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Hr.264 Zweiter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefsen) vienrtag, (0. November 1956

Langemarck 1936.

Von Hauptmann (E.) Dr. aus dem Winkel.

NSG. Die Zeit, in die wir gestellt sind, verlangt, daß wir nicht auf morgen verschieben, was heute getan werden kann. Deutschland ist auf dem Marsch, nicht gegen einen äußeren Feind, sondern für das Aufbauwerk des Führers. Wer marschiert, sieht nicht zurück, er blickt vorwärts. Wir vergessen darum nicht, was hinter uns liegt, weil die Kraft, die wir brauchen, aus Gegenwart und Vergangen­heit und aus dem Glauben an die Zukunft kommt. An der deutschen Straße stehen wie Kilometersteine die Erinnerungsmale. Sie tragen Daten und Na­men: 9. November, 30. Januar, Langemarck.

Langemarck war, militärisch gesehen, nicht eine Schlacht, sondern eine Schlachtenfolge vom 20. Ok­tober bis Mitte November 1914. Wenn der 10. No­vember als Gedenktag gilt, so deshalb, weil in dem Armeebefehl der 4. Armee für den 10. November 1914die Wegnahme der Höhe 10 bei Vixschoote und die Erstürmung von Langemarck" als Vorbe­dingungen für das Gelingen des Angriffs bezeich­net wurden, und weil tags darauf der Bericht der Obersten Heeresleitung das Dorf Langemarck in die Geschichte einführte.

Was das WortLangemarck" umschließt, ist groß und ehrfurchtgebietend. Es bedeutet mehr als den Namen eines Schlachtortes. Houthulft, Dixmuidcn. Vixschoote, Poelkappelle an jeder Stelle der Front in Flandern ist Langemarck. In den dunk­len Straßen deutscher Großstädte und in der Ein­samkeit jenseits der Grenzen, wo der Krieg nach dem Kriege und der Kampf der Bewegung Opfer forderte auch da ist Langemarck.

An Sommertagen marschiert es sich leicht dahin, lagert es sich herrlich in den Zelten, in den Wäl­dern und am See. Die Natur lockt die Jungmann- sch^aften immer wieder ihre junge Kraft zu erpro­ben. Bis an einem Herbsttage der Regen gegen die Scheiben schlägt. Dann rückt die junge Mannschaft zusammen. Das Wort, das auf dem Heimabend in Die Stille fällt, hat ein besonderes Gesicht. Das Ziel der Winterarbeit ist die Erziehung zum Sol­daten in dem Sinne, wie es Obergebietsführer S t e l l r e ch t in seinem neuen Buch überDie Wehrerziehung der deutschen Jugend" ausdrückt: Der Rekrut wird nicht nur zum Soldaten, sondern ebenso sehr auch zum Deutschen erzogen. Der Staatsbürger ist nicht zuerst politischer Insasse seines Staates, sondern ebenso sehr sein berufener Ver­teidiger und im bürgerlichen Leben, in seiner Hal­tung, nicht zuerst bürgerlich, sondern zuerst Soldat."

Mit ihrer Erziehungsarbeit bereitet die Hitler­jugend den Boden vor, auf dem die Wehrmacht weiterbauen kann. Der Erzieher bewegt sich nicht im luftleeren Raum, er braucht das Beispiel als Erziehungsmittel. Er sucht es in der Vergangen­heit, in der reichen Geschichte unseres Volkes, und er nimmt es vor allem aus der Gegenwart. Er er­läutert das Wesen deutschen Soldatentums an dem Kampf und Sieg des Führers und der Bewegung. Er nimmt Vergleiche aus dem Weltkriege, aus der Geschichte der Freikorps und der Reichswehr Er greift in die Geschichte der HI., der SA., der SS., des Arbeitsdienstes. Er führt feine Jungen heran an die Aufgabe der Bewegung, des Staates und der Wehrmacht. Er bringt sie überall da hin, wo mit Hand und Kopf für Deutschland gearbeitet wird.

