ausgestaltung sind es wohl wert, von jedem unterstützt zu werden. Nur in dem gemeinsamen Bestreben, das Gute zu fördern und zu erhalten, kann für die Gesamtheit auch ein entsprechender Wert entstehen.
Dolksmissionsfest im Biebertal.
Am morgigen Himmelfahrtstag findet bei der „Dicken Eiche^ in der Nähe von Bubenrod ein Volksmissionsfest statt. Die Hauptansprache hält Pfarrer Probst, Frankfurt a. M. (Siehe heutige Anzeige.)
Gießener Dochenmarktpreise.
* Gießen, 20. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, % kg 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10%, Klasse B 10, Klasse C 9V2, ungezeichnete 8, Enteneier 9 bis 10, Wirsing, % kg 15 bis 20, Weißkraut 15 bis 20, Rotkraut 20 bis 25, gelbe Rüben 10 bis 12, neue, das Bund 10 bis 20, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 10 bis 12, Römischkohl 12, Unterkohlrabi 8, Erbsen 30, Tomaten 48 bis 50, Zwiebeln 15 bis 18, Meerrettich 30 bis 65, Schwarzwurzeln 20 bis 35, Rhabarber 10 bis 15, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,90 Mark, neue, kg 15 bis 20 Pf.,
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als Turner nicht zu schlagen. Er hat Kräfte. Er ist gelenkig und schnell. Ein Wunder ist das nicht,
— wenn einer gesund ernährt wird und Or. (velker-puüdinge über Iles liebt. Oas macht stark und weckt die Lust zu Sport und Spiel, flchtuag- auoschnelüeal preloaufgabel Heber 1OOOO preise.
Zum 75. Geburtstage Arthur Benno GchmrSts.
Von Professor £)r. jur. et Phil. Karl Esselborn.
Arn 20. Mai 1936 begeht Geh. Justizrat Professor D. Dr. Arthur Benno Schmidt zu Tübingen seinen 7 5. Geburtstag. Durch eine Lehrtätigkeit von 47 Semestern verwuchs er enge mit der hessischen Landesuniversität. Die zahlreichen Bande der Freundschaft, die ihn mit Hessen verknüpfen, sind mit seiner Uebersiedlung nach der württem- bergischen alma mater nicht zerrissen, sondern er Pflegt noch heute mit liebevoller Treue feine Beziehungen zur Ludoviciana und dem Hessenlande.
Schmidts Wiege stand in Leipzig, wo sein Vater, Benno Schmidt, Professor der Medizin war. Mit drei Brüdern und einer Schwester verlebte er eine glückliche Jugendzeit. Nach dem Besuche des Nikolai- gymnasiums widmete er sich auf feiner heimat- städtischen Universität der Rechtswissenschaft. Männer wie Bernhard W i n d s ch e i d , Otto S t o b b e, Emil Friedberg, Adolf Wach, Karl Dinding zählte er zu seinen Lehrern. 1884 bestand er die Referendarprüfung, 1885 trat er feinen Vorbereitungsdienst an und arbeitete beim Amtsgericht, Landgericht und einem Rechtsanwalt, bis er sich 1887 mit der rechtsg^schichtlichen und rechtsvergleichenden Studie habilitierte. 1887 begann er seine Lehrtätigkeit Zwei Semester später erhielt er auch die venia legendi für Kirchenrecht.
Bereits 1889 wurde er als ordentlicher Professor nach Gießen berufen. Sein Lehrauftrag, der ursprünglich auf deutsche Rechtsgeschichte, Kirchenrecht, Völkerrecht und Rechtsenzyklopädie lautete, wurde mit dem Sommersemester 1893 auf deutsches Privat- und Handelsrecht ausgedehnt. In Gießen fand er die angenehmsten kollegialen Verhältnisse. Zu vielen Kollegen, nicht bloß zu den Mitgliedern der Juristenfakftltät, trat er in freundschaftliche Beziehungen. Vor allem aber begründete er daselbst 1894 seinen Hausstand mit Marie Benecke, Tochter des Straßburger Geologen Wilhelm Benecke. Vier Kinder — drei Söhne und eine Tochter — gingen aus dieser überaus glücklichen Ehe hervor.
