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lhm übermittelten Dank an die Kameraden Fritz pirsch und Reitz weiter, die für das gute Ge­lingen des Festes verantwortlich zeichneten.

Auf Anregung wurde Kamerad Sensfelder (Bad-Nauheim) zum einstweiligen Verbandsführer bestellt, bis eine spätere Verbandsfitzung über die Verlegung der Derbandsleitung und eine evtl. Neuwahl bestimmen wird. Schriftführer Stamm, Rechner W ö r n e r und Presseleiter Jung (Bad- Nauheim) wurden bestätigt. Gleichzeitig wurden General a.D. Mohr und Hans Bill (Gießen) neu in die Verbandsführung berufen. Der Der- bandsbeitrag wurde auf 10 Pf. festgesetzt.

Der Derbandsleiter Sensfelder dankte dem Kamerad General a. D. Mohr für feine wertvolle Unterstützung und streifte noch einmal die großen Verdienste der Gießener Kameraden, die sich um den Verband und die Tradition des Regiments, vor allem durch die Errichtung des 116er-Ehrenmales, in reichem Maße verdient gemacht haben. Er stellte den Kameraden, der 25 Jahre hindurch dem An­sehen des Regiments und des Verbandes selbstlos gedient hat, als Vorbild der Pflichttreue hin und appellierte an die alten 116er, in gleicher Weife das Werk zur Ehre des Regiments und aus Dankbar­keit gegen die Gefallenen, für die auch die über­nommenen Patenschaften der Hefsenfriedhöfe wei­tergeführt werden sollen, zu unterstützen. Mit dem Treugelöbnis zum Schöpfer der neuen Wehrmacht und Führer und Volkskanzler schloß er die Sitzung.

Oer Ausklang.

Anschließend an die Sitzung begaben sich die Ka­meraden zur Besichtigung der Waldka- ferne, wo sie bei einem Frühschoppen Vergleiche zwischen jetzt und früher zogen.

Am Nachmittag beschloß ein kameradschaft- lichesZusammenseinmit den Gießener Sol­datenkameradschaften und deren Familien die außer­ordentlich eindrucksvolle Gründungsfeier. Bei den Weifen der rührigen Kapelle K r e n g e l herrschte in der GartenwirtschaftSchützenhaus" reges Leben. Für die Kleinen waren viele Geschenke bereitgehal­ten, und jung und alt drehte sich im Tanze. So nahm die Festveranstaltung einen harmonischen Verlauf, und die alten 116er werden den Kameraden Bill, Hirsch und Reitz Dank wissen für die festlichen Stunden in kameradschaftlicher Wiederfehensfreude.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Umtausch alter Hunbfunfgeräfc.

Gemeinsame Vereinbarung zwischen Reichsrundfunkkammer und Rundfunkwlrtfchaft. Um den Rundfunkempfang im olympischen Jahr besonders zu fördern und allen Volksgenossen die Möglichkeit zu geben, die bevorstehenden großen politischen und sportlichen Ereignisse im Rundfunk mitzuerleben, hat die deutsche Rundfunkwirtschaft im Einvernehmen mit der politischen Rundfunkfuhrung soeben eineUmtauschaktion für alte Rundfunk­geräte" eingeleitet. Wie im Amtsblatt der Reichs­rundfunkkammer,Archiv für Funkrecht", mitgeteilt wird, ist dieses Abkommen im Einvernehmen mit der Reichsrundfunkkammer zwischen der Rundfunk­industrie, dem Rundfunkgroß- und -einzelhandel zu- ftandegekommen. Danach kann jedes vor dem 31.7. 1931 auf den Markt gebrachte Empfangsgerät bei einer in Berlin errichteten Sammelstelle gegen einen Gutschein umgetauscht werden. Dieser Gutschein wird vom Einzelhändler beim Erwerb eines neuen Ge­rätes auf den Kaufpreis in Anrechnung gebracht. Es ist hierbei gleichgültig, um welches Fabrikat des gebrauchten Gerätes es sich handelt, auch der Zeit­punkt, zu dem das Gerät von feinem jetzigen Be­sitzer erworben wurde, hat auf den Umtausch keinen Einfluß. Ueber die Anschrift der Sammelstelle, an die alte Geräte zur Vermeidung von Nachnahmen nur frankiert abgesandt werden sollen, sowie über alle weiteren Einzelheiten kann sich der Besitzer eines vor dem 31.7.1931 hergestellten Rundfunk­gerätes bei jedem Rundfunkhändler unterrichten. Die Umtauschmöglichkeit besteht nur für die Zeit vom 1. Mai 1936 bis einschließlich 30. Juni 1936. Volksempfänger und der DAF.-Empfänger 1011 sind von diesem Umtauschabkommen ausgeschlossen.

