Einzelbild herunterladen

TW

[

llr.89 Drittes Blatt

n auj bie em Aerm« ort unter« >en erfolg«

^lbjährig- rsfelb, bas -ltern noch 1 in einem lelhch zu«

annt.

Dienstag. ru^ r W Fall, ns.Nio, d'e Ä nnbampfö Im Jin Hof, wo $mme zu Oie Frau mmeni

laftif. 6.30: hten. 8.10: iu hör zu!

12: M em Sende« Nachrichten, icht. 15.15: ler Welf, Weltlust« iQston^rt. auf! Eme erhaltungs- >p-af$"»dur! spiegel. 20: m Thealtt chenoper 'n jumperM. dem Seck- >.45: Unter- * Oper in

iftit. 6.30: der Pause Auf M Gaunach« Hilfe im 5: Sozial« lachrichten. iten. 14.10: Virtfchasts« man heute

Samstag« Zochenschau. ten. 20.10: > von Peter richten g des M'

24 dis 2:

Idyll auf der Dorfstraße.

(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

: -giert. Unser Wogen war gut besetzt. Auf einer Sta- iion stieg ein Mädchen von etwa zwölf Jahren ein, Las einen Korb, der mit einem Tuche bedeckt war, Vorsichtig auf den Boden stellte. Alle waren neu­gierig, was wohl darin sein könne. Es blieb nicht lange ein Geheimnis. Die leisen Laute von jungen Gänschen kennt doch jeder. Das Mädchen nahm das Tuch halb ab, und nun zeigte sich die Anteilnahme des ganzen Wagens. Jeder wollte die Tierchen sehen, jeder wollte etwas sagen. Es waren nur zwei Gänschen. Mehr hätte es nicht bekommen können, jagte das Mädchen. Und dabei koste das Stück 1,50 Mark. Man sprach über die Gänsezucht, über die hohen Preise und verschiedenes andere. In­zwischen waren wir wieder auf einer Station, auf der ordentlich rangiert wurde. Die Wagen ruckten und zuckten, und plötzlich sauste vom Gepäckbrett ein kleiner Lederkoffer herunter, gerade in den Korb des Mädchens. Ein Aufschrei! Alles lief hinzu und richtig! Ein Gänschen war von dem Koffer fast platt gedrückt worden, es ließ den Kopf hängen, bewegte sich noch ein wenig und streckte sich dann aus. Es war tot. Das Mädchen fing an zu weinen. Der Herr, j dem der Koffer gehörte er trug einen guten An­zug und einen Hut mit einem Rasierpinsel darauf sagte:Dafür muß die Bahn haften." Mehr sagte

: er nicht. Das Mädchen war untröstlich, und den andern sah man an, daß sie gern geholfen hätten, aber niemand wußte wie.

Da stand auf einmal ein schmaler, schwarzlockiger Hausierer (sein mit Wachstuch bezogenes Paket lag auf dem Gepäcknetz) mitten im Wagen und sagte: Ich möchte Ihnen einige Kunststücke vorführen."

1

iswjL*-

T5T

42,16 0,141

3,053 54,96

46,90

12,3 5,425 16,435 169, 19,72 0,7 5,6 61-

49,0 11,16 63,"

91Z 34,OJ 10,36

6*5

1 Warfen)

,^veine r lebhaft urdenzL

An. !° 10,50 hcmi ^16,30, r®*' ^oubejug

Aus der Provinzialhauptstadt

Das tote Gänschen.

Die lieben Kleinbahnen! Es reist sich in ihnen nicht wie in einem O-Zug, es geht viel langsamer, die Sitze sind ungemütlicher, man wird gerüttelt und geschüttelt, aber schließlich kommt man auch an sein Ziel. Eine solche Kleinbahn hat ihre besonderen Reize. Schon die langen Wagen, mit den harten Bänken an der Seite, muten uns so häuslich an. Wir sitzen darin wie in einer großen Stube, und die Leute, die mitfahren, sind fast immer dieselben, oder sie kennen sich wenigstens, denn sie sind ja alle aus derGegend". In solchen Wagen herrscht niemals die große Stille, wie so oft in dem Abteil des v-Zugs, in dem sich die Leute fremd gegenüberfitzen. In der Kleinbahn wird geplaudert, gescherzt, gelacht, die letzten Neuigkeiten werden erzählt, der Schaffner kommt und lacht mit. Man fühlt sich hier wie in einer großen Familie.

