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Freitag, 20. März 1936
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Ein Mann reist durch Deutschland.
Dem Reich wird eine Provinz gewonnen.
Oie Emsland-Aktion, ein Schlag gegen Sumpf und Oedland.
Von unserem Sonderberichterstatter
Bentheim, Mitte März.
Nachdem unser Sonderberichterstatter das nationalsozialistische Aufbauwerk an der Westküste Schleswig-Holsteins und in Deutschlands größter Hafenstadt Hamburg geschildert hat, hat er sich nunmehr ins Ems- land begeben, wo der Reichsarbeits- d i e n st dem Deutschen Reich im Frieden eine neue Provinz gewinnt.
IV.
20000 Hektar Moor werden anbaufähig.
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Des Lagers ganzer Stolz ist ein schönes Tor. — Das Bayernlager im Emslandmoor.
Wenn man von der stillen und bedächtigen Stadt Oldenburg das Auto nach Südwesten lenkt und hinter Edewecht sich gerade auf einen freien, schnellen Rutsch über 14 Kilometer bis nach Friesoythe gefaßt gemacht hat, dann winkt plötzlich, ganz unerwartet, von der rechten Straßenseite her ein Schild: „Straßenkreuzung". Die Karte, auch wenn sie neuesten Datums ist, wird man vergebens befragen, auf der ist keine Landstraße eingezeichnet. Aber in der Landschaft, da liegt sie, groß und breit und eben und schön geschottert. Man muß einfach, ob man will oder nicht, herausbekommen, wohin sie denn eigentlich führt. Und so befindet man sich, ehe man's noch richtig begriffen hat, schon mitten drin in der „Emsland-Aktion", der jüngsten und vielleicht größten Sanierungsaktion des Dritten Reichs. Mitten drin fein in der Emsland-Aktion ist natürlich nur bildlich gemeint. Wörtlich sieht man sich zunächst einmal mitten in der seltsamsten Landschaft, die ich bisher in Deutschland gefunden habe. Sie beginnt, als wenn sie Lüneburger Heide werden wollte, sie wird dann ein riesiges Teufelsmoor und endet schließlich — die geographische Nähe erklärt den Vergleich — wie eine holländische Holzpantinen-Landschaft ohne Windmühlen. Von der einen neuen Landstraße zweigen ein gutes Dutzend andere neue Straßen und Wege ab. Kanäle gibt es, große und kleine,
die ebenfalls nicht auf der Landkarte verzeichnet stehen, und wo die gleiche Karte, Drucklegung 1935, noch unbewohnte Flächen oder Sumpf anzeigt, da stehen in langer Reihe schmucke, kleine Siedlungshäuser. Von Oldenburgs Umgebung bis scharf westlich zur holländischen Grenze, von dort in Höhe Papenburgs südlich an der Grenze entlang über Aschendorf, Meppen und Lingen bis in die Gegend Bentheim und von dort schließlich in nordöstlicher Richtung zurück bis nach Oldenburg wird man zwischen altbesiedelten Gebieten immer wieder auf Gegenden stoßen, die feit der Machtübernahme ihr Gesicht gründlich verändert haben. Und diese Gesichtsveränderung nennt man „Emsland-Aktion" oder „Emsland-Sa- nierung".
AufWorifchemGrundundVoden
Alt sind die Bestrebungen, aus den riesigen Moorgebieten, die sich um Ems, Vechte und Hase herum ausbreiten, Kulturland zu machen. Schon um das Jahr 1600 herum ließ der Bischofsdrost Freiherr von Velen von der Stadt Papenburg aus die Feenkolonien ins Moor vortreiben, und 70 Stern- und mehr als 300 Hügelgräber, die auf älteste germanische Siedlung schließen lassen, hat man in dem Gebiet gefunden. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstanden rund anderthalb Dutzend kleine Siedlungen im Sumpf, und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man einige Straßen und einmal über hundert Kilometer Kanal in das Gebiet hineingeschoben. Ein großes.
zusammenhängendes Projekt wurde aber selbst in der Vorkriegszeit nicht für möglich gehalten, und die Notstandsarbeiten, die nach dem Kriege begonnen wurden, trugen erst recht Verleaenheits-Cha- rakter. Der schlimmste Raubbau an dem Sumpfgebiet, das sogenannte Kultivieren des Bodens durch Moorbrände, galt in der ganzen Zeit als der bequemere Weg zur Neulandgewinnung.
