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Nr. 8 Zweiter Blatt
Zreitag, 10. Januar 1936
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
EmedrülteüberdieLoirevomHochwafferzerstört
york laufen!
Satz
politische, sondern sogar für die tnnerpolitische Kräfteentsaltung des Türkentums. Um so unbedenklicher konnte Kemal Pascha nach dem Lausanner Frieden, auf dem das Türkentum in rein nationaler Selbstbeschränkung die Unabhängigkeit seiner Entwicklung sicherte,' zu rücksichtsloser E n t k i r ch - lichung des Alltagslebens seines Volkes schreiten und damit einen Vorgang nachholen, der im christlichen Abendlande den Inhalt des Zeitalters der Reformation ausmachte.
Man begann mit der Abschaffung religiöser Symbole. Der Fes, die Kopfbedeckung des türkischen Mannes, wurde verboten. Die türkische Frau hatte den Schleier abzulegen. Geistliche Abzeichen durften nur mehr staatlich zugelassene Religionsdiener tragen. Der Koran wurde ins Türkische übersetzt, der' türkische Gottesdienst und Religionsunterricht von aller Abhängigkeit von arabischer Sprache und Kultur befreit! Die Klöster der Derwische wurden als Brutstätten reaktionärer Gesinnung geschlossen und die Insassen gezwungen, sich aus ihrem beschaulichen Leben dem Broterwerb wie alle anderen Staatsbürger zuzuwenden. Ueberflüssige Moscheen machte man weltlichen Zwecken dienstbar. Schließlich wurde sogar die Hagia Sophia in ein Museum verwandelt. Mit solcher Folgerichtigkeit wurde die Trennung von Staat und Kirche durchgeführt, daß 1928 die Bestimmung der Verfassung von 1924, wonach der Islam die Religion der türkischen Republik sei, gestrichen und der Eid bei Allah durch ein einfaches Gelöbnis auf Ehrenwort ersetzt wurde.
Diese Entkirchlichung des türkischen Alltagslebens, die keineswegs als religionsfeindlich aufgefaßt sein will, Hot im übrigen mohammedanischen Orient so wenig Unzufriedenheit geweckt, daß man in Persien und Afghanistan dem türkischen Beispiel in immer rascherem Tempo folgt. Die Waffenerfolge der neuen Türkei im Kampfe gegen Griechenland-England sicherten ihr eine Steigerung ihres Ansehens in der ganzen islamischen Welt, die allen Verdruß der orthodoxen Geistlichkeit über den radikalen Reformeifer wettmachte. Perser, Afghanen, Araber und Aegypter wurden durch die
Bob ging einige Minuten unauffällig vor dem Hause hin und her. Nichts rührte sich. Da beschloß Bob, es zu wagen: ein kleiner Zuschuß zu den fünftausend „erarbeiteten" Dollars, die er in seiner Brieftasche trug, konnte nicht schaden. Das Oeffnen des einfachen Schlosses an der Haustür war im Augenblick geschehen. Vorsichtig machte er eine Runde durch das ganze Haus. Seine Vermutung war richtig, das Haus war leer Aber leider erkannte Bob auch zu seiner Enttäuschung, daß er sein Kapital hier nicht erhöhen könne. Es gab zwar prächtige Möbel und auch einen kostbaren Flügel, aber den kann man nicht unter den Arm nehmen, wenn man eilig zur Bahn muß. Von Geld oder Schmucksachen weit und breit keine Spur. Leise fluchend verließ Bob das Haus, natürlich ganz ungeniert durch die Haustür, das war immer das unauffälligste und ungefährlichste.
Aufnahme in die Hochschule für Lehrerbildung Darmstadt.
LPD. Darmstadt, 9. Jan. An der Hessischen Hochschule für Lehrerbildung in Darmstadt werden im Jahre 1936 evangelische und katholische Studenten und Studentinnen neu ausgenommen. Die Ausbildung dauert zwei Jahre. Bei der Aufnahme werden nur Bewerber und Bewerberinnen berücksichtigt, die den Gliederungen der nationalsozialistischen Bewegung angehören. Der Nachwuchs -des deutschen Erziehungsstandes soll sich aus den Reihen der HI. und des BDM. ergänzen. Bei der Neuaufnahme werden in erster Linie Bewerber und Bewerberinnen aus Hessen berücksichtigt. Nur im Bedarfsfälle können Bewerber und Bewerberinnen aus den angrenzenden Gebieten ausgenommen werden. Die Gesuche mit den erforderlichen Unterlagen sind bis zum 31. Januar 1936 bei der Abteilung II der Hessischen Landesregierung in Darmstadt, Peter-Gemeinder-Straße 3, einzureichen. Die Bewerber haben sich für eine voraussichtlich einwöchige Aufnahmeprüfung in Lagerform in der ersten'Märzwoche bereitzuhalten. Die Entscheidung über die Aufnahme wird Ende März 1936 mitgeteilt werden.
