Bortrag im Nahmen des Dolksbildungswerkes.
Die deutsche Sojabohne und ihre Bedeutung für unsere Wirischast.
Erst vor kurzem konnte Dr. habil. A. Sche i b e vom Institut für Pflanzenbau unserer Universität über die erfolgreiche deutsche Hindukusch-Expedition 1935 berichten, deren Zweck in der Auffindung und Verwendung wertvollen Erbgutes der Stammpflanzen unserer Kulturpflanzen für deren züchterische Verbesserung bestand. Jetzt sprach im Rahmen der Vorträge des Volksbildungswerkes und der Oberhef- fischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde der Direktor des gleichen Institutes über Züchtung und gegebenenfalls Einführung einer alten Kulturpflanze des fernen Ostens, der Sojabohne in Deutschland.
In seinem Vortrag zeigte Prof. Dr. S e s s o u s, welche Rolle die Soja als Einfuhrerzeugnis für unsere Wirtschaft unter den Rohstoffquellen für Fett und Eiweiß bisher spielte. Hauptsächlich als Fettquelle für die Margarine-Herstellung lieferte die Soja außerdem in ihren Rückständen im Sojaschrot nach der Extraktion des Fettes ein sehr begehrtes hocheiweißreiches, höchst verdauliches Kraftfutter für unser Vieh. Sie enthält ebenso wie die einheimischen Oelfrllchte Raps, Rübsen, Lein und Mohn zwei Grundstoffe, nämlich Fett und Eiweiß, an denen wir noch Mangel leiden und um die neben der Erzeugung ausreichender Faserrohstoffe es sich bei der Erzeugungsschlacht handelt.
Der Vortragende wies auf die überragende Bedeutung hin, welche die Bohne im Leben der Völker des Ostens einnnimmt. Die große Verdaulichkeit des Soja-Eiweißes, welches in kaseinähnlicher Form in der Bohne vorhanden ist, gestattet dem Asiaten die mannigfaltigsten und bekömmlichsten Gerichte ähnlich wie aus der Milch Käse, Milch-, Mehlspeisen und Würzen daraus herzustellen, die allerdings bisher dem Europageschmack nicht allgemein zusagen. Diese Eiweißform erlaubt es auch, in der Industrie zu den verschiedensten Zwecken Verwendung zu finden, z.B. in der Textil- und Faserindustrie, zur Bereitung von Galalith, als Imprägnierungsmittel für wasserdichte Stoffe, u. a. Auch in unserer Nahrungsmittelindustrie hat das Bohnenmehl Eingang gefun- den, man braucht es bei der Krankendiät, in der Therapie, bei Herstellung von Schokoladefabrikaten, Kuchen und vereinzelt schon in der Küche. Auch das vielseitig verwendbare Oel ist, abgesehen von der Magarine-Erzeugung, zur Herstellung von Farben und Seifen begehrt. Als wertvolles Nebenerzeugnis wäre noch der hohe Lecithingehalt zu nennen. Aus allen diesen Gründen ist es wohl zu verstehen, daß man schon seit-Jahrzehnten immer wieder bemüht gewesen ist, die Soja bei uns heimisch zu machen. 2Lenn dies bisher nicht gelang, so lag das wohl einerseits daran, daß das Pflanzenmaterial, d. h. die Zahl der Arten, mit denen man den Versuch unternahm, vielleicht zu gering und nicht geeignet genug war, um mit ihren Erträgen zu genügen. Anderer- seits liegt es auch daran, daß die außerordentlich niedrigen Preise der eingeführten Sojabohnen zu einem Anbau in Deutschland nicht verlocken konnten.
