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In der Deutschlandhalle in Berlin begannen jetzt die Kämpfe der Boxer. Unser Bild zeigt die beiden Ringe, in denen sich die Kämpfe abspielen. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Das Olympia-Hockey-Turnier.
Deutschlands Hockey-Mannschaft trug am Samstag ihr zweites Spiel im Olympia-Turnier aus. Gegner war Afghanistan, das sich klar mit 1:4 (0:1) geschlagen bekennen mußte. Heber 18 000 Zuschauer und der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß wohnten dem Kampfe bei, der Deutschland den Sieg in der Gruppe B einbrachte.
Die Zuschauer wurden von dem Spiel der Afghanen ziemlich enttäuscht. Die Asiaten verdarben sich durch Stockfehler viele gute Torgelegenheiten und zeigten sich im Schußkreis außerdem so hilflos, daß die gute deutsche Abwehr nicht viel Mühe hatte, allen Gefahren wirkungsvoll zu begegnen. Die deutsche Mannschaft gewann den Kampf verdient mit 4:1 (1:0). Sie hatte in dem technisch großartigen Mittelläufer Keller und dem rechten Flügel Ruck- Cuntz (beide Frankfurt a. M.) die erfolgreichsten Leute. Deutschlands Sieg wurde von den Zuschauern mit großem Beifall aufgenommen.
Japan — Ungarn 3:1.
In der Gruppe A des olympischen Hockey-Turniers spielte im Anschluß an den Kampf Deutschland — Afghanistan die japanische Mannschaft gegen Ungarns Elf. Die Japaner gewannen mit 3:1 (1:0) und gelangten damit in der Tabelle auf die gleiche Punktzahl wie die Inder.
Oie deutschen Wasserballsiege.
laicht allzu schwer hatte es die deutsche Wasserball- Nationalmannschaft, in ihrem ersten Kampf des olympischen Turnier einen klaren «Sieg zu erringen. Dor rund 20 000 Zuschauern lieferte die deutsche Sieben ein eindrucksvolles Spiel, das ihr einen auch in dieser Höhe jederzeit verdienten 8:1- (5:0-) Sieg einbrachte. Die Franzosen stellen zur Zeit nicht mehr die Mannschaft früherer Jahre. Um den immer noch aktiven Padu hat sich neben zwei altbewährten Spielern ein Kreis von Nachwuchsspielern geschart, der aber noch nicht soweit ist. Deutschland nahm den Kampf in stärkster Aufstellung auf: Klingenburg- Duisburg; Baier-Hannover, Dr. Schürger-Nürnberg; Gunst-Hannover; Hauser-München, Schneider-Duisburg und Schulze-Magdeburg.
Im ersten Wasserballspiel des Sonntagnachmittag traf Deutschlands Mannschaft, die am Vortage so erfolgreich gegen Frankreich abschnitt, auf die Tschechoslowakei. In ihrer stärksten Aufstellung bestach sie wieder durch ihre Schnelligkeit, Härte und vor allem durch ihre erstaunliche Technik. Vorbildlich waren die vielen Kampfphasen des Zusammenspiels des deutschen Sturms, in dessen Mitte der Duisburger Schneider mit seinen 5 Toren vor allem den 6:1-Sieg ermöglichte.
Oeffentlichea SA. Reit-Turnier in Frankfurt.
Die SA.-Reiterstandarte 49 veranstaltet am 22. und 23. August auf ihrem Turnierplatz in Frank-
furt ein öffentliches Reit- und Fahrturnier. Es umfaßt drei Dressurprüfungen, drei Jagdspringen, zwei Eignungsprüfungen für Gespanne in mehreren Abteilungen, sowie eine Reihe von interessanten Mannschaftswettkämpfen, die für SA., SS., HI. und Wehrmacht offen sind. Bei der Ausschreibung ist besonderer Wert darauf gelegt, den Pferden, die in der Landwirtschaft oder im Gewerbe gehen, gute Siegesaussichten zu geben. Darüber hinaus ist das Turnier als erste SA.-Veranstaltung nach Gründung des Nat.-Soz. Reiter-Korps und deren Durchführung durch die SA.-Reiterei als Anreiz gerade für die Jungreiter aufgezogen. Ausschreibungen durch die Turnierleitung, SA.- Reiter-Standarte 49, Frankfurt a. M., Rödelheimer Landstraße 19.
