Nr. 294 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Mittwoch. !6.Dezember
Junge deutsche Tiation.
WeihnaKtsbücher für die Zugend
ter anderem finden sich dort zwei grundsätzliche Aufsätze über Sinn und Inhalt des Weihnachtsfestes, ein Märchen, das den Mythos der Weihnachtszeit zum Inhalt hat und sich gut zum Dorlesen eignet, sowie Vorschläge für die G e st a l - tung einer Wintersonnenwende mit Feuersprüchen und Liedern. Auch auf das Dezemberheft 1935 der NS.-Monatshefte sowie auf das Werk „Bauernbrauch im Jahreslauf" von Hans Strobel weist das Kulturamt der Reichsjugendführung hin. Die Gebiete und Obergaue der Hitler-Jugend bzw. des BDM. haben ferner den Entwurf eines Weihnachtsspieles erhalten. Die Gebietsführungen der HI. außerdem den Entwurf zu einer gemeinsamen Sonnenwendfeier mit der SS. Arbeitsbehelfe für Weihnachts- und Wintersonnwendfeiern finden sich ferner im Dezemberheft 1935 der Führerinnenbriefe „Mädel voran", in Heft 1 der Reihe „Feierabend", die vom Reichsarbeitsdienst im Verlag „Nationaler Aufbau" in Leipzig herausgegeben wird, außerdem in dem Heft „Weihnachten irrt Kamsradenkreis" (Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg), das außer einigen grundsätzlichen Ausführungen eine Zusammenstellung von Gedich-
Sie Weihnachts- und Winter- sonnwendfeiern der HZ.
Anweisungen Ses Kulturam'es der :R3$.
In ihrer Feiergestaltung unterscheidet die Hitler- Jugend die Feiern zur W i n t e r s o n n e n- w e nd e und die W e i h n a ch t s f e i e r n. Während die Wintersonnenwende eine Feier der Formatio-
Feier der Gemeinschaft ist, muß das deutsche Weihnachtsfest in erster Linie als eine Feier der Familie angesehen werden. Die Formationen der Hitler-Jugend und des BDM. begehen ihre Wintersonnenwende am 21. Dezember £raufe?ejmf Feuer. Dazu werden vom Kulturamt der RIF. .olgende Einzelheiten bekanntgegeben:
In allen Standorten, in denen mindestens ein Sturm bzw. ein Sturmbann der SS. besteht, wird die Wintersonnenwende von der Hitler-Jugend und der SS. gemeinsam begangen. Hierbei übergibt die SS. der Hitler-Jugend die Sonnenwendfackel, die dann in jedem Jahr zu Sommersonnenwende von der Hitler-Jugend wiederum der SS. übergeben wird. An dieser gemeinsamen Sonnenwendfeier mit der SS. nimmt aber nicht die gesamte HI. der einzelnen Standorte teil, sondern nur eine Abordnung der Hitler-Jugend und des Deutschen Jungvolks in einer Höchststärke von 300 Mann. Die zu der gemeinsamen Sonnenwendfeier abgeordneten Einheiten der Hitler-Jugend und des Deutschen Jungvolks beteiligen sich auch an der Ausgestaltung dieser Gemeinschaftsfeier. Die übrigen Einheiten der Hitler-Jugend und des Deutschen Jungvolks gestalten ihre Wintersonnenwendfeiern an anderen Plätzen, und zwar gefolgschafts- bzw. fähnleinweise. Die Einheiten des BDM. und die Jungmädel begehen ihre Wintersonnenwendfeiern unter sich und gesondert von der Hitler-Jugend
Sollten jedoch auch Weihnachtsfeiern im Kameradenkreise, bei Elternabenden, in Betrieben und dergleichen von der Hitler-Jugend gestaltet werden, so ist darauf zu achten, daß diese Feiern lediglich auf das Fest hinsühren und vorbereiten, aber es nicht selbst vorwegnehmen.
