dere Gebiete vermittelt, wo ein Mangel an derartigen Kräften bestand: weiterhin galt es auch, in der einen oder anderen Beziehung soziale Härten auszugleichen, die sich im Laufe der Jahre hier eingeschlichen hatten. Die Betreuung der Erfinder nimmt von Tag zu Tag zu. Man fpnn te, daß sich die Neureglung, die die Deutsche Ar-
ront in bezug auf die Bevorschussung usw. der Patentgebühren eingeführt hat, gut auswirkt, da unbemittelten bzw. minderbemittelten Erfindern weitere Möglichkeit zum Ausbau ihrer Arbeit gegeben wird.
Medizinischer Fortbildungskurs an der Universität Gießen.
Die Medizinische Fakultät der Universität Gießen hält ihren heurigen Fortbildungskursus vom 11. Oktober bis 17. Oktober ab und zwar unter Einstellung auf die speziellen Themen „Der Arzt als Erzieher des Volkes" und „Unfallbehandlung und Unfallbegutachtuna". Bei dem ersten Thema wird der Rektor der Universität Gießen, Professor Dr. phil. Pfähler, Direktor des Instituts für Psychologie und Pädagogik, mit Vorlesungen über Erb- charakterologie mitwirken. Obermeoizinalrat Dr. Schmitt, Vorstand der Abteilung für das Gesundheitswesen bei der hessischen Regierung, wird über die neuen gesetzlichen Bestimmungen für Aerzte sprechen. Am 11. Oktober findet der Begrüßungsabend im Studentenhaus statt. Für Mittwoch, 14. Oktober, ist ein Ausflug nach Bad-Nauheim vorgesehen. Prospekte sowie Anfragen durch Professor Georg Herzog, Pathologisches Institut, Gießen, Klinikstraße 32 g.
3m Geiste verpflichtender Tradition...!
Eine Feier der Gießener Marine-Kameradschaft.
Im Marinebootshaus herrschte am Sonntagnachmittag trotz des regnerischen Wetters viel Leben, und zwar aus Anlaß einer kleinen Feier, mit der die Gießener Marine-Kameradschaft von 1892 auch nach außen hin den Beweis dafür erbrachte, daß ihr die für die Marine-HI. übernommene Patenschaft eine ernste Sache ist. Zu dieser Feier hatte die Marine-Kameradschaft neben dem hohen Flaggenmast im Garten des Bootshauses, vor dem für den Anschauungsunterricht drei selbstgefertigte Schiffsmodelle aufgebaut waren, mit ihrer Fahne Aufstellung genommen. Ihr gegenüber und mit der ihr zugewendeten Front stand ausgerichtet die Marine-HI. zur Flaggenparade. Unter dem Gesang des Liedes der HI. wurde das Hakenkreuzbanner aufgezogen. Kameradschaftsführer L i ch richtete einige treffende Worte an die Versammelten, die er an die jahrzehntelange Arbeit der Gießener Kameradschaft an der Jugend erinnerte. Mit Stolz sprach er von den guten Erfolgen solcher Jugenderziehung, die der Gießener Kameradschaft viele Ehren einbrachte.
Nachdem durch das Abkommen des Reichsjugendführers mit dem Bundesführer Kapitänleutnant H i n tz m a n n des NS.-Marine-Bundes die Erziehung der Marine-HI. wieder in die Hände der Marine-Kameradschaften gelegt ist, hat auch die Gießener Kameradschaft die Ausbildung der Marine-HI. übernommen. Die Gießener Kameradschaft erneuert ihr Gelöbnis, sich dieser Aufgabe mit ganzer Hingabe zu widmen. Es ist ihr eine Freude, jetzt der Marine-HI. einen Wunsch zu erfüllen und ihr die Musikinstrumente für den Spielmannszug schenken zu können. Er dankte dem Führer der Marine-HI. R u p p e l für die der Jugend gewidmete Aufopferung und übergab ihm vier Trommeln und sechs Flöten, sowie den Tambourstab für den Spielmannszug.
