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Dienstag, 17.November 1936
tiger Weise zusammen, um überall da, wo bei dek Räumung der Straße nicht alles cjleid) nach Wunsch und Erfordernis ging, helfend, förderlich und ordnend einzugreifen. Die Straßenpassanten strömten den Schutzräumen zu oder begaben sich in das nächstgelegene Haus in Deckung. Wo Neugierige, die es ja immer und überall gibt, durchaus aus dem Fenster schauen zu müssen glaubten, wurde von den Helfern im Straßendienst durch einen ermahnenden Zuruf umgehend dafür gesorgt, daß die Fenster schleunigst geschlossen und in diesem Zustand gehalten wurden. Alle Fahrzeuge im Stadtgebiet hielten auf der Stelle am Straßenrand bzw. die Straßenbahn gerade da, wo sie stand. Bei den Pferdefuhrwerken wurden die Pferde ausgespannt und zur Sicherheit von Mensch und Tier abseits vom Wagen aufgestellt. Radfahrer ließen ihr Stahlroß an den Häusern stehen und begaben sich in Deckung. Autos standen vereinsamt auf den Straßen.
Wie vortrefflich die Aufklärungsarbeit der Polizei durch die Presse vor der Hebung gewirkt hat, konnte man daran erkennen, daß innerhalb von zwei Minuten nach dem ersten Alarmzeichen die Strahenzüge wie ausgestorben dalagen, die Fenster der Häuser vorschriftsmäßig geschloffen waren, kurzum in den Straßen — abgesehen von den wenigen Sicherheitsmännern der Polizei, der SA. und des 71SKK. — im Handumdrehen alles Leben und Treiben erloschen war.
Soweit hier und da auf der Rundfahrt durch die verschiedenen Stadtteile noch einige kleinere Mängel in Erscheinung traten, wurde von den Führern der Kontroufahrten für schleunige Beseitigung gesorgt. Daß es immer noch den Herrn oder die Frau Hase gibt, die nicht wissen, was in der Oeffentlich- keit vorgeht, konnte man bei der Fahrt durch die vollständig leere Frankfurter Straße bemerken, wo eine Radfahrerin mutterseelenallein auf weiter Flur gemütlich auf ihrem Stahlroß dahinstrampelte und auf den ermahnenden Zuruf eines Polizeibeamten erstaunt im gemütlichen oberhessischen Dialekt die Gegenfrage äußerte: „Ei, was ist dann looos?" Immerhin verschwand sie sogleich im Laufschritt mitsamt ihrem Stahlrößlein im nächsten Hausflur. So ein Stückchen Humor bei einer Sache mit sehr ernstem Hintergrund ist nicht ganz zu verwerfen, immerhin ist es aber doch zweckmäßig, nachdrücklich darauf hinzuweisen, daß derartige „Hase"-Geschich- ten nicht vorkommen dürfen. Derartige und einige andere kleinere Fehler können jedoch an dem guten Gesamtergebnis des Uebungsverlaufs nichts ändern und auch die Befriedigung der verantwortlichen Männer des Luftschutzdienstes nicht beeinträchtigen, aber nur unter dem Vorbehalt, daß jedermann sich ernstlich befleißigt, auch diese Mängel für die Zukunft zu vermeiden.
In mustergültiger Disziplin, dank der sorgsamen und anerkennenswerten Tätigkeit der an diesen Stellen eingesetzten Polizei und der SA.- und RSKK.-TNänner, waren in den Vororten die Fahrzeuge in Richtung Gießen zum Parken seitlich der Straßen angehalten worden, um einen guten Uebungsverlauf auch von dieser
Seite her zu gewährleisten.
Punkt 16 Uhr wurde durch die Sirenen usw das Entwarnungssignal laut vernehmbar gegeben Die erste Fliegeralarm-Uebung in Gießen hatte damit ihr Ende erreicht.
Anschließend vereinigten sich, während in der Stadt das gewohnte Straßentreiben wieder einsetzte,
Niederlage: Jean Weisel, Hießen, Sonnenstraße 6, Tel. 3888
Wandergewohnheiten des Walfisches zu erhalten, ferner darüber, ob er jeden Sommer dieselben Gebiete aufsucht. Dr. T. I. Hart, der Wissenschaft- liche Offizier, meinte: „Wir müssen der Garnele ebenso wie dem Walfisch folgen." Er spielte damit an auf die garneleähnlichen Lebewesen, die die Nahrung der Wilfische bilden und deren Vorhandensein den Aufenthaltsort der Walfische anzeigt.