Diese Feiern sollen nicht das eigentliche Weihnachtsfest in der Familie ersetzen, sondern neben diesen stehen. Die Hitler-Jugend wird deshalb bei diesen Feiern auch keine Weihnachtsbäume, sondern lediglich grüne Tannenzweige mit brennenden Kerzen oder Kränze mit Lichtern verwenden. Weihnachts-, Märchen- oder Stegreifspiele an Hand von Märchen sollen im Mittelpunkt solcher Feiern stehen, Lieder, Musikstücke und Vorlesungen die Feier umrahmen. lieber den tieferen Sinn des Weihnachtsfestes soll kurz gesprochen oder vorgelesen werden. Die Gestalt unseres alten „Knecht Ruprecht", der Scherzgeschenke und ähnliches verteilt, soll dabet wieder erscheinen.
Die Kameraden und Kameradinnen, denen das Glück eines wirklichen Familienlebens durch irgendwelche Umstände vorenthalten ist und denen es deshalb nicht möglich ist, das Weihnachtsfest im Kreise der Familie zu begehen, soll von den Jungen und Mädeln der Hitler-Jugend zu den Feiern ihrer eigenen Familie eingeladen werden.
Das Kulturamt der Reichsjugendführung hat an die Banne, Jungbanne und Untergaue eine Aufstellung des wichtigsten Behelfsmaterials sowohl für die Wintersonnenwende als auch für die Weihnachtsfeiern herausgegeben. Dadurch ist es den unteren Einheiten der nationalsozialistischen Jugendorganisationen möglich, von diesen genannten Dienststellen Auskünfte und Anregungen über die G e st a l t u n g ihrer Wintersonnenwend- und Weihnachtsfeiern einzuholen. Auch das Dezemberheft der amtlichen Zeitschrift der Rsichsjugendfüh- rung „Die Spielschar" bringt solches Material. Un-
— Admiral Scheers Lebenserinnerungen: Vom Segelschiff zum U-Boot. 6. bis 8. Tausend bearbeitet von Fregattenkapitän a. D. A. Scheibe. Mit vielen Bildern und Karten. Preis: Leinenband 6,80 Mark. Verlag von Quelle & Meyer, Leipzig. — (486) — Wie die Skagerrakschlacht als unvergängliche Ruhmestat der deutschen Marine in der Geschichte weiterlebt, so auch der Name jenes Mannes, der den Sieg in dieser größten Seeschlacht der Neuzeit den deutschen Waffen sicherte. Mit diesem dankbaren Erinnern begrüßen wir diese zweite Auflage der Lebenserinnerungen des Admirals Scheer. Heute knüpft unsere neu erstandene Kriegsmarine stolz an das Heldentum der Kämpfer vom Skagerrak und ihres Führers an. Die Erinnerungen Scheers geben das persönliche Erleben einer vierzigjährigen Dienstzeit wieder, die ihn vom Seekadetten zum Admiral emporsteigen sah und die eng verknüpft ist mit dem unaufhaltsamen Erstarken der deutschen Vorkriegsflotte. Die lebendigen Schilderungen enthüllen ein wesentliches Stück deutscher Kolonial- und Flottengeschichte und geben eine authentische Darstellung von den Leistungen der deutschen Marine im Weltkrieg. So ist das Werk ein Vermächtnis an die neuerstandene deutsche Kriegsmarine, ein Buch, das besonders unsere Jugend für die Erlebnisse, Aufgaben und Heldentaten im Seemannsleben begeistern wird.
— Konteradmiral a. D. Lützow: Leinen los! Leben und Kämpfen auf der Kriegsflotte. Mit 39 Abbildungen. 4 Mark. Verlagsbuchhandlung Dürr & Weber, Leipzig C 1. — (438) — Wie die deutsche Kriegsmarine seit 40 Jahren ihre Aufgabe aufgefaßt hat, davon erzählt das Buch. Es wendet sich in erster Linie an die Jugend, die febenbrge Vorstellungen vom Werden und Sein der Kriegsmarine haben will. Es gibt einen Begriff davon, wie der Führer und Reichskanzler eine Kriegsmarine für Deutschlands Politik und Zukunft einschätzt. Es zeigt, daß nach der Ueberlieferung, die durch die Marine seit 40 Jahren gelegt ist, der Deutsche sich auf den Meeren und im Ausland führen kann. Alles nicht im trockenen, lehrhaften Ton, sondern packend und bilderreich; ein Jugend- und Volksbuch im besten Sinne.