paar Tagen bekommen Sie den Rest mit genauer Abrechnung zurück."
Fünf Minuten später saß Bob ganz gebrochen auf einer Bank. Jetzt konnte er zu Fuß nach Neu-
Im Lause der Jahrhunderte forderten und erhielten weitere religiöse Gruppen in der Türkei autonome Rechte, bis es schließlich 13 solcher besonderer nichtmuslimischer Gemeinwesen im osmanischen Reiche gab. Es kam naturgemäß nach und nach einerseits zu immer größeren Einbrüchen der türkischen Staatsgewalt in die Verwaltungsbereiche der nichtmuslimischen Gemeinschaften und andererseits zu Anpassungen der türkischen Staatsverfassung an den fortschrittlicheren Geist der abendländischen Kulturwelt, deren führenden Mächte ihrerseits die gewohnheitsrechtliche Absonderung nichtmuslimischer Verbände innerhalb der Türkei benutzten, sich in die inneren Verhältnisse des osmanischen Reiches einzumischen. Die Geschichte dieser Wechselwirkungen ist die Geschichte des allmählichen Verfalls und Zerfalls des osmanischen Reiches. Die Beteiliguna der alten Türkei am Weltkriege auf Seiten der Mittelmächte wurde zu ihrem Todeskampf. Der osmanische Einheitsmensch, der aus der Retorte der jungtürkischen „Revolution" hervorgegangen war, erwies sich als ein Homunculus. Indem die „Alliierten" die nationalen Absonderungsbestrebungen auf türkischem Staatsgebiet begünstigten, brachten sie ihre Kriegsziele mit Kräften in Einklang, die auch innerhalb des mohammedanischen Orients ein allgemeines nationales Erwachen auslösten.
Die k e m a l i ft. i s ch e Bewegung setzte zur Rettung der türkischen Rasse räumlich und zeitlich dort ein, wo sie einst ihren Eroberungszuq begonnen hatte. Sollte das Türkentum zur Quelle seiner Kraft zurückgeführt werden, so mußte es nicht nur von allen Bindungen an fremdes Volkstum, sondern auch von allen Bindungen an eine kirchlich" nisation, die zu einem Hemmnis fortschrittlicher Entwicklung geworden war, befreit werden. Der Türke ist von Hause aus mehr als Angehörige irgendeines anderen Volkes Krieger. Er ließ sich um so leichter für den Islam gewinnen, als keine andere Religion seine kriegerischen Instinkte so sehr begünstigte Heute ist die geschichtlich gewordene Form des Islam ein Hemmnis nicht nur für die außen
nationale Revolution der Türken ermutigt, ihre eigenen Gefühle der Minderwertigkeit vor der Ueberlegenheit Europas zu überwinden. Das steigerte bei ihnen das Bewußtsein der Schicksalsverbundenheit aller Jslamvölker in viel stärkerem Grade, als es die Preisgabe des Kalifatsanspruchs durch die neue Türkei zu schwächen vermochte
Im ganzen kann der Islam an Anziehungskraft auf das Vorstellungsleben primitiver, besonders afrikanischer Völker, die schon immer sehr groß war, durch die Verweltlichung der Jslamstaaten nur gewinnen. Die kirchenfeindliche Richtung der kemalistischen Gesetzgebung tut der Tatsache keinen Abbruch, daß die führenden türkischen Kreise nach wie vor die Zugehörigkeit zum Türkentum, also zur herrschenden Klasse, mit dem Bekenntnis zu einer anderen Glaubensgemeinschaft als der des Islam für unvereinbar halten. Wer sich vom Islam zum Christentum abwendet, begeht heute nach moderner türkischer, wie arabischer, persischer und afghanischer Auffassung zwar kein religiöses Verbrechen, dafür aber nationalen Verrat, also etwas viel Schlimmeres! Daher auch der vermehrte Widerstand, dem christliche Missionen in den modernisierten islamischen Ländern begegnen.