Bekanntlich werden in diesem Jahr bie früher im Sommer üblichen Preisherabsetzungen für Rund­funkgeräte nicht erfolgen. Dafür ist jedoch durch vorstehendes Abkommen den Besitzern alter Rund­funkgeräte in den Monaten Mai und Juni Ge­legenheit geboten, neue Rundfunkgeräte zu beson­ders günstigen Bedingungen zu erwerben.

Vornotizen.

Tageskalender für Montag.

NSDAP., Ortsgruppe Giehen-Süd: 20.30 Uhr im Katholischen Vereinshaus Kundgebung mit Kreis­leiter Dr. Hildebrandt. NSG.Kraft durch Freude": 18 bis 19 Uhr und 19 bis 20 Uhr: Tennis. Gloria-Palast, Seltersweg:Die große und die kleine D)elt . Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die

Deutscher! hast du schon deinDankopser der Ration" gezeichnet? Zeige dich dankbar dem Führer und zeichne dich in die Liste des Dankopfers der Ration" ein!

letzte Fahrt der Santa Margarete". Oberhessischer Kunstoerein (Turmhaus am Brandplatz): 17 bis 18 Uhr Ausstellung von Werken von Fritz Heidingsfeld (Danzig) und P. A. Böckstiegel (Dresden).

Stadttheater Gießen.

Infolge der ehrenvollen Wiederverpflichtung des Städtischen Orchesters nach Bad Homburg, das ab 16. Mai für den Sommer wieder als Kurorchester dort gastieren wird, sind die beiden Aufführungen des OpernabendsDer Apotheker", komische Oper von I. Haydn, undSusannes Geheimnis", Oper in einem Akt von Ermano Wolf-Ferrari, am Dienstag, 12., und am Mittwoch, 13. Mai, bie letzten m u - fikalischen Vorstellungen in dieser Spiel­zeit. Die Intendanz macht ausdrücklich darauf auf­merksam, daß die Gutscheine der Abonnenten nur

bis zum Ende dieses Monats Gültigkeit haben. Die Vorstellung am Freitag, 29. Mai, ist die letzte Vor­stellung, für die noch Abonnementsgutscheme ver­wendet werden können. Abonnementsgutscheine kön­nen auch für die Sonntagsvorstellungen eingelöst werden.

Amt für Volkswohlfahrt.

Ortsgruppe Giehen-Ost.

Lebensmittel-Opferring.

Die Pfundpäckchen-Sammlung wird am Diens­tag, 12., und Mittwoch, 13. Mai, von der NS.« Frauenfchast durchgeführt. Die Mitglieder wollen die Päckchen bereithalten unb den Inhalt außen sichtbar angeben.

**DieGefellschaftvonFreundenund Förderern b er Universität G i e ß e n (Gießener Hochschulgesellschaft) hält ihre biesjährige Hauptversammlung unb Festsitzung am Samstag, 23. Mai, in Gießen ab. Im Anschluß an bie Sitzung des Derwaltungsrates findet die Hauptversammlung statt, der dann die Festsitzung mit einem Vortrag von Professor Dr. Glöckner überDie Stellung der Philosophie in der Gegenwart" folgen wird.

** Unfälle bei der Arbeit. Aus einer hie­sigen Baustelle verunglückten am Samstag der 22 Jahre alte Zimmermann Otto S ch n e i d m ü l - ter, der anscheinend innere Verletzungen erlitt, und der 33 Jahre alte Montageschlosser Gerh. Schmitz, der schwere Verletzungen am linken Oberschenkel da­vontrug. Beide wurden in die Chirurgische Klinik eingeliefert.

