Montag, 10. Augusts
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Nr. 185 Drittes Blatt
XL OLYMPISCHE SPIELE W
Die erste Woche der Olympischen Spiele Berlin 1936 gehört der Vergangenheit an. In ritterlichem Kampfe mak sich die Jugend der Welt in vielen Wettbewerben. Gigantische Kämpfe gab es auf der Aschenbahn. 23 verschiedene Nationen konnten Medaillen erringen. Der Samstag und Sonntag brachten den Deutschen wieder zwei Goldmedaillen, vier Silberne und acht Bronzene Medaillen. Der Führer Adolf Hitler wohnte an allen Tagen den Wettkämpfen bet
BERLIN 1936
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tik der Gegner, -alten die Japaner noch nicht die Erfahrung in solchen Kämpfen, daß sie ihrem großen Mann zwei Läufer mit auf die 5000 Meter lange Reise gegeben haben, damit sie in diesem Kampf die Rolle spielten, die von zwei Finnen so großartig und so kameradschaftlich gespielt wurde? Warten wir ab, wie es in Tokio werden wird.
Son hatte jetzt mit 70 Meter die Führung vor Harper, aber nur noch 40 Sekunden tag der Fii"" Muinonen mit Tamila zurück. Tarkiainen war an dem Südafrikaner Coleman nicht vorbeigekommen. Im Aufrücken war jetzt auch der zweite Japaner Nan, der sich bereits vor Gibson und den Schweden Palms sowie Enochsson oorgearbeitet hatte.
Goldmedaille für Deutschland beim Segeln.
Dr. Vischoff nicht mehr einzuholen.
Bei den Seglern ist am Sonntag schon die erste Entscheidung gefallen. Deutschland errang in der Starboot-Klasse durch das Boot „Wannsee" (Steuermann: Dr. Bischofs-Berlin) eine Führung von 86 Punkten gegen Schweden mit 55 Punkten. Das deutsche Boot ist auch dann nicht mehr zu holen, wenn Schweden die letzte Wettfahrt gewinnen und Deutschland nicht einen einzigen Punkt mehr gutmachen sollte. Damit hat Dr. Bi-
Goldmedaille für Norwegen
im Kleinkaliberschießen.
Die erste Goldmedaille errang Norwegen am Samstag im Kleinkaliberschießen. Willy Rogeberg, der am Mittag die unübertroffene 300= Treffer-Serie schoß, wurde im weiteren Verlauf des Wettbewerbes nicht mehr erreicht. Hinter ihm placierte sich Dr. B e r e n z e n y (Ungarn) und Wladyslaw K a r a s (Polen) mit je 296 Ringen an zweiter bzw. dritter Stelle. Die deutschen Vertreter konnten sich nicht durchsetzen; Erich H o t o f f und Johann Schulz erzielten je 292 Ringe.
Polo. Bronzene Medaille für Mexiko.
Im Kampf um den dritten und vierten Platz des Olympischen Poloturniers, dem letzten, aber schönsten Spiel des ganzen Turniers, konnte Mexiko die ungarische Mannschaft mit 16:2 besiegen und damit die Bronzene Medaille erringen.
Unser Bild von der Wendemarke des Marathonlaufes zeigt vorn den Japaner Kitei Son, den Sieaer dieses größten Kampfes der XI. Olympischen Spiele, vor dem Engländer Ernest H a r p e r, der hinter ihm als Zweiter durchs Ziel ging. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
In der Entscheidung des 100-m-Kraul-Schwimmens der Männer gab es eine Überraschung. Der Ungar Ferenc Csik schlug die japanischen Favoriten sicher und erkämpfte für Ungarn die Goldene Medaille. —
(Schirner-M.)
Eine Woche Großkampf.
Don unserem Dr. G. Ei.Sonderberichterstatter Berlin, 9. August 1936.
Haben Sie schon einmal etwas von Wettkarnpf- ersahrung gehört oder von großer Rennroutine? Es ist beispielsweise nicht so, daß der unbedingt hefte Läufer in einem Rennen Erster werden muß, weil er in der körperlichen Form der Sicherste ist. Es ist schon ein ganz Teil „Köppchen, Köppchen" bet jedem sportlichen Kampf und wer hier richtig denkt und feinen Lauf entsprechend einteilt, der wird auch Erfolg haben. Denken wir doch an den 800-Meter- Lauf, der für einen Läufer so tragisch ausging, daß man fast meinen könnte vor Wut.
