müsse uns ernste Mahnung sein, zusammenzuhalten. Wir alle könnten aber dem teuren Toten kein besseres Andenken bewahren als das, dem Führer die Treue zu halten.
Mit den Worten „Unserem gefallenen Kameraden wollen wir schwören, genau so zum Führer zu halten, wie er es tat!" schloß Kreisleiter Dr. Hildebrandt seine Ansprache. Mit dem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer, mit einem gemeinsam gesungenen Vers des L^des vom guten Kameraden und mit dem ersten Vers des Horst- Wessel-Liedes fand der Appell seinen Abschluß.
Ortsgruppe Mitte
Die Feierstunde der Ortsgruppe Mitte in Gemeinschaft mit der SA.-Reserve, HI. und zahlreichen Volksgenossen fand in der Aula der Universität statt. Nach dem Fahneneinmarsch leiteten die wunderbaren Klänge des Largo von Händel, dargeboten mit der Orgel, Cello und Geige, die Gedenkfeier ein. Ein Vorspruch eines Hitlerjungen leitete über zu den kurzen Eröffnungsworten des stellvertretenden Ortsgruppenleiters Dr. Kopp und seinem anschließenden Gedenken an die Gefallenen des Krieges und der Bewegung, deren Andenken bei gesenkter Fahne und dem Spiel des Liedes vom guten Kameraden stehend geehrt wurde. Der Grohsche Männerchor unter Leitung von Chormeister Philipp Groß brachte hierauf in sehr feiner Weise den Chor „Sanctus" von Schubert zu Gehör.
Sodann hielt Kreisamtsleiter Heß die Gedenkrede, der er das Wort des Führers zugrunde legte: „Jede Idee und jedes Volk sind so viel wert, als Männer bereit sind, für diese Idee und dieses Volk zu sterben." Er erinnerte an die gewaltigen Blutopfer des Krieges und an die Gefallenen des nationalsozialistischen Befreiungskampfes in dem jahrelangen Ringen im Reiche bis zu der Machtergreifung durch Den Führer und darüber hinaus bis zu dem jetzigen schmählichen Mord an dem Landesgruppenleiter Gustl off. In packender Weise wies er darauf hin, daß unser deutsches Volk in der Gefolgschaft seines Führers sich ganz der friedlichen Aufbauarbeit hingebe, dennoch aber draußen, jenseits unserer Grenzen, ein haßerfüllter Kampf gegen alles Deutsche geführt werde von den Menschen, die das heutige Deutschland hassen, weil sie als Fremde nicht zu uns gehören. Diesem Kampf ist auch Pg. Gustloff, der in treuer Gefolgschaft für Deutschland und seinen Führer arbeitete, und von allen guten Menschen des Schweizer Volks ebenso geachtet war, wie von allen Deutschen, durch die Kugeln des jüdischen Mörders zum Opfer gefallen. Mit ihm ist ein aufrechter, treuer deutscher Mann, der seine Pflicht für sein deutsches Volk und seinen Führer bis zum letzten Augenblick in vorbildlicher Weise erfüllte, durch feige Mörderhand dahingerafft worden. Mit den Familienangehörigen steht das ganze deutsche Volk in tiefer Trauer on der Bahre des Mannes, den es nie vergessen wird. Der Tod dieses Mannes wird aber ein Fanal für das ganze deutsche Volk sein, das durch diese jüdische Mordtat erneut hingewiesen wird auf die großen Gefahren, die ihm von den jüdischen und marxistischen Feinden im Auslande drohen. Zum Schlüsse betonte der Redner, daß der Opfertod Gustloffs das deutsche Volk in allen seinen Schichten nur noch fester als bisher zufammen- schweiße und es zu einer unzertrennlichen Einheit mit seinem Führer Adolf Hitler mache. So wie Pg. Gustloff, so müsse und werde auch stets das ganze deutsche Volk geschlossen zu seinem Führer Adolf Hitler in treuer Gefolgschaft stehen und damit dem gemeinsamen deutschen Vaterlande in guter Weise dienen. In dieser Gemeinschaft und Geschlossenheit zwischen Führer und Volk werde unser herrliches, ewiges Deutschland neu aufer- fteben zum Segen der deutschen Nation.
