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Oberhessen

Hat Amerika wieder Hoffnung?

Von Dr. Friedrich Sohn.

banduhr mit 24 kleinen Brillanten und schwarzem Moireband; 1 Platinschleifenanhänger mit großer Perle, 51 kleinen Brillanten und dazu kordelierter Perlenkette; 1 goldenes Kollier mit Platinauflage, Brillanten, Diamantrosen und dazugehöriger Platin­kette; Silberbestecke und 1 schwarzer Tuchmantel mit Persianerpelz. Als Täterin kommt eine Haus­angestellte in Frage, die sich als Ria oder Rita Hildebrandt ausgegeben und einige Tage vor dem Diebstahl auf Zeitungsinserat hin eine Stelle bei der Geschädigten angenommen hatte. Es ist zu ver­muten, daß sie sich in der erwähnten Art anderswo als Dienstmädchen oder Untermieter ein Unterkom­men suchen wird. Für die Herbeischaffung der ge­stohlenen Sachen sind 10 v. H. Belohnung aus­gesetzt. Sachdienliche Angaben an die nächste Poli- zeistelle.

Friedbergs Haushalt ohne Fehlbetrag.

LPD. Friedberg, 18. Dez. In der Sitzung der Ratsherren erstattete Bürgermeister Vieth den Bericht über das Rechnungsjahr 1935/36. Diesem Bericht ist die bemerkenswerte Tatsache zu entneh­men, daß die städtischen Rechnungen aus dem Fahre 1935 mit einem Ueber schuß von 30 550,16 Mark abschließen. Durch eiserne Sparmaßnahme«, ist es der Verwaltung gelungen, den bei Aufstellung des Voranschlages für 1935 vorhandenen Fehlbetrag von 44 000 Mark restlos zu beseitigen und darüber hinaus noch einen unerwarteten Ueberschuß heraus- ?uwirtschaften. Der Bürgermeister betonte bei der Berichterstattung insbesondere den günstigen Steuer­eingang.

Landkreis Gießen.

k Großen-Linden, 18. Dez. Daß man auch im Winter schöne Wanderungen unternehmen kann, das zeigte der letzte Ausflug des Zweigvereins H ü 11 e n b e r g" vom V H C. Der Weg führte über Leihgestern und die Rindsmühle durch den Wald über die Theodorsruhe nach dem Forstgarten,

roo die ffaffeepaufe gehalten murte. «roh war di. Freude, als man am Ende der Wanderung einem anderen Zwrigverein des DHC. begegnete.

* Lang - Göns, 19. Dez. Am gestrigen Abend fand eine vorn Ortsbauernsührer einberufene und geleitete Versammlung der Ortsbau ernschast statt. Rach Begrüßungsworten des Ortsbauern­führers Weil zeigte der Vortragende des Abends, Diplomlandwirt Älbesmann, emen ßcwm Das Wunder der Pflanze", der in anschauttcher Weise über das Werden und Gedeihen der Nutz­pflanzen Aufschluß gab. Daran anschließend lies ein Trickfilm, der auf die Bedeutung der kunst- licken Düngemittel hinwies. Eine Aussprache folgte, in der Bauer A. B ruckel besonders die örtlichen Verhältnisse näher erläuterte. Zum Schluß teilte der Ortsbauernführer noch Bekanntmachungen des Reichsnährstandes mit. Mit dem Sieg-Heil auf den Führer schloß der Abend.

ch S a a s e n , 18. Dez. Am Donnerstag fand hier durch die Bäuerliche Werkschule und Beratungsstelle Grünberg eine Hofschau statt. Die Teilnehmer ver­sammelten sich im Hofe des Ortsbauernfuhrers Münch. Zunächst wurde auf die zweckmäßige An­lage von Düngerstätten hingewiesen, ferner wurden praktische Ratschläge über die Entlüftung der Dich- ställe, ihre Warm» und Trockenhaltung gegeben. Ber der Besichtigung eines zweiten Hofes wurde auf bie Notwendigkeit der Schaffung von Silos hingewiesen und schließlich die Anlage einer Gemeinde-Jungvieh-

polizeibericht.

Festnahme.

