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Samstag, I". Dezember 1036

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 20? Drittes Blatt

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So war es denn kein

Jugend hoffentlich als Sieger hervorgehen wird.

Hitler-Lugend Bann 116 Gießen.

Sonntag, 20. Dez., 9 Uhr, findet am Schützen-

Helferinnen der Nächstenliebe geben auch ihr Scherflein. (Aufnahme: Pfaff, Gießen.)

So dürfte schon die gestrige Sammlung zu einem Erfolge geworden sein; der heutige Samstag sieht die Jugend wieder beim Sammelwerk auf der Straße. Der morgige Sonntag, der goldene Sonn­tag aber, wird Großkampftag sein, aus dem die

Geheimrat Sommer in seinem Arbeitszimmer. (Aufnahme: Pfaff, Gießen.)

unsere engere Heimat und über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt sind.

Geheimrat Sommer ist seit 1. April 1895, also seit nahezu 42 Jahren, eng mit der Stadt Gießen verbunden. Geboren am 19. Dezember 1864 zu Grottkau (Schlesien), studierte er nach vollendetem Schulbesuch in Freiburg, Leipzig und Berlin. Im Jayre 1887 promovierte er in Berlin, wo er im Jayre 1888 auch das medizinische Staatsexamen bestand. Nach mehrjähriger Tätigkeit an Universi­tären und psychiatrischen Anstalten kam er am 1. April 1895 nach Gießen als Direktor der damals noch im Bau befindlichen Psychiatrischen Klinik, de­ren Ausbau und Ausgestaltung sein besonderes Verdienst ist. An der Spitze der Universitäts-Ner­venklinik wirkte er in segensreicher Weise bis zum 1. November 1933, wo er wegen Erreichung der Altersgrenze unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten hervorragenden Dienste in den wohlver­dienten Ruhestand versetzt wurde.

Seine berufliche Tätigkeit als Arzt und akademi­scher Lehrer, aber auch seine vielfachen Wanderun­gen in der engeren und weiteren Heimat, sowie seine Fähigkeit, sich mit den Menschen aus Stadt und Land' und aus allen Berufsschichten in enge menschliche Beziehungen zu setzen, verschafften ihm seine Volkstümlichkeit weit über Gießen hinaus, die sowohl den Gelehrten, wie auch den Menschen in

Unsere Gießener Jugend aus dem Jungvolkbann und aus dem BDM. hat gegenwärtig große Tage. Die Jugend stellt sich wieder einmal in den Dienst des Winterhilfs- werks und sie tut es ganz besonders gerne, weil es diesmal so wunderhübsche Abzeichen gibt, die jeder­mann gerne kauft. In den Abzeichen dieser Weihnachtswoche liegt schon ein Zauber des bevorstehenden Weih­nachtsfestes, denn die rei­zenden Engelskinder, auf Sternen und Kometen reitend, die putzigen Ski­läufer, die Zwerge und was es in der bunten Reihe diesmal sonst noch gibt, sind so glücklich ge­macht, daß man sich nur herzlich über diesen Ge­danken des WHW. freut.

Buben, Mädchen und bunte Engel

Jungvolk und BDM. dienen dem Winterhilfewerk.

_____ _ ........... Wunder, daß die Jugend und dem großen Werke der Nächstenliebe, dem Win- mit^^besimderem Etfer an das Sammelwerk ging terhllfswerk, seinen Beitrag vorenthalten haben. In den Nachmittagsstunden des gestrigen Freitags r't f ""

begann es schon und bald sah man die meisten der I Volksgenossen, die unterwegs waren, mit dem hüb-; schen Spielzeug geschmückt. Die Buben und Mäd­chen waren unermüdlich und selbst wenn jemand sichtlich und tatsächlich kein Kleingeld in der Tasche hatte, dann waren sie bereit, in den nächsten Laden zu sprmgen und wechseln zu lassen. Wohl kaum jemand wird sich angesichts des bevorstehenden Weihnachtsfestes der Bitte der Jugend verschlossen j Haus der Schießkursus statt.

Geheimral Sommer erhält die Ehrenplakette der Stadt Gießen.

Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen hat Herrn Geheimen Medizinalrat Professor Dr. med. et phil. Robert Sommer die Ehrenplakette der Stadt Gießen für Verdienste um die Stadt ver­liehen. Am heutigen Samstag, dem Geburtstage von Geh. Rat Sommer, wird der Oberbürger­meister die Ehrenplakette und die künstlerisch aus­gestattete Urkunde überreichen.

Mit dieser Ehrung hat der Oberbürgermeister als Leiter der Stadt Gießen einem hervorragenden Gelehrten und vorbildlichen Gießener Bürger ge­huldigt, dessen vielfache, hohe Verdienste weit über

hohem Maße auszeichnet. Er war auch während seiner Dienstzeit als Hochschullehrer und Klinikleiter nie­mals ein Mann des einseitigen wissenschaftlichen Lebens, sondern sein überaus regsamer Geist, seine große Schaffenskraft und sein außerordentlich star­kes Interesse für die vielfältigsten Dinge des öffent­lichen Lebens führten ihn als Mithelfer, oder auch als Bahnbrecher für neue Ideen stark in den Vor­dergrund. der gemeinnützigen öffentlichen Arbeit.

Aus der großen Fülle seines nebenberufliche« ehrenamtlichen Schaffens das in diesem Zusam­menhänge aus naheliegenden Gründen natürlich nicht in seinem ganzen Umfange verzeichnet werden Fann seien hier sein langjähriges Wirken als Gießener Stadtverordneter, seine bis in die Gegen­watt hinein sehr eifrige und aufopferungsfreudige Betreuung des Liebig-Museums, seine heimatkund­lichen Forschungen hinsichtlich des Limes, alten Brauchtums und dörflicher Sitten, seine vorbildliche Tätigkeit zur Erschließung unseres engeren Heimat­gebiets durch günstige Derkehrsmöglichkiten und ein Netz von guten Wanderwegen, ferner seine rege Förderung aller Bestrebungen zur körperlichen und geistigen Ertüchtigung der Jugend im Sinne eines kerngesunden und stramm nationaldenkenden Volkstums, schließlich noch mancherlei Erfindungen und technische Anregungen erwähnt.

Daß bei alledem die wissenschaftliche Seite seines Wirkens auch vollkommen zu ihrem Recht kam, beweist der starke geistige und persönliche Einfluß, der in den Kreisen der Fachwissenschaft von fernen

Werken und von seiner Person ausging. Auf zahl­reichen fachwissenschaftlichen Tagungen stand Ge­heimrat Sommer mit in der vordersten geistigen Front bzw. war er der leitende Mann. In dank­barer Anerkennung seiner großen Verdienste wurde er u. a. vor mehreren Jahren von dem Deutschen Verband für psychische Hygiene, von der Deutschen Gesellschaft für Psychotherapie und von der Hessi­schen Vereinigung für gerichtliche Psychologie und Psychiatrie zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Im April 1935 dankte ihm die Gesellschaft Liebig- Museum in Gießen seine vieljährige tatfrohe und erfolgreiche Arbeit für diese Stätte mit der Ernen­nung zum Ehrenpräsidenten. Im Oktober 1935 ehrte ihn die Gesellschaft der Deutschen Neurologen und Psychiater durch die Ernennung zu ihrem Ehren­mitglied, im Juli d. I. ließ ihm die Deutsche Ge­sellschaft für Psychologie bei der feierlichen Eröff­nung des Jenaer Kongressesin Dankbarkeit für seine treue Mitarbeit und in Würdigung seiner Verdienste um die gemeinsame Sache" die gleiche Ehrung zuteil werden.

Die Stadt Gießen, die ihm zur zweiten Heimat geworden ist, dankt ihm heute an seinem 72. Ge­burtstage für die vielfachen Beweise seiner beson­deren Zuneigung und ehrt ihn zugleich als vorbild­lichen deutschen Mann, warmherzigen Freund der deutschen Jugend und treuen Förderer seiner Wahl­heimatstadt durch die Verleihung der Ehrenplakette der Stadt Gießen. Dieser Entschluß unseres Ober­bürgermeisters wird nicht nur in der Stadt Gießen, sondern in unserer engeren Heimat überhaupt allent­halben volle Zustimmung finden, und diese Ehrung ist zugleich verbunden mit den herzlichen Glück­wünschen unserer Volksgemeinschaft an den hoch­verdienten Gelehrten und Menschen Sommer.

