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Aus der Provinzialhauptstadt
zu sagen hat.
Die kündigt so was vorher an, worauf man sich verlassen kann!
Präsidenten: Sein Geschäft sei augenblickS zu schließe«, da nach den mehrfach bekanntgegebenen Bestimmungen Läden nur von geprüften Fachleuten eröffnet oder über- nommen werden könnten.
Die Nachbarn alle erinnerten sich, von Hase befragt, genau daran, diese Verordnung gelesen zu baden. Bloß Hase fiel aus allen Wolken und wußte mal wieder vo« nichts. Ad- - du schöner Feinkostladen ...
Tja - hätte er Zeitung gelesen!
(ffttbe mit Schrecke»
dann erhielt Herr Hase einen Brief vom Polizei«
WHW. 1936/37 wieder stink Manner und Frauen in Stadl und Land im Kreis Wetterau reihen sich geschlossen in die Kolonnen ein, die der Führer am Dienstagabend bei der (Eröffnung des Winterhilfswerkes 1936/37 aufgerufen yat zur nationalfozialiftifchen Tat! Kein deut- fcher Mann, keine deutsche Frau bleibt abseits stehen, sie alle fühlen sich e i n s in der großen deutschen Gemeinschaft, die nach dem Grundsatz der Frontkameradfchaft lebt und einander hilft! 3n diesem Geiste wollen wir alle an das
Vinterhilfswerk 1936/37 Herangehen.
Die erste Leistungsprobe haben wir am morgigen Sonntag, als dem ersten Eintopssonnta g des WHW. 1936/37, abzulegen. Auf allen Tischen Darf morgen nur der Eintops zu sehen sein, das Symbol für die sozialistische Gemeinschaft aller deutschen Menschen, der sichtbare Ausdruck dafür, daß jeder gerne bereit ist, wenigstens an einem Tage im Monat d i e Mittagsmahlzeit einzunehmen, die für Millionen von Volksgenossen alltägliche Er- schekkung aus dem Mittagstische bildet. Und dazu gehört, daß an diesem Tage von jedem ein Opfer an das WHW. geleistet wird, nicht nur eine Spende! Die Summierung aller dieser Opfer wird dem Winterhilfswerk für die ersten großen Kampf- Handlungen in der Schlacht gegen Hunger und Kälte gute Munition an die Hand geben. Darüber hinaus gilt es,
bei allen Merken und Opfern für Das Dhw. alle wirtschaftliche Kraft anzuspannen, um den Ertrag der Spenden soweit wie nur irgend
Anläßlich seines 80. Geburtstages am 3. Mai 1934 hatte Geheimerat Professor Dr. Behaghel die Freude, daß der Reichspräsident von Hindenburg ihm in einem Schreiben seine herzlichen Glückwünsche zum Ausdruck brachte, seine jahrzehntelange Arbeit als Germanist, Philologe und Erforscher der deutschen Geschichte und Vorgeschichte mit Anerkennung würdigte und dem verdienten Gelehrten als äußeres Zeichen dieser Anerkennung die Goethe-Medaille verlieh. Den Glückwünschen des Reichspräsidenten von Hindenburg schloß sich auch der Reichsminister des Innern Dr. Frick an. Der Reichsstatthalter in Hessen, Gauleiter Sprenger, sprach Geheimerat Behaghel in einem herzlichen Schreiben seinen Dank und seine Glückwünsche, zugleich auch im Namen der Hessischen Staatsregierung, aus. Ministerialrat Rings- hausen überbrachte im Auftrage des Reichspräsidenten und des Reichsstatthalters dem damaligen Jubilar die Glückwünsche persönlich im Rahmen einer würdigen Feierstunde, die von der Universität Geheimerat Behaghel zu Ehren im Studentenhaus veranstaltet worden war. Die Stadtverwaltung würdigte die großen Verdienste Behaghels um das geistige Leben in unserer Stadt durch die Verleihung der Ehrenplakette der Stadt Gießen.