Am 15. Dezember wurde der 25 Jahre alte Ml- helm Waaner aus Kesselbach wegen Einbruchs­diebstahls festgenommen. Wagner wurde am 8. De­zember in einer Wirtschaft in Geilshausen über­rascht, als er in Abwesenheit der Wirtsleute einen Griff in die Büfettkasse tat. Da Wagner in der letzten Zeit durch größere Geldausgaben aufgefallen war, hegte die zuständige Gendarmerie den Ver­dacht, daß er auch den Einbruchsdiebstahl bei dem Bürgermeister von Kesselbach in der Nacht zum 24. August 1936 (Kirchweihtag) ausgeführt haben könnte, wobei dem Täter über 300. RM. Bar­geld in die Hände fielen. Durch die nun gemein­sam von der Gendarmerie und der Kriminalpolizei vorgenommenen Ermittelungen konnten weitere Belastungsmomente festgestellt werden, und zwar wurde bei der Durchsuchung seiner Wohnung eine größere Menge Zigarren in einem Kinderwagen vorgefunden, die Wagner bei einem Wirt in Kessel­bach neben Wein, Likör und Zigaretten entwendet hatte. Da Wagner den Einbruchsdlebstahl zum Nachteil des Bürgermeisters trotz des vorliegenden Beweismaterials weiterhin leugnete, erfolgte seine Ueberführunq in das Polizeigefängnis Gießen. Am folgenden Tage legte Wagner nun auch in dieser Sacke ein G"ltändnis ab. Er wurde dem Amts­gericht zugeführt und in Untersuchungshaft ge­nommen.

Ein bei einer hiesigen Baufinna beschäftigter junger Mann hat einige größere Rechnunvsbeträge für feine Firma unberechtigt einkassiert und unter­schlagen. Nach Aufklärung wurde er wieder auf freien Fuß gelassen.

Warnung vor einer diebischen Hausangestellten.

Ende November 1936 wurden in Berlin Schmuck- unb Wertstücke im Werte von 8000. RM. gestoh­len, und zwar 1 goldenes Armband mit Platin- auflage, 8 Perlen und 7 Brillanten; 1 Platinarm­

weide erörtert.

4- Grünberg, 19. Dez. Am Freitagnachmittag entstand in einem Personenauto, das die Marktgasse herunter zur Höfetränksbrucke fuhr, plötzlich ein Vergaserbrand. Die Versuche des Fahrers, mittels eines Sackes den Brand zu löschen, waren erfolglos. Erst mit Hilfe eines Feuerlösch­apparates, der aus einem naheliegenden Geschäfts­haus rasch beschafft wurde, gelang es, den Brand zu löschen. Das Auto, dessen Besitzer aus Geilshau­sen stammt, wurde leicht beschädigt.

cxd Langsdorf, 18. Dez. Im Rahmen der Aufgaben des zivilen Luftschutzes wurde gestern abend hier die erste Verdunkelungsübung durchgeführt. Mit einem Glockenzeichen um 20 Uhr wurde das ganze Dorf in Dunkelheit geletzt. In zwei Gruppen patrouillierten die Beauftragten des Luftschutzes durch alle Gassen, um zu sehen, inwie­weit die Abdichtung der Häuser klappte. Man konnte im allgemeinen zufrieden sein. Die Disziplin des Dorfes bewährte sich. Mit dem winterlichen 21-Uhr-Läuten fand die Hebung ihr Ende. Die Grippe trat bei uns ziemlich harmlos auf; zwar wurden viele Einwohner von ihr befallen, aber in ungefährlicher Form. Es brauchte auch die Schule nicyt geschlossen zu werden.

kreis Friedberg.

<£ Münzenberg, 18. Dez. Bei der gestrigen Treibjagd wurden 209 Hasen und 2 Fasanen zur Strecke gebracht. In diesen Tagen wurden 30 Weihnachtspakete für das WHW. ab­geliefert. Es wurden hauptsächlich Kleidungsstücke und Nahrungsmittel gespendet.

Kreis Detziar.

