dem
eigenen
Freude spenden sie Freude den andern.
Schenk ein den Wein, den holden!
Von Theodor Storm.
Weinsberger Herbstsrenden vor ivi) Jahren
PATENWEINE
Aufruf
der Stadt Gießen
zum
Gau-Odernheimer und Oppenheimer
liefern die Weingroßhandlungen
Gau-O-ernheim und Oppenheim
Geschästsstelle: Gießen, Vraugasse 6/Fernruf 3625
5851D
58190
TAGE
58180
Morgen Sonntag
im
Trinkt Patenwein!
Oerpatenstadt-Organisations-Ausschuß
5852 V
DEUTSCHER WEIN schafft Lebensfreude und hilft, richtig genossen, die Gesundheit zu erhalten
Vom I9.bi8 27. September findet das diesjährige Fest der deutschen Traube und des Weines statt. Wie im Vorjahre, so hat unsere Stadt auch diesmal wieder die Patenschaft von den rhein- hessischen Weinorten
Fest der deutschen Traube und des Weines 1936
UND DES WEINS empfehlen wir unsern Mitgliedern
übernommen. Probeausschankstellen sind im Hof des Alten Schlosses, im Alten Rathaus und auf dem Oswaldsgarten (Messe). Die zum Vertrieb von Patenwein zu- gelasienen Gaststätten und Geschäste sind durch eine besondere Urkunde erkenntlich. — Feder muß mithelfen, eine erfolgreiche Wein-Werbe-Woche durchzuführen. Darum:
Zum Fest der deutschen Traube
-vertrieb leben fast zwei Millionen Volksgenossen, die sonst der Erwerbslosigkeit überantwortet waren. Zudem ist das Land der Winzer meist steiniges, bergiges Gelände, auf dem andere Früchte kaum gedeihen. Der „deutsche Durst", von dem so viel geredet wird, hält sich dem Wein gegenüber noch immer sehr zurück. Im Durchschnitt kommen auf jeden Deutschen im Reich pro Jahr 4,5 Liter Wem, während jeder Franzose durchschnittlich 140 Liter, jeder Italiener 92 und jeder Spanier 80 Liter Wem jährlich trinkt. Selbst in der „nüchternen" Schweiz werden für jeden Kopf jährlich 20 Liter ausge- schänkt.
Da nun schon einmal von Zahlen die Rede ist, soll nicht unerwähnt bleiben, daß in diesem Jahr mit einem Gesamtumsatz von etwa 20 Millionen Liter Patenwein gerechnet wird. Das ist bedeutend mehr als im Vorjahr. Die
Der Rebel steigt, es fällt das Laub; Schenk ein den Wein, den holden! Wir wollen uns den grauen Tag Vergolden, ja vergolden.
Und geht es draußen noch so toll, Unchristlich oder christlich, Ist doch die Welt, die schöne Welt, So gänzlich unverwüstlich.
Und wimmert auch einmal das Herz — Stoß an und laß es klingen!
Wir wissen's doch, ein rechtes Herz Ist gar nicht umzubringen.
1935 er PATEN WEIN Gau-Odernheimer Petersberg.....................Literfl. o. Gl. 0 90
1935 er Freilaubersheim. Kirchberg , . , 0.75
1933 er Winzenheimer Berg......... 0.95
1933 er Königsbacher Rotwein.......0.95
Herm. Gebauer Ehr. Inderthal Wilh. Wallenfels Sohn
F .s-x
5»;
Verbrauchergenossenschaft Gießen e.G m.b.H.
Die Tochter des Dichters Justinus Kerner-, Marie Niethammer, schildert in ihren Jugenderinnerungen nicht nur ihr Elternhaus und die vielen merkwürdigen Originale, die dort aus- und eingingen, sondern gibt auch ein sehr lebendiges kulturhistorisches Bild des kleinen Schwabenstädtchens vor hundert Jahren. Wir entnehmen daraus das Kavitel über die Weinlese:
Die Weinlese war eine fröhliche Zeit für uns. Wir hatten zwar keinen eigenen Weinberg, aber dennoch gingen wir an jedem schönen Tag in Weinberge zu Bekannten, ich mit einem Kübelchen, mein Bruder mit einem Büttlein. Meistens war ein großer Kinderkreis dort versammelt. Unsere Hilfe bei der Arbeit war nicht bedeutend, die Knaben hatten zu viel mit Schießen, die Mädchen mit dem Essen der Trauben und der Unterhaltung des Feuers, welches bei keinem Weinberg fehlen durfte, zu tun. Wir tanzten fröhlich um dasselbe herum, und die Knaben setzten ihren Ruhm darein, es kühn zu überspringen. Aus allen Weinbergen schallte Gesang, Jauchzen und das Knallen der Pistolen.