Lehrgang
für Laboratoriums-Assisientinnen.
teilen. *
** Reichsbahnpersonalie. Der beim Reichsbahnverkehrsamt Gießen als 1. Bürnbeamter beschäftigte Reichsbahninspektor Georg Röder, Kirchstraße 13, wohnhaft, wurde zum Reichsbahn» Oberinspektor befördert.
** Eine Fünfundsiebzigjährige. Am morgigen Sonntag, 11. Oktober, begeht Frau Minna Metzger, geb. Becker, Ludwigstraße 30 wohnhaft, in voller Frische ihren 75. Geburtstag. Die Jubilarin stammt aus einer alten Gießener Familie und nimmt noch lebhaften Anteil an den Ereignissen unserer Zeit.
** D i e Feuersirenen werden nicht am heutigen Samstag Nachmittag in Betrieb gesetzt werden, sondern erst im Laufe der nächsten Woche ertönen. Es wird also auch dann kein Anlaß zur Beunruhigung sein, wenn man die Sirenen hört.
** Betriebsausflug. Der Betriebsführer und die Gefolgschaft der Gießener Stempel- und Farbenfabrik Joseph Kreuter unternahmen bei schönem Herbstwetter eine gemeinsame „Fahrt ins Blaue". Vormittags um 9 Uhr hielt der Betriebsführer zunächst eine kurze Ansprache an die Ar- heitskameraden, in der er aus die Besonderheit des
möglich noch über die Ausmaße bei den früheren Winterhilfswerken zu steigern.
Jedermann erinnere sich bei seinen Leistungen für das WHW. nur daran, daß wir alle — und auch der einzelne persönlich — es als ein Glück anzusehen haben, in einem Deutschland des Friedens und der Ordnung arbeiten und leben zu können, dank dem Führer, der den Todfeind aller menschlichen Kultur niederwarf, den Bolschewismus, der jetzt in Spanien in furchtbarer Weise ein arbeitssames, tüchtiges Volk Heimsucht und zu vernichten bestrebt ist. Daß unserem deutschen Volke diese Geißel der Menschheit erspart geblieben ist, haben wir einzig und allem dem Führer und seiner Bewegung zu danken.
Lin kleiner Teil des Dankes an den Führer soll abgetragen werden mit den Opfern unserer Volksgemeinschaft für den vom Führer verkündeten Kampf gegen hunger und Kälte. Da zögert gewiß niemand, jeder opfert freudig!
Er dankt damit aber nicht nur dem Führer, sondern dient auch dem gesamten deutschen Volke und stütz: und stärkt die Grundlage, auf der er sein Leben aufbaut und in Ruhe und Frieden wirken kann. Eingedenk dessen gilt für jedermann in Stadt und Land auch für das WHW. 1936/37 die Parole:
Keiner darf hungern und frieren!
Wir alle stehen zusammen und Helsen mit vereinten Kräften als eine verschworene Gemeinschaft des deutschen Volkes unter der Führung Adolf Hitlers!
vollsten Beiträge.
Heber allem aber steht der unbedingt lebenDige, bedeutende Mann, der schlagfertige Redner und warmherzige Lehrer, der nie ermüdend wirkte und der auch den sprödesten Stoff lebendig und anziehend darzustellen wußte. Wie ihn alles Verknöcherte und Beschränkte abstieß, so ließ er jedem seine Freiheit. Er kam aus keiner Schule und hat keine begründet, aber gelernt haben wir alle von ihm. Seine Kunst war, durch ermutigendes Beispiel und freudiges Vorarbeiten die Hörer zum Mitgehen zu beleben. Er gab im Hörsaal, vor der Jugend, im gelehrten Kreis, wie bei jeder Feier einfach sich selbst. So wird er in unseren Herzen fortleben: als Vorbild eines bedeutenden Lehrers und fruchtbaren Forschers, eines tapferen und liebenswürdigen Mannes. Die Arbeit, die er uns anvertraut hat, wird in feinem Geist fortgeführt werden. A- G-
der Fassung der Bekanntmachung vom 25. Juni 1925 (Reg.-Bl. S. 86) und des Gesetzes zur Er- Weiterung der Aufgaben des Hessischen 2"dustrie- und Handelskammertages vom 22. September 1933 (Reg.-Bl. S. 207) wird aufgehoben".