Nach dem weiteren prächtigen Chorgesang des Großschen Männerchors („Mahnung" von Hans Heinrichs) schloß der stellvertretende Ortsgruppenleiter Dr. K o p p die Feierstunde mit dem eindrucksvollen Treuegelöbnis an den Führer, in dessen Gefolgschaft zu marschieren jedem Deutschen höchste und freudige Pflicht ist. Die dreimaligen Sieg-Heil-Rufe auf den Führer und der gemeinsame Gesang der ersten Verse des Deutschlandliedes und des Horst- Wessel-Liedes sowie der Fahnenausmarsch bildeten den Schluß der Feier.
Drtgaruppe Süd
Die Ortsgruppe Gießen-Süd der NSDAP, hielt in der Tageshalle des Studentenhauses die Trauerfeier um den ermordeten Landesleiter Gustloff ab. Nach dem Einmarsch der Fahnen eröffnete Orts
gruppenleiter Pg. Schwarz die Kundgebung. Einleitend spielte die Musik zwei Trauerweisen und die Studenten im Kameradschaftshaus des Nationalsozialistischen DStB. sangen das Kampflied des Studentenbundes. Die Gedenkrede hielt Schulrat Pg. N e b e l i n g.
Schmerzerfüllt stehe das deutsche Volk an der Bahre eines seiner besten Söhne. Tiefe Erbitterung sei in unserem Volk wachgeworden. Ueberall, auch jenseits der Grenzen unseres Vaterlandes, sei man erschüttert gewesen, als die Kunde vom Mord an Gustloff hinausdrang. Hier in Deutschland wisse man schwerlich, was es heiße, sich außerhalb seines Heimatlandes zur nationalsozialistischen Idee zu bekennen. Gustloff sei seinen Weg unbeirrbar gegangen als treuer Gefolgsmann Adolf Hitlers. So fei er nun das Opfer einer unfaßbaren Hetze geworden. Das ganze deutsche Volk trauere um den guten Kameraden.
Die Versammelten gedachten während des Lie- des vom guten Kameraden still des Ermordeten. Zwischen den einzelnen Versen des Liedes las Pg. N e b e l i n g einige Worte aus einem Briefe Gustloffs vor, die von seinem großen Glauben an Deutschlands Zukunft, seiner Begeisterung und Kampfbereitschaft für die Bewegung und von seiner vorbildlichen Treue zum Führer Zeugnis ablegten.
Gustloff sei eingegangen zu den Kämpfern des 9. November. So sei auch er Sieger geworden
und sein Blut sei nicht umsonst geflossen. Der Mord habe wieder gezeigt, daß wir im Kampf für den Nationalsozialismus noch nicht am Ende seien, sondern daß der Kampf noch weiter gehen müsse. Unser Hauptfeind fei aus Deutschland verbannt und nun versuche er von außen durch Verbreitung von Lügen und Hetzen gegen unser friedliebendes Volk zu wühlen. Unsere Auslandorganisationen wollten nicht in die Rechte fremder Staaten ein- areifen, sondern dort nur aufklärend für ihr deutsches Vaterland wirken. So seien unsere Brüder draußen auf Vorposten zur Verteidigung und zum Schutz. Adolf Hitler habe heute in feiner Rede unseren Feind trefflich gezeichnet. Die Welt solle nur rechtzeitig den Feind erkennen. Dem Haß unserer Feinde solle man eine Kraft entgegensetzen, die ihn überwinde und diese Kraft sei die Liebe zum deutschen Volk. Mit fanatischer Liebe müsse man auch Opfer tragen, um feine Nation am Leben zu erhalten. Der Tod des Kameraden und sein Opfer sollten uns Vorbild sein im Dienste an dem Führer und der Volksgemeinschaft.
Pg. Schwarz erinnerte in seinem Schlußwort nochmals an die Verpflichtung und ermahnte im Geiste des Ermordeten weiter zu arbeiten. Sein Gruß klang als Treuegelöbnis aus im Sieg-Heil auf unseren Führer Adolf Hitler. Nach dem Horst-Wesfel-Lied und dem Ausmarsch der Fahnen wurde die Feier geschlossen.
