Wüstensahrt im Auto.
Äon unserem Ho.-Berichterstatiei
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Haifa, im Sommer 1936.
Vierzehn Tage erhalte ich nun schon die Auskunft, daß mir mit Sicherheit immer noch kein Platz in einem der Flugzeuge der drei Bagdad berührenden europäischen Linien zugesagt werden kann, da alles von den Ausgangspunkten Kalkutta, Batavia oder Saigon aus schon belegt ist. Im all- gemeii^en wartet man dann hier, bis ein luftkranker Passagier herausgesetzt werden muß. Dann wird man angerufen und muß sich für den nächsten Morgen startbereit halten. Vierzehn Tage Wartezeit genügten mir, und ich entschloß mich dann, den sogenannten Wüstenexpreß, der zweimal wöchentlich zwischen Bagdad und Damaskus verkehrt, zu benutzen und von Damaskus nach Haifa, wo ich einen Dampfer nach Athen bekommen sollte, in einem gemieteten Auto weiterzufahren.
Also, Platz für den Wüstenexpreß belegt und gleich in Bagdad einen Wagen bestellt, der mich von Damaskus nach Haifa bringen soll. Beim Bestellen und Bezahlen dieses Wagens machte man mich in dem Büro gleich darauf aufmerksam, daß der Manager der Gesellschaft in Damaskus als der größte Gauner dort bekannt sei und er mir unter der Vorgabe der Unruhen in Palästina vielleicht die Herausgabe eines Wagens verweigern würde. Ich sollte mich aber auf nichts einlassen, sondern in diesem Fall auf arabische Sitten zurückgreifen. Wie gut, daß man mir diesen Rat gegeben hatte, denn ich hatte ihn bald nötig.
Wüstenautofahrt um sechs Uhr morgens im Bagdader Flughafen; um fünf Uhr muß alles da fein, denn das Gepäck muß gewogen und verstaut werden. Das Ungeheuer steht bereits dort, und der Leiter der Gesellschaft hat ein Büro zur Abfertigung der Reisenden und des Gepäcks aufgeschlagen. Am Wagen selbst ist ein genauer Plan für die Platzoerteilung mit den Namen angebracht, so daß es keines langen Suchens bedarf. Der Wüstenexpreß, ein dreiachsiger Wagen von mehr als zwanzig Meter Länge, ganz aus Stahl. Am Eingang rechts die Kühl- und Wasserräume, in denen auch ein eiserner Bestand an Lebensmitteln aufgehoben wird, denn es kann bei einem Sandsturm immer mal vorkommen, daß man einige Tage unterwegs liegen bleibt, ebenso bei einer schweren Panne, und dann muß vor allem Wasser da sein. Wasser ist das Wichtigste in der Wüste.
Punkt 6 Uhr Abfahrt. Noch eine Stunde sieht man hier und da am Weg, denn wir haben noch eine richtige Fahrstraße, bewohnte und verlassene Siedlungen, Palmen und etwas Grünes, und dann hört es auf. PZüste. Gegen 10 Uhr erreichen wir die Oase Ramadi, die gleichzeitig Polizeistation ist und ein Hotel, sogar nach europäischen Begriffen, wenn man bescheiden ist, aufweist. Eine Viertelstunde Pause für die, die noch nicht gefrühstückt haben. Sie wird ausgenutzt und dann geht's weiter. Bald ist keine Straße mehr erkenntlich, und man muß sich tvundern, wie die Fahrer aus der mehrere Kilometer breiten Spur die richtige noch heraus
finden. Aber mit einer bewundernswerten Sicherheit finden sie die alle zehn englische Meilen stehende schwarz-weiße Stange, die den Weg und die Richtung angibt. So geht's Stunde um Stunde, gegen Mittag wird kurz gehalten; einmal für die Damen, einmal für die Herren. Die Chauffeure wechseln sich am Steuer ab. Nichts — nichts mehr zu sehen, nur noch Sand. Man zieht die Sessel aus und einer nach dem anderen schläft ein. Plötzlich ein eiliges Hin und Her, man wird wach. Was gibt's? Der Stuart läuft durch den Wagen und schließt die Fenster fest und verschraubt sie. Es ist fast dunkel geworden, um diese Zeit das erste Zeichen für einen aufkommenden S a n d st u r m. Bald ist er auch da, der Wagen muß halten, denn man sieht keinen Meter weit, und beim Einschalten der Scheinwerfer sieht der Fahrer nur das Spiegelbild des Wagens. Gott sei Dank, nach einer halben Stunde ist er vorüber. Aber die Temperatur ist unerträglich geworden, die zehn Ventilatoren des Wagens bringen auch keine Kühlung mehr, und der Stuart kann die Wünsche nach eisgekühltem Wasser kaum befriedigen. Gegen sieben Uhr sehen wir dann in einiger Entfernung einzelne Bäume, eine Ziegelmauer und eine Flagge.
