Nr. 154 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Donnerstag, 11. Zum 1956
Ukrainische Misebilder.
Don unserem E.S.-Äerichterstatter.
IIL
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Moskau, Ende Mai 1936.
Mit Stachanow in der Kohlengrube.
Am andern Morgen fahre ich in Begleitung eines Steigers mit der „St a ch an o w"-S ch i ch t in die Grube ein. Wir gehen durch die Stollen zur Strecke „Nikanor-Woftok". Dort hat Stachanow seinen ersten „Rekord" aufgestellt. Wir klettern nach zwei Kilometer langem Anmarsch von der Strecke zum Stoß hoch, einer hinter dem anderen, oft auf dem Bauche kriechend. Endlich zeigt sich ein fester, ausgedehnter 1 bis 1,5 Meter dicker Flöz. Am schrägen Hang eines so fetten, reichen Flözes lassen sich freilich Wunder vollbringen! Kohle gibt es hier unten so viel, daß man gewiß nicht sparsam zu hauen, „auszukratzen" braucht. Der Fülle und dem Reichtum der Kohle entsprechend sind auch die Abbaumethoden reichlich extensiv. Meist wird ganz ohne Versatz abgebaut.
Stachanow arbeitet an jenem Morgen an mehreren Abbaustellen. Als „Instruktor" für die Arbeit mit dem Preßlufthammer unterweist er auch andere. Er kennt den Flöz, weiß, wo er am verwundbarsten ist. Wenn er haut, fällt die Kohle in großen Stücken ab und rutscht vom Abbau den Stoß herunter. Hier unten ist er in seinem Element.
Ich klettere in einen Abbau, wo der Hauer Schischkift arbeitet. Auch er ist „Stachanow- arbeiter". Zwanzig Meter will er heute geben. Er hat zwar nicht die Körperkräfte Stachanows, bearbeitet den Flöz aber geschickt und emsig. Zuerst lockert er' oben am Hang, dann bohren sich die scharfen Schrämzähne des Hammers von unten her in die Kohle. Auch Schischkin meistert den schweren Hammes, aber in der fünften und sechsten Stunde wird er,, doch zusehends matter. Die ununterbrochene Arbeit - mit dem Hammer (es wird in allen Gruben des Dionbas während der siebenstündigen Schicht ohn e Pause gearbeitet) erfordert eine gewaltige körperliche Anstrengung. Ihr sind auf die Dauer nur .wenige gewachsen.
23on den Parteiorganisatoren der Grube erdacht, Dorij Stachanow zum erstenmal durchgeführt, bestehen die „neuen" Arbeitsmethoden, so sehe ich jetzt an Drt und Stelle, vor allem in der vollkommenen Arbeitsteilung zwischen Hauer und Zi mmerer. Diese Arbeitsteilung ist technisch bei schftäg hängenden Flözen durchaus möglich, bei waagerechten Flözen nicht ungefährlich. Der Besucher erinnert sich an die Ruhrbergwerke. Dort mciren meist drei Mann auf dem Abbau im Ge- dinwe, die zu einem von Fall zu Fall festgesetzten Akkordsatz arbeiteten, und sich selbst die Arbeit so einteil'ten, wie es am zweckmäßigsten war. Natürlich lLste man einander am Preßlufthammer ab. WennX hier dagegen nun ein durchschnittlicher, geübter jpauer, wie Schischkin, 20 bis 30 Meter Kohle mit d/rn Preßlufthammer abhauen kann — dank der /dealen Qualität des Flözes im „Nikanor- Wos/ok" —, so müssen natürlich eine ganze Reihe von/ Zimmerern hinter ihnen her sein. Denn die Vezkzimmerung läßt sich schon nicht so beschleunigen, wi^tz dies mit der Hauerarbeit geschehen kann. Ai ußerdem arbeiten die kräftigsten Hauer, die 6 Ms 7 Stunden ohne Ermüdung den Preßlufthammer Whren können, nicht an einem Abbau, sondern cjn 4 bis 5. Die Zahl der aktiven Hauer hat sich aLuf den Gruben auch dementsprechend vermindert, jfcie Zahl der Verzimmerer dagegen bedeutend erhöht. Natürlich ergibt sich durch die Arbeitsteilung ein Mehr für die Gesamtförderung, das sich aber zur Steigerung der Einzelleistungen der Hauer höchstens wie 1:3 oder 1:4 verhält.
