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Nr. 295 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Donnerstag, (7. Dezember (956

gemacht.

Hier sind neben den Zimmern für die

ärztliche Untersuchung und Behandlung auch Zim­

mer für

die Patienten eingerichtet worden. Es ist

ihrer Pferde lassen erkennen, wie sehr ihnen

Helfer und Begleiter

Aus

dem Bereich des

hinüber zu dem Bezirk,

unauf«

ö r. Oetker' s

Rezeptbuch

Links: In der Kraftfahrzeug-Reparaturwerkstatt des Jnf.-Regts. 116. Rechts: Beim Billardspiel nach der Mittagspause. (Aufn. [2]: Pfaff, Gießen.)

85. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

sie schreibt:

Und so bitte ich Sie denn, meine

Während an unserem Wege eine Gruppe von Re­kruten am MG. übt und andere Abteilungen stramm beim Fußexerzieren sind, blicken wir uns zunächst

Dienst Herzen

Hafermotors" gehen in dem der Treibstoff

der am

haben wir schon öfter berichtet. Deshalb wollen wir heute diese Seite unserer Umschau in der 116er Kaserne außer Betracht lassen. Dafür sei unseren Lesern einiges erzählt, was sonst nicht so stark in den Vordergrund tritt, aber für die Schlagfertig­keit unserer modernen Infanterie nicht minder be­deutsam ist, als die gute Handhabung der Kampf­waffen.

die zugehörigen Fahrzeuge ihre Heimstatt in Kaserne haben. Hier kann man sich in sehr schaulicher Weise einen Begriff machen von

unoer« B.

für diese treuen liegt.

wir und

der an­der

des Ma- usw.

Ach tet Rat

fü/is Backen:

Denken Sie daran, daß man zum Füllen von Suchen und Torten sowie zum sparsamen Backen überhaupt mit großem vorteil Dr. Oetker's Pudding» und Soßen» pulvec verwendet. Eie finden gute Rezepte hierfür In

sich in den letzten Wochen so viel Schweres für mich ereignet, daß ich keinen sehnlicheren Wunsch habe, als gerade mit Ihnen, als meiner ältesten und treuesten Freundin, darüber zu sprechen..."

Frau Charlotte sah auf.

Was sagst du dazu, Inge?"

Ich sage, daß du auf jeden Fall hinfahren sollst, Mutter! Ganz abgesehen davon, daß es dir auch einmal recht gut täte, hier heraus und wieder unter Menschen zu kommen,- scheint Frau von Bergmann deinen Besuch wirklich dringend zu erwarten! Weißt du was, gleich morgen früh fahren wir zusammen in die Stadt!"

Erholungsstunden nach anstrengendem Dienst.

lieber die Ausbildung mit derBraut" Infanteristen, dem Gewehr, oder mit dem schinengewehr ober am Infanteriegeschütz

liebe, alte Freundin, mir mein langes Schweigen nicht Übelzunehmen und mich trotzdem bald ein­mal wieder in meiner Einsamkeit zu besuchen! Wenn es Ihnen möglich wäre, erwartete ich Sie am liebsten schon in den nächsten Tagen. Es hat

Olga Willnoff! Seltsam, daß er all die Zeit über kaum an sie gedacht hatte! Hatte es nicht Tage ge­geben, vor ganz kurzem noch, an denen sie von früh bis spät in seinen Sinnen war, an denen er sogar gedacht hatte, sich mit ihr zu verloben, sie zu seiner Frau zu machen?--Wie hatte Ger­

hard sich doch über sie geäußert?Ein eitles und nicht ganz ehrliches Geschöpf!" hatte er gesagt. Und ehrlich war sie gewiß nicht gewesen! Freilich ver­stand er auch jetzt die Zusammenhänge noch nicht, --daß sie behauptet hatte, Rammelt in Oberhof treffen zu wollen, obwohl dieser keinen Augenblick dort zugebracht hatte! Aber irgend etwas stimmte da nicht! Er fühlte es, Olga hatte nicht ehrlich und uneigennützig an ihm gehandelt ...