Der Führer der Marine-HI. Ruppel übermittelte zunächst die Grüße des durch den Gautag am Erscheinen verhinderten HI.-Bannführers Heim und versicherte, daß die Ueberreichung der Instrumente ein Ansport dafür sein soll, die Marine- Jugend so zu erziehen, wie der Führer sie brauche. Er versprach, nur im Sinne des Führers zu arbeiten und seine ganze Kraft für die Jugend des Führers einzusetzen, damit diese sich ihrer Vorbilder würdig erweist.
Anschließend richtete der Kameradschaftsführer
L ich noch einige ermahnende Worte an die Jugend, im Geiste des Führers zu arbeiten und mit Stolz auf die große Tradition der deutschen Marine blickend, dahin zu streben, daß recht viele von dieser Jugend selbst einmal als Marinesoldaten ihre Pflicht dem Volk und Vaterland gegenüber erfüllen können. In diesem Sinne grüßt er den Führer.
Die Jugend marschierte dann aus dem Garten des Bootshauses hinaus, um dann im Paradeschritt und mit klingendem Spiel ihre mit Blumen geschmückten neuen Instrumente in das Bootshaus einzubringen. Während der Spielmannszug auf dem Hofe Proben seines Könnens darbot, zeigten die Marine-Hitlerjungen im Boot, beim Tauschlingen und im Signalisieren ihren Eltern, was sie gelernt hatten. Em kameradschaftliches Beisammensein im Bootshaus beendete den Tag.
Schnelltriebwagen-Versuchsfahrt auf der Lahnstrecke.
Seit einigen Jahren ist die Reichsbahn dabei, auch auf der kurvenreichen Lahnstrecke die Zuggeschwindigkeiten zu erhöhen. Umfangreiche Ver- bejserungen des Oberbaues find zu diesem Zweck Dorgenommen worden, und seit längerer Zeit spricht man schon von der Schaffung einer schnelleren Verbindung vom Westen des Reiches nach Berlin
Der Reichsbund der Körperbehinderten pflegt die Zusammenarbeit mit ollen auf dem Gebiete der Krüppelfürsorge tätigen Stellen: Der Reichsarbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung des Krüppeltums, der Deutschen Vereinigung für Krüppelfürsorge e. V. und allen sonstigen Parteidienststellen, Behörden, Organisationen und Betrieben. Auf die Zusammenarbeit mit den Krüppelanstalten legt der RBK. besonderen Wert. Der RBK. will die Arbeit all dieser Stellen durch die lebendige Verbindung mit den Körperbehinderten erleichtern und befruchten. Diese Aufgabe, die enge Verbindung nach allen Seiten aufrecht zu er halten, fällt den Obleuten sowie den Verbindungsleuten zu, die vom Bund bei den einzelnen Anstalten eingesetzt sind.
Der Bund verlangt aber auch, daß jeder Körperbehinderte sich mit seiner ganzen Kraft für die Ueberroinbung seiner Körperbehinderung einsetzt und daß er darüber hinaus mit Rat und Tat anderen Behinderten hilft, die Körperbehinderung zu tragen und den Kampf ums Dasein zu bestehen.
Vorbedingung für die Erfüllung aller Aufgaben ist die gesundheitliche richtige Lebensführung der Körperbehinderten. Der RBK. will ihnen diese durch Maßnahmen ermöglichen, die den besonderen Bedürfnissen der Körperbehinderten entsprechen. Dor allem ist die körperliche Ertüchtigung der Behinderten durch Bildung von eigenen Gymnastik- und Sportgruppen und Einrichtung von entsprechenden Lehrkursen anzustreben. Für körperbehinderte Jugendliche hat die Reichsjugendführung den K.-Bann der HI. geschaffen, der neben der nationalsozialistischen Erziehung der körperlichen Ertüchtigung der behinderten Jugend dient und in engster Gemeinschaft mit dem RBK. arbeitet.
Soweit die Möglichkeit besteht, die Körperbehinderung durch geeignete Maßnahmen zu mildern oder sie völlig zu beseitigen, ist es Aufgabe des RBK., den Behinderten helfend zur Seite zu stehen. Gestützt auf die Zusammenarbeit des Bundes mit der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege, der Wirtschaft und der Wissenschaft, sowie nicht zuletzt gestützt auf die Erfahrungen der Mitglieder, hat er die Körperbehinderten geeigneten Entkrüppelungs- maßnahmen zuzuführen.
