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Die Lleberschwemmungskaiastrophe in Amerika.

Bis jetzt 163 Todesopfer. - Washington vom potomacfluß bedroht.

Neuyork, 20. März. (DNB. Funkspruch.) Das Hochwasser in den elf Oststaaten hat eine höhe erreicht, die jeden bisher bekannten Wasserstand bei ähnlichen Katastrophen weit überschritt. So sind am Donnerstag ausgedehnte neue Gebiete von der Katastrophe heimgesucht worden. Zahlreiche weitere Städte werden von dem Hoch­wasser bedroht. Eine am Donnerstagabend veröffent­lichte Aufstellung ergibt, daß in den elf Bundes­staaten bisher 163 Menschen ums Lebenge­kommen sind. Die Gesamtzahl der Obdachlosen im Ueberschwemmungsgebiet beträgt etwa 300 000. Der Gesamtschaden wird auf 250 Millionen Dollar ge­schäht. Viele der überfluteten Städte sind ohne Gas und Licht. Sie sind ohne Trinkwasser. Die Gefahr des Ausbruches von Seuchen ist groß.

Der Gouverneur von Pennfylvanien, der das lleberfchwemmungsgebiet bereiste, er­klärte, er sei Augenzeuge von Szenen gewesen, die das Entsetzlichste seien, was er bisher gesehen habe." Er selbst sei beinahe ums Leben gekom­men. Der Schaden in Pittsburg wird allein auf 25 Millionen Dollar geschäht. Immer neue Gasexplosionen führen zu Feuers­brünsten.

Die amerikanische Bundeshauptstadt Washington erlebt zur Zeit die größte Hochwasserflut feit dem Iahre 1889. Fast alle Brücken, die Washington mit Virginia und dem Süden verbinden, sind teils überflutet, teils wegen Einsturzgefahr geschlossen. Auch die Autostrahen nach dem Westen und Norden sind entweder überschwemmt oder mit Kraftwagen verstopft. Der Präsident hat seine Urlaubsreife zu­nächst bis Freitag verschoben. Er erliefe einen Auf­ruf an das Volk zur Schaffung eines Hilfs­fonds in höhe von 3 000 000 Dollar zur Unter­stützung der unglücklichen Familien, die in elf

Staaten der Union durch die Flutkatastrophe um hab und Gut gebracht worden sind. Tag und Nacht arbeiten die Beamten, um die Geheimakten und andere wichtige Schriftstücke aus dem am meisten gefährdeten Regierungsgebäuden im niedrigen Teil der unter dem Meeresspiegel liegenden Stadt Washington zu bergen. 8000 Arbeiter sind seit 24 Stunden damit beschäftigt, wälle aus Sandsäcken zu errichten, um das Hochwasser von den wichtige­ren Gebäuden fernzuhalten. Da flufeaufwärts der Wasserstand bereits fällt, hofft man, dafe am Freitagnachmittag die schlimmste Gefahr vorüber fein wird.

In Pittsburgh umstellten 1000 Mann National­garde das überschwemmte Geschäftsviertel. Privat­personen werden nicht eingelassen. Zwei Zeitunas- druckereien und die beiden größten Warenhäuser stehen biszum zweiten Stock unter Was- s e r. Dasselbe Schicksal ereilteJenkins Arkaden", wo sich die besseren Geschäfte befinden. Das Hoch­wasser ist etwas zurückgegangen, wodurch die Le- bensmittelzusuhr sich gebessert hat. Dafür stellte sich aber Trinkwasserknappheit ein. Der Bürgermeister hat für Lebensmittelwucher schwere Strafen angedroht. Infolge einer Benzinexplosion ging ein ganzer Häuserblock in Flammen auf. Glücklicherweise konnte die Feuerwehr die Brandstelle erreichen.

Im Bundessenat brachte Bundessenator G u f f e y einen Antrag ein, der Roosevelt die Ermächti­gung geben soll, aus dem Nothilfefond des Bundes 10 Millionen Dollar zur Unterstützung der Notleidenden dem Roten Kreuz zu überweisen. Das Hochwasser in den meisten Ueberschwemmungs- aebieten geht nach den letzten Funksprüchen lang­sam zurück, nachdem die Regengüsse infolge des Temperaturrückganges in Schneefälle über­gegangen sind. Lediglich die Flüsse in den Neu- England-Staaten steigen weiter.

