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Die arbeitende Klasse Englands wünsche den Frie­den und würde grofee Opfer für die Erhaltung des Friedens bringen. Unter lautem Beifall des hau- fes erklärte Thomas, nichts fei in dieser heiklen und schwierigen Feit gefährlicher, als der Bevölke­

rung die Gefahr eines Krieges in die Hirne ein­zuhämmern. Er, Thomas, glaube einfach nicht daran.

Dienstag werden u. a. Sir John Simon, Lloyd George und Churchill sprechen, der Schatzkanzler Neville Chamberlain wird für die Regierung die Aussprache beenden.

reich herbeizuführen.

Oer Kolonialminister Thomas

erklärte, es fei lächerlich, zu behaupten, daß

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7. März IM die noch nicht sitzen. Wie bi sich am Wah! berechtigt. 2Ii len aus h abgabe ai vorstehende 5

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Land sich innerhalb des nächsten Monats reits in einem Krieg befinden würde.

lenken.

Starker Eindruck in Amerika.

Die Bahn frei für den Aufbau eines neue« Friedenswerkes.

Washington, 9. März. (DNB.) Das von der Bereinigung der Berichterstatter für Präsident Roose­velt veranstaltete Jahresbankett, bei dem sich alle Staatsmänner und Politiker sowie zahlreich« höhere Offiziere in zwangloser Form unterhielten, bot Gelegenheit, die Ansichten hervorragender Amerikaner über den Einzug deutscher Truppen ins entmilitarisierte Gebiet zu erfahren. Man bewun« dert die Entschlossenheit des Führers, erst zu handeln und dann zu verhandeln, eint Taktik, die angesichts der jahrelangen fruchtlose« Verhandlungen über Abrüstung und andere inter nationale Fragen, wie man erklärt, zumindest er* frischend gewirkt hätte. Man neigt der Am sicht zu, daß es nicht zu ernsteren Verwicklungen kommen werde. Die Sympathien für Frankreich sind nicht groß und infolge der offenbar jüdisch-komnul' nistisch beeinflußten Streiks in der Gummiindustrie und ihm Fahrstuhlbetrieb Neuyorks hat sich die Stimmung gegen die Sowjetunion erheblich ver» schärft, jeder Schritt wird begrüßt, der, wie Deutsch» lands Protest gegen das Mmzösisch-sowjettussischt Bündnis, den Betätigungsdrang Moskaus ein» dämmt. In der Presse findet man das Bemühe« zu unparteiischer Beurteilung des Vorganges. Mm weist zwar darauf hin, daß das franzosifch-sow» jetrussische Bündnis ja noch nicht in Kraft getreten sei und der Führer dahervorgegriffen" tzobe, aber

vom Wahlrecht Verlustes der b fen sind. Das ruht wiebr sich nichts geanl aeheimnis leichterunyen i die im chinbl

mer ein Ende macht.

Enttäuschung in Paris.

Paris, 10. März. (DRB. Funkspruch.) Außen­minister Eden traf Montag spät abends in P a r r s ein. Hier interessiert man sich in erster Linie für die Haltung, die England bei den heute begin­nenden Besprechungen einnehmen wird, da man sich darüber klar ist, daß der Erfolg oder Nichterfolg der französischen Forderungen mehr oder weniger davon abhängt. Die Erklärungen des englischen Außenministers haben ebenso wie diejenigen des Ministerpräsidenten im Unterhaus in Frankreich enttäuscht. Die Presse unterstreicht zwar in Überschriften, einige markante Sätze aus der Rede Edens, stellt aber gleichzeitig mit unverhohlener Verärgerung fest, daß man in englischen Regie­rungskreisen der absoluten negativen Haltung Sar- rauts eine wesentlich positivere gegen» überstellt. Unter diesen Umständen fragt man sich mit einer gewissen Besorgnis, was die kommen­den Verhandlungen in Paris und Genf bringen

London, 10. März. (DNB. Funkspruch.) Der ,L)aily Telegraph" erklärt, es müsse der Zweck so» wohl der Besprechungen in Paris wie später in Genf sein, den Frieden in Europa auftechtzu» erhalten und wenn die Umstände es erlauben, aus einer kritischen Lage heraus bessere Siche­rungen für den Frieden in Zukunft zu er­langen. Die Vorschläge der Regierung für die Auf­rüstung hätten keines realistischen Hintergrundes bedurft, dieser sei tatsächlich durch die Vorgänge am Rhein geliefert worden.