Die Ellern körperbehinderter Kinder sind darauf hinzuweifen, daß die Beseitigung der Behinderung nicht nur im eigenen Interesse liegt, sondern auch ihre moralische Pflicht gegenüber der Volksgemeinschaft ist.
Der Bund ist bestrebt, seinen Mitgliedern neue Methoden der Entkrüppelung zugänglich zu machen. Dabei sollen die Mitglieder selbst an der Weiterentwicklung der orthopädischen und sonstigen Hilfsmit-
unter Verwendung der Lahnstrecke. Dieser Tage nun fand eine Versuchsfahrt eines Schnell- triebwagens statt. Sie nahm, wie wir hören, ihren Ausgang in Saarbrücken und führte über Koblenz, Gießen usw. Die Geschwindigkeit des Wagens erregte bei allen, die ihn vorübersausen sahen, Ueberraschung und Bewunderung. Die Einrichtung einer solchen Schnelloerbindung würde an der Lahn sehr begrüßt werden.
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** Verkehrsmerkblätter f ü r Radfahrer. Der Deutsche Radfahrer-Verband e. V. hat ein Verkehrsmerkblatt für Radfahrer herausgebracht, weil ein großer Teil der Radfahrer gar nicht die Derkehrsmerkblätter kennt. Mit Unterstützung der Reichsgruppe Industrie und des Deutschen Gemeindetages wird nunmehr dies Verkehrsmerkblatt den Behörden und größeren Werken zur Weiterleitung an ihre radfahrenden Volksgenossen übersandt. Daß ein großes Interesse für das verkehrserzieherisch wirkende Merkblatt besteht, geht daraus hervor, daß .bereits in wenigen Wochen über 600 000 Merkblätter angefordert wurden. Es ist weiterhin beabsichtigt, in den deutschen Jugendherbergen und bei den Fahrradunterständen und Aufenthaltsräumen der Großbetriebe, diese Derkehrsmerkblätter zum Aushang zu bringen.
tel mitarbeiten. Wertvolle Anregungen Einzelner sollen vom RBK. in Verbindung mit den anderen in Frage kommenden Stellen ausgewertet und allen Körperbehinderten nutzbar gemacht werden.
Weitere Grundlage für die Erreichung eines möglichst hohen Grades der Erwerbsfähigkeit ist die richtige Wahl des Berufes. Die Hilfe des RBK. muß darauf hinzielen, daß der Behinderte einem Beruf zugeführt wird, in dem er seiner Behinderung entsprechend größte Leistungsfähigkeit erreicht. Hierzu gehört die Erschließung aller Möglichkeiten der Berufsberatung, der Berufsausbildung, der Beruftumschulung und darüber hinaus der beruflichen Weiterentwicklung, die die Verwendungsmöglichkeit des Behinderten erweitern und damit feine Unterbringung im Arbeitsleben erleichtern soll.
Bei der Eingliederung in das Berufsleben ist davon auszugehen, daß der Behinderte seine Leistungsfähigkeit voll entfalten farm. E s i ft jedoch darauf z u achten, daß die Befchäfti- gung s i ch nicht gesundheitsschädigend auf den Behinderten auswirken darf, ihm vielmehr die möglichst lange Erhaltung seiner meist mit großen Mühen und Opfern erreichten Leistungsfähigkeit gestattet. Darüber hinaus sind nach Möglichkeit solche Berufszweige zu wählen, die dem Behinderten auf einen möglichst langen Zeitraum Beschäftigung und Einkommen sichern.
Durch ständige Zusammenarbeit mit Handwerk und Industrie versucht der Bund den Körperbehinderten neue Arbeitsgebiete zu erschließen.
Aufgabe des Bundes ist ferner, den Mitgliedern die Teilnahme an Veranstaltungen künstlerischer, belehrender und sonstiger Art, die für Unbehinderte stattfinden, in einer Form zu erschließen, die ihrer körperlichen Behinderung Rechnung trägt.
Schließlich hat der Bund die Aufgabe, seine Mitglieder in allen Fragen des Fürsorgerechts zu beraten und in Sonderfällen ihnen auch tätig zu helfen, insbesondere bei der Beschaffung von orthopädischen Hilfsmitteln und sonstigen Erfordernissen zur Hebung der Gesundheit und Arbeitsleistung.
