Nr. §1 Erstes Vlatt
186. Jahrgang
Dienstag, 18. Zebruar 1936
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Weffmienimd-asAbendland
Äon Otto Corbach.
Abessinien begann für das Abendland eine besondere Rolle zu spielen, als die sagenhafte Gestalt des „Priesters Johannes" nach jahrhundertelangem Irrlichterieren über Mittel- und Südasien in diesem Berglande gleichsam seßhaft geworden war. Von der Mitte des 12. Jahrhunderts an waren immer häufiger Nachrichten nach dem Westen gelangt, die von wunderbaren Waffentaten eines mächtigen christlich-orientalischen Priesterkönigs im Kampfe gegen die Mongolen zu melden wußten. Das durch die Mißerfolge der Kreuzzüge gedemütigte Europa atmete auf. Sollte man nicht im Bunde mit einem mächtigen christlichen Herrscher in Asien der Bedrohung durch Araber, Türken und Mongolen Herr werden können? Missionare und weltliche Abenteurer machten sich auf den Weg, das Reich des „Priesters Johannes" zu entdecken und mit diesem Fühlung zu nehmen. Auch die Polos stellten solche Nachforschungen an. Mutmaßungen verdichteten sich zu Behauptungen, aber man kam doch nie zu bestimmten Feststellungen. Möglich, daß es im 12. Jahrhundert ein mittelasiatisches Staats- oebilde gab, von dem diese Legendenbildung ihren Ausgang nahm. Dann ging es wahrscheinlich in den Mongolenstürmen zugrunde. Doch fuhr der Geist des verschollenen Priesterkönigs fort, im abendländischen Vorstellungsleben zu spuken. Schließlich glaubte man Abessinien endgültig als sein Stammland bestimmen zu können. Vielleicht, weil man den Gruß, den die Abessinier dem Negus zu entbieten pflegen, mißverständlich deutete: „Abiet Djan Hoi" (Abiet = Priester; Djan = Herrscher; Hoi = O Herr!).
So kam Abessinien zu der unverdienten Ehre, im Abendlande als der natürliche Verbündete im Kampf gegen den Islam betrachtet zu werden. Die weltpolitischen Erwägungen, die den Sohn des portugiesischen Königs Joao L, Dom Henrique (geboren 1394) bewogen, einen, von Mittelmeer- und Orient-Handelsvölkern unabhängigen Weg nach Ostindien zu suchen, drehten sich hauptsächlich um den Wunsch, an dem „Reich des Priesters Johannes" einen festen Rückhalt für die Ueberwin- dung der Islam-Gefahr zu gewinnen. Auf den Weltkarten, die den letzten Jahrzehnten des 14. und der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts angehören, wurde nach Lehren, die schon die Geographie der Antike verfocht, der Lauf des Nils südlich der Sahara w e st w ä r t s geführt, bis er an der Westküste Afrikas, in der Gegend der heutigen Senegal- münbung, den Atlantischen Ozean erreichte. Noch weiter südlich zeigen einige dieser Karten, wohl auf Grund arabischer Vorbilder und gestützt durch Nachrichten aus dem Altertum, verhältnismäßig richtige Vorstellungen über den Verlauf der afrikanischen Küste vom Golf von Guinea um das Kap der Guten Hoffnung nach Ostafrika, und dies für Gegenden, die das Abendland erst zu Ende des 15. Jahrhunderts durch die portugiesischen Entdeckungsfahrten kennenlernte.
Die Hoffnung, auf dem gemutmaßten Wasserwege quer durch Afrika zum Lauf des Nils und nach Abessinien zu gelangen, schlug fehl, aber so hartnäckig verfolgte man dieses Ziel, daß, als später Vasco da Gama seine erste Fahrt unternahm, die ihn um das Kap der Guten Hoffnung nach Indien führte, ihm Schreiben an den Priester Johannes mitgegeben wurden. Als feine Schiffe in der Bucht von Mozambique vor Anker gegangen waren, erzählten Mauren, daß der Priester Johannes nicht weit von hier wohne; feine Residenz könne man auf Kamelen reitend erreichen: „Diese Auskunft", heißt es in dem Bericht eines Teilnehmers, „machte uns so glücklich, daß wir vor Freude jubelten und Gott baten, er möge uns Gesundheit schenken, damit wir unser so heiß ersehntes Ziel erreichen könnten."
