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Reisen und Wandern

vor sünfzigIahren

Auf dem Gleiberg

Brief eines HohensolmserS an seinen Freund.Zum Gleibergfest am 19. Juli

Wanderfahrten

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Michelbach 141.

44110

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charakteristischer Schutt nunmehr fast alle Keller­einst durch das gedachten, mit

Werbe-Drucksachen bei Brühl, Schulstr. 7

Eine Einladung

an dieser Stelle z. Besuch Ihres Hauses führt zu Gästen aus

Gießen u.Oberh.

. Die Öcutfchc flrbcltofront

- n.9.=Gemcinf(haft .firaft durch freuöc"

erwähnten Schloßhause, dessen Giebel nach Krofdorf sieht, ist der größtenteils weggeschafft, so daß räume, auch der, in welchen wir

Laubach Seental Petershainer Hof Rudingshain hoherodskopf Schotten.

Diese Wanderung, die durch einen reizvollen Teil unseres heimatlichen Gebirges führt, beginnen wir in Laubach, wo wir uns das gräfliche Schloß mit Park ansehen. Rote liegende Kreuze führen uns zu­nächst nach dem Seentale, das wir bei der Schrei­nersmühle erreichen, hier treffen wir die von Gießen kommende blaue Dreiecksmarkierung, die uns tal­aufwärts durch das liebliche Tal am Oberseenerhof vorbei durch schöne Waldpartien nach dem Peters­hainer Hof leitet. Bis zum Treffpunkt der ebenfalls von Gießen kommenden gelben Striche, die von da ab bis auf die höhe unser Führungszeichen bilden, begleiten uns noch die Dreiecke. Wir überschreiten die Staatsstraße, kommen durch das im Niddatal gelegene Rudingshain, hinter dem alsbald der Wald beginnt. An der Niddaquelle vorüber gelangen wir in mäßigem Anstieg hinauf zum hoherodskopf (im Klubhaus gute Einkehr). Rote Ringe führen uns über den Gackerstein und Michelbach hinab nach unserem Endziel Schotten. Wanderzeit 6 Stunden.

Sommerfr. Burghaun, sch.waldr.Geg.d.V.- Rhön.SchwImmg.mlt Llegew., Liegest u. Paddelb., sch. Z., z.T. fl.W.,4erstkl.Mahlz., per Tag 3 RM., Keine Mebenk. Metzgerei u Gasthaus zum Engel Teleph. Hünfeld 140.

Luftkurort Hohenstein

GMlms u. Mion Burg Hohenstein

Sommerfrische,Wochenende. Pro­sv ekt durch H. Keßler. Fernsprecher

Die Veittagsordnung des Reichsnährstandes für Landarbeiter.

hier wandelt, vom Morgen bis zum Nachmittag, was jung ist. hier badet, hier turnt, hier sonnt sich, hier übt seine fröhliche Nachdenklichkeit der ver-,----- ----- . .

zauberte Mensch. Er schaut auf die Genien, die rosa den herbst und Winter, wo man lässig sagen wird: oder hellblau oder hellgrün gewandet, auf leichten!Als ich damals in Holland war ..." vu.

Füßen vorüberschreiten, bronzebraun von haut und ihrer gleichnishaften Grazie nicht bewußt. Es macht gar nichts aus, daß diese sämtlichen Genien Ham» borgisch sprechen.. Der verzauberte Mensch mag das alles sehr gern, Kindergelächter, Scherzworte, müßiges Geplauder mit dem Unterton der Melo­die, die das Wasser summt. Er liebt es auch sehr, wenn er gebadet hat, ein Glas Porter zu trinken. Wie er es gleicherweise liebt, bis zum äußersten Zipfel der Düne zu gehen. Dort ist der Blick ins Grenzenlose ausgetan und dort taumeln, schweben, jagen, kreischen, segeln geruhig die Möven zu Tau­senden.

bewußte Kellerloch einzudringen ihren verschiedenen Treppen zugänglich sind.

Prlv.-Pens..Haus Schloßblick, im Luftkurort Schönberg i.Odw. bietet Nubebedürftigen freundlich. Aufenthalt, dicht am Walde, gute Verpflegung, billige Preise. Lstdl. Postautoverkehr mit Bahnstatwn Bensheim a. d. Bergstraße, (aaavD

Auch die dabei befindliche unterirdische Schloß­kapelle, deren Säulen aus dem Schutte hervorzu­sehen pflegten, ist jetzt ausgeräumt. Unter dieser Kapelle hatte sich gleichfalls ein Keller befunden. Da er aber nur ein Balkenkeller war, ist er, als das Gewölbe der Kapelle eingestürzt war, gleich­falls zertrümmert worden.

