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Nr. 154 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Donnerstag, 11. Zum 1956

Ukrainische Misebilder.

Don unserem E.S.-Äerichterstatter.

IIL

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Moskau, Ende Mai 1936.

Mit Stachanow in der Kohlengrube.

Am andern Morgen fahre ich in Begleitung eines Steigers mit derSt a ch an o w"-S ch i ch t in die Grube ein. Wir gehen durch die Stollen zur StreckeNikanor-Woftok". Dort hat Stacha­now seinen erstenRekord" aufgestellt. Wir klettern nach zwei Kilometer langem Anmarsch von der Strecke zum Stoß hoch, einer hinter dem anderen, oft auf dem Bauche kriechend. Endlich zeigt sich ein fester, ausgedehnter 1 bis 1,5 Meter dicker Flöz. Am schrägen Hang eines so fetten, reichen Flözes lassen sich freilich Wunder vollbrin­gen! Kohle gibt es hier unten so viel, daß man gewiß nicht sparsam zu hauen,auszukratzen" braucht. Der Fülle und dem Reichtum der Kohle entsprechend sind auch die Abbaumethoden reichlich extensiv. Meist wird ganz ohne Versatz abgebaut.

Stachanow arbeitet an jenem Morgen an mehre­ren Abbaustellen. AlsInstruktor" für die Arbeit mit dem Preßlufthammer unterweist er auch andere. Er kennt den Flöz, weiß, wo er am ver­wundbarsten ist. Wenn er haut, fällt die Kohle in großen Stücken ab und rutscht vom Abbau den Stoß herunter. Hier unten ist er in seinem Element.

Ich klettere in einen Abbau, wo der Hauer Schischkift arbeitet. Auch er istStachanow- arbeiter". Zwanzig Meter will er heute geben. Er hat zwar nicht die Körperkräfte Stachanows, be­arbeitet den Flöz aber geschickt und emsig. Zuerst lockert er' oben am Hang, dann bohren sich die scharfen Schrämzähne des Hammers von unten her in die Kohle. Auch Schischkin meistert den schweren Hammes, aber in der fünften und sechsten Stunde wird er,, doch zusehends matter. Die ununterbrochene Arbeit - mit dem Hammer (es wird in allen Gruben des Dionbas während der siebenstündigen Schicht ohn e Pause gearbeitet) erfordert eine gewaltige körperliche Anstrengung. Ihr sind auf die Dauer nur .wenige gewachsen.

23on den Parteiorganisatoren der Grube erdacht, Dorij Stachanow zum erstenmal durchgeführt, be­stehen dieneuen" Arbeitsmethoden, so sehe ich jetzt an Drt und Stelle, vor allem in der vollkommenen Arbeitsteilung zwischen Hauer und Zi mmerer. Diese Arbeitsteilung ist technisch bei schftäg hängenden Flözen durchaus möglich, bei waagerechten Flözen nicht ungefährlich. Der Be­sucher erinnert sich an die Ruhrbergwerke. Dort mciren meist drei Mann auf dem Abbau im Ge- dinwe, die zu einem von Fall zu Fall festgesetzten Akkordsatz arbeiteten, und sich selbst die Arbeit so einteil'ten, wie es am zweckmäßigsten war. Natür­lich lLste man einander am Preßlufthammer ab. WennX hier dagegen nun ein durchschnittlicher, ge­übter jpauer, wie Schischkin, 20 bis 30 Meter Kohle mit d/rn Preßlufthammer abhauen kann dank der /dealen Qualität des Flözes imNikanor- Wos/ok", so müssen natürlich eine ganze Reihe von/ Zimmerern hinter ihnen her sein. Denn die Vezkzimmerung läßt sich schon nicht so beschleunigen, wi^tz dies mit der Hauerarbeit geschehen kann. Ai ußerdem arbeiten die kräftigsten Hauer, die 6 Ms 7 Stunden ohne Ermüdung den Preßlufthammer Whren können, nicht an einem Abbau, sondern cjn 4 bis 5. Die Zahl der aktiven Hauer hat sich aLuf den Gruben auch dementsprechend vermindert, jfcie Zahl der Verzimmerer dagegen bedeutend er­höht. Natürlich ergibt sich durch die Arbeitsteilung ein Mehr für die Gesamtförderung, das sich aber zur Steigerung der Einzelleistungen der Hauer höchstens wie 1:3 oder 1:4 verhält.

