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Lunge deutsche Nation.

Zehn Preisträger unserer Preisaufgabe(Lhristkindleins Weihnachts-Post" erzählen ihre Geschichten.

Es lebe der Wintersport!

Der Winter ist 'ne schöne Zeit, der Schnee, der liegt aus weit und breit, ?ir «2.^en laufen Schlittschuh dann, we Mädchen gehen auf die S ch ^i t t e n bahn, ole Großen wollen auch zu Haus nicht bleiben, j}£ tun den echten S k i spart treiben.

Wer da zu Haus bleibt, der ist dumm, der ist ein richtig' Unikum!

^UL y*}lrer Schlittenbahn in der Hintergass' macht Schlittenfahren großen Spaß.

Schones Eis ist auf der Haselratt, wo man im Herbste schon gewässert hat, mit Schlittschuh geht's da lustig zu, die Zeit vergeht da wie im Nu.

Aus einmal tut's zu Nacht schon läuten, wrr müssen heim, aus ist die Freude.

Im Wiesgarten und Hellerrain, da ist Skiläufen furchtbar fein, da ist das Gelände furchtbar steil, man schießt da hinaus grab wie ein Pfeil. Aufpassen heißt's da, daß man hin nicht fliegt und Knochen und Ski nicht bricht.

Doch besser, wer sich's leisten kann, in'n Vogelsberg fäyrt mit der Bahn. Sprungschanzen hat man da gemacht, dort Ski zu laufen ist 'ne Pracht.

O Glück, daß Schlittschuh, Schlitten und Ski sind erfunden, sonst gäb' es im Winter manch langweilige Stunden.

Und nun zum Schlüsse das letzte Wort: Es lebe dreimal der Wintersport!"

Otto Haas, Steinbach bei Gießen.

Von Teddybär, Hampelmann und puppe.

Als dieses Jahr Knecht Ruprecht an Weihnachten wieder zu uns Kindern kommen wollte, wollte er nicht zu Fuß, auch nicht mit seinem Segelschiff nach Deutschland kommen. Er hatte es ja sehr weit. Don Sibirien bis zu uns zu laufen, das ging doch nicht. Da dachte er an fein Flugzeug. Dieses Jahr wollte er nun nach Deutschland fliegen. Er packte alle Ge­schenke in Säcke und verstaute sie in seinem Flug­zeug. Ganz besonders an die armen Kinder hatte Knecht Ruprecht gedacht. An das Hanneschen, Ph-ilippchen und Lieschen. Ihnen wollte er eine be­sondere Freude bereiten. Den Hampelmann, den Teddybär und die Puppe hatte er außerordentlich fein gemacht. Als er in sei­nem Flugzeug fuhr, wollte er noch einmal nachsehen, ob er alle Geschenke hatte. Er öffnete den Sack, wo der Hampelmann, der Teddybär und die Puppe oben lagen. Als Knecht Ruprecht recht tief in dem Sack herumwühlte, ließen sich die drei Geschenke für die armen Kinder fallen. Der Teddy­bär, der den Plan geschmiedet hatte, fiel zuerst her­unter. Ihm folgten der Hampelmann und die Puppe. Sie waren nun von dem gestrengen Knecht Ru­precht fort. Es fror sie sehr. Aber lieber einmal frieren, als von dem gestrengen Knecht Ruprecht geschimpft zu werden, sagte der Hampelmann. In­dessen war Knecht Ruprecht außer sich vor Zorn. Wart, du unartiger Teddybär, du hast doch den Plan gemacht. Dir soll es einmal schlecht ergehen", rief der Weihnachtsmann. Die drei Ausreißer lan­deten glücklich auf der Erde. Der Teddybär fiel in den Garten des Hanneschen; der Hampelmann langte vor der Türe des Philippchen an; und die Puppe fiel auf die Fensterbank des Lieschen, O, wie fror es die drei; denn es lag dicker Schnee. Die Puppe hatte sich schon halb erfroren, als sie das Lieschen fand. Es war überglücklich, setzte die liebe Puppe an den Ofen und wärmte sie. Schlech­ter erging es dem Hampelmann. Ein Hund aus der Nachbarschaft des Philippchen spielte mit ihm. Halb zerzaust fand ihn das Philippchen. Es nahm ihn mit in die Stube und war doch froh, daß es einen Hampelmann hatte. Dem Teddybär ging es doch am allerschlechtesten. Er saß die ganze Nacht in dem Garten. 0, was fror es ihn. Er wäre doch am allerliebsten bei dem gestrengen Knecht Ruprecht geblieben. Als das Hanneschen am anderen Mor­gen für die liebe Mutter Tannengrün holte, fand es beh halb verfrorenen Tebbybär. Voller Freude über diesen Fund kehrte es zur Mutter zurück und setzte ihn bei den Ofen. Aber niemals wieder haben

