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Nr. 39 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Samstag, 15. Februar 1936

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Mrnaüonale Automobil- und Motorrad-Ausstellung Berlin 1936

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Motorisierung im Nationalsozialistischen Staat.

Von 3- Werlin,

Leiter der Fachgruppe Kraftwagen.

Die diesjährige Automobil-Ausstellung ist durch zwei Merkmale besonders gekennzeichnet. In der Ehrenhalle befindet sich, da diese Ausstellung im Zeichen des goldenen Jubiläums des Kraftwagens steht, eine historische Schau, die die Entwick­lung des deutschen Kraftwagens darstellt; zum an­dern sind, gleichsam als Ergänzung und Krönung, die Fahrzeuge ausgestellt, die der Führer bis zur Machtergreifung benützt hat. Waren es die genialen Pioniere Daimler und Benz, die überhaupt die ersten brauchbaren Kraftwagen schu­fen und damit der Welt ein neues Gesicht gaben, so konnte sich in unseren Tagen die Motorisierung Deutschlands in diesem gewaltigen Ausmaß nur da­durch vollziehen, daß der Führer selb st die Bedeutung dieses Verkehrsmittels wie bisher kein anderer Staatsmann erkannt hat. Während unter früheren Regierungen der Kraftwagen ausschließ­lich als Luxüsgegenstand betrachtet wurde, genießt er heute die weitestgehende Förderung durch den Staat. Der Kraftwagen ist keinSaisonartikel" mehr, und der treffendste Beweis dafür sind die Zulassungen im Monat Dezember des vorigen Jahres, die das Sechsfache derjenigen vom Dezem­ber 1932 betrugen. Es gibt heute keinen zweiten Staat auf der Welt, in dem das Staatsober­haupt f e l b ft eine Automobil-Ausstellung eröff­net und diesen Vorgang zum Staatsakt erhebt. Dies ist nur bei einem Mann möglich, der im vollen Sinne des Wortes als Lebensquell der Motorisierung den aktivsten Anteil an der Entwicklung der Kraftoerkehrswirtschaft nimmt, unserem Führer. Von diesem mächtigen Impuls erfaßt, geben selbstverständlich alle in diesem In­dustriezweig Schaffenden ihr Bestes her, um dem großen Beispiel nachzueifern.

Die Produktion der deutschen Automobil­industrie hat sich gegenüber 1932 etwa vervier­facht. Zum ersten Mal haben im Jahre 1935 die Zulassungen in Deutschland diejenigen Frankreichs übertroffen. Rach England stand bisher Frankreich an zweiter Stelle in der europäischen Produktion. Diesen Platz haben wir uns nun erobert und dar­über hinaus sind wir schon den englischen Ziffern näher gekommen, obwohl den Engländern das un­geheure Absatzgebiet des britischen Weltreichs zur Verfügung steht. Die Zahl der in der gesamten Kraftverkehrswirtschaft Beschäftigten wird mit etwa einer Million Volksgenossen gewiß nicht zu hoch geschätzt.

Wie weit die Werkzeugmaschinen-Jn- dustrie und das Baugewerbe an diesem enormen Aufschwung teilgenommen haben, läßt sich ziffernmäßig nicht genau feststellen. Da aber in Deutschland im Jahre 1935 für etwa 800 Millio­nen Mark gewerbliche Neubauten erstanden sind, kann ohne weiteres angenommen werden, daß die' Automobil- und Zubehör-Industrie hier zu einem nicht unwesentlichen Anteil beigetragen hat. In jedem Werk der deutschen Automobil- ober Zube­hör-Industrie sind in den letzten Jahren bedeutende Neubauten aufgeführt und zahlreiche Werkstätten neu ausgerüstet worden.

Es handelt sich hierbei nicht um eine Konjunktur iroie im Jahre 1929, als die damalige Regierung mit geborgtem ausländischen Geld eine Schein­blüte hervorzauberte, die nur zu schnell zusammen­brach. Der jetzige Aufschwung ist durchaus ge­sund und stabil, was schon daraus hervor­geht, daß die einzelnen Betriebe ihre Neubeschaf­fungen von Betriebseinrichtungen zum großen Teil aus laufenden Einnahmen finanzieren. Ein weite­rer Beweis der Stabilität dieses unseres Wirt­schaftszweiges ist die Tatsache, daß mit verhältnis­mäßig geringem Kapitalaufwand enorme Umsätze erzielt wurden. Wir haben deshalb allen Grund, mit berechtigtem Optimismus in die Zukunft zu sehen Die heutige Zeit ist gewiß nicht dazu da, um Reichtümer anzusammeln, dafür wird schon durch gesetzliche Maßnahmen (Anleihestock-Gesetz) vorge­sorgt; heute rückt vielmehr der schaffende Mensch in den Vordergrund. Besonders die alten Unternehmungen, die einen großen Stamm an ar­beitsunfähig gewordenen Volksgenossen betreuen, haben oft weit über , die gesetzlichen Aufwendungen hinaus Millionenbeträge als freiwillige soziale Leistungen aufgebracht.