Im Schutte daselbst hat man Pfeilspitzen, Gabeln (zum Essen) mit einem Zinken, Armbruststücke, Bruchstücke von Sachen aus gebranntem Ton und dergleichen Dinge gefunden. Ich selbst fand in dem Schutt Eisenstücke, welche offenbar Bruchstücke eines eisernen Rades (Kanonenrao) gewesen sein mögen. Bei sorgsamer Durchsuchung dürfte man immerhin noch allerlei altertümliche Sachen finden. In Gießen hat man ein förmliches Museum solcher auf Glei­berg gefundenen Sachen angelegt. Don Rechts wegen müßte es auf Gleiberg aufbewahrt werden.

Das Interessanteste aber, was man bei diesen Ausgrabungen gefunden hat, ist das Fundament des viereckigen, allerältesten Bergturmes, welcher mehr nach Vetzberg hin gestanden hat und zwar aus der Stelle, wo bann später das jetzt in Schutt liegende Schloßhaus mit feiner charakteristischen Giebelspitze erbaut worden war. Die südliche Giebel­wand dieses Hauses besteht zum Teil aus einer Mauer jenes allerältesten Turmes. Ueberhaupt sieht man jetzt sehr deutlich, daß an allen diesen Mauern und Räumlichkeiten im Laufe der Jahrhunderte Veränderungen der mannigfachsten Art vorgenom­men worden waren. Ueberall sieht man in den alten Mauern noch ältere Mauerreste, welche ur­sprünglich ganz anderen Zwecken gedient haben mögen. In dem Verlies, in welches einst Dein Knappe Heinrich mit einem brennenden Talglicht kroch, ist leider noch nichts aufgeräumt worden.

Unter all den hübschen behaglichen Einrichtungen, welche nun schon auf der Burg getroffen worden sind, bedauerte ich nur den Umstand, daß man den großen Schloßhof in eine Gartenanlage verwandelt hat. Gerade durch den großen freien Raum wäre meines Erachtens das restaurierte Schloß mehr ge­hoben worden, als durch das nun gepflanzte Ge­strüpp, zwischen welchem nur enge Pfade führen.

Hohensolms, den 2. Juni 1883."

ZdR. Im Reichsanzeiger vom 8. Juli veröffentlicht der Reichsbauernführer mit Genehmigung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft und mit Zustimmung des Reichsministers der Fi­nanzen die Beitragsordnung des Reichsnährstandes für Gefolgschaftsmitglieder in bäuerlichen und land­wirtschaftlichen Betrieben.

Danach sind alle Personen, die als Arbeiter oder Angestellte in der Landwirtschaft nicht nur vorüber­gehend tätig sind, beitragspflichtig. Der Beitrag staffelt sich nach der höhe des monatlichen Arbeitslohnes (einschließlich der Sachbezüge) in vier Beitragsklassen und beträgt bei einem monat­lichen Arbeitslohn bis zu 70 Mark 0,30 Mark, bis zu 120 Mark 0,60 Mark, bis zu 150 Mark 0,90 Mark und bei einem darüber hinausgehenden Ar­beitslohn 1,20 Mark je Monat. Gefolgschaftsmit­glieder mit drei oder mehr Kindern werden jeweils in die nächstniedrigere Beitragsklasse eingereiht, mindestens jedoch in die erste Beitragsklasse. Die Abführung des Beitrages erfolgt durch den Be­triebsführer bei der letzten Lohnzahlung im Monat, der für die einbehaltenen Beiträge die entsprechen­den Marken in eine Beitragskarte klebt.

Die Beitraaskarte wird von der zuständi­gen Kreisbauernschaft ausgestellt und ist bei Antritt Der beitragspflichtigen Tätigkeit dem Betriebsführer zu übergeben. Sind auf der Beitragskarte sämtliche Markenfekder beklebt, so ist sie bei der Kreis­bauernschaft gegen eine neue Karte umzutauschen. Der Betriebsführer haftet für die Einbehaltung der Beiträge und das Bekleben der Beitragskarten wird laufend durch Beauftragte des Reichsnähr­

standes überwacht, denen der Betriebsführer jede erforderliche Auskunft zu erteilen hat.

