pflegung, Kameradschaftlichkeit, Unterhaltungsabende usw. Interesse bezeugte. Lloyd George fuhr dann nach Heidelbera zurück und besuchte am Nachmittag noch die Ausstellung „Heidelberg — Vermächtnis und Aufgabe", wo ihn Oberbürgermeister Dr. Neinhaus begrüßte. Hier zeigte Lloyo George besonderes Interesse für die Fragen der Stadterweiterung und die ländliche V o r st a d t- siedlung, die in der Ausstellung eingehend dargestellt wird.
Zsi Revision Krieg?
Ungarn begeht in diesen Tagen die 250. Gedenkfeier seiner endgültigen Befreiung d o n der türkischen Herrschaft, die anderthalb Jahrhunderte mit wechselndem Maß und Gewicht auf seinem Nationalgebiet gelastet hatte. Oer ungarische Reichsverweser Horthy, dessen Reisen nach Oesterreich und Deutschland großes Aufsehen in der internationalen Diplomatie erregten, ist wegen des Festes nach Budapest zurückgekehrt. Dort hat sich auch ein hoher Würdenträger Oesterreichs, der Minister für die nationale Verteidigung, General Zehner, eingefunden. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern, die der einstigen Doppelmonarchie ihren Namen gegeben hatten, sind seit dem Abschluß des Römischen Protokolls besonders eng und freundschaftlich. Sie Derben bestimmt durch die weitgehende wirtschaft- iche und politische Zusammenarbeit mit Italien, )ie in jenem Protokoll festgelegt ist. Der deutsch- österreichische Ausgleich hat dieser Ver- nndung, die den Versuch einer Lösung des mittel- uropäischen und Donauproblems vom Süden her darstellte, eine noch festere und bedeutendere Gestalt gegeben. Seither kann man wohl von einer beginnenden Konsolidierung dieses durch den Welt- rieg zerrissenen und auseinander strebenden Teiles non Europa sprechen.
Die beiden Großmächte Deutschland und Italien, die die nördliche und südliche Schlüssel- Wellung Mitteleuropas und des Donaubeckens inne- aben, haben mit den wichtigsten Anliegern der mittleren Donau, mit Oesterreich und 11 n - I a r n eine gemeinsame Linie der Politik gefun- en. Diese Uebereinstimmung bezieht sich zunächst cuf den die vier Staaten gemeinsam interessieren- en Raum, darüber hinaus aber wohl auch auf ene europäischen Fragen, die mit Mitteleuropa licht direkt, aber desto gefährlicher zusammenhän- :en. Man braucht nur auf die andere Staatenver- indung des Donaulaufes hinzuweisen, auf die kleine Entente und ihre politischen Derbin- ungen einerseits nach Westeuropa mit Frank- e i ch, das sich damit künstlich als mitteleuropäische nd Donaumacht etabliert, andererseits nach Osten nit Sowjeirußlanb, das bestrebt ist, die ckten Einflüsse des Zarenreiches auf das westliche mb südliche Slawentum wieder zu gewinnen und si< in allen Wechselfällen der europäischen Politik euszuspielen.
Die nationale Feier in Budapest kann mit der Genugtuung begangen werden, daß der zähe Widerstand, den dieses stolze Volk einem fast unab- mderlich und endgültig erscheinenden Schicksal ent- xegengesetzt hat, nicht erfolglos gewesen ist. Ungarn |t durch den Vertrag von Trianon auf das xrausamste verstümmelt worden; es hat einen großen und lebenswichtigen Teil feines Staatsgebietes nit zweifellos ungarischer Bevölkerung abtreten müs- iln. Die Revision des Vertrags ist feit der Befreiung Ungarns von der kurzen, aber unvergessenen bolschewistischen Herrschaft der leitende Gedanke seiner Politik. Die Kleine Entente hat ihm durch den Mund :s jetzt gestürzten T i t u l e s c u die Drohung zu- serufep: „Revision i ft der Krie g". Aber die evision ist eine diplomatische Waffe, die Ingarn geschickt zu handhaben verstand. Der Ar- :tel 19 des Völkerbundsstatuts sieht die Möglichst der Aenderung aller Bestimmungen der iriebensverträge vor, nicht nur der wirtfchaftli- ren, politischen und militärischen, sondern auch der irritorialen. Er war der natürliche Sammelpunkt ir alle Staaten, die das Schicksal Deutschlands atteh teilen müssen. Was das größere Deutschland i seinem Kampf gegen den Vertrag erreichte, nutzte zwangsläufig auch den Kleineren zugut Zmmen. Das Bündnis, das Ungarn schon 1925 mit b:m faschistischen Italien abschloß, war ein wert
voller diplomatischer und moralischer Erfolg aber er konnte erst volle Wirkung erhalten durch das Erstarken Deutschlands, das die Theorie der Revision in politische Tatsachen umsetzte.
