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Nr. 156 Dritter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, 15. Zuni (956

Aus der Provinzialhauptstadt

Mäd-

rend die Stenographie Gabelsbergers sich beson­ders in Süddeutschland und Oesterreich einführte, hatte die Kurzschrift Stolzes in Preußen viele An­hänger gefunden.

Ein guter Kenner der Gabelsbergischen Steno- grahie war Karl F a u l m a n n, geboren 1835 in Halle an der Saale, gestorben 1894 in Wien. Er war vom einfachen Schriftsetzer zum Schriftsteller und schließlich sogar zum Professor aufgerückt. Faulmann schlug in seiner Schrift eineradikale Reform der Gabelsbergischen Stenographie" und Verschmelzung der Systeme Gabelsberger und Stolze vor.

Ferdinand Schrey,

geboren 1850, ist auch aus der Gabelsbergerschen Schule hervorgegangen. In den sogenannten So­linger Thesen setzte er eine Trennung des Gabels­bergerschen Systems in eine Korrespondenz- und Debattenschnft durch. Unterstützt von einigen ande­ren Gelehrten ließ er im Jahre 1887 sein Lehrbuch Vereinfachte deutsche Stenographie" erscheinen. Die Hoffnung Schreys, sein System als Einheits­system für Deutschland einzuführen, ging trotz seiner geschickten Reklame nicht in Erfüllung, doch kam es im Jahre 1897 zu einer Einigung seines Systems mit dem von Stolze unter dem NamenStolze- Schrey", das in Deutschland große Verbreitung fand.

Die Anhänger der Systeme Gabelsberger und Stolze-Schrey standen bis zur Gründung der Deut­schen Einheitskurzschrift in schärfstem Wettkampf.

Der Weg zu einer Einigung war ein sehr schwie­riger. Schon vor über 80 Jahren wurden die er­sten Versuche zu einer Einigung zwischen den bei­den alten Systemen Gabelsberger und Stolze un­ternommen. Viele vergebliche Anläufe wurden un­ternommen zu einer Einigung auf stenographischem Gebiet. Besonders tat sich hierbei der Vorsitzende des Deutschen Stenographenbundes Gabelsberger, Oberstudiendirektor Professor Ed. P f a f f hervor. Viele Konferenzen fanden statt, und oft schien es fo, als ob es ganz und gar unmöglich wäre, die beiden Schulen zu vereinigen. Endlich, am 20. Sep­tember 1924 wurde von dem Reichsministerium

Franz Xaver Gabelsberger, geboren 1789, gestorben 1849, ist als Erfinder der deutschen Stenographie zu bezeichnen. Er war der Mann, der als erster ganz andere Bahnen ein­schlug, indem er seine Zeichen aus sich flüchtig schreibenden Teilen der gewöhnlichen Langschrift

entnahm. Von 1817 ab arbeitete er an seinem Lebenswerk, eine in jeder Hinsicht vollkommene Schnellschrift zu schaffen. Im Jahre 1834 erschien sein WerkAnleitung zur deutschen Redezeichen­kunst oder Stenographie . Er hat 366 Seiten dieses 1560 Seiten starken Buches selbst mit seiner feinen und gefälligen Schrift lithographiert. Seine deut­liche Vokalbezeichnung, Hoch- und Tiefstellung, Ver­stärkung und Wölbung und Verdichtung sind wun­derbar durchdachte Schöpfungen, und in seinen, auf Grund logischen Denkens, aufgestellten Regeln über die Anwendung von Wort- und Satzkürzungen setzte er seinem Werke die Krone auf. Alle späte- teren Erfinder haben mehr oder weniger sich den Grundregeln Gabelsbergers angepaßt.