Sechs bis sieben Stunden täglich ohne Pause
den schweren Preßlufthammer zu führen, ist eine gewaltige Anforderung an die menschliche Muskelkraft. Kein westeuropäischer „Kapitalist" würde es wagen, von seinen Arbeitern dies zu verlangen. Der Sowjetstaat braucht derlei Bedenken nicht zu haben, denn die Arbeitskräfte, die ihm zur Verfügung stehen, sind billiger und... anspruchsloser als in irgendeinem anderen, von der weißen Rasse bewohnten Land der Erde.
Der materielle Anreiz zur Mehrarbeit, „lieber- füllung der Normen" genannt, ist raffiniert aus- gebaut. Für jede Tonne Kohle über die „Norm" hinaus erhält der Hauer einen steigenden Lohnsatz („Progressiwka"). Gelingt es ihm zum Beispiel, statt 8 Tonnen (Norm) 24 Tonnen zu hauen, so erhält er: für die ersten 8 Tonnen 8 Rubel, für die zweiten 8 Tonnen 12 Rubel, für die dritten 8 Tonnen 16 Rubel, insgesamt also 36 Rubel. Aehnlich ist die „Progressiwka" für die Verzimmerer abgestuft. Norm ist im allgemeinen 0,8 Meter Länge der Verzimmerung in einer Schicht. Außerdem wurde in den Kohlengruben noch ein fein ausgeklügeltes System von Prämien eingeführt (seit März d. I.). Kumpels, die im Laufe von zwei Monaten ihre Norm verdoppelt haben, erhalten den Titel „M e i st e r der Kohle" (bzw. „Meister des Preßlufthammers") mit einer Prämie von 150 Rubel im Monat. Wer die Norm im Laufe von zwei Monaten dreifach übererfüllt hat, wird „Meister der Kohle 1. Klasse" und erhält 250 Rubel Prämie im Monat. Titel und Prämien verlieren die „Meister" wieder, wenn nach zwei Arbeitsmonaten ihre Leistung gesunken ist.
Wir gehen jetzt durch die Stollen zurück zur Ausfahrt. Aber bevor man sich nach der Ausfahrt unter die Dusche stellen kann, muß der „Narjad", die jeweils bei Schichtwechsel stattfindende Versammlung der Belegschaft absolviert werden. Hier sollte ich ein Beispiel der „psychologischen Beeinflussung" der Arbeiter miterleben. Der Raum im Grubengebäude ist mit roten Spruchbändern behangen, die zur Erfüllung und Uebererfüllung der Normen auffordern, die „Saboteure" bedrohen, die Planziffern anzeigen. Dazwischen die üblichen großen, bunten Bilder von Stachanow, Stalin, Ord- shonikidse usw. Eine Musikkapelle marschiert auf, spielt einen Tusch für die Arbeiter, die sich besonders ausgezeichnet haben, und macht Katzenmusik für andere, die während der abgelaufenen Schicht schlecht gearbeitet haben. Dazwischen werden noch auf „Proguljschtschiki" (Schwänzer), Faulenzer, Trunkenbolde usw. Spottverschen zum besten gegeben. Mit Reden treten auf: der Grubendirektor Kaganowitsch, der Vorsitzende des (aewerkschast- lichen) Schachtkomitees und der Leiter des (bolschewistischen) Parteikomitees. Es ist heute der erste Tag der „Stachanowdekade". Deshalb gelten die Reden insbesondere der „Planerfüllung". Die erste Schicht hat statt 780 Waggons nur 670 gegeben, deshalb soll jetzt die zweite Schicht in „sozialistischen Wettbewerb" mit der ersten treten. Es wird erwähnt, daß der Transportarbeiter Pantschenko auf der Strecke „Almas Sapad" „sabotiert" habe. Er ist in angetrunkenem Zustand in. der Grube erschienen, hat die Kohle nicht rechtzeitig verladen und dadurch die Luftzuleitung gestört. Schweigen. Keine Pfui-Rufe. Er wird verwarnt. Am Abend desselben Tages erfahre ich, daß Pantschenko bereits ins GPU.-Gefängnis nach Kadiewka eingeliefert ist.