Rundfunkprogramm
Dienstag, 14. Juli:
6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.30: Heitere Musik am Morgen. 11: Nachrichten. 11.30: Bauernfunk. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.10: Antreten zum Schlagerappell! 15: Volk und Wirtschaft. Der Wald — ein wachsender Reichtum. 15.15: Die deutsche Frau. „Jessas, bin i
aufgregt ..Ländlicher Besuch in der Stadt. Ißt Jnstrumentalkonzert. 17.30: „Die Fenster auf, Iq6j Licht herein ..." Eine Hörfolge. 18: Blasmusik. 19: Lieder österreichischer Komponisten. 19.45: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Konzert. 22: Nachrichten, auch aus dem
Mittwoch, 15. Juli.
6.00 Uhr: Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Früh, konzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 11.00: Hausfrau hör zu! 11.30: Gaunachrichten von Frank, furt. 11.45: Sozialdienst. 12.00: Mittagskonzert I. 13.00: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk; Wetterbericht. 13.15: Mittagskonzert II. 14.00: Nach, richten. 14.10: Das Phänomen der Stimme (VIII), Helge Roswaenge. 15.00: Volk und Wirtschaft: Marktordnung für Rasierklingen. 15.15: Unterhalt tung und Wissen. Von Heinz Bruno Neuer. 15.30: Vater und Sohn. Plauderei. 15.45: „Geld"; Kriminalszene von Willi Koch. 16.00: Konzert. 17.30: HF,. Funk. Ich rufe die Jugend der Welt. Funkberichte vom Werden der Olympiaglocke. 18.00: Unser sm. genbes, klingendes Frankfurt! 19.45: Kampf dem Verderb! 20.00: Nachrichten. Der Volkssender 1936 ruft! 20.15: Stunde der jungen Nation. 21.45: Franz von Blon (geb. 16. Juli 1861). 22.00: Nachrichten,
Oberheffen.
6in schöner Fachwerkbau wieder hergestellt.
Erhaltenes Kulturdenkmal.
cxd Muschenheim, 12. Juli. Neulich wurde unser Straßenbild durch den Neuverputz eines bemerkenswerten Hauses bereichert. Als Schlosser Ernst Becker in der Hessengasse an seinem Wohnhaus den verwitterten Flächenverputz abnehmen ließ, zeigte sich ein Fachwerkbau von gebt eg e ne r Schönheit. Er weist alle konstruktiven Elemente unb schmucken Zierformen auf, die ber oberhessische börsliche Fachwerkbau in seiner Blüte, ber zweiten Hälfte bes 18. Jahrhunberts, kannte. Das Untergeschoß unb bie bem Wetter ausgesetzte westliche Giebelseite erhielten wieder einen Ganzverputz. Die Straßenseite des Oberstockes wurde ins Fachwerk gestellt. Meister Kgrl Wagner erzeugte hier eine wohltuende Farbenstimmung: Don den gelblich getönten Gefachen, die mit einem grünen Strich eingefaßt sind, hebt sich bas schwarz- braune Gebälk kräftig ab. Die Profilierungen und Füllhölzer ber Zwischengeschoßlage würben burch anbere Tönung abgefetzt.
Das horizontale untere Rahmenholz im Oberstock- werk weist in seiner ganzen Länge ein mit weißer Farbe hervorgehobenes Spruchbanb auf, das in Antigua also lautet:
„Frisch auf mein Sei verzage nicht Gott wil sich dein erbarmen
Rath Hüls wil er dir theilen mit man böse Leuth schon späten mein mich ganz unb gor verachten als solt Gott nicht mein Helfer sein bem ich vertrau vest auf in bau diß Can mich noch erheben.
u(nb) w(ar) W(erks) M(eister) Lind o(on) Muschenheim."
Die einzigen quadratischen Felder, die bei dem reichgeglieberten Holzwerk geblieben wären unb unharmonisch gewirkt hätten, finb burch Füllbretter in barocker Linienführung belebt. Das eine trägt in erhabener Arbeit bas häufig verwenbete Motiv der Sonnenscheibe, bas anbere ein Herz, lieber der Sonne liest man bie Worte: „Sieh bas meiner Feinbe so viel ist unb hassen mich aus Fkevel" Das rötlich getönte Herz trägt folgende Inschrift: „Derstumen müfen falsche^ Mäuler bie da reden wider den Gerechten frech stolz unb honisch."