Neben Gabelsberger hat

August Wilhelm Stolze,

geboren 1798, gestorben 1867, die Entwicklung der deutschen Kurzschrift wesentlich beeinflußt. Sein WerkAnleitung zur deutschen Stenographie oder Kurzschrift" erschien im Jahre 1845. Stolze ging teils andere Wege als Gabelsberger, die besonders in der Dreizeiligkeit seiner Zeichen bestanden. Wäh­

Die Entwicklung der deutschen Kurzschrift

Ein geschichtlicher Rückblick

aus Anlaß des Gautages der Stenographen in Gießen.

NS.-Lehrerbund, Kreis Gießen, Abteilung chenerziehung (technische Fächer), 15 Uhr in der Mädchen-Berufsschule, Gießen: 1. Haltbarmachung von Obst und Gemüse eine volkswirtschaftliche Not­wendigkeit (Heß, Leihgestern); 2. Der Handarbeits­unterricht im 6. Schuljahr (Hahn, Wieseck). Gloria-Palast, Seltersweg:Hinter den Kulissen . Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Maskerade". Reichstreubund: 20.15 Uhr Kameradschaftsabend mit Angehörigen im Cafe Ebel. Deutsche Steno-

Das Glück in der Stille.

Von Otto Reutter gibt es einen Schlager, der in jeder Strophe die Unruhe und die Hast schilderte, mit der gar viele Menschen durchs Leben jagen, mit der Uhr in der Hand!" Alle diese Zeitjager, die immer von einer Pflicht zur anderen gehetzt werden und nie zur Ruhe kommen, vergessen ganz unbewußt ihr Eigenleben. Sie wissen vor lauter Pflichten nicht ein und aus, das Wort Stillestehen kennen sie nicht. Und wie nötig ist es doch für viele Menschen!

In den letzten Jahrzehnten hat das Hasten im Erwerbsleben immer mehr zugenommen. Es ist beinahe so, als ob die Menschen gleich den Ma­schinen durchs Leben rasen müßten. Ja, viele sind nicht mehr die Herren der Maschine, sondern ihre Diener.

Ein arbeitsreiches Leben ist schön, und jeder, der zum Müßiggang gezwungen wurde, weiß den Se­gen der Arbeit zu schätzen. Aber die Sucht nach Geschäftigkeit darf nicht ausarten, es darf nicht eine Aufgabe die andere ablösen. Auf eine starke An­spannung muß eine Entspannung folgen, sonst ent­steht großer Schaden.

In den meisten Fällen können diese Vielbeschäf­tigten nach keiner Seite hin Maß halten, auch nicht bei sogenannten Zerstreuungen, bei Vergnügen, bei Erholungsreisen usw. Sie betrachten diese Abwech­selung des Lebens als ein Pensum, das unbedingt erledigt werden muß. So gehen sie mit tausend Plänen und ungelösten Fragen in das Wochen­ende, sehen weder links noch rechts, spüren nichts von den Kräften, die ihnen die Natur draußen geben kann, und kehren dann müde und ärgerlich nach Haufe. Sie haben die ersehnte Erholung nicht gefunden und glauben nun, sich mit erhöhtem Eifer in ihre Arbeit stürzen zu müssen. Selbst einen län­geren Urlaub können sie nicht ausnützen. Ziellos durchstreifen sie unsere schöne Heimat und sehnen sich nach ihrer Arbeit.

Und doch brauchen wir die Stunden der Stille so nötig wie die Pflanzen den Regen. Wir müssen diese Stille haben, um tiefe Eindrücke zu verarbei­ten, um Lasten und Sorgen abzuschütteln. Erst dann können wir neue Kräfte sammeln und frisch gestärkt an unsere Aufgaben herantreten.

Menschen, die ihre Alltagssorgen ablegen können wie ein altes Gewand, sind sehr selten. Sie sind zu beneiden, denn ihnen bringen diese Stunden der Ruhe Entspannung, innere Sammlung und Er­holung. Sie werden däs Leben viel eher meistern als alle geschäftigen Menschen, dienie Zeit haben".