B.

Sternschnuppen am Tannenbaum.

Das gäbe ein Strahlen und Leuchten, wenn wir uns goldene und silberne Sternschnuppen vom Himmel greifen und sie in die grünen Zweige un­serer Tannenbäume hängen könnten!

Aber die Sternschnuppen, wir wissen's, glänzen auf und husch! sind sie auch schon wieder im Dunkel der Nacht verschwunden, und wir haben das Nachsehen.

Dennoch! Wer es in diesem Jahre richtig beginnt, der kann trotz allem seinen Weihnachtsbaum mit Sternschnuppen gar zierlicher Art und Form schmücken. Denn solcherlei Sternschnuppen gibt's viele. Und was stellen sie nicht alles dar! Kleine allerliebste Figürchen aus leichtem Holz sind es, und bunt und golden schauen sie aus .Da sieht man possierliche Zwerge, die eine Glockenblume schlep­pen oder mit einer winzigen Laterne leuchten; El­fen mit Flügeln; einen kleinen, aber um so fröh­licheren Schiläufer; tanzende Mädelchen; Reiter­chen, die auf dem Mond oder aus einem Kometen sitzen; und sogar ein Sterntalerkindchen, das, just wie im Märchen von den Brüdern Grimm, in sei­nem Hemdchen die Sterne ausfängt.

Ja nun will jeder gern wissen, wo es diese lustigen Figürchen zu kaufen gibt, und ob man sehr weit laufen muß, um ihrer habhaft zu werden?

Paßt nur auf! Ihr habt gar nicht weit zu gehen; man wird sie euch sogar bringen, denn am heuti­gen Samstag und am morgigen Sonntag wird die Hitler-Jugend euch diese Märchenzwerge und Sterne und Kometen auf den Straßen und Plätzen noch entgegenhalten. Und dann braucht ihr nur zuzu­packen und müßt allerdings! zugleich in die Sammelbüchse des Winterhilfswerks euer Scherflein legen.

Zwar sind's Millionen Weihnachtsabzeichen, l)ie auf diese Weise bereitgehalten werden; aber wer sich nicht beeilt, kann zu spät kommen; denn jeder von uns möchte eine Handvoll dieser Figürchen haben, um mit ihnen seinen Tannenbaum zu schmücken.

Indessen: da wird vielleicht der eine oder der andere etwas verdrießlich bemerken: das sind ja gar keine Sternschnuppen, die dann im Tannen­baum hängen!

Glaubt es mir auf's Wort: Es sind doch Stern­schnuppen, wenn ihr ihrer nur recht viele in die grünen Zweige hängt! Denn von diesen kleinen Figürchen und von biefen goldenen Kometen und Sternen wird ein heller, leuchtender, überirdischer Glanz ausstrahlen, der euch tief ins Herz dringt, weil er der heiße Dank derer ist, denen ihr durch eure Opfer zu einem echten deutschen Weihnachts­abend verhalfen habt!

Dornoiizen.

Tageskalender für Samstag.

Stadttheater: 15.45Der Bettelstudent" (NSG. Kraft durch Freude"); 20 bis 22.30 UhrDer Bogen des Odysseus". Gloria-Palast, Selters­weg:Diener lassen bitten". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Wenn wir alle Engel wären". Weihnachtsausstellung der oberhessischen Künstler: ab 17 Uhr im Turmhaus am Brand. Großscher Männerchor: 20 Uhr Weihnachtsfeier im Katholischen Dereinshaus. VfB.-Reichsbahn: 20.30 Uhr Bun­ter Kameradschaftsabend im Cafe Leib.

Weihnachten krank fein?

Nein! Deshalb: Wer erkältet ist, bereite sich recht­zeitig einen Klosterfrau-Melissengeisl-Gesundbeits- grog.(Rezept in jeder Packung.) Oder hat zu gutes Ellen (insbesondere auch den Kindern) den Magen verdorben, so trinke man ein Medizingläschen Klosterfrau-Melissengeist mit % Waller verdünnt, und die Verdauungsstörungen sind behoben. Dann feiern Sie ein wirklich gesundes, frohes Fest.

