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Trinkt deut/chenVUem
Weinhandlung und Likörfabrik Carl Küchel Nacht» Gießen
Saarweine aller Art vom schlichten sauberen Kneipwein bis zur edelsten Auslese zusammen. Der Besuch eines dieser Riesenkeller gehört auch zur Saarweinwanderung und bildet deren würdigen Abschluß.
Weinberg im Herbst.
Von Wilhelm Schüssen
Als ich durch den großen Park wanderte, hing das verglimmende Laub der Kastanien da und dort wie riesige große Vorhänge in die sanftkühlen Dämmerungen herein, schwoll die bunte Herbstglutfülle wogenhaft über das dunkle Tannengrün hinaus. Und ein edler Hirsch mit mächtigem Geweih stand wie eine Erscheinung vor der Oesfnung eines traumhaften Sonnentores.
Eine alte Frau klaubte irgend etwas aus dem abgefallenen Laub heraus, es sah von ferne aus, als sammle sie Goldstücke in ihren Korb, als fülle sie einen am Wegrand stehenden Sack damit. Es waren aber nur schäbige Kastanien....
Späte Falter taumeln über gemähte lichtgrüne Wiesen, an manchen Obstbäumen steht noch die Leiter, und aus den sich entblätternden Kronen ertönt noch hin und wieder versonnenes Meisengezwiischer. Nachsommerliche Blumen schwanken träumerisch in einem leisen Kräuselhauch.
Auf der Landstraße schwillt der Verkehr ins Fabelhafte. Wagen mit Säcken und Obstkörben und Fässern toben ohne Aufhör dahin, rollen Tag und Nacht von hier außen in den Bauch der großen Staat hinein.
An Gottes Güte hat es auch heuer nicht gefehlt.
Am Ufer eines Baches entlang pilgernd habe ich endlich den Fuß eines Weinhüaels erreicht, von dem ich schon vielmals geträumt habe, der mich schon so und so oft aus weiter Ferne zu sich hinübergelockt hat.
Nun hängt sein hohes Rebengelände ganz in meiner Nähe wie ein buntgewürfelter Prunkteppich ins Tal herab. Es ist eine durch rechteckige, bunte Beete und schlanke Bänder selig aufgeteilte Fläche mit verglühendem Weinlaub und immergrünem Klee. Nirgendwo sonst in der Welt glüht die herbstliche Sonne so zärtlich, innig und verlieht wie an einer solchen Weinberghalde.
Eine Weinbergrätsche rasselt vogelfeindlich aus der Höhe herab, ein einzelner Schreckschuß knallt, und auf das lärmende Hoho der Flurschützen antworten die Kinder im Dorf unten wie ein vielfaches Echo: „Ho! Ho! ho!"
Wie ein ausgespannter Falter in der seligmachenden Sonne atmet dieser Weinbügel vor mir im Licht, schwimmt er in der zitternden Glut, und purpurn und schwarzblau und goldgrün funkelt die Traubenfülle aus dem bunten Laub.
Allen Sonnenschein saugt er noch einmal in sein innerstes Wesen hinein, dieser in den Himmel schwebende trächtige Weinberg, ehe seine Bronnen aufbrechen und seine Bächlein in die wartenden Keller rinnen. Und im kargen Winter funkelt dann die entschwundene Sommerglut in den Gläsern auf unseren Tischen. Fast alles in der Natur ist mehr oder weniger von unmittelbarem Sonnenlicht abhängig, das Gras und die Blumen und das Kraut und das Korn, der Weinstock aber lebt ausschließlich von der Sonne und mit der Sonne und trinkt deren Strahlen in sich hinein wie andere Wesen das Wasser.
Wenn wir ein Glas Wein trinken, wollen wir immer auch einen Augenblick lang an die göttliche Sonne denken, die ihre Berge weiterliebt und ihre ewige Währung hat, auch dann, wenn die der Börsenkönige ins Wanken gerät...
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Vorüberwandernde bis auf weitere Widerlegung die Vermutung aussprechen, daß sotanes Gotteshaus dem Orden Benedicti zugehöre", sagt Scheffel im „Ekkehard" — die frommen Mönche des Johannisberges wurden bald die besten Winzer im Rheingau. Im Dreißigjährigen Kriege wurde das Kloster zerstört, 1716 aufgelöst, und „der Berg mit den Wundertrauben" gelangte an das Hochstift Fulda. Napoleon verlieh ihn seinem Marschall Franz Christoph Kellermann, einem Bauernsohn aus Wolfbuchweiler an der Tauber, der 1792 durch die Kanonade von Valmy den Rückzug der Preußen aus der Champagne veranlaßt hatte. Im Wiener Frieden von 1815 nahm Franz II. von Oesterreich den Johannisberg für sich in Anspruch und gab ihm dem Fürsten Metternich zum Lehen, der für die Pflege der Rebe und den Ausbau der Kellereien in mustergültiger Weise Sorge trug. Welche Werte die Weine des Johannisbergs darstellen, erhellt aus folgenden Zahlen: eine Flasche 1886er „mit himmelblauem Lack" kostet heute 20 Mark, ältere Jahrgänge werden mit 40 bis 70 Mark, eine Flasche 1893er aber gar mit 80 Mark bezahlt!