Nachdem uns die äußeren Verhältnisse zwingen, nach jeder nur möglichen Quelle zur Deckung unseres Bedarfes an Fett und Eiweiß Umschau zu halten, gewinnen die Bemühungen, den Sojaanbau bei uns einzuführen, ein anderes Gesicht. Der Redner kam nun auf die vom Reich geförderten Arbeiten seines Institutes zu sprechen. Das jetzt züchterisch bearbeitete Pflanzenmaterial stammt aus einer großen Anzahl Arten, welche zur Zeit durch eine Botanikerin, Frau Dr. Lene Müller-Herb, im Auftrag der IG.-Farben im fernen Osten gesammelt wurde und wohl die reichhaltigste Sammlung darstellt, die jemals zufammengetragen worden ist. Wenn man bedenkt, daß die klimatischen Verhältnisse, in denen die Soja in Asien gebaut wird, eingespannt sind zwischen einen Raum, welcher vom Aequator bis weit nach Norden in die gemäßigte Zone hineinreicht, die Soja dort draußen fast in jeder Höhenlage anzutreffen ist und dort reif wird, so ist zu erhoffen, daß auch für unsere Verhältnisse brauchbare Varietäten herausgezüchtet werden tonnen. Dazu kommt, daß die moderne Dererbungs- wissenschaft heute die Möglichkeit hat, mit Hilfe der Kombinationszüchtung die verschiedensten Eigenschaften miteinander zu vereinigen.
An der Hand zahlreicher Abbildungen und an Korn- und Pflanzenmaterial in getrocknetem und
frischem Zustande machte Professor S e s s o u s die interessiert seinen Ausführungen folgenden Zuhörer mit dem Reichtum an Formen der Soja bekannt, zeigte aus Analysenergebnissen auch ihre wertvollen Eigenschaften und vor allem, daß die Soja nicht etwa, wie von manchen Seiten befürchtet, beim Anbau unter deutschen Verhältnissen ihre wertvollen Eigenschaften verliert. So darf man wohl hoffen, daß die umfangreichen züchterischen Arbeiten, welche unter wertvoller Mitarbeit der genannten Botanikerin und deren wissenschaftlicher Assistenz, Zweckmäßig im Weinbauklima in der Nähe von Darmstadt begonnen wurden, erfolgreich sein werden. Es haben sich aber auch eine ganze Reihe deutscher Züchter schon mit der Soia beschäftigt, so daß es möglich war, seit zwei Jahren an 20 verschiedenen Stellen im Reich vergleichende Anbauoersuche anzustellen, um unter diesen Sorten diejenigen herauszufinden, welche für unsere Verhältnisse am geeignetsten sind. Darunter befinden sich auch Sorten eines Bonner Institutes von Prof. Riede und die Gießener Züchtung, beide Herkünfte haben sich bisher am erfolgreichsten in dem Wettbewerb erwiesen. Es darf selbstverständlich noch langer züchterischer Arbeiten, um die Soja so zu gestalten, daß sie allen Ansprüchen gerecht wird, vor allem,um ihre wertbildenden Eigenschaften noch zu erhöhen. Dazu ist es wiederum notwendig, Schnellmethoden zu erarbeiten, um viele Tausende von Einzelindividuen auf Eiweiß oder Fett untersuchen zu können und dann aus den als wertvollst ausgelesenen Nachkommenschaften zu ziehen.
Neben der züchterischen Arbeit erfordert die Soja aber auch, daß man sich mit ihrer zweckmäßigsten Kultur beschäftigt und die praktische Landwirtschaft aus Grund exakter Versuche über zutreffendste Saatzeit, passenste Standweiten, angemessenste Ernte-
Die Sommerarbeit der NSV. hat nunmehr mit vollen Kräften eingesetzt. Nachdem am 5. Mai die ersten Kinder im Rahmen der Kinderlandverschickung in unser Kreisgebiet gekommen sind, konnten am Donnerstag weitere 100 Kinder im Kreise Wetterau ausgenommen werden. Die Kinder sind wiederum aus dem Gau Schleswig-Holstein, der 625 Kinder in einem Sonderzug in unser Gaugebiet entsandte Don diesen sind 180 Kinder im Bahnhof Gießen ausgestiegen und verpflegt worden. 80 Kinder fuhren dann in die Kreise Dillenburg und Limburg weiter, während die restlichen 100 in Butzbach, Friedberg, Bad-Nauheim und Umgebung untergebracht wurden. Es ist sicher, daß sie ihren Pflegeeltern für die vier Wochen, die die kleinen Gäste in ihrem Hause weilen dürfen, viel Freude machen werden.
Die Dienststellen der NSV. nehmen zu jeder Zeit noch weitere Pflegestellen für erholungsbedürftige Kinder an, und es wäre zu wünschen, daß über die bisher rund 750 Meldungen aus unserem Kreisgebiet noch weitere Meldungen von Freiplätzen eingehen.
