Unsere Universität beginnt ein neues Semester.
Am vorigen Montag hat unsere alma water bdoviciana nach viermonatigen Semesterferien wieder ein neues Semester begonnen. Im Universitätsviertel herrschte bald reger Verkehr. Man sah wieder Studenten auf der Suche nach Wohnungen, andere erledigten bereits ihre Anmeldungen auf dem Sekretariat und im Studentenhaus, alles Anzeichen für den Anfang des Wintersemesters.
Wie an allen deutschen Universitäten und Hochschulen, so wurde auch in Gießen am vorgestrigen Samstagvormittag das neue Seme st er offiziell mit einem Appell eröffnet, in dessen Mittelpunkt die Rede des Reichskultusministers R u st stand, die durch den Rundfunk übertragen, im Gemeinschaftsempfang gehört wurde.
Die festlich geschmückte Neue Aula war bis auf den letzten Platz besetzt, als unter einem flotten Marsch eineß Spielmannszugs des Jungvolks die Fahnenabordnungen einmarschierten. Mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Wohlauf Kameraden.. begann der Semesterantrittsappell.
Der Rektor Professor Or. pfahler
ergriff nun das Wort und gedachte zuerst der verstorbenen Angehörigen der Universität, zu deren Gedenken sich die Versammelten erhoben. Drei alte Senioren, bedeutende Wissenschaftler in ihrem Fachgebiet, seien verschieden. Die junge Front unserer Dozentenschaft habe sich beträchtlich vermehrt. Bei Beginn des Wintersemesters sei der zweijährige Kampf um den Bestand und die Erhaltung unserer Universität siegreich abgeschlossen. Sämtliche Lehrstühle seien nun lückenlos besetzt. Siebzehn neue Dozenten wurden hierauf vom Rektor begrüßt und vorgestellt. Mit dem Wunsche zu einer guten und schönen Arbeit wurden die neuen Kameraden willkommen geheißen. Dann dankte der Rektor allen Männern und Stellen, die den Kampf um die Erhaltung der Gießener Universität geführt haben, wobei er besonders für die verständnisvolle Unterstützung des Gauleiters und Reichsstatthalters Sprenger und der Regierung in Darmstadt seinen Dank aussprach. In Kürze wolle der Reichsstatthalter persönlich der Universität seinen Besuch abstatten und an Ort und Stelle neue Wünsche und Anliegen kennenlernen. Dann gab Prof. Pfähler noch bekannt, daß jetzt ein Reichsdozentenwerk gegründet worden sei, das sich insbesondere des jungen Dozentennachwuchses annehmen werde.
Zu den Studenten und Studentinnen gewandt, begrüßte der Rektor herzlich die junge Mannschaft, die zur Universität gekommen ist. Die Zahl der Studierenden habe sich gegenüber früheren Semestern etwas verkleinert, aber bereits über 700 Studenten hätten sich schon eingeschrieben. Auch sei die Zahl der .neugekommenen ersten Semester für Gießen sehr gut. In Zukunft sei innerhalb der
Studentenschaft ein Dualismus beseitigt, weil seit einigen lagen die Führung des Nationalsozialisti- scheu Deutschen Studentenbundes und der Deutschen Studentenschaft in einer Hand zusammengefaßt sei.
An dieser Stelle mußte der Rektor seine Ausführungen unterbrechen, weil inzwischen die Uebertragung der Rede von Reicksminister R u st aus Breslau einsetzte. Nach dem eindeutigen und klaren Appell des Reickserziehungsministers mit der neuen Parole „W i s f e n s ch a f t", richtete Prof. Pfähler noch einige Worte an die Anwesenden. Der Kampf um die Erhaltung der kleinen Gießener Universität müsse fortgesetzt werden, damit wieder ein steter Aufstieg der Studierendenzahl in Gießen zu verzeichnen sei. Wenn die Studenten den Vorteil einer kleinen Universitätsstadt erkannt hätten, dann blieben sie gerne hier. Jeder Student müsse versuchen, für das nächste Semester einen neuen Kameraden zur Gießener Hochschule zu bringen. Aufgabe der Universität im Dritten Reich sei, Männer zu erziehen, die in der Lage sind, die vom Führer gestellten Aufgaben zum Wohle des ganzen deutschen Volkes erfüllen zu können. Die Dozenten würden chr Bestes geben, auf der anderen Seite von den Studenten ernste Arbeit fordern.