Die rechtskonservatioeM o r n i n g Post" sagt, die Rückwirkungen auf Deutschlands Vorgehen im Rheinland seien in Großbritannien langsamer ein* getreten als in Frankreich, weil es weiter entfernt liegt. Des Außenministers Feststellung, Deutschland habe dem ganzen Gebäude der internationalen Be­ziehungen einen schweren Schlag versetzt, seien nichts als Worte, die in dieser rauhen Welt wenig Bedeutung hätten. Weit mehr zähle die Erklä­rung, daß England sich an den Locarno- Vertrag gebunden halte, auch wenn Deutsch­land ihn nicht anerkenne. Locarno sei durch Hitler nicht zerstört worden, sondern durch sein Vorgehen sei ein gegenseitiger Nichtangriffs­pakt in ein altmodisches Präventiv- bündnis umgewandelt worden. Man müsse die Absicht der englischen Regierung, die deutschen Vorschläge objektiv zu prüfen befürworten. Gleichzeitig aber wäre es töricht, zu vertrauensselig auf den Grundmauern des zerbrochenen Gebäudes wieder aufbauen. Die deutschen Vorschläge begön­nen mit einer Aufforderung an Frank­reich, sein gegenwärtiges Grenzgebiet zu entmi­litarisieren. Dies würde die Zerstörung oder das Aufgeben der Grenzbefestigungen be­deuten, auf die Frankreich in besserem Maße seit dem Kriege Zeit und Geldmittel ausaewandt habe. Sei es im Lichte der letzten Ereignisse vernünftig, den schweren materiellen Verlust an Sicherheit durch die deutsche Unterschrift unter einen 25 Jahre gel­

tenden Nichtangriffspakt einzutauschen? Zunächst müsse man andem gegenwärtigen System festhalten, soweit davon noch etwas übrig ge­blieben sei, insbesondere an der englischen Freund­schaft mit Frankreich. Es möge sich auch als gut erweisen, daß London den Zank mit Italien a u f g e b e , in einer Angelegenheit, die wie sie auch sei, in verhältnismäßiger Unwichtigkeit ver­sinke.

Auch dieTime s" unterstreicht, daß Großbri­tannien vor allem die Verantwortung zufalle, auf Grund der Vorschläge des Führers eine Ver­ständigung zwischen Frankreich und Deutschland herbeizuführen. Es sei nicht genug, die Handlung Deutschlands zu verdammen und zu bedauern, das Gebäude müsse erneuert und ver­stärkt werden, ja es müsse tatsächlich von neuem aufgerichtet werden. Die meisten Engländer seien Überzeugt, daß in diesen gegen­wärtigen ernsten Verhältnissen keine Gelegen- heit oersäumt werden dürfe, die irgend eine Hoffnung auf Besserung biete. Ob eine solche Hoff­nung in den Vorschlägen des deutschen Memoran­dums enchalten sei, könne erst eine genaue Prüfung ergeben.

Englands einziges Interesse in Europa sei Frieden. Es sei seine Pflicht, keine Gelegenheit zu versäumen, um zu versuchen, Frankreich und Deutschland in ein Freundschaftsverhältnis zu England zu bringen. Dieser Punkt sei auch klar von Baldwin in der gestrigen Aussprache zum Ausdruck gekommen. Die einzige Hoffnung liege in dem Bestreben, eine Dreierfreundfchast zu erreichen und dazu müsse noch etwas hinzu­kommen. Trotz aller gegenseitigen Furcht und des gegenseitigen Mißtrauens. die leicht in eine unvernünftige Feindschaft entflammen könnten, hätten doch Millionen einfacher Franzosen und Deutschen keinen tieferen Wunsch, als

Samul hält an der unfruchtbaren Politik Mer Ablehnung fest

Die Nundfunkansprache des stanzösischen Ministerpräsidenten.

Die ftanzösische Regierung sei, so erklärte der Ministerpräsident, entschlossen, dieser Drohung nicht nachzugeben. Die französische Regierung sei weiter gewillt, die Sicherheitsgarantien des Locarnopaktes aufrecht zu erhalten. Frankreich wolle nicht, daß Straßburg im Bereich der deutschen Kanonen liege. (!) Auch aus diesen Worten spricht wieder die vollkommene Einsei­tigkeit des französischen Standpunktes, der wohl für Frankreich jede zusätzliche Sicherung vor dem Schreckgespenst einerdeutschen Gefahr" in Anspruch nehmen will, ohne jedoch den deutschen Nachbarn das gleiche Recht zubilligen zu wollen. Wenn die Reichsregierung geglaubt habe, auf die französische Uneinigkeit und die Wirren innerer Meinungsver­schiedenheiten rechnen zu können, so habe sie sich ge­täuscht. Das französische Volk werde die sofortige Einheit seines Willens im Interesse der Sicherheit Frankreichs wiederherstellen.