In einer Viertelstunde sind wir dort. Die Oase R u t b a , Polizcistation, Flugstützpunkt und Haltestelle der Wüstenwagen. Eine Stunde Pause. Dor der Nachtfahrt soll noch gegessen werden, denn dann geht es ohne Halt nach Damaskus. Ein gutes Essen und auch gutes englisches Bier gibt's. Dann wird zur Abfahrt ausgerufen. Man legt sich hin, soweit es die ausgezogenen Sessel gestatten, der Wagen wird verdunkelt und bald schläft alles.
Um 4 Uhr wird die französische Grenzstation an der syrischen Grenze erreicht, keine Formalitäten für uns, alles erledigen die Chauffeure, so daß man sich schon etwas zurechtmachen kann. Nach einer Stunde geht es weiter. Bald sehen wir rechts und links wieder Palmen und Olioenbäume, Felder mit Salat und anderen Pflanzen. Die ersten Häuser der Vororte von Damaskus tauchen auf und um 6 Uhr erreichen wir den Bahnhof des Wüsten- conooys. Gepäck wird ausgeladen und bald sind wir hier fertig.
Nach einiger Zeit finde ich dann auch den Manager der Autogesellschaft, bei der der Wagen für mich bestellt und auch bereits bezahlt war. Zunächst freundlich, liebenswürdig, und er verspricht mir meinen Wagen für 7 Uhr. Ich fahre zum Hotel, um mich frisch zu machen und zu frühstücken. Ich sitze noch im Bad, da erscheint er, will mich dringend sprechen. Was ist los? Schnell fertig gemacht, dann heraus. Er erzählt mir eine lange Geschichte. Er habe mit Haifa gesprochen, die Straße sei so unsicher, daß er mich nicht fahren lassen könne. Ich solle warten. Hier nutzte mir der Rat, den ich in Bagdad wegen des Gauners und der arabischen Sitte bekommen hatte. Erst freundlich zugeredet, nutzt nichts, dann eine Tracht Prügel, und er versichert mir, daß er alles tun will, um einen Wagen zu bekommen, und er verschwindet. Ich sitze beim Frühstück, er erscheint wieder und beteuert, daß kein arabischer Chauffeur mich fah
ren will, da die Strecke zu gefährlich sei. Erneute Prügel mit einem kleinen Hinweis auf das Krankenhaus. Er verschwindet. Fünf Minuten vor 7 Uhr erscheint er freudestrahlend am Frühstückstisch und sagt: Sahib, dein Wagen steht bereit! Also es ging doch. Und der Grund, weshalb ich keinen Wagen gleich haben sollte. Ein Schwede hatte bei der gleichen Gesellschaft bestellt und bezahlt, konnte aber erst mittags weiterfahren, da er noch kein Visum für Palästina hatte. Die von diesem Herrn bezahlten vier Pfund wollte er in die eigene Tasche stecken und uns zusammen einen Wagen geben.
In einer Stunde ist die Grenze erreicht. Vor mir ein Wagen, der nach der Zollabfertigung eine Flagg« am Kühler festmacht. Ein Einheimischer
steht interessiert dabei. Schüttelt den Kopf und meint: „Ob die genügend Schutz bieten wird. Sie sehen zu jüdisch aus." Ich befestige einen Haken» kre uzwimpel zwischen Kühler und Scheinwerfer. Die Leine war zu kurz, und er besorgte, als er meinen Kummer sah, schnell das fehlende Stück. Dann meinte er, daß wir damit ganz sicher führen und keine Angst zu haben brauchten. Und recht hatte er. Nicht nur das, sondern viele Araber, die uns am Weg begegneten und die Flagge erkannten, hoben die Hand zum Gruß.
Um 12 Uhr erreichte ich dann Haifa und sand auch bald meinen Dampfer, der mich nach Athen bringen sollte.
Buntes Allerlei.
A ie deutsche Blumenbücher.