Beide Sprüche finb ben Psalmen entnommen (Ps. 25,19 unb 31,19). Auch bas Spruchbanb zeigt burchaus bie Glaubenshaltung ber Psalmen. Das ist kein Wunder, benn bas Gesangbuch ber reformierten Kirche war Jahrhunberte lang ber Psalter.
So zeigt sich an diesem einen Haus bie ganze Kulturlage unserer Dörfer um bie Wenbe vom 18. zum 19. Jahrhunbert: ein hoher Stanb handwerklicher Kunstübung, verbunden mit treuer Glaubensgesinnung.
Ans ber Arbeit des Äeichsbimdes ber Körperbehinderten.
Sieben Mann.
Von Bernhard Jaust.
„Ruhe! ... Ruhig, Kinder!" schrie Sergeant Großmann in ben Lärm. „3ebe Kugel muß sitzen, sonst finb wir verloren."
Fünfhunbert Neger, Drlogleute bes Häuptlings Metale, tobten vor ber Feste. Blutrünstig brang bas Gebrüll aus bem Busch; bie Speere blitzten in ber Sonne, bort ber Lauf eines Gewehres. Die Besatzung ber Feste betrug nur sieben Mann. Es war am 28. Januar 1904.
Einstöckig, ein Langeckbau mit zwei vorspringenden Türmen, beherrschte Namutoni bie flach gewellte Ebene. Weiß wie Schnee glänzte brühen Tümpel an Tümpel, schweißendes Salz aus blutender Erde. Das ist bie Etoschapfanne, ein Salzsee von hunbert- ßwanzig Kilometer Länge. Obgleich ein Schutz in ihrem Rücken, trennte er bie tapfere kleine Schar, bie hier auf verlorenem Posten kämpfte, nach Ost unb Süb von jeher Hilfe: Grootfontein unb Dutjo, bie Nachbarstationen lagen weit auseinanber. Es galt, nicht nach rechts, nicht nach links zu schauen unb jeben Atemzug bes Lebens zu oerteibigen, Schuß um Schuß, unb zu sterben, wenn bie letzte Kugel ben Lauf verließ.
Schüsse — Geschrei ...
Abgeschossene Hülsen, ein Berg aufgehäust, wuty fen hoch, begruben bie Stiefel ber Reiter unb mürben fluchenb beiseite gestoßen. Draußen warfen sich neue Reihen ins Gestrüpp, bückten sich hinter bie zu einem Wall aufgehäuften Leichen ... Wo ber Kriegsruf erlahmte, eine Hanb am Lauf, am Speer, am Bogen zögerte, half Tjute, ber Unterhäuptling, mit der Schambockpeitsche nach; bann krachte unb splitterte das Mauerwerk, bie Steinbrocken flogen um bie Köpfe, unb furrenbe Kugeln sangen schwirrenbe To- beslieber. Doch ber Tob, ber stumme Kamerab, schritt drüben durch die Ernte.
Schweißbedeckt, den Arm verkrampft, vom Morgen bis zum Abend, drückten bie Reiter ben Kolben in bie Achsel — zielten, schossen, zielten, schossen. Jeher Schuß stieß einen Schatten in bie Sonne, ein Leib überschlug sich unb blieb zuckenh liegen. Vom be= ginnenhen Tag bis zur beginnenben Nacht hielten sieben Mann, sieben Schutztruppler Namutoni, bie einsame Feste im Norben von Deutsch-Sühwestafrika, gegen fünfhunbert Neger, fünfhunberrt Angreifer, fünfhunbert Räuber, bie ben Frieben brachen. Vom bämmernben Morgen bis in bie Finsternis jagte ihnen bie Peitsche bes Häuptlings neue Leiber vor bas Ziel. Schon ermübete bie Kraft ber Verteibiger. Durst stellte sich ein, ber Hunger, her in ben Ein-
geroeihen wühlte ... Sergeant Großmann schleppte bie letzte Munitionskiste aus bem Keller.