Aber die Stille kann uns erst dann nützen, wenn wir allein sind. Wer nicht versteht, mit sich selbst zu reden, in sich hineinzuhorchen, der wird sich langweilen. Deshalb suchen gerade die Menschen, deren Nerven in aufreibender Arbeit Schaden ge­nommen haben, immer wieder neue Zerstreuungen. Und doch sinden sie nur Heilung in jenen stillen Stunden, in denen sie Abstand genommen haben von der Hetzjagd des Lebens. Sie müssen zu sich selber kommen. Sie müssen fühlen und erkennen, daß über all der Arbeit und dem Dorwärtsstreben die eigene Seele nicht zu kurz kommen darf. Alle großen Gedanken wurden in der Stille geboren, niemals in der Hast des täglichen Lebens.

Für jede Arbeit können einige Tage der Ruhe unendlich viel bedeuten. Wir können Rückschau hal­ten und dabei Fehler und Irrwege feststellen, die wir nie bemerken, wenn wir immerim Betrieb stecken". Neue Pläne können auftauchen, in aller Ruhe erwogen und mit Sorgfalt geprüft werden.

Gar manches Bittere, das uns das Leben brachte, wird vergessen in diesen Stunden. Ein paar Wochen auf dem Lande, in fremder Umgebung, wirken oft Wunder. Aber wir brauchen nicht immer eine Reise zu unternehmen, um uns ganz der Stille hingeben zu können. Ein Tag draußen im Sommerwald, unter dem schützenden Blätterdach, umsummt von Insekten, beim Gesang der Vögel und im Duft der Blumen kann uns unendlich viel schenken.

Dornoiizen.

Tageskalender für Samstag

Rotkreuz-Oienft drinnen und draußen

Aus dem Wirken der Ganitätskolormen.

sten eingeweiht werden konnte, und dessen Pläne von unserem Führer Adolf Hitler persönlich über­prüft worden sind.

K. H. Kuhl, Führer des Kreisgebiets Gießen der Deutschen Stenographenschaft.

bekanntgegeben, daß die Regierungen von Bayern, Sachsen Baden, Hessen, Thüringen, Hamburg und eine Reihe kleiner Länder ebenso wie einige Reichs­oerwaltungen dem Einigungsentwurf ausdrücklich und die übrigen beteiligten Länder stillschweigend zugestimmt hätten. Die Richtlinien für die Ein- fuhrung der Einheitskurzschrift in den Schulunter- ncht und den amtlichen Verkehr wurden festqe etzt. Die Schule Gabelsberger hatte sich der Einheits- kurzschnft in überwiegender Mehrheit angeschlos- jen, während auf Stolze-Schreyescher Seite eine Anzahl führender Personen nocheine Weiterent- wicklung der Einheitskurzschrift im Sinne einer fortschrittlichen Entwicklung" forderte.

Nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler wurden aber auch die noch wenigen Außenseiter in die Rechen der Deutschen Kurzschrift geführt. Durch die im Januar dieses Jahres von den ersten Ken­nern der Stenograhie und den maßgebenden Stel­len der Reichsregierung festgelegten neuen System­urkunde ist die Deutsche Kurzschrift noch wesentlich vereinfacht worden, doch wird sie von jedem Ken­ner der alten Schriftform mühelos gelesen.

Endlich ist der Traum aller wirklich begeisterten Stenographen in Erfüllung gegangen: ein deutsches Volk, eine deutsche Sprache, eine deutsche Schrift und eine deutsche Kurzschrift.

Ein Denkmal der Einheit auf stenographischem Gebiet wurde in dem Haus der Deutschen Steno­graphenschaft gesetzt, das in Bayreuth zu Pfing-j

graphenschaft: 20 Uhr an der Universitätsbibliothek zum Abendspaziergang.

Tageskalender für Sonntag.