Dieser Bedauernswerte war Herr Lanci aus Italien, ein famoser Bursche, der sich im 800-Meter- Endlauf allerhand oorgenommen hatte und der sich von der Uebermacht der schwarzen Amerikaner nicht aus der Luhe bringen lassen wollte. Um den Läufern die ganze Sache zu erleichtern, verlegte das Kampfgericht den Start um 40 Meter in die Gerade hinein. Auf diese Weise führte der Weg wenigstens erst 40 Meter geradeaus und dann erst ging es in die weite Kurve. Beim alten Start hätten die Läufer gleich in die Kurve laufen müssen und da entstehen mitunter unliebsame Drängeleien und die wollte man eben vermeiden. Selbstverständlich liegt das
Ziel nun auch dort, wo in diesem Falle der neue Start war — denn bei 800 Meter sind im Stadion genau zwei Runden zu taufen — also mitten in der Zielgeraden. Selbstverständlich hatte man den Läufern diese Veränderung mitgeteilt und ihnen genaue Anweisungen gegeben. Das Rennen wurde gestartet und es gab den mörderischen Kamvf, den der schwarze Woodruff gewann. Aus dem Mittelfelde stürzte kurz vor dem Einbiegen in die Zielgerade der kleine Italiener vor. Er spurtet, daß alle anderen stehen zu bleiben schienen, aber die beiden Ersten erreicht er nicht mehr. Hinter dem Ziel steht der Italiener noch ziemlich frisch und ziemlich fassungslos da. Er hatte vergessen, daß das Ziel verlegt worden war. Er hatte zwar den Spurt des Negers in der Kurve gesehen, hatte sich aber richtig gesagt, daß er dieses Tempo keine 120 Meter durchhalten würde. Es waren aber nur 80 Meter und deshalb hat Lanci verloren. Schade.
Dramatisch verlief auch der 5000-Meter-Lauf. Drei Finnen ziehen leichten federnden Schrittes ihre zwölf Runden um die Stadionbahn, und em kleiner Japaner versucht es, den Kampf mit diesen Finnen aufzunehmen. Mal führt Höckert-Finnland das Feld an, mal geht Salminen vor und dann wieder lies der dritte Finne an der Spitze. Der Japaner wird regelrecht zermürbt von dieser zielbewußten Taktik der Finnen. Finnland kannte den gefährlichsten Mann aus Japan, und sie liefen deshalb so, daß der kleine Mann aus Nippon auf die Dauer kaputtgehen muß. Sie schaffen es mit dieser Taktik, die drei Finnen gewinnen wie sie wollen, uno oer tapfere Japaner ist geschlagen. Niedergeschlagen und traurig geht der Japaner Murakoso über denPtatz, still kniet er sekundenlang nieder und betet. Er yai ehrlich gekämpft, und er unterlag der famosen Tar-
Amsterdam) wurde.
Eine der größten Ueberraschungen der vergangenen Woche brachte fraglos der Berliner Gerhard S t ö ck , der zum Speerwerfen gegen Finnlands Uebermacht antrat, über sich selbst in diesem Kampf hinauswuchs und gewann. Das Stadion war ein wahrer Hexenkessel, so tobte alles vor Begeisterung und unter den Hunderttausend standen auch 36 Quartaner, die Schüler des Lehrers Stöck, die nun einen Tag frei bekommen haben, weil es ihnen der Direktor versprach. Uebrigens ist die Sache noch nicht ganz geklärt. Der gute Schuldirektor hat nämlich den freien Tag schon für die Silberne Medaille versprochen, und Stack hat die Goldene Medaille bekommen. Die Quarta rechnet nun damit, daß sie nun zwei Tage frei bekommt. Vielleicht ist der Direktor ein humaner Mann.
Stöck freut sich natürlich unbändig. Es soll Leute gegeben haben, die ihn fragten, ob er die Sprechchöre gehört hat, die angestimmt wurden, als Ministerpräsident Göring die Ehrenloge betrat. Der Kampf stand nämlich bis dahin nicht sehr gut und muntere Sprecher schrien zum Ergötzen aller Zuschauer — auch zur Freude des Ministerpräsidenten — laut und deutlich: „Jetzt muß es doch« besser gehen, weil wir unseren Hermann sehen. Und dann ging es wirklich besser!
Marathonlauf - ein Kamps der Heroen
Japans arofcer Triumph.