Der Führer als Erzieher lebt in seiner Gefolg­schaft ein Kämpfer- und Soldatenleben vor, und für den Pimpf wie für den Hitlerjungen ist der Dienst im Jungvolk und in der HI. d i e Gelegen­heit, sich als Soldat zu bewähren und sozialistische Gesinnung unter Beweis zu stellen. Die junge Ge­neration braucht nicht das Kriegserlebnis. Keinem deutschen Jungen soll und wird eine Kriegswaffe in die Hand gegeben werden", fordert Stellrecht. Die Waffenschule der Nation ist die Wehrmacht. Aber jede Generation will, sobald sie zu bewußtem Denken erwacht, Fronterlebnis, und die Front ist überall da, wo es um den Kampf für die nationalsozialistische Idee und damit für Deutschland geht. In diesem Kampf bewährt sich

der Soldat und der zu soldatischem Denken erzo­gene Bürger, versagt der Spießer, weil er nichts mehr wagt, weil er immer nur rechnet, weil er nicht auf die Stimme seines Herzens hört. Wir müssen uns auch dann als Soldaten in dem um­fassenden Sinne des Wortes zeigen, wenn wir nach dem Waffendienst als der letzten Erziehungsstufe im Beruf stehen und für eine Familie zu sorgen haben.

Langemarck ist unvergänglich, weil diese fland­rische Schlacht wie die Folge der Schlachten vorher und nachher, von Soldaten durchgekämpft wurde, die eine Idee, die Idee Deutschland in sich tru­gen. Bei oberflächlicher Betrachtung erscheint es unbegreiflich, daß die Kriegsfreiwilligen vom August 1914 innerlich so schnell den Weg aus einem für den flüchtigen Betrachter ruhig dahinfließenden und materiell viel mehr als heute gesicherten Leben in die flandrischen Gräben fanden. War es einWun­der"?. Es waren saubere Jungen und gute Kame­raden, die mit Ersatzreseroisten und Landwehrmän­nern in den jungen Regimentern marschierten. Sie fanden die Welt, in die sie geboren waren, bei aller Lebensfreude gar nicht so besonders schön. In ihnen war eine Unruhe und ein Suchen nach etwas Neuem.

Man stellt mit Recht fest: Die nationalsoziali­stische Idee hat ihren Ausgangspunkt in den Schützengräben des Weltkrieges, und der Lebens­gang des Führers vom Frontsoldaten zum

Von den 13 Abschnitten des Buches der Enthül- lungen befassen sich nicht weniger als 11 mit der Vorbereitung des Krieges, und das mit Recht, denn diese Vorbereitung ist das Wesentliche an dem Feldzug, das Neuartige. Sicher ist noch niemals ein Kolonialkrieg, vielleicht auch kein an­derer Eroberungskrieg derart methodischaufge­zogen" worden und auch die militärischen Geschichts­schreiber, die sich lieber nut dem Ablauf der kriege­rischen Operationen befassen, müssen diesmal wohl oder übel den Arbeitern, statt den Sol­daten den Vorrang lassen. Vor dem Gewehr war in Abessinien der Spaten, vor dem Ma­schinengewehr die Spitzhacke. Die Truppen durften immer nur soweit vorrücken, als ihnen die Arbeiter, durchweg Freiwillige, den Weg gebahnt hotten.

Befehl: Binnen 10 Monaten muß d i e große La st wagen st raße Massaua Asmara fertig sein! Der Zeitungsleser wird sich an den heil­los verstopften, ungesunden, höllischheißen und was­serarmen Ausschiffungshafen Massaua erinnern. Wie wäre wohl alles gekommen, wenn die Abes­sinier Bomber gehabt und in dieses Ehaos hinein­gewettert hätten! De Bono ist nicht recht zufrie­den mit dem ersten Schub weißer Arbeiter, waren doch darunter viele, die noch nie einen Spaten in der Hand gehabt hatten, zum Beispiel12 Leh­rer, 4 Apotheker, drei Rechtsanwälte, 9 Uhrmacher und verschiedene Barbiere" Figaro in Ostafrika! Auch mit dem Parteisekretär St a race gab es Reibungen, ebenso bei den oberen Kommandostel­len, doch wollen wir diese Selbstverständlichkeiten übergehen, mögen sie auch in Rom noch lange einen beliebten Gesprächsstoff bilden. De Bono kann es begreiflicherweise nicht so schnell vergessen, daß Badoglio und Les so na gewissermaßen eine Jnspektions- und Kontrollreise ins Aufmarschgebiet unternahmen, dagegen erkennt er die hervorragen­den Fähigkeiten G r a z i a n i s, der den Oberbe­fehl in Somaliland übernahm, neidlos an.

