Nr. 220 vierter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger för Oberhessen)Samstag, 19. September 1030
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Iiundfunkbesuch in Gießen
Mit dem Mikrophon des Frankfurter Genders durch Gießener Arbeitsstätten.
Im Wagen des Reichs-Rundfunks: Am Lautstärken-Steuerungsgerät.
Hören.
und
Hier wird der Ton auf dünnen Wachsplatten festgehalten.
zu machen. Ein Zwie-
Sprecher und Mikrophon lauschen den vielfältigen Geräuschen der modernen Setzmaschine.
hochqualifizierten deutschen Arbeit
funks zu machen.
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Der Ausnahme-Letter bea Retchsfenbers Frankfurt im Schmaschtnenfaal.
Das Mikrophon hört in der Setzerei beim Umbruch der Zeitungsselten zu.
des Rundfunks gaben sich aber nicht technischen Seite ihrer Umschau im
war selbstverständ- daß bei dieser Um-
Es lich,
Rundfunks im bevorstehenden Spätherbst wieder nach Gießen kommen wollen, um hier noch weitere Aufnahmen für die Zeitfunksendungen des Rund-
Zeitungsgebäude zufrieden, sie ließen sich und dem Mikrophon auch noch vielerlei interessante Dinge erzählen, die aus der reichen Tradition eines bald 200 Jahre alten Prooinzblattes zu berichten sind. Da erfuhren die Besucher — und durch sie werden es in den nächsten Tagen noch viele Tausende von Rundfunkhörern mitgeteilt erhalten — manche für
Der Wagen des Reichs-Rundfunks vor dem Verlagsgebäude des Gießener Anzeigers.
Leistung der auslöst.
Die Männer allein mit der
schau nach den Kulturwerten unsererStadt auch das Stadttheater, bekannte Einrichtungen aus dem Kreise der Universität und schließlich das städtische Verkehrsamt das Ziel der Rundfunk-Aufnahmefahrt in Gießen bildeten.
In den Räumen des Stadttheaters hielten die Rundfunkmänner ebenfalls eingehend Umschau. Theater - Jntenant Schultze - Griesheim hatte Gelegenheit, vor dem Mikrophon interessante Darlegungen über Bedeutung und Arbeit des Gießener Stadttheaters
Mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgen die Rundfunkmänner die Vorgänge im Rotationsmaschinen- faal und geben ihre Eindrücke durch das Mikrophon wieder.
gespräch der Rundfunkmänner mit dem Kreiskultur- wart C h r i st brachte für die Rundfunkhörer aufschlußreiche Mitteilungen über das Kunst- und Musikleben in Gießen. Weiter ging dann die Fahrt zum L i e b i g m u s e u m, wo der sorgsame Betreuer dieser Gedenkstätte, Geheimrat Professor Som^ m e r, kurz über die Sehenswürdigkeiten im Laboratorium und über die Bedeutung Liebigs in das Mikrophon sprach. Bei dieser Gelegenheit berichtete
Aufnahmekabel nach sich ziehend, hinunter zum Arbeitssaal der Rotationsdruckmaschine, um dort von dem „Ohr des Rundfunks" das laute Rattern der rasenden Umdrehungen der Druckzylinder, des Falzapparates, des Farbwerks, der Zählmaschine usw., die alle miteinander in dem geschlossenen Aufbau der Rotationsmaschine vereinigt sind, für die Hörer am Radioapparat einzufangen. In der Versandabteilung wurden hieraus die Eindrücke des regen Treibens bei der Abfertigung der Transportautos und der Austrägerinnen für die Schilderung des Rundfunks festgehalten. Ein »reizvoller Zufall führte in jener Stunde auch eine Schulklasse mit ihrem Lehrer aus einem Dorfe bei Gießen in den emsigen Arbeitskreis des Druckmaschinensaals, wo sich die Kinder vor allem das große Ungetüm einer modernen Zeitungsrotationsmaschine ansehen wollten, dieser wunderbaren Schöpfung deutschen Erfindergeistes und deutscher Maschinenbautechnik, die immer wieder Bewunderung und Ehrfurcht vor der
Der erste Teil des Rundfunkbcsuches in Gießen wird am kommenden Dienstag, 22. September, von 16.45 Uhr ab, unter dem Titel: „Von .Hochzeiten^ und .Zwiebelfischen', wir besuchen eine H e i m a t z e i t u n g" im Frankfurter Rundfunk verbreitet.
In dieser Woche haben wir die Freude erlebt, Männer des Rundfunks zur Aufnahme von Lebensausschnitten aus der Gießener Bevölkerung hier wirken zu sehen. Mit einem großen Aufnahmewagen kamen sie an. Ueberall da, wo der rote Wagen mit der weithin leuchtenden Aufschrift „Reich s- Rundfunk" erschien, bildeten sich Gruppen von
Mit diesen Besuchen hatten die Männer des Rundfunks eine reichhaltige Arbeitsaufgabe ihrer Tagesfahrt von Frankfurt nach Gießen erfüllt. Wir dürfen annehmen, daß ihnen, die bei ihrer Berufsarbeit an vielen Orten immer wieder in reichem Maße Neues und Eigenartiges zu sehen bekommen, auch in unserer Stadt ein wertvoller Gewinn für den Sender erwachsen ist, der ihnen die Möglichkeit gibt, den Nundfunkhörern eine Stunde lehrreicher Unterhaltung aus Gießen zu bereiten. Und wir möchten heute schon der Freude darüber Ausdruck geben, daß die Männer des
Geheimrat Sommer auch über seine eigene Erfindung des Wasser-Skilaufs.
