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Samstag, 17. Oktober 1956

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhellen)

Nr. 244 Zweites Blatt

Aus Natur und Technik

achtet

führt

Aeuer Geist in der Heilkunde.

Das eigentliche Studium der Menschheit ist der Mensch.

Don ©r. nied. et phil Gerhard Venzmer.

Aber man darf nie von einem Extrem in das andere fallen; und ebenso, wie man die dünkelhafte Lehrgebundenheit und Erstarrung derSchul"- Medizin vergangener Jahre mit Recht verurteilt hat, ebenso muß man sich davor hüten, nun etwa mit einem Schlage Naturheilweisen als dieallein seligmachende" Form der Heilkunde ansehen zu wollen. Denn es wäre ebenso töricht wie kurzsichtig, wollte man über dem Bestreben, den von allzuviel Sonderwissenschaften verschütteten Weg zur Natur wieder freizulegen, alle die aewaltigen Verdienste mißachten, welche die Schulmedizin in jahrhunderte­langem Fleiß erarbeitet hat, wollte man etwa tue segensreichen und aus unserer modernen Gesund­heitspflege nicht mehr wegzudenkenden Errungen­schaften der Bakteriologie, der Jmmunitätslehre, des Seuchenschutzes, der medizinischen Chemie, der Strahlenbehandlung, der Chirurgie, der Tropen­hygiene und so weiter leichtfertig unterschätzen, wollte man undankbar vergessen, daß schließlich die Wissenschaft die lebenskundigen Gesetze ergründet

jener in Unzahl auf dem Markt erscheinenden pharmazeutischen Spezialpräparate in die Hand ge­drückt, derenErfolg" bisweilen mehr von der ge­schickten Reklame als von der guten Wirksamkeit abhängig schien.

Man sprach mit Recht von einerMechanisierung" undEntseelung" der Heilkunde; und schon vor reichlich einem Jahrzehnt erhoben sich Stimmen, die zur Umkehr mahnten. Aber die Warnungen dieser Rufer im Streit, wie Liek, Bier, Sauer­bruch, Krehl, Hoche und andere, verhallten so gut wie ungehört, und die Heilkunde entfernte sich immer mehr von der wahren Quelle ihrer Er­kenntnis: der Natur.

Es bedurfte eines so gewaltigen geistigen Um­bruches, wie er durch die nationalsozialistische Revo­lution bewirkt wurde, um auch hier eine tiefareifende Wandlung der Anschauungen herbeizu­führen. Das neue Deutschland, dessen Staatsge­danke sich so bewußt und folgerichtig auf den Grundgesetzen der Biologie aufbaut, hat auch auf dem Gebiet der Medizin ein neues Zeitalter einge­leitet; das Wort, daß Gemeinnutz vor Eigennutz gehe, drückt auch der Heilkunde unserer Tage seinen Stempel auf. Es hat bewirkt, daß der Schwerpunkt des ärztlichen Handelns sich von der Sorge um den einzelnen Erkrankten mehr der Fürsorge für die Volksgesundheit schlechthin sowie für das Wohl kommender Geschlechterfolgen zuwendet.

Und auch der Ruf, von Ueberspitzung und Unnatur umzukehren, ist nicht ungehört geblieben; vielmehr ist die Heilwissenschaft unserer Tage in ehrlichem Bemühen bestrebt, den Weg zur Natur, zu den Gesetzen des Lebens, zur Biologie, zuruckzufinden.

Bessemer.

Geschichte einer großen Erfindung.

Es sind jetzt 80 Jahre her, da saßen sich in dem Hinterzimmer eines kleinen einstöckigen Hauses der Orchard Street in Shefsield, dem Zentrum der englischen Eisenindustrie, zwei Männer gegenüber, deren Gespräch nicht enden zu wollen schien. Der eine, John Brown, der Besitzer des Hauses und eines kleinen Eisen- und Stahlwarenladens, der hauptsächlich für die besten Rasierklingen in ganz Sheffield berühmt war, blickte aus aufmerksam ruhigen grauen Augen seinen leidenschaftlich reden­den Besucher an, hörte zu, fragte, überlegte, fragte wieder, grübelte und nickte häufig langsam mit dem Kopfe. Der andere, ein jüngerer Ingenieur namens Henry Bessemer, setzte Herrn Brown seine Er­findung auseinander, durch unmittelbares Hindurch­treiben eines Luftstromes durch flüssiges Roheisen die Herstellung von Stähl so 311 beschleunigen und zu verbessern, daß er beliebig fein ausgewalzt wer­den könnte. Bessemer hatte sich seine Erfindung auch bereits patentieren lassen, damit aber begann die große Qual seines Lebens. Die reichen Eisen-