Die beiden letzten Jahre haben diese Voraussetzung in rasch aufeinander folgenden Schlägen verwirklicht. Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland setzte das kleine, unter der Obhut des Völkerbunds bahinsiechende Oesterreich in bie Lage, ohne lange zu fra- aen, bie allgemeine „Dienstpflicht", eine biplomati- fche Umschreibung ber Wehrhoheit, zu verfügen. Mit bem Einmarsch ber beutschen Truppen in bie entmilitarisierte Rheinlanbzone fiel „weit hinten m ber Türkei" bie Bestimmung bes Vertrags von Lausanne in sich zusammen, bie bie Befestigung ber Darbanellen verbot. Die neueste Entwicklung in Europa, bie Deutschland) zu einer Verstärkung seiner Wehrmacht burch Verlängerung ber Dienstzeit nötigte, stellt auch Ungarn vor bie Frage, wie es seiner Diplomatie jenen machtpolitischen Nachbruck geben kann, ber sich nach bem Scheitern aller Abrüstungspläne als notwenbig er
wiesen hat. Ungarn und Bulgarien sind bie einzigen ßänber, bie aus ben Kriegsverträgen noch bie Fessel bes einseitigen Wehroerbots tragen, währenb bie Staaten, von benen sie rings umgeben sinb, alle Stufen ber europäischen Aufrüstung mitgemacht haben unb sich zu neuen Rüstungsverstärkunaen anschicken. Die starke Bewegung, bie bie ungarische unb auch bie bulgarische Diplomatie zeigen, läßt darauf schließen, baß sie biesen Zustand nicht mehr länger ertragen wollen. Die Bestimmungen, bie ihnen kleine Heere mit Polizeicharakter aufzwm- gen, sinb burch bie Entwicklung ber europäischen Politik, vor allem aber burch die Gefahren, bie ber Bolschewismus als politische Macht unb als zersetzenbe geistige Bewegung für jebes ßanb in sich birgt, längst überholt unb hinfällig. Wenn Ungarn unb Bulgarien heute ober morgen aus bie« fer ßage bie Folgerungen ziehen, bie sie in pflichtgemäßer Wahrnehmung ihrer nationalen Interessen ziehen müssen, so wirb sie niemanb baran Hinbern können. "Das Wort „Revision ist der Krieg" gehört ber Vergangenheit an!
Aus aller Welt.
74 Todesopfer bei einer Bergsturz- katastrophe in Norwegen.
Am Loen-See im Bezirk Jtorbfjorb in Westnorwegen hak sich ein schweres Bergunglück ereignet. Dorf ist ein riesiges Felsslück in den See gefallen und Hai eine Flutwelle verursacht, durch die zwei kleine Dörfer, Doedal und Nesdal, fast völlig vernichtet worden sind. 3n Boedal blieb lediglich ein Haus verschont, alle übrigen wurden von den Fluten so überraschend überschwemmt, daß die schlafenden Bewohner keine Gelegenheit hatten, zu entfliehen. 3n Nesdal blieben drei Häuser unbeschädigt. Bei der Katastrophe sind nach den letzten Feststellungen insgesamt 74 Menschen, darunter 30 Kinder, ums Leben gekommen, und zwar sind in Nesdal 26 und in Boedal 44 Todesopfer zu beklagen; außerdem wurden vier Menschen auf zwei einsam gelegenen Gehöften getötet. Neun Schwerverletzte wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Der Sachschaden wird auf rund 600 000 Kronen geschäht. Der Teil des Berges, der in den See stürzte, war etwa 800 Meter hoch und 300 Meter breit. Straßen und Brücken wurden zerstört, und große Felsblöcke wurden durch die Flutwelle von der einen Seite des Sees zur anderen hinübergeschleudert. Die norwegische Regierung hat ein Flugzeug mit einem Arzt, Krankenschwestern und Verbandmaterial an die Unglücksstätte entsandt.