Unwillkürlich drängte sich das ruhige, stille Gesicht seiner Sekretärin in seine Gedanken. Inge Schlicht war so ganz anders wie die anderen Frauen, die seinen Weg gekreuzt hatten! Er hatte sie nur nicht so recht erkannt, weil ... nun vielleicht eben weil sie seine Sekretärin war! Sie hatte seine Arbeiten für ihn erledigt, seine Anweisungen durchgeführt, und wie gut durchgeführt! aber nie war sie ihm als Frau erschienen! ... Er sah sie plötzlich wie­der vor sich, wie sie ihm mit Tränen in den Augen zuhörte, als er sich ihr gegenüber ausgesprochen hatte. Wie wohl hatte es ihm in dieser Stunde ge­tan, ihre beruhigende Stimme zu hören, ihre Teil­nahme zu fühlen!

Ein heißer Wunsch, sie wiederzusehen, wurde in ihm wach. Aber er war ja nicht mehr frei, er konnte ja nicht mehr tun, was er wollte! Und wie lange noch, und er würde vielleicht die Unter­suchungszelle mit dem Gefängnis, ja mit dem Zuchthaus vertauschen müssen ...

Wieder überwältigte ihn die Verzweiflung. Bren­nend waren seine Augen auf das Gitterfenster ge­richtet, durch das schwaches Licht in die Zelle fiel, sie noch trostloser machte.

Kraftlos, unsäglich müde, sank er schließlich auf bas schmale Bett, bas neben bem hölzernen Stuhl bie einzige Ausstattung ber Zelle ausmachte.

Da---ein Helles Klingeln ber Schlüssel!

Schritte, bie näher kamen!

Im Augenblick hatte er sich aufgerichtet. Vielleicht kam man zu ihm, machte ber Ungewißheit ein Ende!

in ben Stallungen bes Reiterzuges und der be­spannten Abteilungen um. Hier sieht man in aller Vollendung den Dienstbetrieb einer berittenen Truppe, also gewissermaßen Kavallerie im Verbände der Infanterie. Da wird, ebenso wie bei unseren Artilleristen, mit aller Liebe und Sorgfalt der Dienst am Kamerad Pferd erfüllt. Da sehen wir prächtige Tiere, deren Anblick bei jedem Pferde­freund Helle Freude auslöst. Gute Kameradschaft zwischen Soldat und vierbeinigem Kamerad offen­bart sich dem aufmerksamen Beobachter an vielerlei kleinen Einzelheiten; da guckt das Pferd mit ge­spannter Aufmerksamkeit nach seinem Betreuer; es spitzt erwartungsvoll die Ohren, wenn stallfremde Besucher in bie Nähe kommen, von benen ber vier­beinige Kamerad anscheinend ein kleines Mitbringsel erwartet; es stellt sich willig bereit für seine Arbeit unb schnuppert auch angeregt hinüber nach ben Säcken mit Hafer unb nach bem Wagcn mit köst­lichem Heu. Unb bie Solbaten als gute Kameraden

von denen sie für ihre späteres Berufsleben viel­fältigen Nutzen erwarten können. Natürlich müssen die Soldaten in diesen Betrieben geschickte, anstellige Männer ihres Handwerks sein, Stümper oder Nichts­könner haben hier keinen Platz, denn gerade in die­sem Zweig des Truppendienstes gilt ganz besonders der Grundsatz der Qualitätsarbeit.