Für die „Mission unter den Heiden" aber können heute christliche Missionare vor islamischen nicht mehr ein Monopol als Träger moderner Kultur in Anspruch nehmen. Mit Stolz können mohammedanische Werbeapostel auf die raschen Fortschritte Hinweisen, die die Jslamstaaten im Orient auf allen Gebieten weltlicher Kultur erzielten und die deren Bildungsanstalten mehr und mehr instandsetzen, die Sendboten islamischer Kultur mit jenen wissenschaftlichen Kenntnissen auszurüsten, an denen es ihnen bisher gegenüber christlichen Wettbewerbern um die Seele Afrikas mangelte.
Dazu kommt, daß die modernisierten Jslam- staaten in viel wirksamerer Weise als der gott- und menschenfeindliche Sowjetstaat als Vorkämpfer gegen den europäischen Kolonial- Jmperialismus gepriesen werden können. Der panislamitische Teufel, den man im christlichen Abendlande vor dem großen Kriege an die Wand malte, war in der Tat ein Hirngespenst: eine wirkliche, nicht leicht zu überschätzende Gefahr kann dagegen heute der ganzen abendländischen Kulturwelt'aus einer von starren Dogmen befreiten und von rein weltlichen Angelegenheiten abgelenkten panislamischen Bewegung erwachsen, die sich in den Dienst der aus nüchternen Erwägungen zusammengeführten Interessengemeinschaft moderner Staaten im mohammedanischen Orient stellt.
Unter der Wucht des Hochwassers ist eine Brücke über die Loire in Montjean vollständig zerstört worden. Die Loire hat hier einen Wasserstand erreicht, der achtmal so hoch ist wie in no r m a len Zeiten. Von der zerstörten Brücke sind nur noch die Pfeiler erhalten. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Vor der Tür stand ein Herr, der gerade im Begriff gewesen war, zu klingeln.
„Vermutlich Herr John Croyden persönlich? , fragte der Besucher freundlich.
Bob zögerte den Bruchteil einer Sekunde. Dann antwortete er:
„Allerdings. Aber ich habe es leider sehr eilig. Vielleicht kommen Sie ein anderes Mal —"
„Sie entschuldigen, Herr Croyden, aber Sie werden mir wohl doch jetzt ein paar Minuten widmen müssen, wirklich nur ein paar Minuten Mein Name ist Brown vom Pfändungsamt"
Und schon hatte der Beamte den vermeintlichen Herr Croyden zur Tür hineingedrückt und diese hinter sich geschlossen.
„Ich weiß ja", fuhr er fort, „daß es sich um eine reine Formalität handelt. Mein Kollege, der sich auf Urlaub befindet, hat mich unterrichtet, daß bei Ihnen nichts zu holen ist, und daß die Einrichtung dieses Hauses nicht Ihnen gehört. Es ist also wirklich nur eine ganz kurze und schmerzlose Formalität, wenn ich Sie pflichtgemäß bitte, mir Ihre Brieftasche zu zeigen. Haben Sie keine Angst, zehn Dollar — mehr haben Sie ja nicht bei sich — müssen wir Ihnen belassen.
„Aber hören Sie mal — Sie können doch nicht einfach —" ,
O doch, ich kann, lieber Herr Croyden , lachte der Beamte und schon hielt er Bobs wohlgenährte Brieftasche in der Hand und öffnete sie, .„ja, hören Sie mal", rief er maßlos erstaunt, „da habe ich ja wirklich einen glücklichen Tag erwischt. Fünftausend Dollar in Banknoten — meine Hochachtung! So mein Herr, hier haben Sie zehn Dollar zurück und hier ist die Bestätigung über die restlichen Viertausendneunhundertneunzig. Ihre Schulden dürften sicherlich nicht so viel ausmachen, m em
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Man könnte bei einem oberflächlichen Ueberblick der die Wandlungen, die seit dem großen Kriege in mohammedanischen Orient vor sich gingen, leicht tnnehmen, die schon früher weit überschätzte „p a n- f l a m i s ch e B e w e g u n g" sei nunmehr erst recht rledigt. Es ist ein nationales Erwachen, das die 'ölker des Islam, in erster Linie die Türken, r die Bahnen moderner fortschrittlicher Entwick- inq lenkte, wobei die dafür beanspruchten poli- schen und wirtschaftlichen Triebkräfte erst von jahr- imbertealten Bindungen an rückschrittliche religiöse Satzungen befreit werden mußten. Mit einer immer tp eiteren Einschränkung der Einflußgebiete geist- lcher Würdenträger ging eine immer stärkere Be- pnung rassischer und völkischer Eigen- r t Hand in Hand, so daß schließlich die Bevölkerung des islamischen Kulturkreises sich in mehr ober peniger kleine, nach rein weltlick' ' -------**-—
taut werben mußten.
