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llr.HO Erstes Blatt

186. Jahrgang

Dienstag, 12. Mai 1936

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Aufgaben und Zukunst des deutschen Theaters.

von Reichsminister Or. Goebbels auf der Theaterfestwoche.

Eine programmatische Rede

Klassisch und volkstümlich.

Die große Rede, die Reichsminister Dr. Goeb­bels vor einem erlesenen Hörerkreise im Deutschen Museum gehalten hat, darf als Höhepunkt der Reichstheaterfestwoche in München und als pro­grammatische Kundgebung der Reichstheaterkammer gewertet werden. Aus der Fülle dessen, was Dr. Goebbels über Wesen, Aufgaben und Zukunft des deutschen Theaters zu sagen hatte, scheinen uns eine Reihe grundsätzlicher Feststellungen oder Be­trachtungen gleichsam als Leitgedanken oder Kern­punkte besonderer Hervorhebung zu bedürfen. So konnte der Minister davon ausgeh^m, daß sich das deutsche Theater im Laufe der inneren Umformung und Reorganisation, die es in jüngfter Zeit durch­gemacht hat und noch durchmacht, sich wieder auf feine großen klassischen Vorbilder und Lehrmeister, auf Schiller und Lessing, besonnen habe; wenn ins­besondere davon die Rede war, daß die deutsche Bühne heute wieder anfange, einemoralische An­stalt" im Sinne Schillers zu werden, so mag sich jeder Bühnenleiter, jeder Regisseur und jeder Dar­steller der Verpflichtung bewußt werden, die damit ausgesprochen und gefordert wurde. Es handelt sich da um mehr als um ein Schlagwort klassischer Prä­gung: es geht hier um eine innere Umstellung land­läufiger Begriffe und Auffassungen vom Wesen des Theaters, vom tieferen Sinn dramatischer Gestal­tung und schauspielerischer Leistung. Damit ist fer­ner auch ein Bekenntnis zum klassischen Theater und Drama ausgesprochen worden, das jeden deutschen Bühnenleiter nicht nur wieder auf die unveräußer­lichen Grundlagen seiner Arbeit verweist, sondern auch, wenn er die in München gegebenen Anre-

München, 11. Mai. (DRB.) Der zweite Tag der Reichstheaterfestwoche brachte im großen Saal des Deutschen Museums die Kundgebung der Reichs­theaterkammer. Es waren u. a. erschienen der Stellvertreter des Führers Reichsmini­ster Rudolf Heß, der Präsident der Reichskultur­kammer Reichsminister Dr. G o e b b e l s , die Reichs­leiter Ritter von Epp, Schwarz und Fiehler, und andere bekannte Männer der Bewegung, des Staa­tes, der Wehrmacht und der Polizei. Das deutsche Theaterleben war durch viele Intendanten und an­dere mit der Bühnenkunst verbundene Persönlich­keiten vertreten.

Der Präsident der Reichskulturkammer, Reichsminister Dr. Goebbels

hielt eine immer wieder von stürmischer Zustim­mung unterbrochene Rede über Wesen, Aufgaben und Zukunft des deutschen Theaters. Für uns Deutsche sei das Theater immer eine Sache des Herzens gewesen, und alle großen deutschen Gei­ster habe die Sehnsucht erfüllt, das Theater zu einer Angelegenheit des ganzen Volkes zu machen. Mit großer Befriedigung könne man feststellen, daß das deutsche Theater zu seinem eigenen Segen und Nutzen wieder anzuknüpfen beginne bei Lessing, dem großen deutschen Theater-Theoretiker und bei Schiller, dem großen Gestalter des deutschen Thea­ters. Die deutsche Bühne fange heute wieder an, im Sinne. Schillers einemoralische Anstalt" zu wer­den und das Podium der politischen und sozialen Moral auch unserer Zeit zu sein.

Dr. Goebbels setzte dann auseinander, wie das Theater vom Volke lebe und von ihm auch seinen belebenden Impuls empfange. Es dürfe nicht das Vorrecht einer hauchdünnen Oberschicht bleiben, sondern es müsse versuchen, das ganze Volk zu erfassen und anderseits auch wieder von ihm erfaßt zu werden. Das bedeute allerdings nicht, daß das deutsche Theater einem öden und billigen Massengeschmack huldigen müsse. DasGe­rede von Massengeschmack", so betonte der Minister, ist meist nur eine Ausrede. Der Massengeschmack ist vielfach nur ein Kassengeschmack, nnb diejenigen Theaterleiter, die einer geistlosen, platten Scheinkunst huldigen, denken nicht so sehr an die Masse wie an die Kasse; es ist ihr Hauptbestreben, die Kasse auf billige und risikolose Weise zu füllen.

