r. 15 viertes Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
Samstag, 18. Zanuar (956
Das Kameradfchastshaus
des NG.-Gtudentenbundes in Gießen.
Das Kameradschaftshaus der Hochschulgruppe Tiehen des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes ist eines von den ersten studentischen Kameradschaftshäusern überhaupt. Kurze Zeit nach der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus wurden in Gießen in zielbewußter Zusammenarbeit zwischen dem NSDStB., der Studentenschaft und dem Studentenwerk Gießen die ersten Vorarbeiten für das Gemeinschaftshaus begonnen. Im Wintersemester 1933/34 war das Kameradschafts- Haus soweit vollendet, daß es durch Reichsstatthal- ter Gauleiter Sprenger feierlich seiner Bestimmung übergeben werden konnte.
Aus der zuerst etwas primitiven Einrichtung ist dann im Laufe der Semester durch verschiedene größere Umbauten das Kameradschaftshaus in seiner heutigen Gestalt, die allen Anforderungen entspricht, entständen. Junge, aktivistische Menschen haben hier in sinnvoller Gestaltung ihre Räume nach Helden benannt und, dementsprechend ausgestaltet. Ueber allem steht die Losung des Gießener Kameradschaftshauses „Erst in der Tat erweist sich die Gesinnung". Da bis Lager in einem Teil des Gießener Studentenhause; untergebracht worden ist, so bieten
det entweder Schulung oder Singstunde statt, wo auch die Kameradschaftsabende vorbereitet und die Sprechchöre eingeübt werden. An anderen Abenden wird gemeinsam ausgegangen, oder man vergnügt sich beliebig bei Spiel und Sang im „Heldenkeller". Allmonatlich steigt ein größerer Kameradschaftsabend, der immer unter einem ganz bestimmten Motto steht und auf dem sich die Kameradschaftshausstudenten mit ihren Dozenten vereinigen. Schon oft hatten wir Gelegenheit, im Gießener Anzeiger auf die allgemein bekannten Abende dieser Art hinzuweisen. Punkt 23 Uhr ist Zapfenstreich, und damit ist der Tagesdienst beendet.
Der „Heldenkeller", der aus der früheren Revierstube durch geschmackvolle Holztäfelung umgewandelt wurde, ist wohl der besuchteste Raum des Kameradschaftshauses, denn zu jeder freien Stunde sind hier Studenten zu treffen, die ihre Freizeit durch Kartenspiel, Radiohören und Kanonsingen totschlagen. Musikbegabte Kameraden begleiten die Lieder auf der Laute, oder ein anderer spielt auf dem „Schifferklavier" Soldaten- und alte Kampflieder, oder auch mal eine lustige Weise. Mitunter kommt es auch vor, daß ein besonderer Gönner eine Kameradschaft zu einem kleinen
Umtrunk einlädt, und hier zeigt es sich, daß der „Heldenkeller" sich auch vorzüglich als „Kneipe^ eignet.
Der Samstagvormittag ist dem Sport gewidmet, und außer den Leibesübungen ist Gelegenheit zum Fechten, zum Erlernen des Boxens und des Tfiu-Tfitfu gegeben. Gerade bei der sportlichen Betätigung zeigt es sich, wie gesund und vorteilhaft der allmorgendlich durchgeführte Frühsport sich auswirkt. Am Samstagnachmittag nimmt dann das gesamte Kameradschaftshaus amSA.-Dienst teil. Damit die jungen Studenten ,die alle im
sich den jungen Etudenten manche Vorteile, die sonst nur in wenigen Kameradschaftshäusern zu finden sind, nämlich auser den eigenen Arbeitsplätzen und Wohnräumen nch ein großer Arbeitsraum mit Bibliothek, Musil, Lese- und Spielzimmer, Speisesaal und Tageshlle. Die Verpflegung der Kameraden wird im lahmen der Speisung des Studentenwerkes duchgeführt, da ja das Gießener Studentenhaus übereine der vorbildlichsten und modernsten Großkü>en verfügt und dadurch in der Lage ist, einen owechslungsreichen Speisezettel zu jbitten.
