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zur Verteilung. Bedingung ist jedoch, daß der ge­worbene Platzmieter in der letzten Spielzeit keine Platzmiete hotte.

von der Intendanz des Gießener Stadttheaters wird uns geschrieben:

War die letzte Spielzeit die der Wiedergewinnung des Vertrauens und die des weiteren Aufbaues, so soll die kommende Spielzeit eine Spielzeit noch wei- ter gesteigerter Leistungen sein. Mit wesentlichen Veränderungen und Ergänzungen des darstellenden Personals und nach Vornahme notwendiger bau­licher und technischer Ausgestaltungen (Drehbühne, Beleuchtungsanlage usw.) geht das Stadttheater Gießen in die Winterspielzeit 1936/37.

Mit dieser Werbung wendet sich die Theaterlei­tung an alle Kreise der Bevölkerung und mit dem betonten Ziel: einen der Einwohnerzahl Gießens entsprechenden Stamm von Platzmietern zu gewin­nen, deren regelmäßiger Besuch einen wirklich künst­lerischen Aufbau erst sicherzustellen vermag. Wir hoffen bestimmt, in der nächsten Spielzeit alle bis­herigen Inhaber von Stammplätzen wieder als ständige Freunde des Theaters begrüßen zu können. Aber wir rechnen zuversichtlich, aus den Reihen der dem Theater noch Fernstehenden viele neue Stammplatzmieter zu gewinnen.

Als Platzmieter erhalten Sie 32 Vorstellun­gen, die sich auf

20 Schauspiele, 6 Opern, 5 Operetten und in jeder Mete 1 Sinfoniekonzert

verteilen. Diese Zusammenstellung bietet die best­mögliche Gelegenheit, anerkant gute Aufführungen eines vielgestaltigen Spielplans zu be­suchen. Die Intendanz hat für die ausscheidenden Mitglieder bewährte neue Kräfte verpflichtet, die mit den verbleibenden Darstellern sich zu einem Ensemble vereinen, das dem Charakter unseres Theaters und dem unter dieser Berücksichtigung aufgestellten Spielplan weitgehendst entspricht.

Die Theaterleitung glaubt alle Voraussetzungen getroffen zu haben, um dem Stammplatz-Mieter an seinem Theaterabend erlesene Kunst bieten zu kön­nen. Wer sich als Mieter meldet, braucht nicht seine meist tnapv bemessene Zeit durch langes Anstehen an der Kasse zu vertun. Sein ständiger, fester Platz am bestimmten, von ihm selbst gewählten Tag ent­hebt ihn dieser Unannehmlichkeiten. Auch für etwai­gen Verhinderungsfall des Besuchers sorgt die The­aterleitung; denn die mit der Stammkarte ausge­lieferten Gutscheine ermöglichen bei Nichtbesuch einer Vorstellung den Umtausch. Ganz abgesehen davon, ist die Stammkarte auch übertragbar, so daß man ohne vorherigen Umtausch auch Verwandte, Freunde oder Bekannte ins Tyeater gehen lassen kann. Die

Sonnkag-Morgenveranstallungen, ein erfolgversprechender Versuch der letzten Spielzeit, werden systematisch und programmatisch weiter ausgebaut und finden etwa alle 14 Tage statt. Für unsere Platzmieter ist der Besuch dieser Veranstal­tungen kostenlos. Außer den im Spielplan ange­führten Werken plant die Intendanz eine ganze Reihe bedeutender Gastspiele und bemerkens­werter Sonderveranstaltungen. Zu diesen steht den Platzmietern außer dem Vorrecht der Bestellung noch verbilligter Eintritt zu auf Grund der ebenfalls zur Ausgabe gelangenden Dorzugsgutscheine. Selbstverständlich können diese Dorzugsgutscheine auch zu sämtlichen anderen Vorstellungen der Spielzeit eingelöst werden.

