Br,U Zweites Blatt Metzen« Anzeiger <Sen«aI-AnzeIg« für Gberhesien)Dienstag, 14, Zannar Wh
Wehrmacht und Wirlschafi.
Von Generalleutnant a. O. von Mehsch.
Von führender Stelle wurde unlängst gesagt, das deutsche Volk sei vom Gedankengut des Führers erfüllt. Wir hoffen zuversichtlich, daß die Wirklichkeit nicht diesen schönen Glauben enttäuscht. Aber wir halten dennoch für nötig, einiges Wehrpolitische von diesem Gedankengut zu unterstreichen, weil das einmal gesprochene Wort noch nicht die bleibend verwirklichte Tat bedeutet und weil die näherliegenden Tatsachen ost eine lautere Sprache reden, als die ferner liegenden Ursachen, die der einzelne nicht ohne weiteres erkennt, geschweige denn, daß er sie immer richtig zu sehen vermöchte.
So darf zum Beispiel das Nürnberger Führerwort nicht in Vergessenheit geraten, daß Opfer nötig sind, um die beispiellose Unsicherheit von einst zu beseitigen und eine Notwehrrüstung zu schaffe, die achtunggebietend genug ist, um den friedlichen Auf- und Ausbau vor kriegerischen Störungen zu schützen. Nichts ist umsonst auf dieser Erde, also auch nicht die Sicherheit des deutschen Raumes. Alles will erkämpft und erarbeitet sein, also auch die Wehrmacht zum Zwecke dieser Sicherheit. Wenn starke Völker, das heißt in diesem Falle: starken Herzen zu wählen haben zwischen einem kargen aber ehrenhaften Leben in Freiheit oder einem bequemeren Dasein in Unabhängigkeit, werden sie sich für den härteren Lebensstil entscheiden. Wer die Behaglichkeit mehr liebt als die Freiheit, wird zertreten werden.
Wir dürfen nie vergessen, daß jetzt erst inmitten unserer Mehrarbeit greifbar deutlich wird, wieviel Versailles im deutschen Land zerschlagen hatte, wie gründlich das geschehen war und welche gewaltige Arbeit aller nötig ist, um dieses teuflische Zerstörungswerk wettzumachen und um das Neuaufgerichtete dann auch zu erhalten. Die Proklamation vom 16. März und das Wehrgesetz vom 21. Mai waren Führerleistungen. Nun sind die Geführten der Nation an der Reihe.
Die Leistung, die der Führer jetzt vom Volke erwartet, darf sich aber nicht nur ausdrücken in der
neuen Breite der militärischen Front. Diese Mehrleistung muß vielmehr auch wirtschaftliche Tiefe haben. Erst dann wird die Front gegebenenfalls halten. Erst dann beruht unsere Sicherheit nicht mehr auf einer Mauer, in die der Angreifer Bresche legen kann, sondern auf einem granitenen Block, an dem jeder Angriff zerschellen muß. Die größte militärische Breite genügt nicht, wenn die wirtschaftliche Tiefe fehlt. Die blühendste Wirtschaft nützt freilich nichts, wenn ihr die schützende Waffe fehlt.
Nun opfern wir aber jetzt nicht etwa die Wirtschaft der Wehrmacht. Sondern, indem wir eine Wehrmacht auf- und ausbauen, schaffen wir d i e Voraussetzungen für eine ungestörte Friedenswirtschaft Der Wirtschaftskrieg, unter dem die Nachkriegswelt leidet, wird nicht früher in einem vernünftigen Wirtschaftsfrieden münden, als die anderen die wirtschaftliche Anlehnung an Deutschland vernünftiger finden, als den wirtschaftlichen oder gar militärischen Angriff. Gegen den wirtschaftlichen Angriff schützt nur die militärisch gesicherte Wirtschaft. Gegen den militärischen Angriff schützt nur die wirtschaftlich gestützte Wehrmacht. Wehrmacht ohne Wirtschaft ergibt Kanonen ohne Munition, Flugzeuge ohne Benzin oder auch Soldaten ohne Brot. Wirtschaft ohne Wehrmacht ergibt nur Beute für andere, die nur auf ihre Stunde warten.