Abgesandte Portugals kamen bald nach Abessinien und knüpften freundschaftliche Beziehungen zum Negus Negesti, dem „König der Könige" an, aber die Hoffnung auf eine wirksame Bundes- genossenschaft im Kampfe gegen den Islam schlug lehl. Gerade das Gegenteil trat ein. Um 1530 sammelte Mohammed Guranje, ein fanatischer Muslim, die Aferstämme des abessinischen Tehama, aber auch Somali und Galla um sich und brachte mit ihnen das „Haus Salomos" in solche Bedrängnis, daß es die Portugiesen um Hilfe anflehen mußte. Ein Haufe tapferer lusita- uischer Armbrustschützen und Arquebusiere unter Führung des Dom Christavao da Gama erschien Twd) rechtzeitig auf dem Schauplatz, schlug und tötete den Guranje und jagte seine Scharen, soweit "fie nicht aufgerieben wurden, zum Lande hinaus. Der „Thron Salomos" war gerettet; Galaudiös (Claudius) wurde zum Negus Negesti erhoben. Die Portugiesen forderten als Lohn Land und die Anerkennung des Papstes als eines Oberhirten der abessinischen Kirche. Galaudiös verweigerte dies "unb schickte die hereingekommenen Jesuitenmissio- ^are wieder heim. Unter dem Negus Soltan geggeb faßten die Jesuiten neuerdings festen 8uß und entfesselten religiöse Wirren im äthiopi- Ichen Berglande. Im Jahre 1632 wurden sie abermals vertrieben, ihre Anhänger verfolgt.
Das „C h r i ft e n t u m", das die Portugiesen in Abessinien davor bewahrten, schon im 16. Jahrhundert vom Islam verschlungen zu werden, war um 450 durch den Apostel Frumentius aus Alexandria eingeführt worden. Die Bibel wurde in ^as Geez, den damals verbreitetsten Dialekt, der leute nur noch als Kirchenfprache fortlebt, übersetzt. Auf Grund ihrer Herkunft aus Alexandrien ist die abessinische Kirche ein Ableger der kopti- ch e n; folglich ist sie monophysitisch, indem fie
Die Wahlüberraschung in Spanien.
Linksruck, aber anscheinend keine klare Entscheidung.
Die Wahlen zu den Cortes, dem spanischen Parlament, haben ein überraschendes Ergebnis gehabt. Die Führer der Linksparteien wissen selbst nicht, wie sie zu ihrem unvermuteten Sieg gekommen sind. Noch kurz vor der Wahl hatten maßgebende marxistische Abgeordnete überlegt, ob es nicht angesichts der drohenden Niederlage besser wäre, die Wahlen zu boykottieren. Auch die Drohungen der linken republikanischen Union an die Adresse der Regierung, daß man auf der Linken einen Sieg der Rechtsparteien nicht hinnehmen werde, lassen erkennen, daß man im Lager der heutigen Sieger vor der Abstimmungsschlacht keinesfalls sehr hoffnungsfreudig gestimmt war.
Es ist in der Tat sehr schwer vorstellbar, welche Motive die spanischen Wähler bewogen haben mögen, Parteigruppen ihre Stimme zu geben, die verantwortlich oder mitschuldig waren für die blutigen Aufstände in Katalonien und die kommunistischen Greuel in Asturien. Gerade aber in diesen Gebieten, die den Mangel einer starken Zentralgewalt seit Einführung der republikanischen Staatsform am meisten zu spüren hatten, konnten die Linksparteien ihre größten Erfolge erzielen. Mögen dabei aus Moskau stammende Bestechungsgelder vielleicht eine Rolle gespielt haben, mag andererseits die Furcht vor einer möglichen Rückkehr der reaktionären Herrschaft die Bevölkerung zur Wahlurne getrieben haben — jedenfalls hat diese Cortes-Wahl mit ihrem Linksruck nur das eine Ergebnis gehabt, daß die innerpolitischen Machtverhältnisse in Spanien heute u n- geklärter sind denn je.