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Die Gegend bes ßoen-Sees, eine ber schönsten Berglanbschaften West-Norwegens, bie alljährlich von vielen Touristen besucht wirb, ist im Jahre 1905 schon einmal von einer ähnlichen Katastrophe heimgesucht worben. Damals hatte bie ebenfalls burch einen Bergsturz entftanbene Flutwelle in Boebal 60 Tobesopfer geforbert.
3. Weltkraftkonferenz abgeschlossen.
Die 3. Weltkraftkonferenz in Washington hat ihre Tagung abgeschlossen. Der bisherige Vorsitzenbe ber Weltkraftkonferenz, Generalbirektor Dr. Dorpmüller, übergab ben Vorsitz unb bie Amtsinsignien an ben neuen Vorsitzenben, ben amerikanischen Professor Duranb. Dabei hielt Dr. Dorpmüller in englischer Sprache eine Rebe, in ber er ben amerikanischen Gastgebern unb insbeson- bere Präsibent Roosevelt für bie großzügige Gast- freunbschaft bankte, bie es ben Vertretern aus aller Welt ermöglich habe, von ber Konferenz unb von ben Stubienreisen reiche Erfahrungen mit nach Hause zu nehmen. Dr. Dorpmüller erinnerte weiter an ben Urheber ber Jbee ber Weltkraftkonferenz, ben britischen Gelehrten Daniel D u n - top, unb an bie verständnisvollen Worte, mit benen ber bamaüge Prinz von Wales unb jetzige britische König bie erste Weltkraftkonferenz 1924 eröff
net habe. In ben seither vergangenen 12 Jahren seien bie Grundlagen für die künftige Zusammenarbeit gelegt worden, eine Arbeit, die eine der wichtigsten Aufgaben für das Wohl der ganzen Welt barstellen.
Auch das zweite Lufthansa-Flugboot in Neuyork eingetroffen.
Das am Freitag von ben Azoren nach ben Bermudas-Inseln geflogene zweite Flugboot der ßuft- Hansa ist am Samstag um 14.44 Uhr (MEZ.) von den Bermudas weitergeflogen und erreichte um 21.02 Uhr Neuyork. Während die Besatzung am ersten Tage 3400 Kilometer bewältigte, legte sie am folgenden mit dem „Aeolus" 1300 Kilometer in 6 Stunden 18 Minuten zurück. Damit ist auch die zweite der beiden an den Nordatlantikversuchen der ßufthansa beteiligten Maschinen in Neuyork eingetroffen.
Neues von Anton Schnack.
Don unserem Mitarbeiter Anton Schnack erscheinen soeben im Verlag Paul ßist, ßeipzig, ber Roman „Zugvögel ber ßiebe" unb ein Gebichtbanb „Sie Flaschenpost" betitelt.
Was verbraucht der Gartenbau?
ZbR. Wenn vom Gartenbau bie Rebe ist, denkt man zumeist nur an bas Gemüse, bie Früchte unb Blumen, bie er uns liefert. Es ist aber nicht nur wert zu wissen, welche unb wieviel Gemüse-, Obst- unb Blumensorten er züchtet unb verkauft, wievielen Menschen er Unterhalt gibt, sonbern auch, was er in feinen Betrieben an InbustrLewa r e n braucht unb kaufen muß. Für Neubauten unb Ausbesserungen von Treibhäusern unb Unterglasflächen werben nicht nur laufenb Eisen, Holz, Kitt unb Farbe gebraucht, auch bie Glasinbustrie muß jährlich etwa 1,2 bis 2 Mill, qm Glas liefern. Eine große Anzahl der Gewächshäuser unb Frühbeete sinb mit Heizungsanlagen versehen, zu beren Anlage Rohre unb Dampfkessel gehören und deren Betrieb jährlich etwa 550 000 Tonnen Brennstoff erfordert. Auch Maschinen zur Bodenbearbeitung, Sämaschinen und Beregnungsanlagen werden im Gartenbau benötigt. Der Bedarf an Kleingerä- ten wie Gießkannen, Spaten, Harken, Messern, Scheren usw. läßt sich genau gar nicht angeben. Außerdem haben bie gärtnerischen Betriebe großen Bedarf an den verschiedensten Verpackungsgefäßen, da gerade viele Obst- unb Gemüsesorten wie auch Blumen sehr sorgfältig verpackt werben müssen. So liefert uns ber Gartenbau nicht nur große Mengen für unsere tägliche Nahrung, gibt nicht nur etwa 300 000 Menschen Beschnitt - gung, sondern ist auch für verschiedene andere Gewerbezweige der deutschen Wirtschaft von lebenswichtiger Bedeutung.