*

Eines der großen Wohnhäuser in der Straße Am Kugelberg", das noch vor einigen Jahren Familienwohnungen von Unteroffizieren enthielt, ist für den Sanitätsdienst des Regiments eingerichtet worden. Ein zweckentsprechender Umbau im Innern hat das Gebäude für diesen Dienstbetrieb geeignet

überragenden Bedeutung, die das Kraftfahrwesen beim Dienst der modernen Infanterie hat. Lange Reihen von Fahrzeugen aller Art, die Betriebsein­richtungen einer Großgarage mit allem Zubehör, die vielseitige Zweckgeftaltung des ganzen Betriebs usw. offenbaren, daß die Infanterie, dieKönigin ber Schlachten", in ihren motorisierten Abteilungen einen ganz hervorragenben Zuwachs an militärischer Schlagkraft erhalten hat. In enger Verbindung mit biesem Dienftzweig steht eine Kraftfahrzeug-Repa­raturwerkstatt, bie mit allen Schikanen eines der- artigen technischen Betriebs eingerichtet ist und in der die Soldaten der einschlägigen handwerklichen Berufe eine Betätigungsmöglichkeit haben, bei der sie im Rahmen ihrer Militärdienstzeit die Möglich­keit der beruflichen Arbeit und Weiterbildung ge­nießen, die für ihr späteres Leben von großer Be­deutung sein wird. Autoschlosser, Motorenschlosser, Spengler, Schweißer, Schmiede. Elektrofachleute, Schreiner, Wagner, Sattler usw. haben in diesem militärischem Dienstbetrieb berufliche Entfaltungs­möglichkeiten, die es noch vor einigen Jahren bei der Truppe nicht gab, die aber den jungen Menschen dieser Berufe, die gerne immer mehr lernen möch­ten, Anreiz sein sollten, ihrer militärischen Dienst­pflicht an einer solchen Stätte zu genügen. In glei­cher Weise lehrreich und interessant ist der Hand­werksbetrieb in der Waffenmeisterei, in der den jungen Manern im Soldatenkleid ebenfalls Fortbil­dungsmöglichkeiten an die Hand gegeben werden.

Backen macht Freude", preis 20 Pfg., wo nicht erhältlich, gegen Macken von v r. D u g u Jt ©elfte, Blelejelö.

wir find auf dem Markusplatz. Es regnet , hörlich. Wir gehen in den Dogenpalaft. Im Hofs des Palastes spielt unser Spielmanns- und Musik­zug, sowie der Fanfarenzug des DJ. Bei der Be­sichtigung des Dogenpalastes denke ich unwillkürlich an Grillparzer, der in feinem Tagebuch auf der Reise nach Italien 1819 schrieb:Es ist vielleicht kein Ort in der Welt, wo das Altertum mit solcher Lebendigkeit den Menschen anspräche. Rom ist tot, ein herrlicher Leichnam, aber Venedig regt sich noch und dehnt seine Riesenglieder zum unfreiwilligen Abschied aus dem Leben. Wer nicht sein Herz stär­ker klopfen fühlt, wenn er auf dem Markusplatze steht, der lasse sich begraben, denn er ist tot, un­wiederbringlich tot. Dieser Palast des Dogen, ein Bild der Republik und der Stadt, mit seinem un­förmlichen Körper auf den Stützen wunderlicher Säulen und Bögen ruhend, vereinend die Starrheit in seinen ungefügen, unbeworfenen Wänden mit

hier etwa ein kleines Lazarett entstanden, in dem die kranken Mannschaften des Regiments gut unter­gebracht find und alle fürsorgliche Pflege genießen, die zur Wiederherstellung ihre Gesundheit erforderlich ist. Der Besucher kann die erfreuliche Wahrnehmung machen, das die segensreichen Fortschritte der Wis­senschaft und der Krankenhausbehandlung auf die Revierstube" in weitgehendem Ausmaß Anwen­dung gefunden haben.

*

lieber die Kasernenhöfe und an den bekannten Wohngebäuden vorbei führt uns unser Rundgang zum Schluß noch nach den Wirtschaftsgebäuden mit den Küchen und Speisesälen unserer Infanteristen. Aurch hier können wir die alle Soldatenväter und Soldatenmütter erfreuende Beobachtung machen, daß ihre Jungens bei den 116ern gut dran sind. Für ihre Freizeit stehen schöne Räume zur Er-

Mit der Hitlerjugend in Italien

Erinnerungen eines Gießener Hiilerjungen.