Also: Haben Sie Klosterfrau-Melillengeist noch in Ihrer Hausapotheke? Sonst holen Sie ihn bitte sofort bei Ihrem Apotheker oder Drogisten. [7005V

Musikalische

Weihnachtsvorbereitungen.

Von Dr. Erwin Kroll.

Unter allen Festen des Jahres ist es Weih­nachten, das am meisten der Familie angehört, und diese pflegt denn auch, um es würdig zu be­gehen, schon Wochen vorher mit seinen Vorberei­tungen zu beginnen. Da werden Geschenke ausge­sucht, da wird genäht, gebastelt, gebacken. Die Kinder kleben bunte Ketten und blanke Sterne, die Adoentslichte begleiten, an Zahl zunehmend, das geheimnisvolle Treiben vieler fleißiger Hände, und schließlich wird der Baum in die Stube ge­tragen und festlich geschmückt. Alles scheint zur Feier bereit. Wie steht es mit der Musik um Weih­nachten? Erklingen an diesem Feste der Freude nicht überall die alten schönen Weihnachtslieder? Nun singet und seid froh", heißt es in einem von ihnen. Äber nur zu oft stockt der Gesang schon im ersten Verse, weil nicht alle den Text genau kennen. Nicht selten macht auch die Wahl der Lieder Schwierigkeiten, da die Kinder in den verschiedenen Schulen nicht die gleichen Weisen gelernt haben.

Zunächst gilt es also, Texte und Weisen der be­kanntesten Lieder einzüüben oder im Gedächtnis wieder aufzufrischen. Das wird die Mutter gern tun während alles mit Weihnachtsarbeiten be­schäftigt ist.Stille Nacht",O du fröhliche",Es ist ein Ros' entsprungen",O Tannenbaum",Vom Himmel hoch" diese und andere Lieder sind in den meisten Sammlungen und Schulgesangbüchern zu finden. Der Schatz unserer Weihnachtsgesange ist aber weit größer. Oft werden es die Kinder sein die aus der Schule den Eltern ein schönes, altes, in der Familiengemeinschaft noch unbekann­tes Lied «ach Hause bringen. Dann aber gibt es für Notenkundige eine Reihe von Weihnachtslieder- fammlungen, in denen man wahrhaft beglückende Entdeckungen machen kann. (Erwähnt sei eine be­sonders reichhaltige:Das alte deutsche Weih­nachtslied" der Hanseatischen Verlagsanstalt, Ham­burg.) Kommt man so zu reicherem vorweihnacht­lichem Singen, so strahlen die Adventswochen erst ihren ganzen Zauber aus.

Nicht minder aber liegt es uns ob, die Forderung eines anderen alten Weihnachtsliedes zu beherzi­gen:Kommt ohne Instrumente nit, bringt Lauten, Harfen, Geigen mit!" Am schönsten, wenn sich Gesang und I n st r u m e n t e n s p i e l verbin­den. Blockflöte, Laute, Geige, Cello, Klavier sie alle sind geeignet, den Gesang zu unterstützen und zu bereichern; aber sie wollen und sollen sich auch ohne ihn am Weihnachtsbaum hören lassen. Noch

immer sind unsere Hausmusikanten, insbesondere die Kinder auf sog.Weihnachtsstücke" aus, und wenn es hier nur nach den Titeln ginge, so wäre astes in Ordnung.Weihnachtsglocken",Knecht- Ruprecht-Marsch",Im Lichterscheine",Christkind­chens Traum" das klingt wunderschön, aber meist nur in der Ueberschrift, nicht in der Musik. Weit wertvoller sind die Weihnachtsstücke aus der Zeit des Barocks und der Klassik, jene alten Cho­ralphantasien, Hirtenmusiken und Variationen, die wir in verschiedenen Sammlungen finden (z. B. in denKlassischen Weihnachtsstücken" des Steingräber- Verlages). Auch neuere Meister wie Reger, Zilcher und Niemann haben stimmungsvolle Weihnachtsmusik für Klavier geschrieben., Im übri­gen gibt es fröhliche und ernste Musik genug, die zur Weihnachtsstimmung paßt, auch ohne daß sie ausdrücklich für dieses Fest geschaffen wurde. Kin­der können nicht früh genug zu weihnachtlichem Musizieren angeleitet werden. Man vertraut ihnen eine leichte Begleitstimme auf der Geige oder Block­flöte an, man läßt sie ein Lied oder einen Choral spielen, und wenn danach die Mutter, von einem der Ihren begleitet, Cornelius' Weihnachts­lieder, jene traulich-innigen Weisen anstimmt, dann erfüllt sich dieses Dichterkomponisten Wort:O glück­licher Kreis im festlichen Raum! O goldne Lichter am Weihnachtsbaum! O fröhliche Zeit! O seliger Traum!"