Otto Behaghel f.
In der Nacht zum 9. Oktober 1936 ist Otto B e - h a g h e l von uns gegangen. Auf der Rückfahrt von Meran hat in München eine Lungenentzündung binnen wenigen Tagen feinem reichgesegneten Leben ein Ziel gesetzt. Die Universität Gießen verliert m ihm einen ihrer großen Forscher und Lehrer, der zugleich einer ihrer Getreuesten war. 48 Jahre hat er ohne Unterbrechung dem Lehrkörper angehort, dreimal war er Rektor. Im Festjahr 1907, als Die Hochschule ihr 3O0jähriges Bestehen feierte, vertrat er sie in würdigster und eindrucksvoller Weise. Ihm verdanken die Gießener Hochschulgesellschaft und die Hessische Vereinigung für Volkskunde ihr Entstehen. Um das geistige Antlitz unserer Stadt, ihr Vortrags- wesen, ihre Bühne und ihr musikalisches Leben hat er sich grundlegende Verdienste erworben. Mit den Amts- und Fachgenossen trauern um ihn Stadt
Deutschen Arbeitsfront hin, die in Serbinbuna mit dem Amt für Volksgesundheit die Durchführung dieses Lehrganges ermöglichte. Anschließend sprach Privatdozent Dr. Dombrowsky über die Fortschritte der Untersuchungsmethoden in der Serologie.
Dieser Lehrgang wird allmonatlich während des Winterhalbjahres 1936/37 durchgeführt und soll den Teilnehmern die Möglichkeit geben, ihre Kenntnisse auf dem Gebiet der medizinischen Untersuchungs» Methoden zu erweitern und zu vertiefen.
Ein guter Äorsch'aa.
In der Volkshalle beginnt am heutigen Abend das Winzerfest. Näheres im vorstehenden Tageskalender. IeierlicheBegrühunghesInf.-Tigt/I^S
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am 15. Oktober in der Vergkaferne.
Der Standortälteste bittet die Bevölkerung, wegen der Raumbeschränkung von einer Teilnahme als Zuschauer abzusehen. Es können nur geladene Gäste mit Ausweisen teilnehmen. Dagegen wird der Standortälteste die Vereidigung Der jungen Soldaten des Standortes, voraussichtlich Ende Oktober, so durchführen, daß die Bevölkerung in weitem Umfange teilnehmen kann.
Winterhilfswerk des deutschen Volkes 1936/37.
Ortsgruppenführung Gießen-Süd.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: : Heute abend findet die erste Vorstellung für den , Theaterring der NS.-Kulturgemeinde statt. Es geht die entzückende „Kattun"-Komödie „Gustav Kilian, Manufakturwaren en gros und en detail, gegr. 1821, obere Gasse Nr. 19" von Harald 23ratt, unter der Spielleitung des Intendanten, in Szene. Der herzhafte und lebhafte Beifall, den das Stück bei seinen Aufführungen in Gießen fand, zeugt davon, daß es dem Dichter Harald Kratt gelungen ist, ein Werk voll bodenständiger Urwüchsigkeit und hinreißender Lebendigkeit zu gestalten.
Infolge der großen Nachfrage bittet die Theaterkasse die Gießener Theaterbesucher, die für Die Vorstellung des „Ketteiftubent" für Sonntag, Den 11. Oktober, vorbestellten Karten bis spätestens Sonntag, 12.30 Uhr, abzuholen; einmal um unnötigen AnDrang an Der Abendkasse zu vermeiDen unb auch im Interesse Der auswärtigen Kesucher Das rechtzeitige Ende der Vorstellung nicht zu gefährden, anderseits um Der Anfrage nach billigeren Plätzen noch entsprechen zu können.