Von Frih Völzing, Gießen.

Wege im Rebel.

Vornan von Käthe Mehner.

(Copyright by Auswärts-Verlag, Berlin SW 68.)

Er zitterte fast, als die Schritte in der Tat vor seiner Zellentür Haltmachten, der Schlüssel sich im Schloß drehte. Ein Beamter rief etwas herein. Es klang wieBesuch für Sie, fünf Minuten gestattet!"

Dann sah er, daß Inge Schlicht auf der Tür­schwelle stand.

Einen Augenblick stand er wie gebannt von der Überraschung, streckte ihr dann beide Hände ent­gegen:

Fräulein Inge! Daß Sie gekommen sind! Nie werde ich Ihnen das vergessen, nie!"

Tiefbewegt sah sie zu ihm auf:

Glauben Sie denn, ich hätte Sie im Stich ge- taffen? Das ist doch ganz selbstverständlich, Herr Generaldirektor!"

Vielleicht doch nicht ganz so selbstverständlich", murmelte Walter Brand.Wissen Sie nicht, daß der Mensch, der im Unglück ist, meistens von seinen Freunden verlassen wird? Aber sprechen Sie, brin­gen Sie mir etwas Neues mit? Ist irgendeine Klä­rung eingetreten?"

"Leider scheint es nicht so!" gab Inge traurig zurück.Allerdings habe ich in der Zwischenzeit noch mit niemandem gesprochen. Ich komme jetzt geradewegs von zu Hause, las nur unterwegs von Ajtjrer Verhaftung und bin dann gleich hierher geeilt!'

"Wie gut von Ihnen, Fräulein Inge! Wie gut von Ihnen!" Innig ergriff er ihre Hand.

3nge errötete. Alles in ihr schlug diesem Manne entgegen. Am liebsten hätte sie es ihm laut ent- Zegengerufen, daß sie ihn liebe, nur ihn allein liebe! Aber sie fühlte, daß sie die Stunde nicht ausnützen dürfe. Mußte er nicht denken, daß sie feine Schwachheit ausnutzte, daß sie das Mitleid ge­brauchte, um---Nein! Gerade jetzt sollte'er

ihr restlos vertrauen dürfen, wie man einer Schwe­ster vertraut.

Leise, unmerklich fast entzog sie ihm ihre Hand, begann dann zu sprechen, erzählte ihm von der alten Freundschaft ihrer Mutter mit Frau von Bergmann,--daß diese heute morgen dorthin

gefahren sei,--daß sein Bruder Gerhard alles

für ihn tun werde, daß alle Hoffnung gewiß nicht verloren sei ...

(Fortsetzung folgt!)

Ltmschau in der Bergkaserne unserer 116 er

Goldaiendienst mit Waffe und Handwerksgerat.

Ist dieser Dr. Rammelt nicht mit einer gewissen Sanna Heller verlobt?" fragte Frau Charlotte.

Ja, das ist ja eben das Häßliche!" rief Inge eifrig aus. Dr. Rammelt ist mit Sanna Heller ver­lobt und tut verliebt mit einer andern, und Olga Willnoff wiederum macht den Generaldirektor glau­ben, niemand als nur er existiere für sie auf der Welt und läßt sich spät abends von Ralf Rammelt in ein schlecht beleumdetes Nachtcafe führen! Oben­drein macht sie Walter Brand auch noch vor, sie befinde sich seinetwillen in Oberhof! Ich verstehe das alles nicht!"

Schweigend sahen die beiden Frauen eine Weile vor sich hin. Unwillkürlich schrak Inge zusammen, als die Gartentüre ging und schwere Schritte auf dem Weg hörbar wurden.

Es war jedoch nur der Postbote, der einen Brief für Frau Charlotte gebracht hatte.

Prüfend betrachtete die alte Dame die feine Schrift auf dem schmalen Briefbogen. Rief dann plötzlich erfreut aus:

Nein, sieh doch, Inge! Ein Brief von meiner lieben, alten Freundin Amalie von Bergmann!"