SpiWnäuzchen.

Eine Geschichte von Teddybär, Puppe und Puppenwagen. Christel", rief die Mutter,komm und steige für mich die Leiter zum Boden hinauf, denn mir wird so leicht schwindlig. Ich möchte nämlich die Kiste haben, in der die alten Spielsachen aufbewahrt werden." Eilfertig sprang Christel herbei, stieg ge­wandt die Leiter hinauf und rückte die Kiste an die Bodenlucke. Die Mutter kam ihr halbwegs entgegen, und mit vereinten Kräften schafften sie das kleine Ungetüm herab. Christel schnaufte vor Anstrengung und wischte sich den Staub von den Händen. Die Mutter stäubte noch vorsorglich den Deckel ab, und das Kind sagte mit vor Erwartung glänzenden Augen:Mutter, darf ich aufmachen?" Lächelnd nickte diese ein Ja, und schon beugte sich Christels Blondkopf über die Kiste, während ihre Finger eifrig den Deckel lösten. Ein schwacher Duft von alten Dingen stieg aus der geöffneten Truhe auf. Knieend preßte das Kind sein Näschen tief in die einst o vertrauten Sachen.Steh' auf", sagte die Mutter,und laß mich einmal hinein schauen! Na, da werde ich tüchtig entrümpeln müssen", meinte sie und zog einige Spielsachen, die vom häufigen Gebrauch allerdings sehr unansehnlich geworden waren, heraus und warf sie in einen berettstehen- den Korb, um sie später zu verbrennen. Während­dessen wühlte Christel voll stiller Freude m der Truhe Mit spitzen Fingern zerrte sie bald ein Püppchen bald ein Röckchen ans Tageslicht. Plötz­lich ein Heller Jubelruf - und patter Teddy­bär kam zum Vorschein Spltzschnauzchen mem gutes altes Spitzschnäuzchen!", rief sie strahlend und hielt der erstaunt dreinschauenden Mutter einen altersgrauen Teddybär entgegen.Den wollen wir doch nicht aufheben?' meinte die Mutter mit einem verächtlichen Blick auf das zerzauste Dmg. Aber Christel streichelte behutsam und zärtlich des Teddybärchens struppiges Fell.Mutter, weißt du

die Drei an Ausre-ißen gedacht, wenn es ihnen auch noch so schlecht ging.

Wilhelm Ranft, Beuern (Kr. Gießen).

Halte Wort!

Es hatte die ganze Nacht geschneit, und als die Kinder morgens durchs Fenster schauten, war die Freude groß, denn nun konnte endlich der neue Schlitten eingeweiht werden. Die kleine Ilse bat ihre Mutter so lange, bis diese erlaubte, daß sie mit dem größeren Bruder mittags auf die Schlitten­bahn durste. Fritz, so hieß der Bruder, sollte schön auf das Schwesterchen achtgeben und vor dem Dunkelwerden mit ihm nach Hause kommen. Er versprach alles, und froh machten sie sich auf den Weg. Als sie einige Male die Rodelbahn herunter- gesahren waren, kam Fritzens Freund vorbei mit

