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Nr. 13 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Donnerstag, 16. 3mar 1936

Der Dresdener Zwinger, ein Wunderwerk des Barock.

Zum 200. Todestage Matthäus Daniel Pöppelmanns am 17. Januar.

Von Ernst v. Niebelschüh

(Scherl-Bilderdienst-M.)

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Zuweilen liebt es die Geschichte, die Lehren, die sie uns so freigiebig erteilt, ein wenig auf den Kopf zu stellen. In einer solchen Laune ließ sie es geschehen, daß der gebürtige Westfale Matthäus Daniel Pöppelmann im Jahre 1686 den Weg nach Dresden fand, um erst Landbaumeister, dann der maßgebende Architekt Augusts des Starken zu werden. Man bedenke, was das heißt: aus der Fülle baumeisterlicher Begabungen, die Deutschland besaß, greift sich das Schicksal einen Angehörigen des schwerblütigsten Stammes heraus und gibt ihm die Möglichkeit, die üppigen Träume des leichtlebigsten aller deutschen Fürstenhöfe zu verwirklichen. Zwar ist das meiste von dem, was August in Dresden und in seiner zweiten Residenz Warschau plante, unausgeführt geblieben oder doch in einer Gestalt auf uns gekommen, die Pöp­pelmanns genialen Entwurf nur noch halb er­kennen läßt So etwa sind die phantastischen Pläne des Hofarchitekten zum Neubau des abgebrannten Dresdener Schlosses niemals in Angriff genommen worden, bei der späteren Umgestaltung des Pala* stes für den Grafen Flemming zumJapani­schen Palais" hat sich ein eleganter, aber schon ab­strakter Klassizismus französischer Färbung abküh­lend über das heftig pulsierende Leben der ersten Anlage gelegt, und noch in jüngster Zeit mußte Pöppelmanns Elbbrücke, der herrlichste Nutzbau des Barocks, den gesteigerten Bedürfnissen der Fluß­fahrt geopfert werden.

Nur ein Bauwerk ist geblieben und zeugt auch nach der letzten, allzu weitgehenden Wiederherstel­lung von Pöppelmanns Ruhm: der weltbekannte Zwinger. Vergleicht man also das Ausgeführte und Erhaltene mit dem von August dem Starken und seinem Baumeister Geplanten, so müssen wir gestehen, daß unser Wissen um Pöppelmann Stück­werk ist. Und das wenige wird noch spärlicher, wenn man bedenkt, wie gnädig die zerstörende Zeit mit der Hinterlassenschaft der anderen großen Barock­architekten, eines Balthasar Neumann, eines Fischer von Erlach und Hildebrandt, umgegangen ist. Aber wer nach Wert und Bedeutung und nicht nach der Zahl urteilt, wird auch einräu­men müssen, daß der Dresdener Zwinger unter allen gleichzeitigen Barockbauten mit an erster Stelle

steht, an persönlicher Eigenart und souveräner Un­abhängigkeit jedenfalls von keinem anderen über­troffen wird. Ohne ihn hätten wir nur eine un­vollkommene Vorstellung davon, wessen der deutsche Barock in seiner Sternenstunde fähig war.

Niemand, und sei es der nüchternste Mensch, der von einem Bauwerk wenig mehr als die Erfüllung seiner nackten Zweckbestimmungen verlangt, wird sich dem Zauber des Zwingers ganz entziehen können. Der Name schon wo käme er sonst in der Baugeschichte vor? scheint seine Einmaligkeit unterstreichen zu wollen; er besagt, daß die An­lage ursprünglich ein Teil der Stadtumwallung war, innerhalb deren der Raum zwischen zwei Mauern alsZwinger" bezeichnet wurde. So ver­einigen sich also in Pöppelmanns Wunderwerk die heterogensten Begriffe: ein der Festungssprache ent­nommener Name und die heiterste und ausgelas­senste Festdekoration, die wir kennen. Denn das ist der Zwinger, wie Pöppelmann ihn wollte und wie er geworden wäre, wenn die sprunghafte Phantasie des Kurfürsten, die vor lauter Ideen keine zu Ende denken konnte, die letzte Ausführung nicht auch hier verhindert hätte.