Am heutigen Samstag kommen weiter, aus allen
D a r m st a d t, 14. Mai. (LPD.) In der Zeit vom 27. bis 28. Mai findet in Darmstadt das 1 0 0 j ä h - rige Jubiläum der Technischen Hochschule statt. An der Feier nehmen neben vielen führenden Persönlichkeiten der Partei die Rektoren fast sämtlicher deutschen Technischen Hochschulen und Universitäten und einer Reihe Hochschulen des Auslandes, sowie die Reichsführung der Deutschen Studentenschaft teil. Außerdem haben ihr Erscheinen zugesagt der Kommandierende General des IX. Armeekorps, der Befehlshaber des Luftkreises IV, der Chef des Generalstabes im Luftkreis IV, der Generalinspektor des deutschen Straßenwesens Dr. Todt, der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn Dr.
verfahren usw. unterrichtet. So wie der Körner- maisbau, nachdem die Züchtung bei uns reifende Sorten geschaffen hat, erst allmählich Eingang in die praktische Landwirtschaft gefunden hat, so mutzen auch die Bauern sich erst langsam mit der Soja vertraut machen, bevor zu einem Anbau im Großen geraten werden darf. In diesem Jahr ist zum erstenmal der Anfang mit der Zulassung des Sojabohnenanbaues gemacht worden, indem der Reichsnährstand einem beschränkten Anbau zustimmte. Dazu war selbstverständlich ein gewisser Anreiz notwendig, der darin besteht, daß für je 50 Kilogramm abgelieferter Bohnen einer kontraktlich angebauten Fläche bestimmter nur zugelassener Sorten 16 Mk. in Aussicht gestellt werden. Außerdem erhalt der Anbauer dafür das Recht, 40 Kilogramm Sojaschrot ankaufen zu können.
Zum Schluß seiner Ausführungen wies der Redner noch auf die Bedeutung hin, welche die Soja auch in Zukunft für die Europaerernahrung haben kann. Wir ernähren uns eigentlich ganz unrationell, wenn wir wertvolles pflanzliches Eiweiß, anstatt es dem menschlichen Körper unmittelbar zuzuführen, uns erst über den Tierkörper, wodurch große Verluste entstehen, einverleiben. Ohne einer vegetarischen Ernährung das Wort reden zu wollen, denn wir sind unserem Gebiß und unserem Verdauungsapparat nach durchaus Alles-Esser, verzehren wir ohne Frage heute vielfach mehr tierisches Eiweiß als gut ist und würden aus gesundheitlichen, aber auch aus den heute so zwingenden wirtschaftlichen Gründen besser daran tun, unseren Eiweißbedarf mehr unmittelbar aus den Pflanzen zu nehmen, als auf dem Umweg über den Tierkörper. Eine Selbstversorgung Deutschlands würde leichter möglich sein, wenn wir hinsichtlich unserer Ernährung im Laufe der Zeit im oben ausgesprochenen Sinne wirtschaftlicher zu denken lernen.
Mit dem Dank an seine Mitarbeiter verband Prof. S e s s o u s noch einmal einen Ausblick auf die Zukunft dieser alten Kulturpflanze im Leben unseres Volkes. Reicher Beifall bewies das rege Interesse, und nach kurzer Aussprache schloß Prof. H e n n e b e r g mit Dankesworten an den Vortragenden den Vortragsabend.
Gauen Deutschlands herausgesucht, 54 politische Leiter, SA.-Männer, vorwiegend alte Kämpfer, hier In Gießen an und sammeln sich auf der Standarte, wo sie auch verpflegt werden. Gegen 19 Uhr werden sie dann durch die Kameraden vom NSKK. in ihre Erholungsorte gefahren. Es sind dies: Bad Salzhausen, Bad Selters, Lauterbach, Alsfeld, Ulrichstein.
Es' wäre zu wünschen, daß den verdienten alten Kämpfern aus dem Reich an allen Orten ein recht herzlicher Empfang bereitet wird, damit sie beim Verlassen unserer engeren Heimat nicht nur über die Schönheit der Landschaft berichten können, sondern auch über die Freundlichkeit des Menschenschlages, der hier wohnt.