Das Buchmuseum der sächsischen Landesbibliothek veranstaltet eine Ausstellung „Alte gemalte Blumen", über welche die bei F. Bruckmann in München erscheinende Zeitschrift „Pantheon" berichtet. Es ist eines der reizvollsten und trotzdem un- durchforschtesten Kapitel aus der Geschichte der deutschen Illustration. Denn auch vor und nach der vielberühmten Anna Sybilla Merian, der unerreichten Malerin der deutschen Blumen und der exotischen Raupen und Schmetterlinge, gab es in Deutschland eine botanische Kunstgelehrsamkeit von höchster Kultur des Handwerks und leidenschaftlicher Hingabe an die schöne Welt der Pflanze. Dahin gehört Peter Schössers, des Mitarbeiters von Gutenberg, „Erstes Kräuterbuch" von 1484 und vor allem Leonhart Fuchsius' meisterhafte Holzschnitte seines „Neuen Kräuterbuches", 1542, deren lineare Klarheit und Charakterfülle nicht zu überbieten ist. Basilius Beslers gewaltiger „Kortus Eystettensis", das großartige Blumenbuch des Eichstätter Bischofs Johann von Gemmingen läßt schon das Verhältnis des Barocks zur gewachsenen Naturschünheit spüren. Wie es dann in Jos. Furttenbachs architektonischen Gartenanlagen zu einem neuen Stil der Raumkunst im Freien geführt hat. Georg Dionys Ehret aus Heidelberg hat, ein Jahrhundert später, mit dem Botaniker Chr. I. Trew aus Nürnberg Blumen mit geradezu ausschweifender Schmuckfreude gemalt und veröffentlicht. Ein Unikum schließlich ist der riesige Codex botanicus des gekrönten Botanikers Friedrich August von Sachsen: alle Blumen des Pillnitzer Schloßgartens sind hier, in Lebensgröße, verewigt.
San Marco in Gefahr.
Der Betrag von 300 000 Mark wurde, wie aus Rom berichtet wird, durch ein königliches Dekret ausgeworfen, um die berühmte Basilika von San Marco in Venedig vor der Gefahr des Einsturzes zu retten. Dabei wird von der „absoluten und dringenden Notwendigkeit" der Maßnahme gesprochen. Die ersten Alarmrufe über den Bauzustand wurden vor etwa fünf Jahren laut. Baumeister waren seit langem beunruhigt über die Risse im Mauerwerk dieses berühmten Bauwerks aus dem 11. Jahrhundert, das sich auf den Grundmauern aus dem
9. Jahrhundert erhebt. Die Risse erschienen in den Mauern und Säulen, die die goldenen Kuppeln, das Wahrzeichen und den Stolz Venedigs, tragen. Im Jahre 1932 stellte man fest, daß das ganze Gebäude von der Gefahr des Einsturzes bedroht war. Die Wiederherstellungsarbeiten wurden mit großen Mitteln, die von der Regierung bewilligt waren, in Angriff genommen. Trotz allen Bemühungen hat man jetzt festgestellt, daß die Gefahr noch immer nicht behoben ist. Die neuen Mittel, die jetzt bewilligt wurden, sollen zu einer durchgreifenden Wiederherstellung und Erhaltung von den Grundmauern aus verwendet werden.
Wetterbericht
des Relchswetterdienfies. Ausgabeort Frankfurt.
Die Aufheiterung hat sich im Laufe des heutigen Vormittags über ganz Deutschland ausdchnen können und bei kräftiger Sonneneinstrahlung wurden Temperaturen von 25 bis 30 Grad Celsius erreicht. Die Warmluftzufuhr bzw. der damit verbundene kräftige Druckfall bedingten im Zusammenhang mit dem Vorstoß des vor Spanien gelagerten Wirbels nach Großbritannien eine Zufuhr frischer Meeresluft; damit setzten im Kanal heftige Westwinde ein, die in der vergangenen Nacht in Nordwestdeutschland bereits zu gewittrigen Störungen führten. Da aber von Frankreich her der Luftdruck wieder kräftig ansteigt, ist eine Wiederherstellung des unfreundlichen Witterungscharakters der vergangenen Woche nicht zu befürchten, doch ist andererseits ein völlig störungsfreies Wetter unwahrscheinlich.
Aussichten für Sonntag: Abwechselnd bewölkt mit häufiger Aufheiterung, nur ganz vereinzelte Schauer, lebhafte westliche Winde, angenehm warm.
Aussichten für Montag: Im ganzen freundliches Meter mit-erneuter Aufnahme der gewittrigen Störungen.
Lufttemperaturen am 17. Juli: mittags 25,4 Grad Celsius, abends 20 Grad; am 18. Juli: morgens 19,5 Grad. Maximum 26,7 Grad, Minimum heute nacht 14,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 17. Juli: abends 22,5 Grad; am 18. Juli: morgens 18,1 Grad. — Sonnenscheindauer 13,6 Stunden.
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