Oie Gießener Polizei im Januar.
lieber die Tätigkeit der Polizeidirektion Gießen im Monat Januar wird uns amtlich folgendes mitgeteilt:
Im Monat Januar 1936 wurden von der Krimi n a l p o li z ei ft e l l e 198 Anzeigen wegen begangener Verbrechen oder Vergehen bearbeitet. Auf die einzelnen Straftaten verteilen sich diese Anzeigen wie folgt: Abtreibung 6; Bedrohung 6; Beleidigung 7; Betrug 23; Blutschande 2; Brandstiftung pp. 5, Diebstahl einschließlich der Einbrüche 172; Erpressung 1; fahrlässige Tötung 1; falsche Anschuldigung 1; Feld-, Baum- und Forstfrevel 3; Hausfriedensbruch 3; Kindesmißhandlung 1; Körperverletzung 14; Mordversuch 1; Nichtablieferung von Heeresgut 1; Raubversuch 1; Raubüberfall 2; ! Sachbeschädigung 14; Sittlichkeitsverbrechen 5; Tierquälerei 3; Ueberfall 1; unerlaubter Waffenbesitz 2; Unterschlagung 8; Urkundenfälschung 2; Verausgabung von Falschgeld 11; Vornahme unzüchtiger Handlungen 1; Widerstand 1. Außerdem wurden von der Kriminalpolizeistelle 17 Gnadengesuche, 7 tragische Ableben, 4 Vermißtenanzeigen und 10 Verkehrsunfälle bearbeitet. Durch diese Der- kehrsunsälle wurden eine Person tödlich, drei Personen schwer und acht leicht verletzt. Weiterhin wurde in 249 Fällen Amtshilfe geleistet. Auf Ersuchen auswärtiger Behörden wurden in 49 Fällen Ermittlungen zur Aufklärung von Straftaten durchgeführt und 3 Personen festgenommen. Erkennungs- dienftlich wurden neun Personen behandelt. Die Zahl der im Monat Januar 1936 gefertigten Tatortaufnahmen beläuft sich auf 33. Zu dieser Tätigkeit der Kriminalpolizeistelle kommen ferner noch 8 Kontrollen der Gastwirtschaften und Herbergen.
In verkehrspolizeilicher Hinsicht ist eine geringe Zunahme der Übertretungen zu verzeichnen. Es mußten nämlich im Januar 1936 ins
gesamt 506 Personen (gegen 456 im Dezember 1935) wegen Zuwiderhandlung gegen die Reichsstraßenverkehrsordnung zur Anzeige gebracht werden. Hiervon wurden 131 Personen gebührenpflichtig verwarnt, um sie auf diese Weise zur besseren Verkehrsdisziplin zu erziehen. Dieses Entgegenkommen der Verkehrspolizei kann jedoch nur bei geringfügigen Uebertretungen in Frage kommen, während bei gröberen Verstößen gegen die Verkehrsvorschriften, die meistens durch Leichtfertigkeit verursacht werden, nur strenges und un- nachsichtliches Vorgehen eine Besserung zu erzielen vermag. Abgesehen von den oben erwähnten 10 Verkehrsunfällen, bei denen Personen zu Schaden kamen, wurden im Berichtsmonat noch 8 leichtere Verkehrsunfälle gemeldet und aufgeklärt.
Von der Gewerbepolizei wurden im Monat Januar 1936 (außer den laufenden Revisionen) 135 Betriebe, insbesondere bezüglich der Preisgestaltung, einer eingehenden Kontrolle unterzogen. Hierzu kommen noch 2 Milchkontrollen, die sich auf 129 Kannen erstreckten, sowie die Erhebung von 46 Milch- und 12 Wurstproben. Die Zahl der ein* gereichten Unfallmeldungen (Betriebunfälle) beträgt 63, die der durchgeführten Unfalluntersuchungen 13. Außerdem wurden von der Gewerbepolizei 70 Anträge auf Erteilung von Wander- gewerbescheinen, 88 Anträge auf Erteilung von Legitimationskarten und 10 Anträge auf Erteilung von Haufiererlaubnisscheinen bearbeitet.
Beim Einwohnermeldeamt wurden im Berichtsmonat 323 Zuzüge, 237 Wegzüge und 204 Umzüge gemeldet. Im Vergleich mit den Zahlen des Monats Dezember 1935 kann feftgefteüt werden, daß diese Veränderungen für die Einwohnerzahl der Stadt Gießen eine geringe Zunahme bedeuten.
Obecheffen.
