Leitung liegt in den fänden von Kapellmeister Ernst Bräuer, die szenische Leitung hat Paul W r e d e. Szenen aus „Bauer als Millionär" wer- den unter der Spielleitung von Paul W r e d e zur Ausführung gebracht. Mitwirkende: Damen: Prinz; Herren: Braunwarth, Geiger, Geißler, Hub. Herr Schneider°Oest singt Lieder nach Texten von Raimund und seinen Zeitgenossen, die verbindenden Worte dazu spricht Paul Wrede. Dauer der Feier von 11.30 bis 12.30 Uhr. Für Platzmieter ist der Eintritt frei.
Am Abend Wiederholung der Operette „Der Bettelstudent" von Carl Millöcker. Musikalische Leitung: Hans H. Hampel. Spielleitung: Paul Wrede. Anfang 19 Uhr, Ende 21.30 Uhr. Außer Miete. Dienstag, 20. Oktober: Anfang 20 Uhr, Ende 22.45 Uhr. Zum letzten Mal: „Gustav Kilian". Ein altmodisches Stück von Harald Bratt.. Spielleitung: der Intendant. (Dienstag-Miete. 5. Vorstellung.) — Mittwoch, 21. Oktober: Anfang 19.30 Uhr, Ende 22 Uhr „Ein idealer Gatte", Schauspiel von Oscar Wilde. Spielleitung: Wolfgang Kühne. (Mittwoch-Miete. 5. Vorstellung.) — Freitag, 23. Oktober: Anfang 20 Uhr, Ende 23 Uhr, Erstaufführung „Figaros Hochzeit", Oper von W. A. Mozart. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: Der Intendant. (Freitao-Miete. 6. Vorstellung.) — Samstag, 24. Oktober: Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr, (Theaterring der NS.-Kulturgemeinde), „Der Bettelstudent", Operette von Carl Millöcker. Musikalische Leitung: Hans H. Hampel, Spielleitung: Paul Wrede. Freier Kartenverkauf zu Tagespreisen. — Sonntag, 25. Oktober: Anfang 19 Uhr, Ende 21.30 Uhr, „Der Bettelstudent". (Außer Miete.)
Ski-Klub Gießen.
Der Ski-Klub Gießen veranstaltet am Montag, 19. Oktober, 20,15 Uhr im Hotel Prinz Karl eine Skifilmvorführung. Zur Aufführung gelangt ein Film von den deutschen Meisterschaften 1935. Die anschließende Generalversammlung wird Berichte über die Reichsfachamtstagung in Koblenz und über die Gaufachamtstagung in Wiesbaden bringen. Auf die heutige Anzeige fei besonders hingewiesen.
Sitzung des Kreisausschuffes.
Am Freitag, 23. Oktober, 15.15 Uhr, findet im Regierungsgebäude am Landgraf-Philipp-Platz eine öffentliche Kreisausschußsitzung statt, für die folgende Tagesordnung vorgesehn ist: 1. Klage des Otto Bücher in Hungen, vertreten durch Rechtsanwalt Zimmer (Gießen), gegen den Beschluß des Kreisamts Gießen vom 30. Juli 1936 wegen Entziehung des Führerscheins. 2. Klage des Friedrich Althaus zu Gießen, An der Kläranlage 94, gegen den Beschluß des Kreisamts Gießen vom 30. 7. 36 wegen Entziehung des Führerscheins. Feuerlöschdienst in der Stadt Gießen.