Ueberall werden Netze ausgeworfen, um Proben von Lebewesen wie von Pflanzen dem Meere zu entnehmen, das Forschungsschiff hat 324 Tonnen Rauminhalt; außer den mitgenommen Vorräten an frischem Fleisch und Konserven wird in Kapstadt frisches Fleisch eingenommen und am Vormast ausgehängt; sobald das Schiff weiter südlich fährt, sinkt die Temperatur unter Null und das Fleisch gefriert. Als Ergänzung kommt dann noch frisches Walfischfleisch, das ähnlich wie Kotelett schmeckt, dazu, sowie Leber und Herz von Seehunden, die die Mannschaft erlegt.
Der Widerspenstigen Zähmung.
Goethe setzte als Theaterdirektor seinen Willen gegen die Schauspieler sehr energisch und unbeschränkt durch. Mehr als einen Pflichtvergessenen hat er, obwohl diese Strafart damals bei den Hoftheatern schon außer Gebrauch gekommen war, auf die Wache geschickt, und den Damen gab er Stubenarrest, bei dem Schildwachen vor ihren Türen standen. Für die hervorragenden Mitglieder mußte er natürlich andere Mittel wählen. Als einmal der Schauspieler Becker sich weigerte, eine weniger wichtige Rolle in „Wallensteins Lager" zu spielen, ließ er ihm sagen, wenn er die Rolle nicht spielen wollte, so würde er selber es tun. Damit war der Widerspenstige sofort gezähmt; denn alle Schauspieler wußten, daß Goethe in solchen Dingen keinen Spaß verstand und daß er, um mit seinen eigenen Worten zu sprechen, „verrückt genug war, sein Wort zu halten und das Tollste zu tun". Ein andermal erschien eine Schauspielerin, eine wunderschöne Blondine, als Minna von Barnhelm in einem sehr kleidsamen Hütchen nach der neuesten Mode, während Goethe stets sehr darauf hielt, daß die Stücke im Kostüm ihrer Zeit zur Darstellung kamen. Goethe, der wie immer bei der Probe auf der vordersten Bank saß, um dem Spiel der Künstler geyau folgen zu können, stürzte wütend auf die Bühne, riß ihr das Hütchen vom Kopf, warf es auf die Erde und schrie in höchster Entrüstung: „Steht Ihnen das Meisterwerk unseres Lessing nicht höher als Ihre verfluchte Eitelkeit?"
270 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
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tischen Seite der Uebung. Dabei wurde die Beobachtungsfahrt in mehreren Gruppen durchgeführt und in allen Stadtteilen gründlich Umschau ge halten.
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nen, der vor Beginn der Uebung im Sitzungssaale des Kreisamtsgebäudes einen größeren Kreis von Mitarbeitern des Luftschutzes von der Seite der Partei, der Wehrmacht, des Reichslustschutzbundes, der Behörden usw. begrüßte und dabei hervorhob, daß die verantwortliche Leitung des örtlichen Luftschutzes dem zuständigen Polizeiverwalter, in Gießen also dem Polizeidirektor, obliege, diese Stelle zur Zeit jedoch unbesetzt sei und vertretungsweise von Polizeioberinspektor Beate versehen werde, während für die Zeit der Vakanz die Bearbeitung der Luftschutzangelegenheiten als Teil des polizeilichen Außendienstes dem Hauptmann der Schutzpolizei Keller übertragen worden sei.
Anschließend gab Polizeihauptmann Keller den aus zahlreichen Städten der engeren und weiteren Umgebung zur Beobachtung erschienenen Fachmännern der Polizei und der Verwaltung zunächst einen Ueberblick über die bauliche und verkehrsgeographische Struktur der Stadt Gießen und ihrer Vororte. Nach dieser Einführung ging es zur prak-
Innerhalb von zwei Minuten war der sonst am Nachmittag so belebte Marktplatz völlig menschenleer.