Aber Rüstungswirtschaft ist noch nicht Gesamtwirtschaft. Aus ersterer entsteht nur die Wehrmacht. Erst aus der Gesamtwirtschaft entsteht die Wehrkraft des gesamten Volkes und diese entscheidet. Aber auch die Wehrkraft entscheidet erst zu unseren Gunsten, wenn die Gesamtwirtschaft des Friedens als Wehrwirtschaft begriffen wird. Das heißt: Es ist zwecklos, den wirtschaftlichen Wohlstand zu mehren, wenn man sich nicht gleichzeitig gegenwärtig hält, wie man sich gegen Angriffe auf diesen Wohlstand wehren kann und wehren wird. Zu dieser Ueberlegung ist es im Kriege zu spät. Sie kann im Frieden gar nicht früh genug angestellt und gar nicht eingehend genug in praktische Wirtschaft umgesetzt werden. Das heißt nicht: den Krieg vorbereiten. Das heißt: ihm nach menfch-
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Die Deutsch-Englische Gesellschaft, die sich die Vertiefung der deutsch-englischen Verständigung zum Ziel gesetzt hat, veranstaltete im Haus der Flieger ein Abendessen. Unter den Ehrengästen bemerkte man auch den Stellvertreter des Führers Reichsminister Rudolf Heß (links), den englischen Botschafter in Berlin Sir Eric Phipps (Mitte links), dahinter Staatssekretär Dr. Meißner, den Präsidenten der Deutsch-Englischen Gesellschaft Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg (Mitte rechts) und den Präsidenten der englischen Schwestergesellschaft Lord MountTemple (rechts).
(Scherl-Bilderdienst-M.)
lichem Vermögen vorbeugen. Nur Stärke beugt ihm vor, und zwar die militärische plus die wirtschaftliche. Schwäche reizt die Anderen zum Kriege, und zwar sowohl die militärische als die wirtschaftliche.
Es könnte eigenwendet werden: Das ist alles selbstverständlich und das mit Recht. Allein, mit Unrecht würde jemand behaupten, daß das Verst ä n d n i s für die gegenseitige Abhängigkeit von Wehrmacht und Wirtschaft wirklich von allen Volksgenossen verstanden wäre. Davon ist keine Rede. Jeder kann erleben, daß Fettmangel mit Granatenbedarf oder daß Kurzarbeit in irgendeiner Branche mit den Ueberstunden der Rüstungsindustrie erklärt wird. Beides ist falsch. Richtig ist nur, daß der Weltwirtschaftskrieg, in dem wir oder richtiger: alle Völker leben, uns sowohl ohne wie mit einer gesteigerten Rüstungsindustrie bald da, bald dort die Zahlungsmittel (Devisen) v o r e n t h ä l t, die nötig sind, um den Ge- samtbedarf an Rohstoffen zu decken. Durch weniger Kanonenmunition entsteht noch keine größere Butterration, wohl aber durch eine bessere Ernte. Durch weniger Soldatenbeschäftigung entsteht noch keine gesteigerte Arbeitsbeschaffung, wohl aber durch vernünftige Wechselbeziehungen von Land zu Land.
Sie können sich nur bessern von Subjekt zu Subjekt. Der Ungerüstete ist Objekt. Diesen deutschen Tiefpunkt hat der Führer am 16. Mär§ überwunden. Den Anstieg können nur die Geführten s e l b st überwinden. Keiner ist dabei unent-
behrlich. Niemand ist vom Mittun dispensiert, und für jeden wird sich militärisch oder wirtschaftlich eine Möglichkeit finden, der Wehrkraft zu nützen, wenn er entschlossen ist, ihr Opfer zu bringen. Wir haben den Sieg des 16. März schon mit mancher an sich trefflichen Rede gefeiert. Blücher hat mit seinem Stahe (dem schlesischen Hauptquartier von 1813) den Sieg an der Katzbach mit einem „Siegesmahl" gefeiert, zu dem es nur Kartoffeln gab. Nicht einmal mit Salz, geschweige denn mit Butter! Die Japaner haben eine gesetzliche „Einheits- nahrung" für den Kriegsfall vorgesehen, um sich, blockiert, zu behaupten. Auch das kriegführende Italien gibt uns zur Zeit das Beispiel einer gut disziplinierten Haltung.