Die Gießener Freiwillige Feuerwehr begann — wie man uns berichtet — am Montan mit einer Mitgliederversammlung im „Aquarium ihren für das Winterhalbjahr 1936/37 aufgestellten Winterdienstplan. Dieser Plan beweist in seiner Reichhaltigkeit, vor welche ernste und verantwortungsvolle Aufgaben die Freiwilligen Feuerwehren heute in Verbindung mit dem zivilen Luftschutz gestellt sind. Der Führer der Wehr, Brandmeister Koch, betonte, daß es nicht mit der praktischen Arbeit allein getan sei, sondern daß zur Ergänzung und Vervollkommnung auch bestimmte theoretische Kenntnisse notwendig seien. Hier sollten während der Wintermonate Vorträge stattfinden, durch welche die Feuerwehrmänner mit den Auswirkungen des Feuers auf die Baustoffe und Baukonstruktionen bekannt und vertraut gemacht werden. Maßgebend für diese Arbeit seien die vom Reichs-Fachbeirat herausgegebenen Vorschriften. Im Verlauf der Versammlung wurde eine Reihe von Anordnungen des Wehrleiters, sowie satzungsgemäße Bestimmungen bekanntgegeben. Außerdem wurde auf Vorschlag des Führerrates der seitherige Führer der Wehr, Hauptbrandmeister Fritz Wenzel wegen Erreichung der Altersgrenze für seine langjährigen Verdienste um das Feuerlöschwesen zum Ehrenkommandanten und der frühere Brandmeister Rud. R ö d i g e r zum Ehrenmitglied ernannt. Den Vorgenannten sowie dem seitherigen Schriftführer und Ehrenmitglied Adolf Bourgeois wurde das Recht zum Tragen der seitherigen Uniform zuge- billigt. Rach einem Vortrag des Brandmeisters Koch, der die Aufgaben und die Organisation der Freiwilligen Feuerwehren behandelte, wurde die sehr angeregte und gut besuchte Versammlung mit einem „Sieg-Heil!" auf den Führer Adolf Hitler geschlossen.
Abend der Ostdeutschen.
Der Bund heimattreuer Schlesier (Deutscher Ostbund), Bundesgruppe Gießen, hielt am Donnerstagabend im „Pfälzer Hof" seine Oktober-Monats- versammlung ab. Bundesgruppenleiter H. Kostorz schloß in seine Begrüßungsworte die Erinnerung an den großen Sohn der deutschen Ostmark, den Generalfeldmarschall von Hindenburg, ein und verband mit der Ehrung des Verewigten das Gedenken an die im Weltkrieg und im Kampfe um den deutschen Osten sowie Jur das Dritte Reich Gefallenen ein. Gleichzeitig ehrte die Versammlung den kürzlich verstorbenen Danziger I. Pflicht, der ein treues Mitglied des früheren Ostmarkenoereins war.
Rach einer Reihe organisatorischer Fragen wurde erneut auf die gemeinsame Fahrt zum Bundessängerfest in Breslau im Juli 1937 hin gewiesen und die Anmeldungen entgegengenommen. Für November ist ein Lichtbildervortrag geplant. Gleichzeitig soll der Film der Bundessängerstadt Breslau vorgesührt werden.
Der Bundesgruppenleiter sprach dann von der Entwicklung der politischen Lage und hob die großzügigen Bestrebungen der Reichsregieruna zur Vertiefung der Zusammenarbeit mit Polen hervor. In diesem Zusammenhänge wurde auch auf die Auseinandersetzung des Nationalsozialismus mit dem Bolschewismus hingewiesen und an den furchtbaren Erlebnissen der Oberschlesier unter den kommunistischen Umtrieben in früheren Jahren die Vernichtungsarbeit des Bolschewismus gekennzeichnet, die gerade den Ostdeutschen befähigen, die Lage in Spanien zu begreifen und sich entschlossen gegen den Bolschewismus einzusetzen. Dazu sind alle Ostmärker im Reich berufen, die durch Werbung für die alte Heimat den Wall des Volkstums an den Reichsgrenzen stützen und stärken wollen. Dadurch gewinnt die Arbeit der ostdeutschen Heimatverbände einen besonderen Sinn, und sie verpflichtet jeden Ostdeutschen im Reich, sich einzureihen in die Front der Heimattreuen. Der Bundesgruppenleiter bedauerte, daß noch viele Ostdeutsche der Bundesgruppe fernstehen und sie in der Betreuung der alten Heimat, in der Uebernahme der Patenschaften und der Unterstützung der Volkstumsbestrebungen nicht so fördern, wie es wünschenswert ist und von der Reichsleitung angestrebt wird.
Nach dem Gesang heimatlicher Lieder hielt der Bundesgruppenleiter einen Vortrag über die Entwicklung der Lage in der deutschen Stadt Danzig, deren Bedeutung als kulturelles Bollwerk für den deutschen Osten er hervorhob. Mit dem Treuegruß an den Führer und dem Gesang des Horst-Wessel- Liedes wurde der offizielle Teil des Abends geschlossen, an den sich ein geselliges Beisammensein zum Austausch von Erinnerungen an. die alte Heimat anschloß.