Die Weingärtner haben wie die Tiroler ihren eigenen Jauchzer, der weithin durch die Berge schallt. Der Büttenträger ist zugleich der Spaßmacher und muß sich viele Neckereien der Leserinnen gefallen lassen. Er sucht sich aber dafür dadurch zu rächen, daß er ihnen so unbemerkt wie möglich eine Art Feuerwerk, Frösche genannt, vor die' Füße wirft. Dies hat notwendigerweise, auch wenn der Schrecken nicht so heftig war, großes Geschrei und Aufregung zur Folge. Diejenige Leserin, welche ihren Weinstock plötzlich ableert, er-
Lebensmittel- und Feinkosthaus OTTO AVEMANN GIESSEN - Walltorstraße Nr. 2 Ecke Lindenplatz, Telephon Nr. 3263 5824A
hält vom Büttenträger einen leichten Schlag mit der Pritsche, was wieder vielfaches Gelächter verursacht. Der Büttenträger ist stolz auf seine von den Mädchen reich mit Bändern verzierte Mütze und auf seinen sogenannten „Butzen", einen an einen Stock gebundenen großen Strauß von Trauben, Laub und Blumen. Dieser wird in den Butten gesteckt aus dem er hoch hervorragt. Ist der Butten gefüllt, so läßt der Buttenträger einen lauten Jauchzer erschallen, schreitet rasch mit seiner Last den Berg hinab und leert die Trauben in einen Zuber, in welchen sie von den Knaben mit den Füßen getreten werden. Dies anzusehen, könnte einem wohl die Lust nehmen, süßen Wein zu trinken, aber „es geht in den Herbst", man macht sich nichts daraus.
Kommt der Mittag, so lagert muri sich, und es wird der sogenannte „Lukeleskäs" gegessen und Wein dazu gereicht; warme Speisen gibt es hier nicht. Bis es dunkelt, wird fortgearteitet. Für den Heimweg werden Fackeln angezündet, und Arm in Arm zieyen die Leserinnen mit Gesang, der Buttenträger voraus, vor das Haus des Weinbergsbesitzers, vor welchem noch gesungen und getanzt wird, je besser das Weinjahr, je größer der Jubel.
. Waren Studenten oder fremde junge Leute zur Weinlese in Weinsberg, was häufig der Fall war, so versäumten sie niemals, abends vor unser Haus zu ziehen und dem Vater ein Ständchen zu bringen und zu singen, wobei des Vaters Lied nie fehlen durfte: „Wohlauf noch getrunken den funkelnden Wein ..B-
■ Wein und Vrot.
Zum „Fest der deutschen Traube".
„Ernte ist Schicksal, Aussaat auch. Nur .. . Säenden kann Ernte werden. Die Aussaat ist still; denn die Hoffnung duldet keinen Lärm. Die Ernte ist festlich; also sei sie gefeiert." Kaum inniger könnte die lebenswahre Gewißheit gedeutet werden, daß Arbeit und Freude Symbol der erdverbundenen Kraft und Ewigkeit sind, als durch diese schlichten Sätze des rheinischen Dichters Heinz S t e g u w e i t. Noch sind nicht alle Früchte heimgebracht. Noch geht es auf den Aeckern um die Mühen eines ganzen Jahres. Aber längst schon haben die hochbeladenen Wagen das Korn in die Scheune getragen, ist das einsilbige Geräusch des Dresch-Motors verstummt. Der Pflug zieht schon wieder Furche um Furche
Der Nebel steigt, es fällt das Laub; Schenk ein den Wein, den holden! Wir wollen uns den grauen Tag Vergolden, ja vergolden.
Wohl ist es Herbst; doch warte nur, Doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht, Es steht die Welt in Veilchen.
Die blauen Tage brechen an; Und ehe sie verfließen, Wir wollen sie, mein wackrer Freund, Genießen, ja genießen!