Das Dritte Reich bedarf zwar solcher Beispiele bestimmt nicht. Wohl aber der Einsicht, daß die Friedenswirtschaft aller Völker im Begriffe ist, sich in eine Wehrwirtschaft umzuwandeln, die nicht mit dem ersten Schuß in die Binsen geht, sondern bis zum Kriegsende als Kraftfeld besteht. Je fruchtbarer dieses deutsche wehrwirtschaftliche Kraftfeld ist und je mehr es in gegenseitig befruchtender Wechselwirkung zu den wirtschaftlichen Kraftfeldern des Auslandes steht, um so mehr wird sich die Weltkrise von heute entspannen, die dem Weltkriege von gestern gefolgt ist. Was wir zugunsten unserer Wehrkraft auch tun, ob wir militärisch dienen oder wirtschaftlich verdienen, soldatische Haltung wahren oder, wenn auch so bescheiden, opfern und sparen, — mir dienen dem Frieden!
Gevillaner Geschichten ^rauett/ Bauten, Spanier und Mauren.
Von Hans M. Hoffmann
Carmen, die Operngestalt B i z e t s , hat uns Sevilla in seinen Frauen nahegebracht. Wie sehr ist die Andalusierin doch von ihrer katalanischen und nordspanischen Schwester unterschieden. Gleich den herrlichen Bauten dieser Landschaft ist auch sie — unverkennbar — aus maurischem Blut entstanden, und die geheimnisvolle Glut orientalischer Abkunft verbindet sich in ihr mit echt spanischer Grandezza. Sie hat ziemlich wenig Verwendung dafür, freilich. Denn das Leben der Spanierin ist, so manches die Revolution da auch geändert hat, zum mindesten hier im Süden auch heute noch dem Harem nahe.
Vertraut von den Bildern alter spanischer Meister, findet es sich hier wieder — in der Heimat des Delasquez und Murillo, im Sevilla des 20. Jahrhunderts: Frauen und Mädchen, alle den Fächer in der Hand und den schwarzen Schleier über dem Kopf, während der herrliche und meist überaus kunstvolle Kamm alltags leider immer mehr verschwindet. Schwarz — das ist der Grundton der Kleiduna der Spanier, der Frauen wie der Männer, und hat seinen Grund darin, daß man hier vier Jahre Trauer trägt. In dieser langen Zeit tritt bei dem strengen und ausgedehnten Familiensinn des Volkes bestimmt ein neuer Trauerfall ein, bevor noch der alte ausgetragen ist. Aber es steht ihnen gut, wenn es auch heiß sein muß unter der Sonne Andalusiens, und mit der Farbenfreudigkeit dieser südlichen Menschen verzieren und mildern sie das strenge Schwarz ihrer Kleidung durch die Montillas und bunten Tücher oder die Blumen, die sie keck über dem Ohr im Haare tragen.
Andalusische Frauen — einer ganz anderen Art und einer anderen, maurischen Zeit, in weiten, weißen Gewändern und geheimnisvoll verschleiert, die weißen Tauben an den Brunnen des Alkazar fütternd und auf den blütenverhangenen Wegen seiner Gärten wandelnd: Daran dachten wir unwillkürlich, als wir durch die Pracht dieses Parkes und durch die hallenden Gänge des Palastes schritten. Es stimmt historisch keineswegs, denn der Alkazar, auf den Resten der Burg eines Almohaden- Fürsten aus dem 12. Jahrhundert entstanden, entstammt einer viel späteren Zeit. Peter der Grausame ließ ihn um 1360 von maurischen Architekten
bauen, so daß er also viel jünger ist, als diese Phantasien. Aber doch rauschen noch heute überall die Quellen der arabischen Wasserkünste und die Brunnen, belebt die Phantasie die bunt gekachelten Fußböden und Wände mit Teppichen und Behängen, sieht sie in den Banos, dem Badegewölbe, dessen Bassin lang und schmal wie die Uebungsbahn eines modernen Crawlschwimmers ist, Maria de Padilla, die Geliebte Don Pedros, baden und ihre Kavaliere — aus Galanten? oder Furcht? — ihr Badewasser trinken. Den Mädchenhof bevölkert sie mit den bunten Gestalten jener Epoche — und vergißt dabei nur, daß er wie die Gärten des Alkazar erst 1526, zur Hochzeit Karls V. mit Isabella von Portugal, entstanden ist.