Und endlich der Gabentisch am Weihnachtsbaum. Trommel, Pfeifen und Gewehr" dürfen auf ihm, wie es schon in jenem alten Liede vom Weihnachts­mann heißt, nicht fehlen, und so lockt denn eine wahre Pracht schönsten Spielzeuges in den Schau­fenstern: Kinderklaviere, Miniaturgeigen, buntbe- troddelte Blechtrompeten, papiergekniffene Zieh­harmonikas und lustige Zwergsaxophone. Aber diese Herrlichkeit ist mehr für das Auge als für das Ohr bestimmt, und kindliche Neugierde führt hier meist zu einer Untersuchung der einzelnen Bestandteile, die so gründlich ausfällt, daß bald nur noch Trüm­mer vorhanden sind. Soll aber die Freude an den tönenden Geschenken von Dauer sein, so müssen sie weniger nach dem Aussehen, als nach ihrem musikalischen Werte und ihre Haltbarkeit ausge­wählt werden. Schon für wenig Geld gibt es rein­gestimmte Schlagspiele aus Holz Und Metall, Block­flöten und Mundharmonikas, mit denen sich hübsch musizieren läßt Dierichtigen" Instrumente frei­lich wie Geige, Cello, Laute, Klavier sind für ein paar Mark nicht zu haben. Erfordert schon eine Ziehharmonika, auf der man mehr als die ein­fachsten Volkslieder spielen will, einen tiefen Griff in die Geldtasche, so gilt das noch mehr von einem guten Streichinstrument ober gar vom Klavier. Trotzdem sollte man gerade diese Instrumente zu Weihnachtsgeschenken wählen und, um ihre An­

schaffung zu ermöglichen, auch einmal auf die Er­füllung sonstiger Wünsche verzichten. Denn gute Hausmusik ist ohne gute Instrumente überhaupt nicht denkbar. Ihr Spiel adelt nicht nur das Weihnachtsfest, es wird uns auch sonst Feier und Alltag verschönen.

Oie glückselige Puppenfuhre.

Geschichte von Max Iungnickel.

Zwei junge Puppenmacher aus Sonneberg bauten ihren Handwagen zu einer großen Puppenwoh­nung aus, bemalten die Außenwände mit strahlend bunten Kinderfarben und fuhren nach Ostpreußen, in die einsamen Dörfer, die wie verschollen und vergessen unterm Himmel liegen. Jeder, der den Wagen sah, flüchtete mit feiner Phantasie in diese riesige Puppenwohnung. Ja, hinter diesen Wänden saßen und lagen eine große Schar Sonneberger Puppen.

Stundenweit von der Eisenbahn lagen die Dörfer. Dort, in dieser Verschollenheit, hatten die beiden Menschen das große Erlebnis. Sie wurden ange­staunt wie Zauberer, die sich verstaubt und weg- müde von einem glücklichen Stern hierher verirrt hatten.

Die größte Hälfte der Kinder hatte noch nie eine richtige Puppe gesehen. Die Kinder standen beim Anblick der Sonneberger Puppen wie verhext. Wundergroß die Augen. Sie wagten kaum mit den Fingern die zierlichen Puppenkleider anzu­rühren und jauchzten freudeerschrocken auf, als eine Puppe die Augen schloß. Dann standen die Kinder und blickten die beiden fremden Kerle fragend und selig an. Das Herz der Puppenmacher erschrak vor den blauen, zu ihnen aufgeridjteten Augen. Kinder, die noch nie eine Puppe gesehen haben und die nun beim ersten Anblick der Puppen wie vor einem tief menschlichen Zauberkram standen.