Am Sonntag, 11. Oktober, findet die erste Wiederholung Der ewig jungen Operette „Der Kettel« student" von Carl Millöcker statt. Paul W r e D e führt Die Spielleitung seiner szenischen und textlichen Neubearbeitung. Musikalische Leitung: Hans H. Hampel. Tänze und choreographische Leitung liegt in Den Händen der neuverpflichteten Ballett- meifterin Irmgard Zenner. Kei der ersten Aufführung der Operette am Freitag stellten sich Dem Gießener Publikum unsere neuverpflichteten Operettenkräfte sowie Der neuverpflichtete Chor unD Die Tanzgruppe vor. Anfang 19 Uhr, Ende 22 Uhr. Außer Miete. — Dienstag, 13. Oktober, Anfang 20 Uhr, Ende 23 Uhr: „Der Kettelstudent", Operette von Carl Millöcker. Spielleitung: Paul Wrede. Dienstag-Miete, 4. Vorstellung. — Mittwoch, 14. Oktober, Anfang 19.30 Uhr, Ende 22.15 Uhr: Festvorstellung in Anwesenheit des Autors. Friedrich B e t h g e liest aus seinen Werken. Anschließend „Reims", Drama von Friedrich Vethge. Spiel- ■ lei hing: Theodor Haerten. Mittwoch-Miete, 4. , Vorstellung. — Freitag, 16. Oktober, Anfang 20 • Uhr, Ende 22.30 Uhr, Erstaufführung: „Ein idealer - Gatte", Schauspiel von Oscar Wilde. Spielleitung: - Wolfgang Kühne. Freitag-Miete, 5. Vorstellung. ; heute abend Beginn des Winzerfestes.
und Kürgerschaft.
Aeußerlich ist das Leben dieses deutschen Gelehrten schlicht verlaufen. Am 3. Mai 1854 ist er m Karlsruhe geboren, wo sein Vater als Oberkirchen- rat wirkte. In Heidelberg führte ihn Karl K ar tsch in die germanische Philologie ein, in dem umfassenden, vorurteilsfreien Sinn, der jedes Verfahren beherrscht und mit eignem Urteil den überreichen Stoss ordnet und durchdringt. Als 29jährigen außerordentlichen Professor erreicht ihn 1883 Der erste Ruf und führt ihn für fünf glückliche Jahre nach Basel, auf alemannischen Koben, der den fränkischen Forscher mit anregender Kraft umfaßt und dem Herausgeber von Hebels Kriefen und Werken seines Dichters Land in blühendem Leben zeigt. 1888 beruft ihn die Hessische Regierung an unsere Landes-Universttat, Der er lebenslang, allen Versuchungen zum Trotz, treu geblieben ist, wie seinem Forschungsgebiet.
Die deutsche Sprache ist und bleibt die Fackel, an der sich feine wissenschaftliche Kraft immer neu ent-, zündet und Die ihm Durch ein langes Gelehrtenleben voranleuchtet. Lieblingsgebiet Der eigenen Forschung aber wirD, ihm und unserer Wissenschaft zum Segen, die germanische Syntax. Den „Modi im Heliand gilt 1876 die Doktorschrift; 1897 erscheint sie erweitert zur umfassenden „Syntax Des Heliand", unserer einzigen folgerichtig aufgebauten, beschreibenden Satzlehre eines grundlegend wichtigen Sprachdenkmals. Die Habilitationsschrift von 1878 gilt der „Zeitfolge der abhängigen Rede im Deutschen"; aus ihr erwächst 1899 der „Gebrauch Der Zeitformen im konjunktivischen Nebensatz", ein über Das Deutsche weit hinausgreifenDes Kernwerk unserer Wissen- chast, das die innige Verbundenheit des Forschers mit der lebenden Sprache so deutlich zeigt, wie seine „Geschichte Der deutschen Sprache", die von 1891 bis 1928 in fünf Auflagen erschienen ist. An allen diesen Leistungen ist Vehaghels Kraft erstarkt zu seinem Meisterwerk, der „Deutschen Syntax", Die er von 1923 bis 1932 in vier starken KänDen vorgelegt hat, nach festem Plan fugenlos gezimmert, auf das feinste gegliedert, mit vollenDeter Veherrschung Des ür jeden anderen unabsehbaren Sprachstoffs — mit alledem sein Freibrief auf Unsterblichkeit.