Dann, nach einer Weile, während der sie mit der Lektüre beschäftigt war, sah sie nachdenklich auf:

Das ist ja eigenartig!" murmelte sie.

Was ist denn eigenartig, Mutter? Schreibt Frau von Bergmann etwas Besonderes?" fragte Inge, sich über den seltsamen Gesichtsausdruck ihrer Mutter wundernd.

Frau von Bergmann lädt mich ein; auf ein paar Tage zu ihr zu kommen! Höre selber, was

zugleich als eine Auszeichnung anfehen, sich in diese soldatische Gemeinschaft einzureihen und mit Freude und in Ehren das Soldatenkleid zu tragen, das einst der Stolz ihrer Väter war und das jenen, wie auch ihnen selbst, Jahre des schönsten und geßlichen Erlebens gewährt.

XX.

Ruhelos schritt Walter Brand in der engen, schmalen Untersuchungszelle hin und her, hin und her. Starr blickten seine Augen geradeaus, starrten und starrten, als könnten sie die Wände durch­dringen, die sie von der Außenwelt trennten.

Wieder und wieder sah er die furchtbare Szene des verhängnisvollen Abends vor sich. Den nebe­ligen, vom trüben Licht der Laternen kaum er­hellten Platz vor dem Institut,--die unheim­liche Dunkelheit an der Hafenmauer--wie der

Körper dort scheinbar leblos am Boden gelegen hatte! Wie er selber dann gelaufen war, gelaufen, als ging es um fein Leben! Und jetzt? Oh, warum hatte er nur nicht gleich den wahren Tatbestand auf der Sanitätswache erzählt! Jetzt wuchs das Verschleiern drohend gegen ihn auf, drohend, ihn zu vernichten!

Walter Brand blieb stehen, preßte die Fäuste gegen die Schläfen. Ein dumpfes Stöhnen brach aus ihm heraus. Angst packte ihn, wahnsinnige, ra­sende Angst. Wie, wenn man ihn wirklich verur­teilte?! Wenn Ralf Rammelt starb? Wenn man ihn zum Tode verurteilte wegen Mordes?! Spra­chen nicht alle Umstände gegen ihn? Jeder kannte den Gegensatz, in dem er zu dem Bevollmächtigten als dem Sachverständigen der Gegenpartei des Prozesses stand. Der Kommissar selbst war durch den Justizrat von dem Auftrag Olgas, mit Ram­melt wegen des Gutachtens zu verhandeln, unter­richtet. Dabei war Olga Willnoff nirgends zu fin­den, obwohl gerade sie vielleicht zu feinen Gunsten würde ausfagen können!

Langsam nahm Walter Brand seine Wanderung wieder auf.

Ein Werktagsbesuch in einer Kaserne, wenn der mWärische Betrieb in vollem Umfange läuft, ist immer' eine interessante Angelegenheit. War schon in den Jahren des 100 000-Mann-Heeres die Liebe zur Wehrmacht ein besonders charakteristisches Merk­mal aller nationalen deutschen Menschen, so ist dies jetzt, da wir dank unserem Führer die allgemeine Wehrpflicht für die junge deutsche Mannschaft wieder haben, in noch weit größerem Maße der Fall. Sicherlich möchten viele Volksgenossen oft ihre Schritte durch die Kasernen lenken, wenn die Soldaten beim Dienst sind. Aus begreiflichen Grün­den ist das nicht möglich, so daß die Soldaten­freunde in Stadt und Land sich damit begnügen müssen, wenn ihnen nach Besuchen von Presse- männern in den Kasernen aus dem Militärleben von heute erzählt wird. Die Verbundenheit mit unseren Soldaten, die den deutschen Menschen in Fleisch und Blut sitzt, wird durch derartige Ein­blicke in das Soldatenleben sicherlich weitere Ver­tiefung erfahren und hoffentlich auch bei manchen jungen Männern den Wunsch erwecken, möglichst bald zu den feldgrauen Waffenträgern der Nation zählen zu können.