Durch verbesserte Produktionsmethoden, erhöhte Leistungen und die stärkere Verbreitung des Klein­wagens senkt sich der Durchschnittspreis des deutschen Kraftwagens im Jahre 1935 gegen­über 1932 um 18,8 d. 5). Weiterhin sind Bestre­bungen im Gang, d i e Ko st en der Kraft­fahrzeug-Haltung weiter zu verringern. Hierzu gehört in erster Linie die Senkung der Versicherungsprämien, die sich allerdings nur unter erhöhter Verantwortlich­keit der Kraftfahrer durchführen lassen wird. Die Erhaltung von unersetzlichen Menschen­leben und die Schonung von Material muß ober­stes Gebot für jeden Kraftfahrer sein, sind doch nach der letzten vorliegenden Statistik in einem Jahr allein rund 5000 Menschenleben durch K r a f t f a h r z e u g u n f ä l l e in Deutschland vernichtet worden!

Die Herstellung von heimischen Treib­stoffen, als wichtigstes wirtschaftspolitisches

Links: Ein neuer StoewerGreifer". Rechts: Ein Lastwagen-Untergestell mit Poegas-Betrieb. (Scherl-Bilderdienst-M.)

meter. Das ist die diesjährige Schau der Autos, Anhänger, Motorräder, Zugmaschinen und Zubehör­teile, die der Reichsoerband der deutschen Automo­bilindustrie unter Vermeidung einer Ueberladung außerordentlich übersichtlich gestaltet hat

Auch in diesem Jahre sind über 6 00 F a h r- zeuge in den Hallen und auf dem Freigelände aufgefahren worden. Limousinen, viele Sportwagen, Cabriolets, Luxuswagen in der besten und bequem­sten Ausführung. Omnibusse für 100 Personen, Schnellomnibusse, die auf den Autobahnen mit 100 Kilometer Schnelligkeit dahinbrausen können, Drei­radwagen, Zugmaschinen, Sattelschlepper, Feuer­spritzen und Feuerleitern, Lieferwagen, Lastwagen, Elektrokarren, Kehrmaschinen, Sprengwagen, Ge­ländewagen, Krankenwagen, Raupen- und Eil­schlepper, vom leichten Motorrad bis zu den schwer­sten Rennmaschinen, eine große Anzahl von An­hängern und Beiwagen bieten sich hier dem Be­schauer dar

Eine ganze Halle für sich hat die Zubehör­teil-Industrie mit mehreren hundert Ständen belegt und auch hier sind viele Neuerungen zu sehen. Auch die Werkzeugfabriken warten mit sehr gutem Material auf Nicht zuletzt seien auch die Treibstoff - und Oelfirmen erwähnt, die in überaus lehrreichem Material von den Vor­zügen ihrer Erzeugnisse sprechen

Den Abschluß bilden Automobil-Organi­sationen und die Fachzeitschriften, die dem Automobilbesitzer bei der Unterhaltung seines Fahrzeuges jede mögliche Erleichterung schaffen wollen. Im Wettstreit mit der deutschen Industrie stehen auch zahlreiche führende Firmen des Aus­landes, fo daß man in den nächsten 14 Tagen einen Gesamtüberblick über die Autoindustrie der Welt erhalten wird.

Bei den Behörden.

Die Deutsche R e i ch s p o st, der größte deut­sche Kraftfahrzeughalter, zeigt einen 14 Meter lan­gen Kraftpostkurswagen auf Mercedes- Benz-Diesel-Fahrgestell mit 150 PZ-Leistung. Die Verteilungs- und Arbeitseinrichtungen sind hier rote in einem Bahnpostkurswagen angeordnet. Man sieht ferner ein fahrbares Poftamt, wie es erstmalig beim Reichsparteitag 1935 und beim Erntedankfest auf dem Bückeberg eingesetzt wurde.

Für die Strecke BerchtesgadenObersalzberg wird die Post einen Kraftomnibus mit A l l- rad-Antrieb (Mercedes-Benz) in Betrieb nehmen.

Die Deutsche Reichsbahn zeigt einen Schnellreisewagen für d i e Reichs­autobahnen mit einem 6 Zylinder-Dieselmotor von 90 kB-Stärke. Mit 25 Reisenden kann der Wagen eine Geschwindigkeit von 95 Kilometer in der Stunde entwickeln. Zur Beförderung schwerster Lasten und sperriger Güter ist das neue Schwer- la st-Straßenfahrzeug bestimmt. Die bei­den Fahrgestelle mit je 12 Rädern können je nach Länge der Last auseinandergezogen werden. Man sieht hier ferner ein Straßenfahrzeug für Eisenbahn­wagen für die Zufahrt von zweiachsigen Eisenbahn­wagen für Schüttgüter an Verbraucher, die fein Anschlußgleis besitzen. Außerdem zeigt die Reichs­bahn drei Triebwagen mit Dieselmotoren.