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Als Vertreter der Landesregierung war Ober- rqierungsrat Dr. P a b st aus Darmstadt erschie-
Die große Wagenburg der in Klein-Linden angehaltenen Fahrzeuge. (Aufnahmen [4]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Die Presse begleitete Pollzeioberinspektor Hoffmann als guter Sachkenner der Luftschutzfragen. Die Presserundfahrt ging zunächst zum Marktplatz, wo der Beginn des Alarms abgewartet wurde. Pünktlich zur planmäßigen Zeit, um 15.30 Uhr, ertönte der Alarm. Die Sirenen heulten. Durch Lautsprecher über den Zentralrundfunk wurde der Bevölkerung der Zustand der Luftgefahr und des bevorstehenden Fliegerangriffs bekanntgegeben. HI. und Jungvolk fuhren auf Rädern durch die Stadt und gaben mit Trompeten und Fanfaren Alarmsignale. In anerkennenswerter Disziplin befolgte die Bevölkerung auf den Straßen die durch die Presse bekanntgegebenen Sicherheitsvorschriften der Polizei. Mit den Polizeibeamten wirkten Männer der SA. und des NSKK. sofort in mustergül-
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Rach den drei Verdunkelungsübungen seit An- stig September hat unsere Stadt Gießen als neue Lappe auf dem Gebiete des Luftschutzes am gestri- Montagnachmittag ihre erste Flieg er - v arm-Uebung erlebt und — unter Berück-
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Fliegeralarm in Gießen.
In 2 Minuten alle Straßen leer.-Ein gutes Ergebnis der ersten Ltebung dieser Art
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sic tigung des Umstandes, daß es die erste Uebung Lifer Art war und mancherlei Dinge noch behelfs- i Jot:füg durchgeführt werden mußten — auch gut standen. Diese Feststellung, gestützt auf die Beob- cctungen bei einer ausgedehnten Kontrolle in allen Eadtgegenden und bestätigt durch die Beurteilung , Ml maßgebender fachmännischer Seite, sei hier vor-
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Sachgemäß wurden die Pferde ausgespannt und angebunden, während So wie hier in der Ludwigstraße sah es gestern für eine halbe Stunde sich der Fuhrwerkslenker einige Schritte seitwärts aufstellt.in allen Straßen unserer Stadt aus.
speist wird: seine knappen Randbemerkungen sitzen, daß es eine Freude ist; trotzdem spielt er, geistreich, elegant und verbindlich, als gereifter' und überlegener Weltmann, am Ernst der Situation und am eigentlichen Problem nicht vorbei. Marianne Hoppe (Frau Gründgens) vertritt als H e st e r mit der ruhigen Klarheit und sympathischen Frische, die alle ihre Gestalten auszeichnet, den Standpunkt der jungen Generation. Lieven, den wir lange nicht gesehen haben, als Gerald, heftig und trotzig, hat gegen die überlegene Sicherheit von Gründgens keinen leichten Stand. K a y ß l e r, zu Beginn in einer kleinen Rolle, gibt dem alten Kelvil die unversöhnliche Strenge und Härte eines puritanischen Landgeistlichen, der eher von Hebbel als von Wilde stammen könnte (wo er übrigens so nicht vorkommt). L e i b e l t als alter Jllingworth, Henckels und Julie S e r d a seien nicht vergessen. — Photographie: Ewald Daub; Musik: Professor Clemens S ck> m a l st i ch (Tobis-Europa)
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Im Beiprogramm: zwei Kulturfilme; die Wochenschau mit Bildberichten von der Verkündung des Dierjahresplanes und vorn Jubiläum des Gaues Berlin; dazu ein Vorspann zum neuen Gigli-Film „Du bist mein Glück". hth.
Iorschungsfahrt zum Eüdpolarmeer.
Das Forschungsschiff der englischen Regierung „William Scoresby" wird von London zu einer neuen Reise in anarktische Regionen die Anker lichten. Die Aufgabe besteht in der Erforschung überseeischen und unterseeischen Meereslebens. Vier Monate wird das Schiff ununterbrochen die See befahren, um Walfischmarkierungen auszuführen. Von Kapstadt wird das Schiff südwärts bis zum Rand des Packeises fahren.
Wenn ein Walfisch in Sicht kommt, wird er mit mit einem rostfreien Wurfspieß mit stumpfer Spitze markiert, der aus einer leichten einläufigen Zwölfkaliberbüchse auf ihn abgeschossen wird. Diese Wurfpfeile belästigen die Walfische keineswegs, da sie im Walfischsveck stecken bleiben, bis sie gefangen werden. Jeder Wurfspieß trägt eine Nummer und die Inschrift: „Belohnung zugesichert für Zurücksendung an das Forschungskomitee Kolonial-Amt, London," so daß englische oder norwegische Walfischfänger sie zurücksenden können. Die Längen- und Breitengrade des jeweiligen Fundortes, Zeit und Datum feder Markierung wird in das Logbuch des Schiffes eingezeichnet. Durch diese Bezeichnung wird es möglich, Aufschlüsse über die
ursprünglichen Eigenart entfalten können.