Aber außer diesen Vorteilen des Platzmieters auf Bevorzugung und Bequemlichkeit im Theater dürfte wohl der Hauptvorteil des Platzmieters gegenüber dem Ab-und-zu-Theaterbesucher in der wirklich groß­zügigen Preisgestaltung liegen. Im Vertrauen auf eine bestimmte Zunahme der Platzmieterzahl konnten die Preise für den regelmäßigen Theaterbesucher so festgelegt werden, daß dem Platzmieter eine Ver­billigung gegenüber den Tagesprei­sen bis zu 50 Prozent eingeräumt werden kann. Dazu kommt die Möglichkeit, die Platzmiete in a cht R ate n zu bezahlen. In der heutigen An­zeige sind aus der Aufstellung die finanziellen Vor­teile der Platzmiete klar ersichtlich. Die Platzmieten werden ausgegeben für Dienstag, Mittwoch, Freitag.

Bei der Aufftellung des Arbeitsplanes des Thea­ters ist dem Freitag eine besondere Bedeutung zugefallen; denn

fast alle Erstaufführungen der Spielzeit finden Freitags statt.

Daraus ergibt sich für die Inhaber der Freitags- Miete der Vorteil, daß der Freitagabend eine be­sondere, festliche Note erhält. Aus diesem Grunde hat die Intendanz die Freitag-Miete gegenüber dem Dienstag und Mittwoch um 10 Prozent erhöht.

Wie bisher ist der Mittwoch vor allem den auswärtigen Besuchern vorgemerkt. Durch zeitigen Beginn der Vorstellungen ist auch ein früher Schluß gewährleistet. Damit ist die Möglich­keit gegeben, daß die auswärtigen Besucher mit Ruhe das Ende der Vorstellung abwarten können und nicht in Sorge zu sein brauchen, überstürzt und Mt zum Bahnhof eilen zu müssen oder gar schluh überhaupt nicht mehr zu erreichen.

Wir wissen, daß mancher Theaterfreund sich sehr für das Theater einsetzt und recht eifrig für das Theater wirbt. Wir möchten diesen stillen Helfern uns erkenntlich zeigen. Die Theaterleitung hat da­her einen

Werbeprels eingesetzt. Dieser Werbepreis ermögtlicht jedem Theaterfreund, der einen neuen Platzmieter im 1., 2. oder 3. Ring wirbt, freien Theaterbesuch. Der Werbepreis gelangt in Form von Gutscheinen für jegliche Vorstellung nach eigener Wahl zur Aus­gabe, und zwar gelangen nur Gutscheine für Plätze des 1. Rings, auch wenn der Geworbene etwa im 2. oder 3. Ring seinen Mietplatz wünscht. Und zwar kommen für

2 neue Platzmieter 3 Karten des I. Rings

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10 16 I.

20 1 Freiplatzmiete im I. Ring

Für den künstlerisch interessierten Menschen han­delt es sich aber nicht nur um die rein wirtschaft­lichen Vorteile der Platzmiete. Die Vorteile des regelmäßigen Theaterbesuches liegen auch auf ide­ellem Gebiet. Durch Miterleben mit dem Geschehen auf der Bühne lassen wir Dichtung, Musik, Gesang auf uns wirken und werden innere Werte sammeln. Vergleichen wir einmal die Ausgaben für die Nich­tigkeiten des Lebens mit denen für Theater und Musik, dann werden wir feststellen müssen, was man dem Theater zahlt, macht nur einen Bruchteil aus gegenüber der Summe, die man vielfach gedankenlos dem Alltag opfert. Goethe nennt den Theaterbesuch ein Fest, das mit keinem anderen zu verglei­chen" ist.

Der Platzmieter bekennt sich mit dem Erwerb der Platzmiete zur Arbeit des Theaters und seinen künst­lerischen Richtlinien und tritt gleichzeitig den tat­kräftigen Beweis dafür an. Er bekundet seine kul­turelle Einstellung und seinen ernsten Willen zur Kunst. Die künstlerische Leistungsfähigkeit, die Durch­führung des aufgestellten Spielplans und letzten Endes das Weiterbestehen des Stadttheaters Gießen werden durch den Platzmieter gewährleistet. Aus die­ser Erkenntnis hat die Intendanz ihrerseits alles ge­tan, das Vertrauensverhältnis zwischen Platzmieter und Bühne weitgehendst zu fördern. Wir setzen da­her auch so früh mit der Werbung ein, um allen Wünschen möglichst entgegenzukommen.