WAppurdvorm-c- Fröhling
■ Uvl Ql U Lebensrnittel Gießen, Bahnhofstr.51.Ruf 4069
Schiffenberg
Täglich frischen Zwetschen- und Apfelkuchen
Süßer Apfelmost
Währ, der Wein-Werbewoche Patenwein
Der Omnibus verkehrt täglich ab Bahnb. Gießen 15.25, ab Selterstor (Gasthaus Lamm) 15.27, ab Ludwigsplatz 15.30 Uhr. sssiv
Reichshauptstadt hat bereits schon über eine Million Liter — das ist rund ein Viertel mehr als 1935 anrollen lassen; nach Schätzung von Weinsachleuten wird Berlin seine Bestände noch erhöhen müssen. Köln beispielsweise bestellte rund 350 000 Liter, und Essen hat sich mit 135 Fuder um 20 Fuder mehr als 1935 eingedeckt. Das ist in der Tat em „Großangriff" auf die Patenorte, deren Schatze stellenweise schon restlos geräumt sind.
Wer nicht sät, kann nicht ernten. Aber wer nicht ernten kann, kann künftig auch nicht säen. Das ist Gesetz, das sich jahrtausendelang in Brot und Wem erfüllt hat. Saat ist Hoffnung, und Ernte ist Freude, und Winzer wissen darum. Deshalb dürfen und sollen sie feiern. Sie feiern aber durch Ernte und in Ernte, und nicht durch Verzehr. Das ist das Wunderbare des Bauerntums: In der
für neue Saat. .
An den Hängen der Weinberge an Rhem und Mosel, und wo immer die Rebstöcke angepflanzt werden, kocht in den reifenden Trauben der werdende Wein. Weinherbst in deutschen Landen! Das ist das Fanal der Freude. Die Seligkeit, die der Wein zu geben vermag, liegt den Winzern im Blut und gleitet über aus die Millionen Volksgenossen, die Anteil nehmen an der fröhlichen Lese-Stimmung. Auch in diesem Jahre folgen sie freudig dem Rus der Weinwerbewoche, die aus volkswirtschaftlichen, aber auch aus sozialistischen Motiven in der Zeit vom 19. bis 27. September veranstaltet wird.
Wein und Brot — sie gehören zusammen wie Körper und Geist. Uns ist das Brot Sinnbild der unermüdlichen Arbeit — „unser tägliches Brot gib uns heute" — der Wein aber ist das Freudengeschenk Gottes, durch das alles Schaffen die Schwere des Alltags verliert. Ein alter, lebens- weiser Mann sagte mir einmal, als im reichgefüllten Keller an der Mosel Marke und Jahrgang manches edlen Tropfens probiert wurden: ,Kaue den Wein, und vor allem iß Brot dazwischen. Dann erfüllst du ein himmlisches Gebot." Denn ein einfaches Stück Brot sorgt dafür, daß die Zunge kritisch und aufnahmebereit bleibt, die Vorzüge der Lagen und Sorten einzuschätzen; es hält den Kopf klar. Das zeigt den wunderbaren Zusammenhang von Wein und Brot, die beide erst durch harte Mühen werden und deren Ernte überall das Zeichen zum Beginn der schönsten Volksfeste des Jahres find.
Von Beginn der Lese an, also von Mitte September bis zum Spätherbst lösen in den verschiedenen Orten des Weinbaus die Feste einander ab. Aber auch für die Volksgenossen im übrigen Reich sind schon im Vorjahre und 1934 aus Anlaß der Weinwerbewoche musische Darbietungen durchgeführt worden, die an Freud und Leid der Winzer anknüpfen. In diesem Jahr ist von den beteiligten Organisationen, vor allem vom Reichsnährstand und der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", das Programm bedeutend erweitert worden. Das „F e st der deutschen Traube" will ein Fest der deutschen Freude sein, das zugleich einem ehrbaren und fleißigen Stand, den Winzerst, wirtschaftlich hilft. Das ist nötig; denn der Weinabsatz läßt naturgemäß oft zu wünschen übrig. Es ist ja nun einmal so, daß die Weinfreude hinter den Notwendigkeiten des täglichen Lebens zurückstehen muß, weil in vielen Familien die Mittel dazu fehlen. Durch die Weinwerbewoche, in der ein guter Tropfen schon für wenig Geld ausgeschenkt wird, ist es jedem möglich, ein Gläschen zu trinken oder gar in gemütlicher Runde eine Flasche zu entkorken.
Denn Weingenuß — das kann nicht genug betont werden — ist kein Luxus! Vom Weinbau und
in Wieseck 6807d wozu ergebens! einladet
Gastw. Wilhelm Dorfeld
Patenwein! 5g]7D
Besuchen Sie auch während der Wein-Werbewoche die idyllisch an der Lahn gelegene[6m4D
Pulvermühle
Im Ausschank: Patenwein I
Rheingau - Weingau!