Es blieb dem nationalsozialistischen Staat vorbehalten, aus all den kleinen Verlegenheits-Lösungen und den zaghaften Anfängen einen großen Planzu entwerfen und diesen mit allem Ungestüm in Angriff zu nehmen. Von der freien Fläche des oben umrissenen Dreiecks, die verschiedentlich auf 45 000 bis zu 70 000 Hektar geschätzt wird, sind in den letzten drei Jahren 20 000 Hektar durch den Staat angekauft und für die Besiedelung in Arbeit genommen worden. Links und rechts der Ems ist ein Straßennetz entstanden, das heute schon rund 150 Kilometer umfaßt und das, wenn es fertig fein wird, dem Gebiet 500 Kilometer neue Zugangswege zur Verfügung stellt. Die Kilometerzahl an Kanälen läßt sich überhaupt im Augenblick noch nicht feststellen, denn diese Kanäle rangieren von richtigen Schiffahrtswegen mit Schleusen und hohen Brücken bis zu Vorflutanlagen und Gräben für Entwässerung und Ortsverkehr. Es gibt Sumpfstrecken, die bisher noch nicht in Arbeit genommen werden konnten, trotzdem rund 10000 Menschen an der Ausführung des Plans schaffen. Es gibt aber ebenso schon weite Gebiete, die völlig trockengelegt sind, und die erste fertige Gemeinde, Hilkenbrook mit
Vor allem muß das überflüssige Wasser weggeschafft werden. Eine Ausschachtstelle wird ausgepumpt.
985 Hektar, ist schon eingerichtel und von den Siedlern übernommen m o r • den.
Mit dem Spaten für Deutschlands Größe.
Denn anders als an Deutschlands Nordseeküste, beim Adolf-Hitler-Koog und beim Hermann-Göring- Koog, ist hier die Arbeit. Dort ist die Hauptsorge, den Deich aufzuwerfen, der das gute Land vor den Fluten des Meeres bewahrt. Hier muß erst einmal überhaupt das gute Land geschaffen werden. Die Männer des Arbeitsdienstes, denen man auf Schritt und Tritt im Emsland begegnet, wissen davon ein Lied zu singen. Sie haben Schwielen an den Händen von jedem Teil der langwierigen und schweren Arbeit.
Da muß zunächst einmal die Straße ins Land gebaut werden, die jede Kultivierung überhaupt erst möglich macht. Das heißt, der Sumpfboden muß bis auf den festen Grund beseitigt, dieser feste Grund dann mit Sand soweit erhöht werden, da,ß die Straßenlage erreicht ist, und danach erst kann die eigentliche Straße gebaut werden. Dann kommen die Gräben und Kanäle. Sie fangen mit dem kleinsten Kaliber, Rinnsalen von kaum einem halben Meter Breite an. Die entleeren sich in mannsbreite Gräben, diese in Vorfluter und diese schließlich in die großen Hauptvorfluter von 500 bis 1000 Meter Breite, die durch Dünenstreifen nach dem Moore zu abgedämmt werden. Es ist ein unübersehbares Netz von Wasserläufen aller Größen, das endlich das Moor dazu zwingt, sein Wasser herzugeben und das auf der anderen Seite dafür sorgt, daß dieses Wasser nun anderswo auch kein Ueberschwemmungsunheil anrichtet. Aber damit ist das Moor erst trocken geworden, damit ist es noch lange kein Siedlungsland. Der Roteisenstein, der im Moorland der wertvollste Bestandteil bei der Bestellung ist, liegt zumeist am tiefsten unten in der Moorschicht, die wertloseren Schichten bedecken ihn. Da gilt es bann einfach, den ganzen Moorboden bis zur festen Sandschicht umzustülpen. Unter dem Titel „Kuhlungsarbeit" erfreut sich diese Tätigkeit besonderer Wertschätzung. Denn so eine Moorschicht bringt es gut und gern auf einen Meter, manchmal auch auf 1,20 Meter Tiefe. Und wie schwer verfilzter Torf zu stechen ist, wird männiglich sich ja vorstellen können.