Eine holde Macht war in das Dasein der Kinder getreten. Sie hatten Erde und Himmel als Spiel­platz, und nun waren zwei von weither gekommen und brachten strahlendes Kinderglück. Und dann gab es Mütter, die die Puppen nur zu sehen brauchten und sofort wieder zehn Jahre alt wur­den. Menschen, die die Farbe blau nicht als Farbe empfanden, sondern als Glück.

Was wurde nun aus dieser Puppenfuhre? Sie war im Handumdrehen ausverkauft. Die beiden aus Sonneberg hätten einen Leiterwagen voll Puppenkinder haben können, sie hätten den ganzen Inhalt an das Kind bringen können.

Zeitschriften.

Der Naturforscher", vereint mitNa­tur und Technik", (Hugo Bermühler Verlag, Berlin- Lichterfelde-lX) stellt sich mit dem Dezemberheft durch zeitgemäße und allgemein interessierende Ver­öffentlichungen in den Dienst aller Naturfreunde. Hervorragende Naturaufnahmen und naturwissen­schaftliche Abhandlungen aus den verschiedensten Gebieten machen das Weihnachtsheft besonders vielseitig. Prof. Dr. med. Gildemeister zeigt die kommenden Aufgaben der Mikrobiologie und legt dar, welche Forschungsmöqlichkeiten gegeben sind und welche Erwartungen die Volksgesundheit da^an knüpft. Prof. Dr. Kraus fühtt in klarer Weise de« so verwickelten Stoffwechsel im Alpenkörper m Wort und Bild vor Augen. Prof. Dr. Graefe er­zählt von seinen Beobachtungen in Südamerika und Indien über Schlangensteine und deren Anwen­dung. Der Zoologe Prof. Dr. Hase berichtet von seinen Beobachtungen über die Kaugeräuche, das Knurren" der Goldfische, das bisher allen Aqua­rianern entgangen ist. Der sehr selten gewordene Schlangenadler ist an einer Niststätte in Ostdeutsch­land von Dr. Zebe im letzten Sommer eingehend beobachtet und photographiert worden. Die Ergeb­nisse seiner Forschung an diesem seltenen Raub­vogel veröffentlicht er jetzt unter Beigabe zahlrei­cher gut gelungener Aufnahmen. Prof. Dr. Fr-tz- sche veröffentlicht feine Untersuchungen über Ma­laria bei Vögeln. Dipl.-Jng. Dr. Flemmig berichtet über unsere erfolgreichen Bestrebungen zur Treib­stoffunabhängigkeit. Dr. Karl Mansfeld gibt An­weisungen über die Arbeiten des Vogelschützers im Winter. Zahlreiche kleinere Mitteilungen aus allen Gebieten der Naturwissenschaften sowie kurze Be­richte über Forschungsergebnisse, Anregungen zur Naturbeobachtung, die reichhaltige Liste der Neu­erscheinungen von Büchern auf naturwissenschaft­lichem Gebiet, sowie die Bücherschau mit ihren Be­sprechungen schließen das wertvolle Heft.

Die Weihnachtsnummer derI l l u st r i r t e n Zeitung Leipzig" (Verlag I. I. Weber, Leip­zig) ist mit mehreren farbigen Kunstbeilagen und Tiefdruckseiten bildlich ganz auf das Weibnachts­fest abgestimmt. Eine SerieDeutsche Dichter er­zählen ihr Weihnachtserlebnis" enthält Beiträge von Hans Friedrich Blunck, Wilhelm Scharrelmann, Ruth Schaumann, Heinttch Anacker, Richard Dü­ringer, Wilhelm von Scholz, Friedrich ©riefe u. a. Der bekannte Weltreifende Colin Roß erzählt über Weihnachten unterwegs", während der Kultur- Historiker Johannes Bühler eine packende Schilde­rungWendepunkte Deutscher Geschichte am Weih- nachtsfeft" beigesteuert hat.Soldaten fahren auf Weihnachtsurlaub" heißt eine hübsche Reportage aus dem Soldatenleben mit vielen Zeichnungen.