Großkundgebung der NS.-Frcmenschaft, 15 Uhr, tn der Volkshalle. 11 bis 12 Uhr Militärkonzert Zugunsten des Roten Kreuzes am Hindenburgwall. Deutscher Biologenverband, Ortsgruppe Gießen, gemeinsam mit der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: 11.15 Uhr Filmoortrag Deutscher Seidenbau" von Dr. Max Cretschmar im Gloria-Palast. Obst- und Gartenbauverein Gießen: 9 Uhr Treffen vor WäschereiEdelweiß" zum Garten-Rundgang. Oberhessischer Gebirgs- oerein: Ausflug, Abfahrt 8.03 Uhr. Oberhessischer Kunstverein: 11 bis 13 Uhr und 16 bis 19 Uhr AusstellungFrauenbildnis mit Schmuck" im Foyer des Stadttheaters. Gloria-Palast, Selters­weg:Hinter den Kulissen". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Maskerade".

Heimatkunstdichtung unter Berück­sichtigung von Hermann Stehr."

Die Deutschkundliche Fachschaft der Abteilung Höhere Schule im NS.-Lehrerbund hielt am Frei­tagnachmittag in der Oberrealfchule eine Fach­schaftssitzung ab. Der Fachschaftsleiter Oberstudien­rat Dr. Kiefer erledigte zunächst organisatorische Fragen, die mit der Bekanntgabe, daß für die nächste, erst nach den Sommerferien stattfindende Sitzung ein Referat über Stefan George in Aus­sicht genommen sei, schlossen. Die Studienrätin Frl. Dr. Schlicht sprach dannlieber Heimatkunst­dichtung mit besonderer Berücksichtigung Hermann Stehrs". Die Vortragende zeigte wesensoerwandte Beziehungen jener Anfänge einer Heimatkunftdich- tung der 90er Jahre zu den heutigen Bestrebungen der Erziehung zum kämpferischen Menschen und führte aus, wie diese aus dem Empfinden der Landschaft und Rasse entstanden. In ihren Betrach­tungen über Hermann Stehr führte sie vor Augen,

Der Ruf des Deutschen Roten Kreuzes, mit prak­tischer Tat zu helfen, darf kein vergeblicher Ruf sein! Er geht alle Volksgenossen an, denn es sind sicherlich nur wenige, die nicht in irgendwelcher Form das Rote Kreuz bzw. die Sanitätskolonnen in Anspruch nahmen oder von dieser Seite frei­willige, rasche und damit doppelt wertvolle Hilfe erfuhren. Es ist kaum notwendig, davon zu sprechen, in welchem Ausmaß täglich von den Helferinnen und Helfern der Sanitätskolonnen eine völlig un­eigennützige Arbeit geleistet wird, eine durchaus nicht leichte Arbeit, die dazu noch von großem Ver­antwortungsbewußtsein getragen sein muß.

Bei kaum einer größeren Veranstaltung fehlen die Sanitäter, die immer bereitstehen, helfend ein­zugreifen, wo es notwendig ist. Immer müssen sie da sein, wo große Menschenmengen versammelt sind. Bei wie vielen Unglücksfällen sind die frei­willigen Helfer der Sanitätskolonnen zur Stelle, um den Verunglückten im Wagen rasch zum Arzt oder zur Klinik zu bringen? Wie oft hängt von der ebenso raschen wie sorgfältigen Tat das Leben eines Verunglückten ab.

Die Helferinnen und Helfer haben sich die gründ­liche Ausbildung und ständige Ergänzung ihres Wissens und Könnens nie zu viel sein lassen, opfern stets viel ihrer Freizeit, sind zu den in regelmäßigen Abständen stattfindenden Hebungen, auch zu Alarm­übungen in nächtlicher Stunde, bereit und fragen weder nach Anerkennung, noch jemals nach Lohn.