T Hörnsheim 18. Dez. Vor einigen Tagen haben in unserem Gemeindewald die Holzhauer­arbeiten begonnen. Einer Anzahl Kleinbauern ist dadurch die Möglichkeit zu zusätzlichem Verdienst gegeben. Die Grippe tritt gegenwärtig auch in unserem Orte sehr stark auf. Zahlreiche erwach­sene Personen liegen darnieder. Die Schule brauchte bis jetzt noch nicht geschlossen zu werden.

= Wißmar, 18. Dez. Die Lehrerin an der hiesigen Schule, Fräulein Barmer, die seit 1934 hier tätig war, ist nach Wiesbaden versetzt worden und hat eine Vollstelle erhalten.

. Steinhäger

»Urquell

und 800 Schafe geschlachtet werden. Bei achtstundi- ger Arbeitszeit sind das 1440 Rinder, 6000 Schweine und 6400 Schafe am Tag. Die ganze Arbeit von der Tötung der Tiere bis zur Verpackung der zahlreichen Nebenerzeugnisse erfolgt am laufen­den Band. Wenn nicht das Brüllen der angst- erfüllten Tiere, der Blutgeruch und Die buchstäb­lich im Blut watenden Gestalten diesen dumpfen Hallen ein besonders grauenerregendes Gepräge verliehen, bestände kein grundsätzlicher Unterschied zu einer Automobilsabrik, einer Holzverarbeitungs­stätte oder einer kalifornischen Obstpackerei, wo sich auch am laufenden Band Arbeitsvorgang an Ar­beitsvorgang reiht und das Tempo der menschlichen Arbeit weitgehend durch die Maschine bestimmt wird. Wir lernen in den Schlachthäusern Chttagos eine Einrichtung kennen, die t 9 P i ja) f ur bie gewerbliche Erzeugung Nordamerikas ist. Der Kleinbetrieb wie in unserem Fall die Schlächterei ist weitgehend verschwunden. An feine ©teile sind mächtige Fabriken und große Konzerne getreten, die das soziale Gefüge der Menschheit von Grund auf geändert haben.

Interessant ist die Beobachtung, daß im letzten Jahrzehnt der Diehmarkt in Chikago gegenüber den Märkten und Verarbeitungsstätten in den mitt­leren Provinz st ädten, wie Kansas City, Omaha und anderen, etwas an Bedeutung ver­loren hat. Die stärkere Verwendung des Lastkraft­wagens für den Diehverfand hat die Wirkung, daß das Vieh mehr und mehr u n m i t t e l b a r i n den Erzeugergebieten in Fabriken mit etwas kleineren Ausmaßen verarbeitet wird. Eine grund­sätzliche Aenderung tritt dadurch jedoch nicht ein, denn auch in diesen mittleren Städten handelt es sich ja um riesige Packhäuser, die von denselben Großkonzernen betrieben werden und denen gegen­über der handwerkliche Fleischerbetrieb nicht wett- bewerbsfäyig ist.

lauf des Lebens- und Todesschicksals des Hereford- Stieres.

Das etwa sind die Hintergründe der Schlacht­viehmärkte und Schlachthäuser, die wir in Chikago besuchen. Aus einem riesigen Gelände sind Tausende von Tieren in einzelnen Derschlägen zum Verkauf aufgetrieben. Von Laufgängen, die das ganze Gelände überqueren, kann man sich einen Ueberblick über den Markt verschaffen. In den Straßen zwischen den Diehverschlägen sieht man die Aufkäufer auf flinken Pferden umherreiten, um mit den Verkäufern, die vielfach Kommissionäre sind, handelseinig zu werden. Da die Verarbeitung des Schlachtviehs in den Händen weniger großer Fir­men liegt, müssen die Farmer auf der Hut sein, daß sie nicht als die Schwächeren und Unorgani­sierten an die Wand gedrückt werden. Ein beträcht­licher Anteil des Viehabsatzes vollzieht sich heute durch örtliche Diehversandgenossenschaften der Far­mer, die an den großen Diehmärkten eigene ge­nossenschaftliche Derkaufsagenturen eingerichtet haben. Das verkaufte Vieh wird durch besondere Laufgange in die Schlachthäuser getrieben, wo am laufenden Band die Schlachtung und Verarbeitung der Tiere erfolgt.