Olympische Medaillen.
Nationen
Gold Silber Bronze
Griechenland Aegypten Argentinien Australien
Belgien ....
China Dänemark Estland Finnland Frankreich Großbritannien Holland Indien Island ...............
Italien Japan .............
Kanada Lettland Mexiko Neuseeland -torwegen Oesterreich Philippinen Polen Rumänien Schweden Schweiz Süd-Afrika Tschechoslowakei Türkei Ungarn Uruguay
Bereinigte Staaten Deutschland
1
2
2 6(1)
4
2
3
4(1)
2 1
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3(1)
6
-(1)
2
1
6
15
14(5)
2
1
2
2
1
-d)
2
4
4
3
6
3(4) 2 2
5
2(1)
5
2
3
1
4 4(2)
5 1
1
2(1) 1
2(2)
6CL) 1
-Tn 1
1
13(2) 3(1)
16(5) 19(2)
Die in Klammern gesetzten Zahlen bedeuten die Anzahl der in Kunstwettbewerben errungenen
Medaillen.
Ratsherrensitzung in Gießen.
Feierliche Amtseinführung des Beigeordneten Sudheimer.
Auf Einladung des Oberbürgermeisters Ritter versammelten sich am gestrigen Montagnachmittag die Ratsherren der Stadt Gießen im festlich mit der Büste des Führers, den Fahnen des Dritten Reiches und frischem Grün geschmückten Sitzungssaale des Stadthaus Bergstraße tu einer öffentlichen Sitzung. Eine Anzahl Zuhörer, darunter auch die Vorstände der einzelnen städtischen Aern- ter, hatte Gelegenheit, den Beratungen der Rats- Herren beizuwohnen.
Zu Beginn der Sitzung verpflichtete Oberbürgermeister Ritter den Verwaltungsinspektor Höpfner als Protokollführer der Ratsherrensitzungen zu gewissenhafter Pflichterfüllung. Hauptpunkt der Tagesordnung war die
Einführung und Verpflichtung des Beigeordneten Sudheimer
als zweiter hauptamtlicher Beigeordneter der Stadt Gießen.
Oberbürgermeister Ritter
hob in feiner Einführungsrede hervor, daß Beigeordneter S u dH e i m e r schon seit einem Jahre kommissarisch in der Gießener Stadtverwaltung als Beigeordneter mitarbeite, nachdem er vorher seine ganze Kraft bei der Leitung der nationalsozialistischen Stadtratsfraktion eingesetzt und damit bewiesen habe, daß ihm die Belange seiner Vaterstadt Gießen über alles gehen und er sein Wissen praktisch und nutzbringend im Interesse der Stadt Gießen verwerte. Er, der Oberbürgermeister, habe den Beigeordneten Sudheimer schätzen gelernt, und er freue sich, daß der Beigeordnete berufen sei, an seiner Seite die Geschicke der Stadt Gießen mitzulenken und daß der Beigeorbnete als geborener Gießener sich mit dieser schonen Stadt, die im Aufblühen begriffen sei und immer mehr Fortschritte mache, engstens verbunden fühle.
Zu dem Beigeordneten Sudheimer gewandt betonte der Oberbürgermeister die Notwendigkeit, nach nationalsozialistischer Art immer die ganze Kraft und Persönlichkeit einzusetzen für den Dienst im Interesse der Bevölkerung. Im Gegensatz zu den Jahren vor der Machtergreifung, wo sich ein Bürgermeister hinter die Beschlüsse des Stadtrates verstecken konnte, sei im nationalsozialistischen Staat die Verantwortung eines Bürgermeisters weit größer; sie erfordere den vollen Einsatz der persönlichen Verantwortlichkeit, die ihn uneingeschränkt auch mit seiner persönlichen Haftung für feine Amtsführung verpflichte. Er, der Oberbürgermeister, wisse aber, daß Beigeordneter Sudheimer seiner Aufgabe gewachsen sei, da er mit feinen Erfahrungen auch die Liebe zu seiner Vaterstadt Gießen verbinde und in enger Verbundenheit mit dem Leiter der Stadtverwaltung zum Wohle der Stadt Gießen arbeiten werde.