Von der Beitragspflicht ausgenom- m e n find solche Gefolgschaftsmitglieder, die nur mittelbar in der Landwirtschaft oder ausschließ­lich im haushalt tätig sind, wie Buchhalter, Steno­typistinnen, Hauslehrer, Stubenmädchen usw., fer­ner Gefolgschaftsmitglieder, die außer in der Land­wirtschaft überwiegend in einem gewerblichen Be­trieb desselben Betriebsführers beschäftigt sind. Auch Ehefrauen beitragspflichtiger Gefolgschafts­mitglieder und Familienangehörige des Betriebs­führers, mit denen fein verficherungspflichtiges Ar­beitsverhältnis besteht, brauchen keine Beiträge zu zahlen, ebenso sind solche Gefolgschaftsmitglieder, die nur freie Kost, Wohnung und Kleidung erhal­ten, von der Beitragspflicht ausgenommen.

Entstehen über die höhe des zu zahlenden Bei­trages und über die Beitragspflicht Meinungsver­schiedenheiten, so erteilt die Kreisbauernschaft einen schriftlichen Bescheid, gegen den Beschwerde beim Landesbauernführer eingelegt werden kann. Die Entscheidung des Landesbauernführers ist endgültig.

Die Beitragsordnung tritt am 1. September 1936 in Kraft. Gefolgschaftsmitglieder, denen bis dahin eine Beitragskarte nicht zugeftellt worden ist, müssen die Ausschreibung der Beitragskarte bei ihrer Kreisbauernschaft beantragen. Betriebsführer, die beim Jnkraftreten der Beitragsordnung Ge­folgschaftsmitglieder beschäftigen, müssen deren Name und Anschriften nach näherer Anweisung durch den Landesbauernführer ihrer Kreisbauern- saft melden.

Die Zauberinsel.

Lon (Sari Bulcke.

Der Mensch hat sich davon erzählen lassen, daß mitten in der Nordsee ein deutsches Schlaraffenland sei. Der Mensch muß sich das ansehn. Die Menschin auch. Sie gehn als kühne Seefahrer in Hamburg ober in Bremerhaven an Bord, sie haben Mords- angst vor ber Seekrankheit, sie erwischt sie, ober sie erwischt sie nicht, sie lanben nach einigen Stun­den auf Helgoland, es dauert keine Stunde, sie sind im Bilde. Was die Länder rund um die Erde sich an guten Dingen ausgedacht haben, ist billig auf ber Insel zu kaufen, billiger als auf bem Festlanb. Dieses kleinen Lockmittels wegen kommen jährlich viele Tausenbe Volksgenossen auf die Insel, herrlichste Insel, die Deutschland besitzt.

Man kann es auch ganz anders sagen. Der Mensch, ber hierherkommt, kommt schon jahrelang hierher. Ihm ist es ganz gleich, baß es hier allerlei Begehrenswertes so billig gibt. Er weiß, baß er hier mit seiner Ankunft unverzüglich ber Wohltat ber Verzauberung verfällt. Jrgenbwo ist Deutsch- lanb mit seinen Wälbern, seinen Städten, seinen Bergen und Burgen, Seen und Flußläufen; irgend­wo ist dort die bürgerliche Behausung, gewohnte Räume mit Schreibtisch, Bücherbrett, Kanarien­vogel und Blumen am Fenster. Das ist alles um aßbar weit fort.