Zahlen sprechen eine deutliche Sprache! Der Jahresbericht der Freiwilligen Sanitätskolonne Gießen für das Jahr 1935/36 (aus dem wir hier nur einen kurzen Auszug geben) läßt das Ausmaß der gemeinnützigen Arbeit klar erkennen:

61 Wachen zu je fünf Mann wurden an Sonn- und Feiertagen gestellt, 61 Wachen standen bei Veranstaltungen und Kundgebungen bereit. Von den Sonntagswachen wurde in 235 Fällen Hilfe geleistet, darunter waren 102 Krankentransporte. Bei der Führerwahl am 29. März wurden 52 Transporte hilfsbedürftiger Personen ausgeführt. Auf der ständigen Rettungswache wurden außer den Transporten 335 sonstige Hilfeleistungen aus­geführt.

Einen Ueberblick über das Ausmaß der Hilfe­leistungen im Dienste der Nächstenliebe im Laufe eines Jahres geben aber erst die Gesamtzahlen des

jüngsten Jahresberichts: Nicht weniger denn 6477 Hilfeleistungen, darunter 1770 Transporte find ver­zeichnet! Nerven- und Geisteskranke wurden 67 be­fördert! Die vier Krankenkraftwagen der Kolonne fuhren im vergangenen Arbeitsjahr der Gießener Kolonne insgesamt 31200 Kilometer!

Das alles sind Leistungen, die der Volksgemein­schaft dienen. Angesichts dessen, kann es dem ein­zelnen nicht schwerfallen, auch einmal einen Bei­trag zu geben, der das Rote Kreuz in seiner Arbeit unterstützen hilft. Der Sammeltag für das Deutsche Rote Kreuz gibt allen die Möglichkeit, Dank und Anerkennung einem großen Werke abzustatten.

So wie die Freiwilligen Sanitätskolonnen vom Deutschen Roten Kreuz im Inland, so stehen deutsche Frauen und Mädchen, ebenfalls im Zei­chen des Roten Kreuzes, im Dienst an den deutschen Volksgenossen in den Kolonien, im Dienste der deut­schen Farmerfamilien in Afrika und anderen Erd­teilen. Auch diese Helferinnen müssen betreut wer­den. Für sie setzt sich der

Frauenverein für Deutsche über See" ein. Frauen und Mädchen, die sich dieser schwierigen Aufgaben der Nächstenliebe widmen wollen, wer­den in Berlin ausgebildet, treten ihren Dienst in fernen Ländern an, werden oft den deutschen Far­mern zu wertvollen und oft den einzigen Helfern in schweren Stunden, und stellen meist für diese Deutschen im Ausland auch die einzige Verbindung zur Heimat dar. Große Strecken müssen diese Hel­ferinnen oft über Busch und Steppe zurücklegen, ausgesetzt allen Unbilden der Witterung und den Gefahren, die ihnen in den fernen Ländern drohen.

Auch größere und viele kleine Stationen müssen unterhalten werden, sei es auch oft nur mit zwei ober drei Betten. All diese Arbeit, deren Segen wir im Mutterlande kaum ermessen können, muß ge­leistet werden mit denkbar geringsten Mitteln, aber mit um so größerer Aufopferung aller jener tap­feren Frauen, die sich in den Dienst dieser Arbeit stellen.

Es ist eine Ehrenpflicht und Ehrensache unserer Volksgemeinschaft, auch dieser Arbeit, die gleich­zeitig eine Vorpoftenarbeit des Deutschtums in den überseeischen Ländern ist, alle Unterstützung zu leihen

wie dieser über die Darstellungen der Menschen seiner schlesischen Heimat hinaus zum Deuter der Seele und zum Mystiker wurde, der darum mit Recht der deutscheHamsun" < genannt wird. In eingehender Weise gab die Rednerin einen lieber* blick über die sich um 1890 im Gegensatz zur deka* denken Großstadtliteratur entwickelnde Heimatkunst­literatur, die durch ihr Herkommen aus Landschaft und Volkstum zur bewußten Ablehnung des Inter­nationalismus führen mußte. In ihren ersten Ver­tretern Friedrich Lienhard, Sohnrey, Bartels und Timm Kröger ließ Frl. Dr. Schlicht das Wesen dieser von landschaftlicher Umwelt begrenzten, int Volkstum wurzelnden Heimatdichtkunst deutlich werden.