Wie sieht es in der Wirtschaft aus?

. Was Gneisenau einmal für seine Zeit als Lo­sung aufstellte, wenn er sagte,die neue Zeit braucht mehr als alte Namen, Titel und Perga­mente, sie braucht frische Tat und Kraft", das gilt auch für unsere Tage, Schauen wir zurück auf die letzten drei Jahre, so hat's an frescher Tat wahrlich nicht gefehlt. Allein die Wirtschaftsereignisse der letzten" drei Jahre, so hat's frischer Tat wahrlich dieser kurzen Spanne zum besseren wandte. Da ist der Geschäftsbericht 19 3 5 der Opel- werke. Umsatz und Gewinne erreichten neue Höchstziffern. In Europa ist Opel die erste Kraft- wagenfabrik, die mit einer Jahreserzeugung von 102 293 Wagen die Hunderttausend-Grenze über­schritt. Bon den insgesamt 201225 inländischen Wagenneuzulassungen des Jahres 1935 entfallen allein 84 921 auf Opelwagen. Trotz der bekannten Ausfuhrschwierigkeiten konnte das Unternehmen seinen Export von 8441 Wagen 1934 auf 11 306 in 1935 steigern. Die bedeutend erweiterten Rüssels­heimer Werke stehen in Zukunft ausschließlich für die Personenwagenerzeugung zur Verfügung, wäh­rend die Lastwagenfabrikation in dem neuen Bran­denburger Werk erfolgt. Alle diese Umstellungen und Umbauten konnten dann dem flotten Geschäfts­gang der letzten Jahre aus eigenen Mitteln bestrit­ten werden. Die Dividende wurde für das abge­laufene, ausgezeichnete Geschäftsjahr auf 6 v. H. festgesetzt.

Niemals wäre dieser, für die gesamte Autoindu­strie Deutschlands heute typische Aufstieg möglich gewesen, wäre nicht durch die großen

Staatsmaßnahmen, durch steuerliche Ver­günstigungen und Erleichterungen die gewaltige deutsche Motorisierungswelle in Bewegung gesetzt worden. Daß der Aufstieg noch unvermindert an­hält, beweisen die in diesen Tagen erst veröffent­lichten Zulassungsziffern für den Februar d. I. Mit 22 000 Kraftfahrzeugen wurden etwa ein Viertel Wagen mehr zugelassen als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Die Ausfuhr an Kraftahrzeugen stieg wertmäßig von 49 Mill. RM. 1932 auf 67 Mill. RM. 1935. Gemessen an den der Ausfuhr entgeaen- stehenden allgemeinen Widerständen ein doppelt hoch zu bewertender Erfolg. Die Zahl der ausgeführ­ten Personenwagen erhöhte sich im gleichen Zeit­raum von 4000 auf 21 453; verfünffachts sich mit­hin. Don ausschlaggebender Bedeutung ist aber ge­rade im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung der deutschen Motorisierung die Tatsache, daß der Kaufpreis für ein Auto heute nur noch ein Drittel des Preises von 1932 beträgt.

Die kräftige Belebung der deutschen Autoindustrie wirkte sich naturgemäß auch entsprechend auf die Autozubehörindustrie aus, die heute kaum weniger gut beschäftigt ist als die Autoindu­strie selbst. Beweis: Der vor einer Woche veröffent­lichte Geschäftsbericht der Robert-Bosch-AG. Stuttgart für 1935. Danach erfuhr der Ver­kaufsumsatz 1935 eine Steigerung um 17 v. H., die Zahl der Beschäftigten wuchs auf 19 000 an, die Aufträge verteilten sich gleichmäßig auf das ganze Jahr; trotz Rückgangs der Ausfuhr stieg der

Ertrag von rd. 63 Millionen Mark 1934 auf über 74 Millionen Mark im Jahre 1935; eine Dividente von 6 v. H. kommt zur Ausschüttung. Vollauf im Zeichen der Zeit stehen die sog. Stoff-Forschungen der Bosch-AG., die im Hinblick auf die bevorzugte Verwendung von Jnlandsstoffen an Stelle von Auslandsstoffen angeregt worden sind. Die günstige Beeinflussung durch das Riesenprogramm der deut­schen Automobilisierung erfuhren auch die Con­ti n e n t a l - G u m m i - W e r k e Hannover, deren Geschäftsbericht zwar noch aussteht, auf deren Aufsichtsratssitzung aber bereits festgestellt wurde, daß der Umsatz 1935 weiter gestiegen ist, und zwar sowohl wert- wie mengenmäßig, ebenso auf dem Inlands- wie auf dem Auslandsmarkt, daß 600 neue Werksangehörige eingestellt und die Werk­anlagen beträchtlich erweitert werden konnten. Vor­geschlagene Dividenden ll*v. H.