Zur Zeit tft ds Kameradschaftshaus so stark be- leqt, daß noch ne Kameradschaft außerhalb des Gemeinschaftshaies in der Stadt untergebracht ist. Die ganze Beleghaft, die unter der Führung des Hausführers ftel, zerfällt in einzelne Kameradschaften, denen weder ein Kameradschaftsführer vor- steht. der sowoh die weltanschauliche und wissenschaftliche Betreung als auch den Lagerdienst mit zu überwachen hc. Der Hausführer gibt den Dienstplan für die Woce jeweils bekannt, und ganz programmgemäß veaufen die Tage. Der Dienst beginnt nach dem Lecken mit dem Frühsport, dann folgt Waschen, Lttenbau und Stubendienst. Nach der Flaggenhissuz geht's zum Morgenkaffee, der mit einem Morgispruch und einem gemeinsamen Lied begonnen wd. Nach dem Kaffee ist dann die Zeit gekommen, n die Vorlesungen beginnen. Nach Vorlesungsschluß iereinigen sich alle Kameraden kurz nach 13 Uh im Speisesaal zum Mittagessen. Nun folgt eine k-ze Pause, dann ruft wieder die Pflicht und Vorlemgen und Hebungen sind zu besuchen. Wer kollärei hat, überarbeitet seine Notizen oder bereitesich für Seminar oder Hebungen vor. Zum Abendot um 19 Hhr sind die Kameraden alle mieöerierfammelt, und anschließend ftn-
Arbeitsdienst waren, und nicht ihre dort gelernten Fähigkeiten, mit Hacke und Spaten umzugehen, vergessen, sind an manchen Tagen noch praktische Arbeitsstunden eingelegt worden. Zur Zeit ist das Kameradschaftshaus damit beschäftigt, das Oedland, das neben dem Studentenhaus nach der Röntgenstraße zu liegt, zu planieren, um hier einen weiteren Platz für die sportlichen Hebungen zu schaffen und einen Tennisplatz zu errichten. Außerdem betreuen die Kameraden den neu angelegten Garten des Gießener Studentenhaufes und haben da in verhältnismäßig kurzer Zeit fehr schöne Anlagen geschaffen.
Ueber das Wochenende beziehen die einzelnen Kameradschaften abwechselnd das Schulungslager der Gießener Studentenschaft auf dem nahen Gleiberg, um abseits der Hochschule in der freien Natur mitten in herrlicher Landschaft zu aktuellen Tagesfragen und auftauchenden Problemen Stellung zu nehmen. Sehr oft haben sich auch in diesen Kurzlagern einzelne Dozenten eingefunden, die kurze Vorträge übernommen haben und die Aussprache über einige Punkte leiten.
Vor allem wird auf straff-soldatische "Haltung sowohl während des Dienstes, als auch in der Freizeit großer Wert gelegt. Aeußerlich drückt sich dies dadurch aus, daß die Lagerinsassen, die ja alle NSDStB.-Anwärter sind, eine einheitliche Tracht tragen, und manchem wird wohl in unserer Stadt schon diese neue „Kluft" aufgefallen fein. Wer sich im Kameradschaftshaus bewährt hat, wird dann im Laufe der Semester zunächst zur inneren Verwaltung und dann zur eigentlichen studentschaftlichen Arbeit in der Führung mit herangezogen Die Fachschaften übernehmen dann die nach einem Jahr aus dem Kameradfchaftshaus ausgeschiedenen Kameraden in die engere wissenschaftliche Ausbildung. Zur Zeit sind ja gerade die einzelnen Fachschaften mit dem von der Reichsführung der Deutschen Studentenschaft veranstalteten Reichsleistungs- fampf der deutschen Studenten beschäftigt, und in gemeinsamer Gruppenarbeit werden die für die einzelnen Fakultätten gestellten Aufgaben zu lösen versucht. Nach bestandenem Eramen werden die NSDStB. - Mitglieder ihrer zugehörigen Fachorganisation überwiesen. Die einzelnen Fachorganisationen haben schon in den letzten Semestern vor dem Examen Gelegenheit genommen, inZusammen- arbeit mit der studentischen Fachschaft den Nachwuchs in den praktischen Beruf einzuführen.
Im ganzen wird der Kameradschaftshausdienst in Zukunft eine Auslese unter der Iungmann- schaft in großem Maße ermöglichen und so einen guten Akademiker ° Nach- wuchs gewährleisten, denn nur der, der innerhalb einer Gemeinschaft seinen Charakter und seine Leistungen unter Beweis gestellt hat, ist später berechtigt, eine führende Stellung einzunehmen. Es ist recht und billig, zu verlangen, daß sich derjenige, der einst an verantwortungsvoller Stelle zu stehen hat, bereits in der Volksgemeinschaft bewährte.
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Erst in der Tot erweist stch öie Gesinnung
1Ü71
Kameradschaft der Lugend.
Die Hitlerjugend als Sprecherin der deutschen Jugend hat seit der Machtergreifung, nachdem der Kampf um die Macht im Reich siegreich vollendet war, stets betont, daß sie bereit ist, mit der Jugend anderer Völker in kameradschaftlicher Aufgeschlossenheit zusammenzuarbeiten. Sie sieht dabei den Friedenswillen des Führers als richtungweisend für ihre Arbeit im Rahmen der Jugend an. Die Besuche und Gegenbesuche, Fahrten und Lager deutscher und fremdvölkischer Jugend in Deutschland und im Auslande haben das Erlebnis der über die Grenzpfähle hinausreichenden Kameradschaft der Achtung und der Ehre und Stärke vermittelt.