Au einem Nachmittag fuhr ich mit einem sog. ge­mischten Zuge, d. h. der Zug bestand aus Güter­und Personenwagen. An jeder Station wurde ran-

Meister Gottfried Gckadow

Don Dr A Semerau

Jrn Sommer 1770 steht der Berliner Schneider­meister Hans Schadow in seiner kleiner Woh­nung in der Lindenstraße unweit des Halleschen Tors am Zuschneidetisch vor dem aufgerollten Stück Tuch, Kreide in der Hand, tupft bald hierin, bald dorthin und zieht zwischen den weißen Punkten bie graben und geschweiften Linien, wie es Schoß und Rückenstück erfordert. Durch die Stille der Stube kommt von der niedrigen Ofenbank das leife geschäftige Schrammen eines Griffels über die Schiefertafel. Der sechsjährige blonde Gottfried Schadow macht wie der Vater Tüpfel auf die Tafel, zieht bann auch Verbindungslinien zwischen Ihnen, freut sich, wie das Bild immer ähnlicher öirb, da ist ber vorspringenbe Stirnbuckel, bie wmisch gebogene Nase, bie tiefen Munbwinkel bes Vrofils bes Vaters, bas er deutlich vor sich sieht. Llötzlich klappt ein Deckelkrug.Gottfried!" Der ftunge wischt hastig über die Tafel, nimmt den Srug und läuft nach dem Bier.

Der Schneider Schadow ist lange tot, und der Heine Gottfried ist schon hoch zu Jahren gekom- inen. Im großen Aktsaal der Berliner Akademie schen die Schüler eifrig an der Arbeit. DerAlte" ist eben gekommen, ein Achtziger, aber noch ein rüftiger Mann. Er geht von Platz zu Platz, sieht cuf die Zeichnenden.Det is jut", einem klopft er cuf den Kopf.Det is nifcht" brummt er bei einem weiten. Bei einem dritten, der bei dem Umriß mner menschlichen Figur die Linien nicht sicher ge- logen und bie Proportionen falsch bestimmt hat, ichüttelt er ben Kopf. Der Schüler muß aufstehen, r er Alte setzt sich auf seinen Platz:Nu paß uff. M mach bet so". Mit bem Kreibeftift tupft er Dünkte aufs Papier unb oerbinbet sie burch sichere ®inien:Det hab' ick von meinem Vater. Der □arn Schneiber".

Der Schneibersohn ist Akabemiebirektor gewor- iaen, ein Mann, ben ganz Europa kennt. Er weiß, was er bebeutet unb wert ist, braucht kein Zeichen ; f-iner Würbe, verachtet Äußerlichkeiten. Sein Rock mit den vielen Taschen ist eine Sehenswürdigkeit, wie auch seine riesigen Filzschuhe und seine kalb- I bernen Stiefel, in die wegen seiner Zehen und ballen immer große Löcher geschnitten sind. Wie er in der Akademie selbstherrlich schaltet und ohne &d)eu seine Meinung sagt, so redet er auch drau­ssen offen und ungeschminkt, ob hochdeutsch oder berlinisch, mit Vorliebe aber das letztere, und im- ner kurz. Er selbst erzählte gern von einem Iu-

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Donnerstag, 16. April 1936

Die Trommel des Jungvolks rüst!

Das deutsche Jungvolk führt bis zum 20. April eine über das ganze Reich gehende Werbeaktion durch. Wir richten an alle Eltern die dringende Bitte, dem Rufe des deutschen Jungvolks Gehör zu schenken und ihre Jungen dem Führer durch das Jungvolk zur Verfügung zu stellen. Es ist die Ehrenpflicht eines jeden deut­schen Jungen, vom 10. Lebensjahr ab Dienst im Jungvolk und später in der Hitler-Jugend zu tun. Die Eltern, die ihre Jungen der Jugend des Füh­rers zuführen, tragen damit eine Dankesschuld an

den Führer ab, der dieser Jugend einen Staat ge­geben hat, der ihr erst wieder wirkliche Lebens­möglichkeiten bietet. Wir erwarten, daß der Ruf des Jungvolks nicht vergeblich ergeht und daß die Be­völkerung unseres Kreises auch durch den Ein­tritt der Jugend in das Jungvolk ein machtvolles Bekenntnis zum neuen Staat abgibt.

heil Hitler!