— Müller - Rüdersdorf: Friedrich der Große, König und Held. 134 Seiten. Kart. 2.— RM. Ganzl. 3.— NM. Dürrsche Buchhandlung, Leipzig C 1. — (439.) — Für Feiern, die zu Ehren Friedrichs des Großen veranstaltet werden,
ten und Prosastücken, die zum Vorlesen geeignet sind, enthält. Auch Teile aus der Edda sowie ein Märchen aus Grimm und Andersen hält das Kulturamt der RIF. zur Ausgestaltung dieser Feiern für brauchbar.
Die für solche Feiern der HI. geeigneten Spiele sind: „Goldmarie und Pechmarie" von Hedwig von Ohlfers, erschienen in der Reihe „Spiele der deutschen Jugend" im Arwed Strauch-Verlag, Leipzig; ferner ein Spiel „Der Hampelmann" von Hans Baumann im Verlag Voggenreiter in Potsdam.
Für die Gestaltung der Weihnachtsfeiern geeignete Lieder enthält das Weihnachtsliederblatt des Kulturamtes der RIF., das im Verlag Kallmeyer, Wolfenbüttel, erscheint; ferner das Liederheft aus dem gleichen Verlag „Eine Flamme ward gegeben" mit Sonnwendliedern und Feuersprüchen.' Das neue BDM.-Liederbuch „Wir Mädel singen" bringt ebenfalls einige geeignete Lieder. Musikftücke enthält das Musikhlatt zu dem oben erwähnten Weihnachtsliederblatt des Kulturamtes, sowie die Musikblätter der Hitler-Jugend und die Jnstrumentalhefte zu den Blättern „Die junge Gefolgschaft."
hat Müller-Rüdersdorf feine Sammlung herausgegeben. Jedem, der in der Schule, in der nationalsozialistischen Organisation oder sonst in einer Gemeinschaft Schicksal und Bedeutung des großen Königs lebendig werden lassen will, bietet sich die vorliegende reichhaltige Sammlung als Stoffquelle an. In drei Teilen enthält es Meisterstücke aus berühmten geschichtlichen und biograpbischen Werken (Carlyle, Jäger, Koser, Petersdorfs, Einhart, Lamprecht, Lüdtke, vom Großen Generalstab und von Friedrich dem Großen selbst) aus Erzäblungs- büchern (von Willibald Alexis, Nettelbeck, Dahms, Müller-Rüdersdorf u. a.), Balladen und Gedichte (von Schubart, Fontane, Ewald v. Kleist, Kopifch, Schernberg, Fouaue u. a.), Saaen und Schwänke.
— MaxBuchheim: „Landjahr — Heil!" gebunden 2,80 RM., kartoniert 2 RM. Verlag der Dürrschen Buchhandlung, Leipzig C 1. — (440) — Hier hat ein Schulmann auf Grund der Briefe und Berichte feiner Schüler und Schülerinnen das Erleben des Landjahrs zusammengestellt. Er formte die Einzeltatfachen zu einer einheitlichen Handlung und gestaltete so bei freier Erfindung von Ort und Personen einen Bericht, der die Wirklichkeiten des Landjahres wiedergibt, die Freuden und Schönheiten, aber auch die Sorgen und Nöte. Das Buch ist erfüllt von dem Frohsinn und der Unbekümmertheit unserer Jugend und zeigt den großen Wert dieser zielbewußten Landfahrerziehung für den einzelnen, für unser Volk und im besonderen für das künftige Deutschland.