Mit dem Ankauf durch das Kulturamt, der Erschließung mit Wegen und Gräben durch das Kulturbauamt und der „Kühlung" und eigentlichen Kultivierung durch eine landwirtschaftliche Verwaltung ist die Siedlung aber noch lange nicht fertig. Der dem Moor abgewonnene und kultivierte Boden geht dann erst in die Hände der landwirtschaftlichen Administration über, die den gesamten kulturfähig gemachten Boden erst einmal nach den Grundsätzen einer Gutsverwaltung auf längere Zeit bestellt und prüft. Erst muß einmal eine gesunde Basis für das Urteil darüber gelegt werden, was der Boden denn nun hergeben kann, bevor der Siedler darauf ausgesetzt wird.
Den Siedler selbst hat inzwischen die hannoversche Siedlungsgesellschaft im Benehmen mit dem Reichsnährstand ausgesucht, für ihn kann garantiert werden, daß er in jedem Sinne bauernfähig ist. Den Siedlungsplan aber überprüft noch einmal das Kulturanck in Papenburg. Erft wenn alle Instanzen sich überzeugt Haden, daß Mensch, Boden und sonstige Vorbedingungen für einen Erfolg der Sied- luna sprechen, erst dann wird der Siedler losgelassen auf feine Z u - k u n f t. Stürmischen Angriffsgeist kann man wohl solange gebrauchen, wie es nur um die Gewinnung der Erde geht. Wenn aber Menschenschicksale verankert und neuen Geschlechtern eine neue Heimat
Gießener Konzertverein.
Joseph Haydn: „Die Schöpfung".
Welche kraftvollen musikalischen Ausstrahlungsmöglichkeiten Haydns unsterblicher „Schöpfung" innewohnen, und wie eine sorgfältig und verantwortungsvoll mit tiefgründigem Eindringen vorbereitete Aufführung allerstärkste Eindrücke erwecken kann, das erwies das gestrige Konzert in der Stadtkirche.
Haydns Anforderungen an die Solisten spiegeln den Hochstand der gesanglichen Kunst seiner Zeit wider und bieten so dem Sänger der Gegenwart schwierige, aber auch um so dankbarere Ausgaben. Die Beherrschung des stark kolorierten Ziergesanges setzt bei ihm sowohl reifste Durchbildung des Stimmlichen wie auch eine hohe musikalische Intelligenz voraus, die sowohl organisch aufzufassen als auch mit musikalischem Impuls zu erfüllen imstande ist. An der Spitze des Soloterzetts glänzte Ria Gin - -st e r (Sopran), Frankfurt, mit vollem Einsatz ihrer reichen stimmlichen Mittel. Was sie gab, war reifste Kunst, erfüllt von einem starken Willen zu darstellendem Ausdruck. Ihre Domäne ist die Arie. Hier läßt sie alle ihre Fähigkeiten im hellsten Licht erstrahlen, eine geschliffene, plastische Koloratur bei ausgeglichener Verzierungskunst. Stellenweise erschien es allerdings, als träte ein virtuoses Moment zu sehr in den Vordergrund, ebenso wie zeitweilig im Ensemble ein Dominieren des Klanges die beabsichtigte Zurückhaltung der anderen Stimmpartner übertönte, z. B. „Die Nacht, die verschwand", im Chor: „Die Himmel erzählen". Da, wo sie in der Höhe über dem Chor die Stimme aufstrahlen läßt, berührt sie leicht die durch Klangschönheit gebotene Grenze.
Willi Lorscheider (Tenor) belebte die Rezitation akzentuiert und charakterisierte treffend beispielsweise den Gang der Himmelsgestirne. Die fein 'r Stimme von Natur aus gebotenen Grenzen umging er geschickt unter voller Wahrung und Ernillung seines musikalischen Partes
Gustav Bley (Baß) prägte mit seiner schon oft bewiesenen Gestaltungsgabe die vielen malenden Einzelheiten, besonders in den Rezitatioen, anschaulich ab. Das Eingangsrezitativ war von feierlicher Weihe getragen; ebenso seien die Duettszenen mit Eva besonders anerkannt. Abgesehen von leichten Donibergebenben Dämpfungen des Stimmklanges zeigte er gerade in der Art, wie er die Koloraturen mupkalisch und stimmlich behandelte, innere Wärme und feinsinniges Eingehen. In dem Gebetsterzett am Schluß des zweiten Teiles fügten sich alle drei Solisten zu schönster klanglicher Einheit.