Staatsoberhaupt, Führer der Partei und obersten Befehlshaber der Wehrmacht verkörpert sichtbar die Verbindung zwischen den Fronten des vierjäh­rigen Ringens und dem nationalsozialistischen Deutschland. Darüber hinaus ist der Beweins, wie sich bereits an der Schwelle des Weltkrieges in den Köpfen der geistige Umbruch, das Umdenken voll­zog, selten zu führen. Ein Zeugnis liegt in einer Zeitschrift vom Juli 1914 vor, in der ein Student seinen Kameraden den Vorschlag macht, fremde Wanderarbeiter durch eigenen Einsatz zu ersetzen. Ich schlage Euch vor: geht in den Ferien einen Monat auf das Land zu arbeiten. Die Werte sol­cher Landarbeit sind groß, ein jeder kann sie sich selbst herausdenken. Wenn ihr nicht recht glauben wollt, daß es möglich ist, so kann ich eines nur sagen, daß mich schon ein hessischer Bauer in der Schwalm zur Arbeit angenommen hat." Was hier noch auf dem Untergrund der liberalen Weltan­schauung sich als Keim, als unsicheres Tasten, als Wollen mehr denn als Vollbringen zeigt, ist durch den Nationalsozialismus in das Bewußtsein des Volkes und der jungen Nation gerückt worden. Was in einigen wenigen Köpfen einst als Ahnung ohne klare Vorstellung der Verwirklichung und ohne den sicheren Halt einer neuen Weltanschauung lebte, findet heute seine Erfüllung.

Langemarck heißt nichts anderes als Einsatz für Deutschland. Langemarck verlangt harte Kämpfer, eiserne Soldaten. Langemarck ist das Symbol für das feste Füreinanderstehen eines Volkes. Das Ge­dächtnis an Langemarck wachhalten, ist darum keine Feier ohne Beziehung zur Gegenwart, son­dern Kraftquell an der Straße, auf der Deutschland nach dem Willen des Führers marschiert.

Bald zeichnete sich aber auch ein gewisser Gegen­satz zwischen De Bono und Mussolini ab, ein Gegensatz der Temperamente. De Bono rechnete nur als Soldat, Mussolini mußte auch die politischen Schwierigkeiten ins Auge fassen. Der Feldherr wollte im Gedenken an das erste Adua sichergehen und stellte die Vorsicht vor die Tapferkeit, der Duce drängte, weil er drängen mußte. Mitte Mai schreibt er:Es geht sogar die Rede von einem diplomatischen Schritt. Ich Hobe zu verstehen gege­ben, daß wir unter keinen Umständen umkehren würden. Mit der Abordnung zweier italienischer Schiedsrichter nach Genf werden wir die nächste Völkerbundssitzung überwinden und im September doch bereit sein. Kann sein, daß wir dann aus dem Völkerbund austreten müssen. Aber gerade im Hin­blick auf diese Möglichkeit darf das Oktoberdatum um keinen Preis verschoben werden, wir müssen für den Operationsbeginn zu dieser Zeit zehn vollständige Divisionen aus dem Mutterland bereit­stehen haben ... Bereite dich mit Lebensrnitteln und Munition auf mindestens drei Jahre vor, auch die Durchfcchrtsschwierigkeiten im Suezkanal müssen be­dacht werden. Wir müssen auf die schlimmsten und gefährlichsten Möglichkeiten gefaßt sein."

De Bono tut, was in seiner Macht steht, aber Mussolini heizt ihm immer aufs neue ein. Am 13. August:Ich bitte dich dringend, die Abreise der Divisionen ,23. März* und ,28. Oktober* um zehn Tage vorzuverlegen. Antworte mit einem einzigen Wort!" Und die Antwort kommt:Si." Ja. Acht Tage später eine neue Branddepesche: Konferenz ergebnislos verlaufen, ziehe die Folge­rungen aus Genf!" Und De Bono:Ich habe nie an Konferenzen und anderes Geschwätz geglaubt."