Man ist als Fremder immer wieder einigermaßen erstaunt, wie verhältnismäßig zufrieden mit ihrem Schicksal diese freundlichen, einfachen Menschen sind. Würde man etwa deutschen Arbeitern zumuten, sieben Stunden lang ununterbrochen mit dem Preßlufthammer zu arbeiten, in einer kaum zwei Meter hohen Erdhütte zu wohnen und dabei so viel zu verdienen, daß es — bei der überwiegenden Mehr
heit — „gerade zum Brot reicht" — es gäbe bestimmt eine Revolution. Der Russe empfindet anders. Er hat nicht den kritischen Geist des westeuropäischen Industriearbeiters — und er hat in den letzten acht Jahren eine solche Schule des Elends und der Entbehrung durchgemacht, daß er jeder Regierung, die ihm g e - nügend Brot verschafft, zunächst einmal nur herzlich dankbar dafür ist. Fast die Hälfte der Arbeiterschaft des Donbas sind bäuerliche Elemente, die erst in den letzten Jahrzehnten vom Lande zugewandert sind. Aus den Gesichtern spricht noch die unendliche Geduld und Leidensfähigkeit des „Muschik". Sie wissen, daß es ihren Brüoern und Verwandten draußen in den Kolchosen noch viel, viel schlechter geht, und empfinden ihre, vom Standpunkt des Westeuropäers immer noch elende Lage als gewaltigen Fortschritt gegenüber dem Leben auf dem Lande. Ganz heimlich regt sich in vielen noch die Hoffnung auf eine Rückkehr früherer Zustände. „Brot gibt es jetzt wieder", so sagt mir ein bärtiger Kumpel mit schlauen Bauernaugen, „und verdienen kann man auch mehr, wenn man sich gehörig anstrengt. Jetzt fehlt nur noch, daß die Sowjetmacht die ,Kollek- tierung' („Kollektivazia" — er meinte d i e b ä u e r- lichen Kollektivwirtschaften) abschafft, dann werden alle wieder besser leben." Es sind Menschen einer anderen Welt, die hier schwarz von Kohlenstaub und müde von der schweren Arbeit die „Politpjatminutka" über sich ergehen lassen. Kindliche, freundliche, naive Menschen, ohne viel eigene Initiative, dem Propaganda- und Parteiapparat ohne jede Möglichkeit der Kritik, geschweige denn der Opposition ausgesetzt. Und der Parteiapparat arbeitet geschickt, er begleitet den Arbeitsmann auf Schritt und Tritt. Jede Strecke der Grube hat ihren „Parteiorganisator", der für die „Planerfüllung" ebenso verantwortlich ist wie für die Stimmung. Wird in sogenannten „Sabotagefällen" durchgegriffen, so verhält sich die überwiegende Mehrzahl der Arbeiter durchaus apathisch. Ihre Geduld, auch gegenüber allem Antreibertum der „Stachanowbewegung", scheint unerschöpflich, trotz vereinzelter Auflehnung, die sich schon in Prügeleien oder gelegentlichen Attentaten gegen die bevorzugten „Stachanowzy" geäußert hat.
Heute könnte man „große" und „kleine Stacha- nowleute" unterscheiden. Der „großen" zählt man
in der ganzen Sowjetunion wenige Hundert. Sie sind die „Rekordleute", die mit allen Mitteln von Partei und Betriebsleitung verhätschelt werden, so sehr, daß sie selbst darüber klagen, nicht mehr zur Arbeit zu kommen, denen Prämien und Privilegien in den Schoß fallen. Die „kleinen" kämpfen einstweilen noch, indem sie ihre „Normen" erhöhen oder verdoppeln, um eine Wurst oder einen halben Liter...