Der Abschluß des Missionskursus.
Am Donnerstagmorgen, am letzten Tag des Missionskurses, hielt Pfarrer H o tz - Villingen nach beendetem Morgensingen die Ansprache über Matth. 10, 32 bis Schluß. Pfarrer Steck-Frankfurt a. M. referierte sodann über: „Mission und Gemeinde". Als Missionarssohn von Neuendettelsau lag seinen Ausführungen das Anschauungsmaterial dieser Mission zu Grunde, insbesondere Neuguinea. Der mit Beifall aufgenommene Vortrag wurde sehr gut ergänzt durch Missionar Braun- Basel, der soeben von Borneo zurückgekommen ist.
Der Gesang eines Chorals leitete über zu der Jahresversammlung des oberhessischen Missionsvereins für Basel. Von dem Vorsitzenden dieses Vereins, Dekan a. D. Gußmann, wurden die Anwesenden begrüßt. Er erstattete auch den Jahresbericht, an den sich eine lebendige Besprechung anschloß.
Pfarrer K a l b h e n n , der Rechner des Vereins, gab ein genaues Bild über die Bilanz, die ein im ganzen günstiges Bild zeigte, so daß an Basel eine größere Summe gespendet werden kann. Propst Knodt- Gießen, der im vergangenen Sommer dem Basler Missionsfeste persönlich beigewohnt hatte, gab einen interessanten Stimmungsbencht über diese Tagung. Die Jahresversammlung wurde nach einigen Verhandlungen mit einem Liede geschlossen.
Nachmittags wurde von Missionar Michel- Darmstadt der letzte sehr interessante Vortag gehalten, und zwar über das Thema: „Die chinesische Kunst im Dienst der Mission". Der Vorsitzende 1 dankte den zahlreich Erschienenen herzlich für treues
Aushalten und schloß mit einem Gebet die Arbeits- taaung.'
Am Abend fand in der Stadtkirche der Schlußabend des Missionskursus statt, eingeleitet durch einen Gesang der Choralvereinigung und eine Ansprache des Propstes Knodt. Es sprachen zur Gemeinde die Missionare Braun und Ruff. Der Vorsitzende dankte am Schluß allen Mithelfern und den Gießener gastfreundlichen Quartiergebern, sowie der Choralvereinigung (Lehrer Simon).
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** Paketanhänger und Paketaus- schristzettel sind an den Paketschaltern erhältlich. Von Jahr zu Jahr hat die Zahl derjenigen Pakete und Postgüter zugenommen, die unzustellbar werden, weil die Anschriften während der Beförderung sich abgelöst haben und verlorengegangen sind. Die Paketaufschriftzettel und die angehängten Aufschriftfahnen waren oft nicht widerstandsfähig genug, oder äußerst mangelhaft befestigt. Um den Versendern behilflich zu sein und Nachteile für beide Seiten möglichst fernzuhalten, wird die Post künftig an ihren Paketschaltern Paketanhänger und Paketaufschriftzettel zum Preise von 1 Rpf. für einen Paketanhänger oder für zwei Paketaufschriftzettel zum Verkauf bereithalten. Kein Paketauflieferer wird also, wenn die Beschaffenheit und mangelhafte Befestigung der Aufschrift von der Post beanstandet werden sollte, künftig für die
Beschaffung einer neuen Aufschrift Weiterungen und Unbequemlichkeiten haben, weil er das für die neue Aufschrift erforderliche Material unmittelbar am Paketschalter erhalten kann.
Siebener rvochenmarktpreise.