Kreisleitung Wetterau.

Wir schützen tue Amur, weil wir sie schätzen...!

Vortragsabend des Landschastsbundes Volkstum und Heimat.

Der Lanbschaftsbunb Volkstum unb Heimat, Ortsring Gießen, hielt gemeinsam mit der Ortsgruppe Mitte ber NSDAP, unb bem Großschen Männerchor einen Vor­tragsabend ab, in dessen Mittelpunkt ein sehr inter­essanter Vortrag über die geschützten Pflanzen der engeren Heimat stand. Sinnige Frühlingslieder des Großschen Männerchores, em treffendes Frühlings­gedicht in Mundart und eine drastische Mahnung an dieWanderflegel", die vier Pimpfe wirkungs­voll zum Vortrag brachten, schlossen die Begrü­ßungsansprache des Ortsringleiters Dr. Michel ein, der die Verbindung ber Volkstumsarbeit mit bem Pflanzen- unb Naturschutz aufzeigte und der Hoffnung Ausdruck gab, daß der Mensch dazu kom­men möge, daß er die Natur schütze, weil er sie schätzen gelernt hat.

Der Assistent des Botanischen Institutes Dr. Heidt hielt dann einen umfassenden Vortrag über

Die geschützten Pflanzen in Wort und Bild", der durch das Aufzeigen der vielseitigen Pflanzen­bezeichnungen im Volksmund und durch die An­gabe ihres Standortes sehr wertvoll wurde. Ein­leitend wies er mit einem Goethefchen Wort darauf hin, daß am Anfang aller Naturbetrachtung die Ehrfurcht vor allem Lebenden stehen muß, jenes urdeutsche Gefühl, das bei den nordi­schen Völkern im Glauben an die beseelte Natur anklingt und sich in der Naturverehrung unserer Vorfahren äußert. In feinsinniger Weise schilderte der Redner die Naturverbundenheit, wie sie uns aus der Muttersprache, der Kunst, dem Liederschatz und der Dichtung entgegentreten. Mit der Betrachtung Dürerscher Pflanzenbilder leitete er feine Licht­bilderreihe, die durch farbige Aufnahmen vortreff­lich ergänzt war, ein.

Von fast allen ben jetzt durch das Gesetz ge­schützten Pflanzen brachte der Redner eine sehr

eingehende Beschreibung nach der Art, dem Aussehen und dem Vorkommen.

so von bem Großen Schneeglöckchen, bas im Han­gelstein, bem östlichen Vogelsberg unb bei Lauter­bach noch anzutreffen ist, bem Seidelbast oder März-Nägelchen", der noch sehr stark verbreitet ist und den für die Bienenzucht so bedeutungsvollen Weidenarten. Dem Frühlings - Enzian, der bei Rödgen, aber auch bei Homberg (Ohm) und bei Schlitz vorkommt, widmete er besondere Be­trachtungen. Eine in unserem Gebiet weniger vor­kommende Blume ist die Küchenschelle, bie wie auch die Frühlings-Adonis am Rhein noch aufgefunden wird. Die Schach- ober Schachbrettblume kommt vielfach bet Alsfelb vor und auch die seltene Ge­meine Mondraute ist im Vogelsberg noch anzu- treffen. Auch im Biebertal finden sich einige seltene Pflanzenarten, die eingereiht sind in die Zahl der Schützlinge. Zu ihnen gehören auch die Salzpflan­zen, die man bei Wisselsheim und Bad-Nauheim findet.

Eine umfassende Ausstellung der geschützten Pflanzenarten sieht am Sonntag um 11 Ahr im Botanischen Institut allen Raturfreunden zur freien Besichtigung offen.