Nun wird der Depeschenwechsel dramatisch; die Regenzeit nähert sich kaum ihrem Ende, als im Hauptquartier der letzte Brief Mussolinis einläuft:Das ist der letzte, den ich dir schreibe. Ich glaube, daß du nach dem 10. September ohne wei­teres meinen Marschbefehl erwarten kannst. Du wirst um diese Zeit schon die zwei Schwarz­hemdendivisionen und weitere 60 Flugzeuge haben. Für den ersten Sprung sind unsere Streitkräfte ge­nügend. Auf der eroberten Linie baust du dich ein,

um den Nachschub zu organisieren. Wenn du also nach dem 10. September ein Telegramm von mir mit den Worten .Rapport erhalten' empfängst, so gibst du in den nächsten 24 Stunden den Befehl zum Vormarsch. Antworte mit einem einfachen ,sta bene* (in Ordnung). Alles wird nach Wunsch verlaufen. Ich umarme Dich "

Und während die Welt noch immer darüber redet, ob Mussolini Ernst machen werde, könne, dürfe, müsse, antwortet De Bono: Sta bene. 29. September:Rapport erhalten. Ruhig vorwärts, gib Graziani Befehl, sich unbedingt auf die Ver­teidigung zu beschränken." Der greife Feldherr fragt jetzt nur noch an, ob eine Kriegserklä­rung erfolgen solle und wenn ja, von wem. Der Duce antwortet, er brauche sich weder um Gesandt­schaften, noch um Konsulate zu bekümmern, Haupt­sache: schnell und gründlich zupacken. Keine Kriegserklärung.Ich befehle dir, den Vormarsch in den ersten Morgenstunden des 3. Oktober zu be­ginnen/'

Die Abessinier leisteten keinen Widerstand. Die mörderische Schlacht um Adua" ist ein Hirn­gespinst gewesen, auch von einem Abschlachten der Bevölkerung kann man nicht sprechen, denn den Bombardierungen fielen nach De Bono lediglich eine Frau, ein Kino und einige Stück Vieh zum Opfer. Alle befohlenen Ziele wurden rasch erreicht. Dann gab es die bekannten Stockungen, es stellte sich Benzinmangel heraus, Badoglio will die Ab­reise neuer Divisionen verhindern, weil die Aus­schiffungsschwierigkeiten immer größer werden. Aber Mussolini will nichts davon wissen und tat gut daran, wie De Bono eingesteht; am dankbarsten sei dafür Badoglio selber gewesen, als er das Kommando übernahm.

Mussolini telegraphiert am 20. Oktober, daß es bis zu den englischen Wahlen Mitte November keine Komplikationen in Europa geben werde, folglich weitermarschieren bis Makalle! Nun aber macht der alte Haudegen sorgenvoll darauf aufmerksam, daß nur noch für zwei Monate Proviant vorhanden sei, die Grenze der unzulänglichen Hilfsmittel sei erreicht. Er stehe vor einer Aufgabe, die einen die Haare, so man sie noch habe, ergrauen lassen könne. Er werde alles tun, was menschenmöglich sei, aber vor dem 10. November könne nicht marschiert wer­den. Da tritt ihm in dem Duce der Marschall Vor­wärts entgegen: Es muß einfach schneller gehen! Sieh zu, daß du den 5. November an­setzen kannst! De Bono will gehorchen, aber da läuft schon wieder ein neuer Befehl vom Palazzo Venezia ein: Um die politischen mit den militä­rischen Notwendigkeiten in Einklang zu bringen (der Duce gebraucht das Filmwort synchronisieren), befehle ich Den Vormarsch a u f Makalle für den 3. November. Es ist am 3. Oktober gut ge­gangen, es wird jetzt noch besser gehen. Antworte! Am 3. November wird die Operation mit dem Ziel Makalle ausgenommen."

Kaum ist die Bestätigung da, tickt schon wieder der Apparat:Makalle diene als Stützpunkt, die andern Truppen gehen auf dem ganzen Abschnitt vor. Vorwärts!" De Bono gehorcht, marschiert u nb*f i e g t. Kaum meldet er den Erfolg, kriegt er zur Antwort Marschiere nach Amba Alad- s ch i! Noch einmal zaudert er, da findet er in Adigrat seine Abberufung vor. Schmerzlich schreibt er es in dem Buche nieder:Der Marsch auf Makalle war mein Schwanengesang".