— A u f guter Fahrt. Ein Jahrbuch für unsere Jungen. 2. Folge. 384 Seiten. Ueber 250. Abbildungen im Text und zwei mehrfarbige Sonderbeilagen „Entwicklung des Flugwesens" und „Große Geländespielkarte" zum Leistunaswettbewerb mit 50 wertvollen Preisen. Leinen 6 Mark. Verlag Josef Kösel & Friedrich Pustet, München. — (363.) — Ein schneller Kampfpflieger ist das Symbol dieses Bandes, der uns gleichsam im Flug mitnimmt „Auf gute Fahrt" über deutsches Land in der Schönheit seiner Berge, Seen und Wälder. Wir übersehen das engmaschige Netz seiner Verkehrsadern zu Land, zu Wasser und in der Luft und finden das gesamte Flugwesen mit besonderer Sorgfalt vor uns ausgebreitet. Wir blicken hinein in das Laboratorium des Wissenschaftlers, in die Werkstatt des Technikers. Aber uns wird auch Zeit aelassen zu Sport und Spiel, eine Tabelle der Olympiasieger läßt noch einmal den glanzvollen Verlauf der Olympischen Spiele und unserer deut
schen Triumphe lebendig werden. Man gibt uns harte Nüsse zu knacken, Denksportaufgaben für den Leistungswettbewerb, an dem sich jeder deutsche Junge unter 18 Jahren beteiligen kann. Wer Glück hat, gewinnt einen der 50 wertvollen Preise, ein Faltboot vielleicht, ein Fahrrad, Skier oder eine Ziehharmonika. Und bann vertiefen wir uns in eine der abenteuerlichen Geschichten, steigen vielleicht in „Die Höhle am Rabenberg" ober erleben „Drei Wochen in ber grünen Hölle".
— Otto Boris: Worpel. Die Jugenb eines Elchhirsches. Mit zahlreichen Zeichnungen von Professor Walter Klemm. Ganzleinen 4,20 Mark. K. Thienemanns Verlag, Stuttgart. — (500) — Der Autor selbst über sein Buch: Es war auf ber Ku- rischen Nehrung, am Maienmorgen, so recht ein Tag für Mücken, ba traf ich Worpel. Wie er sich aus bem Sumpf hob, hatte ich einen wenig ermu- tigenben Einbruck. Ein Platzhirsch bulbet ein gleichherrliches Wesen nicht in seinem Revier. Es war wohl besser, baß ich ihn mir aus ber Ferne ansah. Ich zog aber über ben alten Grobian Erkunbunaen ein. Unb so erfuhr ich seine Intimitäten, seine Memelabenteuer, seinen Wolfkampf, seine Rüpeleien mit ben Fischweibern unb sein Teufelchenspielen. Er wirb biese Zeilen wohl nicht lesen können, benn er ist nicht einmal in eine Volksschule gegangen, aber wenn ich ihn wieber auf ber Nehrung ober im Luch fehen sollte, wirb er sich trotzbem mir überlegen fühlen. Ich habe ben Krieg hinter mir, Worpel aber auch verschiebenes Geschieße; vielleicht noch zehn Jahre währt es, bann scheibet er aus. Wer meinen Freund kennen lernen will, muß ihn — statt einer Fahrt in das Urwaldsland nach Dftpreu- ßen — schon aus dem vorliegenden Buch nehmen.
— Josephine Siebe: Heimat im stil« len Tal. Eine Erzählung für junge Mädchen aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. 142 Seiten. Ganzleinen mit farbigem Schutzumschlag von Franz Bilko. 2,50 Mark. Herold-Verlag GmbH., Stutt- gart-W. — (426) — In Deutschlands vergangene Tage weist dieses schöne und bewegende Jugendbuch von Josephine Siebe zurück. Hier wird eine verarmte Adelsfamilie geschildert, die auf einem einsamen Gutshof im Thüringerland ihren Sitz hat. Stolz und frei wachsen die Buben und Mädchen dort auf, bis das Schicksal sie hinaus in die Welt auf abenteuerliche Kriegsfahrten ober in höfische Dienste an ben Fürstenhof von Weimar führt. Aber Glanz unb Ruhm vermögen bas Bilbnis ber Heimat nicht aus ihren Herzen zu löschen. Immer steht die Sehnsucht nach dem stillen Tal über ihnen, bis sie nach vielerlei Irrungen und Gefahren in seine Geborgenheit zurückkehren dürfen.