Allerdings haben wir auch nie geglaubt, daß die Kunst sich selbst ernähren könnte. Sie hat vielmehr, um lebenskräftig zu bleiben, immer Subventionen nötig. Sie kann nicht mit irgendeinem Wirtschaftsbetrieb verglichen werden, der nur dann Sinn hat, wenn er sich rentiert. Selbst wenn es um die Unterhaltung geht, ist es nicht damit getan, sie geistlos und platt an die Masse heranzubringen.

Auch die Unkerhaltung muß gelst- voll sein; sie sott dem Volke in seinem schweren Daseinskampf Werte geben, die über das materielle des Tagesdaseins hinauszufüh- ren die Kraft haben. Auch die nationalsoziali­stische Bewegung hat die breite Waffe nicht dadurch in ihren Bannkreis gezogen, daß sie etwas möglichst Geistloses und Blasses als Ziel vertreten hätte. Wir haben vielmehr unsere Idee und den Zeitstoss den breiten Massen aus die einfachste Weife nahegebracht, hier scheint mir auch das Grundproblem des modernen deutschen Theaters zu liegen: Zurück zur

gungen nur recht versteht und anzuwenden weiß, seine Entdeckerfteude und seinen Wagemut auf eine höchst fruchtbare Weise anregen kann; wieviele deutsche Theater können etwa mit gutem Gewissen von sich behaupten, daß Hebbel oder Grabbe, um nur zwei Namen aus Dr. Goebbels Rede zu wiederholen, bereits zum festen Besitz oder klassi­schen Bestände ihres Repertoires gehören? Hand in Hand mit dem Bekenntnis zu einem im weitesten und besten Sinne klassischen deutschen Theater geht das Bekenntnis zum Volke und zur Volkstümlichkeit unserer Bühnen und der von ihnen zu leistenden Arbeit. Es kann nicht nachdrücklich genug unter­strichen werden, daß rechte Volkstümlichkeit, wie sehr beherzigenswert dargelegt wurde, mit einem schlech­ten und billigen Massengeschmack, mit Flatter- und oberflächlicher Scheinkunst nichts zu tun hat; hier wurde an ein Generalproblem des deutschen Thea­ters in dieser Zeit gerührt: zurück zur einfachen Klar­heit in Stoff, Inszenierung und Darstellung! Dem Darsteller muß die Würdigung, die der Mi­nister ihm in seiner Rede zuteil werden ließ, eine ungemeine Festigung seines Standesbewußtseins und seines Selbstgefühls gegeben haben, wenn ihm und jedermann die volkspolitische Bedeutung des Schau­spielerberufes so vor Augen gestellt wird. Ein im weitesten und tiefsten Sinne klassisches Theater, getragen von wirklicher Leistung und echter Volks­verbundenheit: so lassen sich die Ziele und Auf­gaben, von denen soeben in München die Rede war, vielleicht am einfachsten und sinnvollsten zusammen­fassen; so werden wir am gewissesten den jahr­hundertealten Traum der Besten unseres Volkes von einem deutschen Nationaltheater in unserer Zeit oder in der Zukunft verwirklichen.

einfachen Klarheit in Stoff, In­szenierung und Darstellung!"

Der Minister erörterte dann eine große Reihe von Grundproblemen, die dem deutschen Theater für die Gegenwart und die nähere Zukunft aufge­geben sind. Was die geistige Leitung des Theaters anlange, so müsse der Intendant bedenken, daß, wie auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, so auch im Theater jeder große Wurf mit einem Risiko verbunden sei. Große Er­folge, so rief Dr. Goebbels unter lebhaftem Beifall aus, könnten nur erzielt werden, wenn man den Mut zum Risiko auf sich nehme. Gerade auch in bezug auf eine zeitgemäße Ausgestaltung des deut­schen Theaterspielplanes gelte es, zu wagen, um zu gewinnen. Allgemeinen Beifall löste auch die Feststellung des Ministers aus, daß das Theater als eine künstlerische Angelegenheit in der Haupt­sache von Künstlern und nicht von Beamten betreut werden müsse. Deshalb dürfe es nicht dazu kommen, daß man die Theaterleiter nach und nach durch Beamte zu ersetzen beginne.

Was die gesellschaftliche Stellung des Dar» stellerberufes betreffe, so sei es das ernste Bestreben der nationalsozialistischen Staatsführung gewesen, dem Beruf des Darstellers die Bedeutung zu geben, die ihm zukomme. Der Beruf des Dar­stellers ist volkspolitisch unendlich wichtig, denn es bedeutet schon viel, wenn sich in einem Volk ein paar tausend Menschen finden, die ihre Aufgabe darin sehen, den breiten Massen in ihrem Daseins­kampf unter Aufbietung fleißigster und anstrengen- ster Arbeit Entspannung zu geben. Ein Stand, der eine so grundlegende Forderung des modernen nationalsozialistischen Lebens erfüllt, hat An­spruch auf öffentliche Achtung und muß vor Vorurteilen geschützt werden, die vielleicht populär, aber durchaus nicht richtig sind.