Sechs bis sieben Stunden täglich ohne Pause

den schweren Preßlufthammer zu führen, ist eine gewaltige Anforderung an die mensch­liche Muskelkraft. Kein westeuropäischerKapitalist" würde es wagen, von seinen Arbeitern dies zu verlangen. Der Sowjetstaat braucht derlei Bedenken nicht zu haben, denn die Arbeitskräfte, die ihm zur Verfügung stehen, sind billiger und... anspruchs­loser als in irgendeinem anderen, von der weißen Rasse bewohnten Land der Erde.

Der materielle Anreiz zur Mehrarbeit,lieber- füllung der Normen" genannt, ist raffiniert aus- gebaut. Für jede Tonne Kohle über dieNorm" hinaus erhält der Hauer einen steigenden Lohnsatz (Progressiwka"). Gelingt es ihm zum Beispiel, statt 8 Tonnen (Norm) 24 Tonnen zu hauen, so erhält er: für die ersten 8 Tonnen 8 Rubel, für die zweiten 8 Tonnen 12 Rubel, für die dritten 8 Tonnen 16 Rubel, insgesamt also 36 Rubel. Aehnlich ist dieProgressiwka" für die Verzimmerer abgestuft. Norm ist im allgemeinen 0,8 Meter Länge der Verzimmerung in einer Schicht. Außerdem wurde in den Kohlengruben noch ein fein ausge­klügeltes System von Prämien eingeführt (seit März d. I.). Kumpels, die im Laufe von zwei Monaten ihre Norm verdoppelt haben, erhalten den TitelM e i st e r der Kohle" (bzw.Meister des Preßlufthammers") mit einer Prämie von 150 Rubel im Monat. Wer die Norm im Laufe von zwei Monaten dreifach übererfüllt hat, wirdMeister der Kohle 1. Klasse" und erhält 250 Rubel Prämie im Monat. Titel und Prämien verlieren die Meister" wieder, wenn nach zwei Arbeitsmonaten ihre Leistung gesunken ist.

Wir gehen jetzt durch die Stollen zurück zur Aus­fahrt. Aber bevor man sich nach der Ausfahrt unter die Dusche stellen kann, muß derNarjad", die je­weils bei Schichtwechsel stattfindende Versamm­lung der Belegschaft absolviert werden. Hier sollte ich ein Beispiel derpsychologischen Be­einflussung" der Arbeiter miterleben. Der Raum im Grubengebäude ist mit roten Spruchbändern behangen, die zur Erfüllung und Uebererfüllung der Normen auffordern, dieSaboteure" bedrohen, die Planziffern anzeigen. Dazwischen die üblichen gro­ßen, bunten Bilder von Stachanow, Stalin, Ord- shonikidse usw. Eine Musikkapelle marschiert auf, spielt einen Tusch für die Arbeiter, die sich beson­ders ausgezeichnet haben, und macht Katzenmusik für andere, die während der abgelaufenen Schicht schlecht gearbeitet haben. Dazwischen werden noch aufProguljschtschiki" (Schwänzer), Faulenzer, Trunkenbolde usw. Spottverschen zum besten ge­geben. Mit Reden treten auf: der Grubendirektor Kaganowitsch, der Vorsitzende des (aewerkschast- lichen) Schachtkomitees und der Leiter des (bolsche­wistischen) Parteikomitees. Es ist heute der erste Tag derStachanowdekade". Deshalb gelten die Reden insbesondere derPlanerfüllung". Die erste Schicht hat statt 780 Waggons nur 670 gegeben, deshalb soll jetzt die zweite Schicht insozialistischen Wettbewerb" mit der ersten treten. Es wird er­wähnt, daß der Transportarbeiter Pantschenko auf der StreckeAlmas Sapad"sabotiert" habe. Er ist in angetrunkenem Zustand in. der Grube er­schienen, hat die Kohle nicht rechtzeitig verladen und dadurch die Luftzuleitung gestört. Schweigen. Keine Pfui-Rufe. Er wird verwarnt. Am Abend desselben Tages erfahre ich, daß Pantschenko be­reits ins GPU.-Gefängnis nach Kadiewka einge­liefert ist.