Der Plan war dieser: eine Art Arena für Tur­niere, Ringelstechen, festliche Aufzüge und andere Lustbarkeiten zu schaffen, und zwar in Anlehnung an eine flüchtige Holzdekoration, die nun sozusagen verewigt, monumentalisiert werden sollte: eine in Stein ausgeführte Bühne also, auf der die Damen und Kavaliere der Hofgesellschaft die Figuranten waren. Keine noch so ausschweifende Einbildungs­kraft reicht aus, sich das Bild vorzustellen, das dieser riesige Festraum unter freiem Himmel dem Auge geboten hätte, wenn der Bau nicht schon vor Abschluß der Arbeiten eingestellt worden wäre. Nach Norden sollte sich der fast quadratische, an den beiden Schmalseiten durch tribünenartige Ausbuch­tungen erweiterte Platz in lustigen Galerien gegen das Elbufer öffnen ein Architekturtraum, der wohl zu schön war, als daß die immer nur mit dem Möglichen rechnende Wirklichkeit ihm hätte folgen können, lieber hundert Jahre lang blieb der Zwingerhof nach dieser Seite hin offen, bis man die Lücke 1847 durch Sempers viel zu wuchtiges Galeriegebäude schloß, d. h. eine Lösung fand, die

sich mit der beschwingten Anmut von Pöppelmanns Schöpfung in keiner Weise in Einklang bringen läßt.

Was den Zwinger so unwiderstehlich macht und seine Einmaligkeit ins hellste Licht rückt, ist das Zusammentreffen sonst unvereinbarer Qualitäten an einem und demselben Bauwerk: der klarsten und straffften Grundrißbildung mit der tollsten Ausge­lassenheit der Einzelformen, des feinsten Empfin­dens für Massengliederung und Übersichtlichkeit mit der größten Uebedenklichkeit in der Wahl der Mittel. Man könnte auch sagen: die Verschmelzung des Provisorischen, aus einer Augenblickslaune Ent­standenen, mit dem Monumentalen, das hier auch den flüchtigsten Einfall in die gültige und dauernde Form umprägt. Aus dem Luxusbedürfnis eines vergnügungssüchtigen Hofes entstanden, der Be­stimmung nach also ganz profan, birgt diese Archi­tektur doch ein deutlich fühlbares Element, das die Festlichkeit zur Feierlichkeit macht und das Welt­liche in die Region des beinah Sakralen zu erheben scheint. Nie seit der Gotik ist der Geist der Schwere so bis auf Den letzten Rest überwunden, die natür­liche Dichtigkeit des Werkstoffs so von den natur­gesetzlichen Bedingungen befreit worden wie hier. Der barocken Pracht und Fülle der Dekoration ge­sellt sich eine Leichtigkeit in der Behandlung des Steins, die schon das Rokoko vorwegnimmt, wie­wohl der Zwinger, der im zweiten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts entstanden ist, sich als ein echtes Kind des Barocks zu erkennen gibt und mit Rokoko nichts zu tun hat. Das Köstlichste sind das Kronen­tor gegenüber dem Galeriebau und der Wallpa­villon, an denen die Architektur Pöppelmanns mit der dekorativen Plastik Barthel Permosers

einen Bund geschlossen hat, der uns im Zweifel las­sen kann, welchem der beiden Künste der Vorrang gebührt. Jeder Versuch der Beschreibung ist hier zum Scheitern verurteilt, und wer ihn unternimmt, sieht sich bald auf Worte angewiesen, die gar nicht dem Sprachschatz der Baukunst entstammen. Di- Formen springen und schäumen, blühen empor, treten auseinander, brechen und spalten, schwingen und verflechten sich, kurz, sie vollführen das Un­sinnigste, was man sich denken kann, und doch hat man das Gefühl, daß keine am falschen Platz« steht, weil jede sich nicht nach Willkür bewegt, son» dem dem heimlichen Gesetz untertan ist, das di- wunderbar beherrschte Grundlage ihr vorschreibt.