hat und daß der Weltruf der deutschen Heilkunde auf dem beruht, was die medizinische Wissenschaft geschaffen hat und leistet! Vergessen wir in diesem Sinne auch nicht, daß dieSchul­medizin" es war, die gegen viele der schrecklichen Krankheiten wirksame Mittel geschaffen hat, die im Weltkriege von Millionen von Soldaten Massen­erkrankungen und von den Verwundeten das furcht­bare Schicksal des Wundstarrkrampfs fernhielt, die die Sterblichkeit an Tuberkulosen im Verlauf eines halben Jahrhunderts um mehr als Dreiviertel senken konnte, die die Säuglingssterblichkeit mit nie zuvor erreichtem Erfolg eindämmte, die das Kind­bettfieber siegreich bekämpfte, die Wundeiterungen vermeiden lehrte, die Mikroben entlarvte, den An-

diesesNebulium" unser wohlbekannter Sauer­stoff ist, der nur dort etwas fremdartige Ge­wohnheiten angenommen hat, weil die Zu­stände in den Nebeln gar zu sehr von den irdi­schen abweichen.

Wir wissen sogar, wodurch sich die in den Ne­beln herrschenden Zustände von den uns vertrau­ten unterscheiden: Es ist die ungeheure Dünne der Verteilung. Man hat guten Grund zu der Annahme, daß der Orionnebel, der einzige mit bloßem Auge sichtbare dieserdiffusen Nebel", etwa eine Million mal dünner ist als das höchste mit allen Mitteln heutiger Technik herstellbare sog. Vakuum". Der luftleere Raum, etwa unserer Ver­stärkerröhren, ist im Vergleich zu dem, was wir in diesen Nebeln antreffen, sehr viel mal dichter als Gold oder Platin dichter sind als das dünnste Gas, der Wasserstoff. In unserer gewöhnlichen Luft er­fährt ein Teilchen in einer Sekunde viele Millionen von Zusammenstößen mit anderen Teilchen. In einem solchen Nebel kann ein Teilchen tagelang umherirren, ehe es einmal auf seinesgleichen trifft. Kein Wunder, daß da auch so wohloertraute Gase, wie beispielsweise unser Sauerstoff, ihr Licht in etwas anderer Weise aussenden als bei uns au, der Erde.

blutige Wunde!); so heißt elastisch jetzt richtig: f e d r i g". Die Spannkraft einer Feder ist keine Stoffeigenschaft, sondern die Kraft, die man 311m Spannen einer Feder aufwenden muß, oder die sie hergibt, wenn sie sich entspannt. Da man Eigen­schaften des Stoffes meist mit der Endungigksit" bezeichnet (Festigkeit), Sprödigkeit, Zähigkeit, Kle­brigkeit), so verdeutsche man jetzt das Wort Elastizi­tät mitFedrigkeit", wodurch dieSippenverwandt­schaft" beider Wörter deutlich wird.

So ist schon das flüchtige Blättern in der neu aufgelegten Deutschliste der Technik ein Vergnügen; daß sich auch das äußere Gewandverdeutschte", ist ein weiterer Vorzug; mit Ausnahme der Fremd­wörter, die man unterschiedlich von den Verdeut­schungen kennzeichnen wollte, ist die Liste in deut­scher Schrift (Fraktur") statt wie bisher in latei­nischer Schrift (Antiqua") gedruckt.