*

Nachdem wir am Dienstag in unserer Gießener Artilleriekaserne Umschau gehalten und gestern da­von berichtet haben, galt unser Weg am gestrigen Mittwoch der Kaserne unseres Infanterie-Regiments 116. In Begleitung des Regimentsadjutanten wan­dern wir durch die verschiedensten Dienftbetriebe der Kaserne, beobachten die Ausbildung der Re­kruten, schauen uns in den Ställen und in den Fahrzeughallen um, besuchen die emsig schaffenden Soldaten in der Waffenmeisterei und in den Werk­stätten, lassen den Dienstbereich der Sanitäts­abteilung nicht unbeachtet und statten auch den Wirtschaftsgebäuden, der Küche und den Speise­sälen der Mannschaften einen Besuch ab. Ueberall empfangen wir die erfreulichsten Eindrücke von dem Dienftbetrieb bei unserem Regiment, sehen wir junge Männer mit aller Hingabe und Freude sich im Waffendienst üben und werden auch Zeuge der

II*

17. September. Um 5.30 Uhr wird geweckt. Es regnet ein wenig. Abmarsch zum Bahnhof von Padua. Gegen 7 Uhr fahren wir nach Vene- d i a. Avantgardisten, die zum Empfang auf dem Bahnsteig angetreten sind, spielen bei der Ankunft unseres Zuges die deutschen Nationalhymnen. Wir antworten mit dem Königsmarsch und der Gio- vinezza. Im strömenden Regen unten Wasser, von oben Wasser geht es durch Venedig, dessen Kuppeln, Türme und Marmorpaläste aus dem Wasserspiegel schimmern. Ein kurzer Marsch, und

* Teil I im Gießener Anzeiger Nr. 293 vom 15. Dezember.

holung offen. Große Speisesäle, freundlich ausge­stattet, dienen zur Einnahme des Mittagessens und für die übrigen Freistunden des Alltags, auch zum geselligen Aufenthalt. Der Küchenbetrieb ist her­vorragend im Schuß. In riesigen Kesseln werden dis Mahlzeiten bereitet, die kräftig und schmackhaft sind. Bei unserem Besuche verzehren die Männer der 116er eine prächtig duftende Linsensuppe mit einem anständigen Stück Wurst, und wem mit einem Zug nicht genügt ist, der kann selbstverständlichkapitu­lieren", natürlich nur für die Suppe. Wir möchten sogen, daß wohl mancher der jungen Feldgrauen daheim bei Muttern nicht so kräftig und so aus­giebigeinhauen" kann, wie es ihm hier geboten ist. Und daß auch die Fettigkeiten, die in diese meh­rere hundert Liter fassenden Suppenkessel kommen bzw. in Gestalt von Wurst verabreicht werden, sehr gewichtige Brocken darstellen, sei ebenfalls hervor­gehoben. Wie die Mittagsmahlzeit, so ist natürlich auch das Abendessen durchaus geeignet, einen ge­wichtigen Appetit zu befriedigen. Kurzum: auch nach dieser Richtung chin sind unsere Soldaten gut auf­gehoben.

*

Das Soldatenleben, eine Ehre und berechtigter Anlaß zum Stolz für alle waffenfähigen jungen Männer, erfordert natürlich einen ganzen Kerl. Es wird aber auch in sehr erfreulicher Weise von der Leitung des Heees und von der Führung der Trup­penteile alles getan, um den jungen Männern im feldgrauen Ehrenkleid den Dienst für das Vater­land so angenehm wie möglich zu machen. Freilich, ein Töchterpensionat ist die Kaserne nicht. Aber sie ist eine Einrichtung, in der es sich bei gewissen­hafter und treuer Pflichterfüllung gut leben läßt und in der der Geist der guten Kameradschaft über­all zu Hause ist. Jeder waffenfähige junge Deutsche muß es daher als eine Gunst seines Lebens und