Wer Wert auf einen guten Platz legt, muß sich so­fort melden. Die Theaterkasse, Johannesstraße 3, Telephon 2930, ist werktäglich von 10 bis 13 Uhr geöffnet und zu allen Auskünften und Anmeldungen bereit.

SJ.-fpor/

Aus dem heimischen Fußball-Vezirk.

Spielvereinigung 1900 Gießen.

Spv. Wehlar 1900 Liga.

Am heutigen Samstag treten die 1900er beim Spv. Wetzlar zu einem Gesellschaftsspiel an. Es ist eine alte Ueberlieferung, daß sich die Vereine der nähe­ren Umgebung, die während der Verbandsspiele in harten Kämpfen Zusammentreffen, sich auch einmal in Prioatspielen gegenüberstehen. Wenn diese Spiele auch nicht immer den Charakter eines Freundschafts­treffens tragen, dann hat das darin feine Begrün­dung, daß hier ganz andere Momente mitspielen, als bei irgendeinem anderen Spiel. Bei einem Lokaltreffen sind es die örtlichen Verhältnisse, die dem Spiel seinen Charakter geben und bei diesem Spiel ist es der nachbarliche Zustand, der ihm sei­nen besonderen Rahmen verleiht. In diesen Spielen werden auch nicht immer die Leistungen gezeigt, die die Mannschaften sonst zu zeigen pflegen, denn durch die unwillkürlich bestimmten Umstände über­ragt der kämpferische Einsatz die spielerischen Eigen­schaften um ein beträchtliches. Meist ist doch der Ge­danke maßgebend, einen Sieg zu erringen. Die Chronik verzeichnet es ja nicht, auf welche Art und Weise der Erfolg zustande kam, sondern lediglich, daß nach den und den Niederlagen wieder solch beachtliche Siege errungen worden sind.

Unter diesem Eindruck wird auch der heutige Kampf stehen. Die Wetzlarer werden bestrebt sein, ihre Erfolgserie aus den Verbands- und Pokal­spielen fortzusetzen, während die Blau-Weißen dar­auf bedacht sind, wieder einmal einen Sieg zu er­ringen. Ob dies in der Aufstellung Schmidt; Zeiler, Lippert; Langsdorf, Heilmann, Jäger; Schellhaas, Ranft, Enders, Garth, Hain möglich sein wird, hal­ten wir für sehr fraglich. Der Sturm müßte dann schon wie umgewandelt sein, wenn er gegen die harte Verteidigung der Platzbesitzer mit Erfolg be­stehen könnte. Es wird wohl wieder Aufgabe von Lippert und Zeiler sein, daß Schmidt nicht allzuviel Arbeit bekommt.

1900 AH. Bad-Nauheim AH.

Am Sonntag findet das Rückspiel der AH.-Mann­schaften statt. Hier läßt sich ein voraussichtlicher

Sieger nicht bestimmen. Der Spielverlauf in Bad- Nauheim zeigte, daß beide Mannschaften ziemlich gleichwertig sind. Es wird also auch hier wieder die Tagesform entscheiden.

VfB.-Reichsbahn Gießen.

VfV.-Reichsbahn 2. Herbornseelbach 1.

Die 2. Mannschaft empfängt zum Rückspiel die 1. Mannschaft von Herbornseelbach. Im Vorspiel konnten die Gießener gegen die Gäste, die einen Mittelplatz der Kreisklasse der Gruppe Dill einneh­men ein Unentschieden auf dortigem Gelände her­ausholen. Da die Gießener in diesem Spiele den Vorteil des eigenen Platzes haben, so müßten sie nach diesem Ergebnis einen Sieg erringen. Da aber gerade die Spielstärke der 2. Mannschaft seit dem Vorspiel bedeutend nachgelassen hat, so liegt ein Sieg näher für die Gäste, als für die Hiesigen. Nach langer Zeit haben die VfBer endlich wieder einmal ihre komplette 2. Mannschaft zur Stelle. Es ist daher allein entscheidend, wie die Gießener sich spielerisch zusammenfinden Ein interessantes Spiel ist zu erwarten.

VfB.'Reichsbahn 1. 3gb. So. 05 Wetzlar 1. 3gb.