Alle Abwandlungen des Zeitstils scheinen sich im Zwinger zu einem Fasching eigener Art zusammen- gefunden zu haben: Römisches von Borromim her, das Wien Hildebrandts, der Pariser Klas­sizismus, sogar namentlich in den geschweif­ten Dächern Indien und China. Aber in des Meisters Hand läuft das alles mit einer Selbstver­ständlichkeit zusammen, daß man an die Herkunft gar nicht mehr denkt, auch wenn man weiß, daß Pöppelmann den Barock an den Quellen in Rom, Neapel und Wien studiert hat. Denn was will das besagen gegenüber der ganz persön­lichen Leistung, deren einzigartige Größe durch keinen Nachweis fremder Einwirkungen beeinträch- tigt werden kann, in ihrer Originalität vielmehr so umstritten ist, daß man sich versucht fühlen könnte, zu urteilen, der Barock als europäischer Stil habe nur auf diesen deutschen Architekten gewartet, um sich im Dresdner Zwinger als der gelungensten Synthese aller seiner Eigenschaften erst ganz ver­wirklichen zu können.

Das neue Gesicht der Grünen Woche.

Wege zur Tlahrungsfreiheit. Pferde in Zucht und Sport. Wehrspiele und Bauernsport.

Bon unserem berliner O. H.-Korrespondenien.

Die Grüne Woche 1936 vom 15. Januar bis 2. Februar in Berlin ruft von neuem Stadt und Land zur Besinnung auf die große Ge­meinsamkeit im Dienst an der Volksgesamtheit. Marktordnung und Erzeugungsschlacht in ihrer Bedeutung für Stadt und Land, in ihren Wegen und ihrer Wirksamkeit klar herauszustellen, das ist das Ziel der großen Winterschau des deut­schen Bauerntums in der Reichshauptstadt. Aber wie jede große Leistung nur auf der Grundlage einer lebendigen Weltanschauung verwirklicht wer­den kann, so ist auch hier der Gedanke von Blut und Boden, der Rassengedanke dargestellt, wie er sich aus den Notwendigkeiten des Augenblickes zur Erhaltung und Neuformung des volklichen Lebens auf lange Sicht ergibt. Haben schon die letzten Grünen Wochen dieser weltanschaulichen Grund­legung den weitesten Raum gegeben, so wird auch die neue Grüne Woche zum Zeugen bäuerlicher Kultur, bäuerlichen Brauchtums und seiner Ge­schichte, dessen vieltausendjährige Vergangenheit nicht umsonst gewesen sein soll, sondern eine Kraft­quelle für die Zukunft. Geht es doch nicht einfach darum, den Stolz des Bauern auf Erbe und Ehre feiner Arbeit zu erhalten und zu wecken, geht es doch vor allem darum, in allen Teilen des deutschen Volkes die klare Erkenntnis zu befestigen, daß nur die bewußte Pflege und Sicherung der Quellen unserer Volkskraft uns ermöglicht, die Aufgaben der Zukunft zu bewältigen, der Gegenwart ein neues Gesicht zu geben und uns für kommende Stürme zu wappnen.

Gewiß, der Bauer steht nicht allein im Volk, er fordert keine Sonderrechte, aber nur das Zusam­menwirken des bodenständigen Menschen mit all den Millionen, die nicht Haus und Hof zu eigen haben, kann aus dem Umbruch der Zeit eine neue und große Ernte für das Ganze schaffen. Darum wendet sich die Grüne Woche 1936 mehr noch als ihre Vorgängerinnen an den Städter im selben Maße wie an das Landvolk. Denn es ist ja gerade für den Städter von größtem Interesse, nicht nur zu wissen, daß die Marktordnung auch über vorüber­

gehende Schwierigkeiten in der Lebensmittelversor­gung einzelner Märkte schnell hinweghilft, er soll auch wissen, wie diese Marktordnung aufgebaut ist, wie hier eine möglichst kurze und einwandfreie Zu­führung des Erntegutes in die Hand des Ver­brauchers vor sich geht, wie ungesunde spekulative Einflüsse in der Verteilung ausgeschaltet werden, wie der ehrbare Kaufmann fein Arbeitsfeld findet, und welche Möglichkeiten der städtischen Hausfrau neu gegeben sind, ihre Familie mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Ebenso aber geht es den Städter an, auf welchen Wegen wir die heimische Erzeugung verbessern, auf den Bedarf einstellen, die Boden­erträge steigern, wie sich hier Bodenverbesserung, Bodenanreicherung, Ausgleich der Ernteschwankun­gen, Verbesserung und Kontrollierung des Saat­gutes, Wiederaufbau unserer Viehbestände, Erweite­rung des Siloraums, Neubildung deutschen Bauern­tums wirtschaftlich und volkspolitisch ergänzen.