Freilich, man braucht gar nicht weit zu gehen, um auch klassische Zeugen der 500jährigen Maurenzeit dieser Stadt zu finden. Da liegt unter dem ragenden Turme der Giralda der Orangenhof, einst der Hof der Moschee, in dem noch heute eine Fontäne sprudelt — vordem der Brunnen für die religiösen Waschungen der Gläubigen. Dicht daneben ist die Puerto del Perdon mit ihren Bronzeklopfern und -beschlügen ein Beispiel reinsten Mudejar-Stils, ähnlich in Cordoba zu finden. Darüber aber wächst das Wahrzeichen Sevillas, die Giralda, in die Höhe, das Minarett der Moschee einer versunkenen Zeit. Keine Treppe, sondern eine schiefe Ebene führt hinauf zu ihrer Spitze, und seltsamerweise ist das Betreten der Giralda nie einer Person allein gestattet. Man will dadurch Selbstmörder hindern, von ihr herabzuspringen.
Mystisch und majestätisch liegt die Kathedrale daneben, eines der schönsten und reichsten Bauwerke der Gotik nicht nur in Spanien, sondern in ganz Europa. Sie Überrascht ebenso sehr durch ihre Einfachheit wie durch die Macht ihres fünfschisfigen Domes, durch den die Töne der Orgel hallend brausen. Nicht weniger als 83 Altäre und eine Unzahl wertvollster Bilder und Holzskulpturen altspanischer Kunst gibt es in dieser Kirche. Auch Christoph Columbus fand hier — die wenigsten wissen das — seine letzte Ruhestätte. Man vergißt über allem, daß Sevilla eine moderne Großstadt mit 207000 Einwohnern ist und einen Z e p p e l i n h a f e n , für die Fahrten des Luftschiffes nach Südamerika, besitzt. Das ist so
Oie Flucht nach Aegypten.
Eine Erinnerung von Hermann Claudius.
Ich hatte einen seltsamen Onkel, den ich nur drei- oder viermal während meiner Knabenzeit gesehen habe. Das war der Onkel Billerbeck.
Er hatte einen mächtigen runden Kopf und trug eine goldene Brille. Die Uhrkette auf seinem stattlichen Bauch sollte auch aus Gold fein.
Dieser Onkel Billerbeck schenkte mir zu meinem Geburtstage — es war um mein elftes Jahr herum — ein großes Buch mit lauter leeren Blättern. „Du malst ja gern, Junge. Aber verschmiere es nicht!" — hatte der Onkel dabei gesagt, und ich hatte mich höflich bedankt und einen „Diener" gemacht, wie sich das beim Onkel Billerbeck gehörte.
Auf dem Deckel des Buches war ein wunderschöner Zigeunerkopf abgebildet, den ich tausendmal angesehen habe und in den ich wahrhaftig verliebt war — und meine Mutter auch.
Die leeren Blätter drinnen waren verschiedenfarbig getönt: einige rötlich, einige gelb, andere bräunlich oder lichtgrün. Ich hatte einen großen Respekt vor dem Buche des gestrengen Onkel Billerbeck.
Um jene Zeit malte ich alles ab, was nur immer unter die Finger kam. Und als mein Vater einmal Nordenskiölds Nordpolfahrt in Lieferungen abonniert hatte, malte ich monatelang lauter Robben und Seehunde und Seelöwen und Eskimos und schwimmende Eisberge von Schwarzweißskizzen ab, die über diese Hefte verstreut waren und deren Zeichner Kane hieß. Diesen Namen malte ich bet allen meinen Schiffen und Ungeheuern getreulich
Mein Vater fragte mich manchmal, nach welchem Maßstab ich meine Vergrößerungen anlege. Das wußte ich nicht. Ich machte alles nach dem Augenmaß Was ich abzeichnete, wurde allerdings immer größer als das Original, aber als Ganzes stimmte es wieder. Das sah ich wohl. Ich hatte nie Angst darum, daß es nicht stimmen könnte.
Aber mit den farbgetönten, fast löschblattweichen Blättern des Onkel Billerbeckschen Buches war es etwas anderes. Ich zögerte wochenlang, ehe ich den Bleistift darin ansetzte. Der wunderschöne Zigeuner- köpf lag immer in unserer „besten Stube auf Dem runden Mahagonitisch. Meine Mutter stand öfters davor und sah ihn an. .