Eingehend beschäftigte sich der Minister auch mit dem Verhältnis zwischen Publikum und Theater. Der Nationalsozialismus habe sich von Anfang an bemüht, die Masse des Volkes in breitestem Um­fange in die Theater hineinzuführen. Die inzwischen errichteten zahlreichenTheater des Volkes" feien aber keineswegs dazu angetan, den bestehen­den Reichs- und Staatstheatern Konkurrenz zu be­reiten. Wir führen in dieseTheater des Volkes" Schichten, die ein Theater bisher nur von außen gesehen haben! (Stürmischer Beifall.)

Der Staat dürfe und wolle nicht hemmend in die künstlerische Produktion eingreifen. Er könne immer nur der große Regulator des künstlerischen Lebens fein. Der Staat hat nur die Aufgabe, das künstlerifche Leben planmäßig zu führen und zu regeln, er muß ihm Richtung geben, muß die Ziele aufstellen, muß die Talente an­feuern. So sollten sich auch die Kommunen wohl- fühlen in der Rolle des Wäzen. Auch sie müssen der Kunst Lebensmöglichkeiten geben und Ent­wicklungsfreiheit vermitteln. Als wir von Reichs wegen 12 Millionen Mark für die Theater bereitstellten, wollten wir damit durchaus nicht etwa die Gemeinden oder die Länder von Theaterzufchüssen befreien. Das wäre nur eine Verlagerung der Zuschüsse gewesen. (Heiterkeit.) Was das Reich gab, sollte zusätzlich fein, eine Belohnung und Anspornung für besondere künstlerische Leistungen, es sollte auch künstle­rische Experimente ermöglichen, die mit dem

gewöhnlichen Haushaltsplan undurchführbar waren.

Hinsichtlich der Spielplangestaltung konnte der Minister feststellen, daß seine auf der vorjährigen Reichstheaterfestwoche in Hamburg er­wogene Forderung, das z e i t g e n ö s s i s ch e Sch af- f e n mehr in Vordergrund treten zu lassen, zu einem erheblichen Teil erfüllt worden ist.Wir haben im vergangenen Jahr mit Freude erleben können, daß das nationalsozialistische Bühnenschaf­fen den ersten großen Durchbruch unternommen hat. Ebenso erfüllt es uns auch mit tiefer Befrie­digung, daß in der jetzigen Reichstheaterfestwoche zum ersten Male fast nur nationalsozia- listische Bühnendramatik gepflegt wird, so daß sie gewissermaßen einen Querschnitt durch das zeitgenössische nationalsozialistische Bühnenschaf­fen gibt. Im übrigen geht es beim Spielplan nicht um die Frage: modern oder klassisch, die Antwort heißt vielmehr: modern und klassisch, klas­sisch im weitesten Sinne. Bisher ist nämlich die deutsche Klassik noch vollkommen ungenügend aus­geschöpft worden. Es gibt ja nicht nur einen Shakespeare, sondern auch einen Schiller, einen Goethe, einen Hebbel, einen Otto Ludwig und einen Grabbe.

Was Shakespeare betrifft, fo ist in der letzten Zeit leidenschaftlich die Frage erörtert worden, ob den S chlegel-Tieckschen oder den Rotheschen Ueberfefcungen der Vorzug zu geben fei. Ich habe diese Frage einem Gremium von Fachleuten anvertraut, die übereinstimmend zu der Ansicht gekommen find, daß die Schlegel-Tieckfche Ueber- fehung der Rotheschen vorzuzie­hen ist. (Diese Mitteilung löste langanhaltenden stürmischen Beifall aus.)Wir machen uns von unseren Klassikern eine scharsumrissene Vorstel­lung und möchten, daß diese Vorstel­lung auch im modernen Bühnenschaffen zum Ausdruck kommt. Wir wollen auf diesem Gebiet nicht", so führte der Winister unter erneutem starkem Beifall aus,literarische Experimente, vor denen wir die Klassiker bewahren müssen, und die nur dazu angetan sind, den Ewigkeits­wert ihrer Werke zu gefährden".