lieber Hattenheim erhebt sich der edle Steinberg, ein mauerumschlossenes Gebiet von nur 24 Hektar, auf dem aber die gelobtesten Weine gedeihen. Hier waren es die Klosterbrüder von Eberbach, die zuerst den Wald rodeten und die sanft ansteigende Höhe mit Reben bepflanzten; sie gelangten durch den Weinbau bald zu großem Reichtum und verschickten ihre Kreszenzen auf eigenen Schiffen bis nach den Niederlanden. 1866 fiel der Steinberg an die Krone Preußens. Die Gewächse des Steinbergs stehen dem nachbarlichen Johannisberger in nichts nach, ihre Art ist von jenem grundverschieden; „Rosengarten" und „Goldner Becher" gelten als die hervorragendsten Lagen.
Zu den nächst edelsten Hochgewächsen des Rheingaues zählen die Hattenheimer, Rauenthaler und Markobrunner Weine, Gewächse ersten Ranges von feinem, mildern Geschmack; ihren erlesensten Jahrgängen, die hoch im Preise stehen, ist ein zarter Rosen- und Honigduft eigen. Ihnen folgen die Gemarkungen von Geisenheim und Rüdes- heim in voller Südlage am Rhein, deren Weine zu den besten Rheingauern gehören, lieber Rüdes- heim, das die größte und ertragreichste Gemarkung des Rheingaues ist, wölbt sich der rebengrüne Bergrücken in unzähligen Terrassen, die Heimat des weltbekannten „Rüdesheimer".
Nun wendet sich der Rhein nach Norden; am Fuß des denkmalgekrönten Niederwaldes liegt in prächtiger Lage Aßmannshausen, das freilich nicht mehr zum eigentlichen Rheingau rechnet, wo aber der edelste, gehaltvollste Rotwein heimisch ist, der in Deutschland wächst. Der Gasthof „Zur Krone" in Aßmannshausen mit der Marmorbüste Freiligraths, ist ein echtes Dichterheim, das zahlreiche deutsche Poeten besungen haben. Seine Fremdenbücher bieten daher eine Fülle fesselnden Lesestoff, aus dem der Eintrag eines Professors der Medizin, der die Güte des „Aßmannshäusers" auch vom „wissenschaftlichen" Standpunkt gerecht wird, hier verzeichnet fei:
„Hier pfeif ich auf Brom und Antivyrin, Auf Pulver, auf Pillen, auf Jod und Chinin, Hier endlich ward ich ein Weiser Und reiche als köstlichste Medizin den Roten Aßmannsbäuser!"
Darunter aber hat ein böser Skeptiker geschrieben:
„Du alter Herr, Du weiser Rat, die Einsicht kam etwas zu spat — Gerettet wär' manch Menschenleben, Hatt'st immer Du nurAßmannshäuser gegeben!"
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Wo das saarländische Industriegebiet mit seinem Reichtum an Kohlen endet, beginnt das Weinland an der Saar. Eine Wanderung durch dieses Land ist ein hoher Genuß sowohl für das Auge als auch für die Zunge, die allenthalben in den Wirtschaften den grüngolden funkelnden, feinperlenden und blütenduftenden Wein vorfindet, der an den steilen Südhängen der Saarberge im Strahle der heißen Sommersonne geboren wird. Im Gegensatz zu den engeren, geschlossenen Tälern der Mosel, die auf beiden Seiten von hohen Bergen begleitet werden, ist das Landschastsbild am oielgewundenen Laufe der Saar offener. Bald rechts, bald links erheben sich malerische, steile Kuppen, die vielen Weinen den Namen gegeben haben; ihnen gegenüber liegen auf dem anderen Ufer des Flusses weitgedehnte Wiesen- und Ackerflächen. Aus diesem Wechsel ergeben sich für den Saarwanderer die schönsten Fernsichten. In stetem Auf und Nieder schwingen sich tue Landstraßen über Berg und Tal, so daß der Wandersmann wie auch der Autofahrer zu ihrem Recht kommen. Die Reichsbahn jedoch begleitet den Fluß getreulich bis zu seiner Mündung in die Mosel und ermöglicht daher dem Wanderer von jeder ihrer Haltestellen den Beginn prächtiger Streifzüge durch die Wälder und Weinhänge.
Das Weinland an der Saar beginnt bei dem Orte Serrig. Hier befindet sich in seinem Seitentale der Saar eine staatliche Weindomäne. Wo einst alter, geringwertiger Schälwald stand, gedeihen hier jetzt köstliche Weine an den Hängen. Am Saarfels und am Würtzberg befinden sich andere berühmte Weingüter. Bei Staadt-Castel ragt gegenüber dem Orte eine steile Felswand aus dem Flußtal auf. Es ist die sogenannte Klause. Ist man auf romantischen Waldwegen zu ihr emporgestiegen, so steht man vor einem schlichten Kirchlein, das sich an der Stelle einer früheren altrömischen Niederlassung erhebt. Hier ruhen nach langer Irrfahrt die Gebeine des blinden Böhmentönigs Johann, eines Sohnes Kaiser Heinrichs VII.