*

Mit der Leidenschaft der Verneinung hat der französische Ministerpräsident erklärt, Frankreich werde die deutschen Vorschläge nicht prüfen. Er begründet dies mit der einseitigen Aufkündigung feierlich übernommener Verpflichtun­gen durch Deutschland und mit der Tatsache des Einmarsches van Truppen in das deutsche Rhein­land, ohne dies vorher angekündigt zu haben. Wenn Herr Sarraut damit ein deutsches fait accompli brutalster Art feststellen zu können glaubt, so ver­gißt er, daß am 7. März nur der Schluß- punkt unter eine Entwicklung gesetzt worden ist, die eine lange Reihe franzö­sischer f ai ts accomplis darstellt. In Miß­achtung dieser feiner eigenen Verpflichtungen, die Frankreich jede Angriffshandlung und somit auch jede Erhöhung einer Konfliktsmöglichkeit untersagte, hat Frankreich die Möglichkeiten eines Zusammen­stoßes mit Deutschland erweitert, wobei es sich selber das Urteil darüber anmaßte, ob diese Politik mit Locarno vereinbar und wer der mutmaßliche Angreifer sei. Der Vorwurf, daß Deutschland für sich eine einseitige Richterrolle in Anspruch genom­men habe, fällt oemnach auf Frankreich zurück, das diesen Anspruch sogar vertragsmäßig im Russen­pakt festgelegt hat.

Nun klagt Sarraut darüber, daß durch den Wegfall der entmilitarisierten Zone, deren An­sicherheit durch das französische Vorgehen ins Unerträgliche gesteigert worden war, Frank­reich nicht mehr geschützt sei, und er prägt in

daß man ihnen erlaube, in Frie­den und guter Nachbarschaft ihren Geschäften nachzugehen. In ihrem Inter­esse allein schon müsse die brittsche Politik jede Gelegenheit ergreifen, um diese Dünsche zu verwirklichen.

DerDaily Herald" (Arbeiteropposition) be­tont, daß Eden die Tür gegenüber den Vorschlägen der deutschen Regierung nicht zugeschlagen habe, sie sei vielmehr weit offen geblieben. Eden habe darauf hingewiesen, daß nach Ansicht der britischen Regierung, die auch die Ansicht des briti­schen Volkes sei, zum mindesten Hitlers Angebot ein Mittel darstelle, wie das erschütterte Friedensge- bäude wieder gestärkt werden könne. Es könne in der Tat feine törichtere Politik in einer solchen Lage geben, als s i ch zu weigern, über diese Vorschläge in eine Aussprache einzutreten oder Bedingungen aufzustellen, die tatsächlich eine Aussprache behindern würden. 1934 sollte eine Warnung sein. Der Reichskanzler habe damals Vorschläge für ein Rüstungs- abkommen gemacht, das sehr nahe an die bri­tischen Vorschläge herangekommen sei. Aber Bar» thou habe es abgelehnt darüber zu verhandeln, und die britische Regierung habe sich das schwächlich gefallen lassen. Das Ergebnis daraus sei nicht die Behinderung der deutschen Rüstung gewesen, sondern nur die Z e r st ö r u n g der letzten Gelegenheit für ihre Be­grenzung. Kein französischer Staatsmann sollte damit rechnen, daß, wenn kein neuer Westpakt nach Art des Locarnoverttages zustande käme, Groß­britannien etwa ein einseitiges Militär­bündnis mit Frankreich gegen Deutsch- land abschließen werde. Das komme gar nicht in Betracht. Das neue System, das das Lo­carnosystem ersetzen müsse, könne nur zusam­men mit Deutschland geschehen und das sei eine Tatsache, der man nicht entgehen könne.

diesem Zusammenhang den Sah:Wir wollen nicht, daß StraßburgimBereich deut­scher Kanonen liegt! Herr Sarraut halt es offenbar für richtig und für eine große Na­tion erträglich, wenn Freiburg, Karls­ruhe, Mannheim, Saarbrücken, Trier und viele andere deutsche Städte innerhalb der Reichweite franzö­sischer Kanonen liegen, die überdies den Vorteil haben, bereits unter Beachtung aller militärtaktischen Vorteile in ein unüber­windbares Befestigungsfyffem ein­gebaut zu sein, dem ein bekannter russischer General vor nicht langer Zett das Zeugnis aus­stellte, daß es sich ausgezeichnet auch für offen­sive Möglichkeiten eigne.