hier ragt aus grünem, weißschäumendem Meer, geniale Laune Gottes, das rote Felseneiland, stein- jewordener Skaldensana, aus irgendwelchem ver- chollenem Grundehilliges", heiliges Land. Mit jedem Tage, den dieser Mensch hier verweilt, rückt unmerklich die Insel um tausend Meilen weiter hinein in das Weltmeer. Gab es nicht vor ein paar Tagen noch soviel Sorgen, soviel Bedenken, soviel Pein auf bem Festlanb? Es gibt keine Festland- gebanken mehr. Alles wird gleichnishaft, nähert ich ben regenbogenfarbenen Grenzen ber äußersten Unwahrscheinlichkeit. Sinb die Menschen, die hier gebürtig sind, von ber gleichen Menschenart wie auf bem Festlanb? Sinb sie nicht etwa zum min- besten Menschen, bie bas Meer verändert, gewan­delt, verzaubert hat? Man schaut sich um: Die an­sässigen Familien haben sich jetzt wie die Menschen auf bem Festlanb barauf besonnen, baß in ben Kirchenbüchern ihre Stammbäume festzustellen sinb. Sie sinb ein wenig enttäuscht weiter zurück als bis ins 16. Jahrhunbert ist bisher keine Familie Dorgebrungen. Doch man bebenfe, was bas heißt: Vor 1500 wirb alle Jubeljahr vielleicht einmal ein schiffbrüchiges Segelboot ein paar Uebertebenbe zu­rückgelassen haben, bie sich hier Gastrecht unb hei­matrecht erwarben. Sonst wuchs der Stamm weiter und blieb, wie er war. Sonst ist hier jahrhunderte­lang jeder Nachkömmling sein eigener wesensglei­cher Vorfahr gewesen, ihm gleich an Wuchs, an Gesinnung unb in ben Augen.

Als noch Tropenglut auf bem Festland herrschte, als es Drachen gab, Fabeltiere, Mammute und mit riesenhaften Blumen wuchernde Dschungel, jauchz­ten hier um das Eiland bie Seejungfrauen, trom­peteten im Sturm bie Meergötter, blonb von haar, weiß von haut unb bie Augen hell wie Seewasser. Sie kamen zu Besuch auf bie Insel? Sie mürben ben Jnselleuten Freunb? Sie würben gar bie Väter unb die Mütter ber ersten Menschen hier? Wer hier auf ber Insel als Verzauberter lebt, weih, baß es bestimmt so gewesen ist. Die Jnseltöchter gehn noch heute daher, schlank von Körper unb schlank von Seele, als seien sie leibhaftige, eben ans Land gestiegene Seejungfrauen. Unb einen alten Schiffer weiß ich hier, dessen Großvater war bestimmt ein Seehund. Ein schönes Wort aus bem zweiten Teil bes Faust fällt mir ein:Alles ist aus bem Wasser entsprungen, alles wirb burch bas Wasser erhalten, Ozean, gönn' uns bein ewiges Walten."

Verzauberung: Feierlichkeit ist es, bie diese Ver­zauberung bewirkt, Ahnen von Dingen, die wir nicht wissen, nicht mehr wissen, Aufschwung, be­seligte Lebensbejahung, Andacht im Aufschauen zum gestirnten Himmel, tausendchöriger hallender Gesang der Welten über uns, wenn das Meer brüllt.

Doch es stände nicht gut um unsere Erde, es ent­spräche nicht ber genialen Laune Gottes, wenn auch nur ein Teil ber Schöpfung, unb märe es biefe kleine Insel, nichts anberes lehrte als Feierlichkeit. Ueberall neben ber Feierlichkeit stellt sich bie An­mut ein, bie Heiterkeit, bas Lächeln ber Freube. Eine Viertelstunbe ber Insel entfernt liegt bie Düne.

Wetzlar Kloster Allenberg Burgsolms Braunfels.

Diese Wanberfahrt ist, ba sie nicht burch Wald führt, für bie kühleren Tage zu empfehlen. Wir fahren nach unserer Nachbarstabt Wetzlar und folgen, nachdem wir bie Stadt durchschritten haben, in west­licher Richtung roten Punkten, bie uns auf guter Straße an einem Erinnerunasstein vorüber nach bem, auf einer Anhöhe malerisch über dem Lahntal gelegenen ehemaligen Kloster Altenberg bringen. Sehenswert ist das Innere der alten Klosterkirche unb ber Park: auch der Blick von der Klosterterrasse in das Tal ist überraschend schön. Das Zeichen leitet uns weiter über Oberbiel, hinter bem wir bie Lahn überschreiten, hierauf durch das inbustriereiche Burg­solms hinauf nach Braunfels, beffen herrliches Schloß uns schon von weitem entgegengrüßt. Nach Besichti­gung von Stabt, Schloß und bem nahegelegenen Tierpark sowie einer Erholungspause gehen mir burch ben lieblichen Mühlengrunb zur Station Braunfels, von mo mir nach 3^ftünbiger Wande- rung heimfahren.