Die Rolle der Männer der Stadtverwaltung sei die von treu sorgenden Hausvätern, die als vornehmste Aufgabe ihres Amtes die Verpflichtung hätten, die Volksgenossen in der rechten Weise zu führen, ihnen den Weg zu zeigen zum Dritten Reich und sie alle mit heranzuziehen zur Aufbauarbeit nach dem Willen unseres Führers Adolf Hitler.
Es fei eine große und schöne Aufgabe, in diesem Rahmen mit aller Kraft dazu beizutragen, daß auch unsere Stadt Gießen in Deutschland mit an der Spitze marschiere.
Aber noch eine andere Aufgabe hätten die Männer der Stadtverwaltung zu erfüllen: sie müßten, wenn die Volksgenossen mit ihren Anliegen zu ihnen kämen, immer streng unterscheiden zwischen dem, was bei diesen Anliegen recht sei und im Sinne der Allgemeinheit liege, und dem, was u n - recht sei und nur dem egoistischen Interesse des einzelnen dienen solle. Wenn auch die Männer der Stadtverwaltung Ratgeber für alle Volksgenossen fein sollen, und dazu immer bereit fein müßten, jo dürften sie sich aber nicht dazu verstehen, ungerechten Forderungen Raum zu geben auf Kosten der gerechten Forderungen.
Für sie müsse immer maßgebend sein, was der Führer wolle: das Wohl der Gesamtheit müsse über allem stehen!
In diesem Sinne verpflichtete der Oberbürgermeister den Beigeordneten Sudheimer zum zweiten hauptamtlichen Beigeordneten der Stadt Gießen und nahm ihm den feierlichen Eid ab, der die Verpflichtung zu treuem Gehorsam gegenüber dem Führer und zu gewissenhafter Erfüllung aller 2lmtspflichten in sich schließt.
Beigeordneter Sudheimer
gab in schlichten, ergriffenen Worten seiner Freude über die packenden Worte des Oberbürgermeisters Ausdruck und betonte, er möchte auch bei dieser Gelegenheit für das Vertrauen danken, das ihm bisher entgeaengebracht worden fei. Er werde auch in Zukunft seine Pflicht in der gleichen Weise erfüllen, wie bisher. Er hänge sehr an seiner Vaterstadt Gießen und er werde nichts unterlassen, um dieser Stadt und ihrer Verwaltung in eifriger Weise zu dienen zum Wohle und zum Segen der Gießener Bevölkerung.
Die geschäftlichen Beratungen.
Die Ratsherren äußerten sich sodann zu der vom Oberbürgermeister vorgeschlagenen Erhebung einer allgemeinen Wert zuwachs st euer in der Stadt Gießen. Zu der vorgeschlagenen Steuerordnung wurden von einigen Ratsherren mehrere Gesichtspunkte geltend gemacht, zu denen der Oberbürgermeister sofort Stellung nahm. Dabei handelte es sich darum, im Falle der Wiedereinführung der z. Zt. nur ruhenden, aber nicht aufgehobenen Reichswertzuwachssteuer die erforderliche Anpassung der kommunalen Wertzuwachssteuer zu treffen, wie auch in bestimmten Sonderfällen die Anwendung des sog. Härteparagraphen zu ermöglichen. Bei der vom Oberbürgermeister vorgelegten Steuerordnung handelt es sich um die vom Reich gegebene Mustersatzung, an der formelle Abänderungen nicht möglich sind, die nur angenommen, ober abgelehnt werden kann. Der Oberbürgermeister erklärte, daß es durchaus möglich sei, zur gegebenen Zeit und auch im vorhandenen Rahmen den Gesichtspunkten der Ratsherren gerecht zu werden. Da weitere Wünsche der Ratsherren nicht geäußert wurden, erhob der Oberbürgermeister die vorgeschlagene Steuerordnung zum Beschluß.
Der Bürgschaft der Stadt Gießen für ein Darlehen der Bezirkssparkasse Gießen an den Volkshalleverein über 20 000 Mark wurde zugestimmt. Die Darlehenssumme ist dazu bestimmt, dringend notwendige Reparaturarbeiten an der Volkshalle, und zwar am Außenverputz und am Dache, zu bezahlen.