Ebenso erfreulich wie seine persönlichen Verhältnisse gestalteten sich seine amtlichen und beruflichen. 1897 war er nach dem Tode Gustav Kretsch - mar 5 Senior der juristischen Fakultät geworden; am 10. Februar des nämlichen Jahres war, er als Vertreter der Universität in die Erste Kammer des Landtags berufen worden. Dadurch gewann er die Möglichkeit, sich der Universität auf mannigfache 2Irt nützlich zu erweisen; außerdem war er Bericht
erstatter bei wichtigen Gesetzesvorlagen, wie namentlich bei dem Ausführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch, dem Denkmalschutzgesetz und dem Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege. Kurze Zeit darauf wurde er Mitglied des Verwaltungsgerichtshofs und bekam hierdurch erwünschte Fühlung mit der Rechtspraxis. Für das Amtsjahr 1900/01 bekleidete er die Rektoratswürde. Neben seiner engeren Berufstätigkeit war er ein eifriges Mitglied des Ober- hessischen Geschichtsoereins, des Kunftvereins, des Gleibergvereins und des Theatervereins.
Mit welchem Eifer er sich in das hessische Recht einarbeitete, davon zeugen seine ersten, in Gießen entstandenen Veröffentlichungen: die „Kirchenrechtlichen Quellen des Großherzogtums Hessen", die „Beiträge zur oberhesfischen Rechtsgeschichte" und das grundlegende Ludwigsprogramm „Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen" (1893).
Hatte er sich 1904 nicht dazu entschließen können, einem Ruf nach Königsberg zu folgen, so nahm er nach schweren Ueberlegungen 1913 den an die UniDerfität Tübingen als Nachfolger Siegfried Rietschels an. Im Auaust 1914 zog er als Kompanieführer in einem Landfturmbataillon auf den westlichen Kriegsschauplatz. 1916 kehrte er nach Tübingen zurück und nahm im folgenden Wintersemester seine Lehrtätigkeit wieder auf. Nach der Revolution befaßte er sich literarisch hauptsächlich mit dem Verfassungsneubau der evangelischen Kirche Württembergs. Seine Verdienste auf kirchlichem Gebiete erkannte die Gießener Thevlogensakultät am 20. Mai 1927 durch die Ehrenpromotion an.
Nachdem er im Sommersemester 1930 durch Krankheit gezwungen war, seine Vorlesungen auszusetzen, stellte er ein wenig später seine Lehrtätigkeit ein. Seine Muße benutzte er zu literarischen Arbeiten. Seine jüngste Veröffentlichung „Goethe- freis und deutsche Rechtsgefchichte" (1935) zeigt den Juristen als einen genauen Goethekenner, wie denn auch die Beschäftigung mit Goethe und mit Kunstgeschichte ihm stets Abwechslung und Erholung von der Facharbeit bot und noch bietet. Seme zahlreichen Sammlungen benutzte er dazu, um sich mit ihrem Gegenstände vertraut zu machen, und es ist erstaunlich, wie genau er die auf sie bezügliche Literatur verfolgt und vermerkt hat.
Schmidt darf als das Ideal eines akademischen Lehrers bezeichnet werden. In seinen Vorträgen begnügte er sich zu einer Zeit, wo viele namhafte Rechtslehrer in einem diktierten Kolleghefte das erstrebenswerte Ziel ihres Unterrichts zu erblicken schienen, nicht mit dem Ablesen einer schriftlichen Ausarbeitung. In feinen Vorlesungen brauchte man sich, wenn er nicht überhaupt hekto-
graphierte Blätter verteilte, nur das Gerippe in Form einer klaren «Stoffeinteilung mit kurzen Stichworten aufzuschreiben, um nach den in freier Rede gegebenen Ausführungen und Erläuterungen das Vorgetragene sich vollständig gedächtnismäßig aneignen zu können. Dor allem war er bestrebt, plastische Anschauung zu vermitteln und anzuregen. Hierfür lieferten ihm feine Sammlungen wertvolles Anschauungsmaterial, namentlich auf dem Gebiete der Rechtsgeschichte, wo er alte Urkunden, Siegel, Münzen und ähnliches zeigte. Was von seinen Vor- lesungen gilt, trifft in noch höherem Maße für seine Hebungen zu, bei denen er vielfach Vortrags- themen verteilte, um zur Behandlung wissenschaftlicher Fragen anzuleiten und anzuspornen. Die Literatur stellte er, wenn die Seminar- ober die Universitätsbibliothek versagten, aus seiner reichhaltigen Privatbibliothek zuvorkommend zur Verfügung. Bei der Bearbeitung eines solchen Vortrags oder einer Promotionsschrift war er stets selbstlos und unverdrossen seinen Schülern mit Rat und Tat zur Hand. Diesen war er ein väterlicher Freund, er war für sie immer zu sprechen und er hatte für ihre Anliegen stets ein offenes Ohr, wenn er auch noch so sehr mit Berufsgeschäften belastet fein mochte. Er trat zu ihnen, zu denen eine ganze Generation hessischer Juristen zählt, in ein persönliches Verhältnis, und er behielt ihre späteren Lebensschicksale im Auge, soweit es möglich war. Man wird ihm nicht den Namen eines ehemaligen Schülers nennen können, ohne daß er sich seines Trägers noch deutlich erinnerte. Treue um Treue. Er hat es verdient, daß man in Hessen zu seinem 75. Geburtstage sein gedenkt mit dem aufrichtigen Wunsche, daß ihm noch ein langer, von Krankheit ungetrübter Lebensabend beschieden und es ihm vergönnt sein möge, den schon seit langem gehegten, aber immer wieder aufgeschobenen Plan der Niederschrift der Erinnerungen seines Lebens auszuführen.