Es ist leider so oft bas Geschick vieler Sportsmänner, daß sie stets im Schatten der Besseren kämpfen und vor allen Dingen schon vor dem Kampf wissen, daß sie nach menschlichem Ermessen nicht gewinnen können. Da ist der Deutsche Borch- meyer, der als einziger deutscher Sprinter im 100- Meter-Endlauf stand und wußte, daß er zwar um sein Leben laufen würde, daß aber die Negerstuben- ten Owens unb Metcalfe bestimmt schneller sind. Die Deutschen haben ben ritterlichen Kampf ihres Landsmannes bewundert unb sie haben ihm ehrlich Beifall gezollt. Welch große Leistung bes Deutschen überhaupt! Alle Läufer dieses Enblaufes sind 21 oder 22 Jahre alt, vielleicht ist Osendarp sogar schon 25, aber Borchmeyer ist sage und schreibe 32 Jahre alt, unb in diesem Alter, als „Herr in besten Jahren", gehört er noch zur Elite der Sprinter ber Welt. Alle Achtung!!
Dabei denkt Borchmeyer gar nicht daran, feine sportliche Laufbahn zu beschließen. Er fühlt sich stark genug, jetzt auf 400 Meter zu trainieren. Diel- leicht hat er das gleiche Glück wie der deutsche Rekordmann über die 400-Meter-Strecke, Jochen Büchner (Magdeburg), der auch als Sprinter seine Laufbahn begonnen hat, und ber dann bester deutscher 400-Meter-Läufer unb Olympiakämpfer (1928
Mad) dem Verlassen des Stadions diktierte Zabala mit seinen kurzen, aber schnellen Schritten das Tempo. Die ersten 10 Kilometer legte der Argentinier in der sehr guten Zeit von 32:30 zurück. An zweiter Stelle folgte fein Landsmann Dias mit V2 Minute Rückstand. Fast im gleichen Abstand folgte der Indianer „Tarzan" Brown, dahinter liefen der Engländer Harper und ber Japaner Son. Bei 15 Kilometer tag Zabala mit 49:45 mit meh-
Der Start zum Olympischen Marathonlauf. $
Unser Bilb vom Start zum Marathonlauf zeigt bas Feld im Olympia-Stabion. Vorn fuhrt der Sieger von 1932, der Argentinier Zabala, der jedoch auf der Strecke einen Zusammenbruch erlitt, dicht hinter ihm (Nr. 265) der Engländer Ernest Harper, der diesen gigantischen Kampf als Zweiter beendete.
’ (Scherl-Bilderdienst-M.)
reren hundert Meter Vorsprung vor Dias und den gemeinsam auf dem dritten Platz folgenden Engländer Harpener und dem Japaner Son an der Spitze. Wenige Veränderungen gab es auf ben folgenden Kilometern. Hier lag der Japaner Son nach dem 20. Kilometer hinter Zabala zuweilen nur um 1 Minute zurück.
Am Wendepunkt führte Zabala.
Beim Wendepunkt, nach 21 Kilometer, war ber Stand des Rennens folgender: Zabala 1:11:29 vor Son und Harpers 1:12:49, Dias, Enochson, Coleman, Gibson, Brown, Palms und Oliva. Dieser Vorsprung Zabalas schrumpfte dann plötzlich zusammen. Schon auf den nächsten Kilometern verlor er 32 Sekunden gegen feinen mit schnellen Drippelschritten dahineilenden japanischen Verfolger Son. Fünf Meter hinter Nippons Vertreter lag Harper. Aus dem Hintergrund waren die hellblauen Trikots der Finnen dich geschloffen aufgetaucht. Zusammen tagen Muinonen, Tamila und Tarkiainen vor dem Schweden Palms.
Nach dem Verlassen der Avus, als auf dem Rückwege erneut die schweren Steigungen längs der Havel zu nehmen waren, ließ Zabala erschöpft nach. Zermürbt durch fein scharfes An- fangsfempo mußte er nicht nur den Japaner Son, sondern auch den Engländer Harper oorbeilaffen und hatte beim 31. Kilometer 2:17 Minuten gegen den Japaner verloren. Der Engländer tag 50 Meter hinter dem Sohn Asiens, lieber 100 Meter vor Zabala folgten dann die drei Finnen. Nach weiteren drei Kilometer war Zabala ganz aus der Spitzengruppe verschwunden.
Son (Japan) in Front.
bem Schwimmstadion-ährend des Starts aum erften SJorfauf über 200 m Brust der grauen. - (Scherl-Bllderdienst-M.)