Ein schwach klatschenber Hieb in ber klaren Luft, blitzte bas Münbungsfeuer aus ben Gewehren, ber Wiberhall zitterte um bas Gebäube unb schwang ins erschrocken ftaunenbe Lanb. Hilferufe, Gewinsel, bas keuchenben Verächzen ber Sterbenben, bie Schreie her Getroffenen verbissen sich im Schmerz. Ringsum färbte sich ber Sanb mit Blut, bie Geier kreisten am Himmel unb senkten sich mit breit ruhenbem Flügelschlag auf bas glühenbe Leichenfelb.
lieber hunbert Krieger starben vor Namutoni, unb wo in Sichtweite neue Horben zum Gegenschlag sich sammelten, fuhr ein Schuß in ben aufgewühlten Schwarm. Gegen Sonnenuntergang, als bie Geister ber Nacht erwachten unb fern bie Hyänen jaulten, schlichen bie Neger in ihre Werft. Milbe Finsternis, bie barmherzige Schwester bes Tobes, verhüllte bas nackte Grauen bes Tages.
Nachbem sie alles Brauchbare zerstört, ritten bie Reiter, bie letzte Patrone in ber Kammer, nach Grootfontein unb kamen als Helben zur Truppe.
Abenteuer in Algier.
Von Erich Ell.
Die Damen hatten sich ins Musikzimmer zurückgezogen. Die Herren saßen um ben großen Kamin in ber Halle, tränten Kaffee und rauchten. Bald war der Raum von dem blauen Dunst ber Zigaretten erfüllt, unb bas war es wahrscheinlich, was Schropp zum Erzählen veranlaßte.
„Ja, meine Herren, bas wirb so vor zwei, brei Jahren gewesen sein — in Algier, Eines Tages, am späten Nachmittag, beschloß ich einen kleinen Spaziergang zu machen. Ich schlenderte vor bie Stadt unb, ganz in Gedanken vertieft, merkte ich gar nicht, daß ich plötzlich in dichteste Wildnis geraten war.
Die Dämmerung sank immer tiefer, und da es mir ein wenig unheimlich zumute mar, entschloß ich mich endlich umzukehren. Ich ging so eine gute Weile zur Stadt zurück, als ich eine kleine Lichtung erreichte. Und da — meine Herren — da sah ich mich plötzlich einer Herde von hundert Löwen gegenüber/'
„Verzeihen Sie", unterbrach da Hennig, „Sie erzählen da von einer Herde Löwen — bei Löwen spricht man nicht von einer Herde, sondern von einem Rudel."
Schropp lachte.
„Stimmt! Stimmt! Ich versprach mich. Rudel wollte ich sagen. Also stellen Sie sich vor, meine Herren, da stehe ich mit einem Mal in einer Lich
tung bei Algier so einem Rudel von hundert Löwen gegenüber. Ich, nicht faul —"
„Entschuldigen Sie, daß ich wieder unterbreche", fiel Hennig ein, „hundert Löwen? So große Rudel gibt es nicht."
Schropp verzog ein wenig das Gesicht und sah Hennig prüfend an. Dann verlegte er sich aufs Handeln.
„Mein Gott, so genau kann ich das heute natürlich nicht mehr sagen — wahrscheinlich waren es nur fünfzig Löwen."
Man mochte Hennig gut leiden. Er war ein netter Kerl, aber ein ungläubiger Thomas. Er vertrug alles — nur Ungenauigkeiten nicht. So konnte er sich auch jetzt wieder nicht enthalten, zu erklären:
„Auch diese Zahl kann keineswegs stimmen! Ein Rudel — das sind höchstens sechs bis acht Löwen."
Jetzt wurde Schropp ein wenig unsicher. Er versuchte, sich böse zu geben unb schickte Hennig einen strengen Blick hinüber. Doch bieser war bie Ruhe selbst. Schropp blieb also nichts übrig, als fortzufahren:
„Was soll ich Ihnen viel erzählen, meine Herren: Wie ich mich biesen sechs bis acht Löwen gegen- übersehe, reiße ich meinen Revolver heraus —"
„Ich muh Sie leiber nochmals unterbrechen", fiel Hennig wieder ein, „erwähnten Sie nicht vorhin, baß dieses Erlebnis sich in Algier abgespielt hätte?"
„Gewiß. Ja. Allerdings."