Da Vertreter von Mitgliedvereinen der Reichs­gemeinschaft technisch-wissenschaftlicher Arbeit, von Behörden, von Schriftleitungen technischer Zeiffchrif- ten und Mitglieder des Deutschen Sprachvereins diese Deutschliste in eingehender Zusammenarbeit schufen, können wir erwarten, daß alle Fachkreise recht fleißig aus dieser Liste lernen. Wir Laien aber haben besonderen Grund, uns des Geschenkes würdig zu erweisen, denn jetzt erst kann sich uns das Reich der Technik erschließen, nachdem man die Hindernisse fremdartiger Wortungeheuer (Permea­bilität = Durchlässigkeit) beseitigte. Da die Deutsch­liste' für 10 Rvf. (und 8 Rpf. Postgeld) vom VDI.- Verlag GmbH. Berlin NW 7 Ingenieurbaus, zu beziehen ist, kann sie sich jedermann anschaffen

Zum Schluß aber sei doch gefragt: Wo bleiben die Verdeutschungen für Lokomotive, Elektrizität und Technik? Auch für sie hat man schon Derdeutschun- gen vorgeschlagen; so der "Zieh" für die Lokomo­tive, das WortBern" für Elektrizität und Werk­schaft" für Technik. Besonders die ^erdeutschung des Wortes Technik durch bo« ^^rt W rksckn. t wäre zu begrüßen, da es sich nut Wörtern u.ld Begriffen wie Wilfenfchaft und Wirtfchast m <in' Reihe stellt.

besonders für die Zwecksprache der Technik in den Verdeutschungen eineMerkhilfe" gaben, deren wir bedürfen.

Auch die neue Auflage der Deutschliste der Tech­nik ist nur für technische Schriftwerke bestimmt und enthält daher nur Fachwörter der Technik. Trotzdem beläuft sich die Zahl der verdeutschten Fremdwörter auf über 900! So ist es verständlich, daß nur an einigen wenigen Beispielen der neuen Auflage zum erstenmal auftretenden Wörtern ge­zeigt werden kann, wie die Technik auf dem Weg der Sprachschöpfung vorwärts geschritten ist. Vor­nehmlich sind hier solche Beispiele herausgegriffen, die uns alle etwas angehen.

Ganz neuartig ist die Verdeutschung des Wortes Beton". Es ist verdeutscht durch den Ausdruck: die Flühe"; dementsprechend heißtbetonieren" jetzt: fluhen. Neugebildet ist auch das WortS e l b" für Automat". Es ist erfreulich, zu beobachten, wie dieses klare und einprägsame kurze Wort sich be­reits einzubürgern beginnt. Das umständliche Wort kanalisieren" (für die Schiffahrt) ist mitschiffbar machen" oder noch einfacher mitschiffbaren" ver­deutscht; demnach ist Kanalisierung nunmehr: Schiffbarmachung" oderSchiffbarung". Schon die 3. Auflage der Deutschliste enthielt die deutschen Wörter Rüstung, Zusammenbau, Aufstellung, Errich­tung fürMontage" und rüsten usw. fürmon­tieren", und endlich Rüster, Rüstmeifter, Rüstmann fürMonteur" (sprich: Mongtöhr!). Die 4. Auf­lage der Deutschliste unterscheidet feiner: R üst- m e i st e r oder derMontage- oder Monteur­meister" und Rüstmann oder Rüster ist derMon­teur"; auch fügt sie die Rüsthalle (Montagehalle) und Rüsterei (Montagewerkstatt) diesen Wortbegrif­fen hinzu. Zu den Wörtern der 3. AuflageHer­steller",Erzeuger",Werkbesitzer" fürFabrikant" haben sich in der 4. Auflage dasWerk" für die großeFabrik" hinzugesellt. D?m bereits ver­deutschten WortKonstruktion (Bauwerk, Gestal­tung, Bau, Bauart, Aufbau, Bauweise) ist der Gestalter" (Konstrukteur), der Hauptgestalter oder

Solange es eine eigene Heilwissenschaft gibt, hat sich ihre Entwicklung in steten Wellenlinien voll­zogen; und wer etwa glaubt,Krisen" in der Me­dizin oder Fehden verschiedener Richtungen der Heilkunde gegeneinander seien Kinder ausschließlich unserer Zeit, würde schwer irren. Schon die beiden berühmten Medizinschulen der klassischen Antike, die von Kos und Knidos, lagen in heftigem Wider­streit; in Knidos waltete, um mit heute gebräuch­lichen Ausdrücken zu sprechen, die wissenschaftliche Schulmedizin vor, und es wurde hier auf dem Wege über gelehrte Theorien eine mehr örtlich zie­lende Krankheitsbehandlung getrieben; in Kos da­gegen, aus dessen Schule auch der große Hippo- krates hervorging, überwog eine auf der Un­mittelbarkeit zwischen Arzt und Kranken fußende biologische Heilkunst" und eine mehr auf den gan­zen Menschen gerichtete Behandlungsweise.