Endlich ging ich daran, denn schließlich konnte
Onkel Billerbeck wieder auftauchen und würde schelten.
So wählte ich ein ganz feines Bild, das ich in einem Andachtbuche meiner Mutter gefunden hatte, als Vorlage: Die Flucht nach Aegypten. Vorn ging Vater Joseph und zog den Esel am Strick hinter sich her. Auf dem Esel saß, in einen Mantel gehüllt, Mutter Maria, das Jesuskind fest an sich gedrückt. Im Hintergründe war die Wüste. Auf einem Hügel stand ein Löwe mit mächtiger Mähne und brüllte. Ich überlegte gegen meine sonstige Art lange, mit welcher Figur ich beginnen sollte. Schließlich erschien mir der Esel am ungefährlichsten. Mit ihm fing ich an, zeichnete sorgsam Strich um Strich die peinliche Linienführung des alten sauberen Kupferstiches nach und kriegte zu meiner eigenen Erlösung das Grautier auch ohne Fehler zurecht.
Danach sollte Vater Joseph heran, aber da der Esel wegen der ausgelassenen Mitte — wo Mutter Maria hin sollte — so unfertig aussah, so zeichnete ich zunächst die Jefusmutter. Ich fing bei dem Haupte an. Der Heiligenschein machte meine Hand fast zittern vor Aufregung, daß er ebenso unendlich zart, ja zärtlich werde wie auf der Vorlage. Aber er gelang. Und auch das edle Profil der Mutter Gottes ward gut und richtig. Meine Mutter lobte es sehr.
Am dritten Tage aber machte ich die furchtbare Entdeckung, daß Mutter Maria nicht auf dem Esel, sondern in den Esel zu reiten käme.
Ich hatte den Kopf zu niedrig angefangen. Was nun? —
Ich weiß, daß ich darum tagelang in großem Kummer ging.
„Ausradieren!" — riet meine schnelle Mutter. Aber das ging auf dem weichen Papier nicht, auf diesem Papier, das eigentlich — was ich damals noch nicht wußte — nur zum Aquarellieren geeignet gewesen wäre.
„Ich sage doch immer, daß es nicht ohne einen bestimmten Maßstab abgeht, wenn man vergrößert" — sagte mein Vater.
Ich sah ein, daß er diesmal im Recht war. Aber damit erlöste ich Mutter Maria nicht aus dem Esel.
Ich war schließlich schier mutlos und sagte, ich wolle überhaupt nichts mehr zeichnen. Wenn es darauf ankäme, machte ich es doch jedesmal verkehrt.
Meiye Mutter lächelte und tröstete mich mit dem alten Spruch: Es fällt kein Meister vom Himmel.
Und dann geschah es eines Tages, als ich mutlos
das Buch meiner Angst wieder aufschlug — daß die
Mutter Maria mitsamt dem Esel und der ganzen Flucht nach Aegypten daraus verschwunden war.
Soviel ich fragte, ich erhielt überall nur dieselbe Antwort: die heilige Familie wäre eben weitergezogen.
Ich glaube wohl, daß meine liebe Mutter der Schalk gewesen ist, der mich auf solche Art wieder frei machte.
Denn wenn ich in der Folge irgendeine grobe Dummheit gemacht hatte, pflegte sie wohl lächelnd zu sagen: „Schon wieder eine Flucht nach Aegypten?"
Ich weiß nicht, ob der Onkel Billerbeck das. Zeichenbuch mit dem Zigeunerknaben darauf je wieder zu sehen bekommen hat. Er war und blieb der Angst-Onkel. Und es war und blieb das Angst- Buch. Und da hört alle schöne Kunst von selber auf.