Mit der „Stachanowbewegung" hat die Sowjetregierung, so viel läßt sich heute schon übersehen, ein gutes Geschäft gemacht. Sie brauchte mehr Kohle, Naphtha, Maschinen usw. usw. und erhielt mehr. Sie braucht, damit die Industrie rentabler wird, „billigere Produkte" und bezahlt weniger. Denn die „Normen" sind erhöht, die Löhne aber keineswegs im Verhältnis zu den Normen gestiegen. Die Rationalisierung hat in der bisher überaus extensiven sowjetrussischen Wirtschaft ihren Einzug gehalten. Gewiß, die Löhne sind im Vergleich zur Vor-Stachanow-Zeit nicht gefallen. Aber den „Mehrwert", um ein marxistisches Schlagwort zu gebrauchen, steckt sich trotzdem der Staat in die Tasche, genau so wie das kapitalistische Untier im Marxschen „Kapital". Dies ist die eine Seite der Stachanowdeinagogie. Daneben verfolgt der unermüdliche Propagandaapparat aber auch noch andere Ziele. Man hat der großen Masse lange genug von künftigem Wohlstand vorgeschwärmt, in den Hungerjahren drohte der Glaube daran zu versiegen. Heute will man diesen Massen bereits — wenn auch ganz, ganz vereinzelte — Beispiele von Wohlstand, in Gestalt der „großen" Stachanowleute vor Augen führen. Denn nur diese bevorzugten Exproletarier heben sich ihrem Lebens- und Einkommensniveau nach wesentlich von den Massen ab. Sie sind, wie gesagt, in verschwindender Minderheit. Außerdem finden sich natürlicherweise tagtäglich genügend Leute, die auch mit Anspannung aller Kräfte die erhöhten Normen übertreffen, um die Wurst oder die Butter aufs Brot zu verdienen. So ist die Regie mit geschickter Hand ani Werk, um das verheißene goldene Zeitalter des Kommunismus, wenn auch nur für wenige Hundert von vielen Millionen, in die Gegenwart hineinzuzaubern und der Maffe den bei einem weißen Volk bisher nie dagewesenen Tiefstand ihrer Lebenshaltung zu verschleiern.
Hochwasser in -er bayerischen Ostmark.
Die ununterbrochenen Regenfälle haben die Cha m und den Regen anschwellen lassen, so daß di« Flüsse ihre Ufer weithin überschwemmten und die meisten Verkehrswege gesperrt werden mußten. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
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Oie Buchdruckerkunst, eine deutsche Erfindung.
Von Or. A. kuppel, Direktor des Gutenberg-Museums in Mainz.
Vom 13. bis 24. Juni finden in Mainz als Vorfeier zur Erfindung der Buchdruckerkunst vor rund 500 Jahren große Gutenberg-Festlichkeiten statt.
Die gewaltigste und folgenschwerste deutsche Erfindung des ausgehenden Mittelalters war nicht das Schießpulver, sondern die Buchdruckerkunst. Ihr ist der Fortschritt zu danken, daß das Wissen einzelner Allgemeingut aller Menschen werden konnte.
Auch die Buchdruckerkunst ist die Erfindung eines Deutschen, eines Sohnes der Stadt Mainz am Rhein. Johann Gutenberg, dem diese Erfindung gelang, entstammte der alten deutschen Patrizierfamilie der Gensfleisch in Mainz. Von seiner Vaterstadt aus hat sein Werk den Siegeszug über die Erde angetreten.
Daß der Erfinder der Druckkunst ein Deutscher, nicht nur nach Geburt und Abstammung, sondern auch nach seiner Gesinnung und seinem Herzen war, zeigt er in der würdigen Schlußschrift feines letzten großen Druckes, des 1460 erschienenen Ca- tholicons. Hier spricht er mit sichtbarem Stolz von der ehrwürdigen Stadt Mainz, zugehörig der berühmten deutschen Nation, die Gottes Güte durch Verleihung eines so hohen Gnadengeschenkes (wie es die Buchdruckerkunst darstellt) den übrigen Nationen der Erde vorgezogen habe.
In den ersten hundert Jahren nach der Geburt der Druckerkunst hat die Welt dem Mainzer Johann Gutenberg die Erfinderehre dankbar zugesprochen und dabei immer wieder betont, daß diese wirkungsweite Kunst den erfindungsreichen Deutschen verdankt wird. ,
Die Zeugen für die Erfinderschaft Gutenbergs treten schon zu seinen Lebzeiten ""d in den ersten Jahrzehnten nach seinem Tode auf: König Karl VII. von Frankreich schickte bereits im ^ahre 1458 einen geschickten Stempelschneider nach Deutschland, um Erkundigungen über die Erfindung der ch- druckerkunst durch Gutenberg, der damals noch lebte, einzuziehen.