Bekanntlich konnten die VfBer sich in der hiesigen Kreisgruppe durchsetzen. Desgleichen die Wetzlarer in der dortigen Gruppe. Das Vorspiel konnten die Wetzlarer auf eigenem Gelände knapp mit 2:1 Toren gewinnen. Bei diesem Spiele waren die Wetz­larer auch unbestritten die bessere Mannschaft. Aller­dings spielten oie Gießener damals offensichtlich unter ihrer sonstigen Form. Zum morgigen Ent­scheidungsspiel bringen beide Vereine die stärksten Aufitellungen, die sie zur Zeit haben. Da beide Mannschaften über ein spielerisches Können ver­fügen, das weit über dem Durchschnitt liegt, so werden die Zuschauer bestimmt ein interessantes Spiel zu sehen bekommen. Beide Mannschaften ver­fügen übr gute Hintermannschaften und auch über Läuferreihen, die sowohl im Aufbau als auch in der Abwehr gut sind. Die Entscheidung wird jedoch bei den Stürmerreihen liegen. Beim Vergleich dieser Mannschaftsteile dürfte der Wetzlarer Jnnensturm

dank des körperlichen Einsatzes der drei Innensple- ler besser sein, während bei den Gießenern die rechte Seite die Entscheidung bringen könnte. Schiedsrichter ist Weinandt- Leihgestern.

Die 2. Jugend fährt nach Bad-Nauheim und spielt für die 1. des Vereins das fällige Rückspiel gegen Bad-Nauheims 1. Für die Gießener dürfte es nur darauf ankommen, mit einer möglichst knap­pen Niederlage nach Hause zu kommen, da die Nau­heimer 1. Igo. ihnen spielerisch und körperlich über­legen sein sollte. Ein Unentschieden wäre für die Gießener ein Achtungserfolg und würde darüber hinaus eine Ueberraschung bedeuten.

Spielabteilung Tv.1889 Klein-Linden

Klein-Linden 1. 3gb. Spvgg. 1900 1.3gb.

Heute abend trägt die erste Jugend ihr Pflicht­spiel gegen die erste Jugend der Spieloereinigung 1900 Gießen aus. Die beiden Mannschaften haben ihre Kräfte bisher in drei Spielen gemessen, von denen jede Mannschaft eins für sich entscheiden konnte und das dritte einen unentschiedenen Aus­gang nahm. Samstag abend treffen daher zwei in ihren Leistungen ziemlich ausgeglichene Mannschaf­ten aufeinander, von denen jede bestrebt sein wird, zu beweisen, daß sie stärker ist.

Klein-Linden I Leihgestern I.

Am Sonntagnachmittag tragen die aktiven Mann­schaften der vorgenannten Vereine ein Freund­schaftsspiel in Klein-Linden aus. Das Vorspiel in Leihgestern endete wider Erwarten mit einem 3.1- Sieg der Klein-Lindener Turner. Dieser Sieg war jedoch nur einer Mannschaft möglich, die sich bis auf den letzten Mann vollständig einsetzte. Die Kampfkraft und technische Leistung der Klein-Lin­dener ersten Mannschaft ist in letzter Zeit durch Ver­hinderung einiger Spieler erheblich geschwächt wor­den. Leihgestern hat dagegen trotz der 5:1-Nieder- läge gegen die Liga der Teutonia Watzenborn- Steinberg bewiesen, daß sich die Mannschaft auf beachtlicher spielerischer Höhe befindet. Kommenden Sonntag treten beide Mannschaften wieder in stärk­ster Aufstellung an. Man erwartet einen anregen­den Kampf.

Fußballabteilung des Turnvereins Alten-Buseck.

Alten-Buseck 1. 3ugenb Lollar 1. 3ugenb.

Am morgigen Sonntag herrscht auf unserem Sportplatz reger Spielbetrieb. Drei Mannschaften treten auf den Plan. Die erste Jugend-Mannschaft eröffnet den Reigen mit einem Pflichtspiel gegen die 1. Jugend von Lollar. Da Alten-Buseck seit langer Zeit wieder zum erstenmal komplett antritt, ist der Ausgang des Spieles offen.

Allen-Bufeck 1. Schüler 1900 1. Schüler.