Dann gab der Rektor noch bekannt, daß im kommenden Wintersemester drei Vorträge von der Universität und der Studentenschaft veranstaltet würden, die drei wichtige Themen behandeln und deren Besuch dringend empfohlen wurde. Der erste Vortrag beschäftige sich mit dem politischen Katholizismus, der zweite behandele einen Abschnitt aus dem Grenzlandkampf, der letzte Vortrag vermittele einen Einblick in das Freimaurertum. Am 9. November beteilige sich die Universität an der Gedenkfeier in der Volkshalle. Zum Gedächtnis der Helden von Langemarck werde auf Anordnung des Reichskultusministeriums eine Feier am 15. November aufgezogen. Weiter wurde bekanntgegeben, daß am 22. November im Stadttheater eine Werbeveranstaltung für die Universität und Studentenschaft stattfindet, und zwar wird Gerhart Hauptmanns „Bogen des Odysseus" in Szene gehen.
Am Schlüsse der Bekanntmackungen erinnerte der Rektor an den Reichsleistungskampf der Deutschen Studentenschaft, forderte zur regen Beteiligung der Studierenden auf und gab einige neue Themen dieses Leistungskampfes bekannt.
Mit dreifachem Sieg-Heil auf den Führer und mit dem Deutschland- und Horst-Wessel-Lied wurde der Semesterantrittsappell geschlossen. Nach dem Ausmarsch der Fahnen fand dann in der kleinen alten Aula die erste feierliche Immatrikulation der ersten und neu an unsere Universität gekommenen Semester statt.
Kameradschastsabeu- alter Soldaten.
Die Arbeitsgemeinschaft der Gießener Soldatenkameradschaften veranstaltete am Samstag im Saale des Caf6 Leib einen Kameradschafts- und Fmilienabend, der von den alten Soldaten aller Waffengattungen mit Angehörigen so stark besucht war, daß man den Saal vollbesetzt sah. Er- fteUlicherweise hatte sich mit den alten Soldaten auch ein ansehnlicher Teil Jugend eingefunden, die auch bei dieser Gelegenheit mit dem Geist und dem Wollen der alten Waffenträger der Nation bekannt- gemacht wurde.
Der Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Gießener Soldatenkameradschaften,
Kamerad Müller
betonte in feiner kurzen Eröffnungsansprache, daß die alten Soldaten bei einer solchen Zusammenkunft immer gerne zurückdächten an jene große Zeit, da sie an allen Fronten des Weltkrieges Schutz und Schirm der Heimat waren und in dem gemeinsamen großen Erlebnis die hohen Werte der Kameradschaft empfunden hätten. Er erinnerte aber auch an die schwere Enttäuschung der aus dem Kriege heimkehrenden Soldaten, die eine Heimat vorfanden, wie sie ihnen beim Ausmarsch nicht bekannt war, eine Heimat, in der art- und landfremde Elemente das große Wort geführt und deutsche Menschen ins Verderben gerissen hätten. Da hätten sich schon damals viele alten Soldaten in den Soldatenkameradschaftten zusammengeschlossen, um an ihrem Teile alles zu tun zur Wacherhaltung des alten Frontgeistes der Kampf- und Einsatzbereitschaft, der Kameradschaft, des bedingungslosen Bruderseins, wie man es draußen vor dem Feinde kannte. Den alten Soldaten sei denn auch der Weg der deutschen Erhebung leicht geworden. Der Redner erinnerte an den November 1923, wo zum ersten Male wieder unter Adolf Hitler alte Soldaten marschierten, die Schüsse vor der Feldherrnhalle den Weg für die deutsche Ehre und Freiheit geöffnet hätten, weil aus diesem