Das Auto hält. Man ist in Groningen auf bemGrooten Markt". Man mischt sich unter bie Einwohner, tut als wäre einem alles bekannt. Aber ba stutzt ber Blick. Werben hier auch alte Sachen verkauft? Wer soll zum Beispiel jenen alten Stroh­hut kaufen? Ober dort bas gebrauchte Untergestell eines Kinderwagens, an bem sonst alles fehlt? Schnurrig! Fragen kann man nicht, denn bazu reichen bie eingelernten Wörter nicht aus. Aber dort ber blaue Feuerwehrmann, ber in Wahrheit ein Polizist ist, spricht genug deutsch und zeigt freundlich den Weg, wie man denn überhaupt zu uns Deutschen sehr freundlich ist, was wohltut. In­zwischen hat man auch sein Geld gewechselt und klimpert mitDevisen". Ader wo ist die Post? Man will doch nach Hause schreiben! Man fragt einen Fuhrknecht, ber auch etwas deutsch spricht; man sagt mehrmalsPost? Post?" aber erst beiPost- kontor" hellt sich die Miene verständnisvoll auf. Das find so Reiseerfahrungen, die man sammelt.

Zum Schluß stärkt man sich an Erdbeeren, deren Güte nur noch von ber Billigkeit übertroffen wird. Man steigt ins Auto, flitzt gen Delfzyl zurück; be­steigt denOzeanriesen"; knipst schnell noch den dicksten Mann von Holland; unb kommt mit ver­klärter Reisemiene gerabe zum Abenbbrot in Nor- bernet) roieber an. Aber man war im Auslanb! Man hat jenseits der Grenzpfähle gelebt; kennt Land unb Leute" genauestens; unb freut sich auf

Seitensprung nach Holland.

Immer nur in Norderney am Strand He* jen? Immer nur sich von der Sonne bescheinen lassen? Immer nur mit bem Zeigefinger nach ber holländischen Küste weisen? Nein! Auch im Urlaub hat man Verpflichtungen vor sich selbst unb Neugier genug, einmal einen ganz kleinen Blick ins Nachbarland zu werfen. Unb so sitzt man eines Tages mit einer Schar gleichgesinnterWelt- reisender^ auf einem Schiff, verläßt ohne Tränen die teure Heimat unb steuert dem Ausland zu. Bitte sehr: dem Ausland zu! Denn man hat Placke­reien mit bem Zoll, und auch die Devisenfrage ist zu regeln! Das gesparte Geld für den Aufenthalt an der See hat man hübsch in Verwahrung zu geben. Das übrige genügt schon für diesen Seiten­sprung.

Ja und da ift auch schon Holland. Zu­nächst nicht viel anders als friesisches Land. Aber dennoch: so schmuck hat man sich das kleine Hafen- städtchen Delfzyl nicht oorgestellt. Delfzyl? Schon denkt man an das zarte, sanfte, blau-weiße Delfter Porzellan. Und so erscheinen einem bann auch bie Menschen. Nicht etwa träge; nein, nur langsamer; was auch im Warten auf ben Rundreisebus zum Ausdruck kommt, der uns nach Groningen, der drittgrößten Hafenstadt Hollands, bringen soll und auch bringt. Denn einmal angekurbelt zeigt auch dieses Auto, daß esetliche drauf hat". Vor­bei gehts an vielen Kanälen, die sich schnurgerade durchs Land ziehen. Man lernt in Wirklichkeit ken­nen, was einPolder" ist: eine Marschlandstrecke mit Deichen gegen die Flut, die man in Schleswig- HolsteinKoog" nennt.

Jetzt aber sieht man so recht, wie sauber hier alles ist! Man ergötzt sich an den blanken Klinker- Häusern, bie alle bunte, blühende Blumenfenster haben. Man läßt sich erzählen, daß die holländische Hausfrau beim Reinemachen nicht nur ebenso fleißig wie bie deutsche ihre Fenster putzt, fonbern baß sie auch mit Eimer unb Schrubber an die Klinkerhauswände geht, was ben geputzten Kalk- roänben in Deutschland schlecht bekommen würde.

Doch da muh man noch vor der Ankunft in Groningen eine kleine Denksportaufgabe lösen. In Holland herrscht Amsterdamer Zeit (AZ.) und nicht wie daheim Mitteleuropäische Zeit (MEZ.). Also gefälligst die Uhr 40 Minuten zurückstellen! Aber: weil nun Sommer ist, unb jetzt bie Amsterdamer Sommerzeit (ASZ.) gilt, heihts bie Uhr roieber eine Stunde vorstellen. Kluge Menschen machen das in einem Zug und stellen die Uhr 20 Minu­ten vor.