— Ern st Eimer: Lisbet unb Peter. Eine Kinbergeschichte. 79 Seiten. 0,80 Mark. Hermann Schaffstein Verlag in Köln. — (300) — Das Büchelchen bes in Hessen auch als Maler bekannten Verfassers, mit Feberzeichnungen von Professor Fritz L o e h r ausstaffiert, ist eine schlichte fintier» rümliche Erzählung, berichtenb von ber Neujahrsbrezel unb vom Schneemann, vom Drachensteigen- lassen unb vom Weihnachtsabend, vom verfressenen Raben, von der übermütigen Philippine und von der bösen Frau im Schweinestall, was alles von kleinen Leuten hierzulande gerne gelesen werden wird.
— W i e ber Christbaum e n t ft a n b. Ein Märchen. Neugestaltet nach Friebrich Gerstäcker von Wolfgang O e r i n g k. Mit Feberzeichnungen von W. Helwig. Halbl. 1,90 Mk. A. Anton & Coo., Leipzig CI. — (517) — Wie ber Christbaum entstaub? Es gibt viel kluge Abhanblungen über biese Frage, bie alle mehr ober weniger ber Wahrheit nahekommen mögen, aber boch wohl kaum je ein Kinb befriebigen werben. So hat ber Dichter ein Märchen ersonnen, bas eine wunberschöne Antwort auf bie so oft gestellte Frage gibt.
Olgamsatton als Grundlage Mlbewußter Führung.
Bmn jührgaugsweisen Aufbau der HI. und desJungvolks imGebietHesfen-Nassau(13).
NSG. Der Nationalsozialismus erbrachte nicht nur ben Beweis für ben Wert, fonbern auch für die unbedingte Notwendigkeit einer straffen, sinn- und zweckentsprechenden Organisation. Es steht nun einmal fest, daß Ideen zu ihrer Verwirklichung einer festen Organisationsform bedürfen. Wo diese fehlt, wo es an klarer Ausgestaltung mangelt, zer- flattern alle ausrichtenden, zu einem bestimmten Ziel hinlenkenden Bestrebungen, besteht die Gefahr der Cliquenbildung. Es steht aber gleichfalls fest, daß zu schnelles Organisieren einen toten Mechanismus hervorbringen heißt. Denn Organisieren ist nie Selbstzweck, sondern hat stets höheren Zielen dienstbar zu sein, sie muß also ausreifen.
Für die junge Generation des neuen Deutschland ist jetzt die endgültige Organisationsform, nämlich bei jahrgangweise Auf bau der HI. geschaffen worben. Er wird die einheitliche Grundlage für die zukünftige Arbeit der Einheiten, ihrer Führer und Führerinnen abgeben. Dieser Aufbau hat den Vorteil, daß in einer Ein he i t stets gleichaltrige (Jungen oder Madel) zu sammengefaßt find, und damit der Erziehungsarbeit ein fester Ausgangspunkt gegeben ist.
Das Gebiet H e s f e n - N a f f a u der HI. hat diesen Gedanken konsequent durchgefuhrt. Seme Organisationsabteilung hat einen Plan ausgearbei- tet, nach dem bereits die klemsten Einheiten, d H. die Jungenschaften, diesem Aufbau unterworfen werden. Jede der 4 Jungenschaften eines Jungzuges erfaßt also etwa 10 Jungen einer Alters- ftl3n d-r Praxis wirkt sich die,- Neuordnung, die am 1. Dezember 1936 abgeschlossen worden ist °l- gendermahen aus: die 4 Jungzug- eines Fähnleins sind wie folgt aufgeteilt:
Jungzug 4 in die Jungenschaften 16 15 14 13
Jungzug 3...... 5
Jungzug 2 „ „ " 4 3 2 1
dS 2°. April neuausgenommene Zehnjährige wird nun überall in di- Jungenschaft 4 (8 12 16) seines für ihn zuständigen Jungzugs in dem bett. Fähnlein einfleglieberX wo er -m Jahr lang mtt ten gleichaltrigen Kaul, roden Dienst: tut Am 20. April des nächsten Jahres wird seine Jungen
fchaft zur Jungenschaft 3 (7, 11, 15) erhoben, die sich nun aus Elfjährigen rekrutiert, im nächsten Jahr zur Jungenschaft 2 (6, 10, 14) der 12jährigen und danach zur Jungenschaft 1 (5, 9, 13) der 13- jährigen, um dann schließlich in die für sie zuständige HJ.-Gesolgschaft als „Schar 4" geschlossen überwiesen zu werden.
