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M. 87 Erstes Blatt

186. Jahrgang

Dienstag. 14. April 1956

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Italien gibt nicht nach.

Von unserem römischen E.-Korrespondenten.

Rom, Mitte April.

Am 7. März stimmte Mussolini dem Genfer Friedensappell grundsätzlich zu. Inzwischen ist auch das vom Negus selbst geführte Heer zer­schmettert, der Tana-See besetzt und der Vormarsch mit Beschleunigung fortgesetzt worden. Schwärme von Flugzeugen säen Tod. Ueber der Hauptstadt erschienen die ersten Bomber, Dessie und Harrar stehen vor dem Fall. Befehl: ins Herz von Abessinien!

Offenbar spricht man in Rom eine andere Sprache als in Genf. Aber auch die Staatsmän­ner persönlich reden aneinander vorbei. Eden: Es geht nicht an, daß wir fortgesetzt von der Ein­stellung der Feindseligkeiten reden und in Wirk­lichkeit der Krieg blutiger als je fortgeführt wird. War das der Sinn des Friedensappells? Wie lange noch?

Mussolini: Bis zur vollständigen Vernich- tung! Und die Osterbotschaft des Feldmarschalls B a d o g l i o versichert: Wir werden nicht rasten und ruhen, bis der Feind gänzlich am Boden liegt!

*

Genfer Zwischenspiel. Merkwürdig, daß es noch immer Zuschauer anzieht, obwohl es nun über ein Jahr lang gegeben wird, mit immer den gleichen Schauspielern und Kulissen, denselben Ti­raden und Nebengeräuschen. Noch sonderbarer ist die Tatsache, daß auch Erwachsene, Männer, die nicht zu den Harmlosen oder Stammtischpolitikern gezählt werden wollen, den Schein mit der Wirk­lichkeit verwechseln, das Theater ernst nehmen. Man sollte einmal nach deutschem Muster eine große Dölkerbefragung vornehmen: Glaubt ihr noch an Genf oder nicht? Es würde sich ergeben, daß nur 1,5 v. H. an den Storch glauben. Wir stehen somit vor der eigentümlichen Erscheinung, daß einige wenige Erwachsene noch so tun, als glaubten sie an das, was sie möchten, daß die angeblich un­politische Masse glaubt.

In Italien nimmt kein Balilla den Theaterdonner mehr tragisch. Wenn Spott töten könnte, müßte die Liga" längst das Zeitliche gesegnet haben. Was sich die Zeitungen täglich an Witzen und Karika­turen erlauben, würde Bände voll Satirik füllen. Wer die tiefere Bedeutung dieser Ironie erkennen will, wie sie in dem scheinbaren Widerspruch zwi­schen der grundsätzlichen römischen Friedensbereit­schaft und der Stimme der Geschütze zum Ausdruck kommt, braucht nur an den Tiber zu fahren oder an die Seine. Die Auguren haben noch immer das gleiche Lächeln, das sie an jenem Dreikönigs­tag 1935 befiel, als sich die lateinischen Schwestern in die Arme sanken.

*

Frankreich spielt seine Rolle mit unleug­barem Geschick. Ab und zu macht es eine unwillige große Gebärde gegen Rom, die dort entsprechend erwidert wird, im Grunde aber bleibt es dem französisch-italienischen Abkommen treu und sekundiert Mussolini, wo es kann, wenn es auch England gegenüber den Schein wahrt und die Sanktionen durchführt, natürlich immer so, daß es Italien nicht wehtut. Rom kann zufrieden sein mit seinem Anwalt, wie hellsichtige Engländer nun Herrn F l a n d i n nennen. Mit Sicherheit fährt er Eden jedesmal in die Parade und so wird es bleiben, mag der französische Außenminister heißen, wie er mag, so lange man in Paris die italienische Hilfe gegen Deutschland nicht entbehren zu können glaubt.

In Rom sagt und schreibt man das ganz offen: England zeigt sich versöhnlich gegen Deutschland und unnachgiebig gegen Italien, Frankreich un­nachgiebig gegen Deutschland und versöhnlich gegen Italien. Der Rhein ist ihm eben wichtiger als der Tanasee. Frankreich spielt die Partie Italiens in der Erwartung und Berechnung, Rom werde sich dafür erkenntlich zeigen und sein Gewicht in die Schale werfen, sowie es die abessinische Ernte glücklich unter Dach habe.