Auch der Pariser Theologe Guillaume Fiche t schreibt am 1 Januar
bis vier Jahre nach dem Tode Gutenbergs an seinen Schüler Pros. Robert ® a g u i n m Basel Laß der Wissenschaft -ine große Leuchte durch d e neuen Bllcherhersteller aufgegangen fei. die. w,e
einst das trojanische Pferd, nun Deutschland über alle Welt ausgegossen habe. Denn in Deutschland habe ein gewisser Johannes mit dem Beinamen Gutenberg zuerst von allen Menschen die Druckkunst erdacht, durch die nicht mit dem Rohre, wie bei den alten, und nicht mit der Feder, wie bei uns, sondern durch metallene Buchstaben Bücher hergestellt werden und zwar rasch, gefällig und schön.
Auch der genannte Caguin, an den Fichet schrieb, äußerte sich 1492, es sei eine deutsche Erfindung, daß man nun überall um wenig Geld, ohne das Schreibrohr verfertigte Bücher kaufen könne; auch das Feuergewehr habe Deutschland erfunden, wie es auch in" sonstigen Dingen die übrige Welt überträfe. Und an anderer Stelle bezeichnet derselbe Basler Gelehrte französischen Blutes die Druckkunst als das Abbild der Kunst und des Geistes des glücklichen Deutschlands.
Aber auch die deutschen Humanisten können sich nicht genug tun, die Druckkunst als eine deutsche Erfindung zu preisen. Werner von Themar verfaßte am 29. November 1494 ein Lobgedicht auf Johann Gutenberg und die Erfindung der Druck- kunst und sagt darin:
„Reich durch die Fülle der Bücher
Denkt deiner vollEhrfurcht schon Deutschland, Welches glückselig gemacht
Deiner Erfindung Gewicht Neidisch erbettelte einst Diese Kunst von den Unfern Italien, Nimmermehr schämt es sich jetzt, Ewig dir dankbar zu fein."
Sein Schüler, der Heidelberger Theologe Johannes H e r b ft aus Lauterburg, schreibt im gleichen 30f)re' „Sieht er der Druckkunst Erzeugnisse.
Glückliches Deutschland, so hebet, Ruhmvoller Gänsfleisch, dein Werk Jeglichem Deutschen die Brust."
Conrad C eit es, der im Jahre 1492 bei seiner Antrittsvorlesung in Ingolstadt darüber unglücklich war, daß die Deutschen von den Italienern Barbaren gescholten wurden, konnte späterhin frohlockend ausrufen: „Die Erfindung der Druckkunst durch einen Mainzer Bürger hat dem deutschen Volk soviel Ruhm gebracht, daß die Italiener endlich die Deutschen nicht mehr wegen ihrer dummen Trägheit verspotten können, da sie jetzt einsehen, daß deutsche Kunst den römischen Wissenschaften ein Wirkungsfeld auf Jahrhunderte hinaus verschafft hat."
Ein anderer Humanist, Peter Günther, der um 1500 in Oppenheim wirkte, verfaßte eine „Apologie zum Lobe der Deutschen, der Erfinder der
Druckkunst." Darin sagt er, daß sich in Gutenberg der schöpferische Geist Germaniens offenbare und daß die Erfindung der Druckkunst den Höhepunkt der Kulturentwicklung Deutschland darstelle.
Sebastian Brant, der Dichter des „Narrenschiffes", schrieb 1498 ein lateinisches Gedicht „Von der Vorzüglichkeit der jüngst von Deutschen erfundenen Druckkunst", das er an den Basler Drucker Johann Bergmann von Olpe richtete und das Konrad P e u t i n g e r 1506 als Stütze für feinen Beweis, daß die Druckkunst deutschen Ursprungs sei, wiederholte. Darin stehen auch die beiden Verse, die in leichter Abänderung das von dem Dänen Thorwaldsen geschaffene Mainzer Gutenberg-Denkmal schmücken und die in deutscher Uebersetzung etwa lauten:
„Was den Gelehrten von Hellas Und römischer Technik verborgen. Diese Erfindung von jetzt
Stammt aus germanischem Geist."
Wir können den Stolz verstehen, mit dem der Drucker Ulrich Zell um die gleiche Zeit dem Kölner Chronisten von 1499 erzählte: „Diese hochwürdige Kunst wurde erfunden zuallererst in Deutschland zu Mainz am Rhein; und das ist für die deutsche Nation eine große Ehre, daß sie so sinnreiche Menschen hat, die eine solche Erfindung zustande bringen konnten."