In den symphonischen Teilen war das Städtische Orchester unter der Führung von Professor Dr. Stephan Temesvarn dem Ausdruckswillen des
Dirigenten bis zur letzten Regung gefügig in Klangschönheit und Einsatz des instrumentalen Könnens in den Holzbläsern, den Hörnern und den überaus anschmiegsamen Streichern.
Dem Chor (Akademischer Gesangverein) füllt bei seinem reichen Anteil stets die Aufgabe zu, die einzelnen Schöpfungstage zusammenfassend ausklingen zu lassen. In allen Stimmgruppen voll besetzt und klangschön durchgebildet, bewies er sich zu machtvollem Krescendo fähig und im ersten Duett des dritten Teiles von einer ganz besonderen Wirkungskraft des ausgeglichenen Pianos. Jeder einzelne Satz war mit innerer Spannung erfüllt und von erquickender Frische aetranen; nur in den fugierten Teilen wäre verschiedentlich eine schärfere dynamische Gliederuno ö^r Auffassungsgabe des Hörers noch mehr entgegengekommen. Die Schlußdoppelfuge sicherte in ihrer Klangentfaltung dem Werk allerstärksten Nachhall. Dr. H.
Der Film ,,V ftona "
Gloria-Palast
Es führt zu nichts, und es kann nicht bis zum Ueberdruß bei jedem neuen Werk untersucht werden, mit wieviel Recht oder Unrecht man aus einer Erzählung einen Film machen kann. Diesmal ist es nun eine sehr berühmte Erzählung, Hamsuns „Viktoria", die Geschichte einer Liebe. Gewiß ist jedenfalls, daß das Buch immer und überall aus dem Film herauszuspüren ist — im Guten wie im Bösen: ein echter, ein „filmischer" Film ist bestimmt nicht daraus geworden; zwei oder drei kurze und nicht einmal entscheidende Szenen gibt es, wo der Film aus eigener Kraft über das Buch schöpferisch oder nachschöpferisch hinaus reicht. Wir denken A. B. an die Tanzszene im Schloß. Sonst erzählt der Film nur in Bildern (sehr guten, klaren und eindringenden Bildern übrigens) nach, was die Novelle in Worte gefaßt hat. Aber sicher ist auch, daß der Glanz einer echten Dichtung in diesen Bildern noch allenthalben zu spüren ist. Wer weiß, was aus dem Film geworden wäre, wenn nicht eben ein Dichter wie Hamsun zuvor das Wort gehabt hätte. Es gibt Szenen darin und Motive, die gefährlich in eine finstere und tränenselige Kolportage hätten abgleiten und entgleisen können. Die Geschichte einer Liebe — also eine alte und ewige Geschichte, immer neu zwar aus neu entzündetem Gefühl und Erlebnis, aber die Schwierigkeiten, die Konflikte, die Schicksalsfügungen, an denen das Gefühl sich wundstößt und verblutet, sind immer wieder die gleichen und alten. Das ist wohl das skandinavische Klima, die Herkunft aus Norwegen, die alles, was da geschieht, so düster und hoffnungslos und beschattet fein läßt, und gegen Ende muß man danken fei nun genug, nach so viel Widrigkeit
und Verhängnis könnte eine freundliche Fügung alles zum Guten wenden, aber nein: diese Liebe war von Anfang an, wie es einmal heißt, eine unmögliche und eine ganz hoffnungslose Liebe. Und es ist nicht die unüberbrückbare soziale Kluft allein zwischen Mühle und Herrensitz; die würde das große, reine und starke Gefühl der jungen Viktoria überwinden. Aber man zwingt sie, ihre Hand einem anderen, ungeliebten Mann zu geben, um Ansehen,
Luise Ullrich als Viktoria.