So ist die Ausstellung am Kaiserdamm in der Fülle ihrer Einzelheiten auf das große Ziel der deutschen Nahrungsfreiheit ausgerichtet. Ob es sich nun um die Einführung neuer Methoden der Ein­lagerung, oder neuer Erntemaschinen, neuer Bestel- lungsgeräte, Verbesserungen, die an alten Maschinen und Geräten eingeführt werden, oder um die neuen Maßnahmen zur Hebung der Tierzucht handelt, überall haben diese Dinge für Stadt und Land eine gleich entscheidende Bedeutung. Auch in diesem Jahr wird bewußt der Charakter einer einfachen Ver­kaufsmesse vermieden, so sehr auch alle an Erzeu­gung, Verarbeitung und Verteilung unserer Nah­rungsmittel und der aus dem deutschen Boden wachsenden Industrie-Rohstoffe Beteiligten hier Mit­tel und Wege finden werden, sich über Bedarf und Absatzwege zu unterrichten.

Wie weit der Rahmen gesteckt ist, daß zeigt schon der Ausbau der Ausstellung. Zur eigentlichen Aus­stellung des Reichsnährstandes tritt die der land­wirtschaftlichen Industrie, verbunden mit Sonderschauen der Maschinen, der Hilfsgeräte und Baustoffe, der Dünger- und Futtermittel, der Schädlingsbekämpfung, kurz, von Gebie-

Abenteuer um Erdöl.

Von Dr. Helmut Thomasius

Oft genug ist es geschildert worden, das berühmte «Ereignis vom 12. August 1859, als man zu Titus- ville auf eine Erdölquelle stieß, deren gewal­tige Ergiebigkeit die allgemeine Aufmerksamkeit auf ! die im Boden Pennsylvaniens liegenden Schätze Cenfte. Wort und Bild geben eine anschauliche Schilderung dessen, was vor sich ging. Turmhoch wurden Bohrer und sonstige Geräte emporgeschleu­dert. Ein mächtiger Strahl der kostbaren Flüssig­keit sprang in die Höhe. Rette sich, wer kann! Wochenlang war dieser unverhoffte Segen nicht ein- i,ubämmen, nicht zu fassen. Der Mensch erwies sich ils ohnmächtig gegenüber den Gewalten der Natur.

Das, was damals geschah, hat sich noch häufig wiederholt. Es ist im Ganzen und Großen das gleiche geblieben. Die steigende Verwendung der v erschiedenen Bestandteile des Erdöls hat zu einem derartigen Bedarf an diesem Rohstoff geführt, daß man schon seit einigen Jahren begonnen hat, alte, scheinbar längst erschöpfte Vorkomm­nisse wiederauszubeuten.

Verschiedene Verfahren wurden erdacht, um mög- 1 chst viel von den in der Tiefe noch vorhandenen Resten zu gewinnen. Diese Tatsache mag zu der Vorstellung geführt haben, daß jetzt überhaupt keine neuen Brunnen mehr erbohrt würden, deren Macht oder Kraft so groß ist, daß sich Schwierigkeiten er- rben Sie mag vielleicht auch die weitere Vor- lellung erweckt haben, daß der Mensch die Technik ter Erschließung solcher Quellen vollkommen und in -der Hinsicht beherrsche. Verluste an Oel und die gleichfalls von früher her bekannten riesigen Brände mit ihren ungeheuren Rauchwolken ge­hören also der Vergangenheit an? Heute geht alles gatt? Wie falsch diese Ansicht ist, beweisen die Er­eignisse, von denen manche in ganz unvorhergesehe­ner Art verlaufen, so daß besondere technische Hilfs- irittel zur Anwendung kommen müssen, um der Lenge Herr zu werden. Ein solches m sehr sinn­reicher Weise durchgebildetes Hilfsmittel bewahrte Üch bei der Bändigung eines Oelbrun- ne n s , der eine merkwürdige Ungebärdigkeit zeigte. Sein mit gewaltigen Gasmengen durchsetztes wild tnporbrängenbes Oel zerstörte sogar den Erdboden, ans dem es empor kam. Es bildete sich ein gewal- lizer und tiefer Krater, der vollständig mit gas­

haltigem Oel erfüllt wurde, und an den man nicht herankommen konnte. Alle Geräte versanken spurlos in der Tiefe.