Um einen Eindruck auch von diesem blutigen Geschäft zu erhalten, besuchen wir die Schlacht- Hauser der Swift-Gesellschaft. Da die Viehmärkte als Folge der Auswirkungen der Trockenheit der letzten Jahre nur verhältnismäßig knapp beschickt sind, arbeiten die Schlachthäuser nicht unter Ausnutzung der vollen Kapazität. In dem Schlachthaus, das wir besuchen, können i n der Stunde allein 180 Rinder, 750 Schweine

IV. 1

3n den Schlachthäusern von Wcago.

ZdR. Immer weiter nach Westen geht die j Fahrt; Landstädte, Farmen, Maisfelder und Vieh- j weiden gleiten in unaufhörlicher Folge vorüber und ( ohne Unterlaß singt der Motor seine gleichförmige ; Melodie. Aus den Menschen, die sich mehr oder weniger zufällig aus allen Gauen Deutschlands zu ; der geplanten Studienreise auf dem Schiff zusam- 1 menfanöen, ist längst eine Gemeinschaft geworden. Die kanadischen Städte Paris und London das letztere an der Themse gelegen liegen weit hin- « ter uns In der Automobilstadt Detroit sind wir wieder auf amerikanischem Boden. Die Besich­tigung der Ford-Werke und der unruhigen Fabrikstadt mit chren vielen Unausgeglichenheiten, in deren weiterer Umgebung 90 v. H. der amerika­nischen Automobile entstehen, bildet ein kurzes Zwischenspiel, und dann geht es wieder weiter in mächtigen Sprüngen durch den Staat Michigan nach der großen Metropole am südlichsten Ende des Michigan-Sees, dem berühmten, aber auch be- riky.gten Chikago. Uns interessieren hier nicht die Gangster- und Verbrecherbanden, deren Taten das Lieblingsthema der Revolverpresse und der Sensationsfilme bilden, wir wollen uns an den Schlachtoiehmärkten und in den Schlachthäusern Aufklärung verschaffen über die Erzeugnisse eines der wichtigsten Zweige der Landwirtschaft der nörd­lichen Zentralstaaten.

In den Vereinigten Staaten fällt die Fleisch­erzeugung weitgehend mit der Maiszone zusammen. Rund die Hälfte der Nährwerte, die an Haustiere verfüttert werden, entfällt auf den Mais. Als Maiszone bezeichnet man das Gebiet, das fick südlich von Chikago auf einer Strecke von rund 1500 Kilometer Länge in ost-westlicher Richtung erstreckt und nach Süden hin eine durchschnittliche Ausdehnung von 500 Kilometer besitzt. Aoer weit über diese Zone hinaus ist der Maisbau einer der wichtigsten Betriebszweige der Landwirtschaft. Beim Rindvieh findet man eine strenge Scheidung zwi­schen den Milch- und Fleischrassen. Während im Osten, in der Nähe der großen Verbrauchszentren, das Milchvieh vorherrscht, nimmt weiter nach Westen hin das Fleischvieh ständig an Bedeu­tung zu. Die Aufzucht eines Teiles der Schlachtrin­der besonders soweit sie der Hereford-Rasse an­gehören erfolgt westlich der Maiszone in den Großen Ebenem, die sich als extensives Weide- gebiet zwischen die Ackerbauzone des Mittleren Westens und das Felsengebirge einschieben. Aus diesen Aufzuchtgebieten, in denen das Melken der Kühe völlig unbekannt ist, gelangen die halb aus­gewachsenen Tiere in die Maiszone, um hier in möglichst kurzer Frist für den Markt fertiggemacht zu narben. An den großen Viehmärkten, unter denen Chikago an erster Stelle steht, strömen die schlachtreifen Tiere zusammen, um nach der Ver­arbeitung in den Packhäusern der riesigen Schlacht­hauskonzerne über den ganzen Kontinent verteilt zu werden.