Die Rechnungsabschlüsse der Stadtkasse für das Rj. 1933 und der städtischen Nebenkassen für Rj. 1934 wurden zur Kenntnis genommen.
Einer Aenderung des Schlachthof-Gebührentarifs, die in gewissem Ausmaß für bestimmte Fälle eine Erleichterung bringt, stimmten die Ratsherren zu.
Die Neuordnung von Straßen - und Baufluchtlinien, der Bebauungspläne und der Ortsbausatzungen für das Gelände zwischen Friedhofsallee und Marburger Straße, bzw. zwischen der Eisenbahn G i e- ßen — Fulda, dem Alten Steinbacher Weg und dem Alten Friedhof nahmen die Ratsherren zustimmend zur Kenntnis. Es handelt sich dabei darum, in der Gegend der Marburger Straße bestimmte Geländeteile für Gärtnereibetriebe freizuhalten, die gärtnerisch einwandfreie Gestaltung sicherzustellen, bestimmten Erfordernissen von Grabsteingeschäften und Bauinter- effenten Rechnung zu tragen und alle diese Dinge mit den Interessen der Allgemeinheit in gebührender Weise in Einklang zu bringen. Eine ähnliche Neuordnung soll für das Gelände zwischen Bahnlinie Gießen—Fulda und dem Alten Friedhof hinsichtlich der baulichen Verwertung der Grundstücke und einem notwendigen Ausgleich zwischen Vorteilen und Lasten der einzelnen Grundstücksbesitzer auf dem Wege einer Baulandumlegung getroffen werden. Der Oberbürgermeister setzte nach Anhören der Ratsherren auch diese Bestimmung in Kraft.
Schließlich wurde noch von einem auf Ersuchen der Regierung festgesetzten Nachtrag zu den polizeilichen Meldevorschriften in Gießen Kenntnis gegeben, durch den mit sofortiger Wirkung polizeiliche
Nachdruck verboten!
11. Fortsetzung.
ter. Don hier geht es nach Oslo, denke ich. In Oslo dasselbe Manöver. Wir stehen an der Reling, bekommen natürlich keinen Landurlaub, und dann heißt es nach einiger Zeit wieder: unter Deck, Abfahrt! Siehst du ein, Rudolf, daß wir in einer Zwangslage sind? Ich will dich nicht beeinflussen, aber du mußt selber sagen: es ist ganz sinnlos, auf eine bessere Gelegenheit zu warten. Edinburgh ist ein großer Hafen und so gut wie jeder andere Platz, um weiterzukommen. Mit der Sprache haben wir hier, wo englisch gesprochen wird, sogar weniger Schwierigkeiten, als in einem anderen Hafen. Norwegisch kann ich kein Wort."
Rudolf Terbrügge nickte mit kurzem Ruck des Kopfes. „Laß uns unsere Sachen anziehen, John, ein Bündel unter den Arm, und dann wollen wir versuchen, an dem Posten vorbeizukommen."
„Komm. Du trägst die Bündel, ich übernehme den Mann der Wache." Sie gaben Niedholz die Hand. „Lebe wohl, Landsmann, und Dank für alles."
Niedholz beugte sich vor. „Geht in den nächsten Tagen öfter einmal zum Hauptpostamt und fragt unter eurem Namen nach Post. Vielleicht kann ich eure Papiere doch noch erwischen und sie euch schicken."
„Niedholz, du bist goldrichtig!'
Es verging nicht vielt Zeit. Der Wachtposten am Kai sah einen Heizer vom Schiff auf sich zukommen. Er trat ihm in den Weg. „Es darf keiner an Land", sagte er, „der Kapitän hat es verboten.
„Ach", sagte John Schnakenbeck, „auch nicht auf den leeren Kai, sich die Beine ein bißchen vertreten?"
„Verboten", sagte der Matrose lakonisch. Er hielt die Hand auf der Revolvertasche, scheinbar hatte er strenge und genaue Befehle.
„Sind wir hier Gefangene, Galeerensträflinge? grollte der Heizer. Ohne eine Antwort zu geben, zuckte der Matrose die Achseln. Er wäre natürlich auch lieber an Land gegangen.