Im Gießener Studentenhaus folgte die Aufnahme einer fesselnden Unterhaltung zwischen Professor Eger, dem Schöpfer des Studentenhauses, der von den Kommilitonen in dankbarer Würdigung seiner großen Verdienste um die Gießener Studentenschaft in schwerer Zeit den Ehrennamen „Gießener Studentenvater" erhielt, und einigen Mitarbeitern über die Einrichtungen und die vielfältigen Auswirkungen des Gießener Studentenhauses.
den Freund der Heimatgeschichte besonders aufschlußreiche Erzählung über die Entwicklung des Zeitungswesens und Buchdruckgewerbes in unserer engerenHeimat, es wurde aber auch dargelegt, welch bedeutender Kulturfaktor und welch vielseitiger Ratgeber und Förderer die 'Tagespresse für alle Volksgenossen ist.
Nach mehrstündigem Besuch hatten die Rundfunkmänner, die mit großer Umsicht und mit bewundernswert sicherem Blick für alles wesentliche ihrer Mission in einem Zeitungsbetrieb nachgingen, alle gewünschten Aufschlüsse erhalten, um ihren Hörern über den Sender ein abgerundetes Bild von dem Werdegang einer Zeitungsausgabe zu geben. Das einige hundert Meter lange Kabel wurde von dem großen Aufnahmewagen her wieder aufgerollt, das Mikrophon in dem Wagen verwahrt, und dann ging es weiter durch Gießen zu neuem Schauen
Die Bedeutung der Stadt Gießen als Fremden- Verkehrsgemeinde, ihre Sehenswürdigkeiten und Schönheiten wurden schließlich noch in einer Unterhaltung der Rundfunkmänner mit dem Leiter des städtischen Verkehrsamtes Hans Fritz S ch u st e r geschildert, damit die Hörer des Rundfunks schon vor einem Besucki in unserer Stadt erfahren, wohin sie bei einem Zesichtigungsrundgang in erster Linie ihre Schritte zu lenken haben, welche Sehenswürdigkeiten ihrer hier harren und wie gut es sich in Gießen und in seiner schönen landschaftlichen Umgebung leben läßt.
stark interessierten Volksgenossen. Es war ja auch etwas ganz Neues und Einzigartiges, bei diesem Wagen zu stehen, dem daraus irgendwohin führenden Leitungskabel nachzuschauen und im gleichen Augenblick aus dein Innern des Wagens heraus von der Aufnahmeplatte Menschen sprechen und Maschinen sausen zu hören, von denen man gar nichts sah, die irgendwo art einer Stelle des besuchten Betriebsgebäudes tätig waren.
Die Männer des Rundfunks gingen bei ihrem Besuche in Gießen von der Erkenntnis aus, daß
Betrieb gefetzt, um Boten der Setzerei zum Abholen des in der Schriftleitung in Abschnitten fertiggestcll- ten Manuskriptes herbeizurufen, und wie überaus emsig ging es dann bei dem Satz dieses Manuskriptes her. Nach der geschlagenen Schlacht in der Schriftleitung fanden aber Rundfunkmann und Scyriftleiter immer noch einige Minuten Zeit, um einen kurzen Gedankenaustausch über den Lebensund Schaffenskreis der geistigen Gestalter einer Heimatzeitung zu pflegen.
Dann aber ging es mit umsichtigem Blick für alles Wesentliche durch die technischen Stationen des Werdeganges des Blattes. Da wurde das Mikrophon, dem immer größere Längen des Aufnahmekabels folgen mußten, an die Setzmaschinen getragen, damit der Hörer über die Melle des Senders auch nur annähernd eine Vorstellung davon bekommt, welches Ausmaß von Arbeit und Geräusch von einer solchen lebensnotwendigen Maschine der Zeitungsherstellung ausgeht. Das Mikrophon als „Ohr des Rundfunks" lauschte sodann dem Betrieb beim Umbruch der Seiten nach den Anweisungen des Schriftleiters mit den zahlreichen Einzelarbeiten und Handreichungen des Metteurs und seiner Mitarbeiter, mit dem parallel laufenden Wirken des Korrektors usw. ((Unter Umbruch versteht der Fachmann die Zusammenstellung einer Zeitungsseite aus dem in Spalten bereitgestellten Satz). Das schwerwuchtende Geräusch der Prägepresse für die Maternherstellung und das nicht minder schwere Schaffen der Gießmaschinen in der Stereotypie bei der Herstellung der halbzylinderförmigen Platten für die Druckzylinder der Rotationsmaschine waren die anschließenden Stationen auf dem Rundgang der Männer mit dem Mikrophon. Und dann ging es, immer weiter viele Meter
Der Rundfunksprecher zu Besuch in der Schriftleitung. (Aufnahmen 18]: Neuner, Gießener Anzeiger.) eine große Summe von Begebenheiten und Lebensäußerungen des Alltags ihren Sammelpunkt tn den Häusern der Presse hat, und so führte sie denn auch ihr Weg in Gießen zuerst zum "Gießener Anzeiger". Hier wollten sie dem hastenden Tempo bei der Gestaltung der geistigen Tageskost vieler Tausender von Volksgenossen in Gießen und Ober- Hessen lauschen. Die Männer des Rundfunks und der Presse eint ja eine weitgehende geistige Verwandtschaft; beide stehen als Arbeiter an dem sausenden Webstuhl der Zeit, beide suhlen sich durch ihr Wirken im Interesse des Volkes verbunden, dem sie durch das gesprochene und das geschriebene Wort dienen , _
Die Männer der Rundfunkaufnahme waren Zeugen des jagenden Tempos, das eine in allerletzter Minute in der Schriftleitung eintreffende Meldung über Diktat und Satzherstellung in der Maschinensetzerei bis zur Aufnahme in die Zeitungsseite aus- löst. Wie klapperte da die Schreibmaschine so emsig, wie oft wurde währenddessen das Haustelephon in