seinen Schlittschuhen. Er wollte auf die Eis­bahn und überredete Fritz, doch mitzugehen. Dieser vergaß sein Versprechen und sagte zu seinem Schwesterchen:Fahre nur ein wenig allein, ich komme schon rechtzeitig wieder und hole dich ab." Als es dämmerte und die anderen Kinder heim- gingen, stand die kleine Ilse da und wartete auf Fritz, der sie beim Vergnügen des Schlittschuh­laufens vergessen hatte. Endlich kam er. Es war schon ganz dunkel, und Ilse fror sehr. Ihre Füßchen waren ihr so kalt, daß sie nahe am Weinen war. Als sie nach Hause kamen, war die Mutter sehr böse auf Fritz, sie hatte sich schon geängstigt, weil die Kinder so lange ausblieben. Am anderen Tag wurde die kleine Ilse sehr krank, deshalb bekam Fritz zu seinem Geburtstage seine heißgewünschten Skier nicht, denn er hatte ja nicht Wort gehalten.

Hildegard Ranft, Gießen.

Das Ergebnis und die Preisträger.

In den ersten Tagen des neuen Jahres findet der Rätselonkel auf seinem Schreibtisch immer eine ganz besonders nette und unterhaltsame Arbeit vor: er hat alle Einsendungen durchzusehen, die auf seine Weihnachts-Preisaufgabe einge­gangen sind. Er hat nachzuprüfen, ob alles richtig geraten wurde, er muß all die schönen Geschichten lesen, er beguckt sich die ausgemalten Bilder und freut sich schon während dieser Arbeit darauf, die Preise verteilen zu dürfen.

Auch diesmal gab es für den Rätselonkel wieder viel zu tun. Aber es war schon immer so: je mehr er zu tun bekam, desto mehr Spaß machte ihm die Arbeit. Auch diesmal kamen wieder eine Menge dicker Briefe. Viele seiner Nichten und Neffen haben sich große Mühe gegeben, und der Rätsel­onkel hat allen Anlaß, sie darum zu loben. Ganz besonders war er darüber erfreut, daß fast alle Einsender richtig geraten hatten.

Dem Rätselonkel ging auch wieder das Herz auf über all die schönen Geschichten, die er zu lesen bekam. Mancher Junge und manches Mädchen hat­ten teils Erlebtes, teils phantasievoll Erfundenes fein säuberlich ausgeschrieben, so daß es sicher für viele Zeitungsleser ein Vergnügen fein wird, die Ge­schichten gedruckt zu sehen. Auch manches schöne Gedicht war wieder dabei, so daß es dem Rätsel- onkel reichlich schwer fiel, allen gerecht zu werden. Besonders freute er sich außerdem über jene, die sich die große Arbeit machten und das ganze Blatt mit bunten Farben, ja sogar mit Gold und Silber ausmalten.

Weil so viele richtige und hübsch ausgeschmückte Lösungen eingingen, hat sich der Rätfelonkel dazu entschlossen, noch einige Preise über die ursprüng­lich vorgesehene Anzahl hinaus anzukaufen, so daß wieder eine ganze Reihe von Neffen und Nichten bedacht werden konnte. Hoffentlich machen allen den kleinen und größeren Empfängern ihre Preise ebensoviel Freude, wie sie dem Rätfelonkel durch die hübschen Lösungen zuteil wurde ...

die Preisträger:

1. Hildegard Ranft, Gießen, Am Wingert 2: St. Franziskus" (Farbenholzschnitt von Klip- ftein).

2. Erwin Henrich, Gießen, Mittelweg 14:Ma­trosen, Soldaten, Kameraden" (Bildbuch).

3. Inge Wagner, Langd bei Hungen: Blumen­stück von Margret Kranz (Bild).

4. Christi und Mutgard Flörke, Gießen, Karl- Vogt-Strahe 9: Radierung von Klipstein (Land­schaft).

5. Helga Allmendinger, Grünberg, Bahn­hofstraße 26: Radierung von Klipstein.

6. Ernst-Otto Hörr, Glauberg (Kreis Büdingen): Ernst Übet:Mein Fliegerleben".

7. Heinz Häuser, Gießen, Liebigstraße 15: Meisterbuch deutscher Götter- und Heldensagen.

8. Wilhelm Ranft, Beuern, Adolf-Hitler-Straße Nr. 13:Heroische Jugend".

9. Ilse W a r l i ch , Gießen, Wilhelmstraße 62: Bild H. E. Kleine: Pudel.

10. Otto Haas, Steinbach, Hindenburgstraße 58: Gogol:Taras Bulba".

Trostpreise:

1. Rudolf Schäfer, Wieseck, Philosophenstraße Nr. 4:Soldaten! Soldaten!".

2. Erika Bouchholtz, Gießen, Gnauthstraße 9: Deutsches Mädel auf Fahrt um die Wett".

3. Hans B u ch a ck e r, Atzbach (Kreis Wetzlar), Kreisstraße 64b:Hinter den sieben Bergen".

4. Dorle Obermeyer, Lauterbach, Zent 8:Die Geschichte vom Korn".

5. Otto Horn, Rödgen, Rosenstraße 5: Konrad Kupfer:Drei Jungen als Entdecker".

6. Hella Beyer, Gießen, Schottstraße 13: Ka­lenderDienst am Deutschtum".

7. Karlheinz Schubecker, Krofdorf, Gießener Straße 314: Gerstäcker:Im Jnselmeer".

8. Günther und Margot Stallmann, Allen- dorf (Lda.): KalenderVolkstum und Heimat".

9. Wolfram Jrmfried Häuser, Gießen, Hensel- straße 4:Wie lerne ich zeichnen "

10. Otto Linden st ruth, Allertshausen, Kirch­straße 32:Der goldene Fisch" von Pastenaci.

11. Erich Sommer, Rodheim (Bieber), Burg­straße 20: Dingelreiter:Wann kommen die Deutschen endlich wieder?"

12. Annemarie Schmidt, Gießen, Am Riegelpfad Nr. 72:Bimbo", ein neues Kartenspiel.

13. Gertrud Velten, Lang-Göns, Mohrgasse 5: Alle Jahre wieder".

14. Albert Fay, Grüningen, Adolf-Hitler-Straße Nr. 60: E. Eimer:Hermanns Wille und Weg".

15. Marianne Heß, Gießen, Senckenbergstraße 13: Hunde- und Katzenkalender".

16. Willi Link, Wißmar, Bahnhofstraße 149: Steig ein, mein Kind, wir reisen durch das Jahr!".

17. Liselotte Rödiger, Garbenteich, Watzenbor- ner Straße 2: Otto Boris:Addi".

18. Erich Dolkrnann, Heuchelheim, Brauhaus­straße 23: O. Fuchs:Wir Flieger".

19. Ernst-Karl Römer, Wieseck, Philosophenstraße Nr. 3: Eleonore von Heeringen:Alle Neun".

20. Mariechen Schäfer, Hausen, Steinbacher Straße 2:Deutscher Kalender".

21. Martha Lotz, Garbenteich, Grüninger Straße Nr. 3:Fang den Hut", ein Spiel.

22. Hans berget, Gießen, Am Riegelpfad 70: Schoen:Auf Vorposten für Deutschland".

23. Eriedrich-Otto Gravelius, Gießen, Moltke- straße 28:Blodigs Alpenkalender".

24. Heinz Bernhardt, Steinbach, Ernst-Ludwig- Straße 9: Mügge:Die freien Bauern".

25. Gertrud Bausch, Langsdorf, Schwanengasse Nr. 2:Sechs Spiele auf einmal".

*

Die Buben und Mädels aus der Stadt können ihre Gewinne bei der Schristleitung des Gießener Anzeigers, Gießen, Schulstraße 7, 1. Stock, abholen, und zwar am kommenden Montag, dem 13. Januar, und am Dienstag, dem 14. Januar, jeweils in der Zeit von 16 bis 18 Uhr (4 bis 6 Uhr nachmittags). Die Abholzeit muß eingehalten werden. Die Preis­träger von den Landorten erhalten ihre Preise in den nächsten Tagen zugeschickt.