John Schnakenbeck wandte sich mit gespieltem Mißmut ab. Er drehte sich um. Der Posten ließ die Hand von der Waffe finken. Er war ganz arglos.
Um so überraschender traf ihn John Schnaken- becks Angriff.
Der Heizer fuhr plötzlich herum, wie bei einer befohlenen exakten Kehrtwendung. Im gleichen Augenblick, ehe dec Wachtmatrose auch nur die Hand
Unbetannte Fracht
Homan von Frank F.vraun.
Wenn sie nach sechs Stunden in das Mannschaftslogis famertf mochte feiner mehr reden. Sie janken auf ihre Lager und schliefen ein. Die Mahlzeiten waren eine Störung. Wenn einer der Matrosen sie versehentlich aufweckte, indem er sie unsanft anstieß, bekam er einen grimmigen Fluch mit auf den Weg. Schlafen, schlafen, schlafen... Nie erfahrenes, nie richtig gespürtes Glück: es gab das, einige Stunden auslöschen dürfen, nicht da sein schlafen...
Das Essen war gut und reichlich. Sie wußten nicht, daß das ihre immer besonders ausgesucht war. Der Koch hieß Niedholz, er stammte aus Bremen und unterstützte seine Landsleute auf so harmlos gutmütige Art. Immer fand sich ein Stuck Fleisch in der Erbsensuppe; wo die Matrosen vergeblich gefischt hatten, holten John Schnakenbeck und Rudolf Terbrügge zum Neid der anderen em Schweinsohr oder ein Stück Rindfleisch heraus.
Das ging so viele Tage und Nächte. Sie zählten nicht mehr. Wohl hatten sie gehört, daß ein schottischer Hafen angelaufen werden sollte, aber sie glaubten nicht mehr daran. Das Meer war endlos ohne Land. — In Wirklichkeit waren sie noch nicht einmal eine Woche unterwegs und iteuerten schon die Leuchtfeuer des Firth of Forth an. Als sie an diesem Tage vor Edinburgh im Grantonhafen jeft- machten, merkten die beiden unter 'M °.orvJ? Feuern gar nicht, daß das Schift silllgelegt wurde. Erst Durham mußte ihnen die Nachricht Zurufen. Sie waren taub geworden, hatten feine Suingel- fignale mehr vernommen, er mußte sie anschreien.
Als sie an Deck famen, standen sie eine Weile an der Reling und sahen zum Land hinüber. Die Docks am Heck waren nahe, aber der Kai, an dem die „Queen Elizabeth" festgemacht hatte lag so dicht vor ihnen, war geradezu greifbar. .. Mittschiffs war eine Laufplanke herabgelassen. Em Matro e stand dort Wache. Es war gegen Abend. Die Stadt begann sich mit Lichtern zu schmücken. Aus dem Kai -waren nur vereinzelt Menschen zu sehen.
„Da leben Menschen", sagte Rudolf Terbrügge, er war heiser und schluckte etwas hinunter, „sie gehen tagsüber einer friedvollen Tätigfeit nach; vielleicht haben sie einen Beruf, den sie lieben und der sie ausfüllt. Wir aber steigen morgen schon, ober wann dies Schiff der Pein wieder in See gehen mag, abermals in die Hölle himib."
„Dies ist Edinburgh, Rudolf, eine große Stadt, ein bedeutender Hafen im Norden Schottlands. Die Welt ist hier nicht etwa zu Ende." John Schnaken- beck sagte das langsam, er tröpfelte die Worte hin, daß sie in Rudolf Terbrügges Kopf gut einbringen sollten.
„Woran benfft du, John?"
„Ich benfe.. ", John Schnafenbeck sah ben Wachtposten am Laufsteg bebeutungsvoll an, „baß man einen einzelnen Mann überrennen kann."
Sie fuhren herum. Eine Hand hatte sich auf Rudolf Terbrügges Schulter gelegt. „Tu es nicht, Kamerad", sagte der so unerwartet aufgetauchte Mann, „sie fangen euch, es ist eine englische Stadt, sie liefern euch "aus den englischen Dampfer zurück."