Die Schüler messen dann ihre Kräfte mit der 1. Schüler-Mannschaft von 1900 Gießen.

Allen-Buseck I Steinbach I.

Als Hauptspiel steigt das Treffen Alten-Buseck I gegen Steinbach I. Die Gäste konnten in ihren letzten Spielen beachtenswerte Ergebnisse erzielen. Da beide Mannschaften gleich spielstark sind, ist mit einem anregenden Kampf zu rechnen.

Fußball im Tv. Allendorf (Lahn).

Heuchelheim 2. 3gb. Allenborf/Lahn 1. 3gb.

Als erstes Spiel der Rückrunde steht am nächsten Sonntag das fällige Pflichtspiel der genannten Mannschaften in Heuchelheim auf dem Plan. Da beide Mannschaften als gleichwertig anzusehen sind, dürfte ein spannendes Spiel in Erwartung stehen. Die Allendörser müssen leider mit 2 Ersatzleuten antreten.

Kreismeisterschasten der Leichtathleten.

lieber 200 Teilnehmer geben mehr als 700 Meldungen ab.

Der Waldsportplatz des VfB.-Reichsbahn wird am Sonntag zum Großkampfplatz. Jungen-, Mäd­chen-, Frauen- und Männer-Meisterschaften des Sportkreises Gießen, heißt die Parole. Es geht auf­wärts im heimischen Leichtathletik-Lager. Noch nie

. 0 weh, Bubi will nicht- essen - Muth hat Schram s Pudding vergessen!

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Roman von Marlise Kölling.

Urheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau.

39 Fortsetzung Nachdruck verboten!

Die beiden Bootsleute zerrten den fast hilflosen Körper Petersens an die Reling heran, Hans- Hermann sah, wie der Widerstand des noch halb Betäubten schwach und schwächer wurde. Jetzt hoben alle drei Männer mit voller Kraft den Körper über die Reling ein Stoß, ein dumpfes Auf- klatschen--Don seinem Versteck aus konnte

Hans-Hermann den hilflosen Körper in den Wellen treiben sehen.

Da verließ ihn jede Besinnung, jede Vorsicht. Er wußte nur eins: er mußte diesen Menschen retten, et mußte ihn retten, obwohl er eigentlich sein Feind war, obwohl er ihm Benedikte fortgenommen hatte. Er konnte ihn nicht sterben lassen um Benedik» tes und seiner eigenen Männerehre willen. Kaum waren die drei Männer um die Biegung des Laus­ganges verschwunden, lief Hans-Hermann aus fei­nem Versteck hervor; schon war er an der Reling, da hörte er Rufen, Laufen, Schreien.

Nicht rückwärts sehen", dachte er. Er sprang ab, brausend umfingen ihn die Wellen. Oder war es nicht das Brausen des Wassers? Kam von irgend- woher dieses dröhnende Geräusch? Er wußte es nicht. Er tauchte nach einem weiten Bogen an der Oberfläche auf.

Plötzlich peitschte em Schuß und noch einer ein Aufschrei von Hans-Hermanns Lippen, das Wasser um den getroffenen Körper färbte sich rot.

Jetzt aber klang das Dröhnen lauter und lauter, es war über der Jacht, über den entsetzt aufschauen- den Verbrechern. Es brauste herab, der große Rie- senvogel glitt auf die Fluten nieder, nahe der Jacht, ein Sprachrohr ertönte: . .

Keinen Schuß, Hände hoch oder wir schießen euch in Grund!" Eine bebende Frauenstimme aber rief:Jens, Jens, komm, zeig' dich, Jens!

20.

Der Juli war mit goldenen Garben, mit Grnte* kränzen von leuchtendem Mohn und tiefblauen Korn­blumen durchs Land gezogen. Die Erntelieder waren verklungen, in den Scheunen aus Oevenshöe sangen die Dreschmaschinen ihr gleichmäßiges Lied.

Benedikte Zedlitz aber wußte nichts von Ernte­freuden und Erntefeier. Ihre geliebte Insel, ihr

Haus, ihr Stück Erde muhte sie der treuen Kame­radschaft anderer Menschen überlassen. Sie saß Tag für Tag in der Stadt in dem kühlen, dämmrigen Krankenzimmer am Bett Jens Petersens.