Von Franz Höften.
Der Rheingau ist ein Land, das man sich unter fegenden Hagelschauern, in starrendem Frost nicht vorstellen kann; nein, auf dieses gesegnete Stück Erde muß ewig warmer Sonnenschein herabstrahlen, um an Hügeln und Halden die schwellende Traube zu reifen. Groß ist das Gebiet des Gaues nicht; die ganze Weinbaufläche am rechten Rheinufer von Biebrich bis Aßmannshausen umfaßt nur etwa 7000 Morgen, ist also kleiner als manches ostpreußische Landgut. Aber in diesen engen Grenzen die gleichwohl im Jahr 85000 Hektoliter Wein erzeugen, drängen sich Namen von höchstem Klang, liegt die Krone des Rheingaues, Schloß Johannisberg, liegt der S t e i n b e r g , lachen uns Namen wie Markobrunn, Rüdes- heim, Rauenthal, Aßmannshausen verheißungsvoll an. In malerischem Wechsel breiten sich die Weingärten, „Wingerte" genannt, zwischen Bergen und Tälern, Burgen und Kapellenhügeln, Städten und Dörfern am Nheinufer aus, eine durch Gärten und Rebengrün unterbrochene, fortlaufende Uferstadt des Stromes.
Dieser bunten Schönheit der Landschaft entspricht die Eigenart des Rheingauers. „Mein Haus liegt außerhalb des alten Städtchens am sonnigen Abbang, wo man den Rheingau hinauf und hinunterschaut; Türme und Felsen schwimmen in bläulichem Duft, durch welchen das breite Wasser zieht. Hinter dem Garten legt sich der Wein an den aufsteigenden Berg, und oben steht eine Kapelle unserer lieben Frau, die weit über das Land hinschaut und sich ins letzte Abendrot taucht. Dicht daneben habe ich ein kleines Lusthguschen gebaut und unter demselben ein Kellerchen in den Stein gehauen, wo stets ein Dutzend Flaschen klaren Weins liegen. Wenn ich nun einen neuen Silberkelch fertig habe, so steige ich, ehe ich die innere Vergoldung anbringe, hier hinauf und lerne das Gefäß drei- oder viermal auf das Wohl der Heiligen und aller frohen Leute" — so.treulich und lebendig läßt Gottfried Keller den „Gottesmacher" im „Grünen Heinrich" Land und Leute seiner rheingauer Heimat schildern und gibt damit ein sprechendes Bild der heiteren, lebensfreudigen Art des rheingauischen Volkes. Der Wein ist das Lebenselement im Rheingau und das Maß aller Dinge, der Wohlstand des einzelnen wird mit der Frage bemessen: „Wieviel Wein macht er?"
Die Weine des Rheingaus sind Geschlechter einer alten Aristokratie, von denen hier nur die hervorragendsten genannt seien. Um die Krone streiten sich die edlen Herren vom Schloß Johannisberg und vom Steinberg; beide in ihrer Art einzig und unübertrefflich; der Johannisberger ausgezeichnet durch sein unvergleichliches Bukett, von dem man behauptet, daß es nach Entkorkung einer einzigen Flasche einen ganzen Raum durchlüfte, der Steinberger durch Feuer, Fülle und Kraft. In den besten Jahren übertreffen die Auslesen beider Weine an Süße, Gehalt und Gewürz alle Weine der Welt.
Ein kluger Kirchenfürst, Erzbischof Ruthardt von Mainz, war es, der im Jahre 1106 auf der damals kahlen Höhe des Johannisbergs ein Kloster der Benediktiner gründete, also des Ordens, der als der stärkste Kulturbringer des 9. und 10. Jahrhunderts in Deutschland gilt. „Sankt Benedikt und seine Schüler haben die bauliche Anlage ihrer Klöster wohl verstanden. Land ab, Land auf, so irgendwo eine Ansiedlung steht, die gleich einer Festung einen ganzen Strich beherrscht, als Schlüssel zu einem Tal, als Mittelpunkt sich kreuzender Heerstraßen, als Hort des feinsten Weinwuchses, so mag der
SOLDAN
ladet zur
WEIN-WERBEWOCHE ein.
RESTAUBATIOBT ZUM ALTEM SCHLOSS Kanzleiberg 5 — Fernruf 3786
Stimmung MMM»