Buntes Allerlei.
Oer seekranke Admiral.
Es ist bekannt, daß es Seeleute gibt die niemals bie Seekrankheil ganz überroinben, ja sogar mancher alte Kapitän, ber sich gegen bas Ueoel längst für gefeit hielt, kann bei sehr schwerem Wetter unb beim Zusammentreffen vieler ungünstiger Umftänbe plötzlich unversehens noch einmal von biesem ßeiben gepackt werden. Kürzlich gestand der englische Admiral Sir Roger K e y e s vor einer Versammlung junger ßehrer und Lehrerinnen auf einem Ferienkurs, daß er selber, obwohl er im Jahre 1885 in die Marine eingetreten sei unb in allen Weltmeeren Dienst getan unb zuletzt ben Weltkrieg als Seeoffizier mitgemacht habe, bennoch in all ben Jahren niemals von ber Seekrankheit verschont geblieben sei. Das Bekenntnis erregte bei seinen Zuhörern zunächst größtes Erstaunen, aber einige wußten, baß ber Abmiral bamit nur bem Beispiel feines größten Vorgängers, bes ßorb Nelson, folgte. Der Abmiral selber meinte, es sei nicht die Seekrankheit ober vielmehr bie Immunität bagegen, bie ben guten Seemann ausmache. Zum Seemann müsse man geboren sein, unb bazu gehöre ein wenig mehr als bie Ueberroinbung ber Seekrankheit. Ein Arzt, ber Zeuge ber kleinen Szene war, glaubte, baß es boch immerhin eine Reihe von Mitteln gebe, um bie Seekrankheit zu vermei- ben ober boch zu milbern, unb er faßte seine Ansicht in bie paar einfachen Regeln zusammen: Belobe bir nicht ben Magen mit schweren Dingen, bevor bu bich einschiffst! — Trinke nicht zu viel, kur^ nachbem bu bich eingeschiffst hast! — Sei bei Tisch mäßig währenb ber ganzen Reise unb vor allen Dingen halte bich warm!
2500 Mark für ein Krönungsgewand.
In ßonbon machen gegenwärtig ausgezeichnete Geschäfte bie Firmen, bie sich mit ber Herstellung von Krönungsgewänbern befassen. Daneben wirb auch berichtet, baß ein führenber Theaterkostüm- oerleiher alle in Frage tommenben Roben unb Kronen bereits für Peers reserviert hat. Die Zahl ber Kanbibaten ist seit ber Krönung König Georgs im Jahre 1911 außerorbentlich gestiegen; benn seit« bem sinb 250 neue Peerswürben verliehen, unb viele ihrer Träger haben ihre Bestellung für bas große Ereignis bereits gemacht. Man stellt bereits genaue Berechnungen an, welche Ausgaben einem Würbenträger für bie Krönungsfeier babei erwachsen. Zunächst wirb er etwa 300 Mark für eine Peerskrone, bie aus Silber ober oergolbetem Silber hergestellt wirb, ausgeben müssen. Krönungsgewän- ber mit Hermelinbesatz werben etwa 1200 Mark kosten. Dazu muß große Uniform ober Hoftracht getragen werben, bie man für 60 bis 200 Mark leihen kann, deren Kosten bei ber Herstellung mit Spitzenkragen, Manschetten unb Degen zwischen 550 unb 850 Mark liegen. Wenn alles gekauft wirb, so wirb ein Pair etwa 2500 Mark dafür aufwenden müssen, bah er ber Krönungsfeier in ber West- minfterabtei beiwohnen barf. Die Krönungsgewän- ber unterscheiben sich babei von benen, bie bei ber Eröffnung bes Parlaments zu tragen sinb, in Stoff unb Form. Sie hängen über ber Schulter. Das Material ist pflaumenfarbiger Samt. Die Peers tragen ihre Kronen bei ber Krönungsfeier unb setzen sie erst aufs Haupt, wenn ber Erzbischof von Canterbury bie Krone auf bas Haupt des Königs setzt.