Das alles ist dem gewöhnlichen Zeitungsleser schon so selbstverständlich geworden, daß es nahezu banal klingt; um so erstaunlicher, wenn diehohe Politik" in Genf darüber auf Stelzen hinwegschrei­tet, als wisse sie nicht, daß sich Mussolini schon vor dem ersten Kanonenschuß Möglich­keit und Erfolg des Feldzuges gesichert hat, ganz ähnlich wie sich Italien vor der Intervention 1915 durch den Geheimvertrag von London sicherte. Je länger je mehr erweist sich jener Dreikönigsvertrag als diplomatisches Meisterstück.

Um Italienzur Räson zu bringen", müßte also England schon das tun, was es unbedingt ver­meiden möchte: gegen den Willen Frankreichs und ohne die Hilfe des Völkerbunds allein gegen Italien vorgehen. Daran glaubt man aber in Rom nicht und nützt die Verlegenheitspause nach Kräften aus. Es gilt als ausgemacht, daß kein Quadrat­meter von dem mit Blut und Eisen eroberten Gebiet zurückgeaeben wird, folglich muß das Ziel sein, so viel Land wie möglich zu besetzen, bevor die Gunst des Augenblicks durch Friedens­verhandlungen geschwächt werden kann. Denkbar, daß dem Negus so viel Souveränität bleibt wie dem Sultan von Marokko, der sich ja auch Kaiser nennt, Fürst der Gläubigen, und nominell sogar absoluter Herrscher ist, aber praktisch wird künftig der Arm Noms in Addis Abeba regieren.

Hunderttausend Arbeiter bühnen jetzt bereits den Weg ins Herz von Abessinien, der Pflug folgt dem Sturmwagen, der Geschäftsmann dem Sol­daten. Eine Gesellschaft zur Erforschung und Aus­beutung der Bodenschätze wurde ins Leben gerufen,

Steuert Eden auf Sanktionen hin?

Englands Kurs im Abessinienkonflikt.

Italienische Sondierung in Paris.

Oie Franzosen jeder Ausdehnung der Sanktionen abgeneigt.

Die Italiener haben am Tana-See die Grenze des Sudans erreicht.

Europa. Auch Tribuna schreibt, der Völkerbund und seine Mitgliedsstaaten müßten auch die tatsäch­liche Lage in Europa in Rechnung stellen. Es han­dele sich darum zu wissen, ob Europa angesichts eines verschwindenden Abessinien die Gefahr einer englischen F l o t t e n m o b i l m a - chung im Mittelmeer und einer Mittelmeer­koalition gegen Italien auf sich nehmen wolle. Eng­land trage die Verantwortung für die Gefahr eines gewollten Mittelmeerkonfliktes. Die anderen Staa­ten und besonders Frankreich seien jedoch mitschul­dig. Niemand könne sich oder andere über die wahre Lage täuschen.

mühungen verdoppelt hätten, um eine vernünftigere Auffassung der Wirklichkeit zu erreichen, so habe doch Edens Nein schließlich gesiegt. Die An­wendung von Oelsanktionen erscheine heute wir­kungsloser als vor einem Monat. Daher würden andere und schwerwiegendere Maßnahmen notwen­dig sein, um das englische Ansehen wieder herzu­stellen, und um die der englischen Eigenliebe zuge­fügten Wunden zu verbinden.Wird England", fragtMatin" im Tone der Bestürzung,soweit gehen, sich für eine Flottenaktion gegen Ita­lien zu entscheiden? Ist England allein in der Lage, eine Maßnahme solchen Ausmaßes durch­zuführen? In welchem Ausmaß wird England d i e anderen Mächte in einen aussichtslosen Kon­flikt hineinziehen können, der seinem Gegenstand nach lächerlich ist und in seinen Folgen schrecklich sein könnte? London darf nicht erwarten, daß Frankreich im italienisch - abessinischen Streitfall Englands Abenteurerpolitik folgen wird. Dem stehen zuoiele Interessen moralischer und wirtschaftlicher Art entgegen." Am Mittwoch, so heißt es weiter, würden sich Ministerpräsident S a r r a u t, Außenminister F l a n d i n und Staats­minister Paul-Boncour mit dem in Genf von Eden gestellten Entweder Oder zu be­fassen haben. Eden habe gesagt, entweder seid ihr auf unserer Seite oder auf Seite der Italiener, aber ihr müßt euch entscheiden. Die französischen Staatsmänner würden sich zwei­fellos über die tatsächlichen Belange Frankreichs aussprechen. Sie würden zu würdigen wissen, welche Gefahren eine Politik der U e b e r e i l u n g in sich berge.