** Seinen schweren Verletzungen er­legen. Am gestrigen Sonntagnachmittag ist in der hiesigen Chirurgischen Klinik der Landwirtschaftsrat Dr. Martin Schaub aus Kassel, der in der Nacht zum Samstag wie am Samstag von uns be­richtet in der Nähe von Sichertshausen mit seinem Auto schwer verunglückt war, an feinen Verletzungen gestorben.

Medeksehensseier aller völkischer Vorkämpfer.

In Oberhessen trat schon frühzeitig bie völkische Bewegung in Erscheinung, die dem Liberalismus und dem Judentum den Kampf ansagte. Die ver­hältnismäßig kleine Schar fand in Dr. Otto Böcke! und Philipp Köhler (Langsdorf) ihre Führer. Mit dem Hinscheiden des hessischen Sauern» führers Philipp Köhler am 10. Januar 1911 war auch für den damaligen Reichstagswahlkreis Gie- ßen-Grünbera-Nidda eine Neuwahl erforderlich ge­worden. Infolge der vorausgegangenen Reichs- sinanzreform war die Lage der damaligen bürger­lichen Parteien sehr unangenehm. Bei allen vor­ausgegangenen Nachwahlen zum Reichstag, dar­unter auch im Wahlkreis Friedberg - Büdingen, waren die Sozialdemokraten Sieger geblieben. Die Deutschsoziale (antisemitische) Partei sand in dem jungen Oberlehrer Dr. Ferdinand Werner den geeigneten Kandidaten. Ein heftiger Wahlkampf, wie ihn der Wahlkreis noch nicht erlebt hatte, setzte ein. Dr. Werner ging am 21. März 1911, trotz riesiger Anstrengungen der vereinten Gegner, als Sieger aus der Wahl hervor. Die Wahl erregte damals in ganz Deutschland ungeheures Aufsehen, da die Sozialdemokraten schon den Sieg sicher wähnten.

Am gestrigen Sonntag hatten sich nun die alten Kampfgenossen und Gesinnungsfreunde aus dieser Zeit in dem mit dem Bilde des Führers geschmück­ten Saale des Katholischen Vereinshauses zu Gie­ßen zu einer Wiedersehensfeier in sehr stattlicher Anzahl eingefunden. Die Veranstaltung sollte schon am 25. Jahrestage der Wahl stattfinden, mußte aber wegen der Reichstagswahl verschoben werden. Bauern und Städter aus dem damaligen Wahl­kreis Gießen-Grünberg-Nidda fanden sich einmütig zusammen und wurden von Postinspektor i. R. Lucas (Gießen) begrüßt, der unter den vielen Bekannten besonders den völkischen Vorkämpfer Hermann L a ast (Frankfurt a. M.) hervorhob.

In einer von starker Liebe zur engeren Heimat und dem großen deutschen Vaterland getragenen Ansprache schilderte der Sieger von damals, Mini­

sterpräsident i.R. Prof. Dr. Ferdinand Wer­ner (Darmstadt) an Hand von zahlreichen Unter­lagen die Vorgänge zu der damaligen Reichstags­wahl. Seine Erinnerungen ließen die Fülle von Arbeit erkennen, die die kleine, tapfere Schar freu­dig bewältigte, weil sie an ihren Sieg geglaubt hatte, lieber alle Hemmnisse, Schikane und Lugen hinweg gelang es ihr, den Roten, deren Leitung in Berlin schon des Sieges gewiß war, den Wahlkreis, wenn auch mit einer Meinen Stimmenmehrheit, zu entreißen. Darüber entstand in Berlin ein Wut­geheul gegen den kleinen, unbedeutenden Lehrer, der den Vorstoß gegen Liberalismus und Judentum gewagt hatte. Prost Werner belegte feine Aus­führungen darüber, wie schwer bie Vorbereitungen gewesen waren, mit zahlreichen Pressestimmen, hob bann besonbers bie Tätigkeit bes um 1900 in Gie­ßen gegründeten Deutschen Vereins hervor, der, wie auch die übrige Bewegung, nur ein Zusammenschluß von kleinen, schaffenden Menschen war. Die natio­nalen und sozialen Aufgaben des Antisemitismus waren bereits eine Vorbereitung für die heutige Bewegung, der es vorbehalten blieb, diese Gedanken in die Tat umzusetzen. Aus den Ausführunaen des Redners trat der Name manch bekannten Mannes hervor, der schon damals für feine Ueberzeugung Verfolgung und Verleumdung auf sich nehmen mutzte.