Bei den Schweinen ist es ähnlich wie beim Rindvieh, nur daß hier die Aufzucht in viel stär­kerem Umfange als beim Rindvieh in der Mais­zone erfolgt. Wir haben es mit einer regionalen Arbeitsteilung zu tun, wie sie in gleicher Ausge­prägtheit woyl an keiner anderen Stelle der Erde zu finden sein dürfte. Der Ort des Verbrauchs, der in Neuyork ober Boston gelegen fein mag, ist viel­leicht 2000 bis 3000 Kilometer von der Weibe ent­fernt, auf ber das Kalb an der Seite der Mutter seine ersten Sprünge tat. Dazwischen liegt ein lan­ger Weg des lebenden Tieres über die Mast auf einer Maisfarm zum Schlachthof und von dort als Fertigware in modernen Kühlwagen über einen Kettenlaben bis hin zum letzten Verbraucher. Nur die hochentwickelte Technik und die Ausgestaltung des Verkehrswesens ermöglichen einen solchen Ab-

Weihnachtsgeschenke.

Von Heinrich Ziilich

Wunderbar ist es, vor Weihnachten durch die abventlichen Gassen in Deutschlanb zu gehen. Wir stehen vor ben Schaufenstern, wir kehren zu be­stimmten Auslagen zurück, spüren eine Vorliebe für einen ©egenftanb erwachen, ber bort in einer Ecke hinter der Scheibe liegt unb uns lockt. Wir brau­chen ihn nicht, aber möchten ihn doch gerne besitzen. Eilen wir manchmal des Wegs, verlangsamt sich plötzlich unser Schritt, wir suchen den Grund, lä­cheln und gewähren uns den Umweg zu diesem und jenem Schaufenster, erkennen erfreut, daß dies und das noch immer in der Ecke ist. Wir gehen davon, überlegen lange, ob wir es nicht kaufen wollen, aber ber Wille ist bei Käufen ein Ding, das mit dem Können an die gleiche Deichsel ge­spannt fein muß, wenn man geraoe fahren soll. So bleibt es bei ber geheimen Liebe zu einem herrlichen Photoapparat, ber, solange er unverkauft ist, in einer köstlichen Weise uns gehört, bis bann eines Tages boch bie Ecke leer ist. Wir sehen ent­täuscht immer roieber hin. Kein Zweifel! Wir gehen auf bie Suche unb ipeift finbet sich in einem ande- ren Ladenfenster genau die gleiche herrliche uner­schwingliche Kamera, bie liebste wieder, bie wir nicht besitzen werden.

Es gibt aber auch Schönheiten, die sich nicht wieder finden lassen, wenn sie jemand aus der Ecke entführte, Krawattenwunder, flüchtige Bekannschaf- ten, kleine heitere Liebschaften weg sind sie unb schlingen bie seibenen Arme um einen anberen Hals. Ein Winterpelz, mit Ehrfurcht betrachtet dahin! Ein Auto bavon schon gar nicht zu reben. Ein Auto, für das es an jedem Vergleich mangelt. Es stand immer sehr einsam in ber Aus­lage. Nur eine Blattpflanze in einem großen Blumentopf, um ben blaues Krepp-Papier geschlun­gen war, hatte sich an seine Seite gewagt unb neigte sich darüber wie eine Göttin des Sieges. Man konnte auch daran denken, daß bas Auto burch einen Urwalb fuhr, ber allerbings etwas bürftig angebeutet war, doch Urwald ist ein Zauberwort unb Auto ist es auch. Man vermochte vor diesem Fenster nicht zu steyen, ohne zu seufzen. Dahin, dahin! Das Auto ist weg, wie in einem Urwald verschwunden. Die Topfpflanze biedert sich an ein anderes Auto an, an einen Kleinwagen.

Ein Skianzug es ist ja weit und breit kein Schnee unb zum Skifahren ein höchst mäßiges Ge-

länbe, bennoch mißtrauten wir diesem Liebling gleich von Anfang. Gerade weil es keinen Schnee gibt, wird dieser prachtvoll gewachsene, mit raffinierten Taschen unb Schnallen befleibete Skimann in ber Auslage sehr bald eine für ihn unvorteilhafte Ver­wandlung^ durchmachen. Lehrt mich die Menschen kennen! Richtig nicht zweimal liebkosten unsere Augen ben Anzug, ba hatte ber Schaufenstermann ach, ich sah es, ehe ich vor ber Scheibe war, ich sah es von weitem mit Schrecken ein Schwimm­trikot an, ein rotes, am Hals geschlossenes, mit Zwickel. Er sah blob genug aus.