Ehre und Bestand des alten Hauses zu retten. Auch das schlägt fehl, Viktorias Verlobter kommt durch einen Unglücksfall auf der Jagd ums Leben. Oeff- net sich nun endlich der immer wieder verschüttete Weg, die Brücke herüber und hinüber? Nein, es ist zu spät, nun ist Johannes seinerseits gebunden, auch er an einen ungeliebten, gleichgültigen Menschen; viel Demütigung und Verzweiflung, Kränkung und Bitternis ist umsonst erlitten worden. In Johannes reift wohl aus dem großen Erlebnis eine mit hohen Ehren gekrönte schöpferische Leistung Aber Viktorias Opfer war vergeblich, das Haus ihrer Väter endet als traurige Irümmerftätte, und fie Jelber verzehrt sich in schmerzlicher und ungestillter Sehnsucht, leidet und erlischt wie ein Flämm- rfjen im Wind. Ohne die dichterische Kraft Hamsuns, die noch jede Szene überstrahlt und innerlich
trägt, wäre dies alles wohl in einem zweideutig- gefährlichen Doppelsinn eine „unmögliche" Liebesgeschichte.
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Die Hersteller des Films (Robert A. Stemmte schrieb das Drehbuch) haben nun freilich das Glück gehabt, für die beiden Rollen, von denen alles abhängt, auf deren Besetzung so gut wie alles ankam, Zwei junge Schauspieler zu finden, die, jeder für sich, vollkommen dem Bilde entsprechen, das hier gegeben werden sollte. Luise Ullrich ist die Viktoria, und schon um ihretwillen allein müßte man diesen Film gesehen haben. Bereits in der „Rechne" vor längerer Zeit wurde es klar, daß wir in ihr eine der bezauberndsten und beseeltesten jungen Darstellerinnen haben, über die der deutsche Film heute verfügt. Ihre Viktoria steht auf der gleichen inneren Linie und auf der gleichen künstlerischen Höhe wie jenes Mädchen aus Gottfried Kellers Welt. Frei- lich weht hier, wir sagten es schon, eine andere, strengere, herbere Luft, und die oft überwältigende Strahlkraft eines großen Gefühls, das dort zu fpü- ren war, ist hier fast völlig nach innen getrieben, verhalten, verdeckt, überspielt von gesellschaftlicher Gebärde und verbindlichem Gespräch. Aber es ist, unterirdisch flackernd gleichsam, immer wach, immer oa, in ihren Augen, in einer winzigen Krümmung des Mundbogens, in einem Handaufheben, und in den paar Sekunden, wo „es" ganz ungehemmt, wie ein Sturzbach, eine Elementarkraft aus ihr heraus- bricht, rührt uns diese tiefe, klare, sehnsüchtige, ge- triebene und mißhandelte Empfindung umso stör- ker und unmittelbarer an. Den Johannes spielt Mathias Wiemann: er spielt ihn ausgezeichnet, und man könnte sich niemanden an seine Stelle denken. Wiemann war immer (wir kennen ihn auch auf der Bühne) ein guter, aber ein spröder Schauspieler. Gerade dies Spröde nun, das Schwer- faüige, Schwerblütige und Kantige paßt genau auf Den Charakter des jungen Menschen, der da geschil- Dert wird. Er ist so überzeugend in feinem Stolz, feinem verletzten und gedemütigten Gefühl; man begreift von ihm aus völlig die schmerzhafte Belastung feiner Empfindung durch jene sozialen Un- terschiede und Abstände. Und es ist sehr schön zu sehen, wie die ihm von Landschaft und Tempera- ment angeborene Sprödigkeit sich lockert und löst, wie er aus sich herausgehen kann unter dem Eindruck eines einmaligen großen Erlebnisses. — Carl Hoffmann führt Regie, sehr gepflegt und ful- hmert, eingedenk offenbar der Verpflichtung vor dem erlauchten Namen des Autors. Schöne Land- schaftsaufnahmen aus Hamsuns Heimat seien nicht vergessen. Die Träger der Hauptrollen beherrschen den Eindruck so ausschließlich, daß die übrigen Mitspieler fast nur als Statisterie wirken; wir nennen von ihnen Abel, G o e tz k e, Hein t von Eleve, die Morena und Erika Dann h o s s.