Man teilte bie Welt überhaupt ein in das Haus es Islam, „Dar el Islam", und das H a u s d e s irieges, „Dar el Harb". Innerhalb des „Dar : Harb" unterschied man wiederum zwischen Göt - enbienern, denen nur die Wahl gelassen wer- tn sollte, zum Islam überzutreten oder zu sterben, -ib ben „Völkern bes Buches", d. h. Christen n d Juden, denen erlaubt sein sollte, ihre Region, ihtt Gesetze und ihr Eigentum zu behalten, .lange sie die von ihnen geforderte Kopfsteuer be- ihlten. Angewandt auf die osmanische Herrschafts- rm bedeutete das, daß das Staatsvolk, das die -charia-Gfetze anerkannte und befolgte, innerhalb iines Machtspielraums neben sich besondere im- eria in imperio duldete, bestehend aus christ- chen und jüdischen Gemeinschaften, denen inner- iib gewisser Grenzen erlaubt wurde, ihr eigenes eben zu leben und sich ihre eigenen Gesetze zu »ben. ,T .
Sobald der türkische Sultan Mohammed II. im bfjre 1453 als Sieger in Konstantinopel einzog, rbnete er an, daß ein neuer Patriarch der gnetsch-orthodoxen Kirche gewählt wurde. Dieser wurde hnn als Oberhaupt der in der Türkei lebenden | e [ I e n e n anerkannt. Er hatte die den griechischen Vertanen auferlegte Kopfsteuer zu sammeln unb mußte sich für das gute Betragen seiner Dolks- gmossen verbürgen. Die Heilige Synode, an deren Ctitze er stand,' bildete für die Griechen innerhalb bis allgemeinen osmanischen Staatsverbandes die gifetzgebende Körperschaft und die oberste Verwal- Üingsbehövde. Für die Ausführung ihrer Entscheidungen konnte die Heilige Synode auf die Dienste d.r' türkischen Armee oder Polizei zählen. Nach denselben Grundsätzen wurden auch die staatsrecht- lchen Verhältnisse der in der Türkei lebenden Armenier und Juden geregelt. Andere nicht- muslimische Gemeinwesen wurden vorläufig nicht anerkannt. ____
ichen Gesichtspunkten usammengeschlossene, getrennte, selbstgenügsame und ilbstbewußte Gruppen aufzuspalten schien.
Ursprünglich war der Islam bei den Völkern, die ßch zu ihm bekannten, nicht nur Staatsreligion, sindern selbst ein Staatswesen, das in Ilebereinstimmung mit dem Schari oder religiösen besetz von einem Kalifen regiert wurde. Rassische, völkische und geographische Gesichtpunkte waren der religiösen Idee völlig untergeordnet; von der Wiege (■5 zur Bahre sollte sich das Leben des muslimischen Menschen nach den unwandelbaren Vorschriften des orans und der ihn ergänzenden kirchlichen Gesetzlicher regeln, die sich bis auf die kleinsten An- »legenheiten des Alltags erstreckten. Daraus ergab ch nun von selbst, daß im osmanischen, wie vorher m arabischen Reiche unterworfene, aber nicht be- hrte Völkerschaften keine st aatsdürgerliche Gleichberechtigung genießen konnten, son- trn einer besonderen gesetzlichen Ordnung anver-
Schlechtes Geschäft.
Von Ferdinand Feber.