Nachdem Dostinspektor i. R. Lucas die Verstor­benen, besonders Phil. Köhler, Pfarrer Fritsch, Rektor Kling und Dr. O. Lenz in finniger Weise geehrt hatte, brachte der als völkischer Vorkämpfer bekannte Hauptschriftleiter Schwarz vomKasse­ler Sonntagsblatt" Erinnerungen an die Kämpfe in Niederhessen unb Kassel mit ben Sozialbernokraten und Juden. Er erinnerte daran, daß bie Juben da­mals so mächtig waren, daß die völkischen Red­ner mit anonymen Namen auftreten mußten.

Der frühere Landtagsabgeordnete W'lh. Fenchel (Ober-Hörgern) dankte besonders dem Oberbürger­meister Ritter und der Kreisleitung der NSDAP, dafür, daß sie den alten Anttsemiten volles Derständ-

KleinerZwMenfallindeManege von Rudolf Kreutzer.

Einige Jahre nach dem großen Krieg kam an einem warmen Juniabend ein kleiner Wanderzirkus vor die Tore eines süddeutschen Marktfleckens, und da der rührige Zirkusvater mit der solchen Schau­stellern eigenen Eilfertigkeit, noch zur selben Stunde mit dem Aufschlagen seiner Zelte angefangen hatte, so konnte es geschehen, daß er den Beginn seiner weltberühmten Attraktionen einer verehrten Ein­wohnerschaft" kundgeben konnte, noch ehe in den alten winkeligen Gassen das Leben schlafen gegan­gen war. An den um die Schaubühne gespannten Seilen drängten sich die erwartungsvollen Zu­schauer, allen voran die Schuljugend, die mit großen staunenden Augen auf das im roten Licht der qual­menden Oellampen zauberhaft leuchtende Gestänge des hohen Trapezes und die fremdartige bunte Ku­lissenwelt starrte, bis ein schmetternder Trompeten­stoß das Auftreten des berühmten Künstlerpaares Salvadini in seinen einzig dastehenden Darbietun­gen am Trapez meldete. Kurz darauf traten, in silbergrauen Trikots, ein Mann und eine Frau in die Seile, beide noch jung unb von schönen, eben­mäßigen Gliedern, verneigten sich artig nach allen Seiten, faßten sich bei ben Händen unb schwangen schon noch ehe bie überraschten Zuschauer die Zeit gefunden hatten sich zu besinnen auf den Stangen des Trapezes durch die Lüfte. Sie schau­kelten, auf den blinkenden Messingstangen stehend, eine Weile aneinander vorbei, wie schöne Vögel, die sich in den hängenden Wiegen ihrer Käfige schwingen lassen, bis plötzlich beide mit einem federnden Sprung von den Stäben schnellten und sich frei in der Luft entgegenschwebten, dann aber sich in einem gewagten oalto überschlagend eines des anderen leer durch die Luft schwingendes Gestänge erfaßte, und von dort das aufregende Spiel von neuem begann... So, indes der dicht­gedrängte Ring der Zuschauer in atemloser Span­nung verharrte unb mit beklommenem Herzen das schwindelerregende Geschehen bestaunte, schwebten bie beiben ruhig und wie von aller Schwere be­freit über der bangen Tiefe, schnellten in ihren sil­bernen, schuppig glänzenden Gewändern gleich spielenden Fischen durch die dunkle Nachtluft, über- schlugen sich in zierlichen kapriziösen Sprüngen, fin­gen sich und entglitten einander, immer frei in der Luft schwebend, indes die leeren Trapeze an ihnen vorüberpendelten, immer waghalsiger und erregen- der, immer nur für bie Zeit von ein paar Atem­zügen zu ihren fchwingenben Stäben zurückkehrend,

bis sie endlich mit einer schönen, ruhigen Gebärde die Trapeze an den aufgestellten Leitern und unter dem tosenden Beifall der aufatmenden Zuschauer zur Erde niederstiegen.