Aber wir beschenken in Gedanken nicht bloß uns, wir schenken anderen, o wir schenken mit laster­hafter Verschwendungssucht, durch nichts gehemmt, weder durch Geld, noch von allzuvielen lieber- legungen, wir schütten ein unendliches Füllhorn über unsere Nächsten aus. Wenn wir bie ernsten Ermahnungen lesen, die hie und da ein ©nie« hungskünstler veröffentlicht, ber eine Kunst Des Schenkens entbetft hat, lachen wir. Wir, bie wenig schenken können, wir schenken ohne Maß. Ich muß aber gestehen, baß ich durchaus nicht erregt bin, wenn bas für anbere bestimmte Geschenk aus ber Auslage »verschwinbet, o nein, die für mich ausge­suchten Geschenke, die mochte ich nicht aus dem Auge verlieren, die anderen zugedachten mögen dahingehen: ich wähle ja doppelten Ersatz. Ich schenke Berge von Spielzeug, Säcke voll Geschmeide, Dutzende von Damenpelzen, Damenkleidern, Damen- ftrümpfen, Damen- und so weiter. Ich nahm ein­mal im Vorbeigehen eine ganze Kücheneinrichtung mit, und weil ich nichts damit anzufangen wußte, übergab ich sie dem Wurstmaxe, ber in einem Haus­tor ftanb und seine Thüringer Würste duften ließ. Man soll nicht kleinlich fein. Ich stelle einen Sattel beiseite für einen Freund, ber nicht reitet, aber zu Pferd aussehen müßte wie ein steinerner Roland auf dem Roller. Eine wunderbare Schnapsbatterie ließ ich mir einpacken, gewiß auch für mich eine, aber eine zweite für jemand, von dem ich weiß, daß er die Gelbsucht kriegt, wenn er ein solches Geschenk bekommt. Bis ich dann an jedem Tage vor dem Buchladen stand.

Nein, da denke ich nicht daran, daß ich einen Geistlicken kenne, dem ich basBüchlein christlicher Demut schenken müßte unb einen früheren Poli­tiker, bem basLügenbuch" ein Seelenschatz wäre, unb viele anbere, bie nein, ich stehe am Strand, wo es gut fein ist. Ich sehe die wartenden von ge­heimem Leben unsichtbar atmenden Bücher, keine Sättel, keine Autos, in bie man Benzin gießt und

die bann gelenkt werben müssen, um recht zu fahren, keinen Schmuck, der kalt funkelt, keinen vergäng­lichen Skianzug, ich stehe vor den Schreinen des Lebens, vor bekannten und unbekannten. Das Wag­nis des Kaufes faßt mich an. Unb auch das Wissen um die Zuverlässigkeit, bie jenes Buch bietet unb dieses nicht. Silber bes Menschen liegen da, nicht leicht zu erfennenbe, nicht in wenig Augenblicken zu enträtfelnbe Menschenbilder unb damit Bild all dessen, was ist, mag es uns in seiner ewigen Un­begrenztheit auch oft nur ahnungshaft bewußt wer­ben. Bücher, hinunterreichend in ben Schlamm, hinüber zu den Brücken des Himmels, tief zu den Dämonen des Daseins, nahe bis an das blonde Haar ber Kinber, fröhlich ins Lacken, süß in die Sehnsucht der Versuchung, heiß in Die Leidenschaft, schweigend und unabwendbar in den Tod. Alle aber Noten eines großen Lebensgesanges.

Hier trete ich ein, denn wenn ich auch oft nicht kaufe Buchhändler, wenn sie es sind, haben keine Krämerseele. Sie müssen gleichsam aus einem Buch heraustreten und darin wieder verschwinden kön­nen, wenn der Gast allein sein will. Es gibt in jeder Stadt Deutschlands solche echte Buchhändler, die mit ben Büchern wie ein Fährmann mit dem Boote vertraut sind. Sie erzählen, es fei heuer ein gutes Jahr. Unfrieden draußen in der Welt. Die Menschen aber kommen in großen Scharen aus dem Dunkel in bie hellbeleuchteten Buchläben und kaufen sich im Buche die bessere Welt.