Bob Armstrong hatte die Geschäfte in seiner Vaterstadt liquidiert, um sich einen neuen, seiner Begabung entsprechenden Wirkungskreis zu suchen, und befand sich auf dem Wege zum Bahnhof. Dor dem Hause Victoria Avenue 8 blieb er stehen. Schließlich fuhr ja ein paar Stunden Wieder em Zug nach Neuyork, und was Bob letzt sah, interessierte ihn ungemein:
Ein junger, elegant gekleideter Mann schloß die Haustür hinter sich ab, schleppte zwei ziemlich schwere Handkoffer zu einem wartenden Auto und fuhr davon. Offenbar war m der kleinen Villa niemand zurückgeblieben, sonst hätte der Herr sich
John Croyden war nicht wenig erstaunt, als ihm kurz nach seiner Rückkehr von der Weekend Party der Geldbriefträger den Betrag von 3222 Dollar und 17 Cent brachte. Zuerst dachte er an einen Irrtum und wollte das Geld zurückschicken. Aber die Adresse stimmte genau, und John Croyden gehörte * zu den Menschen, die sich über Gelddinge nicht viel den Kopf zerbrechen. Und schließlich war es nur recht und billig, daß der Gerichtsvollzieher, der einem sonst immer nur das Geld abnimmt, auch einmal einem welches schickte!
Zeitschristen.
— Der Naturforscher", vereint mit „Natur und Technik". Preis vierteljährlich 2,50 RM., Einzelheft 1,— RM. Hugo Bermühler Verlag, Berlin- Lichterfelde. — Das Januarheft der führenden naturkundlichen Zeitschrift legt mit der großen Reihe von Aufsätzen aus der Feder erster Fachwissenschaftler über Gegenwartsfragen und Ergebnisse aus den verschiedenen Gebieten der Naturwissenschaftler wiederum Zeugnis ab von seiner wissenschaftlichen Zuverlässigkeit und seiner hervorragenden Bildausstattung. Der bekannte Facharzt Dr. med. C. Haeberlein, Bad-Nauheim, legt in anschaulicher Weise den gegenwärtigen Stand unserer Kenntnisse über die Zusammenhänge von Kreislauf und Atmung dar. Dr. Kufferath, Berlin, berichtet an der Hand von Aufnahmen über die Erfolge der Wundbehandlung mit Ultraviolettbestrahlung. Der österreichische Jagdzoologe Viktor Schmidt erzählt unter Beigabe trefflicher Freilandaufnahmen von den Fortschritten der Einbürgerung des Muffelwildes in Deutschland und Oesterreich. Bisher noch unbekanntes von den Blutegelzähnen und ihrer merkwürdigen Wirkungsweise gibt der Zoologe Dr. v. Frankenberg unter Beigabe guter Bilder bekannt. Der Chemiker Prof. Winderlich berietet über die Herstellung und Verwendung der Leuchtfarben, deren Erforschung schon von Goethe begonnen wurde. Dr. Franz Weil führt anschaulich in das neue farbenphotgraphische Verfahren des Linsenrasterfilms ein. Professor Dr. Schmeidler schreibt über Flugzeuge mit Flügelantrieb. Zahlreiche kleine Beiträge und Forschungsergebnisse aus allen naturwissenschaftlichen Gebieten, Anregungen zur Naturbeobachtung, Bücherbesprechungen und eine Uebersicht über die Neuerscheinungen m den naturwissenschaftlichen und technischen Fächern sowie die beliebte Preisfrage runden auch die Januarnummer zu einem mustergültigen Heft ab.
Ein Adagio läßt das rhythmische Grundmotiv des vermutlich beim Tragen der schweren Koffer helfen nachfolgenden Allegro im Wechsetticht der Modu- lassen. .......