Landkreis Gießen
* Heuchelheim, 12. Febr. Aus der hiesigen E i n w o h n e r st a t i st i k des Jahres 1935 sind folgende Zahlen erwähnenswert: Zahl der Geburten 44 (11 davon in Gießen), Eheschließungen: 32, Sterbefälle 23. Aus der k i r ck l i ch e n S t a t i ft i k: Konfirmanden 47, Abendmaylsgäfte 1183; Besuch der 60 Hauptgottesdienste 2145 Männer, 3916 Frauen, 1977 Knaben und 2383 Mädchen; Besuch der 11 Nebengottesdienste 173 Männer, 1005 Frauen, 412 Knaben und 631 Mädchen. Gesamtzahl 12 642. Im Durchschnitt 107 Erwachsene und 76 Kinder für einen Gottesdienst.
sLang-Göns, 12. Febr. Die Brennholz- oerfteigerung am Montag brachte keine veränderten Preise. Buchenscheit, je 2 Raummeter, kosteten 17—19 RM„ Buchenknüppel 13—16 RM., Eichenscheit 8—10 RM., Kiefernknüppel 7—9 RM., Buchenwellen, je 50 Stück, 3—5 RM., Stöcke aller Art, je 2 Raummeter, 2—5 RM.
(D Lang-Göns, 13. Febr. Im Jahre 1935 (1934) wurden in der hiesigen Kirche 12 (20) Paare getraut, 28 (43) Konfirmanden eingesegnet. Getauft wurden 24 (30) Kinder, beerdigt 17 (18). Abendmahlsbesucher 1935 (1934): 2332 (2467). Besuch der Gottesdienste 1935 im Durchschnitt: 109 Männer, 106 Frauen und 60 Kinder. 1934: 148 Männer, 150 Frauen, 87 Kinder. Die Konfirmation, die in den letzten Jahrzehnten immer am Sonntag nach Ostern stattfand, wird in diesem Jahre zum ersten Mal auf Palmfonn - t a g (also 8 Tage vor Ostern) gefeiert werden.
= Steinbach, 12. Febr. Am Samstag fand im „Ritter" eine Bürgerverfammlung statt, in der die Frage des Luftschutzes behandelt wurde. Wohl hat der Luftschutz hier schon Mitglieder, aber nun soll eine planmäßige Werbung die bisher abseits stehenden Gemeindeglieder erfassen. Das Dorf wurde in zetm Blocks eingeteilt, und die Werbung hatte, den Erfolg, daß die Zahl der Mitglieder von
84 auf 230 stieg. Leiter ist der Beigeordnete und Kirchenrechner Karl Re u f ch l i n g IV., während die Kassenführung dem Flurschütz A tz b a ch obliegt.
CO Reiskirchen, 13. Febr. Der 11jährige Sohn des hiesigen Weißbinders Brück verletzte sich beim Dickwurzmahlen den Daumen der linken Hand derart, daß der hiesige Art den Verletzten in die Klinik nach Gießen überwies. Der Vorfall ist um so bedauerlicher, als sich der Junge vor einigen Jahren an der Häckselmaschine ein Glied des Zeigefingers der rechten Hand abschnitt.
Z Allendorf a. d. Lumda, 12. Febr. Bei der gestrigen Holzversteigerung im hiesigen Stadtwald wurden wieder sehr hohe Preise erzielt. Es kosteten je zwei Raummeter Buchenscheitholz 19 bis 20, Eichenscheitholz 8 bis 12, Kiefernscheitholz 10 bis 13, Fichtenscheitholz 9 bis 10, Buchenknüppelholz 14 bis 16, Eichenknüppelholz 10 bis 12, Kiefernknüppelholz 10 bis 11, Fichtenknüppelholz 9 bis 10,
Gedenket der hungernden Vögel!
Buchenstockholz 9 bis 10, Eichenstockholz 6 bis 7, Fichten- und Kiefernstockholz 3 bis 6 Mark; je fünf Raummeter Buchenreisholz 8 bis 9, Fichtenreisholz 3 bis 5 Mark; Fichtenderbstangen je Stück 1. Klasse 1 bis 1,30, 2. Klasse 0,70 bis 1 Mark. — Die am Sonntag in der hiesigen Ortsgruppe des WHW. durchgeführte Sammlung der Eintopfspende erbrachte den stattlichen Betrag von 153,50 Mark. Hiervon entfielen auf die Gemeinden Allendorf an der Lumda 90,15 Mark, Treis a. d. Lda. 55,15 Mark und Climbach 8,20 Mark.