Zahlreiche neue Oiamanlschleifere en im Hanauer Gebiet.

Fwd. Hanau, 9. Nov. Nach kurzer Abschwä­chung ist der Beschäftigungsgrad der Hanauer Diamantschleifereien wieder als befriedi­gend Zu bezeichnen. In der Umgegend der Stadt Hanau, wie auch in den benachbarten hessischen Ge- meiden, sind im Verlaufe der letzten Jahre zahl­reiche neue Betriebe eingerichtet worden, bereits bestehende erfuhren Erweiterungen. Neuer­dings sind Betriebe in Langendiebach (Kr. Hanau) für die Diamantschleiferei erweitert worden. In der Landgemeinde Ostheim (Kreis Hanau) sind jetzt acht Diamantschleifereien vorhanden, die haupt­sächlich im Laufe der letzten Jahre entstanden sind.

Oie Feldherren haben das Won. von unterem römischen E.-Korrespondenten.

II.

Die Vorbereitung.

Madrid wie es wurde.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Toledo, im November 1936.

Madrid, zur Stunde noch Schauplatz anarcho- bolschewistischer Schreckensherrschaft, verdankt seine Entstehung einer königlichen Laune Philipps II. Dieser Herrscher, der in Toledo residierte, hatte eines Tages den Einfall, daß die Hauptstadt seines Reiches genau in dessen Mittelpunkt liegen müsse. Und so wurde dann die iberische Halbinsel Portugal gehörte damals der spani­schen Krone nach allen vier Himmelsrichtungen vermessen, und genau im Mittelpunkt des Landes gründete der König 1561 die Residenz Madrid. Damals aber war Kastilien noch reich an Wäldern, die erst unter Philipps Nachfolgern schonungslos und ohne an die Zukunft zu denken abgeholzt wurden, denn das spanische Weltreich brauchte Schiffe, viele Schiffe für den Handel mit den amerikanischen Kolonien und für seine Kriege, und die spanischen Frauen waren gewohnt, ihre Mahl­zeiten auf Holzkohle zuzubereiten.

Aber trotz der Reizlosigkeit seiner Landschaft und obwohl weder agrarisches noch industrielles Zen­trum, ist Madrid stetig gewachsen und auch heute noch ständig im Zunehmen, beim aud) l)ier, wie überall, macht sich die ansaugende Kraft der Haupt­stadt bemerkbar. In den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts setzte der Zug in die Haupt­stadt mit voller Wucht ein, eine Folge des Aus­baues der spanischen Straßen- und Eisenbahnnetze, deren natürlicher Knotenpunkt Madrid wurde. Da­mals sprengte Madrid seinen Rahmen, und an Stelle der engen Straßen mit den schmalen Bur- gerfteigen traten breite, meist mit Baumen be­pflanzte Straßenzüge, die mit dem bombastischen Putz ihrer Banken und Geschäftshäuser chre Zeit nicht verleugnen können. * .. . .

Und doch war es schön und weiträumig m diesen breiten Straßen mit den hohen Hausern und besonders schön, die Prachtstraße Madrids, d i e Caslellana, herunterzuschlendern, morgens ehe es anfängt heiß und staubig zu werden, wenn die Villen der reichen Madrilener, von denen sich hier eine an die andere reiht, oft tief versteckt m lAutti- gen Gärten, noch verschlafen daliegen und die Pförtner der vielen ausländischen Gesandtschaften, die hier ihren repräsentablen Sitz haben, die eiser­nen Gitter zur Einfahrt der Wagen offnen. Da wird noch geruhsam eine Hammelherde über den Fahrhamm getrieben, dem Schlachthause zu, elegante

Taxis mit Stromlinienform und eingebautem Radio suchen gemächlich die Straße nach Fahrgästen ab, während die Straßenbahnen, an denen die Men­schen wie Trauben hängen, die weniger Begüterten zu ihren Arbeitsstätten bringen.