Märtyrerblut vom November 1923 dem deutschen Volke die Kraft erstand zur Weiterarbeit am deutschen Aufbau und an der deutschen Wiedergeburt. Mit warmen Worten pries der Redner das große Fronterlebnis des Opferns und Kämpfens der deutschen Menschen für die Gesamtheit des Volkes und die starke Auswirkung dieses Frontgeistes auf den Freiheitskampf des Führers, der in diesem Geist in jahrelangem Ringen den Erfolg erftritten, aber wasts für sich gewollt habe sondern alles nur für das deutsche Volk und Vaterland. Mit freudiger Zustimmung hätten gerade die alten Soldaten den Erfolg des Führers und Frontkameraden Adolf Hitler und feiner Bewegung begrüßt, hätten sie sich seiner Führung anvertraut. Besonders erfreut
seien sie über die Wiederaufrichtung der deutschen Wehrhoheit und die Wiedereinführung der allgemeinen Dienstpflicht durch den Führer, dieser besten Schule des deutschen Volkstums und der soldatischen Kameradschaft. Darum gelte auch, wenn die alten Soldaten beisammen seien, immer zuerst und freudig ihr Gruß dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, zugleich mit stetem Dank für seine Arbeit zum Segen des deutschen Volkes und mit der Versicherung der unverbrüchlichen Liebe und Gefolgschafstreue der alten Soldaten. Freudig stimmte die große Gemeinschaft der alten Kameraden und ihrer Angehörigen ein in das Sieb°Heil auf den Führer. Anschließend wurden gememsam die ersten Verse der beiden Nationallieder gesungen.
Vortrag von Professor Or. Krass.
Im weiteren Verlaufe des Abends hielt Prof. Dr. Kraft einen Lichtbikdervortrag über das Kampfgelände von Verdun. Der Vortragende, ein Verdunkämpfer, der zweimal vor Verdun mit» gekämpft hat, berichtete über die Eindrücke von einer Besuchsfahrt, die er im vorigen Jahre von Gießen aus jenem ruhmreichen Frontabschnitt ab» stattete, und über mancherlei Erinnerungen aus seinem Fronterleben vor Verdun. Bei dem Bericht über seine Reise gab er einen anschaulichen Ueberblick über das jetzige Bild jenes Kampfgeländes, wobei er die bedeutsamsten Brennpunkte des Ringens auf beiden Maasufern in den Bereich seiner Schilderung stellte, aber auch Eindrücke von der Berührung mit der Bevölkerung in Verdun selbst und in der ländlichen Umgebung der Festung mitteilte. Er verknüpfte damit Betrachtungen über das politische Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich, insbesondere über die Einstellung der französischen Feuerkreuzler und anderer national- gesinnter Franzosen zum nationalsozialistischen Deutschland Adolf Hitlers. Ferner gab er allen denen, die selbst nicht vor Verdun gekämpft haben, sowie den Frauen der alten Soldaten und der Jugend eine anschauliche Vorstellung von der ungeheuren Schwere des Ringens der deutschen und der französischen Armeen, sowie von der gewaltigen Größe der Opfer, die vor Verdun auf beiden Seiten gebracht wurden. Zahlreiche Lichtbilder aus der Zeit des Krieges und aus dem vorigen Jahre begleiteten die Ausführungen des Redners, dem die Versammlung mit herzlichem Beifall dankte.
Oer gesellige Teil
brachte neben flotter Musik einiger Kameraden gemeinsam gesungene Soldatenlieder und frohe Unterhaltung zwischen den Kameraden der Der» I schiedenen Waffengattungen.
Heimatvereinigung Schiffenberg.