Diese Sammelarbeit der NSV. wird allein getragen aus den Mitgliederbeiträgen der NSV.-Mitglieder.
Es ist deshalb Pflicht jedes deutschen Volksgenossen, der dazu in der Lage ist, sich als Mitglied bei der nächsten NSV.-Dienststelle zu melden, damit auch er sagen kann, er habe an diesem großen Ge- sundunas- und Erholungswerk des deutschen Volkes I sein Scherflein beigesteuert.
ing. h. c. Dr. Dorpmüller, der stellvertretende Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn Dr. K l e i n m a n n , die Präsidenten der benachbarten Reichsbahndirektionen, die Oberbürgermeister von Frankfurt a. M., Mainz, Wiesbaden usw., der Vertreter des Bischofs von Mainz, die Direktoren des Vereins Deutscher Ingenieure, Vertreter der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt, ferner die Generaldirektoren großer Jndustriewerke, wie Siemens- Schuckert, AEG. usw.
Die Hochschulfeier ist verbunden mit der 80. Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure. Die Gesamtoeranstaltung hat durchschnittlich mit einem Besuch von 6000
Gästen zu rechnen. Die Unterbringung einer suchen Zahl von Gästen ist selbstverständlich einer Stadt nicht möglich, und so hat der Ouartierausschuß vor- gesehen, daß die benachbarten Städte des Nhem- Maingebietes ebenfalls mit Besuchern belegt werden. Zahlreiche Unterausschüsse sorgen für die cor» bereitenden Arbeiten. Die Stadt selbst wird festlich geschmückt. Am Donnerstag, 28. Mai, findet abends ein großes Volksfest statt, bei dem sowohl die Gaste der Technischen Hochschule, als auch des VDJ. und die Bevölkerung der Stadt Darmstadt zusammen in fröhlichen Stunden die Erinnerung an diese große Veranstaltung abklingen lassen. Ort dieser Gemeinschaftsfeier sind die Höfe und der schloß- wall des alten Residenzschlosses Es handelt sich bet dem 100jährigen Jubiläum nicht um em rZest, das einen bestimmten Kreis von Technikern und Wij- senschaftleren angeht, sondern es ist eine Aeuherung des nationalsozialistischen Deutschlands, ein Aus- druck des Gedeihens technischer Forschung und Lehre im Dritten Reich.
ftunöfunfproflramm.
Sonntag, 17. INai.
6 Uhr: Von Hamburg: Hafenkonzert. 8.05: Von Stuttgart: Gymnastik. 8.45: Musik am Morgen. 9: Katholische Morgenfeier. 9.45: Zur Eröffnung der Reichsnährstandsschau: Bekenntnisse zur Zeit. „Bäuerliches Tagwerk". 10: Von Breslau: ,^aß die Seelen hell erklingen, daß wir durch die Zeit uns ringen." 10.30: von Trier: Chorgesang. 11.15: Don Frankfurt: Reichssendung: Eröffnung der 3. Reichsnährstandsausstellung 1936 mit Reden des Reichsbauernführers Darrä und des Staatssekretärs Backe. 12: Von Berlin: Musik am Mittag. 14: „Kasperl macht Musike" von Herbert Reymann. 14.45: „Taunussagen", erzählt von August Verleger. 15: Deutsche Scholle, anläßlich der 3. Reichsnährstandsschau in Frankfurt. 16: Aus dem Kurhaus Wiesbaden: Nachmittagskonzert. 18: Von Trier: HJ.-Funk: Es klingt vom Strom ein neues Lied ... HI. und Wehrmacht singen am freien Rhein. 18.30: Wunschkonzert. 19: Von Königsberg: Deutsches Volk auf deutscher Erde. „Der grüne Dom". 20: Sportbericht. 20.10: Vom Deutsckland- sender: Bunt ist die Welt der Operette. 22.20: Sportspiegel des Sonntags. Bericht von dem Da- vis-Pokal-Spiel Deutschland gegen Ungarn in Düsseldorf. 22.45: Don München: Nachtmusik. 24 bis 2: Von Stuttgart: Nachtmusik. „Von deutscher Seele".
Montag, 18. Mal.