denn auch noch, wie ich ihn früher nannte? Als ich noch so ganz klein war? Bitznäuzi!"Nun hör mir aber auf", sagte die Mutter,es fehlt ihm ja sogar ein Auge, und er ist wirklich nicht mehr schön!" Ach ja, das Auge dies Auge war der Zerstörungslust ihres kleinen Bruders einst zum Opfer gefallen. Wie hatte Christel das andere ver­teidigt! Und noch heute erinnert sie sich genau, welchen Kummer sie damals hatte. Immer neue Er­innerungen, die mit dem Teddybären verknüpft sind, werden in ihr wach. So der.Geburtstag, an dem sie ihren ersten Puppenwagen bekam. Onkel Ferdinand brachte ihn damals aus Friedberg mit, und es ist ihr, als sei es erst gestern, daß sie beide am Boden knieten und ihn zusammen auspackten. Höchstes Entzücken löste die rotseidene Steppdecke aus, und darunter durfte natürlich niemand anders schlafen als Spitzschnäuzchen; mit seinem weißen Fellchen und den schwarzen Aeuglein sah er wirk­lich vornehm darin aus.Mutter", fragte sie leise, ist eigentlich noch mein alter Puppenwagen da?" Gewiß", antwortete die Mutter,du kannst ihn auch gleich einmal herunterholen, daß wir den ebenfalls nachsehen". Rasch erkletterte Christel nochmals die Leiter und brachte das alte Fahrzeug herbei. Sofort machte sie sich darüber her und räumte ihn aus.Sieh an, da ist ja auch noch meine Puppe Erika. Sie lag am Weihnachtsfest, das auf jenen Geburtstag folgte, festlich geschmückt in dem schönen Wagen. Ich gönnte ihr aber den Wagen nicht, zog sie heraus und legte dafür meine geliebte Spitzschnäuzi hinein. Erika mußte sich fort­an mit einem Platz auf der Matte vor dem Wagen begnügen. Sie war meine erste Gliederpuppe und ein Geschenk des Großvaters, das gut gehalten werden sollte. Daher mußte sie immer vor den jüngeren Geschwistern bewacht werden, und das war keine Kleinigkeit für mich. Denn meine jüngere Schwester beneidete mich sehr um Erika und nahm jede Gelegenheit wahr, heimlich mit ihr zu spielen, Schließlich ertappte ich sie dabei und versuchte, tue Puppe ihren Händchen zu entreißen. Sie hielt aber

das eine Bein fest. Ich gab ihr dafür eins auf die Finger, wofür sie mich in den Arm biß.Kannst du dich noch an das Geschrei, das wir beide an- stimmten erinnern?"Kann sein," sagte die Mut­ter,ich habe manchen Streit zwischen euch schlich­ten müssen." Christel hob die Puppe hoch:Guck, ihr Beinchen schlappert immer noch." Danach bet­tete sie das Püppchen wieder sorglich in den Wagen. Verstohlen aber legte sie den alten Teddybär da­neben und sagte mit schelmischem Lächeln:Der kommt nicht mehr in die Rumpelkiste."

Christel und Mutgard Flörke, Gießen.

Schneestöckchens Erlebnis.