Launen des Blitzes.
Währenb eines Gewitters, bas sich über Mura in ber Nähe von Brescia (Italien) entlub, schlug ber Blitz in ben Glockenturm ber Kirche ein, richtete an biesem größeren Schaben an, fuhr bann burch bas Dach ber Kirche unb brang in bas Innere ein. Hier zerstörte er bie elektrische ßeitung, zünbete aber zu gleicher Zeit bie Kerzen auf bem Altar an unb ebenso zwei Kerzen, bie ber Mesner gerabe in ber Hanb hielt. Ganz entsetzt wollle bieser burch die Kirche fliehen, bie mit dichtem Rauch unb einem scharfen Schwefelgeruch erfüllt war, brach aber an ber Tür ohnmächtig zusammen, unb es gelang erst nach einiger Zeit, ihn roieber zum Bewußtsein zu bringen.
Walter Vollmer.
(Sin junger Erzähler.
Ist die neue Sicht bes bichterischen Romans nach 1933 auch noch nicht sehr groß — an Umfang gern essen —, so ist sie boch in einem sehr schönen Lünne belangvoll unb vielversprechenb. Unter ben ji ngen Dichtern konnte sich besonbers Walter Vollmer bie Anteilnahme ber Freunbe ber beut« {gen Dichtung erwerben. Vollmer stammt aus bem ßanb an ber Ruhr, jenem seltsam verkannten, bop- plsichtigem Revier. Seine Vorfahren waren Bergleute unb Bauern. Hier ein paar Zeilen von Vollmer über sich selbst:
„Die früh verstorbene Mutter war ber letzte Sproß eines heute erloschenen, schon im 15. Jahr- Ku. nbert an ber Ruhr nachweisbaren Bauernge- sch>lechtes. Väterlicherseits waren bie Vorfahren „Stockwestfalen", Bergleute unb Häusler aus bem flfiwensbergischen. Geboren würbe ich am 2. Juli |jÜ03 zu Westrich, einem bäuerlich bestimmten Iibustriehof auf ber Anhöhe westlich Dortmunbs, bie ben Blick über eine Jnbustrielanbschaft freigab, bi rin ich als Junge 86 Schornsteine zählte. Erste dichterische Versuche: Kriegsgerichte (ber ßehrer mym bas Heft für immer an sich), bann auf Ta- pdenroüen eine rührenb-bramatische Nachbichtung doh Ganghofers „Klosterjäger", später eigenwillige Cchulaussätze, bie nicht zensiert würben, ba sie zu ; jlfrr „persönlichen Bekenntnissen" glichen, schließlich ater nach ber Reifeprüfung heilsamer Sturz aus birgerlich-ästhetischer, erdichteter Jbeenwelt in bie gesünbere Welt unter Tage, in bie harte Kamerab- (d<xft bes Kumpels. Daher: „Das Rufen im Schacht", mein erstes Buch. Insgesamt vier Jahre Hektischer Bergmann mit Hauerprüfung, Studium in Clausthal, zwischendurch Schriftsteller und Dra- miturg, will Journalist werden (gut, daß es unter« iheb!), die philologische Promotion fällt im letzten 1-gendlick aus, dann strenges Studium der eoan- ischen Theologie, will Pfarrer werden (ebenfalls M daß es unterblieb!) und zuletzt entschlossene Hingabe allein an das dichterische Werk "
Neben seinem ersten Roman „Die Ziege 2oo n ja" (Verlag Staakmann, ßeipzig), der zuerst nff diesen Dichter hinwies, gelang ihm in seinem 'reiten neuen Roman „Die Schenke zur oiflen ßiebe" (Propyläen - Verlag, Berlin) eine Leistung, die wir ohne Einschränkung voll an- r"ennen, weil sich in ihm ein neuer Wille zur p schen Gestaltung machtvoll durchzusetzen verachte. Dieser Roman aus dem Ruhrgebiet, für ei ihm die Stadt Dortmund die „goldene Pla
kette" verlieh, ist im Hofften Sinne ein Buch der Kameradschaft. In ihm lebt bas Ruhrgebiet wirklich, nicht gesehen burch bie Brille einer Tenbenz, wie wir es in früheren romanartigen Versuchen erleben konnten. Das Gesicht seiner „grauen Heimat", oft verzeichnet, wirb burch bie liebevolle und sachkundige Darstellung Vollmers zum Wahrzeichen deutschen Schaffens und Fleißes. Die Sätze, bie ber Dichter in feinem kleinen Bänbch^n „ßanb anberRuhr" sagt, bürfen wir auch auf biesen Roman übertragen: „Das Spicksal bes Ruhrlandes ist Deutschlanbs Schicksal."