Nach einem Besuch der Domäne wandert man durch den herrlichen Kammerforst nach der Bahnstation Beurig und sieht hier, auf dem Ufer gegenüber (Saarburg liegen. Eine Brücke führt hinüber zu der Stadt, die einer der schönsten Orte an der Weinsaar ist.
Nach kurzer Rast bei einem Schoppen blinkenden Weines marschiert man auf dem rechten Ufer der Saar weiter nach Ockfen, wo sich außer alten, bekannten Weingütern gleichfalls eine am Ende des vorigen Jahrhunderts eingerichtete staatliche Weinbaudomäne befindet, die in gleicher Weise arbeitet wie jene in Serrig. Die Hauptaufgabe dieser Do-
Doch wird mir klar zu dieser Stund, Wie nichts den Freund vom Freund kann trennen. Auf diesen Glauben, Glas so hold!
Trink ich dich aus mit hohem Mute. Klar spiegelt sich der Sterne Gold, Pokal, in deinem teuren Blute.
Still geht der Mond das Tal entlang, Ernst tönt die mitternächt'ge Stunde, Leer steht das Glas, der heil'ge Klang Tönt nach in dem kristallnen Grunde.
Du herrlich Glas, nun stehst du leer, Glas, das er oft mit Lust gehoben; Die Spinne hat rings um dich her Indes den büftern Flor gewoben.
Jetzt sollst du mir gefüüet sein Mondhell mit Gold der deutschen Reben! In deiner Tiefe heil'gen Schein Schau ich hinab mit frommem Beben.
Was ich erschau in deinem Grund, Ist nicht Gewöhnlichen zu nennen,
Wemiand an der Saar rwn Richard Iinihky.
An das Trinkglas eines verstorbenen Freundes
Von Iustinus Kerner
mänen ist die Durchführung von weinbaulichen Versuchen aller Art, deren Ergebnisse dann der Weinbauernschaft bekanntgegeben werden. An einem phantastisch geformten.Felsengebilde, dem „Bockstein", dessen Südhänge mit Rebenzeilen bespannen sind, wächst einer der berühmtesten Saarweine. Der 1921er Ockfener „Bocksteine r", Trockenbeeren-Auslese von der Domäne, hat vor einigen Jahren in öffentlicher Versteigerung 135 Reichsmark für die Flasche gebracht!
Gegenüber von Schoden, der Bahnstation für Ockfen, liegen in Seitentälern die bekannten Weinorte A y l und Warnern, deren Lagen „Kupp" und „Herrenberg" einen guten Klang im Kreise weingerechter Zecher besitzen. Der nächste Weinort am Saargestade ist das hochberühmte Wiltingen Hier wendet sich die Saar von ihrem bisher nach Norden gerichteten Laufe in mächtigem Bogen nach Südwesten. Die sich bis nach Kanzem hinziehenden steilen Berghänge sind so recht dem feurigen Wirken der Sonne ausgesetzt, die im Kanzemer „Berg" und „Hörecker", in der Wiltin- ger „Kupp", im „Dohr" „Gottesfuß", „Klosterberg" und „Rosenberg" köstliche blütenduftige Spitzenweine wachsen läßt. Eine Wanderung auf den „Gottesfuß" ist eine stramme Hochgebirgspartie, die ahnen läßt, welche Mühe die Bearbeitung dieser Steilhänge den Weinbauern bereitet. In alten Zeiten floß die Saar in einem rechts sich abzweigenden Seitentale zur Mosel hinab. Dieser Talzug führte über den noch zu Wiltingen gehörenden Scharzhof nach Oberemmel, Krettnach, Ober« und Niedermennig zur jetzigen Mündung bei Konz. Die Wiltinger Lagen „Scharzhof" und „Scharzhof- berg" und die Öberemmeler Lagen „Rosenberg", „Agritiusberg" und „Raul" gehören zu den besten Marken des Saarweinlandes.
Das Weinland an der Saar ist schon seit alten Zeiten sehr begehrt gewesen. Das kann man schon an dem ausgedehnten Weinbergsbesitz der Kirchenfürsten, der Klöster, Kirchen und geistlichen Stiftungen erkennen, von dem freilich zu Anfang des vorigen Jahrhunderts der größte Teil in privaten Besitz übergegangen ist. Immerhin haben doch die Hohe Domkirche in Trier, das Bischöfliche Konvikt, das Priesterseminar und andere Stiftungen hier noch recht ansehnlichen Besitz an Weinbergen. Die dort gewonnenen Weine kommen nach dem ersten Abstich in die Zentralkellereien von Trier. Auch die staatlichen Weinbaudomänen, das Friedrich-Wil- Helms-Gymnasium und andere herrschaftliche Weingüter und Weingroßhandlungen haben hier riesige Weinkeller, die in ihrer Gesamtheit eine ausge- * dehnte unterirdische Stadt bilden. Hier strömen die