Am gestrigen Sonntagnachmittag veranstaltete die Heimatvereinigung „Schiffenberg" nach längerer Pause auf dem Schiffenberg wieder eine Familienzusammenkunst. Der Heimatsaal war bis auf den letzten Platz besetzt. Neben vielen Besuchern aus Gießen und der näheren Umgebung des Schiften- bergs war auch eine Abordnung des VHC. Hungen erschienen.
Vereinsführer Nicolaus begrüßte die zahlreichen Besucher, insbesondere die Hungener Heimatfreunde. Er wies darauf hin, daß die beabsichtigte feierliche Uebergabe des Limesgeländes bis jetzt noch nicht habe stattfinden können, dagegen werde die geplante Hütte, die am nördlichsten Punkt des Geländes aufgestellt werden sollte, in diesem Jahr noch errichtet. Die Mittel zur Ausstellung dieser Hütte seien durch fteiwillige Spenden aufgebracht worden.
Im "Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein
Vortrag von Rektor i. R. V. Müller, jetzt in Hausen. Der Redner erwähnte eingangs, daß im Grasser Wäldchen bei Hungen ein einfacher Gedenkstein stünde, auf dem die Worte eingehauen seien: „Wanderer, huldige den Manen eines Menschenfreundes." Dieser Stein, an dem viele achtlos vorübergingen, sei dem früheren hessischen Staats» minifter Karl d u Bos du Thil gewidmet, dem das Hofgut Graß vor etwa 100 Jahren gehört habe. Diesem Manne verdankten wir die wirtschaftliche Einigung Deutschlands durch die Schaffung des preußisch-hessischen Zollvereins vom 14. Februar 1828. Der Redner schilderte zunächst die wirtschaftlichen und politischen Zustände, die vom Ende des Dreißigjährigen Krieges an durch zwei Jahrhunderte in Deutschland zur Auswirkung kamen. Er zeigte, was diejenigen, welche die Einheit des Reiches erstrebten, an Widerständen überwinden mußten. Besondere Schwierigkeiten hätten sich da
mals auf wirtschaftlichem Gebiet gezeigt. Dies fei besonders bei dem Warenaustausch zwischen Preußen und Hessen zutage getreten. Der wirtschaftliche Zusammenschluß der einzelnen Staaten (ei durch die Voreingenommenheit gegen Preußen erschwert worden. Durch die Preußisch-Hessische^ Zollgemeinschaft sei der Weg gebahnt worden für eine wirtschaftliche Einigung innerhalb Deutschlands, die 1871 zu einer politischen Einigung geführt jabe. Das deutsche Volk, und insbesondere das hessische Volk, habe alle Ursache, das Andenken des damaligen hessischen wirtschaftlichen Führers in Ehren zu halten.
Vereinssuhrer Nicolaus dankte dem Vortragenden für feine interessanten Ausführungen, mit denen er den Besuchern ein lebenswichtiges Stück Heimat vor Augen geführt habe.
Im weiteren Verlaufe der Veranstaltung dankte Bürgermeister a. D. Fendt (Hungen) namens seiner VHC.-Freunde für die Einladung und das Gebotene. Er sprach den Wunsch aus, daß die Umgebung des Denkmals etwas würdiger ausgestaltet, insbesondere ein ordentlicher Weg dorthin angelegt werde. Er betonte weiter, daß die Gebirgs- und
Wandervereine mit den Heimatvereinen wechselseitig verbunden seien und daß sie etwas Gemeinsames hätten: die Heimatliebe. Wo diese gepflegt werde, könne etwas für das Volksganze geleistet werden. Zum Schluß hob der Redner noch die Schönheiten des Schiffenbergs hervor, lobte die Bestrebungen der Heimatvereinigung Schiffenberg und brachte ein Heil auf unsere deutsche und insbesondere oberhes. sische Heimat aus.
Die Ausführungen der Redner waren umrahmt von guten musikalischen Darbietungen. Mitglieder des Gesangvereins „Eintracht" Watzenborn-Steinberg, unter Leitung von Chormeister H a r n isch, erfreuten durch den Vortrag mehrerer Chöre, die einwandfreies Stimmenmaterial und gute Schulung verrieten.