Auch die B a u w i r t s ch a s t, das größte deut­sche Schlüsselgewerbe, das rund ein Sechstel der Gesamtwirtschaft ausmacht, hat durch das Arbeits­beschaffungsprogramm der Reichsregierung und durch die wiedergewonnene Privatinitiative in den letzten Jahren einen beachtlichen Aufschwung ge­nommen. Aus den in dieser Woche veröffentlichten Berichten der Banken der Gemeinschafts­gruppe geht hervor, daß sie wieder Mittel für den Wohnungsbau zur Versügung stellen konnte und weiterhin zckr Verfügung stellen wird. Diese Berichte lenken die Aufmerksamkeit auf das in der Bauwirtschaft in den letzten Jahren Geleistete. Der Wert der Bauproduktion stieg von 2,2 Milliarden RM. 1932 auf 6 Milliarden RM. Hauptauftrag­geber war die öffentliche Hand. Die öffentliche Bautätigkeit nahm im Jahre 1935 ungefähr das fünffache des Jahres 1932 ein. Die öffentlichen Bauten erreichten 1935 den Betrag von rund 4% Milliarden RM. und umfaßten damit nahezu 70 v. H. der gesamten Bautätigkeit des Jah­res 1935, während beispielsweise 1928/29 nur 30 v. H. der Bauaufträge auf die öffentliche Hand zu­rückgingen. Angesichts dieser zahlreichen Aufstieg­ziffern fällt einem das Wort des Führers aus fei­ner großen Rede in Karlsruhe ein: ,Zm allgemei­nen sagt man, daß das Einreißen viel schneller geht als der Aufbau, in unserem Fall glaube ich, ging der Aufbau schneller vor sich, als früher sogar der Abbruch sich vollziehen konnte."

*

lieber die öffentliche Verschuldung Deutschlands waren geradezu phantastische Ziffern vor allem in der Auslandspresse in Umlauf, die sich aber jetzt, nach dem zahlenmäßigen Ausweis, als Schwindel entpuppten. Das Reich, die Länder und Gemeinden und Hansestädte hatten am 31. März 1933, also bei der großen Wende, insgesamt 24,3 Milliarden Schulden. Diese Schulden waren bis zum 31. Oktober 1935, dem Stichtag, auf 26,6 Milliarden gestiegen, also um 2,3 Milliarden oder um 9,5 v. H. Angesichts der höheren Erträge der Steuern ist diese öffentliche Verschuldung durchaus tragbar, zumal in den Ländern des Westens, vor allem in der Nordamerikanischen Union, in Frank­reich und England diese Verschuldung viel stärker ist. Don der gesamten Summe hat das Reich allein 1,5 Milliarden Derpflichtungen auf sich genommen, die es im Dienfte der aktiven Konjunk­turpolitik einging. Die Steuergutscheine haben sich von 1,3 Milliarden am 31. März 1934 bereits auf 1,18 Milliarden vermindert. Bedeutsam waren die Veränderungen in der Schuldenfundierung und in der Zinslage. Die langfristigen Jnlandsschulden mit 4 Milliarden RM. Zunahme, die mittelfristigen mit 1,5 Milliarden und die kurzfristigen mit einem Rückgang von rund 0,333 Milliarden sind zum Teil umschuldet worden. So betrugen die Umschuldun­gen bei den Gemeinden rund 88 v. H. Im kommu­nalen Bereich ist die Konsolidierungsfrage so gut wie gelöst, während beim Reich und bei den Län­dern die schwebenden kurzfristigen Schulden noch 29 bis 33 v. H. ihrer gesamten Verschuldung aus­machen. Die belastende Wirkung der Neuverschul- dung ist durch die Senkung der Zinskasten

erheblich abgeschwächt worden. Am 31. März 193$ betrug der Durchschnittszinssatz für diese Schulde, rund 5,62 v. H., jetzt beläuft er sich auf etwa 4,6! v. H. Der Durchschnittszinsfatz hat sich also ur, 1 v. H. gesenkt. Das Bild der öffentlichen Versch,!, düng ist also, da sie in Verhältnis gebracht werde, muß zu der Mehrbeschäftigung der Produktion uns dem Schwinden der Arbeitslosigkeit, durchau, günstig.