Das in ber verbienstvollen Reihe ber „Westfalen- Bücher" erschienene Buch „ßanb an ber Ruhr" von Vollmer bietet eine großartige Schau vom „schwarzen Revier"; wir verfolgen seine interessante unb bewegte Entwicklung burch über tausenb Jahre, fahr.'n ein in Schacht unb Hütte, verstehen bas große Werk unb bas geschichtliche Menschentum an ber Ruhr unb begreifen bie Eigenart unb bic große Bebeutung, welche biese westfälische ßanb- schaft für bie Nation hat. Das Bäybchen ist mit vielen Bildern geschmückt unb sei allen benen empfohlen, beren Vorstellung vom „schwarzen Revier" falsch ober entstellt ist.
Hanns Arens.
Ein Bild
soll keine Rätsel aufgeben.
Eö gibt keine starren Photo-Hegeln.
Zu ben strengsten Regeln für bas Photographieren gehörte einst die Forderung, bah kein Bauwerk ober Gegenstand» „in ber ßuft hängen" bürfe. Als Beispiel fei erwähnt, baß eine Brücke nur bann als gut photographiert galt, wenn sie beiderseits mit ihrem Bogen ober gerablinigen Brückenkörper fest unb sichtbar auf ber Erde ruhte. Sonst, sagte man, mache sie ben Eindruck, als wolle sie einstürzen.
Diese unb andere, ähnliche Regeln können jedoch nicht starr für alle Motive ober Bildauftassungen angeroanbt werben. Sie sind geeignet, ben Anfänger zum korrekten Sehen unb logischen Denken zu erziehen. Aber ber Fortgeschrittene barf beweisen, baß auch fein großzügiges Sehen korrekt und fein freieres Denken logisch sein kann. Das bedeutet keinen Freibrief auf jede Willkür. Aber es heißt doch, bie Starre einiger Regeln lösen. Mit einem gebiegenen Können läßt sich alles so photographieren, baß ber Betrachter bes Bildes keine Krücken und Stützen für das Begreifen braucht.
Vom Brücken-Beifpiel ausgehenb, ist nur immer zu forbern, baß ein Bilb in sich ausbalanciert ist, bann wirb nichts ein^ustürzen brohen. Eine wesentliche Hilfe ist babei die Perspektive, bie zumal bei modernen Großbauten unentbehrlich ist. Sie hilft uns auch bei geeignetem Aufnahme-Standpunkt, eine „endlose" Hausfassade zwar nur in Teilen zu photographieren, und boch den Eindruck ber gewaltigen Größe zu erreichen.
Sogar bas Neigen ber Kamera, also bas Abweichen von ber senkrechten Haltung, ist manchmal mit seinen bekannten Folgen in Kauf zu nehmen. Dabei können fliehenbe ßinien bei hoch- ragenben Bauten, Türmen ober technischen Konstruktionen eher erträglich sein als stümende, bie bas Bauwerk nach vorne, auf ben Bildbeschauer zu, neigen. Diese sinb boch am besten im 23er» größerungsprozeß zu „entzerren". Sie wirken fast immer als Fehler, bie andern oft nicht.
Motive aus der Natur, Bäume ober Felswänbe, steile Hänge ober aufragenbe Stauben müssen freilich am besten gleich „richtig" photographiert werben. Hier wirken „interessante Auffassungen" als Experimente. Solche dürfen zwar gemacht werden, aber merken barf man sie nicht.
flängft sinb wir auch bereit, einen Schatten ober ein Schattenspiel im Silbe hinzunehmen, ohne daß ber schattenwerfenbe Gegenstand immer ganz sichtbar sein muß. Anders ist es zuweilen bei Schatten an senkrechten Flächen, also Mauern, Hauswänden usw. Sie können dem Bild bie rechten Tiefenoerhältnisse geben, wenn ber Baum ober sonstige Schattenspenber wenigstens anbeutungs- roeife vorhanben ist.