Es ist außerordentlich zu bedauern, daß Herr Sarraut sich der Leidenschaft der Verneinung der­art überließ, daß er die konstruktiven Vorschläge Deutschlands beiseiteschiebt. Er befindet sich in die­ser Beziehung wohl nicht im Einklang mit vielen Stimmen des übrigen Auslandes, die den ent­scheidenden Wert der konstruktiven deutschen Vor­schläge erkannt Haden. Er verschließt sich damit den konkreten Möglichkeiten zu einer restlosen deutsch-französischen Verständigung, nach der die Reichweite von Geschützen und Flug­zeugen innerhalb der französisch-deutschen Beziehun­gen überhaupt keine Rolle mehr spielen könne. Wenn der französische Ministerpräsident sich sogar zu der Annahme versteift, der Zettpunkt der deut­schen Verlautbarung sei im Hinblick auf die französischen Wahlen gewählt, so ist fest­zustellen, daß Deutschland niemals in der Ent­zweiung des französischen Volkes seinen Vorteil, sondern stets in dem einigen und unteil­baren Frankreich eine europäische Selbstverständlichkeit und Notwen­digkeit gesehen hat. Im Gegenteil ist es nur mit dem kommenden Wahlkampf zu entschuldigen, wenn Herr Sarraut in der Sicherung deutschen Gebietes durch deutsche Soldaten eine .Kapitula­tion und Knechtschaft" des französischen Volkes sehen will. Wohin kämen die europäischen Völker, wenn dieser Grundsatz allgemein gültig würde! Dieser Geist war es, gegen den der Führer und Reichskanzler mit der ganzen Leidenschaftlichkeit seiner Persönlichkett die Forderung nach deutsch- französischer Verständigung ins FeL führte.

Es ist zu begrüßen, daß man den Aeußerungen Edens und Baldwins die Absicht entnehmen kann, mit Kaltblütigkeit und Ruhe die deutschen Vor­schläge daraufhin zu prüfen, ob sie ein Mittel bieten, den europäischen Frieden auf einer neuen und besseren Grundlage wieder aufzubauen. Man darf also die Hofnuna haben, daß die britische Re­gierung und das britische Volk bei klarer Prüfung des deutschen Vorgehens einsehen werden, daß nicht Deutschland, sondern Frank- reich durch Ratifizierung des Beistandspaktes mit der Sowjetunion den Vertrag von Locarno einseitig gekündigt hat. Die deutsche Hand­lung ist nur eine Folge dieser Absage Frankreichs an das Locarnosystem. Deutschland fordert wie je­des große Volk das Recht zur Verteidigung seiner Lebensinteressen, und dazu gehört die Wiederher­stellung der vollen Souveränität in allen Teilen des eigenen Landes. Wenn der britische Außen­minister diesen durch das Einrücken der neuen Gar­nisonen in das Rheinland vollzogenen Akt nicht als eine Drohung bezeichnet hat, so ist das zwar erfteulich, aber immerhin wird man bedauern müssen, daß in England die Möglichkeit eines deut­schen Angriffs überhaupt zur Diskussion stehen werden.

für nicht diesem der jenem Lande zuschreiben, aber Hauptsache sei, daß der Lustpakt in den letzten Monaten in immer größere Ferne zu rücken scheine. Das Vorgehen Deutschlands im Rheinland sei nach feiner Ansicht ein schwerer Feier. Er glaube, sie bedeute einen neuen und störenden Faktor in der internationalen Lage, der die Grundlagen der in­ternationalen Abmachungen erschüttere. Aus diesem Grunde stimme er völlig mit der Erklärung Edens über die Verurteilung dieses flagranten Vertrags­bruches überein. Er warne jedoch vor vor» eiligen Schritten.

Mehrere Abgeordnete der Arbeiterpartei, darun­ter auch der frühere Staatssekretär Dalton, forder­ten die Regierung auf, alles zu tun, um die An­gebote Hitlers zu einer Verständigung auszunützen, statt bedenkenlos mit dem großen Aufrüstungspro­gramm ein neues Wettrüsten der Nationen zu fördern.

Der konservative Abgeordnete Kary wies ebenfalls darauf hin, daß alles versucht werden müsse, um eine Verständigung zwischen Deutschland und Frank-

Englands europäische Aufgabe.