□ ß i cf), 12. Febr. Die Freiwillige Feuerwehr L i ch hielt im „Löwen" ihre diesjährige ordentliche Hauptversammlung ab. Der Führer der Wehr, Oberbrandmeister Zimmer, begrüßte die in großer Zahl erschienenen Kameraden, insbesondere Kreisfeuerwehr-Jnspektor Bouffier (Gießen). Zunächst gedachte er der im vergangenen Jahre verstorbenen Mitglieder der Wehr, der Kameraden Heinrich Lerch und des Ehrenmitgliedes und Mitbegründers der Licher Wehr Paul Käch - ler, denen die übliche Ehrung zuteil wurde. Im Anschluß hieran gab Oberbrandmeister Zimmer einen ausführlichen Jahresbericht, aus dem zu entnehmen war, daß die Wehr auch im vergangenen Jahr wieder sehr viel zu ihrer Ausbildung und Schlagfertigkeit getan hat. In diesem Jahr kann die Licher Wehr auf ihr 60jähriges Bestehen zurückblicken. Ein besonders erfreuliches Zeichen fei, daß 80 v. H. der Kameraden der Wehr auf eine mehr als 10jährige Dienstzeit zurückblicken können. Der Führer der Wehr nahm an einem Lehrgang für Feuerwehrführer im Luftschutz teil. Beim Frühjahrsverbandstag in Gießen, beim Herbstoerbandstag in Klein-Linden, bei der 40-Iahrfeier der Birk- larer Wehr und der 80-Jahrfeier der Gailschen Freiwilligen Feuerwehr Gießen war die Wehr durch eine Abordnung vertreten. Der Mitgliederstand ist zur Zeit folgender: 117 aktive, 180 passive und 8 Ehrenmitglieder. Vom Landesverband Hessischer Freiwilliger Feuerwehren konnten 6 Kameraden der Wehr mit dem Ehrenzeichen für 15jährige ununterbrochene aktive Dienstzeit und Ehren-Ober- branbmeifter Christian Albohn mit dem Ehren- kreuz für 50jährige aktive Dienstzeit ausgezeichnet werden. In Zukunft sollen regelmäßig Schulungsabende für die gesamte Wehr durchgeführt werden. Da sich der Rechner zur Zeit auf Geschäftsreisen befindet, wurde die Rechnungsablage auf einen späteren Zeitpunkt verlegt. Der Führer der Wehr konnte aber schon befanntgeben, daß die Rechnung mit einem kleinen Ueberschuß abschließen wird. Im Vorstand wurden keine Aenderungen vorgenommen. Nach Erledigung der Tagesordnung hielt Kreisfeuerwehr-Jnspektor Bouffier (Gießen) eine Ansprache, in der er verschiedene Fragen behandelte, im besonderen in ausführlicher Weise über die Aufgaben der Feuerwehren im Luftschutz sprach. Nach Dankesworten an den Redner schloß Oberbrandmeister Zimmer in üblicher Weise die Versammlung.
gegen spröde Haut
IMMMklMlK.
Roman von fy. von Hellennann.
Copyright 1936 by Aufwärts-Derlag G. m. b. H., Berlin SW 68
20 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Margret Meroius stand, blaß bis in die Lippen, im Flur, ein Buch, das sie in Hans' Bücherschrank zurücktragen wollte, fest an ihre Brust gepreßt, als könne es ihr Halt gewähren beim Vernehmen der schrecklichen Worte, die sie wie ein plötzlicher Schlag trafen. Die Schwestern hatten vergessen, die Tür zur Kammer zu schließen, ganz deutlich drang Gretes klare junge Stimme ans Ohr der unfreiwillig lauschenden Mutter.
Mechanisch löste sie die Hand von der schon erfaßten Türklinke, ging leise in ihr Zimmer zurück und ließ sich schwer auf das hübsche kleine Sofa nieder, das Stallings ihr zum letzten Weihnachts- feft geschenkt, das Buch immer noch fest umklammert.
Hans' Drohung durchbohrte ihr Herz wie em spitzer Pfeil: „Wenn der Mensch nicht aus dem Hause geht, gehe ich!" 3n welchem Aufruhr mußte die Seele ihres allezeit liebevollen, fröhlichen Jungen sich befinden, um derartiges auszusprechen! „Der dumme Kerl ist eifersüchtig", hatte die Schwester gescholten.