Oer verhinderte Trompeter.
Von dem berühmten Dirigenten Arthur N i k i f ch, der selbst ein prächtiger Erzähler war, gibt Johannes Reichelt in seinem Buche „Erlebte Kostbarkeiten" eine reifende Geschichte von einem Gastspiel wieder. Der gefeierte Dirigent war in einer süddeutschen Stadt, in der Beethovens „Leonoren-Ouvertüre" gespielt werden sollte. Er war sehr zufrieden mit der wohlgeschulten Kapelle, die auf jede seiner Absichten einging. Wenigstens war es auf der Probe so gewesen. Als jedoch das Orchester am Abend zu der Stelle kam, wo das Trompetensignal hinter der
Bühne erschallen sollte, entstand eine peinliche Pause. Nikisch wartete, winkte, gab nachdrücklich Zeichen — der Trompeter im Künstlerzittsmer, der das Solo blasen sollte, schwieg noch immer. Die Musiker werden unruhig, einer stürzt ins Künstlerzimmer und ruft: „Mensch, los!" Und jetzt ertönt wirklich das Trompetenfolo, die Ouvertüre kann ohne weitere Fährlichkeiten zu Ende gespielt werden. Als der Trompeter zum Orchester zurückkommt, lächelt Nikisch, wie. er gewohnt war, seine Musiker lächelnd ohne heftige Worte zu erziehen. „Na, Herr Trompeter, da wären wir nun ja beisammen. Ein bissel gepatzt! Bald hätten wir umgeschmissen!" Furchtbar erregt stammelt der Trompeter, er sei unschuldig. Nikisch lacht: „Also bin ich der Schuldige!" Da stellte sich folgendes heraus: Der Musikverein hatte ein sehr rühriges und aufmerksames Vorstandsmitglied, das, als der Trompeter im Künstlerzimmer sein Instrument an die Lippen setzte, erschrocken auf ihn zustürzte, ihm das Instrument aus der Hand riß und rief: „Was fällt Ihnen ein, hier zu spielen! Draußen hat ja das Konzert schon begonnen!"
Zeitschriften.
— Das Eigenheim behandelt das Maiheft der „Süddeutschen Monatshefte". Joachim Fischer-Dieskau beleuchtet die Grundvoraussetzung für alles Bauen, das Geld zum Bauen und den Weg, der zu seinen Quellen führt, als die schwierigste und dornenvollste Strecke auf dem Weg zum Eigenheim. Der erste, für Dauer bindende Schritt geschieht mit der Wahl und dem Kauf des Bauplatzes. Die große Mannigfaltigkeit der Gesichtspunkte, über die sich der vorsichtige Baulustige in dieser Hinsicht unterrichtet, ist in einem Aufsatz von August Lang beherzigenswert dargetan. Ratschläge für den Rohbau von Hans Schuhmann bereichern das Wissen um die Bauqualität auf einem Gebiet, auf dem der Laie meist auf die Vertrauenswürdigkeit feiner Baufirma angewiesen bleibt. Nun kann endgültig an die „Gestaltung des Hauses" gegangen werden, zu der uns Theo Lechner mit Zeichnungen, Plänen und Baukostenaufstellungen an die Hand geht, wie es bezüglich der endgültigen Raumwirkung in einem anderen Aufsatz „Die Inneneinrichtung" von Paul Schultze-Naumburg der Fall ist. Mit so etwas wie Heimromantik klingt die Reihe der nützlichen Abhandlungen aus in „Der Hausgarten" von Alwin Seifert (München) und „Das Wochenendhaus" von Guido Harbers (München), zwei Themen, die etwas von der liebevollen Hingabe, mit der sie behandelt sind, unwiderstehlich auf Öen Leser ausströmen.