♦ Gießen, 17. Okt. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: D. f. Molkereibutter, kg 1,57 Mk., Molkereibutter 1,52, Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4bis 10, Kühlhauseier Kl. B 11, Wirsing (grün), % kg 6 bis 8, Weißkraut 4 bis 6, Rotkraut 7 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20, Römischkohl 8, Unterkohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 15, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 80 bis 90, Torna- ten 20, Zwiebeln 7 bis 8, Meerrettich 30 bis 80, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kürbis 5 bis 6, Kartoffeln, neue 5 kg 40, S kg 4 Pf., 50 kg 3,20 Mark, Falläpfel, kg 5 bis 6 Pf., Aepfel 15 bis 25, Boskop 23 bis 28, Birnen 8 bis 15, Zwetschen 10 bis 12, junge Hähne 1.— bis 1.10, Suppenhühner 80 bis 90, Gänse 1.—, Tauben, das Stück 50 bis 60, Nüsse, Yi kg 45 bis 50, Blumenkohl, das Stück 50 bis 70, Salat 5 bis 10, Salatgurken 10 bis 25, Endivien 5 bis 10, Oberkohlrabi 4 bis 8, Lauch 5 bis 8, Rettich 5 bis 15, Sellerie 20 bis 30 Pf., Weißkraut, 50 kg 3.50 Mk., Rotkraut 6.— bis 7.—, Wirsing (gelb) 5.— bis 6.—, Aepfel 15.— bis 25.—, Boskop 23.— bis 28.— Mark.
3n vortrefflicher Weise verdunkelt.
Oie zweite Verdunkelungsübung in Gießen.
Am gestrigen Freitagabend hatten wir in Gießen die zweite Verdunkelungsübung. Während vor einigen Wochen bei der ersten Uebung nur ein verhältnismäßig eng umgrenzter Raum das Uebungs- aebiet bildete, waren gestern abend der ganze ö st - liche und nordöstliche Stadtteil dazu herangezogen worden. Ihre besondere Bedeutung erhielt die Uebung noch dadurch, daß in den verdunkelten Bezirk nicht nur ein erheblicher Teil der Stadtmitte fiel, sondern auch die wichtigsten Fernverkehrs- und Durchfahrtstraßen mit in Betracht kamen. Um es vorweg zu sagen:
der Erfolg der gestrigen Uebung übertraf das Ergebnis der ersten vor einigen Wochen ganz außerordentlich und gab den maßgebenden Personen des Luftschutzes Veranlassung — abgesehen von einigen groben Fehlern, die sich unter keinen Umständen hätten bemerkbar machen dürfen— als Gesamtergebnis ihre vollste Zufriedenheit zu betonen.
Von vornherein sei aber auch darauf hingewiesen, daß es ein ganz besonderes, hoch anzuerkennendes Verdienst der Luftschutz-Block - und Hauswarte ist, alle Vorbedingungen für dieses ausgezeichnete Ergebnis mustergültig geschaffen zu haben, eine Tatsache, die von den verantwortlichen Leitern des Gießener Luftschutzes mit besonderem Nachdruck hervorgehoben und lobend anerkannt wurde.
Die Verdunkelungsübung war auf die Zeit von 20 bis 21 Uhr anberaumt. Man konnte schon erhebliche Zeit vor Beginn in dem Uebungsgebiet bemerken, daß sich die dort wohnenden Volksgenossen in umfassender Weise auf dieses Ereignis des Abends eingestellt hatten. Punkt 20 Uhr erlosch denn auch in dem ganzen Uebungsgebiet die Straßenbeleuchtung. Don dem Gebäude der Polizeidirektion aus waren schon vorher, zusammen mit Polizeibeamten, Männer der SA. und des NSKK., selbstverständlich und vor allem auch die Kräfte des Reichslustschutzbundes, eingesetzt worden, die in allen Straßen des Uebungsgebiets den Straßen- sicherungs- und zugleich den Verdunkelungskontrolldienst in mustergültiger Weife durchführten. Mit Recht wurde denn auch nach dem Abschluß der Hebung von den leitenden Männern allen diesen Helfern aus den Reihen des Luftschutzes und der SA. und des NSKK. wärmster Dank und volle Anerkennung für ihre Mithilfe ausgesprochen.
Die Uebungsleitung, die wiederum in Händen von Polizeioberinspektor Hoffmann lag, hatte eine Anzahl Kraftwagen bereitgestellt, mit denen die Leitung und führende Männer des Luftschutzes, der Feuerwehr, der öffentlichen Betriebe, die Vertreter der Presse usw. das Uebungsgebiet durchfuhren, um sich von der Art der Uebungsdurchfüh- rung, zugleich auch von etwaigen Fehlern durch persönliche Inaugenscheinnahme zu überzeugen. Es war sehr interessant und zugleich lehrreich, auf
dieser Kontroll- und Besichtigungsfahrt den Stand der Dinge zu beobachten und Vergleiche mit dem Verlauf der ersten Uebung zu ziehen.