Auch der Generalinspektor für das Deutsche Straßenwesen ist mit einer Sonderschau vertreten. Eine Generalkarte mit dem Grundnetz der Reichsautobahnen gibt eine lehrreiche Uebersicht über sämtliche Baustellen und bereits fertiggestellte Strecken, sowie über das Bau­programm für die nächsten zwei Jahre. Die Reichs­straße zu den Olympischen Winterspielen, die zur Muster-Reichsstraße erklärt wurde, und die deutsche Alpenstraße werden als Beispiele für rich­tigen Straßenbau gezeigt. Ein Fahrdiagramm von der Strecke Frankfurt Heidelberg be­weist und erläutert die verkehrstechnischen Erfolge

Problem im Vordergrund, wird neben den öffent­lichen und den Wohnungsbauten durch Neuerrich­tung von Gewinnungsanlagen und Jndustriegebäu- den eine Belebung des Baugewerbes herbeiführen, die wiederum der Automobil-Industrie neue Absatz­steigerungen ermöglichen wird.

Unter den Schöpfungen des Dritten Reichs find an erster Stelle die Reichsautobahnen zu nennen, die nicht nur die Verkehrssicherheit bedeu­tend steigern, sondern auch die Wirtschaftlichkeit des Kraftfahrzeugs beträchtlich erhöhen werden. Alle großen Städte des Reichs miteinander verbindend, fördern sie die Auflockerung der Großstädte und den Siedlungsgedanken, bringen die Städte ein­ander näher und führen an die landschaftlichen Schönheiten Deutschlands heran.

Der Kraftfahrsport, der bewährten Füh­rung von Korpsführer Hühnlein anoertraut, konnte im vergangenen Jahr bedeutende Erfolge erzielen. Besonderen Stolz empfinden wir über die Siege unserer deutschen Rennwagen., im Ausland. 14mal traten die deutschen Renn­wagen im Jahre 1935 an und 13mal haben sie gesiegt ein beispielloser Erfolg in der Geschichte

des Automobil-Rennsports! Diese Siege haben auch auf den Export günstig eingewirkt, und die Firma, welche im letzten Jahr die größten Erfolge in den Rennen aufzuweisen hatte, konnte gegenüber 1934 eine Ausfuhrsteigerung von 185 o. H. erzielen, wäh­rend der allgemeine Durchschnitt bei 60 v. H. lag.

Da zum Währungsausgleich und mit Rücksicht auf die viel günstigeren Produktionsverhältnisse der ausländischen, besonders der amerikanischen Auto- mobUinbuftrie große Opfer gebracht werden müs­sen, ist ein tragfähiger Jnlandsmarkt Voraussetzung für die Ausfuhr. Die Gefamt-Aus- fuhr der deutschen Automobil-Industrie betrug im Jahre 1935 über 50 Millionen Mark. Eine neue Export-Gemeinschaft, die im Rahmen der Fach­gruppe unter tatkräftiger Förderung des Reichs­wirtschaftsministeriums und der Auslands-Orga­nisation der NSDAP, gegründet wurde, wird mit vereinten Kräften den Kampf um die Weltgeltung deutscher Wertarbeit weiterführen. Die Auto­mobil-Ausstellung selbst aber wird jedem Besucher zeigen, daß alle Schaffenden in der deut­schen Kraftfahrzeug-Industrie ihr Bestes geleistet haben, so daß wir mit Zuversicht sagen können: Es geht weiter vorwärts und aufwärts!

Was gibt es Neues am Kaiserdamm?

Ein Teil der Ausstellung in der Lastwagen-Halle. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Wirtschaftlich in der Anschaffung und im Betrieb, zuverlässig im Gebrauch, frei von jedem Experiment, vielfach eingestellt auf heimische Treibstoffe, ausge­rüstet mit neuesten Zubehörteilen, dabei nicht teurer, sondern im Preis herabgesetzt, äußerlich geformt nach der erprobten Stromlinie, verbesserte Fahr­eigenschaften, teilweise schon in der Schnelligkeit eingerichtet auf die Ausnutzung der Verkehrsver­besserungen auf den Reichsautovahnen und schließ­lich einfach in der Wartung das sind die her= vorstehenden Eigenschaften der 600 Fayr- zeuge, die auf der Internationalen Automobil - und Motorradaus st ellung Berlin 1936 von heute ab bis zum 29. Februar

zur allgemeinen Begutachtung und zum Kauf be­reit stehen.

Diese 25. Autoschau in Deutschland ist zugleich die 10. in Berlin; sie steht außerdem im Zeichen eines weiteren Jubiläums, des goldenen, der durch die deutschen Erfinder Daimler und Benz zur Wirklichkeit gewordenen Kraftfahrt. In über 10 0 0 Ständen auf einer Fläche von 50 000 Quadratmeter zeigen hier die Aussteller, was im vergangenen Jahre Konstrukteure und Zeichner, Ar­beiter und Ingenieure an den alten, erprobten Mo­dellen Neues und Besseres herausgeholt haben. Ein gewissenhafter Besuch aller Stände er­gäbe einenkleinen" Spaziergang von 20 Kilo­