Die Technik brachte nun etn Kun st werk von besonderer Eigenart fertig. Aus ziemlicher Entfernung wurde ein Brunnen zunächst senkrecht bis auf 650 Meter niedergebracht Dann aber führte man den neuen Brunnenschacht seitwärts derart schief nach unten, daß er das untere Ende des anderen Schachtes treffen mußte, aus dem das Oel emporstieg. Besondere Einrichtungen ermög­lichten die Schwenkung. Damit man aber in einer Tiefe von fast 2400 Metern richtig auf die ge­suchte Stelle stieß, wurden ständig Prüfungen der Richtung vorgenommen. Zu diesem Zweck wurden in den Schacht ein Kompaß und sonstige Instru­mente sowie eine photographische Einrichtung hinab­gelassen. Auf diese Weise wurden in kurzen Zwi­schenräumen und in regelmäßiger Folge Photogra­phie des Kompasses und der übrigen Richtungs­zeiger ausgenommen. Wirklich kam man auf die ge­suchte Stelle. Hierauf wurde durch den neuen Brun­nen Wasser hinabgepumpt, das sich mit dem Oel mischte und seine Heftigkeit sowie die der Gase bändigte. Mit Hilfe von Schutzmauern und sonstigen Vorrichtungen konnte die Ausbeutung des Kraters in Angriff genommen werden

Das äußere Kennzeichen der Delgebiete find be­kanntlich die hohen Bohrtürme. Sie werden über der Stelle errichtet, wo eine Bohrung statt- finben soll, und lassen schon von weitem erkennen, was hier vorgeht. Die Suche nach Erdöl, die wieder in verstärktem Maße eingesetzt hat, ließ den Wunsch erstehen, rasch Bohrungen durchführen zu können, um sich zu vergewissern, ob man hier oder dort auf Erfolg hoffen könne. Aus diesem Wunsche her­aus ist eine Bohreinrichtung entstanden, die auf einem Lastkraftwagen züsammenge- faßt ist. Sie läßt sich außer zu Bohrunaen auf Erdöl auch zu anderen Arbeiten, insbesondere zu den mannigfachsten Brunnenbohrungen verwenden. Zwei Motore von je 125 Pferdestärken sind in der Weise am Lastwagen angebracht, daß der eine auf der Plattform, der andere unter der Haube sitzt. Eine eigene Haube dient dazu, zwischen beiden Gleichlauf herzustellen. Sie können zusammen ober unabhängig voneinander arbeiten. Auch die übrigen Geräte, die man zum Bohren braucht, insbesondere die Windetrommel für das Drahtseil, der Kran für den Bohrer, eine kräftige Pumpe usw. sind auf der Plattform angebracht

Die Gewinnung von Erdöl aus den alten, außer Betrieb gesetzten Quellen wurde meist in der Weise vorgenommen, daß man ohne weiteres die Quellen selbst in Angriff nahm. Dabei ging man erst in der Weise vor, daß man die ölhaltigen Sande durch in die alten Bohrlöcher hinabgepumpte Wasser e m p o r s ch w e m m t e. Sie wurden dann von dem anhängenden Oel befreit. Dabei geht viel Oel verloren. Deshalb löste man später das Oel in der Tiefe durch Flüssigkeiten besonderer Zusammen­setzung, vor allem durch Seifenlösungen ab. Aber auch hierdurch konnte nur ein bestimmter Anteil der vorhandenen Schätze gewonnen werden.

Das Ziel der Technik muß es fein, auch den letzten Rest noch feiner Verwertung zuzuführen. Man müßte viel erproben, und es würde viel Oel nutzlos verschwendet werden, wen man diese Erpro­bungen an der Quelle selbst vornehmen wollte. Deshalb hat man jetzt diese so wichtige Frage in an­derer Weise angepackt. Wie man auch andere technische Fragen mit Hille von Modellen zu klären sucht, so hat man hier gleichfalls Modelle geschaffen.