An einer Reihe der bis in die Jetztzeit bedeutend­sten Vertreter der Heimatdichtkunst bot die Red­nerin eine Auswahl der für den Unterricht ge­eigneten Lesestoffe, in denen dichterische Gestaltungs­kraft die Eigentümlichkeiten der Landschaften mit den Wesensarten der einzelnen Volksstämme der­art zu veranschaulichen verstanden, daß sie geeignet erscheinen, den Schüler zu den Erkenntnissen von Boden und Rasse und einer kämpferischen Lebens­auffassung zu führen. An den Vortrag schloß sich eine Aussprache an. Der Leiter der Abteilung Höhere Schule Prof. Dr. Adolph machte noch auf die Bezirksverfammlung am 17. dieses Monats aufmerksam, bei der das Thema der Frauen-Ober- schule behandelt werden wird.

NS.-Lehrerbund, Gießen.

Mittwoch, 17. Juni 1936, 16 Uhr, im Singsaal des Realgymnasiums: Kreisversammlung der Fach­schaft II (Höhere Schule). 1. Vortrag des Herrn Ober­studiendirektors S ch e l h o r n :Wesen und Aufgabe der Deutschen Frauen-Oberschule". 2. Ausführungen von Fräulein Bechtolsheimer zum gleichen Thema. (Aus der Praxis). Gäste willkommen.

Landschastsbund Volkstum undHeimat.

Ortsring Gießen.

Die Mitglieder des Bundes und der angeschlosse­nen Verbände werden zu regem Besuch des Film­vortragsDeutscher Seidenbau" am Sonntag, 14. Juni, im Gloria-Palast eingelaben.

Singtreffen des LVH. in Kloster Arnsburg.

Der Landschaftsbund Volkstum und Heimat veranstaltet am 4. und 5. Juli 1936 fein zweites ©aufingtreffen in Kloster Arns- bürg bei L i ch. Es hat sich im vergangenen Jahr erwiesen, daß die weiträumige Anlage der schönen, alten Klosterruine in besonderem Maße zur Ver­anstaltung eines Singtreffens geeignet ist. So soll denn in diesem Jahre wieder die große Kirchen­ruine und der wundervolle gotische Kapitelsaal, in die die Natur mit ihrer sommerlichen Lebendigkeit hineinspielt, die Teilnehmer des Treffens zu frohem Singen vereinen.

Die gemeinsame Arbeit beginnt Samstags um 20 Uhr mit einem Abendsingen im Kapitel­saal. Unter anderem wird bei dieser Gelegenheit der Singkreis Gießen eine Chorkantate von Diet­rich Buxtehude fingen. Im Mittelpunkt der sonn­täglichen Morgenarbeit soll ein acht stimmiger Doppelchor von Gabrieli, dem genialen Lehrer unseres Meisters Heinrich Schütz, stehen:Fröhlich zu sein in Ehren, das soll uns niemand wehren".

Die Nachmittagsarbeit endet mit der Schlußmusik um 16 Uhr, bei der das musikalische Gesamtergeb­nis des Tages in einer kleinen Feier zusammen­gefaßt werden soll.

Der LVH. wendet sich mit seiner Einladung zu diesem Treffen an alle, die ein echtes Verhältnis zum guten Volkslied und zu wertvoller Volksmusik haben.

Wir empfehlen sofortige Anmeldung an Otto Siegler, Gießen, Am Nahrungsberg 63, der auch nähere Auskunft über Einzelheiten gibt. In­strumentalisten melden sich unter Angabe ihres Instrumentes.