Vor allem konnte man festsiellen, daß unsere Bevölkerung aus den nach der ersten Hebung in der Presse mitgeteilten Erfahrungen in guter Weife Lehre gezogen hat. Die Verdunkelung war am gestrigen Abend allenthalben ganz bedeutend besser als bei der ersten Hebung, sowohl an der Straßenfront der Häuser, wie auch an der Hof- und Gartenseite. Vielfach konnte man sogar die erfreuliche Wahrnehmung machen, daß die Verdunkelung IvOprozentig war und damit zum Ausdruck kam, wie gründlich die einzelnen Wohnungsinhaber die Erfordernisse eines wirksamen Luftschutzes geistig erfaßt und praktisch in die Tat umgeseht haben.
Eine besondere, hoch anzuerkennende Musterleistung zeigten die Straßenbahnwagen, die in außerordentlich wirksamer Weise sowohl an den Positionslichtern, wie auch in der Jnnenbeleuchtung verdunkelt waren. Wie wirksam an diesen Fahrzeugen die Luftschutzmaßnahmen zur Geltung kamen, ist am besten daraus zu ermessen, daß die Wagen eigentlich erst dann zu sehen waren, wenn sie wenige Meter vor einem aus dem tiefen Dunkel der Straßen geradezu gespensterhaft austauchten. Wie die Straßenbahn, so waren auch andere wichtige öffentliche Betriebe, z. B. das Gaswerk und die Feuerwache, in mustergültiger Weise verdunkelt. Es war klar ersichtlich, daß die leitenden Männer und die Mitarbeiter aller dieser Betriebe mit Eifer und mit viel Verständnis bei der Sache gewesen und bestrebt waren, die größtmögliche Wirkung zu erzielen.
Dagegen zeigten sich leider an einigen anderen Stellen ganz erhebliche Fehler, die erfreulicherweise gestern abend nur Einzelerscheinungen blieben, dennoch aber im Interesse der Gesamtheit und um der Besserung für künftige Fälle willen hier hervorgehoben werden müssen. Beispielsweise durfte es nicht vorkommen, daß die Schaufenster zweier Geschäfte auf dem Marktplatz in strahlender Beleuchtung in die Finsternis hinein- leuchteten. Man konnte hier nur die bedauerliche Tatsache vermerken, daß die verantwortlichen Man- ner dieser Geschäfte entweder die Ankündigungen der Polizeidirektion in der Presse nicht beachtet hatten oder der Uebungstermin bei ihnen der Vergeßlichkeit anheim gefallen war, beides Dinge, die bei einer so wichtigen, für die Existenz der Stadt- qesamtheit im Ernstfälle für das ganze Dasein überhaupt entscheidenden Sache nicht vorkommen dürften. Unzweckmäßig und in der Wirkung gleich Null hat sich auch die im S t a d 11 h e a t e r in den Wandelgängen angewandte Verdunkelungsmaß. nähme erwiesen. Trotz des blauen Verdunkelungs-
MMMMM
Roman von Ilse Schuster.
Copyright 1936 by Aufwärts«Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68
26. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
„Ausgerechnet. Ich dachte, daß kann nur einem dummen Hering passieren. Aber daß du auf was Seidenes, Rotlackiertes im . Ernst hereinfallen kannst, das kann ich mir nun gar nicht vorstellen. Hat die hohe Dame denn während der letzten sechzehn Jahre auf dem Mond gelebt? Mit sowas gibfte dich ab, Leonhardt? Kannste mir das seltene Gewürz nicht mal vorstellen?"
„Dann brauchst du morgen früh nur mal in die Molkerei zu gehen und dir ein Achtel Leberwurst zu holen. Vielleicht haste Glück, und sie schneidet sie dir selber ab."
Jetzt ist das Grinsen bei Fritz, er haut sich auf die Schenkel und nickt mit dem Kopf. Die Dame Hanna — schöner Salat, den sich der Stuf da eingerührt hat. Kann einem leid tun, was er sich da für falte Beine holen wird.--
„In einer Molkerei? Mit seidenen Kleidern und lackierten Nägeln? Jetzt fang ich an, an deinen gesunden Menschenverstand zu zweifeln. Wenn eine aus 'ner Villa kommt, — bu, — ist das vielleicht das Mädchen aus dem Wald — mit dem Mann von vorhin?", begreift jetzt Herdegen.