Gab es ein schlimmeres Gefühl für em Kmd? Ein Leiden war die Eifersucht, das alle anderen Triebe vergiftete und zerstörte, bewies des Sohnes Verhalten das nicht allzu deutlich? Was hatte es genützt, daß Margret Meroius ihm die gleiche Innigkeit, das gleiche Interesse an allem Tun bewiesen — der Sohn verlangte der Mutter Herz ganz und ungeteilt für sich. Und dieses Herz sehnte sich danach, an feinem Liebesreichtum noch einen anderen teilnehmen zu lassen, der ihm teuer geworden ...
Wie hatte Grete, die Liebe, Verständnisvolle gesagt: „Was ist da zu machen?"
Auf diese bange Frage gab es nur eine Antwort. Als Frau entsagen, um Mutter bleiben zu dürfen. Der Schmerz der Trennung vom Freund
war der Preis, den sie zahlen mußte für Kindes Rückkehr zu ihr. Und dafür war kein
zu hoch.
21. Kapitel.
ihres Preis
Wie ein Träumender ging Joachim Drau durch die Tage, voller Angst, aufzuwachen, denn jeder brachte neues Erleben, neue Anerkennung, neue Ermutigung, den Weg weiter zu gehen, den er bis- he? unter solch, unsäglichen Mühen gewandert. Wer lange im Schatten gestanden, den blendet das Licht. Darum mied er die Menschen, die das neuentdeckte Genie kennenlernen wollten, warf die Briefe in den Papierkorb, die ihm ins Haus flogen. Allzu wund geschlagen hatte ihn die Not, noch vertrug er die Neugier nicht, deren Sensationshunger vergeblich das Schweigen zu brechen suchte, in das der Mann seine übergroße Empfindlichkeit gehüllt.
Noch vor Eröffnung der Ausstellung war Drau umgezogen, batte ohne ein Wort der Widerrede Goebels Anerbieten eines Darlehens angenommen. Unerträglich war das Wohnen bet der Witwe geworden, deren keifender Zorn sich feit Goebels Erscheinen jäh in Freundlichkeit gewandelt hatte, eine falsche, klebrige Freundlichkeit, die ihm ihre Dienste geradezu aufbrängte.
Draus Kündigung nahm Frau Alma gefaßt entgegen. Konnte sie den Mann nicht halten, so behielt sie doch sein Geld. Und das war schließlich mehr wert. Für die drei kleineren Bilder, die er ihr geschenkt hatte, waren ihr durch Goebels Vermittlung von einem Kunsthändler achthundert Mark geboten worden. Sie ging nicht darauf ein. „In ein paar Jahren sind sie womöglich das Doppelte wert", lachte sie schlau.
Breit und behäbig, die nackten Arme in die Hüften gestemmt, stand >ie in Draus Kammer und sah zu, wie er seine Malutensilien in eine Holzkiste verpackte. Der hob den Blick und sah sie mit einem eigentümlich durchdringenden Ausdruck an. „So müßte man dich malen", dachte er. Seit die Dicke wußte, daß der Mann ihr verloren war, hatte sie alle Verschönerungsoersuche aufgegeben.
„Nun werden Sie ja feiner wohnen', meinte sie, sich in der graugetünchten, kahlen Stube umsehend, „hoffentlich vergalovpieren Sie sich nicht. Wer zu hochnäsig wird,' fällt oft eklig in den Dreck." Was weniger wie eine Befürchtung als wie eine Hoffnung klang. „Dann kann ja die schöne Same, von
der Sie das große Bild malten, an meine Stelle treten! Verheiratet soll sie auch sein--"
Verfluchtes Schandmaul--Wie bösartig die
kleinen Augen glitzern konnten! Ja, so müßte man sie malen--
„Na, vor das Vermieten ist mir nick bange, bei der guten Lage im Zentrum. Und das sag ich Ihnen: Wenn der Nächste nich zahlen Fann, fliegt er. Mit dem Mietestunden hab ich ein Haar drin gefunden. Dankbarkeit gibt's ja doch nie auf dieser Welt."