„Wenn sie uns fangen, Niedholz", sagte John Schnafenbeck und sah den Koch an. Er wußte, ohne daß darüber geredet worden war, Niedholz würde sie nicht verraten.
„Ihr müßt euch zumindest ein paar Tage versteckt halten, ich glaube, die „Queen Elizabeth blieb nicht lange hier. Habt ihr Papiere für nachher?"
„Die hat der Zahlmeister."
„Der Dicke ist mit dem Kapitän an Land gegangen. Aber seine Tür ist nicht verschlossen, der Steward sollte aufräumen. Wenn er eure Papiere nicht in den Safe geschlossen hat..." Niebholz sah die beiden an. Er war von ihrer norddeutschen Art, fein Mann vieler Worte. „Wartet hier", sagte er, „ich sehe nach. Es fiele auf, wenn ihr dort em- öringen würdet." t ,
Sie warteten, wo sie ftanben. „Bist du wirklich entschlossen, John?"
„Nicht allein, aber mit dir!
,Zch gehe mit. Auch ohne Papiere. Dort unten noch länger, das ist, glaube ich, der Tod
Der Koch fam zurück. Er zop die Achseln hoch. „Die Tür war doch verschlossen , sagte er bedruckt.
John Sch.^kenbeck schien trotzdem ensichlo!^m „Es wird in jedem Hafen dasselbe sein. Wenn wir es nicht wagen, ohne Papiere zu entfliehen, kommen wir von diesem Schiff lebendig nie mehr herun-
hätte heben können, sauste ihm ein Faustschlag mit solcher Wucht und Genauigkeit gegen die rechte Kinnecke, daß er lautlos, sofort besinnungslos und knockout geschlagen, in sich zusammensackte. Er fiel nicht um, er stürzte in die Knie und sank in sich zusammen, als sei er vorher aufgepuftet gewesen.
Zwei Männer rannten mit kurzen Schritten über die Planke. Der eine von ihnen war mit zwei Seesäcken bepackt. Sie verschwanden auf dem fast menschenleeren Kai hinter einem Schuppen, ohne daß jemand den Vorfall beachtet hätte. Das Gewirr der rürfliegenben Baracken und Häuser verdeckte und schluckte sie.
Der Koch Niedholz wandte sich mit einem Seufzer der Erleichterung ab und ging in seine Kombüse. Er war nie auf Deck gewesen und hatte nichts gesehen.
Die beiden Flüchtlinge hielt feiner an. Sie^ge- langten in die Stadt wie hundert andere Seeleute, die heute unterwegs waren mit ordnungsmäßigem Landurlaub. Auf ihren Gesichtern sah man den Unterschied keineswegs.
Es wurde rasch dunkel. John Schnakenbeck und Rudolf Terbrügge wagten freier aufzutreten. Wenn sie nicht gerade dem Kapitän und dem Zahlmeister in die Arme liefen, waren sie vorläufig gerettet.
Sie sahen mit Staunen eine Stadt, die auf Bergen aufgebaut schien, eine große Stadt auf zwei ober drei Höhenzügen, die mit Seilbahnen den Verkehr bewältigte. Sie blieben unten in der Hafengegend; nicht gerade bei den Docks, das schien ihnen gefährlich. An Straßenschildern, die recht genaue Angaben machten, erfuhren sie, daß sie sich gar nicht im eigentlichen Edinburgh befanden, sondern in Leith. Aber diese Wissenschaft nützte ihnen nichts.
Sie waren müde. Der Hunger plagte sie weniger. Rudolf Terbrügge hatte noch etwas Proviant, der ihnen zustand, Brot und Speck, erwischen können. Den verzehrten sie auf einer Bank in einer Anlage, die um ein Denkmal herumlief, von dem sie nichts Rechtes mehr erkennen konnten. Dann zählten sie ihr Geld. Sie hatten während der Fahrt keine Gelegenheit gehabt, auch nur einen Pfennig auszugeben; das wurde ihnen jetzt zum Glück. Die Barschaft mußte reichen. Da eine Banknote von 20 Mark dabei war, würde es keine Not haben, eine Unterkunft für die Nacht zu finden. Deutsches Geld war überall gut und gern genommen.
(Fortsetzung folgt!)