„Aber in Algier gibt es doch keine Löwen!"
Schropp konnte einem jetzt wirklich leib tun. Er blickte vor sich hin unb schüttelte nachdenklich ben Kopf:
„— gibt es keine Löwen? Sehr merkwürbig! Da möchte ich gern wissen, was das war, das da hinter ber Palme geraschelt hat--"
Mittelalterliches Bankett im Tower.
In Lonbon würbe bas Jubiläum eines höheren Beamten auf originelle Weise gefeiert, nämlich burch ein Bankett im Tower, bem ersten, bas seit ber Regierung Jakobs I. an dieser historischen Stätte gegeben worden ist. Man hatte sich bemüht, in ber Ausgestaltung bes Festes auf alle Weise bas Mittelalter wieher aufleben zu lassen. Die aufroarten« ben Diener steckten in Kostümen bes 16. Jahrhunberts, unb bie Hauptbestanbteile bes Menüs waren Wilbbraten aus ben königlichen Forsten, junger Schwan aus ben königlichen Schwanenteichen unb Wilbschweinskopf — aus bem Schwarzwald. Das wichtigste Getränk, bas währenb bes ganzen Abenbs gereicht würbe, bildete „bragget", ein altenglisches
Nationalgetränk, bas nach seiner Zusammensetzung an unfern beutschen Met erinnert. Es besteht zumeist aus Honig unb Malz, wozu Pfeffer, Muskatnuß, Zimmt unb anbere Gewürze gemischt werden. Das fast verloren gegangene Rezept des „bragget" ist einer alten Schrift entnommen worden. Um den alten Gebräuchen möglichst getreu zu bleiben, wurde es feierlich gebraut unb mußte von zwei „ale- conners" von Lonbon gutgeheißen werben, Angehörigen einer Gilbe, bereu Gründung angeblich auf Wilhelm bem Eroberer zurückgeht.. Sie hatten in alten Zeiten bas Amt, jedes neugebraute Bier gutzuheißen unb nach feiner Stärke unb Güte den Preis festzusetzen. Das für bas Bankett hergestellte „bragget" würbe von bem neunzigjährigen oenior ber „ale-conners" in historischer Tracht unter feierlichen Zeremonien krebenzt.
Zeitschriften.
— Die „Sübdeutschen Monatshefte" (Verlag Sübbeutsche Monatshefte GmbH., München) bringen im Juli-Heft eine Reihe von Abhandlungen, hie unter bem Titel „Lanbschaft und Technik" zusammengefaßt sind. Manfred Schröter gibt eine anschauliche Darstellung ber technischen Triebkräfte unb ihrer Auswirkungen. Hans Pflug beschäftigt sich mit bem Problem „Naturlanbfchaft — Kulturlcmbschaft — Maschinenlanbschaft". Edith Ebers behanbelt bas Grenzgebiet „Landschaft, Seele unb Technik". Die Technik wirb zur Zerstörerin, wenn sie nicht mehr geführt ist. Dieser Tatlache widmet Alwin Seifert im Abschnitt „Natur, Technik unb beutscher Straßenbau" eine Betrachtung. Werner ßinbner schreibt über „Naturschutz unb Ingenieurbau". Im ganzen gibt biefes Sonberhest einen anregenden Ueberblitf, ber vielen Ungesehenes unb Unoerstanbenes klarmachen wirb. Beson- bers ber Techniker wirb an biefem Heft viel Freude haben.
— Das Reichssportseld, eine einzigartige Anlage deutscher Baugesinnung, wird ben Lesern bes neuen Heftes ber Jllustrirten Zeitung Leipzig (I. I. Weber, Leipzig) in einem mit prachtvollen Silbern versehenen Beitrag vor Augen geführt. Die nach ihrem Bestimmungszweck gegliederten Aufnahmen der monumentalen Bauten, wirksam ergänzt durch einen Lageplan des Reichssportfeldes, vermitteln einen ausgezeichneten Ueberblia über die Stätten der kommenden Kämpfe. In diesem Rahmen ist auch noch ein interessanter Bild' bericht: „Olympia-Werbung in aller Welt" zu erwähnen, der beweist, daß Deutschlands Ruf an die Jugend der Welt auch in den entferntesten Erdteilen vernommen werben kann.
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