Die neben diesen Hauptwerken einhergehenden Einzelarbeiten erreichen nahezu die Zahl tausend. Genannt seien hier nur, neben der Ausgabe des Heliand und der Eneide Heinrichs von Veldeke, das lebendigste seiner Vücher, „Deutsche Sprache", seit 1886 in immer neuen Auflagen überallhin verbreitet, und das bunteste von allen, „Don deutscher Sprache" (1927), das eine vielseitige, auch lustige Sammlung von Aufsätzen und Reden abwechslungsvoll vereinigt. Mit beneidenswertem Kraftüberschuß hat es Kehaghel verstanden, neben aller amtlichen und gelehrten Tätigkeit dem Deutschen Sprachverein als warmherziger Kerater immer wieder den dornigen Weg zu ebnen. Ebenso widmete er der Deutschen Akademie seit ihrem Kestehen eine lebensvolle Tätigkeit. Der Bayerischen Akademie und der Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen gehörte er als Mitglied an. Das Literaturblatt für germanische und romanische Philologie, das er 1880 mit seinem Heidelberger Freund Fritz Neumann begründet hatte, durfte er durch 57 Jahrgänge leiten. Jeder der stattlichen Künde dankt seiner Mitarbeit die wert-
Schule des Lebens. ;
Wir erinnern uns noch gut an Den Tag, als uns die Schule ins Leben entließ. „Von allem Wisiens- qualm entladen" standen wir vor dem Tor der i Zukunft, im Ohr hatten wir noch Die Abschieds- , worte unseres Lehrers: „Glaubt ja nicht, daß ihr nun nichts mehr zu lernen braucht. Das Leben wird euch jetzt in seine Schule nehmen, ihr mutzt noch tausend Prüfungen bestehen, bis ihr das Dasein meistern könnt."
Nun — allzuviel hatten wir uns damals unter diesen prophetischen Worten nicht vorstellen können. Wir dachten bestenfalls an ein paar Erfahrungen, Die jeder Mensch machen muß; im übrigen vertrauten wir auf unseren frischen Mut und unseren jugendlichen Optimismus. Kis wir dann eines Tages merkten, daß sich das Leben wirklich mit einer Schule vergleichen läßt, wenn auch Der Unterricht nicht mehr im Schulzimmer erteilt wird.
Aus tausenD Quellen strömt täglich eine Fülle von Wissenschaft auf uns ein. Wir lernen aus jeder Bekanntschaft, die wir machen, unser Beruf bildet uns stetig weiter, jede neue Lage, und sei sie auch noch so einfach, sorgt dafür, daß unser Urteil schärfer und unsere Entschlußkraft gefestigter wird. Am stärksten aber hilft unsere Zeitung nut, Daß wir in Der Schule Des Lebens nicht „sitzen- bleiben". r p _ , ...
Wie unentbehrlich uns Diese große Lehrmeisterin Der Lebensschule geworden ist, empfinden wir erst, wenn wir sie einmal aus unserem Dasein fortzu- Denken versuchen. In unserem Urlaub versuchen wir Das bisweilen. Um unsere Flucht aus Dem Alltag vollkommen zu machen, gehen mir wohl einmal Dem bedruckten Papier aus dem Wege. Aber dann haben wir schon nach wenigen Tagen das Gefühl, ein Wanderer ohne Kompaß zu fein, und erleichtert greifen wir im nächsten Gasthof zu irgendeinem Blatt, um uns in Den großen Strom Des Daseins roieDer einzuschalten.
Nein — wir können unsere Zeitung auch für kurze Zeit nicht mehr entbehren. Die tägliche „Schulstunde", Die beginnt, wenn die Botenfrau am Türschlitz raschelt, ist ein unverrückbarer Punkt im Ablauf unseres Lebens geworden. Und je nach Lust und Laune können wir unseren Unterricht auf Die allemottvendigsten Neuigkeiten beschränken, oder zu einem Rundflug über alle Wissensgebiete des
Lebens ausdehnen.