Vierzehn Tage lang hatten die Aerzte um diesen Körper mit dem Tode gerungen. Jeden Abend, wenn Benedikte das Krankenhaus verließ, war in ihr die verzehrende Angst gewesen: Wirst du den liebsten Menschen am nächsten Tage noch lebend Wiedersehen?

Aber endlich war die Macht des Fiebers ge­brochen, die wilden Phantasien wurden ruhiger. Wenn Benedikte neben dem Kranken saß und ihre Hand auf feine heiße Stirn legte, schien etwas wie Frieden in feine fiebergepeinigte Seele einzuziehen.

Schmal und blaß war Benedikte in diesen Wochen geworden. Aber das bewirkte nicht nur die Angst um das Leben des Geliebten, es war auch tiefe, bittere Reue in ihr. In feinen Fieberphantasien hatte er ihr das Geheimnis um Marie Krüger ver­raten, ohne es zu wissen.

Sie begriff jetzt, warum er so beharrlich geschwie­gen. Er hatte einer Toten das Gelöbnis gegeben und mochte es nicht brechen.

Marie hatte ihn mit einer leidenschaftlichen tie­fen Liebe geliebt. Er war ihr zugetan gewesen wie ein Bruder einer Schwester. Sie aber hatte sich da­mit nicht begnügen wollen. In ihrer Verzweiflung über ihre unerwiderte Leidenschaft hatte sie in einer Sommernacht nach einem Tanzvergnügen auf die Worte eines anderen Burschen gehört. Dann war das Unglück gekommen, die drohende Schande. Ehe sie ins Wasser ging, hatte sie Jens Petersen einen Brief hinterlassen und ihn angefleht, nichts von ihrer Schande zu verraten.

Er hatte fein Wort gehalten. Geduldig trug er die bösen Reden, die aus dem Elternhause der Ma- rie Krüqer gegen ihn kamen. Man hatte ihn in Verdacht, am Tode Maries schuld $u sein. Wenn auch das ganze Dorf sonst zu ihm hielt, etwas von dem Schatten dieses Verdachtes blieb doch auf ihm, machte ihn müde und still. Aber das Mädchen hatte ihn in ihrer letzten Not angefleht, zu schweigen. Dieses Schweigen hatte er gehalten, auch um den Preis feines eigenen Glückes.

Das alles wußte Benedikte aus den wirren Re- den Jens Petersens. Wenn sie am Abend nach der Heimkehr aus dem Krankenhaus m ihrem gemiete- ten Zimmer saß, dann konnte sie nrnner nur noch demütig um eins bitten: daß das Schicksal ihr den Liebsten nicht nähme, ehe sie ihm wenigstens ihre Reue bekannt hätte.

Lüders und wie sie alle hießen. Eines Tages kam mit dem Extradampfer die ganze Schule angerückt, die kleinen Mädchen in ihren steifen, gestärkten, weißen Sonntagskleidern, die Jungens geschniegelt und gestriegelt, daß es nur so glänzte. Alle aber brachten ihrem geliebten Schulmeister etwas mit: Blumen, ein paar frische Gier, ein paar geräucherte Flundern, selbstgebackenes Brot. Es war rührend, was sie alles anschleppten.

Wie sie dich alle lieben", sagte Benedikte, als die fröhliche Schar, von ihr mit Kaffee und Kuchen bewirtet, wieder zum Dampfer gezogen war.Ich werde ganz eifersüchtig."

Da sah Jens Benedikte zärtlich an:Du wirst immer das Liebste in meinem Leben sein."

Auch Fräulein Giesecke erschien glücklich und auf­geregt, um Bericht zu erstatten. Alles im Hause Endlich allein", in Hof und Garten, auf Wiesen und auf Feldern, ging gut. Es schien jeder Fischer und Bauer auf Oevenshöe feine Ehre darein zu setzen, Benedikte zu vertreten. Auch Josua kam an, grinsend, glücklich und von den Insassen des Kran­kenhauses nach Gebühr bestaunt.