Das spanische Parlament zeichnet sich ja in ganz besonderem Maße durch Zersplitterung und Unübersichtlichkeit der in ihm vorhandenen politischen Kräfte aus. Diese Schwäche ist durch den Sieg der Linken nur noch vermehrt worden. Denn es ist jetzt weder eine reine Linkskombination noch eine reine Rechtskombination möglich. Wie die etwa 450 Abgeordnetensitze der Cortes im einzelnen verteilt werden, läßt sich zwar noch nicht genau feststellen, es ist aber schon jetzt klar, daß nur eine Koalitionsregierung nach bekanntem Muster einige Aussicht auf eine längere Lebensdauer haben wird. Die parlamentarische Mitte, die aus den Zentristen und Progressisten gebildet wird und auf
die sich die bisherige Regierung Portela-Valadares in der Hauptsache stützte, bildet das Zünglein an der Waage. Ihrer im ganzen antirevolutionären Haltung entsprechend wird sie jedoch einer Koalition mit den Rechtsparteien, also der Katholischen Volksfront des Gil Nobles, den Monarchisten, den Agrariern, den Rechtsradikalen, den konservativen Republikanern, der Erneuerungspartei und der katalanischen Liga, den Vorzug vor einer nach links orientierten Regierung geben.
Die Eifersucht zwischen den verschiedenen Parteigruppen sowohl auf der linken als auch auf der
rechten Seite ist jedoch so groß, daß mit st a b i • [en Regierungsverhältnissen in absehbarer Zeit nicht gerechnet werden kann. Die große, vielbesprochene Entscheidung zwischen rechts und links, die eine ruhigere Periode des politischen Lebens in Spanien hätte einleiten können, ist durch die Wahlen vom 16. Februar 1936 wiederum vertagt worden. Im höchsten Maße bedenklich ist auch das Anwachsen der katalanischen Autonomisten, das vielleicht den Anlaß gibt zu neuen gewaltsamen Loslösungsbestrebungen vom spanischen Staatsgefüge.
Die Regierung sucht die Ordnung ausrecht zu erhalten.
Madrid, 17. Febr. (DNB.) Der Ministerrat hat am Mittag beschlossen, über ganz Spanien den Alarmzustand zu verhängen. Der Ministerpräsident wurde ermächtigt, den Kriegs- zustand in den Provinzen zu erklären, wo diese Maßnahme notwendig erscheint; dies ist i n Huesca und Cadiz geschehen. Die Familie des Staatpräsidenten hat ihre Privatwohnung verlassen und ist in den N a t i v n a l p a l a st übergesiedelt, um Belästigungen aus dem Wege zu gehen. Ministerpräsident Valladares teilte Montagabend der Presse mit, daß in ganz Spanien Ruhe herrsche. Nur an einigen Orten hätten p o- litische Ansammlungen stattgefunden, die aber von der Polizei mühelos aufgelöst werden konnten. In Valencia seien die Gefangenen aufrührerisch geworden. Mit Hilfe von Polizeikräften seien sie aber wieder zur Ordnung gebracht worden. In Alicante habe die Menge ein Lepra-Hospital gestürmt und die Aussätzigen freigelassen. Der Ministerpräsident glaubt, daß sich die Massen der Linken nach dem ersten Siegestaumel beruhigen werden. Die Regierung, die vorläufig noch auf ihrem Posten stehe, werde jeden Versuch der öffentlichen Ruhestörung mit allen Mitteln unterbinden.
Der spanische Sozialistenführer Largo Cabal
lero hat dem Havas-Vertreter in Madrid erklärt, der Ministerpräsident habe auf sein Ersuchen die Wiedereröffnung der „Volkshäuser" in Spanien zugelassen. Zahlreiche politische Gefangen würden ab Montagnachmittag aus den Gefängnissen und Strafanstalten entlassen werden. Den politischen Flüchtlingen sei die Rückkehr nach Spanien gestattet worden. Seinerseits habe der Vollzugsausschuß des Madrider Dolkshauses zugefagt, die Arbeiter zur Fortsetzung der Arbeit und zur Aufrechterhaltung der Ruhe anzuhalten.