Künstliche Delgebiete wurden hergestellt, die den natürlichen aufs Genaueste nachgebildet sind und sich von ihnen nur durch die Größe unterschei­den. In diesen Delgebieten liegen unter anderen Schichten Sande, die in bezug auf die Größe der Körner, die Menge des anhängenden Oels und alle sonstigen Einzelheiten dem natürlichen Vor­kommnis gleichen. Da die Verhältnisse in den ver­schiedenen Delgebieten und in den verschiedenen Teilen des einzelnen Delgebietes oft sehr verschie­den liegen, muß bei der Herstellung der Modelle natürlich auf eine große Anzahl von Einzelheiten eingegangen werden.

Unter Verwendung dieser Modelle wird nun un­tersucht, wie man bas noch in den Poren der Ge­steine sitzende ober an ben Sanbkörnern hängenbe Del am besten aus seiner bisherigen Verbindung lockert unb wie man es am sichersten unb am voll- ftänbigften von ihr ablöst. Wenn biese Frage zur Zufriedenheit geklärt ist, wirb bie weitere in An­griff genommen, wie man es am besten unb ohne wesentliche Verluste an bie Erdoberfläche empor­bringt. Es ist selbstverstänblich, baß bie Herstellung solcher künstlicher Delfelber große Kosten verursacht.. In Anbetracht ber ungeheuren Werte jeboch, bie bie in ben verlassenen Quellen vorhanbenen Ree in sich bergen, lohnt sich ber zu ihrer vollkom­menen Gewinnung notwendige Aufwanb.

Der bestohlene Detektiv.

Vor einem Gerichtshof in Barcelona erschien kürzlich ein Detektiv, um eine Anklage vorzubrin- gcn. Im Ton tiefster Entrüstung teilte er mit, baß ihm ein Spitzbube seine Brieftasche mit vierhundert- unbsünfzig Peseten gestohlen habe. Als ber Richter ihn mit mühsam bezwungenem Lachen fragte, ob er bie Brieftasche denn irgendwo unbeachtet liegen ließ, verneinte es der Detektiv energisch. Er hätte die Brieftasche stets bei sich getragen und sie als sein kostbarstes Besitztum immer unter der Tasche verwahrt, in der sich sein geladener Revolver be­fand. Das hatte den Dieb aber offenbar nicht da­von abgehalten, den Detektiv zu bestehlen. Mit größter Sorgfalt mußte die Brieftasche unter der Waffe hervorgezogen worden sein. Dann hatte ber Dieb mit ihr bas Weite gesucht. Die Polizei soll nun ben frechen Täter suchen, bamit ber Detektiv wieber zu seinem Gelb kommt. Db ihm bas Gericht aber auch wieber ben Ruf eines wachsamen und finbigen Detektivs verschaffen kann, ben er burch biefen Diebstahl eingebüßt hat, muß bezweifelt werben.

Die wetteranzeigende llhr.

Der Deutschamerikaner Dr. Manfreb Curry, ber am Ammersee auf einem Wohnschiff wohnt, hat eine uhrähnliche Vorrichtung ersonnen, die bas Ab- lesen ber bevorstehenben Witterung, unb zwar minbeftens für ungefähr zwölf Stunben im voraus, gestattet. Die Bestandteile der Uhr sind eine flache Aluminiumdose von etwa Handtellergröße, ein drehbarer Deckel unb ein auf bem Deckel angebrach­tes Blatt, bas chemisch präpariert ist. Im Gegen­satz zum Barometer, bas sich lediglich auf ben Luftbruck stützt, wertet bie Wetteruhr sowohl ben Luftbruck als auch bie Winbrichtung aus. Je nach bem Grabe ber augenblicklichen Luftfeuchtigkeit Der* änbert das chemisch präparierte Blatt seine Färb» tönung entsprechend Die Farbenabstufungen ver­laufen von Hellrot bis Tiefblau. Man dreht nun so lange den Deckel, bis die jeweilige Farbe des präparierten Blattes mit der entsprechenden auf bie Uhr aufgetragenen Vergleichsfarbe harmoniert. Außerdem ermittelt man die Windrichtung, und zwar unter Benutzung eines im Mittelpunkt ber Uhr angebrachten kleinen Kompasses.