Im Fluge lernen können — das ist es, was der Zeitungsleser voraus hat. Wir merken oft gar nicht, wie unser Wissen bereichert wird. Fast spielerisch führt uns etwa die Kritik über ein Theaterstück in literaturgeschichtliche Bezirke, Die für uns bisher Neuland waren. Die Besprechung eines Buches macht uns mit Geistesgütern bekannt, an denen wir bisher achtlos vorübergingen; ein Erinnerungsauf- satz für einen Dichter frischt längstvergessene Kenntnisse auf, Filmkunst und Malerei sprechen durch die Zeitung auch zu jenen, die von der Welt abgeschie- Den die persönliche Beziehung zu den Kulturgütern Des Lebens vielleicht verlieren würden.
Es ist unmöglich, die Vielseittgkeit einer modernen Zeitung auch nur anzudeuten. Ob es sich um neue Heilmethoden, technische Fortschritte oder überraschende Entdeckungen handelt — immer findet Der aufmerksame Leser Den Extrakt Des pulsierenden Lebens in seiner Zeitung. Sie leitet über alle Gebiete menschlichen Schaffens in jene füllen Bezirke beschaulicher Betrachtung, zu Der eine schöne Novelle oDer ein guter Roman anregen.
„Am färbigen Abglanz erst erkennen wir Das Leben" hat Goethe einmal in bezug auf Das Theater gesagt. In Der Tat war zu seiner Zeit Die Bühne Der einzige Spiegel, aus dem Die verwirrende Fülle Des Daseins in sinnvoller Klärung und Deutung blickte. Heute sind neben Die Bühne noch Film unD Ruiü)funk getreten, Die beide, soweit sie nicht der Unterhaltung Dienen, ebenfalls Lebensvorgänge Deuten. Aber keiner unserer mobemen Kulturüber- mittler kann sich an Vielseittgkeit mit Der Presse vergleichen. In ihr finDen wir alles wieder, was Das bunte Mosaik Des Lebens ausmacht: Die Geschehnisse in unserer Stadt und in her engeren Heimat, Die großen, das Deutsche Schicksal gestaltenden Kräfte und endlich Die alle Menschen berührenden Fragen Der Weltpolitik. So gesehen, ist Die Zeitung Die Lehrmeisterin, Die uns durch Die Schule Des Lebens führt, <5ie schaut mit tausend Augen und schreibt mit tausend Händen, was Dir Die Welt
Der Obermeister Der Friseur-Innung Gießen, Hans Götz, übermittelt uns eine Zuschrift, Die einen guten Vorschlag zur Verwertung von Altmaterial enchält. Cr schreibt:
„Jeden Tag liest man in der Zeitung, daß Abfälle gesammelt werden sollen unD nichts umkommen Darf. Ich mache jeDoch oft Die Erfahrung, Daß Diese Ermahnungen noch viel zu wenig beachtet werben. Bei Friseuren unD Drogisten z. B. wird täglich Zahnpasta unD Hautkreme gekauft, Die in Zinntuben verpackt sind. Wie leicht wäre es doch, wenn Der Käufer oder die Käuferin beim Einkauf die leere Tube mitbringen und diese in einen bereitgestellten Kasten werfen würde, von wo aus bann bas Altmaterial zur weiteren Verwertung abgeschickt werben könnte. Ich möchte behaupten, baß jetzt minbeftens 9 0 v. H. dieser Tuben ungenutzt in den Mülleimer wandern. Es wäre aber für die Altmaterialverwertung viel gewonnen, wenn in der hier angeregten Art seitens der Verbraucher gehandelt würde. Natürlich müssen auch die Geschäftsinhaber immer bestrebt sein, beim Einkauf Die Kundschaft auf^diese vaterländische Pflicht aufmerksam zu machen.
Der Vorschlag des Obermeisters Götz verdient in Der Tat ernsteste Beachtung und allgemeine Durchführung. Hoffentlich kann man recht bald in den fraglichen Geschäften berarhge Einrichtungen im Dienste der Allgemeinheit feft-
Am Montag, 12., Dienstag, 13. und Mittwoch, 14. Oktober findet in der Ortsgruppe Gießen-Sud durch die NS.-Frauenschaft die WHW.-Pfundsamm- lung statt. Es wird gebeten, die Lebensmittelspen- ben (Pfunbpakete) zur Abholung bereithalten zu wollen.
Deutsches Srauentperf.