Auf allgemeinen Wunsch sang Frau Steiner (Hausen), begleitet von ihrem Gatten, das „Schiffen- berg-Lied". Im übrigen trugen gemeinsame Lieder und anderes wesentlich zur Unterhaltung bei.
Nach einem kurzen Schlußwort brachte Dereins- führer Nicolaus ein dreifaches Sieg-Heil auf unseren Führer und Reichskanzler aus.
Herbsttagung der Deutschen Stenographeilschast.
Kreisgebiet Gießen.
Die diesjährige Herbsttagung des Kreisgebietes Hessen der Deutschen Stenographenschaft fand am Samstag im Hotel Schütz zu Gießen statt. Aus dem
Bericht des Kreisgebietsführers K. H. Kuhl
war zu entnehmen, daß sich im abgelaufenen Jahre die Zahl der Mitglieder wieder wesentlich erhöht hat. Zu dem im Juli dieses Jahres in Gießen abgehaltenen Leistungsschreiben des Gaugebietes Hessen konnte von den acht Kreisgebieten Hessens das Kreisgebiet Gießen mit 323 Wettschreibern nicht allein die meisten Schreiber stellen, sondern es stand auch an der Spitze der Ehrenpreisträger. Da die Deutsche Stenographenschaft sich auch ganz besonders die Pflege des Maschinenschreibens zur Aufgabe gestellt hat, wird diesem in allen Ortsgruppen eine erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet. Das ist auch dringend notwendig, gerade mit Rücksicht auf die Handelskammerprüfung. An den Industrie- und Handelskammern, bei welchen vorgesehen ist, daß allmählich eine kombinierte Prüfung abgelegt wird, d. h., daß neben der schnellschriftlichen Aufnahme eines Gesckwinddiktates und dessen Uebertragung auch ein gedruckter Text mit einer bestimmten Mindestanschlagzahl direkt in Maschinenschrift zu übertragen ist, und damit die Stenogramme selbst deutlich geschrieben und auch von anderen flott gelesen und übertragen werden können, wird eine Ansage für Verkehrsschrift in 60-Silben-Geschwindigkeit gegeben, bei der das Stenogramm auf feine Richtigkeit und Deutlichkeit geprüft wird. Außerdem muß der Prüfling auch den Nachweis der Maschinenkunde erbringen, damit er kleinere Reparaturen an der Maschine selbst beheben kann. Sobald diese neuen Prüfungsbestimmungen zur Anwendung kommen, dann sollen die Vorprüfungen, welche gegenwärtig in 120 - Silben - Geschwindigkeit abgelegt werden, fortfallen. Die nächsten Handelskammerprüsungen finden im ganzen Gaugebiet Hessen am Sonntag, Dem 15. November 1936, nach den alten Bestimmungen statt.
Oie Berichte der OrtSgruppen-Vertreter bezeugen, daß in allen Ortsgruppen überaus rege gearbeitet wird, und die Zahl der Unterrichteten ganz beträchtlich geftiegen ist. Auch die Zahl der
Mitglieder hat sich so gehoben, daß sogar in einzelnen Orten von der Bevölkerung 2 bis 3 v. H. Mitglieder der Deutschen Stenographenschaft siich. In Herbstein wurde ein Lehrgang in Kurzschrift von der Ortsgruppe Lauterbach eingerichtet.
Ganz besonderen Wert muß auch auf den Nachwuchs an tüchtigenUnterrichtsleitern gelegt werden. Zu diesem Zwecke hat das Kreis- aebiet Gießen einen Vorbereitungslehrgang für die Ablegung der Staatlichen Stenographielehrerprü- fung, die im Januar 1937 in Darmstadt stattfindet, eingerichtet. Der Lehrgang findet unter Leitung der Herren Balken, Graf, Kirschbaum und Vetter statt.