lation hinüberführen zu dem bewegten, rhythmisch akzentuierten Hauptteil, dessen innere Entwicklung nachhaltig von dem zweiten, anmutig-gesanglichen Thema beeinflußt wird. — Als eine Offenbarung innerlicher klanglicher Schönheit kann man das Andante ansehen, 'lieber Arpeggien der Streicher läßt die Klarinette ihren Gesang mit ideal schwebender Gelöstheit erklingen; sehnsüchtig, traumhaft spinnt sich der Grundgedanke im Lichte der instrumentalen Jndividualfarbe aus, bereichert durch die Gegensätzlichkeit der Nebenthemen; aushauchend in unendlicher Zartheit. — Im Scherzo werden rhythmische Gestalt und melodische Wendung zu treffender Eindeutigkeit verschmolzen, erfüllt und getrieben von unmittelbarer Lebensfreude; dem stellt sich ein Trio von naturhafter Schlichtheit gegenüber. — Das sich nun anschließende Andante nimmt Schubert zum Ausgangspunkt einer Folge von sieben Variationen, die in ihrer wechselnden Thematik ihrer gegensätzlichen Rhythmik und in der Abwandlung des Tonartencharakters eine kaum zu erahnende Fülle der Vielseitigkeit erschließt, ausklm- aend mit einer Coda in tiefster Innerlichkeit Em liebenswürdiges Menuett folgt der überlieferten tänzerischen Form, aber nicht ohne nersonliche Zuge — Die langsame Einleitung des Finales mit den zuckenden Rhythmen über dem Tremolo der tiefen Streicher führt aus dem dusteren, durch scharfe dynamische Gegensätze intensivierten Mott hm zu einem Dur-Alleqro, das in seiner weitzugigen Anlage, seiner kontrapunktisch vertieften thematischen Durcharbeitung, seiner scharfen Artikulierung der Entwicklungsansätze sich zu ganz besonderer Große erhebt. Vor Eintritt der Coda meldet sich nochmals der Einleitungsgedanke, dann aber schließt dieser in fast orchestraler Klangentfaltung. Dr. H.
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Schuberts Oktett.
zum vierten Konzert des Konzertvereins.
Eine ähnliche entwicklungsgeschichtliche Bedeu- hng wie bei Beethovens Septett trifft auch für Huberts Oktett (op. 166) zu. Beethovens (••eptett hatte dem angehenden Symphoniker dis Sprache und Ausdrucksmöglichkeiten der beteiligten 6 oloinftrunrente, Streicher wie Bläser, geläufig gerächt. Ebenso bekennt Schubert nach der Vollendung des Oktetts (1824) an Kupelwieser: leberljaupt will ich mir auf diese Art den Weg M großen Symphonie bahnen. Schubert hoffte |r Hinsicht auf die Beliebtheit von Beethovens Sep- btt, das damals in den verschiedensten Bearbeitungen den musiktreibenden Kreisen zugänglich gemacht worden war, mit seinem Oktett eine entsprechende Stellung in der musikalischen Öffentlichkeit zu gewinnen. Aber auch hier blieb ihm die Enttäuschung nicht erspart. Denn Schubert selbst er- Lbte nur zwei öffentliche Aufführungen des Ok- ti tts; das eine Mal im Kreise des sich als Klarinettisten betätigenden Grafen Ferdinand v. Troyer, der auch das Werden des Werkes angeregt haben soll; dann führte Ignaz S ch u p p a n z i g h, der schon bsi der Uraufführung die erste Violine gespielt hatte, es in einem Konzert der breiten Öffentlichkeit vor. Erst wieder im Jahre 1861 wurde das Lktett durch Hellmesberger der Musikwelt aurücfgegeben, und von da ab ist es ein besonderer Liebling' des kunstverständigen Publikums geblieben. Wenn es dennoch nicht allzu häufig auf dem Konzertprogramm wiederkehrt, so liegt das meistens on Besetzungsschwierigkeiten. , .
Der pefönliche Gewinn, den Schuberts Schaffenskraft aus dem Oktett zog, ist weniger m formaler Hinsicht zu suchen, als darin, daß er hier die Klangmöglichkeiten in der Gegenüberstellung der irei 'Blasinstrumente Klarinette, Fagott und Horn mit dem durch den Kontrabaß verstärkten Streich- (|uintett nach allen Richtungen hin erproben und erabe in der Durchsichtigkeit des Ensembleklanges Maßstäbe für sein symphonisches Schaffen erzielen onnte. In dem Reichtum seiner guellenden Er- indungsgabe ersprießt das melodische Gut in mannigfaltiger Gestaltung, getragen von tiefster lelischer Bindung. Ein besonderes Uebergewich uht in den beiden Ecksätzen; dazwischen schaltet Schubert zwei Satzgruppen ein, zwei Andante und mei durch die Tanzform beftimmfe Satze. Mit ilefer Formanordnung folgt Schubert der alten Serenade. Aber diese Anlehnung an überlieferte formen läßt ihn nicht in Formalismus verfallen, andern man wird immer wieder ine S^^ubertf^^e (Eigenart herausspüren, in seiner melotujdjen Sprache wie in der tiefen hingebungsvollen Stim- Nungsgebundenheit