Noch in den Beifall hinein ertönte erneut ein Trompetenstoß unb auf einem hochbeinigen, schön­gezäumten Rappen kam ein junges Mäbchen in die Manege geritten. Es ritt erst eine Runde im spanischen Trab und da inzwischen hinter den hohen, schwarzen Kastanienbäumen der volle Mond emporgestiegen war unb sein silbernes Licht in die Manege und auf die junge Reiterin warf schöner und reiner als die schreienden Lampen und aller bunter Plunder so war es ein liebliches, bei­nahe rührendes Bild, zu sehen, wie das junge Mädchen in der silbernen Blässe des Mondlichts durch das nachtdunkle Laub der schweigenden Bäume dahintrabte, schon erfahren in allen Ge­heimnissen der edlen Reitkunst unb doch mit einem kindlich süßen, fast hilflosen Zug in dem ernst­haften Gesicht. Aus dem spanischen Trab ging der Rappe plötzlich in einen nobel spielenden Galopp über, der seine Reiterin erst eine Runde lang frei im Sattel stehend meisterte, bann aber, in einer kühnen Volte zum Handstand ausholend und schließ­lich nur noch mit einer Hand auf den Sattel ge­stützt, dahinjagte, indes ihr schöner, knabenhafter Körper steil wie eine Kerze im Mondlicht spielend über dem schwarzen glänzenden Pferderücken stand. Da auch diesen Künsten aus den Reihen der Zu­schauer ein herzlicher unb rauschender Beifall nicht versagt blieb und es auch wohl so in ihrer Rolle lag, trabte die junge Reiterin, mit den Händen den Zuschauern zuwinkend, noch eine Ehrenrunde zum Dank für ben erwiesenen Beifall, bis plötzlich ein kleiner Zwischenfall auf eine unvorhergesehene Weise ihrem Ritte einen jähen Einhalt gebot: Nie- manb nämlich hatte es bemerkt, baß aus dem dichten Ring der Zuschauer, indes das Mädchen seine letzte Runde ritt, sich ein Mann nach vorne an die Seile gedrängt hatte, die Reiterin nahe an sich vorüberreiten ließ, dann aber einen kurzen Pfiff ausstieß unb niemand konnte daher das selt­same und wunderliche Schauspiel begreifen, das sich mit einem Male vor den Augen der erstaunenden Zuschauer abzuspielen begann: mitten im spani- schen Trabe nämlich hielt plötzlich der hochbeinige Rappe im Schreiten inne, stand eine Weile un­beweglich mit hochgeworfenem Kopfe unb gestellten Obren, breht sich bann mitsamt bem verblüfften Mäbchen auf der Hinterhand herum unb sprang, seiner Reiterin unb bes spanischen Trabes völlig vergessenb, zurück in die Richtung, in der sich der Mann an die Seile gedrängt hatte. Unb ba nun ber

Mann über das Seil hinweg mit der Hand in die Mähne des Rappen griff und mit leiser Stimme, den Mund nahe am Gesicht des Tieres, diesem einen anscheinend vertrauten und in dem ausbre­chenden Gelächter der Zuschauer von niemanden ge» hörten Kosenamen in das horchende Ohr flüsterte, ba geschah es, daß der Rappe mit freudigem, wie­dererkennenden Gewieher den Kopf in die Höhe warf und den Mann mitten in das Gesicht küßte, schnaubend unb mit bebenben Nüstern: so, wie Pferde küssen, und so, wie er schon ungezählte Male seinen ehemaligen und wiedergefundenen Herrn ge­küßt hatte, damals vor Jahren, in dem großen Krieg am Stochod und bei Gorlice und wo über­all ein Reiter und ein Pferd sich Kamerad ge­wesen. Indes nun aber der Mann fortfuhr, den Rappen streichelnd zu liebkosen unb fein ausschau­ender Blick sich mit dem des Mädchens traf, sah er, daß die junge Reiterin erblaßte und in ihr hilf­loses Gesicht ein erschrockener und geängstigter Zug getreten war, daß ihre Augen mit den Tränen rümpften unb ihn flehend anblickten, gleichsam als fürchte sie, daß der Fremde, auf einem älteren Be­sitzrecht pochend, ihr die Liebe ihres treuen Schütz­lings wegnehmen könnte. Da gab der Mann mit einem leisen Lächeln den Kopf des Pferdes frei und streckte seine Hand hinauf zu dem jungen Mädchen, das, nun durch diese Geste der Kamerad­schaft beruhigt, mit einem wissenden, dankbaren Blick ihre kleine Hand in die seine legte. Der Rappe aber, als ob auch er sein Einverständnis mit dem durch den Händedruck besiegelten Kameradschasts- bund bezeugen wollte, begann die unterbrochene Ehrenrunde wieder aufzunehmen, unb trug seine Reiterin, nunmehr ohne weiteren Zwischenfall, unb unter dem rauschenden Beifall der Zuschauer, in stolzem, spanischen Trab aus der Manege, in der man schon die Vorbereitungen für bie nächste Nurn- mer zu treffen begonnen hatte.