Der im 99. Jahre bestehende Gleibergoer- e i n feiert am Sonntag, 19. Juli, auf Burg Glei­berg sein traditionelles Sommerfest. Daß die alte Burg sich heute in jeglicher Hinsicht in so gutem Zustand befindet, ist bem um 1880 zu neuem Leben erwachten Gleibergverein zu verdanken. Aus dieser Zeit stammt nachfolgender Brief eines Hohensolmser Einwohners an seinen in Italien lebenden, aber sehr an ber (Bleiberger Hei­mat hängenden Freund. Der Brief veranschaulicht, was damals auf dem Gleiberg oorging.

Ich will Dir lieber erzählen, wie ich einmal nach dem Gleiberg reifte, und was ich dort sah: Der Burgberg ist auf der Seite nach Gießen mit aller­lei Gehölz völlig gartenartig angelegt. Zickzackpfade führen bis zum Schloßtor hinauf. Rechts und links von ber Durchfahrt sind norm Schlöffe terraffen- artlge ebene Flächen hergestellt. Auf einer berfelben stehen drei Kanonen von mittelalterlicher Form auf schweren Festungslafetten mit kleinen Rädern unb mit allem versehen, um sofort losbonnern zu kön­nen. Unb letzteres pflegt allsonntäglich zu geschehen, wobei ber Boden bröhnen und bie Fensterscheiben im Schlosse flirren sollen. Der Kanonenbonner ist inbeß nichts Feinbseliges, wie ehedem, als die Kur- Hessen kamen, sondern nur eine Art Reklame für die Wirtschaft, welche jetzt daselbst geführt wird. Unb außerordentlich soll ber Zubrang von Fremben so­wohl an Sonntagen, wie auch in der Woche sein, so baß oft bie ganze Legion Gartenstühle unb Bänke und altdeutsche Sessel, welche in ben Zim­mern bes Schlosses unb in ben (Bartenanlagen in ber Ruine aufgestellt sinb, mit Beschlag belegt sind, so daß ein etwas spät fommenber Tourist kein freies Plätzchen mehr finben kann. Um Fernwohnenben ben Besuch ber zu neuem Glanz erwachten Burg zu erleichtern, ist sogar eine Eisenbahnhaltestelle in ber Nähe von Gleiberg eingerichtet roorben.

Der sog.Gese11igkeitsverein Glei­berg" hat die ganze Burg Gleiberg als Eigen­tum erworben unb gedenkt, das noch unter Dach befindliche Schloßgebäude wieder vollständig bis zum obersten Dachraum wohnlich herzustellen, was diese Gesellschaft nunmehr bereits größtenteils durchgeführt fyat. Und zwar ist jeder Raum im Stile der Zeit seiner Erbauung mit Wanddekora- tion, Möbel und Fenster versehen. Der schönste Raum ist ein großer Saal im zweiten Stockwerk. Altdeutsche Möbel aus unpoliertem Eichenholz, die Wände mit Bänken und seltsamen Kannen, Hum­pen und Büffelgeweihen verziert, eine altdeutsche Wanduhr. Auch paradiert hier jener Dir gewißlich noch erinnerlich hoher Schrank, welcher früher in einem unteren Gemache stand. Auch die Türen mit ihren Schlössern und sonstigen Beschlägen sind von altdeutscher Fasson, und zwar ist der Verfertiger dieser Eisenteile kein Geringerer als der Schlosser Konrad zu Krofdorf, welcher diese ihm gestellte Aufgabe nach Modellen recht gut ausgeführt hat, so daß man sich allgemein über bie Leistung dieses einfachen Mannes gewundert hat. Auch die alt­deutschen Garberobehaken hat er geschmiedet.