Dieser jahrtausendealte, tiefgreifende Widerstreit hat sich über alle noch so vielgestaltigen und oft abenteuerlichen Richtungen in der Heilkunde hinweg hießen sie nun Humoralpathologie, Jathrophysik, Jatrochemie, Animismus, Jrritationslehre, Vitalis­mus oder wie auch immer siegreich behauptet und ragt mit unvermindeter Gegensätzlichkeit auch noch in unser heutiges medizinisches Denken hinein. Er mußte zu einer gewaltsamen Auseinander­setzung führen, als mit Virchows Zellular­pathologie ungeachtet aller dadurch gewonnenen grundlegenden Erkenntniffe eine allzu örtlich be­grenzte Vorstellung von dem Krankheitsgeschehen einsetzte; als mit den gewaltigen Siegen der Na­turwissenschaften und der Technik eine rationalistische Betrachtungsweise der Welt und der Dinge den Sieg davontrug.

Das war schon einmal, im Zeitalter des Abso­lutismus, der Fall gewesen; aber die Zeit der deut­schen Romantik hatte wieder eine Abkehr von sol­cher Anschauungsweise gebracht. Jetzt aber nahm mit den immer mehr sich türmenden Forschungs­ergebnissen derexakten Wissenschaften und der La­boratoriumsmedizin erst recht die Zahl derer zu, die da glaubten, das Rätsel des Lebens ließe sich eines Tages in eine Reihe physikalischer Gleichun­gen oder chemischer Formeln fassen; und im glei­chen Maße mußte die Heilkunde zunehmend men­schenferner werden. Je mehr atomisierende Einzel­erkenntnisse in unübersehbarer Menge aufgestapelt wurden, um so weniger führte von diesen, durch Messen, Wägen und Ablesen gewonnenen Befunden ein Weg zum kranken Menschen. Ein trauriger Heil-Betrieb" hatte vielfach durch die Ueberspannung des Krankenkassengedankens einge­setzt, der Mediziner hatte nur allzu häufig weder die Zeit noch die Fähigkeit, innerlich mit seinen Kranken mitzugehen; sie erhielten vielmehr eines

Gestaltungsleiter (Chefkonstrukteur) und der Teil- gestalter (Detailkonstrukteur) hinzugetreten.

Don den neuen Wortprägungen seien gleichfalls einige angeführt. Daß das WortPersonal" mit Belegschaft und Gefolgschaft wiedergegeben ist, versteht sich auch in der Technik von selbst. Hier drückt das verdeutschte Wort zugleich die Wandlung des BegriffsPersonal" in weltanschaulicher Be­ziehung aus. FürStandard" heißt es nunNorm", Stand", ,,-ftand",-Haltung" (z. B. Lebenshalter, Lebensstand); eine Standardmaschine ist fortab eine Meistermaschine".

Ferner ist neu: derFalt" (Mehrzahl: die Falte) oder dasGerenk", dasGewerf" (im Rhein­land volkstümlich) fürScharnier"; dann:wesen­haft" fürschematisch" undWesensriß" fürsche­matische Zeichnung". Etwas entfernter liegen uns Laien die Verdeutschungen:Feßlung" für elektrische Kapazität;Fessel" für den elektrischen Kondensator (im Anklang anDrossel");Alm" für Alumi­nium ;Schmält" undschmälten" für Emaille und emaillieren;Kadming" für Kadmium und verkadmen" fürverkadmiumen".