Man ist als Fremder immer wieder einigermaßen erstaunt, wie verhältnismäßig zufrieden mit ihrem Schicksal diese freundlichen, einfachen Menschen sind. Würde man etwa deutschen Arbeitern zumuten, sieben Stunden lang ununterbrochen mit dem Preß­lufthammer zu arbeiten, in einer kaum zwei Meter hohen Erdhütte zu wohnen und dabei so viel zu verdienen, daß es bei der überwiegenden Mehr­

heitgerade zum Brot reicht" es gäbe be­stimmt eine Revolution. Der Russe empfindet anders. Er hat nicht den kritischen Geist des west­europäischen Industriearbeiters und er hat in den letzten acht Jahren eine solche Schule des Elends und der Entbehrung durch­gemacht, daß er jeder Regierung, die ihm g e - nügend Brot verschafft, zunächst einmal nur herzlich dankbar dafür ist. Fast die Hälfte der Ar­beiterschaft des Donbas sind bäuerliche Elemente, die erst in den letzten Jahrzehnten vom Lande zugewandert sind. Aus den Gesichtern spricht noch die unendliche Geduld und Leidensfähigkeit desMuschik". Sie wissen, daß es ihren Brüoern und Verwandten draußen in den Kolchosen noch viel, viel schlechter geht, und empfinden ihre, vom Standpunkt des Westeuropäers immer noch elende Lage als gewaltigen Fortschritt gegen­über dem Leben auf dem Lande. Ganz heimlich regt sich in vielen noch die Hoffnung auf eine Rückkehr früherer Zustände.Brot gibt es jetzt wieder", so sagt mir ein bärtiger Kumpel mit schlauen Bauernaugen,und verdienen kann man auch mehr, wenn man sich gehörig anstrengt. Jetzt fehlt nur noch, daß die Sowjetmacht die ,Kollek- tierung' (Kollektivazia" er meinte d i e b ä u e r- lichen Kollektivwirtschaften) abschafft, dann werden alle wieder besser leben." Es sind Menschen einer anderen Welt, die hier schwarz von Kohlenstaub und müde von der schweren Arbeit diePolitpjatminutka" über sich ergehen lassen. Kindliche, freundliche, naive Menschen, ohne viel eigene Initiative, dem Propaganda- und Partei­apparat ohne jede Möglichkeit der Kritik, geschweige denn der Opposition ausgesetzt. Und der Partei­apparat arbeitet geschickt, er begleitet den Arbeits­mann auf Schritt und Tritt. Jede Strecke der Grube hat ihrenParteiorganisator", der für die Planerfüllung" ebenso verantwortlich ist wie für die Stimmung. Wird in sogenanntenSabotage­fällen" durchgegriffen, so verhält sich die über­wiegende Mehrzahl der Arbeiter durchaus apathisch. Ihre Geduld, auch gegenüber allem Antreibertum derStachanowbewegung", scheint unerschöpflich, trotz vereinzelter Auflehnung, die sich schon in Prügeleien oder gelegentlichen Attentaten gegen die bevorzugtenStachanowzy" geäußert hat.

Heute könnte mangroße" undkleine Stacha- nowleute" unterscheiden. Dergroßen" zählt man

in der ganzen Sowjetunion wenige Hundert. Sie sind dieRekordleute", die mit allen Mitteln von Partei und Betriebsleitung verhätschelt werden, so sehr, daß sie selbst darüber klagen, nicht mehr zur Arbeit zu kommen, denen Prämien und Privilegien in den Schoß fallen. Diekleinen" kämpfen einst­weilen noch, indem sie ihreNormen" erhöhen oder verdoppeln, um eine Wurst oder einen halben Liter...