Neichsminister Or. Goebbels empfängl die ältesten Arbeiter Berliner Betrieb,

Berlin, 19. März. (DNB.) Der Reichsministek für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goed. b e l s hat vor einigen Wochen die ältesten Ar, beiter der Berliner Betriebe zu einen Empfang imRheingold" am Freitag, 20. Mörz 20 Uhr, eingeladen. Dieser Empfang findet troz der Wahl st a t t. Es handelt sich hierbei um bii jeweils ültesten Betriebsangehörigen, zum Teil Männer, die 50 Jahre und länger im gleichen Betriebe an ihrem Arbeitsplatz! stehen. Der Minister wird hierbei seine Gäste z, einem volkstümlichen Essen bitten.

Kleine Strafkammer Gießen.

Die E. C. aus Rabertshausen verursachte an 29. September v. I. durch verkehrswidriges Fahre» an der Straßenkreuzung NiddaBad Salzhausen-« Borsdorf einen Zusammenstoß mit einem Moton radfahrer. Durch Strafbefehl wurde sie mit einer Geldstrafe von 15 R M. belegt. Sowohl der Einspruch als auch die Berufung blieben ohne Gr« folg-

Wetterbericht

des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Das europäische Hochdruckgebiet hat sich zw« weiter verstärkt, wird jedoch durch die über den, Atlantik aufkommende Wirbeltätigkeit langsam oft« wärts abgedrängt. Das Hochdruckgebiet bleibt tforerfl für unser Wetter noch mitbestimmend, doch roerben die äußersten Ausläufer des über Spanien uni England südwärts wandernden Störungsgebiete; ihren Einfluß bis zu uns hin bemerkbar machen. Der Gesamtcharakter wird aber noch überwiegend freundlich sein.

Aussichten für Samstag: Wolkiges uni besonders westlich des Rheins nicht mehr durchaus regensicheres Wetter, doch im ganzen noch freundlich und tagsüber recht mild, östliche bis südliche Wink:

Aussichten für Sonntag: Bei Luftzufuhi aus Süden mildes und im ganzen freundliche Wetter, doch nicht ganz beständig.

Lufttemperaturen am 19. März: mittags 13,9 (M Celsius, abends 3,4 Grad; am 20. März: morgen; 0,8 Grad. Maximum 15 Grad, Minimum heute nacht3,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cnn Tiefe am 19. März: abends 5,1 Grad; am 20. Mörz: morgens 2,6 Grad Celsius. Sonnenfcheindaue-r 9 Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bildens Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: CErnfi Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwort» lich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D.A. 11.36: 10 556. Druck und Verlag: Brühl'schs Universitäts-Buch-und Steindruckerei R. Lange, K.-G. sämtlich in Gießen.

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Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig-

Nachruf.

Am 19. März 1936 wurde nach kurzer, schwerer Krankheit der Be­zirksführer Bad-Nauheim und Kreisführer Gießen des Deutschen Reichskriegerbundes (Kyfthäuserbund)

Herr Oberst a. D. Köttschau

Ritter hoher Orden

zur großen Armee abberufen.

Trauernd senken sich die Fahnen von 140 Kriegerkameradschaften Oberhessens und tief ergriffen stehen 8000 Kyfthäuserkame- raden an der Bahre ihres Führers, der bis zum letzten Augenblicke, als ihn die Schwere seines Leidens vor wenigen Tagen auf das Krankenlager warf, sich mit eisener Energie und Selbstverleugnung zum Wohle seines Bundes und Vaterlandes aufopferte.

Die Einäscherung findet am Montagnachmittag im Krematorium zu Friedberg statt

Die Bezirksführung. I. A.: de Ball, Adjutant.

_____________________________________________'____________1 736 D

Am 19. März ist unsere liebe

Brigitte

im Alter von 7 Jahren von uns gegangen.

In tiefer Trauer: August Kimmel und Frau nebst Angehörigen.

Gießen (Fröbelstraße 8), den 20. März 1936.

Die Beerdigung findet in der Stille statt.

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