Oer Kreisobmann desMaschinenschreibens,Balken,Gießen referierte über das Maschinenschreiben. Er führte aus, daß nur das 10-Finger-Blindschreiben von der Deutschen Stenographenschaft gepflegt werde, und diese Methode die allein richtige fei. Leider verfielen immer wieder manche junge Leute, die im Blindfchreiben in einem Lehrgang angefangen hätten, sich das Zehn-Finger-Blindsthreiben anzueignen, auf den großen Fehler, tagsüber im Geschäft oder Büro mit einzelnen Fingern zu „tippen", anstatt durchzuhalten und die Zehn-Finger-Blind- schreibmethode unter allen Umständen restlos anzu- wenden. Wenn diese auch wohl erst etwas mehr Zeit zur Beherrschung erfordert, so gewährt sie aber doch später ganz gewaltige Vorzüge, die ein „Tipper" nie erreichen kann.
Oer übrige Tagungsstoff.
Neben der Pflege der Kurzschrift und des Maschinenschreibens wird auch in den Ortsgruppen der allgemeinen Bildung durch Vorträge und der Geselligkeit durch Veranstaltung von frohen Zusammenkünften und Ausflügen Rechnuna getragen.
Ganz besonders konnte noch hervorgehoben werden, daß die Bezahlung der Beiträge von allen Ortsgruppen pünktlich erfolgt ist, so daß Mahnungen ganz unterbleiben konnten.
Die Ortsgruppe Alsfeld hat die Kreisgebietstagung 1937 übernommen. Mit dieser Tagung, die voraussichtlich Ende Mai 1937 stattfindet, wird, wie alljährlich, ein großes Leiftungsfchreiben verbunden.
Nach einer kurzen allgemeinen Aussprache wurde die Tagung mit einem „Sieg-Heil" auf den Führer geschlossen.
Aste Krass -er Volkstumsarbeit.
Aus den Aufgabengebieten -es Landfchastsbundes Volkstum und Heimat. Eine Arbeitssihung.
Der Landschaftsbund Volkstum und H e i m a t hat sich die große Aufgabe gestellt, seinen Mitgliedern die Freude am Wahren, Guten und Schonen mit ins Leben zu geben, Dolkstumsarbeit zu hegen und zu pflegen und deutsck!", Brauchtum au schützen und der Zukunft zu erhalten Der Landschaftsbund will nach dem Wort unseres Führers die großen Traditionen unseres Volkes, seiner Geschichte und seiner Kultur pflegen als unversiegbare Quellen einer wirklich inneren Stärke und einer möglichen Erneuerung in trüben Zeiten.
Diesem gesteckten Ziel näher zu kommen, soll auch die Arbeit im kommenden Winter ganz in den Dienst der rechten Volkstumsarbeit bestellt werden. Die Teilnehmer sollen in freiwilliger Mitarbeit eine Stärkung erleben und in der Freude Kraft gewinnen für die Erfüllung der Pflichten gegenüber Volk und Vaterland. Diesem Ziel diente die Besprechung der Fachamtsleiter, Vertrauenensleute und Mitarbeiter, die am gestrigen Abend im „Aquarium" stattfand.
Ortsringleiter Dr. Michel eröffnete die gut besuchte Versammlung und sprach zunächst über die verflossene fruchtbringende Zusammenarbeit mit den angeschlossenen Verbänden, dem Gleibergverein, der Heimatoereinigung Schiffenberg, der Heimatoereinigung Staufenberg, der Odenwälder-Vereini» gung, der Vereinigung für Volkskunde, dem Vogelsberger Höhenclub, der Gesellschaft „Liebig- Museum" und dem Obst- und Gartenbauverein. Fast sämtliche der genannten Verbände hatten ihre Vertreter zu der Versammlung entsandt.
Die geschäftlichen Mitteilungen erstreckten sich auf Ausfüllung der für das Jahr 1937 auszustellenden Leit- bzw. Mitgliedskarten, Erhebung der Beiträge, Mitgliederwerbung, Vertrieb der Kalender und Ummeldungen von Mitaliedem. Bei den organisatorischen Fragen behandelte Dr. Michel die sehr wichtige Frage der Zusammenarbeit mit der 316.» Kulturgemeinde und der NS.-Gemeinschaft »Kraft durch Freude".