Auch Verbesserungen und sinnreiche Ergänzungen weist die 4. Auflage auf. Für das Wortlabil", das bisher mit gleitend, unstet, umfällig, unbestän­dig, schwankend verdeutscht wurde, sagt man nun auch:kipplig". Heißt das nichtdem Volk aufs Maul sehen"? Für den bekanntenBajonettver­schluß", der bisher auf deutschDrehoerschluß" oder Winkelschluh", auchWinkelschlitz" hieß, hat man das treffende und ob seiner Kürze treffliche Wort Renk (Mehrzahl: Renke), Renkanschluß, Renkver­band, Renkoerschluß gebildet, wobei der noch be­kanntere, ja berühmteReißverschluß" als Vorbild diente. r ... ...

Ganz besonders erfreulich ist, daß man sich nicht scheute, zuzugeben, in der 3. Auflage das Wort Elastizität" mitSpannkraft" undelastisch mit ledernd" unddehnbar" schlecht und auch falsch verdeutscht zu haben. Denn eine Feder ist nurfe­dernd", solange sie sich bewegt; im Ruhezustand ist siefedrig" (Man vergleiche: eine blutende und

Sicherheit.

Außer diesen planetarischen Nebeln gibt es noch sog.diffuse" oder zerstreute Nebel, die eine ganz unregelmäßige Form haben. Ihr Licht zeigt, daß es sich bei ihnen nicht ausschließlich um leuchtende Gase handelt, sondern daß auch feine Staubwolken dabei beteiligt sind, die das Licht genau so streuen, wie das eine irdische Staubwolke tut. Es war eine sehr wichtige Entdeckung, als es gelang, nachzu­weisen, daß in zahlreichen Fällen das Licht dieser Nebel in allen Einzelheiten der bei seiner Zerle­gung auftauchenden Linien mit dem Licht der leuch­tenden Sterne übereinstimmt, wodurch jeder Zwei­fel an der Herkunft des Nebellichtes beseitigt wurde.

Noch einen anderen Zusammenhang zwischen leuchtenden Nebeln und den ihr Licht erzeugenden Sternen ergab neuerdings eine großzügige Unter­suchung die auf der berühmten Mount-Wilson- Sternwarte in Kalifornien vorgenommen wurde. Es zeigte sich nämlich, daß die Ausdehnung dieser Nebel fast ausschließlich von der Leuchtkraft des sie erzeugenden Sternes abhängt. (Ich sageLeucht­kraft" und nichtHelligkeit", denn ob uns der Stern hell erscheint, das wird außer von seiner wahren Leuchtkraft auch noch von seiner Entfer­nung von uns abhängen.) Je großer also die Leucht­kraft eines Sternes, desto ausgedehnter kann der Nebel sein, dessen Licht er erzeugt. Mitunter er­geben sich unglaublich große Ausdehnungen. Wohl

ist sehr mannigfaltig. Die Untersuchung ihres Lichtes zeigt, daß es in ihnen nicht nur Staub, sondern auch Gase gibt, sogar Gase höchst sonderbarer Art; sonderbar nicht ihrer stofflichen Natur wegen; wir müssen anehmen, daß es in der ganzen Welt keine Stoffe gibt außer denen, die auch uns be­kannt sind. Infolgedessen bereitete es den Astro­nomen die größte Verlegenheit, als in dem zer­legten Licht solcher Nebel Linien entdeckt wur­den, die aüf ein fremdes Gas Hinweisen, für das, weil seine Lichtspur nur in Nebeln beob- wurde, der NameNebulium" einge- wurde. Es stellte sich aber heraus, daß

Leuchtende Aebel im Weltall.

Von Professor Or. Paul Kirchberger.

Astronomie", Himmelskunde",Sternkunde" er­scheint wohl den meisten Lesern als ein und das­selbe, und ich will ihnen keineswegs widersprechen. Ich will nur darauf aufmerksam machen, daß es am Himmel durchaus nicht nur Sterne zu beob­achten gibt, und daß deshalbHimmelskunde" sehr viel mehr besagen will als bloßeSternkunde".