Zwischen 10 und 11 Uhr erscheinen dann die amas, d i e Kinderfrauen, wohlbeleibt, mit langen gekrausten Nöcken, steifgestärkten weißen Schürzen und reichem Silberfiligranschmuck ange­tan, urtb lassen ihre Schutzbefohlenen hier den Morgen verspielen. Gegen 13 Uhr endlich kommt die junge elegante Welt, um auf der Castellano ihren traditionellen Bummel zu machen, zu flirten und an den Tischen im Schatten bunter Schirme einen Aperitif zu nehmen. Vor dem Abendessen aber, so zwischen 19 und 20 Uhr der Madrilener ißt nie vor 21 Uhr zu Abend, nimmt man seinen Wermuth in der Innenstadt, in einer der großen oder kleinen modernen Bars in de Calle 211 calä oder der Granvia, die erst in den zwanziger Jahren unter Primo de Rivera an Stelle der früheren kleinen Gassen trat und mit ihren Hochhäusern, ihren Riesenhotels, den eleganten Kinos und luxuriösen Geschäften Madrid ein fast amerikanisches Gepräge gibt.

Aber nur wenige Schritte und wir befinden uns wieder im alten Madrid, dem Herzen der Hauptstadt, auf derPuerto del So l", auf die sich aus den acht hier mündenden belebtesten Ge­schäftsstraßen vom frühen Morgen bis zum späten Abend, aber ganz besonders um diese Stunde, ein geradezu unfaßbarer Strom von Menschen, Autos und Straßenbahnen ergießt, lieber dem brausenden Unterton der schwatzenden Menge erheben sich ohrenbetäubend grell die Stimmen der Zeitungs­und Lotterieverkäufer, das Hupen der Autos und das Geklingel und Gequietsche der Straßenbahnen. Nach all dem Lärm ist es gut, noch einen Augen­blick zurPlaza Mayo r" zu gehen, dem schön­sten Platz Madrids, rings von Arkaden umgeben, unter denen schon die Dunkelheit liegt. Hier hielt die Inquisition ihre Autodafes ab, und die grauen Häuser wissen um manche düstere Stunde. Sie blicken auch jetzt wieder auf unsägliches Leid und unvorstellbare Grausamkeiten, denn das Bild, das wir gezeichnet haben, stammt aus den letzten ruhigen Tagen der Vergangenheit.

Aber Madrid hängt nicht an den Schatten der Vergangenheit, es steuert in die Zukunft einer modernen Großstadt, die es mit den anderen euro­päischen Hauptstädten aufnehmen kann. Die fieber­hafte Bautätigkeit, die im letzten Jahrzehnt einge­setzt hat, die Wohnhäuser, die Ministerien, Unter­

grundbahnen und die am Nordwestrande der Stadt ein ganzes Universitätsviertel schuf, die Ciudad universitaria**, großzügig angelegt und mit den modernsten Einrichtungen versehen, diese Bautätigkeit ist ein Beweis für den Lebenswillen dieser Stadt, der auch nicht durch eine noch so grausame und zerstörungswütige Bolschewistenyerr- schaft zu unterdrücken ist. Gewiß sind viele der neuen Bauten kurz vor der Vollendung liegen ge­blieben, weil ein rotes System Zeit und Geld für andere Dinge verbrauchte und schließlich zur Zer­störung alter und neuer Kulturgüter schritt. Eine starke Regierung wird hier Wandel schaffen und Madrid, das mächtig seine ihm zu eng gewordene Hülle sprengt, die Möglichkeiten einer ungehemm­ten Entwicklung geben. Madrid wartet auf seinen Befreier Franco.

Aufschlußreiche Untersuchung von Mumien und Moorleichen.