Abt. Volkswirtschaft-Hauswirtschaft.
Der Lehrgang für Einkochen für die Frauen- schaft Gießen-Mitte beginnt am Montag, 12. Oktober, 20.45 Uhr, in der Lehrküche der NSV. im Einhorn. Er umfaßt brei Abenbe: Montag, Dienstag, Mittwoch, und kostet zusammen 90 Pf.
Aufhebung des Hessischen Industrie- und Handelskammertags.
LPD. Der Reichsftatthalter in Hessen als Führer Der Landesregierung hat mit Zustimmung Des Reichs- unb preußischen Wirtschastsministers burch Gesetz vom 29. September 1936, das am 10. Oktober in Kraft tritt, beschlossen: „Der Artikel 40 bes Gesetzes über bie Industrie- und Handelskammern in
Die Arbeitsschule der Deutschen Arbeitsfront, Gießen, eröffnete am Mittwoch einen Lehrgang für Laboratoriums-Assistentinnen im Hygienischen
Dornotizen.
Tageskalender für Samstag.
91(5(3. „Kraft durch Freude", 20 Uhr, Winzerfest in Der Volkshalle (Kasse 1 Stunde vor Beginn geöffnet). — Stadttheater, 20 bis 22.45 Uhr, „Gustav Kilian" (NS. Kulturgemeinde). — Gloria-Palast, Seltersweg: „Ave Maria". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Frauenparadies". — Reichskolonlal- bunb Deutsches Rotes Kreuz über See. 16 Uhr, Feier des 25jährigen Bestehens im Klub. — 18 Uhr, G A. Gebot spricht zur evang. Jugenb in Der Johanneskirche; 20 Uhr, Vortrag von G. A. Gebat
„Christentum, für Minberwertige?" in ber Johanneskirche.
Tageskalender für Sonntag.
NSG. „Kraft durch Freude", 16 Uhr, Winzerfest in ber Dolkshalle (Kaffe 1 Stunbe vor Beginn geöffnet). — Stabttheater, 19 bis 22 Uhr „Der Bet- telftubent". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Ave Maria". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Frauenparabies". — VfB. Reichsbahn, 10 Uhr, Vereinswettkämpfe für Leichtathletik auf bem Walbsportplatz.
Sladlthealer Gießen.
Tages hinwies. Dann wurden in bester Stimmung die' Vostautos bestiegen. Die Fahrt führte über Marburg, wo eine Besichtigung bes Schlosses und anderer Sehenswürdigkeiten stattfand. Das gemeinsame Mittagessen wurde auf dem Frauenberg einaennmmen, fpäter folgte eine gemütliche Kaffeetafel, bei ber sich eine ausgezeichnete Stimmung entwickelte. Die Gesolgschatt hatte sich für ben musikalischen unb humoristischen Teil bes Tages sehr gut vorbereitet. Nur ungern trennte man sich von bem schönen Platze des gemüttichen Keifam- menseins, als bie Zeit zur Heimkehr angebrochen war. Die Fahrt verlief in allen Teilen zur vollen Zufriebenbeit ber Teilnehmer, unb sie kann in jeher Hinsicht als wohlgelungen bezeichnet werben. Der Ausflug mutbe unter Mithilfe von „Kraft durch Freude" Durchgeführt, Dieser Dienststelle gebührt für Den schönen Tag besonderer Dank.
♦* Falschgeld im Umlauf. Allem Anschein nach wird in Der Umgebung von Frankfurt von irgendeiner Person Falschgeld in Umlauf gebracht. So mußte Die Polizei in Bad Homburg in letzter Zeit gefälschte Zweimarkstücke unb Fünfzigpfennig- rur ^aaDraiunun^nHLeiutHncH .... stücke aus bem Verkehr Ziehen unb beschlagnahmen
Universitäts-Institut. Pg. Dr. Schliemann be- Heber bie Herkunft ber Falschstucke konnte bisher grüßte bie Teilnehmer unb wies in kurzen Worten nichts ermittelt werden. Auf alle Falle wird das auf Die Bedeutung Der Berusserziehungsarbeit Der I Publikum gewarnt.