Spanische Flüchtlinge in Gibraltar.
Paris, 18. Febr. (DNB. Funkspruch.) Nach einer Havas-Meldung find in Gibraltar über hundert spanische Persönlichkeiten eingetroffen, die ihr Land nach dem Bekanntwerden des Wahlergebnisses verlassen haben. Unter den Flüchtlingen, die der Ansicht seien, daß in Spanien große Unruhen beoorsländen, befinde sich auch der frühere spanische Innenminister im Kabinett Lerroux, Eloy Vaquero. Die Hotels in Gibraltar seien bis auf den letzten Platz besetzt. Trotzdem liefen noch über Hunderte von telephonischen Anfragen nach Hotelzimmern ein.
Die Schlacht bei Enberta.
Weittragende Auswirkungen des italienischen Sieges am Aradamberae.
Eine Schlüsselstellung erobert
I.
Zwei italienische Armeekorps haben den Ara - d a m genommen, eine steil abfallende Hochebene, und sind nach der Besetzung dieses Berges jetzt in der Linie Antalo-Belesa. Damit ist strategisch eine Zersprengung der abessinischen Umklammerung von Makalle erreicht worden und von dieser Seite aus wenigstens eine Bedrohung der Provinz Tem- bien durch abessinische Truppen nicht mehr möglich. Die Kämpfe, die in schwerem Regen stattfanden — die Dorregenzeit hat bereits eingesetzt — richteten sich gegen die Stellung des ehemaligen abessinischen Kriegsministers M u l u g u e t a, dessen Front von Sagoda über Schelicot, den Aradamberg, Scheli bis nach Negunda reichte. In diesem Gebiet haben sich die Kämpfe abgespielt. Die nach Westen daran anschließende Truppe des Ras Kassa, ferner die nordwestlich sich daran gliedernde Armee des Ras Seyum und die fast mit der Front nach Osten stehende Gruppe des Ras I m r u, die allein 20 000 Mann zählen soll, sind nicht ins Gefecht gekommen. Diese drei Gruppen flankieren fast das Tembien-Gebiet mit Addi Abbi. Der Stoß der Italiener gegen die Gruppe Mulugueta hatte wohl das Ziel, an einem entscheidenden Punkt, gewissermaßen dem Drehpunkt der ganzen Front, durchzustoßen, um
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so rückgängige Bewegungen der anderen abessinischen Truppen auszulösen und damit eine Veränderung der ganzen Lage herbeizuführen.
Die Kämpfe im Tembien-Gebiet begannen mit heftigen Gefechten, die Ras Jmru, nach seinen Erfolgen im Takazze-Tale, den Italienern lieferte. Diese Kämpfe nahmen die letzten Wochen hindurch einen heftigen Charakter an, ließen die Abessinier aber nicht Boden gewinnen. Die mittleren Gruppen des Ras Seyum und des Ras Kassa blieben verhältnismäßig untätig, ebenso die östlichste Gruppe Muluguetas, auf die jetzt der italienische Donnerschlag fiel. Der strategische Zweck der italienischen Bewegung liegt also auf der Hand. Indem die östliche Gruppe Muluguetas eine Niederlage erlitt, muß die ganze nach Nordwesten reichende Front der Abessinier zurückgenommen werden, wobei sich vielleicht in der nächsten Zeit noch größere Kampfhandlungen entwickeln werden, als es die Eroberung des Aradam-Berges durch die Italiener an und für sich war. Mit der Besetzung dieses Berges haben die Italiener eine Schlüsselstellung gewonnen, von der aus sie vielleicht die abessinische Front aufzurollen hoffen.