Die prachtvollen, aber rote mir scheint, zu grellen bunten Fenster dieses Saales (jedes Fenster soll etwa 100 Mark gekostet haben) sind irgendwo in Bayern angefertigt worden. Jedes Fenster hat einen Saum von farbigem Glase. Die zahlreichen kleinen, rautenförmigen Scheiben, zwischen wel­chen sich hier unb ba eine mattfarbige befinbet, sinb sehr fein in Blei gefaßt. In ben beiden ober­sten Feldern jeden Fensters befinden sich je zwei Wappen eingebrannt, und zwar Wappen von Glei- berger Burgmannen, meist Kleeblätter. Ein an diesen Saal grenzendes Zimmer ist mit diesem durch eine große, mehrflügelige Tür, welche ganz beseitigt werden kann, verbunden und soll gelegent­lich als Bühne für ein Sommertheater dienen. Aehnlich wie der Saal sind noch eine ganze An­zahl Zimmer bereits eingerichtet. In einem der­selben ist ein Wandgemälde (zechende Ritter und Landsknechte). Das originellste Zimmer befindet sich in dem Raum, welcher wohl ursprünglich als eine große Küche gedient hat. Die Fenster haben diese Form mit klein gegossenen runden Scheiben am Rande und rautenförmig in der Mitte.

Dabei sind die Wände mit allerlei altertümlichen Trinksprüchen unb mit roten, schnörkelhaften In­itialen verziert. An jebem Teile bes Schloßbaues unb auch an jebem Mauertürmchen, Pfortchen, Zwinger unb bergleichen ist eine Tafel angebracht, auf welcher ber Name des mutmaßlichen Erbauers und das Jahr der Erbauung zu lesen ist. In der Burg hat man bereits rüstig an der Fortschaffung des Schuttes gearbeitet Derselbe wird in ber Nahe der Giebelspitze bes zerstörten Schloßhauses einfach hinuntergeworfen, so daß man nun von weitern den Hellen Streifen dieser Schuttmasse, welcher sich den Berg hinunter erstreckt, leuchten sieht. In dem oben

Ermäßigung für DAA.-Wilglieder.

Auf Grund einer Vereinbarung mit der Leitung des Zirkys Busch wird ben Mitgliedern ber Deut­schen Arbeitsfront und ihren Angehörigen für die drei Vorstellungen am 10., 11. unb 12. Juli vom 3. Platz an aufwärts eine Ermäßigung von 50 v. H. gewährt. Die hierzu erforderlichen Ausroeiskarten find auf ber Kreisbienftstelle ber DAF. unb KdF., Gießen, Schanzenstraße 18, und bei den Betriebs­warten erhältlich.

Sonderfahrt nach Scholten.

Zu bem RennenRund um Schotten" am 19. Juli werden wir außer dem Omnibus, der be­reits besetzt ift, eine Sonderfahrt mit dem Zug nach Schotten durchführen. Der Fahrpreis, foroie Abfahrtzeiten werden Anfang nächster Woche hier bekanntgegeben. Anmeldungen können durch die Orts- und Betriebswarte oder direkt an die Kreis- bienftftelie, Gießen, Schanzenstraße 18, erfolgen.

Rhelnfahrt am 2. August.

Am Sonntag, 2. August, findet eine Sonderfahrt an den Rhein statt. Die Fahrt führt nach Brau­bach, von dort nach Rüdesheim mit bem Dampfer unb zurück. In Rüdesheim ist ein mehrstündiger Aufenthalt. Die Fahrt geht abends wieder von Braubach mit der Bahn zurück. Der Fahrpreis beträgt pro Teilnehmer 4,30 Mark. Anmeldeschluß 25. Juli.

llrlaubsfahrt nach Hamburg.

In der Zeit vom 22. bis 27. Juli fährt ein Son- derzug zum Weltkongreß für Freizeit und Er­holung nach Hamburg. Anmeldungen müssen um­gehend auf ber Kreisdienststelle, Gießen, Schan- zenftraße 18, abgegeben werden. Der Fahrpreis mit voller Verpflegung beträgt 27,50 Mark.

RuhlK.ErholungNaufenthalt bietet kleine, gute Privatpension I. schönst Westerwaldgegend, Berge, Wald, Wasser. Höhenlage. Gute, reichliche Verpflegung (4 Mahlzeiten). Tagespreis 3 RM. Neuzeit­lich eingerichtete Zimmer. 4250d

Alaert Knnz u. Müller, Eibelshausen

Bergstraße 70, über Dillenburg.

Weilburg - Lahn Besucht die Sommerfrische Gnn- tersau. Herrlich gelegen, bestge­führt, 4 Mahlzeiten, 3.50. Tel. 383. Tr. Bad, Liegewiefe. owD