Nach der Machtergreifung war es der Wunsch weiter Kreise der ausländischen Jugend, das junge Deutschland kennenzulernen. Der Besuch der italienischen Ballila-Jugend im Jahre 1933 und der ungarischen Levente 1934 waren Marksteine für die Auslandbeziehungen der deutschen Jugend. Wie sich die Generation der Frontkämpfer, die sich im Kampf auf Leben und Tod im Einsatz um ihr Vaterland gegenübergestanden hat, selbstlos und erfüllt von der soldatischen Achtung vor dem ehemaligen Gegner fand, so ist es heute die Jugend, die die Gabe besitzt, Fehler der Vergangenheit zu vergessen, und im Wissen um den Wert des eigenen Volkstums und in der unbedingten Bereitschaft zum Verftehenwollen des anderen unbeschwert an einem besseren und erhaltenden völkischen Wiederaufbau Europas in den Bahnen mitzuwirken, die der Jugend offenstehen.
Im Rahmen der Auslandarbeit der Hitlerjugend ist es die Aufgabe des Auslandamtes der Reichsjugendführung, den Ausländern die Möglichkeit zu gewähren, sich von dem Erziehungswerk der Jugend des Führers zu überzeugen. Sie sieht auf diesem Wege die Hauptlösung des Problems in der freundschaftlichen Zu
sammenarbeit mit den Jugendorganisationen aller Staaten, die sich zu Selbständigkeit, Volk, Tradition, Freiheit und Ehre bekennen. Mit diesen Fronten wächst die gerechte und ehrlich - harte neue Kameradschaft der Jugend in der Welt.
Der kürzliche Besuch polnischer Jugend in Deutschland ist uns ein Glied in der Kette zu den eben bezeichneten Zielen hin. Bei aller Vorurteilslosigkeit in der kameradschaftlichen Zusammenarbeit mit den Jugendverbänden des Auslandes ist sich die Hitlerjugend dennoch der mannigfaltigen Schwierigkeiten bewußt, die diese große Aufgabe in sich schließt. Aber sie weiß, daß dort, wo guter Wille und Verständnisbereitschaft herrschen, auch die Grundlage zu fruchttragender Zusammenarbeit vorhanden ist.
Der Besuch einer Spielschar der Hitlerjugend in Warschau hat uns im Frühjahr vorigen Jahres mit jungen Kameraden eines jungen Staates zusammengeführt. Der Kampf um den Staat war dieser, wie unserer Jugend gemeinsam, die Wege waren verschieden. Was die Jugend dieser beiden Länder gemeinsam hatte, das war der Glaube an die Stärke des Volkes und feiner Sendung. Es ist klar, daß
nach der Anbahnung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und Polen auch die Jugend Verbindungen anzuknüpfen bestrebt war, für die die Generation unserer Väter durch einen Freundschaftsvertrag die Möglichkeit erschlossen hatte. Die Hitlerjugend hat nach dem Besuch in Warschau die im Frühjahr geschlossenen Beziehungen während dieses Jahres vertieft und ausgebaut. Durch Vermittlung der studentischen Liga für internationale Annäherung und ihren Vizepräsidenten Olgierd Nosowicz war es möglich, ein studentisches Austauschabkommen zu treffen, die Vertreter der polnischen Sportstudentenverbände haben sich mit den entsprechenden Stellen im Reiche vereinbart, und es sind für die Zukunft erste große Erfolge in Aussicht. Mitglieder des polnischen YMCA. (Christlicher Verein junger
Männer) und Vertreter des Schützenverbandes, des studentischen Schutzbundes, der Legion der Jungen und andere haben Gelegenheit genommen, während ihres Berliner Aufenthaltes neue Verbindungen aufzunehmen und bestehende auszubauen
Zweifellos hat die Vermittlung jungen Kulturgutes durch die Jugend selbst eine ungeheure Bedeutung für die ganze Verständigungsarbeit, wie sie von der Hitlerjugend angestrebt wird. Deshalb erkannte das Rundfunkamt der Reichsjugendführung in Zusammenarbeit mit dem Auslandamt schon recht früh, daß die Austauschsendung zwischen verschiedenen Staaten eine maßgebliche Rolle im Streben nach Verständigung und Achtung des anderen Volkes hat. Darum förderte die Reichsjugendführung diese Jugendfunk-Austauschsendungen. Der Erfolg der ersten Hebertragung deutschen Liedgutes aus Polen im Frühjahr 1935, der zweifellos von bisher nicht zu verzeichnendem Erfolg gewesen, bestärkte uns in dem Willen, auf dem einmal beschrittenen Wege fortzuarbeiten. Die Weltringsendung vor wenigen Wochen und der jetzt stattgefundene deutsch- polnische Jugendfunk-Austausch in Berlin waren so überzeugend in ihrer Wirkung, daß die Entwicklung
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Zu unseren Bildern.
Oben links: Die Kameradschaft kehrt vom Aus- marsch zurück.
Unten links: Stubendienst. — Bei der Morgentoilette.
Oben rechts: Blick auf das Studentenhaus im Leihgesterner Weg.
Mitte rechts: Freizeit im „Heldenkeller". — Der Kameradfchaftsführer hilft den jungen Kameraden auch bei der wissenschaftlichen Arbeit.
Unten rechts: Die Küche im Studentenhaus.
(Aufnahmen (7J: Photo-Pfaff, Gießem)