London, 13. April. (DNB.) Die englische Presse berichtet, daß der britische Außenminister nach London gekommen sei, um neue Anwei­sungen für Genf zu erholten, wohin er am Donnerstag zürückkehren wird. Am Dienstag wird er dem Premierminister und anderen Kabinetts­kollegen über die Bemühungen des Völkerbundes berichten, den abessinischen Streit zu beenden.

Daily Telegraph glaubt, die britische Regierung sei jetzt davon überzeugt, daß wirtschaftliche Sanktionen keine Wirkung hätten. Kol­lektive Sicherheit könne nur wirkungsvoll sein, wenn die Völkerbundsmitglieder bereit seien, wenn not­wendig auch militärische Sanktionen anzmvenden. Die Regierung müsse nun entscheiden, ob sie diese Ansicht im Augenblick zur Debatte stellen könne. Einige wichtige Mitgliedsstaaten seien bereit, England ihre Unterstützung zu geben, wenn es sich für militärische Sanktionen entscheiden sollte. Sie erklären, daß man sich entweder zu militärischen Sanktionen entschließen müsse oder zu dem Eingeständnis, daß der Völkerbund seinen Willen Italien nicht aufzwingen konnte.

Englands Haltung sei zur Zeit noch nicht f e st u m r i s s e n. Vielmehr halte man es in Regierungskreisen für äußerst wichtig, nichts zu sagen oder zu tun, was die Aussichten für eine erfolgreiche friedliche Regelung durch den 13er Ausschuß gefährden könne. Man hoffe, daß Musso­lini seinen Vertreter ermächtigen werde, der so- fertigen Eröffnung von Friedensver­handlungen zuzustimmen, wenn auch seine Zu­stimmung durch eine Anzahl von Bedingungen ein­geschränkt sein würde. Der allgemeine Wunsch gehe dahin, daß die Verhandlungen von einem W af­fe n st i l l st a n d begleitet sein sollten. Die letzte ita­lienische Verlautbarung mit ihrem Hinweis auf die Vernichtung des Feindes ermutige solche Hoff­nungen allerdings nicht. Rom hoffe augenblicklich auf weitere Siege und sogar auf den völligen Zu­sammenbruch des Negus. Welche Hoffnungen man sich aber auch in Rom machen möge, so habe doch die Eroberung Abessiniens dos moralische oder polt- tische Ansehen Italiens in Europa nicht ver­mehrt und seine Fähigkeit, die Ereignisse in Europa nach seinem Belieben zu gestalten, nicht gestärkt. Wenn Italien sich jedoch nicht ehrlich zu Verhand­lungen bereit zeigen sollte, werde es nicht möglich sein, die Genfer Verhandlungen länger hinauszu­schieben.

Das Blatt erklärt dann, daß die wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen keine Beendigung des Konfliktes bewirken könnten. Auch eine Oelfperre werde wir­kungslos sein. Die einzige bleibende Möglichkeit seien militärische und Flottensanktio- neu. Man müsse jedoch unterscheiden zwischen der theoretischen Feststellung dieser Tatsache und einem Vorschlag, sie tatsächlich anzuwenden. Die Staaten, die von Anfang an jeden Gedanken eines militäri­schen Vorgehens von sich gewiesen hätten, seien ge­genwärtig stärker als je dagegen eingenommen. Man könne sich nicht vorstellen,' daß sich eine bri­tische- Regierung auf militärische oder Flotten­sanktionen einlassen würde, es sei denn mit der vollen kollektiven Unter st ützung der anderen Völkerbunds st aaten. Das komme jedoch unter den gegenwärtigen Umständen über­haupt nicht in Frage.

News Chronicle" schreibt, die Ratsmitglieder seien mit Ausnahme Frankreichs, Ekuadors und Chiles der Ansicht, daß Italien zwarden Krieg, aber nichtden Frieden gewinnen" dürfe. Die Forderung nach weiteren wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen, im Falle eines Scheiterns des Aussöhnungsversuches, sei tatsächlich viel stärker als die Gegner des Völkerbundes zugeben.