Die Kämpfe um die Eroberung des Aradam mitten im strömenden Regen haben vom 11. bis 15. Februar gedauert. Wenn der italienische Heeresbericht erwähnt, am 14. Februar sei der abessinische Kriegsminister Mulugueta mit rund 9000 Mann regulärer Truppen auf dem Aradam gesichtet wor-
gemäß der Lehre des Bischofs Entyches Christus nur eine (göttliche oder gottmenfchliche) Natur zuschreibt. Das geistliche Oberhaupt der abessinischen Christen, Der „Abuna", wird immer durch den alexandrinischen Patriarchen geweiht. Seit 700 Jahren war noch jeder Abuna ein Kopte, dessen möglicher politischer Einfluß aber durch den „Etscheg e", eine Art nationalen Hohenpriester, ausgeglichen wird, der das ganze Mönchs- und Klosterwesen leitet.
Mit den abendländischen christlichen Bekenntnissen und Kirchen hat das abessinische Christentum wenig mehr als Aeußerlichkei- t e n gemeirt, seinem Wesen nach handelt es sich eher um eine Abart teils des Judentums, teils des Islams. Die Christen in Abessinien haben den Brauch der Beschneidung, huldigen, soweit sie es sich leisten können, der Vielehe, betrachten das Schwein als unreines Tier, essen nur „koscheres" Fleisch, haben so strenge Fastengesetze wie die Mohammedaner und wenden, wie diese, das Antlitz des Toten nach Osten. Wie die Moscheen in mohammedanischen Ländern sind die Kirchen und Klöster des Landes zugleich die Schulen, über die die Debtura, eine Art religiöser Schriftgelehrten-
Kaste, die unbedingte Aufsicht ausüben. Von den Söhnen des Propheten unterscheiden sich die abessinischen Christen unvorteilhaft durch die Ueberzahl an niederen Geistlichen, Mönchen und Nonnen, die sie unterhalten.
Von den 8 Millionen Bewohnern Abessiniens gehören heute schon 3,5 Millionen dem Islam an, und man kann im Lichte der Geschichte des Landes nur annehmen, daß der italienische Feldzug, wie er auch auslaufen möge, der islamischen Propaganda gewaltigen Vorschub leisten wird. Es sind die modernisierten Staaten im mohammedanischen Orient, nicht die europäischen Gegner des neuen Italien, denen es um ihre Anteilnahme an dem nationalen Schicksal der Abessinier wirklich ernst ist. Für das Abendland im allgemeinen ist es beschämend, daß sich Mussolini um die Wette mit dem Negus Halle Selassie bemüht, in den führenden Kreisen der Welt des Islam für sich Stimmung zu machen, während auch die Völkerbundspolitik Englands hauptsächlich darauf berechnet ist, London und Genf als Horte internationaler Gerechtigkeit erscheinen zu lassen, die vor allem das Vertrauen der Jslam-B:kenner verdienten. Nur die gemeinsamen Interessen der
abendländischen Völker sinden keinen wirklichen Anwalt.
Es gibt im britischen wie im französischen Kolonialreich Raum genug, Italien für diejenigen Zugeständnisse zu entschädigen, auf Grund deren sich das abessinische Problem ohne entwürdigende Abhängigkeiten von bolschewistischen und islamischen Machthabern und ohne weitere kriegerische Verwicklung lösen ließe, und wenn die Westmächte den Völkern Mittel - und Südosteuro- p a 5 nicht nur eine wirtschaftliche Erholung, sondern auch einen großmütigen Anteil an den tatsächlichen Möglichkeiten für eine Wiederbelebung des atlantischen Wechselverkehrs gönnten, so würden sie eine entsprechende politische Erstarkung ihres kontinentalen Hinterlandes nicht zu fürchten haben, sondern vielmehr für eine einheitliche abendländische Weltpolitik in Rechnung stellen können. Welche Ironie liegt doch darin, daß Abessinien, aus dem die Portugiesen zu Beginn der Neuzeit ein Bollwerk gegen den Islam zu machen suchten, heute durch die Uneinigkeit Europas ein Bollwerkdes Islams gegen d i e abendländische Kulturwelt zu werden droht!