Erfreulicherweise sei auch der im vorigen Jahr in Hamburg ergangene Ruf nicht ungehört verhallt, mit dem üblen Starunfug allmählich aufzu- .räumen und mit Kraft und Energie ein wirk­liches deutschen Theater-Ensemble aufzubauen.Die Theater im Reiche sind den Büh­nen in der Reichshauptstadt dabei mit gutem Bei­spiel vorangegangen." Im übrigen sei es auch für den großen Künstler keine Unehre, einmal eine kleine Rolle zu spielen; denn auch in ihr offenbare sich das Künstlertum. Der Kritiker solle nicht nur das künstlerische Schaffen an sich kritisieren, sondern dieses Schaffen auch bewerten im Zusam­menhang mit den Umständen und Schwierigkeiten, die sich der künstlerischen Leistung entgegengestellt hätten.Vor allem dürfe der Kritiker nicht bloß kri­

tisieren wollen. Der Kritiker werde von selbst die nötige vornehme Reserve lernen, wenn er daran denke, wie viele große Künstler der Vergangenheit von den zeitgenössischen Kritikern in Grund und Boden kritisiert worden seien. Das deutsche Theater werde im weitesten Umfange in die Darbietungen der olympischen Spiele einbezogen, und es werde dabei seine erste große Feuerprobe im gro­ßen zu bestehen haben. Leidenschaftlich, ehrlich und mit heißestem Herzen sei in den vergangenen drei Jahren um das deutsche Theater gerungen worden. Allenthalben sprieße neues Leben, das nicht zuletzt dem verstorbenen Präsidenten der Reichstheaterkammer, Otto Laubinger, zu dan­ken sei. (Die ganze Versammlung erhebt sich zu Ehren des Toten.) Im Dienst am deutschen Theater habe er sich aufgerieben.Sie, die an seine Stelle getreten sind, haben den glühenden Ehrgeiz, i n seinem Geist weiter vorwärts zu mar­schieren. Ihr und unser aller Ehrgeiz ist es, den Jahrhunderte alten Traum in unserer Zeit zu er­füllen: den Traum vom deutschen Nationaltheater!" Die Kundgebungsteilnehmer bereiteten dem Mi­nister für seine Ausführungen lang anhaltende, stürmische Ovationen.

9ethgeSMrsch der Veteranen" ein großer Erfolg.

M ü n ch e n, 11. Mai. (DNB.) Am zweiten Abend der Reichstheaterfestwoche stand Friedrich B e 11) g e sM arsch der Veteranen" als Erstaufführung auf dem Festprogramm des Prinz- regenten-Theaters. Dieses Haus haben der natio­nalsozialistische Staat und die Bewegung durch die NS.-GmeinschaftKraft durch Freude" zu einem Theater des Volkes gemacht, in dem unge­zählte werktätige Menschen heimisch geworden sind als beglückte Empfänger und Diener deutscher Kunst. Vor Beginn der Vorstellung sprach bei er­leuchtetem Haus Reichsorganisationsleiter Dr. Ley besinnliche und eindrucksvolle Worte über Arbeit und Kunst. Während die Arbeit die Gesetze der Natur erforscht und ergründet und sie zum Wohle der Menschheit anwendet, schaut der Künstler die Ge­setze weit voraus. Er kennt sie und wendet sie an. Nicht nur der ist ein Künstler, der die Kunst aus- gießt, sondern auch der, der sie in sich aufnimmt und empfängt. Nur die Menschen gleicher Rasse können sowohl die Arbeit wie die Kunst der Schaf­fenden bewerten und empfinden. Was uns heute so beglückt, das ist, daß wix das Gemeine des All­tags abgelegt haben und den Wert unseres Vol­kes, feiner Arbeit und feiner Kunst neu erkennen. Wir erleben heute eine Blüte unserer Kunst und Kultur, weil der Führer unser Volk zum Schö­nen herangeführt hat. Und so glaube ich, daß ein Zeitalter angebrochen ist, von dem man einmal sagen wird: Diese Menschen fanden sich selber wieder. Wir freuen uns wieder am Leben.

Nun kam Friedrich B e t h g e zu Wort. Sein Marsch der Veteranen" ist entstanden aus Pro­blemen, die den deutschen Menschen nach dem Welt­krieg im innersten aufwühlten, aus Problemen der Würde und Ehre der Nation wie jedes einzelnen. Es ist geschaffen von einem Mann, der das goldene Verwundetenabzeichen trägt und in den Kampf­jahren ein Mitstreiter Adolf Hitlers geworden ist, der aus tiefstem eigenen Erleben die Kämpfer ge­staltete und ihnen lebensvolle Typen derGesell-

M

Die 3. Reichstheater-Festwoche wurde mit einer Neueinstudierung desRienzi" im Nationaltheater in München eröffnet Unser Bild zeigt einen Blick in die Mittelloge. In der Mitte der Führer, link» Reichsminister Heß und Mimsterpräsident Siebert, rechts Reichsminister Dr. Goebbels und Staatsminister Wagner. (Presse-Jllustration-Hoffmann-M.)

Aus dem Wege zum deutschen Aattonaltheater.