6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. Im Marsch und Lied in den jungen Morgen... 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik zur Frühstückspause. 10: Schul- funk. 11: Hausfrau, hör zu! 11.30: Bauernfunk. Der Musterbauernhos auf der Reichsnährstands- schau in Frankfurt a. M. 11.45: Sozialdienst. 12: Schloßkonzert. 13.15: Schloßkonzert. 14.10: Nach Tisch gönnt euch ein wenig Rast, seid bei Frau Musica zu Gast! 15: Volk und Wirtschaft. Aus- kunft und Inkasso. 15.15: Kinderfunk. 15.45: Unter- Haltungskonzert. 16.45: Wer kennt die Meister deutscher Erzählkunst? Ein literarisches Preisrätsel. 17: 21 saubere Schrammelmusi. 17.30: HJ.-Funk. Heimnachmittag — Heimabend! 18: Fröhlicher Alltag! 19.45: Gang durch die Neichsnährstandsschau. 20.10: Anläßlich der dritten Reichsnährstandsaus- stellung zu Frankfurt a. M. vom 17. bis einschließlich 24. Mai: Goldene Aehren und perlender Wein. Aus dem Volk — für das Volk. 22.30: Musik zur „guten Nacht". 24 bis 2: Nachtkonzert. Europäische Meister.
Dienstag, 19. Mai:
6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.30: Auf Rund- funkwellen. 10: Schulfunk: 11.30: Bauernfunk. Die deutsche Seidenraupenzucht. Vortrag von Oswald Gerhardt. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert. 13.15: Mittagskonzert. 14.10 Das Phänomen der Stimme (V). 15: Volk und Wirtschaft. Das Stahlroß. 15.15: Die deutsche Frau. 16: Werkskonzert. 17.30: Eine „Ausländerin" wird einheimisch! Wie die Kartoffel zu uns kam. 18: Unterhaltungskon- zert. 19: Flachs und Leinen. Von Selbsthilfe und Bauernsaat. Funkfolge. 19.45: Gang durch die Reichsnährstandsschau. 20.10: Orchesterkonzert. 22.30: Sie kam wie Leben und Sonnenschein. Dem Gedächtnis Clara Schumanns. 23: Unterhaltungsund Volksmusik. 24 bis 2 Uhr: Nachtmusik.
Wölfel Seife 15u.25Pf9
■ Gesunde Haut
Die Gommerarbeit der NGV.
Kinder und alte Kämpfer als Käste im Kreis Wetterau.
1001* Technische Hochschule Darmstadt.
Roman von Marlise Kölling.
Urheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau.
17 Fortsetzung Nachdruck verboten!
Benedikte statte kaum die Mutter an Land bewillkommnet, da wußte sie auch schon, daß all ihre leise Hoffnung aus ein harmonisches Zusammensein mit der Mutter töricht gewesen war.
Frau Aaathe brachte vom ersten Augenblick an die ganze Unruhe und Unzufriedenheit ihres Groh- stadtdaseins mit hierher. Der Dampfer hatte geschaukelt — natürlich, so ein elender kleiner Kahn konnte das ja nicht anders. Wie man Menschen auf so etwas befördern konnte, war ihr einfach unerfindlich. Vorn auf dem Vorderdeck war eine Schafherde verladen worden — der ekelhafte Geruch war bis auf das Passagierdeck gedrungen — dazu dieser Wind, entsetzlich!
Und da wäre ja nun wieder Benediktes Besitztum! Immer noch unverändert? — Ja, ja, ein richtiges Bauernhaus, wie es im Buche steht. Im Grunde doch schrecklich primitiv, nicht wahr? Frau von Schlettow hätte neulich das neue Besitztum ihrer Kinder im Bilde gezeigt. Ja, das wäre freilich etwas anderes! „Denk dir, ein richtiges Herrenhaus mit einem großen Vorhof, Freitreppe, Park hinter dem Hause, Autogarage — alles, wie es sich gehörte. Tja, Benedikte, ein bißchen anders als dies hier." Mit kühler Reserve hatte Frau Agathe durch ihr Stielglas das Haus gemustert.