Londoner Pressestimmen zur gestrigen Debatte im englischen Unterhaus

Auch ftanzösische Blätter fordern eine posittve Einstellung.

Paris, 10. März. (DNB.-Funkspruch.) Die Er» flärung, die der französische Ministerpräsident am Dienstagnachmittag in der Äammer Briefen wird, wird nach Ansicht gut unterrichteter politischer Kreise ein Spiegelbild seiner Rund» funtrebe fein. Man erwartet, daß er noch em» mal seinen Entschluß bestätigt, keine Der h anb» lungen mit Deutschland zu eröffnen so­lange die deutschen Truppen, nicht aus dem Rhein» land zurückgezogen worden sind. Dieser Standpunkt des französischen Ministerpräsidenten findet jedoch nicht allgemeine Billigung. Im sozia­listischenPopulaire" schreibt der Generalsekretär der sozialistischen Partei, P. Faure. u a.: Gewyse Ausdrücke, die der Ministerpräsident gebraucht habe, seien ungeschickt und gefährlich. Nichts fei normaler, als daß Frankreich energisch protestiere, aber es sei unnütz, diesem Protest gewisse Rede- Wendungen hinzuzufügen, die eine Lösung noch schwieriger gestalten könnten. Es handele sich u m einen diplomatischen Streitfall und n i ch t um H e r a u s f o r d e r u n g e n, die von einer Regierung an die andere gerichtet feien. Ein diplo- matischer Streitfall aber müsse durch Verhand­lungen geregelt werden. Es sei in ferner Weise verdienstvoll, einen Frieden gu verteidigen, der gar nicht bedroht sei. Daher sei es bedauerlich, daß 'der Ministerpräsident gewisse Wendungen be­nutzt habe, die den wünschenswerten Vechandlun» gen hinderlich sein könnten.

Auch die radikalsozialistischeR e p u b l i q u e* fordert eine positive Haltung. Minister­präsident Sarraut sei gezwungen gewesen, gegen die Verletzung übernommener Verpflichtungen zu protestieren. Der ehemalige Frontkämpfer Sarraut aber werde ebenfalls der Ansicht sein, daß nach dieser ersten Handlung die französische Regierung keine ausgesprochen verneinende Haltung einnehmen dürfe, wie sie aus der Er­klärung des Ministerpräsidenten hervorzugehen scheine.

konnte. Ein Angriff konnte niemals in den Absichten der deutschen Regierung liegen. Das deutsche Volk und seine Führung wollen nichts als die bestmög­liche Sicherung des Friedens und den Aufbau eines gefunden Fundaments für eine auf­richtige dauerhafte deutsch-französische Verständi­gung, die der Jahrhunderte alten friedenzerstoren- den Atmosphäre des Argwohns und Mißtrauens zwischen den beiden großen europäischen Völkern, von der Ministerpräsident Baldwin sprach, für im»

Paris, 9. März. (DNB.) Ministerpräsident Sarraut hielt am Sonntagabend im französischen Rundfunk eine Rede. In völliger Verkennung der deutschen Auffassung erklärte der Ministerpräsident, Frankreich habe stets eine Verbesserung der Bezie­hungen zu Deutschland zu erreichen versucht, diesen Bemühungen sei der Rheinpakt von Locarno ent­sprungen. Während nach seiner Auffassung von französischer Seite alles getan worden sei, um zu einer Beruhigung der Atmosphäre zu gelangen, glaubt der französische Ministerpräsident, Deutsch­land eines ständigen illoyalen Verhaltens beschuldi­gen zu können, das in sonderbarem Widerspruch zu den mehrfachen Friedensbeteuerungen der Reichsregierung steht. Als Beisviel führt er die Einstellungen der Reparationszahlungen, das Ver­lassen der Abrüstungskonferenz, das Ausscheiden aus dem Völkerbund und die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht an. Geflissentlich ver­schweigt er jedoch seinen Hörern, daß diese Maß­nahmen von Deutschland erft ergriffen wurden, als sich die Gegenseite klar und deutlich über feier- l i ch eingegangene Versprechungen hinweggefetzt hatte. Die deutschen Einwen­dungen gegen den französisch-sowjetrus- fischen Beistandspakt seien völlig unzutref­fend. Deutschland habe kein Recht, sich zum Richter über die Vereinbarkeit des Locarnoverttages mtt dem Rusfenpakt zu machen. Es hätte den Inter­nationalen Gerichtshof im Haag mit der Angelegenheit beschäftigen müssen.