Die wahre Lage."

Italienische Pressepolemik gegen England.

Rom, 13. April. (DNB.) Im Hinblick auf die Genfer Besprechungen schlägt die römische Presse am Ostermontag einen stark polemischen Ton an. Giornale d'Jtalia" erklärt, es sei kein Konflikt zwischen Italien und dem Völkerbund, sondern

zwischen Italien und England, ja um genau zu sein, ein Konflikt zwischen Italien und einigen politischen Kreisen Englands. Nun könne sich Italien nur noch fragen: Was führt Eden eigentlich gegen Italien im Schilde, welches neue Abenteuer will er Europa bereiten? Italien habe nicht die Absicht, irgendjemand zu be­drohen, sondern vielmehr die legitimen englischen Interessen zu achten. Es sei aber entschlossen, der Anmaßung Wider st and zu leisten, und dies nicht nur, um seine eigenen Rechte und seine anerkannten Interessen zu wahren, sondern ebenso sehr im Hinblick auf eine Ki^ rung auch in

Paris, 13. April. (DNB.) In einer Unter­redung mit dem französischen Mini- fterpräfibenten Sarraut soll der italie­nische Botschafter Cerruti den Minister­präsidenten nach genaueren Angaben über die Hal­tung gefragt haben, die die französische Regierung für die nächste Genfer Zusammenkunft einzu­nehmen gedenke. Die Unterredung wird vomJour­nal" als ein bedeutsames diplomatisches Ereignis bezeichnet. Die Besprechung sei sehr ernst ge­wesen, denn Sarraut habe es für notwendig ge­funden, sich anschließend sofort zur Berichterstat­tung zum Präsidenten der Republik zu begeben. In Genf werde ein Abschnitt eingeleitet, dessen Entwicklung d i e schwerwiegend st en Folgen haben könne. Die englische Regierung werde über die Anweisungen beraten, die sie Eden mitgeben werde. Auch die französische Regierung müsse ihre Stellungnahme fe st leg en. Es sei nur natürlich, daß die italienische Regierung vor den Verhandlungen auch ihrerseits ihre Hal­tung bestimmen wolle. Italien wolle augenscheinlich nicht zulassen, daß man es einem Druck und einer Demütigung aussetze.

Paris am Scheidewege.

Keine übereilten Entschlüsse.

Wie schon andere französische Blätter, verwahrt sich auch derM atin" gegen d i e Ver­hängung weiterer Sanktionen. Man sei an einem Kreuzweg angelangt. Wenn auch die ftanzösischen Unterhändler in Genf ihre Be-

R o m, 13. April. (DNB.) Marschall Badoglio telegraphiert: Der siegreiche Vormarsch unserer Truppen an der Nordfront wird fortgesetzt. Eine Abteilung, die von Gondar aus vorgerückt war, be­setzte am 12. April die Halbinsel (Borgora im Tana-See und hißte dort die Trikolore. Unsere Truppen wurden von der Bevölkerung freudig begrüßt. Der Tana-See wurde mit Gondar durch eine Kraftwagenstraße verbunden, die gleich wahrend des Vormarsches unserer Truppen gebaut wurde. Eine andere Abteilung, aus motorisierten Truppen, Kamelreitern und schnellen Kampfwagen, besetzte den abessinischen Zollposten vor Gallab at (einer Grenzstadt im Englisch-Aegyp- tischen Sudan. Die Schriftleitung) westlich von Gon­dar. Feindliche Armeegruppen ergriffen vor unse­rem Vormarsch die Flucht. An der Südfront stieß eine kleine Abteilung der Aosta-Lanzenreiter bei einem Erkundungsritt in der Nähe von Wadara auf überlegene feindliche Streitkräfte. Sie griff den Feind tapfer an und zwang ihn nach erbittertem Kampf zum Rückzug. Auf unserer Seite waren 46 Tote und Verwundete zu beklagen. Der Gegner hatte erhebliche Verluste.

Der Widerhall in London.

Britische und italienische Truppen nur durch ein ausgetrocknetesFlußbett getrennt.