Mit derStachanowbewegung" hat die Sowjet­regierung, so viel läßt sich heute schon übersehen, ein gutes Geschäft gemacht. Sie brauchte mehr Kohle, Naphtha, Maschinen usw. usw. und erhielt mehr. Sie braucht, damit die Industrie rentabler wird,billigere Produkte" und bezahlt weni­ger. Denn dieNormen" sind erhöht, die Löhne aber keineswegs im Verhältnis zu den Normen gestiegen. Die Rationalisierung hat in der bisher überaus extensiven sowjetrussischen Wirt­schaft ihren Einzug gehalten. Gewiß, die Löhne sind im Vergleich zur Vor-Stachanow-Zeit nicht gefallen. Aber denMehrwert", um ein marxisti­sches Schlagwort zu gebrauchen, steckt sich trotzdem der Staat in die Tasche, genau so wie das kapita­listische Untier im MarxschenKapital". Dies ist die eine Seite der Stachanowdeinagogie. Daneben verfolgt der unermüdliche Propagandaapparat aber auch noch andere Ziele. Man hat der großen Masse lange genug von künftigem Wohlstand vorge­schwärmt, in den Hungerjahren drohte der Glaube daran zu versiegen. Heute will man diesen Massen bereits wenn auch ganz, ganz vereinzelte Beispiele von Wohlstand, in Gestalt dergroßen" Stachanowleute vor Augen führen. Denn nur diese bevorzugten Exproletarier heben sich ihrem Lebens- und Einkommensniveau nach wesentlich von den Massen ab. Sie sind, wie gesagt, in ver­schwindender Minderheit. Außerdem finden sich natürlicherweise tagtäglich genügend Leute, die auch mit Anspannung aller Kräfte die erhöhten Normen übertreffen, um die Wurst oder die Butter aufs Brot zu verdienen. So ist die Regie mit geschickter Hand ani Werk, um das verheißene goldene Zeit­alter des Kommunismus, wenn auch nur für wenige Hundert von vielen Millionen, in die Gegenwart hineinzuzaubern und der Maffe den bei einem weißen Volk bisher nie dagewesenen Tiefstand ihrer Lebenshaltung zu verschleiern.

Hochwasser in -er bayerischen Ostmark.

Die ununterbrochenen Regenfälle haben die Cha m und den Regen anschwellen lassen, so daß di« Flüsse ihre Ufer weithin überschwemmten und die meisten Verkehrswege gesperrt werden mußten. (Scherl-Bilderdienst-M.)

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Oie Buchdruckerkunst, eine deutsche Erfindung.

Von Or. A. kuppel, Direktor des Gutenberg-Museums in Mainz.

Vom 13. bis 24. Juni finden in Mainz als Vorfeier zur Erfindung der Buchdrucker­kunst vor rund 500 Jahren große Guten­berg-Festlichkeiten statt.

Die gewaltigste und folgenschwerste deutsche Er­findung des ausgehenden Mittelalters war nicht das Schießpulver, sondern die Buchdrucker­kunst. Ihr ist der Fortschritt zu danken, daß das Wissen einzelner Allgemeingut aller Menschen wer­den konnte.

Auch die Buchdruckerkunst ist die Erfindung eines Deutschen, eines Sohnes der Stadt Mainz am Rhein. Johann Gutenberg, dem diese Erfin­dung gelang, entstammte der alten deutschen Patri­zierfamilie der Gensfleisch in Mainz. Von seiner Vaterstadt aus hat sein Werk den Siegeszug über die Erde angetreten.

Daß der Erfinder der Druckkunst ein Deutscher, nicht nur nach Geburt und Abstammung, sondern auch nach seiner Gesinnung und seinem Herzen war, zeigt er in der würdigen Schlußschrift feines letzten großen Druckes, des 1460 erschienenen Ca- tholicons. Hier spricht er mit sichtbarem Stolz von der ehrwürdigen Stadt Mainz, zugehörig der be­rühmten deutschen Nation, die Gottes Güte durch Verleihung eines so hohen Gnadengeschenkes (wie es die Buchdruckerkunst darstellt) den übrigen Na­tionen der Erde vorgezogen habe.

In den ersten hundert Jahren nach der Geburt der Druckerkunst hat die Welt dem Mainzer Jo­hann Gutenberg die Erfinderehre dankbar zu­gesprochen und dabei immer wieder betont, daß diese wirkungsweite Kunst den erfindungsreichen Deutschen verdankt wird. ,

Die Zeugen für die Erfinderschaft Gutenbergs treten schon zu seinen Lebzeiten ""d in den ersten Jahrzehnten nach seinem Tode auf: König Karl VII. von Frankreich schickte bereits im ^ahre 1458 einen geschickten Stempelschneider nach Deutschland, um Erkundigungen über die Erfindung der ch- druckerkunst durch Gutenberg, der damals noch lebte, einzuziehen.