Dr. Heidt führte noch die Gesetzesbestimmungen an, die den Handel mit solchen Pflanzen regeln, von Gärtner genaue Buchführung über den Handel mit Weiden fordern und auch den Schutz dieser Pflanzen z. B. auf eigenen Wiesen vor das Eigen­tumsrecht stellen.

Reicher Beifall dankte bem Vortragenben unb Dr. Michel gab zum Schluß der Hoffnung Ausdruck, daß der Schutz der Natur Allgemeingut des Volkes werden möge.

Mit einem Sieg-Heil auf den Beschützer der Natur und beS Vaterlanbes schloß er ben schönen Abpnd

Alles vergaß das Gänschen und schaute nach bem Künstler. Er faßte bie beiben Leberriemen, bie von ber Decke herabhingen, unb begann nun mit den unglaublichsten Verrenkungen. Es war wie in dem Zirkus. Dann nahm er einen Korb von der Bank, stellte ihn auf seine Lippen und jonglierte damit, stützte sich auf ein Bein, berührte den andern Fuß mit der Hand und machte nun allerhand Kunststücke. Der Herr mit dem Rasierpinsel meinte:So etwas müßte verboten werden!" Aber ber Schaffner, bei bem er sich beschweren wollte, war selber Auge und Ohr und hatte das lebhafteste Interesse an den Vor­führungen. Zum Schluß nahm der Künstler seine Lederkappe und sammelte ein Trinkgeld. Wir gaben alle. Nur der Herr mit dem Rasierpinsel wandte sich ab. Immerhin kam ein schönes Sümmchen zusammen.

Der Zug hielt wieder einmal. Das Mädchen mit bem Korbe, in bem nur noch ein lebenbes Gänschen war, mußte nun aussteigen. Es fing von neuem an zu meinen, als es an feinen Verlust buchte. Noch ehe jemand von uns ein Trostwort gefunden hatte, kam

genderlebnis, das ihm bewiesen hatte, mit wie we­nig Worten sich durchkommen lasse. Als er 1791 über Schweden yach Petersburg reifte, fand er an der russischen Grenzstation Krnnen einen ehemaligen russischen Korporal als Posthalter vor. Schadow fror bitterlich unb hatte Hunger und Durst, kannte kein Wort russisch und sagte nur, um sich so gut wie möglich einzuführen:Tottleben, Tfchernitschefs, Zarewna." Der Korporal erwiderte:Belling, Zie­len, Fridericus Rex", und so fand man sich mit Hilfe des Siebenjährigen Krieges zusammen, schüt­telte sich bie Hänbe unb saß vergnügt beieinanber.

Schadow erinnert in seinem Werk sehr an die großen Bildhauer des fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderts, und man hat ihn treffend einen ins Märkische übersetzten Peter Vischer genannt. Auch er meinte, es sei besser, das Handwerk zur Kunst als diese zum Handwerk zu machen. Ihm ging es immer um das Sein, nicht um das Schei­nen. Der Arbeiter ist seines Lohnes wert, sagte er, und Art und Wert der Arbeit bestimmte sich nach dem Lohn.Kuppern (kupfern) bezablt, kuppern gemalt." Wenn man Skizzen über Gebühr und auf Kosten ausgeführter Arbeiten lobte, brummte er: Papier is weech, aber Steen is hart." Wie er Ge­stalt, Gesundheit, Gehabe vom Vater geerbt hatte, so auch Bürgersinn, Bürgertrotz, Selbstbewußtsein, das aber von jeder kleinlichen Eitelkeit frei war. Das in ihm so wundersam gemischte Griechentum und Märkertum hatte einen großen echten Künstler geformt, der, sich seiner Grenzen wohl bewußt, aber auch seines Könnens, jedes andere Talent gelten läßt und den Fortschritt von Zeit und Kunst um ihn her willkommen heißt. Von erstaunlicher Schöpferkraft und bis ins hohe Alter hinein von größter Leichtigkeit des Schaffens, beurteilte er feine Werke objektiv wie die eines Fremden. Seinen Tauentzien hielt er für kein Vorbild und seinen Friedrich den Großen in Stettin, den viele über Rauchs Kolossalwerk stellten, hielt er nicht für gelungen. Bezeichnend für ihn ist sein Verhältnis zu Rauch, dessen Ausstieg er ebenso aufmerksam wie neidlos verfolgte. Wo er ihn in feiner Auto- graphie erwähnt, erkennt er fein großes Talent an. Die Figur der Königin zu Charlottenburg war fein erstes glänzendes Werk, so glänzend, daß es merk­würdig bleibt, wie seine folgenden Werke jenes noch übertreffen konnten." Er mußte es wohl stark empfinden, daß der jüngere Nebenbuhler ihn zu verdunkeln schien und daß ihm die Ausführung des Friedrichsdenkmals anvertraut wurde, das einst Schadows Tag- und Nachtgedanke und wie nichts anderes in feinem Leben der Gegenstand feines Ehrgeizes und feiner höchsten künstlerischen Begei-