Jens Petersen konnte nicht genug von Oevenshöe hören. Das einzige, was ihm zu seinem Glück fehlte, war seine geliebte Insel. Dann tröstete ihn Benedikte:Noch eine kurze Weile, Liebster, und wir sind wieder dort."

Ja, Oevenshöe war der Inhalt aller ihrer Ge­spräche: ihre Zukunft, ihre Ehe in dem Schulhaus, das alles konnten sie sich nicht genug ausmalen. Nur einer Frage wich Benedikte auf Wunsch des Arztes immer aus, der Frage Jens Petersens: Was ist mit Hans-Hermann geworden?" Dann sagte Benedikte:Es geht ihm gut, ich werde dir später davon erzählen, was wollen wir uns jetzt mit dieser Erinnerung quälen?"

Erst als Jens Petersen wieder vollkommen kräf­tig war, erfuhr er die volle Wahrheit: Hans-Her­mann war bei dem Versuch ihn zu retten, tödlich getroffen worden und noch in derselben Nacht sei­nen schweren Verletzungen erlegen.

Als Jens Petersen das erfuhr, war er lange, lange sehr still. Benedikte überließ ihn seinen Ge­danken, sie wußte, was es für einen Menschen wie Jens Petersen bedeuten mußte, daß ein anderer für ihn gestorben war. Schließlich sagte sie sanft: Gönn' es ihm, Jens, er ist nun von allem befreit. Er war so sehr in die Irre gegangen. Aber in der Nacht, ehe er starb, sagte er zu mir:Ich bin doch froh, Benedikte, ich habe vieles wieder gutmachen können." Schluß folgt.

Nun war es schon drei Wochen her, seit Jens Pe­tersen krank lag. Heute zum ersten Male empfing die Krankenschwester Benedikte mit der freudigen Nachricht:Der Patient ist bei klarem Bewußtsein, aber seien Sie vorsichtig, Fräulein Zedlitz, nicht viel sprechen, nichts Aufregendes, damit wir keinen Rückfall bekommen/'

Benedikte nickte, ganz blaß vor Freude und Er­regung. Tränen des Glücks stiegen in ihre Augen. Leise und behutsam öffnete sie die Tür zum Kran- kenzimmer. Die Fenster waren weit offen. Das warme Morgenlicht flutete ins Zimmer, \eate sich schmeichelnd über das abgezehrte Antlitz des Kranken.

Jens Petersen horte ein Geräusch. Mühsam wandte er den Kopf, ein Nachdenken, ein Fragen kam in feine Augen. Da war Benedikte auch schon bei ihm.

Sie legte einen Strauß leuchtender Sommer­blumen sanft auf die abgemagerten Hände Jens Petersens und dann beugte sie sich über diese Hände und küßte sie.

Benedikte, du?" flüsterte Jens.Du bist bei mir, du bist mir nicht mehr böse?"

Still, still. Liebster", Benediktes Stimme war von Tränen erstickt,nicht sprechen, nur gesund werden, nur gesund werden!"

Da tastete Jens Petersen nach Benediktes Gesicht. Sie beugte sich über ihn, er streichelte ihre Wangen:

Gesund werden für dich", flüsterte er. Dann legte er den Kopf zufrieden auf das Kissen und schlief der Genesung entgegen.

Von Tag zu Tag ging es nun aufwärts mit Jens Petersen. Täglich nahmen seine Kräfte etwas zu. Das Fieber hatte den Körper endgültig ver­lassen. v _

Benediktes sanftem Zureden gelang es, den Pa­tienten zum Essen zu bringen. Nach ein paar la­gen konnte man ihn schon im Rollstuhl heraus- fahren in die blühende Sommerherrlichkeit des großen Krankenhausparks. Benedikte wich von früh bis spät nicht von Jens Petersens Seite. Sie mußte jede Minute mit dem Liebsten teilen, denn allzu viel Zeit hatte sie ja in Trotz und Mißtrauen ver- säumt. Ohnehin hatte sie Jens am Nachmittag kaum jemals allein. Denn sowie sich die Nachricht von seiner Genesung auf Oevenshöe herumgesprochen hatte, riß die Kette der Besucher nicht mehr ab. Einer nach dem anderen tauchten sie auf, die Fi­scher und Kameraden, die ehemaligen Schüler, Hein