Wie kläglich erscheinen gegenüber diesen wuchtigen Zeugnissen aus der Frühdruckzeit die Versuche, die die Ehre der Erfindung Gutenberg nehmen und sie anderen zuteilen wollen, zumal diese Ansprüche erst erhoben wurden, als die Erfindung der Druckkunst bereits ihren hundertsten Geburtstag gefeiert hatte.
Wir könnten noch eine ganze Anzahl von Aeuße- rungen berühmter Persönlichkeiten aus der Frühdruckzeit anführen, um zu beweisen, daß die Druckkunst eine deutsche Erfindung ist und auch zu allen Zeiten als eine Großtat deutschen Geistes gepriesen wurde.
Aber welche Beweise und Lobsprüche für die Deutschheit der Druckkunst wir auch immer versuchen mögen, wir werden doch nie die begeisterten Worte erreichen, die jene Träger großer Namen in den ersten Jahrzehnten nach" dem Tode Gutenbergs gefunden haben. Wir wollen daher zum Schluß nur noch auf drei Tatsachen Hinweisen, die erhärten, was wir aus dem Munde anderer anführten:
Das älteste Druckwerk, das mit beweglichen, gegossenen Einzelbuchstaben hergestellt wurde, das im Mainzer Gutenberg-Museum verwahrte „Fragment vom Weltgericht", ist ein Auszug aus
einem Sybillenbuch, das in deutscher Sprache abgefaßt war. Gutenberg hat also einen ersten Druck in der Sprache seines Vaterlandes hergestellt.
Die Schriftzeichen, die Gutenberg in allen seinen Drucken, und nach ihm alle Erstdrucker zunächst, gebrauchten, gehören der deutschen Schriftgattung an. Wenn man seine gotischen Buchstaben auch noch nicht als Fraktur im eigentlichen Sinne bezeichnen kann — denn die Fraktur entstand erst ein halbes Jahrhundert nach dem Tode des Erfinders — so bestehen doch darüber keine Zweifel, daß die Druckbuchstaben Gutenbergs deutsch sind und als Vorfahren der Fraktur betrachtet werden müssen.
Die Pioniere der Druckkunst, die die deutsche Erfindung in die Welt hinaustrugen und außerordentlich dazu halfen, dem deutschen Namen Ehre und Achtung zu verschaffen, waren Söhne deutscher Erde. Wohin auch immer wir im Ausland schauen, überall treffen wir als Erstdrucker in fremden Städten auf Träger deutscher Namen.
Wenn das deutsche Volk dem Kulturgut anderer Völker seine Tore nicht verschloß, um auch das Gut der Fremden zu verarbeiten, so hat es durch die uneigennützige und neidlose Hingabe der Buch- druckerkunst an die anderen Völker alle Dankesschuld reichlich abgetragen. Und was hat darüber hinaus das deutsche Volk den anderen gegeben! Von allen deutschen Saaten in fremder Erde aber ist keine einzige so glänzend aufgegangen, keine hat überall so unendlich reiche Früchte getragen wie die Buchdruckerkunst.
Wenn im Jahr 1940 — also in vier Jahren — die ganze Kulturwelt die 500-Jahrfeier der Druckkunst begeht, muß auch jedes deutsche Herz höher schlagen, weil es einer aus unserem Volke war, der diese Großtat vollbrachte. In biefem Stolz wiederholen wir, was die Frau Gottscheds, eine Dichterin ihrer Zeit, in einer Ode zur 300- Jahrfeier der Druckkunst im Jahre 1740 fang:
„Edle Kunst, die Deutschlands Ruhm
Durch die ganze Welt getragen;
Denn der Erde Völker sagen:
Sie ist Deutschlands Eigentum."
6od)fd)ulnad)rid>ten
Der Führer und Reichskanzler hat Professor Dr. med. et phil. Hans Lipps zum ordentlichen Professor für Philosophie und zum Direktor des philosophischen Seminars an der Universität Frankfurt ernannt.
Der Augenarzt Dr. med. Heinrich Göring tn Wiesbaden ist zum Honorarprofessor an der Universität Frankfurt ernannt worden.