Jede Leiche eines Unbekannten, bei der der Ver­dacht eines gewaltsamen Todes besteht, wird von den verschiedensten Sachverständigen untersucht, be­sonders auch daraufhin, welche Speisen ober Arzneien oder Gifte der Verstorbene kurz vor seinem Ende zu sich genommen hat. Die hierbei üblichen Ver­fahren der Kriminalistik hat nun Professor Neto- litzky von der Universität Czernowitz auf mumi­fizierte vorgeschichtliche Leichen ausgedehnt, wobei er zuerst ägyptische Hockerleichen untersuchte, die der troßene Wüstensand durch fünf bis sechs Jahr­tausende ohne künstliche Maßnahmen der Hinter­bliebenen erhalten hatte. Tierische und pflanzliche Nahrungsreste waren darin so gut erhalten, daß man erkennen konnte, welche Speisen der Tote zu­letzt zu sich genommen hatte. Nun hat Professor Netolitzky auch den Magen- und Darminhalt von Moorleichen aus Holland untersucht. Dabei konnte, wie die MonatsschriftDer Naturforscher" seinem Bericht entnimmt, festgestellt werden, daß ein im Moor Verunglückter oder nach altgermani­schem Recht in den Sumpf gestoßener und ertränk­ter Mann vor seinem Ende Brot aus grobem Ger­stenmehl und außerdem Brei aus deutscher Hirse gegessen hatte. Es wird danach angeregt, daß die Moorleichen und die in Eichensärgen Bestatteten, die in deutschen Museen aufbewahrt werden, in ähnlicher Weise untersucht würden; man würde da­durch wichtige Aufschlüsse über die Ernährungs­weise und die Lebensführung der Zeit erlangen, in der die Toten bestattet wurden.

Der Erfinder als Märchenerzähler.

Daß der Erfinder großer technischer Neuerungen vor allem ein phantasiebegabter Mensch sein muß, hat sich kaum je stärker erwiesen als bei James Watt, dem Erfinder der Dampfmaschine. Er war, so wird inReclams Universum" erzählt, 17 Jahre alt, als er sich bei einer Freundin seiner Mutter in Glasgow zu Besuch aufhielt. Einige Wochen später folgte ihm seine Mutter nach. Als diese aber ins Zimmer trat, wurde sie von ihrer Freundin mit den Worten empfangen:Nehmen Sie bitte Ihren Sohn sobald als möglich wieder nach Greenok zu­rück. Ich kann den Zustand von Aufregungen, die durch ihn hervorgerufen werden, nicht mehr er­tragen und bin von Schlaflosigkeit gepeinigt. Jeden Abend, sobald wir nach unserer Gewohnheit zur Ruhe gehen wollen, spinnt Ihr Sohn auf geschickte Weise eine Unterhaltung an, in die er stets eine kleine Erzählung einzumischen weiß. Dieser läßt er mit unerschöpflicher Erfindungsgabe weitere folgen. Meine ganze Familie lauscht diesen phantastischen Geschichten mit so größer Aufmerksamkeit, daß man das Summen einer Mücke hören könnte. So reiht sich Stunde an Stunde, bis ein großer Teil der Nacht verstrichen ist, während ich den Rest schlaflos verbringe. Nehmen Sie bitten Ihren Sohn mit nach Hause."

Der fabulierende Jüngling wurde der große Tech­niker, von dem seine Zeitgenossen sagten, man könne bei ihm eine Erfindung bestellen, wie bei einem Schneider einen Rock. Aber während seines ganzen dampf- und eisendröhnenden, volle 83 Jahre wäh­renden Lebens blieb er der Märchenerzähler.Je lebendiger im reichen Familienkreis die Unterhal­tung", erzählt sein Zeitgenosse Walter Scott,je bunter und abenteuerlicher die Erzählungen waren, die er befreundeten, heimkehrenden Geschäftsreisen­den, Seeleuten und Sportsmännern auftischte, in desto bessere Stimmung geriet der Greis."

Der lebensfrische Erzähler war schon 82 Jahre alt, als einer der atemlos lauschenden Zuhörer schüchtern fragte:Sollten Sie uns vielleicht jetzt eine von Ihnen erfundene Geschichte erzählt haben?'' Dieser Zweifel setzt mich in Erstaunen", er­widerte der Erfinder der Dampfmaschine mit mil­dem Lächeln,seit zwanzig Jahren habe ich das Glück, meine Abende mit Ihnen zu verbringen. Hat man wirklich aus mir einen Nachiolaer des Philo­sophen Hume oder des Geschichtsschreibers Robertson machen wollen, während mein bescheidenes Streben nur dahin ging, zuweilen auf Nebenpfaden der Prinzessin Schcherazade nachzuwandeln?'^