ber Hausierer herbei, schüttete den ganzen Inhalt seiner Kappe dem Mädchen in den Korb und sagte: Das ist für das tote Gänschen!" Dann fetzte er sich wieder auf feinen Platz, als ob gar nichts geschehen wäre, zog ein trockenes Brötchen aus der Tasche und knabberte daran.

Alles ging so schnell, daß der Zug schon in Be­wegung war, als wir zu uns kamen. Das Mädchen war ausgestiegen. Es hatte in seiner Verwirrung ganz vergessen, dem Manne zu danken. Wir winkten ihm noch aus dem Züglein nach. Es erwiderte unsere Grüße mit strahlendem Gesicht. Der Herr mit dem Rasierpinsel am Hute sagte kein Wort mehr. P.

Tageskalender für Donnerstag.

NSG.Kraft durch Freude": 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr (nur für Frauen) fröhliche Gymnastik und Spiele im Lyzeum. Gloria-Palast, Selters­weg:Der Favorit der Kaiserin". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Donau-Melodien". Oberhessifche

fterung gewesen war. Aber er war davon überzeugt, daß feine Zeit wiederkehren werde. Schon damals jedoch war für die Einsichtigen kein Zweifel, wer der größere war. Schadow war der Bahnbrecher und Wegweiser. Rauch der Nachfolger mit der ge­schickteren Hand. Dinge, die sich später von selbst zu verstehen schienen, wagte zuerst Schadow völlig ab­weichend von der llcberlieferunq und führte sie durch charakteristische siegreiche Behandlung in die moderne Kunst ein. Wie er den Realismus picht ausschließlich wollte, so verkannte er doch auch nicht sein Recht, daß die alten üblichen Formen nicht für die neue Zeit genügten, empfand er tiefer als andere. Die Kunst war ihm nicht ein für sich dastehendes, einfach dem Schönheitsideal nachstre­bendes Ding, sie sollte vielmehr dem wirklichen Leben in der Vielheit seiner Erscheinungen und Ansprüchen dienen, um es bann zu beherrschen. In bieser Grundauffassung schuf er seine Werke. Schneller als er vielleicht buchte, vollzog sich ber Wanbel in ihrer Wertung. Wenn man früher fein Schaffen unter das Rauchs gestellt hatte, so pries man nun wieder nach Gebühr das Grabmal des jungen Grafen von der Mark in der Dorotheen- städtischen Kirche und die Standbilder Zietens und Leopolds von Dessau, um nur einige seiner großen Werke zu nennen.

Schadow konnte, mehr als ein halbes Jahr­hundert der bevorzugte Liebling des Hofes, über alle Anfeindungen unb Angriffe hinwegsehen. Er hatte sich in schwerer Zeit als Mann von Herz unb Hand bewährt, und die Hohenzollern bewiesen ihm, wo sie konnten, ihre Liebe und Dankbarkeit. Er gehörte sozusagen zu der königlichen Familie. Den Pour le merite brachte ihm der König selbst in seine Wohnung.Ach, Majestät, was soll ich alter Mann mitn Orden!"Aber, lieber Schadow..." Jut, jut, ick nehm ihn. Aber eine Bedingung, Majestät, wenn ich dod bin, muß ihn mein Wilhelm kriegen." Unb ber König willigte lachenb ein, baß nach des Alten Tode der Orden an Wilhelm Schadow, den berühmten Direktor der Düsseldorfer Akademie, falle. Als im Herbst 1848 der jetzt Vier­undachtzigjährige mit der Abordnung, die dem Königspaar zur Silberhochzeit gratulieren sollte, nach Potsdam ging, schob ihm der König einen Stuhl hin:Setzen Sie sich, Papa!"