London, 14. April. (DNB. Funkspruch.) Die Mitteilung im amtlichen italienischen Heeresbericht, daß die Truppen das Ufer des Tanasees erreicht haben, wird von den Morgenblättern allgemein in großer Aufmachung wieder- gegeben. Gleichzeitig wird im Bericht hervor­gehoben, daß eine wettere italienische Truppen­abteilung den abessinischen Zollposten in Gallabat beseht hat. Die englischen Blätter melden hierzu, daß nur die auf der abessinischen Grenzseite befind­liche Hälfte der Stadt in italienischen Händen sei, während die im Sudan liegende andere Stadthälfte von britischen Truppen beseht sei. Die britischen und italienischen Truppen feien nur durch ein ausgelrocknetes Flußbett voneinander getrennt.

groß ist die Hoffnung, Italien werde alle die Roh­stoffe, die dem Mutterland fehlen, nun in Afrika finden. Und damit hätte Mussolini den Schlußstein in sein wahrhaft gewaltiges Werk gefügt, den Staat unabhängig und damit politisch so st a r k gemacht, wie er es heute schon militä­risch ist. Das muß man sich vor Augen halten, wenn man die Hartnäckigkeit des Duce verstehen will. Es handelt sich um weit mehr als bloß um die Gewinnung einer weiteren Kolonie!

So trug das alte Rom die Zivilisation vor, wie es poetisch heißt; in Wirklichkeit sicherte es seine Macht st ellung, unter deren Schutz die Kulturen und die Kultur gedeihen konnten. In der modernen Kolonialgeschichte hat dieser Feldzug nicht seinesgleichen, blättert man aber in den An­nalen Cäsars, so ergeben sich verblüffende Ver­gleiche. Italien wird nicht nachgeben, weil es nicht mehr nachgeben kann.

Flugblätter auf Addis Abeba abgeworfen.

Asmara, 14. April. (Funkspruch des Kriegs­berichterstatters des DNB.) 21 italienische Bomben- und Jagdflugzeuge starteten

am Montag früh zu einem Geschwaderflug nach Addis Abeba. Die Flugzeuge kreisten mehrmals über der Stadt, ohne daß Luftabwehr einsetzte. Es wurden Tausende von Flug­blättern abgeworfen, in denen der Be­völkerung erklärt wird, daß das Heer des Negus zertrümmert worden sei und daß Italien in den eroberten Gebieten d i e Sklaverei abge­schafft habe. Weiter enthalten die Flugblätter das Versprechen, Italien werde dem Lande Ruhe und Zivilisation bringen. Das Geschwader kehrte wohlbehalten zum Flughafen zurück.

Calles über seine Ausweisung.

Brownsville (Texas), 11. April. Der frühere mexikanische Staatspräsident Calles erklärte, nach­dem sich die mexikanischen Begleitoffiziere zurück­gezogen hatten, über die Hintergründe seiner Aus­weisung u. a., der wahre Grund für seine Verban­nung sei der anarchische Z u st a n d , in dem sich Mexiko gegenwärtig befinde. Die Regierung ver­suche, den Kommunismus einzuführen. Sie fei bestrebt, den Erzeugungsapparat zu sozialisieren und in der Landwirtschaft ein Kollektivsystem ein­zurichten, wie es in Sowjetrußland bestehe. Das

mexikanische Volk lehne jedoch den Kommunismus ab und betrachte ihn als ein System, das für Mexiko völlig ungeeignet fei.

tteberfüllte Kirchen in Moskau.

Moskau, 13. April. (DNB.) Auch in diesem Jahre drängten sich am Samstagabend große Mas­sen der Moskauer Bevölkerung zum Oster got- t e s ö i en ft in die wenigen noch geöffneten Kir­chen. Während man in Moskau vor der Revolution über 800 Kirchen zählte, sind heute ungefähr zwei Drittel davon verschwunden und von den übriggebliebenen sind auch nur nod) 36 ben Gläubigen zugänglich. Schon von 21 Uhr ab war in allen noch geöffneten Gotteshäusern das Gedränge fast lebensgefährlich. Nur ganz we­nige Gläubige konnten überhaupt bis zum Altar und zu den Heiligenbildern Vordringen. Gegen Mit­ternacht, wo nach orthodoxen Ritus die Auf­erstehung Christi gefeiert wird, schwollen die Men­schenmassen vor den Gotteshäusern immer mehr an. Hunderte ft a n b en vor den Kirchen auf der Straße, da der Zugang gänzlich unmöglich ge­worden war. Nach übereinstimmenden Beobachtun­gen war der Andrang der Gläubigen zum Oster-