Dos hat man aber erst feit ziemlich kurzer Zeit eingesehen. Früher hat wohl auch schon mal ge­legentlich ein Himmelsforscher bemerkt, daß be­stimmte Teile des Himmels in dunkler Nacht nicht bas tiefe Schwarz zeigen, wie andere, und sie ha­ben die Ursache dafür in Wolken gesucht. Und so sprach man wohl auch von Nebeln. Das hinderte aber nicht, daß die Sterne als der eigentliche und wohl auch einzige Gegenstand der Himmelskunde galten. Wie wenig man noch bis vor kurzem von diesen Dingen wußte, das zeigt uns schon der Sprachgebrauch: Wir sprechen noch heute beispiels­weise vomAndromedanebel", obwohl wir genau wissen, daß er nichts weniger ist als ein Nebel. Er ist eine ungeheure Sternenwelt, aus Mil­lionen von Sternen bestehend, und nur der unge­heuren Entfernung wegen erscheint er dem bloßen Auge oder selbst nicht allzustark vergrößernden Fernrohren wie ein Nebel.

Aber es gibt auch wirkliche Nebel, und sie wer­den für die Himmelskunde immer wichtiger. Man kann annehmen, daß etwa die Hälfte des in der Welt vorhandenen Stoffs, der Materie, auf die Sterne entfällt, die andere Hälfte auf die unge­heuren zwischen ihnen befindlichen Räume. Nun ziehen zwar die Sterne die höchst sein verteilte Materie des Weltalls an, sie wirken als eine Art Staubsauger; aber man hat berechnet, daß es bei der ungeheuren Ausdehnung der Himmelsräume trotz der Milliardenzahl der Sterne etwa 10 000 Billionen Jahre dauern würde, bis das himmlische Großreinemachen beendet ist.

Allerdings wirken die Sterne nicht nur als Staubsauger, sie senden umgekehrt auch mitunter Nebel aus. Unter den leuchtenden Nebeln nämlich spielen eine besondere Rolle die sog.planeta­rischen Nebel", so genannt, weil sie auf den ersten Blick ihrer runden oder auch elliptischen Form wegen eine allerdings nur ganz äußerliche Ähnlichkeit mit einem Planeten aufweisen. Bei diesen planetarischen Nebeln sitzt fast immer in der Mitte der Scheibe oder auch des Ringes, den sie bilden, ein Stern, und zwar ein Stern von un­geheuer hoher Temperatur, etwa 50 000 Grad an der Oberfläche. Daß dieser Stern die Gasmassen, die den Nebel bilden, ausgestoßen hat, kann als ganz sicher gelten; denn dieser Vorgang ist bei den sog.Neuen Sternen" schon beobachtet, und daß es sich bei den planetarischen Nebeln um reine Gase, nicht etwa um Staub oder bergt, handelt, zeigt die Untersuchung ihres Lichtes mit aller

NierechnikMSMchschösserin.

Don ©r. Friedrich Bubendey.

Abermals hat sich die Technik °l-Sprach,chapserin aeiieiat Soeben erscheint dieDeutschliste der Aeichsgemeinschaft technisch-wissenschaftlicher Arbeü in 4 Auflage und schenkt uns eine neue Fülle klarer und leichtoerständlicher Verdeutschungen Viele werden meinen, dies ginge nur die Technik etwas an, denn was versteht der Laie von der Technik? Hier wird, so scheint es, Ursache und Wir­kung verwechselt. Weil eben in früheren Zelter1 bie Technik von unverständlichen Fremdwörtern strotzte, wandten sich viele Laien seufzend von ihr ab und verstellen" daher auch heute Nichts von ihr. Der -Äche Rundsunkhorer, der zum erstenmal etwas oon R ab in a" liest- ober hort, neigt nicht dazu, sich Mt die,er^Er,cheinung zu beschäftigen; sobald er ab^r etwas vonSchwund" vernimmt, horcht er auf Denn er hat es selbst sehr oft an feinem Laut­sprecher erlebt daß Ton und Wort verschwunden iinb Sn führt eine gute Verdeutschung Mit der 3eit au* zum Verständnis technischer Vorgänge Den Nutzen haben die Technik und d,° La,en,chast, also: wir alle. . . . , ,