Ministerpräsident Sarraut gab dann zu, daß Deutschland in dem dem französischen Botschafter übergebenen Memorandum neue Vorschläge gemacht habe. Diese Vorschläge werde jedoch die französische Regierung nicht prüf e n, denn Frankreich könne diesen Vorschlägen kein Ver­trauen entgegenbringen, nachdem zum zweitenmale innerhalb eines' Jahres übernommene Verpflichtun­gen von Deutschland abgelehnt worden seien. Die Prüfung dieser Vorschläge könne aber auch nicht erfolgen, da Deutschland durch die Entsendungbe­deutender Streitkräfte" in die entmilitarisierte Zone Frankreich vor vollendete Tatsachen ge­stellt habe. Auch hier erwähnte Sarraut mit keinem Wort, daß in Wirklichkeit der französisch» s o w j e t r u f s i s ch e Vertrag, an den sich Frankreich bereits jetzt praktisch gebunden fühlt, eine neue Tatsache geschaffen hat und daß dieBeschlüsse der Reichsregierung eine natürliche Re aktion auf diese Durchlöcherung des Locarno-Vertrages sind.

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ß e Jour" (gemäßigt republikanisch) verspricht sich nicht viel von den Besprechungen der Unter» Zeichner des Locarno-Vertrages. Das Abspringen des hauptsächlichsten Verbündeten Frankreichs werde lediglich zu der Feststellung führen, daß Frankreich allein dastehen werde. In Er» kenntnis dieser Tatsache werde die französische Re» gierung gut daran tun, ihre Worte genau abzuwägen, bevor sie spreche. Der reale» rungsfreundlichePetit Parisien" ist der Auffas­sung, daß man aus den Erklärungen, die der eng­lische Außenminister am Montag vor dem Unter­haus abgegeben habe, noch keine endgül­tigen Schlüsse auf die Haltung Edens bei den Pariser und Genfer Besprechungen ziehen könne. Was man jedoch schon jetzt feststellen könne, fei die Tatsache, daß sowohl der Geist dieser Erklärungen als auch der Ton der englischen Presse gegen- über Deutschland auf eine wesentlich andere Einstellung schließen l a s s e als beispielsweise gegenüber Italien. Es nützte jedoch nichts, zu stöhnen und zu klagen. Frankreich müsse seiner selbst sicher genug sein, um eine un­angenehme Tatsache hinzunehmen.

Senator C a i 11 au x wendet sich gegen d as Zögern und Zaudern Frankreichs, das mitverantwortlich für die französisch-deutschen Mei- nungverschiedenheiten sei. Vielleicht sei es ein teuf» liches Spiel des Schicksals gewesen, daß jedesmal, wenn sich die eine Hand über die Grenze hinaus- streckte, sie die andere nicht mehr gefun­den habe, die noch am Vorabend gereicht worden fei. Die Frage sei daher, ob es diesmal trotz der vorhandenen Schwierigkeiten möglich sei, die Ver­handlungen zu einem glücklichen Abschluß zu brin­gen. Der Ausgangspunkt müsse eine Aussprache über den Einfluß bilden, der den beiden Großmäch­ten wie überhaupt allen großen Staaten zukomme. I

Absage Tardieus an den Parlamentarismus.

Paris, 9. März. (DNB.) Der ehemalige Mi- nisterpräsident Andr6 Tardieu hat den Wählern des Gebietes von Belfort mitgeteilt, daß er auf einen Parlamentssitz verzichten wolle, weil er glaube, daß das politische System Frank­reichs weder vom Volke geduldet noch durch parla­mentarische Mittel verbessert werden könne. Er habe seit vier Jahren versucht, dieses Regime durch parlamentarische Mittel zu verbessern, und fest- gestellt daß es unmöglich sei. Der Sturz Don- mergues habe bewiesen, daß die Kammer« jede tiefgreifende Reform ablehnen. Man müsse sich nun an das Land selbst wenden, und die erste Bedingung, um von dem Lande gehört zu werden, sei, daß man nittjl Parlamentarier sei. Er habe seit 15 Mona­ten seine neue Aktion vorbereitet Viele in der Kammer dächten wie er, aber niemand spreche es aus. Möge der freiwillige Verzicht auf eine Laufbahn, die ihm Ehre eingetragen habe, dazu beitragen, die Aufmerksamkeit des franzäfi- schen Volkes auf den Emst des Uebelftänbe zii 1