Der Vertreter des Fachamts Tierschutz im Ortsring Gießen wünschte eine stärkere Berücksichtigung der im Interesse des Vogelschutzes notwendigen Maßnahmen. Ortsringleiter Dr. Michel versprach auch weiterhin Unterstützung und gab die Zusicherung, den Tierschutzfreunden einen größeren Geldbetrag für die Anschaffung von Futtermitteln zur Fütterung der Vögel im kommenden Winter zur Verfügung zu stellen. Auch der Vertreter des Obst- und Gartenbauvereins sagte den Tierschutzfreunden seine Unterstützung zu.
Die Versammlung befaßte sich sodann mit der Arbeit des Ortsringes in Den verflossenen Monaten. Dr. Michel berichtete kurz über die zahlreichen Ver- anstalttmgeu des Ortsringes,
Der in der Versammlung anwesende Leiter des Sinakreises, Lehrer Siegler, bat bei dieser Aussprache um stärkste Unterstützung seiner Arbeit durch Zuführung von neuen Mitgliedern, denn sonst sei die Mitwirkung des Singkreises für den kommenden Winter lehr in Frage gestellt. Auch andere Mitarbeiter Der Volkstumsarbeit warben sehr für den Singkreis. Im Interesse der Pflege Des Volksliedes, der ja die Hauptarbeit im Sing- kreis gelte, wäre, wie einige Redner ausführten, eine stärkere Beteiligung der Jugend an Der Arbeit sehr erwünscht.
Einen breiten Raum nahmen Die Besprechungen über die kommende Winterarbeit ein. Sie soll nach Den Ausführungen des Vorsitzenden Der deutschen Volkstumsarbeit und zwar Der Besprechung von Sitten unD Gebräuchen gewidmet sein. Folgende
Leder Hilst dem WHW !
Opferspenden vom Lohn oder Gehalk sind an das Dinkerhilfs we rk des Deutschen Volkes, Kreisführung Wetterau in Gießen, Postscheckkonto Jlr. 23 o33, oder auf dessen Bankkonto 6100 bei der Bezirkssparkasse Gießen zu überweisen.
Versammlungen finden in nächster Zeit statt: Arn 13. November wird Professor Stand fuß über Das Thema „Tierseuchen und Volksgesundheit" sprechen. Am 18. dieses Monats, am Buß- und Bettag, soll ein Besuch Der FrieDhosskapelle und des alten Friedhofs vorgenommen werden. Stadtbaurat Gravert wird die Führung übernehmen. Zum Abschluß dieses Tages wird Der Singkreis in Der Kapelle mit einigen Liedern aufwarten. Bei Der Besprechung über Diese Angelegenheit regte Professor Hepding an, einen Führer über Den alten FrieDhof ausarbeiten zu lassen. Am 24. November wirD Gewerbelehrer Dr. Winter (Heppenheim an Der Bergstraße) Das Thema „lieber Die Gestaltungskraft im Brauchtum Des Jahreslaufes" in Wort und Bild behandeln. Im Januar 1937 wird ein Volkslieder- und Gedichtabend in Mundart die Mitglieder mit ihren Familien zu froher Unterhaltung vereinen. Auch für Die späteren Monate nrirD Das Thema „Brauchtum" noch durch weitere Vorträge ergänzt merDen. Bei Den meisten Der Veranstaltungen sollen Die hiesigen Gesangvereine um ihre Mitwirkung gebeten werden.
Nachdem noch Direktor Menten für den De* such des großen Oleibergfeftes im kommenden Jahr geworben hatte, schloß Ortsringleiter Dr. Michel mtt Worten des Dankes an alle Mitarbeiter und toem Gruß an den Führer die Versarnmüing»