Der weitere Weg führt ben Jungen in ber Gemeinschaft seiner gleichaltrigen Kameraben als 15- jährigen burch bie Schar 3, bann burch bie Scharen 2 unb 1, von wo er mit bem 18. Lebensjahr in bie (Blieberungen ber Partei überwiesen wirb, im Arbeitsdienst seinen Mann stellt und seine zwei Jahre in der Wehrmacht abdient, um damit den Gang durch die Schule der Nation zu vollenden.
So wird während der achtjährigen Gemeinschaft in der HI. die weltanschauliche und körperliche Schulung gleichmäßig und lebendig dem j e w e i l i g e n A l t e r und Auffassungsvermögen angepaßt und die Gewähr dafür gegeben, daß die Erziehungsarbeit ein voller Erfolg wird und die Besten dieser Gemeinschaft zu Führern ausgelesen werden, um den Nachwuchs der Führerschaft des politischen Lebens zu garantieren.
Mädellanddienst im Winter.
Die Scheunen bergen das (Betreibe, die Kartoffeln sind zum Teil verkocht unb in ben Silos nerftampft. Auf ben Feldern stehen lange Mieten, in denen Rüben und Wruken für den Winter aufbewahrt sind. Die letzten Felder wurden umgepflügt — die Hauptarbeit draußen ist getan.
Aber auf dem Hof geht es um so lebhafter zu. Da summt und brummt der Dreschkasten, und aus der Scheune tönt lautes Lachen und Sprechen. Manchmal wird von früh bis spät gesungen.
Im Strohfach, im Getteidefach, auf den Dresch- fäften und beim Spreutragen — überall ersetzen Landdienstmädel eine Arbeitskraft. Wenn es zuerst auch noch nicht recht ging, so übt sich doch die Arbeit, und jetzt merkt man es kaum, daß wir vor acht Monaten noch „Stadtmädel" waren.
Im Winter haben wir schon um 4 Uhr Feierabend. Jetzt — wo der Abend lang ist, steht im Mittelpunkt der Heimabend, auf dem wir Schulung betreiben oder über einer Werkarbeit sitzen. Stroh steht uns in großen Mengen zur Verfügung, und aus diesem billigen Material werden die praktischsten und hübschesten Dinge hergestellt. Da gibt es Untersätze für unsere Kannen und Vasen, kleine Körbchen für Handarbeiten, und manchmal flechten
wir gemeinsam Strohmatten. Natürlich hat unser Landdienstheim im Laufe der Zeit ein ganz anderes Aussehen bekommen. Nachdem die Bauern merkten, daß wir gerne arbeiten wollten und auch etwas leisteten, schickten sie uns Möbel, Decken, Blumen und Geschirr. Oft bekommen wir von den Bäuerinnen Kuchen geschickt.
Noch ein Aufgabengebiet fällt uns zu. Wir helfen der NSV. An den langen Abenden stricken wir mit dem BDM. des Dorfes jeder ein Paar Strümpfe. Dabei lernen wir Lieder, und oft sitzen die Dörfler bei uns im Heim und erzählen die alten Geschichten und Sagen.
Einmal im Monat ist Dorfgemeinschaftsabend. Darauf freut sich das ganze Dorf. Jung und alt ist dabei, wenn der Mädellanddienst Schattenspiele, Stegreifspiele zeigt und manchmal auch eine Kasperle-Vorstellung gibt. Zwischendurch wird bann gemeinsam gesungen, und zum Schluß tanzen wir. Die alten Leute des Dorfes freuen sich sehr, wenn wir ihnen die alten Volkstänze zeigen. Dann fühlen sich Bauer und Bäuerin wieder jung, und wenn sie besonders dazu aufgelegt find, tanzen sie uns wohl auch mal einen alten Tanz vor. .Dafe wir ihn sofort lernen ist selbstverständlich, und so leben durch unser Landdienstmädel allmählich die alten Tänze wieder auf.