„Hat lange gedauert," stellt Fritz fest und fährt sich in gelinder Verzweiflung über den Fall durch Den Schopf. Wozu nur solche Schwierigkeiten mit Mädchen, noch dazu, wenns gar keinen Sinn hat —
Herdegen sieht scharf zu Leonhardt hinüber.
„Weißt du, warum sie in der Molkerei herum- mimt?"
„Hat wohl verschiedene Gründe. Erstens war Fräulein Gottschalk krank, aber da hätte sie ja auch das Mädchen schicken können. Zweitens hat sie die Villa vermutlich verlassen, weil ihr Vater sich wieder verheiraten will. Ich denke mir das, gesagt hat sie es nicht, aber in der Zeitung stand es. Gesagt hat sie nur, daß sie jetzt in einer Pension am Victoria-Luise-Platz wohnt und etwas arbeiten
will. Du, stell dir mal vor, Herdegen, sie trägt sogar manchmal früh die Milch mit aus —"
„Kann die denn nicht was anderes tun? Wenn sie gescheit ist, wie du sagst?" Es will Herdegen nicht in den Kopf.
„Erst habe ich gedacht, daß die Herrlichkeit nicht lange dauern wird, aber ich l)ab mich geirrt. Sie steht wahrhaftig ihre Zeit im Laden ab, nun schon seit sechs Wochen. Oft holt sie sich noch Bücher für den Abend, gute Sachen, wir reden meistens über alle hinterher. Ich bin neulich sogar mal mit ihr — schrei nicht gleich, Ludwig, — also ich bin mal mit ihr beim Wagen gewesen."
Herdegen schreit nicht. Er wartet, weil er denkt, daß Leonhardt noch mehr zu sagen hat, aber der geht nur mit großen Schritten auf und ab, nimmt ab und zu einen Schluck heißen Tee, den Fritz aufgegossen hat, und raucht. Das muß ja schön sitzen, sonst würde er sie nicht mit in die Werkstatt genommen haben, und das mit der Molkerei ist ja nun auch eine Sache, die neue Lichter auf lackierte Nägel und seidene Kleider wirft.
„Wenn sie Geld bat — dann —"
„Hat sie," sagt Fritz überzeugt
„— dann hätte sie sich ja die Molkerei schenken können, wie?"
„Sicher."
„Dann hätte sie ja mit dem Geld allerlei tun können, der Freundin eine Hilfe zu zahlen ober so. Vielleicht hat sie doch mehr von uns begriffen, als bu benfft — vielleicht hat sie bann wohl auch keine Bedenken, beine Bücher auszuleihen, wenn sie schon Milch austrägt," sagt Herdegen überzeugt. „Liegt nun an dir, wie du die Sache schaukeln wirst."
„Ich hab dir doch schon gesagt, daß sie nicht frei ist."
„Bist du nun ein Riesenroß, ober bist bu feine! Dann verenn bich boch nicht erst, wenn bu bas weißt. Dann haste boch auch nur noch einen Weg, — baß bu den andern ausstichst."
„Kann ich nicht, geht mir gegen den Strich," knurrt Leonhardt im Wolde.
„Fritz, lauf rüber und hole Rum, das labbrige Teegesöff dreht mir den Magen um." Fritz spritzt hoch und saust ab. Herdegen wirft sich auf die gemeinsame „Knautsch", daß sie in allen Fugen fracht. „Du bist ein Schlappschwanz, du. Haste sowas schon gehört! Geht ihm gegen den Strich!
Den Wedding haste wohl ganz vergessen? Aber bas kommt davon!"
„Wovon?" fährt Leonharbt auf.
„Daß bu deine Nase zuviel in Bücher steckst, davon wirst du knochenweich und kriegst moralische Anwandlungen. Da ist Fritz wieder, dem geht ja nächstens das ganze Weltbild flöten, wenn du nicht bald angreifst."
Fritz Ladegast hat einen halben Liter Rum mitgebracht, er setzt den Kessel noch einmal mit Wasser auf, und als es zu sieden anfängt, gießt er die Gläser voll. Er hat seine eigene Auffassung von dem Fall und singt mehr laut als schön:
„Was nützet mi—hi—hir ein schönes Mä—häd— chen, wenn andre mit spa—zie—ren gehn!"