Fräulein Giesecke hatte sie nur zwei Fingerspitzen gereicht. Sie schien die alte Dame als eine Art Haushälterin zu betrachten. Josua aber war von ihr mit Abscheu erneut betrachtet worden. —
So kleine Zimmer habe ich überhaupt nicht wieder gesehen", äußerte sie ihr Befremden als sie endlich am Kaffeetisch im Wohnzimmer saß. „Wie hältst du das hier bloß aus? Man hat ja das Gefühl, die Decke stürzt auf einen nieder."
Von dem guten Kuchen Fräulein Giefeckes hatte sie ein Stückchen auf ihrem Teller zerbröckelt. Sie wäre zur Teezeit ja eigentlich an Toast gewohnt — • wie sie erklärte.
Fräulein Giesecke hatte nichts erwidert, aber Benedikte, deren Nerven zitterten, wußte, wie sehr diese Art Fräulein Giesecke treffen mußte. Und sie konnte gar nichts dazu sagen. Sie saß so hilflos dabei. Mit jedem Wort der Entschuldigung hätte sie ja der Mutter Unrecht gegeben. Aber das durfte sie nicht. Sie mußte still sein und sehen, wie die Dinge sich diesmal entwickeln würden.
Sie entwickelten sich so, daß am dritten Tage die Mutter wieder abreiste. Und wenn Benedikte ehrlich war, mußte sie sich zugeben, sie atmete geradezu auf. Die Auseinandersetzung mit Hans-Hermann, immer noch nicht ganz gelöst, dazu die Tage mit der Mutter — nein, das paßte alles nicht zu Oevenshöe. Sie selbst fühlte sich innerlich zerrissen und unruhig. Es war Zeit, wieder zur eigenen Harmonie zurückzufinden.
Benedikte saß unten in der linden Frühlingssonne, die breit über die Wiesen in den Garten fiel. Oben in dem Fremdenzimmer hörte sie die schrille Stimme der Mutter, dazwischen Josuas gutturalen Baß, ein Koffer wurde gerückt, ein Deckel knallte — Mutter bereitete ihre Abreise vor, mit dem gleichen Lärm und der gleichen Unruhe, die sie stets um sich verbreitete.
Hier unten aber war es still und schön. Der Flieder am Zaun steckte seine Knospen in die Luft; Vergißmeinnicht und verspätete Osterglocken blühten gelb und blau auf dem kleinen Rundbeet. Drüben am Schulmeisterhause rankten sich die Blätter der Kletterrosen dicht um die Fenster. Fern glitten weiße Segel auf dem Bodden dahin. Alles atmete Frieden und Fruchtbarkeit.
Benedikte saß mit geneigtem Kopf. Sie lauschte in ihr eigenes Herz hinein. Was hielt sie so mit tausend Banden fest an diesem Stück Erde? War es die Erde allein? Oder war es — Jens Petersen?
Sie hatte sich in diesen ganzen Wochen keine Rechenschaft über ihre wirklichen Empfindungen gegenüber diesem Manne gegeben. Das Glücksgefühl seiner Nähe gehörte so ganz zu ihrem Leben, war eins mit dem Dank für die spendende Natur rings umher. Jens Petersen gehörte zu ihrem Leben wie Himmel und Erde, Feld und Wald, Meer und Sonne.
Aber Hans-Hermanns Eifersuchtsausbruch hatte sie wach gemacht. Was sie sich in scheuer Mädchenscham nicht hatte eingestehen wollen, jetzt war es ans Licht
gezerrt. Ja, sie liebte ihn. Sie liebte ihn mehr als ihr Leben. Und es gab wohl nur eins, was dieser Liebe gleichkam, die fromme Zuneigung zu diesem Stück Erde, ihrer Erde.
Ebensowenig, wie sie innerlich von Jens Petersen lassen konnte, hätte sie hier von ihrer neuen Heimat lassen können. Was die Liebe ihr auch bescheiden würde, ob Zueinanderfinden mit dem heimlich Geliebten oder nicht — dem Lande hier blieb sie ver- haftet für ewig.
Und was sie für Hans-Hermann so bitter schmerzte, war — er konnte nicht Ruhe finden, wenn nicht alles so in Erfüllung ging, wie er es wünschte. Jens Petersen dagegen? Sie wußte aus feinem Leben, wie er Universitätslaufbahn, eine glänzende Zukunft hingeworfen hatte, weil er sich nicht von der Heimat lösen konnte und der Arbeit an der Jugend dieser Heimat. Ja, Jens Petersen war nicht gebunden an äußere Dinge.