Zeitschriften
— „Die Kun st", Monatshefte für Malerei, Plastik und Wohnkultur (Verlag F. Bruckmann AG. München), beginnt mit „Betrachtungen zu Menzels Gedenkjahr" von Hans Mackowsky ihr Januarheft, ein Beitrag zum richtigen Verständnis des künstlerischen Schaffens dieses „ftiderizianischen" Altmeisters. Zahlreiche Bildwiedergaben, darunter eine farbige Kunstdrucktafel, machen den Beschauer auch mit Arbeiten Adolf Menzels bekannt, die der Öffentlichkeit bisher wenig zugänglich waren. Don eigenem Reiz find die kraftvollen Plastiken des Bildhauers Fritz Koelle aus dem Bergmannsleben. Lebhaftes Interesse eines jeden Kunstfreundes beanspruchen auch die Aufsätze: „Form und Disziplin. Zu den Bildern von Johannes Saß" von Gustav Stolze und „Herbstausstelluno der Preußischen Akademie der Künste in Berlin^ von Fritz Hellwag mit vielen Bildbeigaben. „Eine Segantini-Erinne- rung" von Bianca Segantini beschließt den ersten Teil des schönen Heftes. Der zweite Teil über Wohnkultur bringt eine Fülle guter Bildaufnahmen von Eigenheimen, Jnnenräumen, Gartenanlagen und Gegenständen des Kunsthandwerks. Eine Zusammenstellung von künstlerischen Dingen, die der schönen Heimgestaltung und der behaglichen Lebensführung dienen, darunter Vitrinen in Ganzglaskonstruktion, neue Arbeiten der Möbelfabrik Buschle, Stuttgart, Vasen von Prof, von Wersin, das Gartenhaus Dr. B. auf dem Sachsenhäuser Berg in Frankfurt von Architekt Franz Delcher, nordische Bildteppiche und aus neuen Gärten der Gartenarchitekten Kaldenbach und Steffens, Aachen.
„©er Krast-Mayr."
Die Europa beehrt sich darzubieten im Gloria« Palast: „Wenn die Musik nicht wär", nach dem Roman „Der Kraft-Mayr" von Ernst von Wol- zogen. Das ist ein Gesellschaftslustspiel im Kostüm und mit Musik aus der Zeit des Meisters Franz Liszt; im Kern die Liebesgeschichte des Klavierlehrers Florian Mayr, genannt der „Kraft-Mayr", welcher der hoffnungslos unbegabten Tochter des Konsuls Burmeefter Klavierunterricht erteilt, von ihr angeschwärmt, von ihren Eltern hinausgeworfen, von ihr entführt wird — zwar bloß von Weimar nach Jena, aber immerhin, es ist schlimm genug, und es droht ein böses Ende zu nehmen, zumal nicht nur allerlei musikalische Einlagen (es spielen sogar die Berliner Philharmoniker), sondern auch mancherlei berufliche und eifersüchtige Intrigen zu der leicht historisch und kulturhistorisch getönten Fabel gehören. Es nimmt aber kein schlimmes Ende, im Gegenteil, denn wir befinden uns im Lustspiel, und zulettz kriegt der bereits sehr heruntergekommene Kraft-Mayr nicht nur, wie sich's gehört, die unbegabte, aber reizend verliebte Thekla, sondern auch eine Professur an der Münchner Akademie, und alles ist in schönster Ordnung. Der Regisseur Carmine Gallone hat zwar die Herkunft des Drehbuches (Lothar M a y r i n g und Fred Andreas) von Wolzogens Romanvorlage nicht zu Überspielen oder zu verdecken vermocht, aber er gibt dem nicht sonderlich filmischen Gegenstand seine eigentümliche Note und Farbe durch die geschickt eingekleideten Lisztschen Melodien und schöne Bilder aus Weimar und Rom. Hörbiger gestaltet die Titelrolle (er hat schon ähnliche gespielt) mit Gemüt, Humor und Temperament und macht eine liebenswürdig gerundete Charakterstudie daraus. Sibylle Schmitz, deren starke und wandlungsfähige Begabung in letzter Zeit zusehends in den Vordergrund rückte, stattet hier die ungarische Jlonka mit musikantischem Schwung und weiblicher Pikanterie aus. Karin Hardt, in ausgesprochener Kontrastwirkung, macht aus der Thekla Burmeefter einen süßen Backfisch von anno Tobak. Ida W ü st als Konsulin: eine verrückte und komisch auf- geplusterte Pute: Luis Rainer, verwöhnt und gepflegt als Abk>6 Liszt, Meyerinck, Schäffers und Josephine Dora vom übrigen Ensemble. — Im Beiprogramm: Fox-Wochenschau: hübsche Bilder aus der deutschen Edelkatzenzucht: je ein Vorspann zu „Pygmalion" und „Henker, Frauen und Soldaten" mit Albers in der Hauptrolle. —r—