Auch der Pariser Theologe Guillaume Fiche t schreibt am 1 Januar

bis vier Jahre nach dem Tode Gutenbergs an seinen Schüler Pros. Robert ® a g u i n m Basel Laß der Wissenschaft -ine große Leuchte durch d e neuen Bllcherhersteller aufgegangen fei. die. w,e

einst das trojanische Pferd, nun Deutschland über alle Welt ausgegossen habe. Denn in Deutschland habe ein gewisser Johannes mit dem Beinamen Gutenberg zuerst von allen Menschen die Druckkunst erdacht, durch die nicht mit dem Rohre, wie bei den alten, und nicht mit der Feder, wie bei uns, sondern durch me­tallene Buchstaben Bücher hergestellt werden und zwar rasch, gefällig und schön.

Auch der genannte Caguin, an den Fichet schrieb, äußerte sich 1492, es sei eine deutsche Erfindung, daß man nun überall um wenig Geld, ohne das Schreibrohr verfertigte Bücher kaufen könne; auch das Feuergewehr habe Deutschland erfunden, wie es auch in" sonstigen Dingen die übrige Welt über­träfe. Und an anderer Stelle bezeichnet derselbe Basler Gelehrte französischen Blutes die Druck­kunst als das Abbild der Kunst und des Geistes des glücklichen Deutschlands.

Aber auch die deutschen Humanisten können sich nicht genug tun, die Druckkunst als eine deutsche Erfindung zu preisen. Werner von Themar ver­faßte am 29. November 1494 ein Lobgedicht auf Johann Gutenberg und die Erfindung der Druck- kunst und sagt darin:

Reich durch die Fülle der Bücher

Denkt deiner vollEhrfurcht schon Deutschland, Welches glückselig gemacht

Deiner Erfindung Gewicht Neidisch erbettelte einst Diese Kunst von den Unfern Italien, Nimmermehr schämt es sich jetzt, Ewig dir dankbar zu fein."

Sein Schüler, der Heidelberger Theologe Johan­nes H e r b ft aus Lauterburg, schreibt im gleichen 30f)re'Sieht er der Druckkunst Erzeugnisse.

Glückliches Deutschland, so hebet, Ruhmvoller Gänsfleisch, dein Werk Jeglichem Deutschen die Brust."

Conrad C eit es, der im Jahre 1492 bei seiner Antrittsvorlesung in Ingolstadt darüber unglück­lich war, daß die Deutschen von den Italienern Barbaren gescholten wurden, konnte späterhin froh­lockend ausrufen:Die Erfindung der Druckkunst durch einen Mainzer Bürger hat dem deutschen Volk soviel Ruhm gebracht, daß die Italiener end­lich die Deutschen nicht mehr wegen ihrer dummen Trägheit verspotten können, da sie jetzt einsehen, daß deutsche Kunst den römischen Wissenschaften ein Wirkungsfeld auf Jahrhunderte hinaus ver­schafft hat."

Ein anderer Humanist, Peter Günther, der um 1500 in Oppenheim wirkte, verfaßte eineApo­logie zum Lobe der Deutschen, der Erfinder der

Druckkunst." Darin sagt er, daß sich in Gutenberg der schöpferische Geist Germaniens offenbare und daß die Erfindung der Druckkunst den Höhepunkt der Kulturentwicklung Deutschland darstelle.

Sebastian Brant, der Dichter desNarren­schiffes", schrieb 1498 ein lateinisches GedichtVon der Vorzüglichkeit der jüngst von Deutschen erfun­denen Druckkunst", das er an den Basler Drucker Johann Bergmann von Olpe richtete und das Konrad P e u t i n g e r 1506 als Stütze für feinen Beweis, daß die Druckkunst deutschen Ur­sprungs sei, wiederholte. Darin stehen auch die beiden Verse, die in leichter Abänderung das von dem Dänen Thorwaldsen geschaffene Main­zer Gutenberg-Denkmal schmücken und die in deut­scher Uebersetzung etwa lauten:

Was den Gelehrten von Hellas Und römischer Technik verborgen. Diese Erfindung von jetzt

Stammt aus germanischem Geist."

Wir können den Stolz verstehen, mit dem der Drucker Ulrich Zell um die gleiche Zeit dem Köl­ner Chronisten von 1499 erzählte:Diese hochwür­dige Kunst wurde erfunden zuallererst in Deutsch­land zu Mainz am Rhein; und das ist für die deutsche Nation eine große Ehre, daß sie so sinn­reiche Menschen hat, die eine solche Erfindung zu­stande bringen konnten."