Es war gut, das zu wissen, und doch wieder ein winzig kleiner, selbstsüchtiger Schmerz. Denn wie weit war er an sie gebunden? Darüber war sie sich niemals klar geworden.
Er ging neben ihr her, still, ohne viel Worte. Ob darüber hinaus etwas in ihm für sie lebte? Sie hatte hier und da und dort einmal sprechen hören von einem Mädchen, das er geliebt, und das gestorben war. Aber sie hatte nie gewagt, weiter zu fragen. Eine unausgesprochene Angst hielt sie davor zurück.
9.
Drüben am Bollwerk tutete der Dampfer zum erstenmal. Es war Zeit, die Mutter hinüberzubringen.
Hans-Hermann war noch nicht zurück. Er war, wie so oft in diesen Tagen, mit seiner Wut und seinem Kummer irgendwohin in den Wald gelaufen.
Josua war gerade dabei, den Koffer der Mutter die Treppe herunterzuschaffen und ihn auf dem Schubkarren zu verstauen. Fräulein Giesecke stand auf der Diele.
„Ich wünsche Ihnen eine gute Reise!", sagte sie.
Frau Agathe übersah Fräulein Gieseckes aus- gestreckte Hand. Sie nickte nur herablassend.
„Wo ist mein Schirm? Hat Josua meinen Schirm? Mein Tuch? Hast du nicht eine Reisedecke, Benedikte? Ich habe mich schon auf der Herfahrt erkältet. Es ist I ein furchtbares Land!"
Benedikte fühlte, wie es in allen ihren Nerven zuckte. Die fahrige Art der Mutter war ihr selten so unerträglich geworden wie jetzt. Hierher paßte das alles nicht.
Endlich war man aus dem Hause. Frau Agathe hielt ängstlich den Pelzkragen hoch. Sie konnte keinen Wind vertragen, und hier war immer nur Wind, ein schönes, kräftiges und gesundes Wehen.
„Also, ich hoffe, du wirst es hier auch bald genug haben, Kind", sagte sie, während sie neben Benedikte dem Landungssteig zuging, „es ist doch unmöglich, daß du dich hier auf die Dauer vergraben kannst. Was das für Menschen sind!" Mißbilligend schaute sie auf die Fischerfrauen, die in ihren dicken Umschlagstüchern und schweren Schuhen dem Bollwerk zustapften, auf Fischer Klaas, der seinen Priem in hohem Bogen dicht vor Frau Agathe ausspuckte.
,Lch glaube, du täuschst dich, Mutter. Ich werde niemals von hier fortgehen."
„Und an mich denkst du gar nicht", jammerte Frau Agathe, „mich läßt du ganz allein."
„Liebe Mutter, ich habe dich ja so gebeten, mit hierher zu ziehen, aber du willst es ja nicht."
„Natürlich will ich es nicht", sagte Frau Agathe empört, „hier kann man ja nicht leben."
„Nun siehst du, Mutter! Ich glaube, du wirst wirklich ebensogut ohne mich leben. Du wirst den Sommer viel auf Reisen sein, und zum Winter werden wir weitersehen--"
Benedikte brach plötzlich im Satz ab. Ihr Blick war auf einen schmucken Jagdwagen gefallen, der drüben vom Norderende her über die Wiese rollte und auf das Bollwerk zukam.
Ein Herr saß allein darin, seine scharfen, dunklen Augen flogen über die Menschen hin, stutzten und verweilten einen Augenblick auf Benediktes erblaßtem Gesicht. Jetzt sprang er ab und schlang die Zügel des Pferdes um einen hohen Pfahl, der da im Bollwerk stand.
Benedikte zog die Mutter hastig am Arm.
„Komm schnell, Mutter, sonst bekommst du keinen guten Platz."
Sie drängte rücksichtslos durch die Menschen auf der Landungsbrücke dem Dampfer zu.
Der Herr sah ihre Eile. Ein spöttisches Lächeln verzog fein Gesicht.
(Fortsetzung folgt!)
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