[ibt sowohl im „Idealen Gatten" als auch
zu einem tüchtigen und anständigen Menschen erzieht und ihn und sich selbst mit Würde gegen seinen Vater, ihren früheren Geliebten, zu behaupten weiß — diese Geschichte ist auch heute und in dieser Form unserer Anteilnahme gewiß. St einhoff dirigiert seine Darsteller umsichtig und wohl mühe-
„Eine Frau ohne Bedeutung"
Gloria-Palast.
los so, daß sie sich, jeder an seiner Stelle, in ihrer Käthe
Frau von Harbou hat, wie seinerzeit Oscar Wildes „Idealen Gatten", der vor Jahresfrist cn dieser Stelle besprochen wurde, nun auch die .grau ohne Bedeutung", das Gegen-Stück dazu in ter Reihe der Wildeschen Gesellschaftsspiele, für den film bearbeitet. Das war, künstlerisch betrachtet, lier so überflüssig wie damals, denn Wilde hat das, was er sagen wollte, durchaus treffend, abschließend rnb in einwandfreier Form vorgebracht. Wenn nan wissen will, was ihm dabei am Herzen lag. iraudjt man sich nur seine Stücke anzusehen, die überdies inzwischen auch eine neue Bühnenbearbeitung (durch Karl Lerbs) erfahren haben. Und es gibt sowohl im „Idealen Gatten" als auch in der „Frau ohne Bedeutung" so gut rote nichts, Das eine Verfilmung um des Films willen zu recht- artigen vermöchte. Die Verfilmung war also, wie ■uoor festzustellen ist, in erster Lime, wenn nicht ausschließlich, Mittel zum Zweck — em erlesenes Ensemble bester Darsteller einen feit vielen fuhren erprobten Dialog und eine in ihrer Wirkung noch mmer unfehlbare Handlung spielen zu lassen. Es jst aber zu bemerken, daß auch die Handlung in der Film-Form nur noch teilweise dem Schauspiel ton Wilde entspricht. Das Drehbuch der Frau 3. Harbou hat sich ziemlich selbständig gemacht und vor allem die Vorgeschichte, die bei Wilde ordnungsgemäß in der Exposition erscheint, embe- zogen. Infolgedessen beginnt das eigentliche Stuck, uach berühmten Mustern, zwanzig Jahre spater; Das Vorspiel bietet darstellerisch ohne Zweifel reizvolle Möglichkeiten — notwendig war es nicht, und ss trägt auch begreiflicherweise nicht dazu bei, den Vorgang, auf dem die Betonung hegt, und aus Dem sich die Moral im Sinne Wildes ergibt, zu konzentrieren. Anderseits hat der Film, was wohl weniger auf das Konto des Drehbuches als des Spielleiters Hans S t e i n h o f f geht, stellenweise Die gewiß theatermäßig kräftigen Wirkungen des Schauspiels fast sensationell gesteigert was sich mit Dem ursprünglichen, überwiegend verhältnismäßig gedämpften Kammerspielton nicht ganz verträgt. Wo dieser Ton, diese Haltung am zwanglosesten beinhalten ist, wo Wildes Stimme also das Drehbuch gewissermaßen übertönt, da erzielt der Film feine nsten, seine amüsantesten und auch menschlich ergiebigsten Eindrücke. Die Fabel an sich, die Ge- chichte einer tapferen und opferbereiten Frau, die -der Gesellschaft" zum Trotz ihren unehelichen Sohn
Dorsch ist Sylvia Kelvil, die „Frau ohne Bedeutung". Man sieht sie selten im Film, und man muß sie wohl auf der Bühne erlebt haben, um die ganze ausstrahlende Gefühlskraft und mütterliche Wärme dieser wundervollen Menschendarstellerin zu empfinden, aber wir glauben, daß es niemanden gibt, der eine solche Rolle beseelter und mit innigerem Ausdruck zu formen vermöchte. Schon um ihretwillen allein sollte man den Film sehen. Aber dann ist der Staatsschauspieler und Intendant Gründ- g e n s ba — für ganze Szenenreihen im Mittelpunkt und Vordergrund der Ereignisse; zuerst als junger Mann im Vorspiel, entzückend in seiner Schüchternheit und verhaltenen Ironie, später aber die Figur, die ganz und gar aus Wildes Geist ge-
Staatsrat Gustaf Gründgens.