13. Kapitel.
Seit einer halben Stunde gehen sie nun fast wortlos nebeneinander her. Hannas Herz klopft, sie spürt, daß der Mann ihr etwas sagen will und hofft inbrünstig, daß es das ist, was sie seit Wochen hören will. Sie will John Herbings Frau werden, weiter nichts. In diesen drei Monaten hat sie sich verwandelt, sie weiß es selbst; aber die letzten sechs Wochen, auf sich selbst gestellt, ohne die häusliche Kultur der Binger Straße, in der nicht immer angenehmen Arbeit bei Liesel gefangen, haben sie vieles erkennen lassen. Sie ist nicht etwa in die Stadt gegangen, um Herbing näher zu sein, — sie haben sich öfter gesehen, als sie noch in der Binger Straße wohnte — sie hat ihrem Vater und Melanie gerecht werden wollen.
„Woran denkst du, Hanna?"
Sie erschrickt.
„An dich, John."
Herbing zerkaut seine Zigarette, wirft sie weg. Dann schiebt er den Arm fester in den ihren und umspannt mit krampfhaften Fingern ihre Hand. Er muß sich jetzt zusammennehmen, sonst ist alles umsonst.
„Du denkst zuviel an mich, Hanna. Was soll bann werben, wenn ich fortgehe?"
„Fortgehen? Aber John!"
„Ich weiß es schon seit ein paar Tagen, Hanna. Ich reife roieber. Diesmal nach Afrika, Asien, wer weiß, wohin noch alles."
Hanna Branbes bleibt stehen, alles Blut weicht aus ihrem Gesicht, aus aufgerissenen Augen starrt
sie ihn an aber er sieht an ihr vorbei und versucht, weiterzugehen. „Ich will wieder schreiben und habe mit einem Verlag abgeschlossen," sagt er tonlos. „Mit einem Zeitungsverlag, der einen guten Berichterstatter braucht, vielleicht mache ich hinterher ein Buch. Das weiß ich noch nicht." John Herbing sagt kein Wort von Paul Laverenz. „Es tut mir um unsere schone Zeit schrecklich leid, Hanna."
„Willst bu damit sagen, daß wir uns trennen sollen, John? Das ist doch gar nicht möglich — das ist doch —"
„Es muß sein, Hanna, du wirst bas auch ein- sehen. Es muß boch ein Enbe nehmen, nicht wahr?" Er hält ben Atem an, er weiß nicht, was sie jetzt tun wirb.
„Ein Enbe nehmen, nur weil bu nach Asten willst, John? Das hat boch mit uns nichts zu tun?" Sie sagt bas fast erleichtert unb geht nun neben ihm her. „Ich fahre mit. Erne Belastung wird es für dich nicht sein, ich habe ja selber etwas Geld — ich könnte dir auch helfen —"
„Hanna, du stellst dir das nicht ganz richtig vor, das wird keine Vergnügungsreise erster Klasse mit Rohrplattenfoffern. Das wird ganz etwas anderes. Ich werbe viele Wochen nicht bazu kommen, meine Wäsche zu wechseln, ich werde einen Träger bei mir haben, der gerade genug zu tun hat, um ben Proviant zu schleppen, ich werde Wege gehen, die unmöglich für eine Frau sind. Du' würdest mich nicht wiedererkennen, wenn du mir in diesen Zeiten begegnen würdest: schmutzig, unrasiert, müde, vielleicht auch unleidlich."
Das Mädchen schweigt. Ihr weißes Gesicht ist wie zu einer Maske erstarrt, sie fühlt aus allem, was Herbing sagt, das heraus, was er erreichen will: die Trennung.
„Nimm es doch nicht so schwer, Hanna, ich komme ja auch mal wieder — ich werde dir auch schreiben — so ost ich kann — vielleicht wirst du mich garnicht mehr mögen, wenn ich eines Tages wieder auftauche —" Er versucht zu lächeln, aber seine Lippen zittern dabei. „Sieh, Hanna, heiraten — man heiratet keinen Mann, wie ich einer bin — du wirst bas vielleicht später einmal begreifen — ich kann nie lange stehen bleiben, ich muß immer weiter —
(Fortsetzung folgt.)