So sind auch Spiegelungen von Dingen zu behanbeln, Die direkt am ober im spiegelnden Wasser stehen (Häuser, Schiffe usw.) —• während für Wolken mitunter Abweichungen von dieser Vorschrift möglich ober sogar notwendig sind.
Ein Bilb soll keine Rätsel aufgeben, dann ist schon alles gut. Aufkräuselnber Rauch ist ein Rätsel, wenn bas Haus hinterm Walde versteckt liegt. Doch kann die ganze sonstige Umgebung — Dorf, Siedlung — in Einzelfällen ohne weiteres Klarheit fchaffen. So ist es mit den Rauchfahnen fahrender Züge im Gelände, und so kann es mit Fahnen an Masten auch sein ober mit Wetterfahnen unb anderen Dingen, die eben in bestimmten Zusammenhängen erst ihre Daseinsberechttgung haben. Die Bildelemente brauchen nicht immer in lückenloser Vollzähligkeit eins ans andere gereiht zu sein, aber auch eine vom Photographen getroffene Aus- wähl muß in sich geschlossen sein.
Walther Appelt.
22000 Kilometer zu Pferde?
Ein ehemaliger Offizier ber australischen Armee hat beschlossen, sich zu Pferbe von Melbourne nach ßonbon zu begeben, um ber Krönung Ebuarbs VIII. beizuwohnen. Er ist soeben aufgebrochen unb rechnet bamit, fein Ziel rechtzeitig zu erreichen. Die vorgesehene Strecke beträgt über 22 000 Kilometer, bie in burchschnittlichen Tagereisen von 70 bis 75 Kilometer zurückgelegt werben müßten. Der kühne Reiter wirb sich zunächst von Melbourne nach Darwin begeben. Von bort wirb er sich nach Singapore einschiffen unb bie Reise nach ßonbon über Rangoon, Kalkutta, Karachi, Teheran, Istanbul fort- setzen. Wenn ber Plan gelingt, wirb bieser Offizier bei weitem ben reiterlichen Rekorb für ßangstrecken überboten haben, ber augenblicklich von einem Amerikaner gehalten wirb, ber bie 13 000 Kilometer von Alaska nach Argentinien zu Pferde zurücklegte. Diese ßeiftung wird eine der sensationellen Begebenheiten bilden, die sich an bie Krönung bes jungen Königs reihen.
Trauriges Ende \ eines glänzenden Lebens
In einem ßonboner Krankenhaus ist bieser Tage bie „alte Kate" gestorben, eine Streichhölzeroerkäuferin, bie ihre Ware an bem Eingang zum Theater feilbot, in bem sie einmal selbst eine große Rolle gespielt hatte. Miß Kate Foote war bie Tochter eines amerikanischen Obersten. Sie war in ihrer Jugenb eine gefeierte Bühnenkünstlerin, beren Name in ben Plakaten bes Theaters mit großen Buchstaben angezeigt würbe unb auf bas Publikum eine starke Anziehungskraft ausübte. Von ihrer Schönheit sinb bie älteren Theaterbesucher, bie sich ihrer erinnern, noch heute begeistert. Sie heiratete breimal unb immer unter glänzenben Verhältnissen. Von jebem ihrer brei Ehemänner erbte sie bei beren Tobe große Vermögen, bie aber unter ihren Hänben in kürzester Zeit zerrannen. Nach bem Tobe ihres britten Mannes verspielte sie bie Erbschaft von 300 000 Mark in ein paar Tagen in Monte Carlo, nun war sie bem Elenb preisgegeben. Infolge von Krankheiten waren ihre Beine gelähmt, unb sie hatte jetzt einen Vertrag mit einem Chauffeur abgeschlossen, der sie in jeder Nacht, wenn das Theater zu Ende und ihr kleiner Handel vorüber war, für einen Schilling in ihre ärmliche Behausung zurückbeförderte. Zwei Schilling, das ist die ganze Erbschaft, bie bie alte Kate einer Freundin hinterlassen hatte.