Trifft aber, so wird man hier und dort fragen, das deutsche' Wort auch immer emdechig das Fremdwort? Die Gegenfrage fei erI.au9bt^.rnJ. 1?,rE_ lich auch alle Fremdwörter eindeutig? Sie sind cs nZst Sehr viele Fremdwörter sind mehr euh<j. dem Gefchichller. Die' Verdeutschungen und Neubil­dungen sind nicht willkürlich gewählt und geschaffen, {.whprn anaefebene Fachleute der Technik und be= währte Fachleute der deutschen Sprachpflege haben sich in mühevoller, langer, fleißiger Arbei Uber ebe einzelne Verbeutschung ernst und gewissenhaft beraten. Niemanb kann den Vorwurf der Frembwortsresserei" erheben. Vielmehr haben wir diesen deutschen Männern zu danken, daß sie uns

steckungskrankheiten ihre Schrecken nahm, die Seuchen aus den zivilisierten Ländern verbannte und durch eine neue Hygiene die Volksgesundheit auf eine solche Höhe emporhob, daß sich das Durch­schnittslebensalter gegenüber dem Ende des vorigen Jahrhunderts um mehr als anderthalb Jahrzehnte steigern konnte ein in der Menschheitsgeschichte ganz einzigartiges Geschehen!

Wir dürfen auch nicht übersehen, daß dieSchul­wissenschaften" von jeherbiologische" Heilverfah­ren in den Kreis ihrer Behandlungsweisen einbe­zogen haben; Umschläge, Wärme-, Wasser-, Luft- und Sonnenbehandlung, Bewegungstherapie und tausend Dinge mehr sind durchausnatürliche" Heilmittel; ebenso in weiterem Sinne auch die ge­samte Organtherapie und so weiter. Manche Be­handlungsverfahren wiederum, die heute so gern alsbiologisch" bezeichnet werden, so um nur ein Beispiel herauszugreifen die mit ausgezeich­netem Erfolg betriebene Eigenblutbehand­lung, bei der dem Patienten Blut aus den Adern entnommen und sofort in die Muskulatur wieder eingespritzt wird, sind im Grunde genommen durchausschulmedizinisch"; denn wo käme es in der Natur vor, daß einem Organismus Blut aus der Vene gezapft und wieder in das Muskelgewebe eingefpritzt würde...

Die auf unseren Hochschulen gelehrte, in der ganzen Welt hochangesehene deutsche Heilwissen­schaft, die auf gesicherter, von uraltem Erbgut durchdrungener Ueberlieferung aufbaut und die sich in stetem Weiterforschen immer wieder verjüngt, nimmt heute lebhafter als zuvor alles das aus der Naturheilweise und der übernommenen Volks­medizin in sich auf, was wirklich bewährt und er­probt ist. Und daher sollte es heute überhaupt nicht mehr, gleichsam wie zwei feindliche Brüder, auf der einen Seite eine fogenannteSchulmedizin' und auf der anderen eineNaturheilkunde" geben. Die glücklicheVerfchmelzung vielmehr, die Synthese beider, die gedeihliche Zusammenarbeit des Erfahrungsschatzes von Jahrtausenden und der neuen Forschung sind die Grundmauern, auf denen eine neue, im besten Sinne des Wortes lebens­gerichtete Medizin emporwächst; eine Heilkunst, die neben ihrem gesicherten wissenschaftlichen Rüst­zeug vor allem auch wieder die Persönlichkeit des Arztes in den Brennpunkt der Krankenbehandlung stellt.

der leuchtkräftigste der mit bloßem Auge bei uns sichtbaren Sterne ist der R i g e I, der rechte Fuß­stern des Orion. Er ist etwa 10 000 mal so hell wie unsere Sonne, und der von ihm erzeugte Nebel reicht etwa 100 Lichtjahre weit. Unsere Sanne würde schon in der Hälfte dieser Entfernung dem bloßen Auge unsichtbar werden, Nigel würde aber noch heller' erstrahlen als jetzt, ja sogar noch heller als der uns am hellsten erscheinende Fixstern, der Sirius; sein Glanz würde etwa dem der Venus gleichkommen und das würde genügen, ein Leuchten hervorzurufen, das mit heutigen Mitteln noch nachweisbar ist.

Aber die Natur dieser unregelmäßigen Nebel