Wie kläglich erscheinen gegenüber diesen wuch­tigen Zeugnissen aus der Frühdruckzeit die Ver­suche, die die Ehre der Erfindung Gutenberg neh­men und sie anderen zuteilen wollen, zumal diese Ansprüche erst erhoben wurden, als die Erfindung der Druckkunst bereits ihren hundertsten Geburts­tag gefeiert hatte.

Wir könnten noch eine ganze Anzahl von Aeuße- rungen berühmter Persönlichkeiten aus der Früh­druckzeit anführen, um zu beweisen, daß die Druck­kunst eine deutsche Erfindung ist und auch zu allen Zeiten als eine Großtat deutschen Geistes gepriesen wurde.

Aber welche Beweise und Lobsprüche für die Deutschheit der Druckkunst wir auch immer ver­suchen mögen, wir werden doch nie die begeisterten Worte erreichen, die jene Träger großer Namen in den ersten Jahrzehnten nach" dem Tode Guten­bergs gefunden haben. Wir wollen daher zum Schluß nur noch auf drei Tatsachen Hinweisen, die erhärten, was wir aus dem Munde anderer an­führten:

Das älteste Druckwerk, das mit beweglichen, ge­gossenen Einzelbuchstaben hergestellt wurde, das im Mainzer Gutenberg-Museum verwahrteFrag­ment vom Weltgericht", ist ein Auszug aus

einem Sybillenbuch, das in deutscher Sprache ab­gefaßt war. Gutenberg hat also einen ersten Druck in der Sprache seines Vaterlandes hergestellt.

Die Schriftzeichen, die Gutenberg in allen seinen Drucken, und nach ihm alle Erstdrucker zunächst, gebrauchten, gehören der deutschen Schriftgattung an. Wenn man seine gotischen Buchstaben auch noch nicht als Fraktur im eigentlichen Sinne be­zeichnen kann denn die Fraktur entstand erst ein halbes Jahrhundert nach dem Tode des Er­finders so bestehen doch darüber keine Zweifel, daß die Druckbuchstaben Gutenbergs deutsch sind und als Vorfahren der Fraktur betrachtet werden müssen.

Die Pioniere der Druckkunst, die die deutsche Er­findung in die Welt hinaustrugen und außerordent­lich dazu halfen, dem deutschen Namen Ehre und Achtung zu verschaffen, waren Söhne deutscher Erde. Wohin auch immer wir im Ausland schauen, überall treffen wir als Erstdrucker in fremden Städten auf Träger deutscher Namen.

Wenn das deutsche Volk dem Kulturgut anderer Völker seine Tore nicht verschloß, um auch das Gut der Fremden zu verarbeiten, so hat es durch die uneigennützige und neidlose Hingabe der Buch- druckerkunst an die anderen Völker alle Dankes­schuld reichlich abgetragen. Und was hat darüber hinaus das deutsche Volk den anderen gegeben! Von allen deutschen Saaten in fremder Erde aber ist keine einzige so glänzend aufgegangen, keine hat überall so unendlich reiche Früchte getragen wie die Buchdruckerkunst.

Wenn im Jahr 1940 also in vier Jahren die ganze Kulturwelt die 500-Jahrfeier der Druck­kunst begeht, muß auch jedes deutsche Herz höher schlagen, weil es einer aus unserem Volke war, der diese Großtat vollbrachte. In biefem Stolz wiederholen wir, was die Frau Gottscheds, eine Dichterin ihrer Zeit, in einer Ode zur 300- Jahrfeier der Druckkunst im Jahre 1740 fang:

Edle Kunst, die Deutschlands Ruhm

Durch die ganze Welt getragen;

Denn der Erde Völker sagen:

Sie ist Deutschlands Eigentum."

6od)fd)ulnad)rid>ten

Der Führer und Reichskanzler hat Professor Dr. med. et phil. Hans Lipps zum ordentlichen Pro­fessor für Philosophie und zum Direktor des philo­sophischen Seminars an der Universität Frank­furt ernannt.

Der Augenarzt Dr. med. Heinrich Göring tn Wiesbaden ist zum Honorarprofessor an der Universität Frankfurt ernannt worden.