Drau aber tat einen tiefen Atemzug, als er dem grauen Haus und der engen Straße endlich den Rücken kehrte. Beschwingt ging er dahin neben dem jungen Burschen, der mit weitausholenden Schritten den kleinen mit seinen Habseligkeiten beladenen Wagen pfeifend hinter sich her zog, und spürte plötzlich den jungenhaften Wunsch, in dieses vergnügte Pfeifen einzustimmen. Was tat es, daß graues Gewölk am Himmel hing, aus dem es leise herniederrieselte? Heute wußte Joachim Drau, daß das Gewölk wieder der Sonne weichen mußte! —
Ja, wie ein Träumender ging Drau nun durch die Tage, deren jeder ihn schon und lobenswert dünkte. Der Schatten war wirklich gewichen, sonnig, verheißungsvoll lag der Weg in die Zukunft vor ihm. Und mitten darin, lichtumflossen wie eine Himmelserscheinung, stand die Frau, die ihm Schicksal werden sollte.
Ihr Wunsch hatte erreicht, was den Bitten Goebels nicht gelungen war: ihn zum Schritt in die Öffentlichkeit zu bewegen. Zuerst im kleinen Kreis bei Margret Meroius. Nur die Familie, Stallings und Goebel.
Frau Margret reichte ihm beide Hände.
„Sie sind uns längst Freund, durch Ihre wundervollen Werke, mit denen Sie jedem einzelnen von uns wahre Feierstunden schenkten. Mochte das Glück Ihnen nun treu bleiben!"
„Ihr guter Wunsch am Neujahrsabend hat es mir geschenkt, Frau Mervius." Das kühle konventionelle „gnädige Frau" wollte ihm irgendwie nicht über die Lippen. Aber er beugte sich und küßte die Hände, die so fest und warm die seinen umspannten, wie man die Hände einer Mutter küßt.
Die stille Heimstimmung dauerte nicht lange, denn Theodor Stalling trat herzu, schlug Drau beglückwünschend auf die Schulter, pries das Bild
Elfriedes, bestellte ein -neues, rief „Wirtschaft!" und daß er Hunger habe, schob seinen Arm durch den des Malers und strebte dem zierlich gedeckten Abendbrottisch zu, den Grete zu Ehren des Gastes mit Rosen geschmückt hatte.
Wie ein Zyklon wirbelte einen dieser Mensch herum. „Frau Alma in männlicher, etwas verfeinerter Ausgabe", mußte Drau plötzlich denken, das Gesicht studierend. „Gutmütig, solange man ihren Wünschen willfährig ist, bösartig, wenn man sie kreuzt." Um Kinn und Kiefer ein sinnlicher Zug. Was hatte die holde Frau wohl zu ihm gezogen, die mit gesenkten Lidern und roten Wangen dasaß, das kleine kühle Lächeln um den weichen Mund, das so liebenswürdig aussah und so wenig verriet? ...
„Wir werden Sie mal zu uns einladen, lieber Drau. Sie müssen bekannt werden, Beziehungen anknüpfen, in die Zeitungen kommen! Tamtam gehört nun mal zum Erfolg, nicht wahr, Doktor? Wo wohnen Sie — Moltkeplatz? Ganz nette Gegend, aber Bayrisches Viertel wäre besser, wissen Sie? Müssen mal so ein kleines Atelierfest loslassen, dann fliegen Ihnen die Frauen nur so auf den Leim — wollte sagen: die Leinwand! Na, prosit, Herr Malermeister! Das Weinchen können Sie unbesorgt trinken, hab ihn selber mitgebracht aus unserem Keller. Stallings leben nicht ganz übel, was, Schatz?" Nun lag die Hand auf dem Nacken feiner Frau, der sich leicht neigte wie unter einer Last, tätschelte die erglühende Wange. Unversehens traf sich Draus Blick mit dem ihren. Voll Qual und Scham war der.
Nur wenige Worte sprachen sie zusammen an diesem Abend.
„Sie werden zu uns kommen?"
„Wenn Sie es wünschen?"
„Ja, ja--"
„Dann wird es mir eine tiefe Freude sein." Er dämpfte feine Stimme noch mehr: „Das war ein beglückender Zufall gestern —"
Ihre Augen leuchteten ihm Antwort. _
„Wenn Sie wüßten, wie oft meine Gedanken Sie suchen —"
Ein Hauch nur: „Ich weiß es."
Sie lächelten sich an. wandten sich den anderen zu, gaben sich beim Abschied ruhig und fest die Hand mit einem schlichten Gruß. (Forts, folgt.)