Ja, die bessere Welt, denn die Sehnsucht geht nach Büchern, die eine innere Stille in sich ver­wahren, worin der Flügelschlag der Seele durch jedes Wort klingt. Darum wird, wie seit langen Jahren nicht, das Gedicht wieder gesucht. Die nie­mals wirklich verklungene Zeit der Lyrik, deren Sänger bloß- nicht beachtet wurden, erwacht auch für die Leser wieder. Wenn man nicht mißverstan­den werden konnte, dürfte man eine leichte Neigung zum sentimentalen Buch feststellen. Unb bies ist keine Schwäche, benn baneben klirrt unb hämmert das männlich weitgespannte Buch, noch immer viel gelesen, an ber Zukunft. Aber ein Seelenton er­klingt toieber, ber sich voll entfalten mußte in einer Zeit, wo im Mittelpunkt unseres Erbteils durch Be­sinnung und Läuterung des tragenden Zukunfts­keimes auch die innere Weite sich erschließt, zu sitzen an den stillen Brunnen des Daseins, zu fingen und zu lauschen dem schweifenden Empfinden. Und darum ist es gut zu hören, was die Buchhändler sagen: ein gutes Jahr. Wir nehmen es auf wie ein Versprechen über bie Weihnacht hinaus.

Farbige Künstler-Steinzeichnrrnaen.

Der Verlag B. G. Teubner, Leipzig unb Berlin, setzt sich mit seinen farbigen Künstler-Steinzeich­nungen, seinen Schattenbilbem und Federzeichnun­gen seit langen Jahren verdienstlich für die Ver­breitung guten und wohlfeilen Wandschmuckes em. Es handelt sich, wie der uns vorliegende Verlags­katalog ausweist, um eine umfangreiche Samm­lung von Bildern aller Art und Größe, bie, von deutschen Künstlern geschaffen, echte Heimatkunst barstellen. Wir nennen bäraus etwa dasWogende Kornfeld" von H. von Voltmann, denPflü­genden Bauern" von W. Georgi, dasVolks­lied" von G e n z m e r, dieErnte" von A. Hoffe, einFrühlingslied" von Ad. Harten und den Mondaufgang" von G. K a m p m a n n, um nur einiges aus Der Fülle herauszugreifen; nicht zu vergessen dieCharakterköpfe der deutschen Ge­schichte" von Karl Bauer (Schiller, Goethe, Bis­marck, Dürer, Beethoven, Humboldt), Rudolf Schä­fersBilder nach ber Heiligen Schrift" unb die Märchenbilder von E. Rehm-Vietor. Alle diese Bilder sind als Wandschmuck nicht nur von Wohn­räumen, sondern auch zur künstlerischen Ausgestal­tung von Schul- und Gemeinschaftsräumen sehr ge­eignet. Ein besonders schönes, stimmungsvolles und dekoratives Bild aus der Reihe der farbigen Stein­zeichnungen liegt uns in dem großen Feldblumen» stück von O. Marquardt im Original vor: eine Arbeit, die alle Merkmale echter, gemütvoller, deut­scher Heimatkunst aufweist und jedem Raum, ob groß oder klein, als ein feinsinniger Wandschmuck von dauerndem Wert zur Zierde gereichen wird.

Dr. Hans T h y r i o t.

Sochschulnack>richten.

Die Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttin­gen wählte in ihrer letzten Sitzung zu Korrespon­dierenden Mitglie-dern: in der Mathematisch-Physi­kalischen Klasse: Dr. Otto Hönigschmid, Leiter des Chemischen Laboratoriums ber Bayerischen Akademie ber Wissenschaften in München; Dr. Fritz Kögl, Drbinarius für organische Chemie an der Universität Utrecht; m ber Philosophisch- Historischen Klasse: Dr. Albert Egges van Gis­sen, Direktor bes Biologisch-Archäologischen In­stituts an ber Universität Groningen; Dr. Jo­hannes Heinrich Gebauer, Dberftublenrat unb Stabtarchioar in Hildesheim, und Dr. Leo Weisgerber, Ordinarius für indogermanische Sprachwissenschaft an der Universität R o st o ck

Erst recht an Festtagen Bu Hr ich-Salz