Unser kleines Schneeflöckchen wollte auch gern mit seinen vielen Schwestern auf die Erde reifen, aber die Muter wollte es noch nicht lassen, denn es war ihr Lieblingskind. Erst nach langem Bitten gab die Mutter nach und ließ es mit. Freudig machte es sich für die große Reise fertig. Es zog fein bestes weißes Kleidchen an, und stand als er­stes an der Tür. Endlich kamen auch die andern. Eilig flogen sie alle davon. Unser Schneeflöckchen wollte sich erst die Erde betrachten, denn die Ge­schwister hatten so viel Schönes von der Erde er­zählt. Es flog bis auf einen Tannenbaum. Dann ruhte es sich erst etwas aus, denn es war das Reisen noch nicht gewöhnt. Da sah es von weitem ein helles Licht schimmern. Nun wurde es neu­gierig, was das sein könnte. Als es sich etwas aus­geruht hatte, flog es nach dem Licht. Es war ein Haus. Aus einem Fenster kam heller Schein, heller als die Sonne. Erstaunt stellte es sich auf das Fensterbrett und schaute in die Stube. Da sah es einen grünen Baum, wie der, auf dem es sich vorher ausgeruht hatte. Auf den Aesten standen viele Lichter. Auch sonst noch viele bunte Sachen hingen an dem Baum. Darunter lag ein schönes Märchenbuch, ein Farbkasten und eine große Puppe mit langen Haaren und Schlaf-

Die Weihnachtsbescherung.

Nachmittag. Mutter und Lotte putzten hinter ge­schlossenem Riegel den Christbaum. Fritz, der kleine Bengel, steht vor dem Schlüsselloch und schnuppert, was zu sehen ist. Geschenke werden auf den Tisch gelegt. Inzwischen ist der Zeiger auf 7 Uhr gerückt. Das Essen wird aufgetischt. Während dem Essen sagt Fritz:Mutti, sag mal, was mir das Christ­kind bringt."Na, das wirst duch noch sehen, du Neugier", sagt Mutter zu ihm. Alles ist still. Vater geht inzwischen ins Wohnzimmer. Fritz spitzt die Ohren. Da, da tlingelts.

Fritz ist zuerst im Zimmer. Er stürzt sich zum Gabentisch. Mutter tut ihn weg. Nun singt Fritz einige Lieder. Als erstes Lied bringt erIhr Kin­derlein kommet" und dann die anderen Lieder. Sein Blick ist fortwährend auf den Gabentisch ge­richtet. Nun gehen die Eltern und ihre zwei Kin­der an den Tisch. Die schöne Soldatenuniform, Trommel und Trompete und die Eisenbahn. Lächelnd geht Fritz zu Vater und sagt:Vater, wem sind denn diese Sachen und die schöne Uni­form?"Gewiß Dir", sagt Vater und klopft ihm die Schulter. Die Uniform wird gleich mal ange­zogen.Papa, wie angegossen sitzt sie mir und nun spiele ich mit der Eisenbahn." Die anderen bekommen ihre Geschenke. Der Zeiger ist auf 11 Uhr gerückt. Fritz ist eilig und öiftelt noch ein Ge­dicht von Christkinds Gabentisch. Er hat's geschaffen. Er geht zu ihren Eltern und bringt bas auf die Lippen.

*

Lieb Christkind, du hast es gut gemacht, hast alles recht schön ausgedacht, hinter dem verschlossenen Riegel, beleuchtet von dem Himmelsspiegel, hast du die Uniform geschnitten bei den Engelein inmitten, alles hast du recht bedacht, Christkind, hast es gut gemacht.

Lieb Christkind, du hast es gut gemacht, hast alles recht schön ausgedacht, hast Apfel, Nuß und Mandelkern und große Plätzchen in Form vom Stern in deinen großen Ofen bereitet, zur Erde von Engelein begleitet.

Alles hast du recht bedacht, Christkind, hast es gut gemacht.

Erwin Henrich, Gießen.

Der Spielzeugball.