Volkstümlich wie der Alte Dessauer, Friedrich der Große, Blücher und später Wrangel und Wenzel war Schadow, und wie in seinen großen Werken lebt er auch in zahllosen Geschichten weiter, die in gleicher Weise seinem Leben wie seiner Kunst gelten und zeigen, daß ein großer Künstler immer auch ein ungewöhnlicher Mensch ist.

Ausruf

für dasErhoiuiigswcrL des deutschenBolkes!

Das Lrholungswerk bes deutschen Volkes ist eine der großen Sommeraufgaben der Ralionalsozialisti- scheu Volkswohlfahrt. Wir haben bei dieser Auf­gabe im Gau Heffen-Rassau nicht nur wie beim Winterhilfswerk, unter den ersten Gauen Deutsch­lands gestanden, sondern die Spitze geführt.

Das Erreichte aber verpflichtet uns auch zum gleichen Einsatz für dieses Jahr. Es gilt nicht nur die erforderliche Anzahl Freiplähe für unsere Ju­gend zu werben, sondern zahlreiche SA- und SS» männer, sowie Tausende bedürftiger Volksgenossen in Freistellen unterzubringen.

Das Heer der RS-helfer und Amtswalter, die Partei, alle stehen zur Verfügung, um die umfang­reichen und schwierigen Vorarbeiten zu leisten.

Männer und Frauen des Gaues Hessen-Rassau, wieder appellieren wir an euch! Ihr habt bewiesen, oaß ihr opferbereite Sozialisten seid, helft uns er­neut! Stellt Freiplähe zur Verfügung und helft uns, die neue Schlacht zu schlagen.

Die Opfer sind groß, der Einsatz aber gewaltiger: Jeder schaffe für Deutschland und den Führer!

heil Hitler!

Haug, Gauamtsleiter.

Gesellschaft für Natur- unb Heilkunbe: 20 Uhr im Botanischen Institut Vortrag von Professor K ü st e r Probleme unb Ergebnisse ber experimentellen Zell­forschung".

Der Sonntagvormittag und der Sonntagabend im Stadttheater.

Aus bem Stabttheaterbüro wirb uns geschrieben: Die mit gutem Erfolg bisher durchgeführten Morgenfeiern werben am Sonntag, 19. April, mit ber 4. Morgenveranstaltung fortgesetzt. Es soll an bieser Stelle nochmals ber Wert unb bie Bebeutung bieser Morgenveranstaltungen betont werben, bie bie Binbung zwischen Publikum unb Theater noch enger gestalten wollen unb bie jebem Theaterfreund etwas zu geben vermögen. Die 4. Morgenfeier, bie unter bem MottoAlte Musik" steht, wirb Per- golefes Trio in G-dur, Dittersborfs Konzert in A-dur für Cembalo unb RosenmüllersStudenten- musik" zu Gehör bringen. Die brei Werke sind sämtlich ber Generalbaßzeit entnommen (17. bis 18. Jahrhuubert). Rezitationen von Anekboten um Friebrich ben Großen, vorgetragen von Karl D o l ck, werben bas Programm abrunben. Mit- wirkende: Bräuer, Jost, Köhler, Rein, Scheuer­mann, Schneiber, Volck. Für Stammabonnenten ist ber Eintritt frei! Dauer von 11.30 bis 12.30 Uhr. Von 19 bis 22 Uhr zum letzten Mal Lortzings MeisteroperUnbine", bereu Aufführung in Gie­ßen ein großer Erfolg war. Am Dirigentenpult Kapellmeister Paul Walter. Die Spielleitung liegt in ben Hänben von Paul W r e b e. Die Vor­stellung ist außer Abonnement. (Siehe heutige An­zeige.)

Oberhessischer Kunstverein.