Zeitschriften.

Die Kunst", Monatshefte für Malerei, Pia- stik und Wohnkultur. 37. Jahrgang, Mai 1936. Verlag F. Bruckmann, München. Ein Künstler, dessen' rastloser und vielseitiger Schaffenstrieb sich mit einem erstaunlichen handwerklichen Können ver­bindet, ist der Münchener Bildhauer Toni Fiedler. Ueber ihn und feine künstlerische Eigenart berichtet Ulrich Christoffel. Im AufsatzDie Landschaft und ihre Darstellung" von Josef Weiß entzücken die stimmungsvollen Zeichnungen, die durch die Feinheit der Strichführung und die Wahl der Mo- ttve oft an japanische Kunst erinnern. Dem Maler

nis entgegenbrachten. Er nannte u. a. Petersen (Gießen) und Boller (Land-Göns) als seine alten Mitstreiter. Thomas Reuther (Offenbach) plau­derte sehr interessant von den Verfolgungen unb Unterdrückungen, die er für die Sache Otto Böckels erdulden mußte, die heute durch Adolf Hitler zur Angelegenheit des ganzen Volkes geworden ist. Auch Landwirt B o m m e r s t) e i m (Langsdorf), genannt derBöckelschuster", und Postasfistent i. R. N o r t h (Gießen) gaben (Erinnerungen. _

In seinem Schlußwort dankte Professor Dr. Wer- n e r allen treuen Anhängern von ehedem unb Lucas und Fenchel ganz besonders für bk Vor­bereitung ber Veranstaltung. Es wäre noch eine Menge von altbekannten Namen zu nennen, aber die Freube bes Wieberfehens ber alten Gesinnungs­genossen allein gebe schon bie Genugtuung bafur, von jeher feine Pflicht erkannt unb feine Schuldig­keit getan zu haben, auf baß Deutschlanb roieber frei werbe vom Internationalismus. All biefe Empfin­dungen ließ er ausklingen in einem Bekenntnis des Gietzener Heimatdichters Louis Frech:

Doch was immer, wie ein Schimmer golbnen Lichts bas Herz umspannt, ist bie altgerman'sche große, innige unb grenzenlose Lien zum beutschen Vaterland.

Frei von Banden ist erstanden Morgenrot den Tag erhellt. Darum stolz und trutzig schall es: Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt.

Mit den Worten: Es lebe bas Reich unb ber Führer!, schloß Professor Werner seine Ausfüh­rungen, für die er erneut starken Beifall erntete. Dann gab Postinspektor i. R. Lucas noch bekannt, daß demnächst aus Anlaß der 50jährigen Wiederkehr des Tages, an dem Dr. Otto B ö ck e l in den Reichs- tag einzog, in Marburg eine weitere Wiedersehens­feier der ober« und nieberhessischen Völkischen ab­gehalten werde. Mit dem Sieg-Heil auf den Führer unb bas Vaterlanb und mit dem Horst-Wessel-Lied wurde die Veranstaltung geschlossen.

OerFührerEhrenbürgervon Lindenfels

LPD. Lindenfels, 8. Mai. In diesem Jahre kann diePerle des Odenwaldes", Lindenfels, ihr 600jähriges Stabjubiläum begehen, das in großzügiger Weste begangen wird. Im Zu­sammenhang mit dem Jubiläum hat der Führer und Reichskanzler die Ehrenbürger­schaft der Stadt Lindenfels angenommen.

Rundfunkyroaramm

Dienstag, 12.2Nai.