Im Hause war alles ruhig. Da erwachte Karle- mann von einem Geräusch, das sich anhörte, als ob Frieda, das Dienstmädchen, schlechte Launen hätte und beim Staubwischen die ganzen Spiel­sachen durcheinander werfe. Er griff nach dem Lichtschalter an seinem Bette und knipste das Licht an, schlüpfte in seine Schühchen und ging an die Tür des Kinderzimmers. Er öffnete sie behutsam; aber was für einen Schreck bekam er, als er durch den Spalt sah. Er rieb sich die Augen, damit er besser sehen konnte. Der Teddibär saß auf dem Fensterbrett, blies auf der Trompete oder trommelte auf der neuen Trommel, während ein Schild über ihm hing:Heute großer Spiel­zeugball". Der Hampelmann hatte die Puppe um­faßt und tanzte mit ihr einen Walzer. Das schöne Auto fuhr hin' und her und brachte immer neue Gäste. Die Eisenbahn fuhr auf dem Tische herum, hielt an, Soldaten fliegen aus und beteiligten sich auch an dem Balle. Es war von allen Spielsachen nichts da, was sich nicht an dem Balle beteiligt hätte. Alles fuhr, sprang und sang durcheinander, es war ein großer Lärm. Auf einmal kam die Taschenuhr mitten auf den Tisch gewackelt und zeigte auf ihre Stirn:Ich glaube, es wird Zeit", schnarrte sie,nach 5 Minuten ist alles zu Ende". Sie drehte sich um, in der Absicht, ihren alten Platz wieder einzunehmen, denn bald mußte sie ja die erste Nachmitternachtsstunde und damit das Ende des Spielzeugballes anzeigen. Aber, o wehe! Sie stieß aus Versehen an ein paar Gläser, die hinter ihr standen. Die fielen mit Geklirr um. Es war stockdunkel. Karlemann wollte Licht machen und suchte den Schalter an der Tür. Er fand ihn auch gleich, rieb sich die Augen und sah sich ver­wundert um... Das war ja gar nicht das Spiel­

augen. Eben ging die Tur auf, und ein kleines, blondes Mädchen sprang jubelnd herein. Da wollte das Schneeflöckchen besser sehen. Es drückte sich fest an die Scheiben. Da spürte es, wie es warm wurde. Rasch wollte es zurückgehen, aber es war schon zu spät. Als ein Tropfen lief es die Fenster- scheibe hinab.

Inge Wagner, Langd bet Hungen.

Soldateuspiel.

Gerne spiele ich mit meinen Freunden Sol­daten! Beim Jungvolk bekommen wir ja schon den richtigen Schliff. Das genügt uns aber noch nicht. Oft ziehen wir darum hinaus und machen ein Geländespiel. Mit festem Schritt und Tritt mar­schieren wir durch die Straßen. Voran schreitet der Trommler. Zackig schlägt er auf seiner Trom - m e I die Wirbel! Dann wieder fingen wir frische Jungvoltlieder. Draußen verteilen wir uns. Die einen besetzen den Berg, die andern müssen sich hinaufschleichen, ohne bemerkt zu werden. Das ist nicht leicht. Es heißt mächtig aufpassen. Wir müssen alles sehen, dürfen aber selber nicht gesehen wer­den; grabe wie bei den großen Soldaten. Manch­mal dauert es stundenlang, bis der Gipfel des Berges erreicht ist, manchmal klappt es gar nicht. Mancher wird abgeschossen. Aber wir lassen den Mut nicht sinken. Immer wieder üben wir das schöne Spiel. Wenn unsere vorgesehene Zeit herum ist, dann bläst der Trompeter in seine Trom­pete, und alle sammeln sich auf dem Berg. Hier erzählt uns ja der mächtige Ringwall, jeder Stein und jedes freigelegte Haus, wie unsere Vorfahren schon vor vielen Jahrtausenden ihre Heimat gegen die anstürmenden Feinde verteidigt haben. Und wir wollen auch wieder so tüchtige Soldaten werden wie sie. Ja, schön ist das Soldatenspiel.

Ernst Otto Hörr, Glauberg (Kr. Büdingen.)