Am Donnerstag, 23. April, hält ber Oberhessifche Kunstverein im Turmhaus am Branbplatz feine Jahresversammlung ab. Auf bie heutige Anzeige sei besonders hingewiesen.

Skigaudi."

Um allen Skiläufern unb Skiläuferinnen noch­mals Gelegenheit zu geben, in ihre Skikluft zu steigen, veranstaltet ber Ski-Klub Gießen am 18. April in sämtlichen Räumen bes Gesellschaftsver­eins (Klub) einen Abenb im Stil eines bayerischen Volksfestes unter bem MottoSkigaubi im Walfer- tal". Der große Saal wirb bas Gepräge einer Alpenlanbschaft haben, währenb in ben Neben­räumen Jahrmarktsbuben, sowie ein bayrisches Bierzelt untergebracht finb. Frack unb Smoking werben zu Hause bleiben unb bafür bieKrach- leberne Wichs", bas Dirnbl- unb Sportkleiber Herr-

Zeitschriften.

Das Aprilheft berSübbeutfchen Mo­natshefte" (Verlag Sübbeutfche Monatshefte G. m. b. H., München):Ausgrabungen in aller Welt", bietet nun bie reiche Ausbeute, bie Ausgra­bungen bes letzten Jahrzehnts für fast alle Fragen ber Menschheitsentwicklung geliefert haben. Prof. Hans Weinert (Kiel) behanbeltNeue Funbe urge­schichtlicher Menschenreste", so vor allem ben Sin- anthropus (in ber Nähe von Peking gefunden), ben Nganbong-Menschen, bie Uebergangsfunbe vom Neanbertaler zum homo sapiens, bie man in Pa­lästina gefunben zu haben glaubt sowie bie rezenten Schädelteilfunde von Kanam unb Kandjera in Ost­afrika. Eine aufschlußreiche Schilberung moberner Ausgrabungstechnik wie ber aufschlußreichen Gra­bungsergebnisse in Deutschlanb gibt Lothar F. Z o tz (Breslau):Vorgeschichtliche Ausgrabungen in Deutschlanb".Römerzeit "imb beutsche Frühge­schichte" von F. v. Oppeln-Bronikowski (Berlin) gibt eine ausgezeichnete Uebersicht über bie feit ben letzten Jahrzehnten neu gehobenen Funbe unb ihre Bebeutung. Diele germanische Vorstellungen gewin­nen jetzt erst bie nötige Plastik. Auch bie'Ant'ike ge­winnt eine neue Beleuchtung, wie ber übersichtliche Aufsatz von Professor Carl Weickert (München): Ausgrabungen im Gebiet bes klassischen Alter­tums" beweist. DieForschungen im alten Orient" vom Direktor ber Vorberasiatischen Abteilung ber Staatlichen Museen in Berlin, Professor Walter Anbrae, geben bie neuesten Ergebnisse von Warka (deutsche Ausgrabung), Tell Äsmar, Chaffadschi, Kerluk, Ur usw. in seltener Vollständigkeit: endlich sind auch die Funde aus Iran und feinen Rand­gebieten unb die Funde aus dem Stromland des Indus (Mohendjo Daro usw.) fachmännisch darge­stellt. Hochinteressant wie diese Berichte alle ist auch der Aufsatz überModerne Ausgrabungs­technik" von Fritz Fremersdorf. ' F.

Im Aprilheft der MonatsschriftDeutsche Rundschau" (herausgegeben von Rudolf Pechel, Paul Fechter und Eugen Diesel, Verlag: Biblio­graphisches Institut AG., Leipzig) wird über das Zuiberseewerk, bas gerade jetzt für uns Deutsche von besonderem Interesse ist, in einem mit zahl­reichen instruktiven Bildern versehenen Aussatz be­richtet. Auch die weiteren BeiträgeParacelsus äußere Erscheinung" von Karl Sudhofs mit 8 Ab­bildungen,Biologie das Fundament" von Adolf Meyer,Humanismus und Nationalbewußt­sein" von Helmut Prang,Die Meister von Neu­stift" von Werner von der Schulenburg (mit 8 Ab­bildungen) bergen eine Fülle von Anregungen und wertvollen Wissens.