6 Uhr: (Eoral; Morgenspruch; Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik am Morgen. 9.30: Zum Geburtstag von Joh. Peter Hebel am 10. Mai. BeimHebelmähli" in Hausen. 10: Schulfunk. 11.30: Bauernfunk. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskon- zert I. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.10: Freudensprünge! 15: Volk und Wirtschaft. 15.15: Das deutsche Lied. 16: Unterhaltungskonzert. 17.30: Otto von Guericke. Ein deutscher Begründer der modernen Technik. Hörfolge zu seinem 250. Todes­tag. 18: Unterhaltungskonzert. 18.30: Olympia-Bor- bereitungen in aller Welt: Amerika. 19: Drei Kai­serdome am Rhein. Funkfolge. 19.45: Der Zeit­funk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Wir bitten zum Tanz. 21.20: Klingende Kleinig- feiten. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.30: Ein Strauß Liebeslieder. 23: Unterhaltungs- und Volksmusik. 24 bis 2: Musik von W. A. Mozart.

KirMiche Nachrichten.

Mittwoch, den 13. Mai.

Hungen. 6.15 Uhr: Messe.

Freitag, den 15. Mai.

Gießen. 20 Uhr: Maiandacht.

Meyer-Amben ist ein Nachruf von W. Grohmann gewidmet. Unterhaltsam sind die Artikel:Der Künstler und sein Modell" von Ernst von Niebel- schütz, Magdeburg. Glasgemälde für das Haus der deutschen Erziehung, Bayreuth und Oesterreichische Gegenwartsmalerei. Auch hier bient reiches Bild­material zur Veranschaulichung. Der zweite Teil bringt Entwürfe moderner Wohnbauten und In­neneinrichtungen, schöner Möbel, Tapeten. So ent­hält das Heft u. a. Dahlemer Stadt-Landhäuser von Architekt Professor F. A. Breuhaus. Ueber Ta- peten - (Erinnerungen plaudert Börries Freiherr von Münchhausen.

Der Deutsch-Schweizer Karl Friedrich Kurz veröffentlicht in der Maifolge von Westermanns Monatsheften seinen neuen RomanHerrn Erlings Magd". Kurz ist ein echter deutscher Dichter, unb so wie er stehen die Gestalten seiner Werke heiter, aemüthaft, schicksalsgläubig dem Leben unb seinen Aufgaben gegenüber. Viele berühmte und für ihr Land bedeutende Männer haben Parolen geprägt, die am besten das nationale Selbstbewußt­sein eines Volkes versinnbildlichen. Dr. Paul Rohr­bach hat solcheNationalen Parolen unb Jbeolo» gien" gesammelt. Don Land und Leuten in Bul­garien plaudert Adalbert Forstreuter zu Delhifbem des bulgarischen Malers Nicolaus Taneff. In bem Bunten Lanb zwischen zwei Kulturen" spürt man den Geist eines Volkes, bas trotz verlorener Kriege und verlorener Jahrhunderte an seine Sendung in einem Schicksalsraum glaubt. Zum Muttertag er­scheinen zwei Beiträge von Hans Henning Frei- herrn Grote und Theamaria Lenz. Ein wunder­voller TieraufsatzVogelkinder" von Alexander Niestle und eine Vorschau auf die kommenden Olympischen Spiele in Berlin runden den Inhalt dieses Heftes ab.

Stern und Unstern der Romanows", die Ge­schichte einer Dynastie in Miniaturen, von Dalerian Tornius, beginnt als spannender Tatsachenbericht im neuen Heft derI11 u st r i r t e n Z e i t u n g" (I. I. Weber, Leipzig). Hier hatte die Phantasie nichts zum packenden Verlauf des Ganzen hinzuzuersinnen, weil die Geschichte selbst das Schicksal des russischen Kaiserhauses mit seinem Glück und Unglück, Glanz und Elend, Aufstieg und Untergang als ein gewal­tiges Drama gestaltet. Ueberhaupt erweist sich das wirkliche Geschehen oft weit dramatischer als die berühmte Phantasie des Dichters, eine Behauptung, bie sich amGlück unb Ende ber Anna Boleyn" be­weisen läßt. Der unglücklichen Gemahlin Hein­richs VIII. von England ist ein Artikel Kurt Pfisters aeroibmet, ber, aus reichem Material schöpfend, ein lebendiges Bild dieses tragischen Schicksals gibt