Oft werden wir Landdienstmädel zu den Festen geladen. Mal verlobt sich oder heiratet eine Bauerntochter. Neulich wurden wir zur Taufe eingeladen. Das sechste Kind einer Deputantenfamilie wurde getauft und die Landdienstführerin war sogar Taufpatin. Besonders schön aber war das Erntedankfest. Wir selber durften es gestalten und haben dem Dorf damit eine ganz große Freude gemacht.
Beinahe neun Monate arbeiten wir Lanbdienst- mädel im Dorf. Einige Mädel entschlossen sich, für längere Zeit hier im Dorf zu bleiben. Die Bauern selber hätten es gerne gesehen, wenn die ganze Gruppe geblieben wäre. So hatten wir letztens im Landdienstheim eine lange Besprechung. Das Ergebnis ist gut: Van den zehn Mädeln wollen sechs noch hierbleiben, die anderen gehen zur Stadt zurück. „Wir haben viel gelernt", sagen sie. Am liebsten aber möchten sie mal Siedlerfrau werden.
Im nächsten Jahr werden neue Mädel in den Mädellanddienst gehen. Ihnen aber muß gesagt werden, daß der Mädellanddienst zwar viel Freude und Befriedigung bringt, aber kein idyllischer Sommeraufenthalt ist und nichts mit falscher „Erntewagenromantik" zu tun hat. Hier beißt es jeden Tag etwas leisten und mit allen Mädeln und dem Dorf Kameradschaft halten und vorbildlich in der ganzen Haltung sein. A. Cw.
Zum erstenmal aus Brettern.
Schwer ums Herz war uns allmählich doch geworden, als unsere Eisenbahn durch den Harz dampfte — und der Regen immer noch unerbittlich an das Abteilfenster trommelte.
Das letzte Mal umsteigen! Wir buckelten unser Gepäck nach dem anderen Gleis, wo die kleine Harzbahn hielt. Endlich waren wir am Ziel. St.» Andreasberg im Oberharz! Der Bahnhof liegt unten im Tal. Mit einer kleinen Zahnradbahn oder mit dem Omnibus fährt man zur Stadt hinauf. Am Berge steht unsere Jugendherberge, ein kleines einfaches Holzhaus.
Am nächsten Mprgen steht eine vergnügte Schar vor der Herberge. Wer wird je die ersten Stunden auf Brettern vergessen? Diese steifen langen Dinger scheinen anfangs endlos und unlenkbar zu fein. Auf dem großen Schneefeld herrscht bald ein Gewirr von Stöcken und Brettern. Dort lernen wir nun erst einmal Beinheben und -senken, in die Kniebeuge gehen und die Hauptsache — das Wenden. Wir stehen auf einem Bein, müssen das andere so hochheben, daß es nicht mehr den Boden berührt... und es dann mit halber Drehung wieder neben das andere Bein setzen. Schwierige Sache!
Aber wir gehen mit Eifer ans Heben, und stolz ziehen wir nach der ersten Uebungsftunbe heim. Wann werden wir das erstemal im herrlichen Tempo den Abhang hinuntersausen?
Wie stolz sind wir, als wir das erstemal mit geschulterten Brettern den Uebungshang hinaufklettern. Zuerst dürfen wir in der Tiefenhocke abfahren. Vorwärts kommen alle allerdings auf verschiedene Art. Nur eines haben wir gemeinsam. Unten muß sich jede den Schnee vom Anzug klopfen.
Nach einiger Zeit steigen wir dann im Grätenschritt den Hang hinauf, das geht bedeutend schneller. Nun kommt der Schneepflug heran. „Hocke! Fersen hin—a—u—s!" ruft der Schilehrer immer wieder. Wir blicken jetzt sehr verschieden drein.
Doch ganz gleich, ob es glückt ober nicht, wir steigen unermüdlich den Hang hinauf, stellen uns oben wieder auf und warten, bis die Reihe an uns ist. Schnell sind da die 20 Mädel hinuntergesaust. Manch eine landet noch oft mit der Nase im Schnee. Aber — Aller Anfang ist schwer! Nach 14 Tagen Lehrzeit kommt doch der Tag, an bem biefelben 20 Möbel mit ihren Schiern den Brocken „bezwingen". •


